Geschichte der K r e u z z ü g e nach morgenländischen und abendländischen Berichten. Don vr. Friedrich Wklken, Königs. Oberbibliotliekar, Professor an der Universität und Mitglied« der König!. Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Corresprndenten der Königs. Lranzös. Akademie der Inschriften und schönen Wissenschaften zu Paris. Dritter Tkeis. Ztveyte Abtheilung. Di er tos Buch. Die Kämpfe der Christen wider Dureddin und Sala- din bis z«m Verluste von Jerusalem im I. 1137. Leipzig, l 8 r 9 Sr. Excellenz dem Geosiherzoglich Badischen Heren Staatsminister Herrn Freyhcrrn von Neitzenstcin « ls Denkmal der innigsten Dankbarkeit und Anhänglichkeit ehrerbietigst gewidmet. Vorrede. ^ndem ich dem Publikum den Schluß des dritten Bandes der Geschichte der Kreuzzüge übergebe, kann ich die Versicherung hinzufügen, daß nunmehr dieses Werk in kurzer Zeit vollendet scyn wird. Denn von den Kreuzfahrten, welche seit dem Ende des zwölften bis zu dem Ende des drcyzehnten Jahrhunderts für die Wiedereroberung des heiligen Grabes geschahen, können nur noch die große Kreuzfahrt des Kaisers Friedrich des Ersten und der Könige Philipp August von Frankreich und Richard Löwenherz von England, dann die Stiftung des lateinischen KaiscrthumS in Con- stantinopel, und endlich die Kreuzfahrten Ludwigs des Frommen auf eine ausführliche Behandlung Anspruch machen. Für die Kreuzfahrt des Kaisers Friedrich des Andern, welche nicht in dem frommen Sinne der alten Wallbrüder unternommen wurde, wird nicht so große Ausführlichkeit nöthig feyn, und eine noch geringere Vl hinreichen für andere spatere Unternehmungen dieser Art, deren Triebfeder nicht die Begeisterung für das heilige Grab und die Ehre des Ehristenthums, sondern entweder die Gewinnsucht von Kauflcuten oder Eroberungssucht war. Auch würde es eben so wenig nützlich als erfreulich scyn, alle kleinlichen innen, Handel undZänkercyen, wodurch die wenigen, seit SaladinS Eroberung im gelobten Lande einheimisch gebliebenen Abendländer ihren Untergang beschleunigtem, bis in alle Einzelheiten zu verfolgen und zu erwägen. Dagegen werden dem vierten Bande noch einige tritt« sche Abhandlungen, vornehmlich über die Quellen der Geschichte der Kreuzzüge und die von den abendländischen Fürsten im Morgcnlande geprägten Münzen, nnd eine topographische Beschreibung von Jerusalem, nach dem Zustande dieser heiligen Stadt während der christlichen Herrschaft' im Mittelalter, bcygelegt werden. Auch wird die längst versprochene Charte den vierte» Theil begleiten. Berlin am 4 Julius 1319. IX Inhalt. Vertrag mit Schirkuh, S. 92. Frcnlassung des Fürsten Vormund, 9z. Uebergabc verschiedener Burgen an die Heiden, 94. Zweiter Zug des Emirs Sckirkuh nach Aegypten, 95- Dritter Zug des Kö- 2^dr. nigs Amairich nach Aegypten, 9;. 96. Vertrag und Bündniß desselben mit dem Sultan Schauer und dem Chalifen Aded, 97—100. Verschiedene Bc wegungen der beyden Heere, 100 — 10Z. Schlacht ben Babain, 10z — 108. Amairich folgt dem Heere des Schirkuh nach Alerandrien und wieder zurück nach Kahira, 108. iuy. Belagerung von Alerandrien, 109. 