3 "
durch Bestechung oder Ueberredung für seine Be-hauptung gewonnen; die andre Hälfte behauptetsteif und fest ihre Vernünftigkeit; und in Wahr-heit: ihre eigne Meinung ist, was diesen Punktbetrifft, gethcilt. Sie hat ncmlich die Gewohnheitzu trinken in einem aller Sentimentalität zuwider-laufenden Grade; wenn sic nun im Anfall derTrunkenheit ist, so giebt sic, was ihr zur Last ge-legt wird, zu, — fleht um Barmherzigkeit undBranntwein und schleppt sich wie eine Magdalenczu Bette; aber wenn sie am andern Morgen wie-der zu sich kommt, so ändert sich Alles: sie ist eine- mißhandelte Frau, eine verfolgte Heilige, ein weib-licher Sofokles — für närrisch erklärt, nur weil sieein Wunder der Welt sey. Der arme Harry Dar-lington besuchte sie dieser Tage in der Stadt; erfand sie in einem großen Sessel sitzend, umringtvon einem ganzen Schwarm Anhänger, welche sich,und zwar keineswegs sotto voce, stritten, ob LadyGander närrisch sey oder nicht. Henry wird sogleich als Zeuge angesprochen: „Ist dies;," sagteder Eine „kein Beweis der Narrheit?" „Ist dasnicht ein Zeichen, daß sie oompos meotis ist?"rief der Andre. „Ich rufe Sie znm Zeugen ans,Herr Darlington," riefen Alle. Inzwischen saßder Gegenstand der Unterhaltung in einem Zustandtrunkener Gefühllosigkeit da, drehte den Kopf zu-erst auf die eine, dann ans die andre Seite undwinkte allen Streitenden zu als stimmte sie Jedem