102
Natur war mächtiger als die seünge, und überwältigte ihmEs ward verabredet, er solle mich Abends aufsuchen undmeinen Entschluß vernehmen; — die folgende Nacht wardiejenige, in welcher die Thal geschehen sollte. Wir
schieden.-Als nmgeänderter Mensch langte ich
ln meiner Wohnung an. Das Verhängnis) hatte seinNetz nm mich gewoben ; — ein neuer Umstand zog jetzt dasGeweb dichter an. Ans meinen Spaziergängen halt' ichoft ein armes Mädchen bemerkt, das ihre Familie durchGeschicklichkeit im Spitzenklöppeln ernährte — ein stilles,sanftes Wesen, ein Bild der Geduld. Vor wenigen Ta-gen war sie von Elarke, unter dem Vorwand, ihr Spitzenabzukaufen, ins Hans gelockt worden (als eben alle übrigeBewohner sich wegbegeben hatten) und ihr dort von Jenemdie brutalste Gewalt geschehen. Die ausnehmende Dürf-tigkeit der Eltern hatte es dem Verbrecher nicht schwergemacht, diese Leute zum Stillschweigen zu bereden, aberetwas von der Geschichte war gleichwohl unter die Mengegekommen. Das arme Mädchen wurde Gegenstand jenesGeschwätzes und jener VerlLsterungssucht, die gerad beiden niedern Volksklaffcn eben so roh im Ausdruck, alsschadenfroh in der Gesinnung ist, und in einem Ansall vonScham und Verzweiflung hatte sich das unglückliche Ge-schopfjetzt eben das Leben genommen. Dieses schauerlicheEreigniß entlockte den Eltern den wahren Hergang. DieUnthat sammt ihrer Folge kam mir in derselben Stundezu Ohr, wo meine Seele unentschlossen schwankte. KönnenSie sich wundern, daß sie dadurch auD Einmal und zu