110. Friede mit Sckurkuh und Uebergabc von Alerandrien, 111. 112. Mischelligkeiten zwischen 2 ^ ^br- Amairich und dem Sultan Schauer, uz. 114. Unterhandlungen zwischen dem Könige Amairich und dem Kaiser Manuel wegen einer gemeinschaftlichen Unternehmung gegen Aegypten, 114—116. Vierter Zug des Königs Amairich nach Aegypten, 116 — 118. Dritter Zug des Emirs Schirkuh dahin, 119. 120. Schimpfliche Rückkehr des Königs Amairich, 121. Schirkuh und nach dessen 2 Chr. Tode Saladin Vezir von Aegypten, 122 — 125. Gesandtschaft der " syrischen Christen an die Fürsten des Abendlandes, 125. 126. Gemeinschaftliche Heerfahrt der Griechen und Lateiner gegen Aegypten, i2ü —egg. Erdbeben in Syrien, izg. izz. Einbruch Sa- ladins in das Reich Jerusalem, izz — 1Z8. Eroberung von Ailah am rothen Meere durch Saladin, Tod des Chalifen Aded, izy. Wie Saladin mit Vorsicht seine .Herrschaft in Aegypten befestigt, -z. Tyr. 140 —142. Große Berathung der Krcuzsürstcn, 14z. Reise des Königs Amalrich nach Constantinopel, 144 — 148. Pilgerfahrt des Grasen Stevhan von Bleis, Tod des Bischvffs Wilhelm von 2 . Cbr. Ptolemais, 148. Anordnung der Verhältnisse in Cilicien, 149. Heerfahrt gegen den Fürsten Malich von Cilicien, Belagerung von Krak durch Nureddi», Einbruch Saladins in das Reich, 150. Die Bekehrung des Alten vom Berge wird durch die Templer verhindert, 151 — IZZ. Tod Nureddins, izz. Tod des Königs Amal- 2 . Che. rich, r54- "N- Drittes Kapitel. Regierung des Königs Balduin IV. Krönung des dreyzcbnjährigen Balduins lV., Streit wegen der Vor- 2 - Tbr. mundschaft, S. 15g. iz 6 . Ermordung des Seneschalls Milo. Graf Raimund von Tripolis wird als Reichsverweser angenommen, 157. Aussatz des Königs, mißlungene Unternehmung einer sicili- schen Flotte gegen Alerandrien, izg, Erweiterung der Herrschaft 2. Ch«, Saladins unter den Unruhen im Reiche Nureddins, 159. Erobe- rung von Damascus, 160. Belagerung von Aleppo, 161. Ver- I. Cbr, sammlung der Christlichen Schapen bey Arca in der Grafschaft Tri- X 3 . Chr, H7ö. I. Tbc. -- 77 - Z. Cyr. i-7y. I. Chr. ngo. I. Cl,r. i>8i- 3 - Thr. »S^i. Z n h a l t. polis und vergeblicher Zug nach Emessa, 162. Vertrag des Grafen Raimund mit Saladin, i6z. 164. Sieg Saladins über das Heer von Mosul bey Hama, 164. 16z. Sieg desselben über den Ssthabek Saifcddin bep Teil assoltan, iüö. Die Assasincn versuchen Saladin zu ermorden, Friede zwischen Saladin und Malek as Saleh, 167. Heerfahrt Saladins gegen die Assasinen, 167. iü8. Trägheit der Christen während dieser Kriege Saladins und einzelne unbedeutende Abenteuer, 1S8 — 170. Vermählung der ältern Schwester des Königs, Sibvlla, mit dem Markgrafen Wilhelm Lou- gaspata und nach dessen frühzeitigem Tode Verhandlungen mir dem Grafen Philipp von Flandern, wegen ihrer Wiedervermahlung, 170 — 778. Weitere Verhandlungen mit dem Grafen Philipp und einer griechischen Gesandtschaft über dip Heerfahrt nach Aegypten, 178-181- Vergebliche Belagerung der Burg Harem durch den Fürsten von Antiochien und den Grafen von Tripolis in Gemeinschaft mit dem Grasen von Flandern, 181 —18Z. Sieg des Königs Balduin über Saladin bep Askalon, 184 — 188. Bau einer neuen Burg am Jordan, 178, Niederlage des Königs bey Paneas, 190. Einbruch Saladins in bas Königreich und Sieg über den König bey Paneas, 191 —194. Wallfahrt des Grafen Heinrich von Troyer-, 194. Gesandtschaft nach dem Abendlande, welche dem Herzoge Heinrich von Burgund die vcrwittwete Gräfin Sibylle zur Gemahlin an- bictet, 195. iyü. Der König Balduin gibt seiner Schwester den Ritter Veit von Lusignan zum Gemahl, iy6. 