40
„Er ist nicht zu HanS; er ist auf's Schloß gegan-gen/' erwiedcrte Ellinor.
„So werd ich ihn denn auf seinem Heimweg treffen,"cntgegnete Walter. „Aber Ellinor, hoffentlich ist nichtsWahres an dem Gerücht, das ich da und dort in der Stadthörte, als beabsichtige Madcline morgen bei der gericht-lichen Verhandlung zugegen zu seyn?"
„Wirklich befürcht ich, daß sie Das will. Der Vaterund ich suchten ihr's Beide aus allen Kräften auszureden;aber umsonst. Du weißt, wie entschlossen sie bei allerSanftheit ist, sobald ihr Gemüth sich einmal auf irgendeinen Gegenstand geworfen hat."
„Sollte aber der Spruch gegen den Gefangenen aus-fallen — bedenk, wie entsetzlich dieser Schlag bei ihremGesundheitszustand sie treffen würde! — Ja, auch dieFreude über die Lossprechung könnte anderseits eben so ge-fährlich werden. — Ums Himmelswillen gebt eS nichtzu!"
„Was sollen wir thun, Walter?" erwkederte Ellinor,die Hände ringend. „Wir können da nicht helfen. DerVater verbot mir endlich, ihrem Wunsch entgegen zu ar-beiten. Widerspruch, sagt der Arzt selbst, könne hier sogefährlich werden, als Zugeständnis!. Und der Vaterfügte mit fester, ruhiger Stimme, deren Ton mir nochjetzt ins Herz schneidet, hinzu: Sey ruhig, Ellinor!muß der Unschuldige sterben, so ist's um so besser, je schnel-ler sie wieder mit ihm vereinigt wird: ich möchte dannAlles, was mich bindet, jenseits des Grabes wissen!"