Krönung de- Königs Veit.
lassen, und erinnerte, daß es ihnen ia nicht an der Machtfehle, dem cingedrungenen Könige seine angemaßte Würde zuentreissen; denn diesem wäre ja niemand hold und gewogenaußer dem Patriarchen Heraklins, dem Fürsten Rainald unddem Großmeister dcöTempcls; alleandere und selbstderGroß-Meister des Hospitals wären ihres Sinns. Der Graf Rai-mund entblödete sich nicht, das schmähliche Wort auszuspre-chen, daß selbst die Saraceucn, mit welchen sie damalsFrieden hatten, ihnen den Beystand nicht versagen würden.Er brachte hierauf den Grafen Honfroy, den Genialst derjungem Schwester der Gräfin von Joppe, in Vorschlag ;urköniglichen Würde, worauf alle einmürhig beschlossen, die-sen am folgenden Tage zum König auszurufen.
Der Graf Honfroy aber, ein Mann von zaghaftemSinne und wenig sich selbst vertrauend, erschrak heftig, alser sich mit der Bürde der Herrschaft über ein so entzweytesund zerrüttetes Reich bedroht sah, und entwich in der fol-genden Nacht aus Neapolis nach Jerusalem. Die KöniginSibylle empfing ihn zwar zuerst mit Vorwürfen darüber, daßer mit ihren Feinden es gehalten; als sie aber vernahm, wieer durch die Flucht der königlichen Würde sich entzogen, lobtesie sein Benehmen mit freundlichen Worten. Worauf Hon-froy dem Könige Veit huldigte.
Die Entweichung Honfroys setzte den Grafen von Tri-polis in sehr große Verlegenheit. Denn, sobald dieselbe kundwurde, erklärten die übrigen Barone, daß ihnen nunmehrkein Grund obzuwalten schiene, dem Könige Veit die Kronestreitig zu machen, nachdem der einzige, welchem außer die-sem, aus dem Rechte der Verwandtschaft mit dem königli-chen Hause, Ansprüche auf die Krone zuständen, seinesRechts sich begeben hätte, und daß also Ehre und Ge-wissen ihnen geböten, ihrem Könige sich als getreue