197. Anstandfric- dcn des Königs mit Saladin, 198. Einbruch Saladins in die Grafschaft Tripolis und Frieden mit dem Grafen Raimund, iy8. iyy. Tod des Kaisers Manuel, 199. Verlobung der jungen Schwester des Königs mit Henfried von Toron, Tauschvcrtrag des Königs mit demselben. Beleidigung des Grasen von Tripolis, 201. Ehestreit des Fürsten Vormund von Antiochien, 202—204. Vereinigung der Maroniten mit der römischen Kirche, 204. 205. Einbruch des Fürsten Rainald in Arabien und Verwüstung des Christlichen Landes jenseit des Jordans durch Saladin, 205. 206. Be- rathung der Christlichen Fürsten, das Christliche Heer lagert sich bey Krak, 206. Saladin zieht nach Damascns, 207. Lager der Christen an der Quelle von Sephoris (Scphoria) in Galiläa, Verlust von Buria und einer festen Hole in der Landschaft Trachonitis, 2O8. Sieg der Christen über Saladin bey Belveir, 209 — 211. Belagerung von Vrrytus, welche nach wenigen Tagen von Saladin aufgehoben wird, Einbruch des Malek al adel in die südlichen Grenzen des Reichs, 212 - 214. Tod des Malek al Saleh, Fürsten von Aleppo, 214. Erobikung von Aleppo und verschiedenen Städten jenseit des Euphrat durch Saladin, 214—219. Verschiedene Inhalt. Viertes Buch. Die Kämpfe der Christen wider Nureddin und Saladin bis zum Verluste der heiligen Stadt Jerusalem 1187. Erstes Kapitel. Regierung des Königs Balduin HI.' Schlimme Folgen des unglücklichen Ausgangs der letzten großen Kreuzfahrt für die christliche Herrschaft in Syrien, Seite 1. Einbruch des Fürsten Moineddin von Damaskus in das Königreich Jerusalem, 2. Einbruch Nnreddins in das Fürstenthum Antiochien, z. Tod des Fürsten Raimund im Gefechte bey Aunab, Verheerung des Fürstenthums und Eroberung der Burg Harem durch Nureddin, Anstandsrieden, z —5. Einbruch des Fürsten von Jkoninm in das Fürstenthnm Antiochien, 5. Gefangenschaft des Grafen Joscelin, Z. ü. Eifersucht der Areuzessürsten und des Königs Balduin redlicher Eifer für die Vertheidigung des heil. Landes unter so großen Schwierigkeiten, 7. 8. Abtretung der Grafschaft Joscelins an den Kaiser Manuel, y. Eroberung derselben durch Nureddin, 10. Wiederherstellung der Stadt Gaza, ro. Partheyung im Reiche Jerusalem gegen die Königin Melisenda und den Eonnetable Mauaffe, Krönung des Königs, Krieg zwischen der Mutter und dem Sohne, Friedensvertrag, 11—iz. Reichsversammlung zu Tripolis, vergebliche Verhandlungen wegen der Vermählnn; der Fürstin Constantia von Antiochien und der Versöhnung des Grafen von Tripolis mit seiner Gemahlin, 15. iü. Ermordung des Grafen von Tripolis durch Affasincn, 16. 17. Sieg über den Fürsten Hu- sameddin Timnrtasch, Fürsten von Maredin, bev Jerusalem, 17. 18. Eroberung von Askalon, 26. Anordnung der weltlichen und kirchlichen Angelegenheiten dieser Stadt, 26. 27. Eroberung von Damaskus durch Nureddin, 28 — 31. Waffenstillstand zwischen den Christen und Nureddin, zi. 32- Vermählung der Fürstin Constantia mit Rainald von Chatillon, 32. Streitigkeiten 2. Che. -i«. 2. Che. I-4Y- 2. Ehe. irSo. 2- Che. IIZ2. 3. Che. -WZ. 2- Che. " 84 . vm I. Chr. »55- I. Cür. »57- I. iyftr »58. 2. Cbr, ->Z». I Cbr. »So. I. Ehr. »öi. I. Cl,r. »Ü2. I. SSr. »Ü2. I Clir. »lüz. I. Ckir. »ö.s. Inhalt. des Fürsten Rainald mit dem Patriarchen von Antiochien, S. ZZ — ZZ. Streitigkeiten derHospitaliter mit den Bischöffen, 35 39- Habsucht der Templer, Verkauftes Aegypters Näsireddin an seine Feinde, zy. 40. Erneuerung des Waffenstillstandes mit Nureddin und Bruch desselben durch Balduin, 41. Sieg des Emirs Asaded- din über die Kreuzritter am Euphrat und des Näsireddin über die Hospitaliter bey Paneas, 42. Berennung der Stadt Paneas durch Nureddin, 43. Niederlage der Christen bey der Furth Jakobs, 44. 45. Dritte Wallfahrt des Grafen Dieterich von Flandern, 46. Werbung des Königs um Theodora, die Nichte des Kaiser» Manuel , 46. 47. Umlagerung der Stadt Rugia durch die Christen, 47. Krankbcit Nurcddius, Belagerung von Cäsara am Orvntes durch die Christen, Mißlingen dieser Unternehmung durch die Zwietracht der Christlichen Fürsten, 48 —Zi. Eroberung der Burg Harem, 51. 52. Einbrüche der Aegypter in das Christliche Land, 52. Belagerung der Burg Sueta durch Nureddin und glanzender Sieg der Christen über ihu, bev der hölzernen Brücke am See Liberias , ZZ. Rückkehr des Grafen Dieterich, 54. Heerfahrt des Kaisers Manuel nach Sprien, 54 — 65. Einbruch des Königs Balduin in das Land von Damascus, 65. Gefangenschaft des Fürsten Rainald, 66. Kirchliche Handel wegen der zwiespältigen Papstwahl, 67. Werbung des Kaisers Manuel um die Tochter des Grafen von Tripolis, 68—70. Werbung desselben um die Prinzessin Maria von Antiochien, 71. 72. Tod des Königs Balduin UI. 72 — 74. Zweytes Kapitel. Regierung des Königs Amalrich. rönung des Königs Amalrich, S. 75. Sein Charakter, 75 —78. Unzufriedenheit aller Stände mit seiner Regierung, besonders wegen der Begünstigung des Milo von Planen, ?8. Scheidung des Königs von seiner Gemahlin Agnes, nachherige Schicksale dieser Königin, Wicdervermählnng des Königs mit der griechischen Prinzessin Maria, 78. 79. Erster Ina Amalrichs nach Aegypten, Instand diese» Landes, 79—83- Ing des Emirs Schrrkuh nach Aegvptcn, 8z. 84. Erste Erwähnung Saladins, 84. Seine Herkunft und sein Geschlecht, 85 — 88. Sein Charakter, 88. Iwey- ter Ing Amalricks nach Aegypten, Sieg der Christen über Nurcd- din bev dem Schlosse der Kurden, 8y. Umlagerung der Burg Harem durch Nureddin, 90. Niederlage der Christen bey dieser Burg, und Gefangenschaft des Fürsten Boemnnd von Antiochien und Grafen Raimund von Tripolis, 91. Eroberung von Paneas durch Nureddin, 92, Rückkehr des Königs Amalrich aus Aegypten, XI Inhalt. Abenteuer der Ritter des Kreuzes, S. 219 —222. Heereszug des Fürsten Rainald an den Arabischen Meerbusen, 222. 22Z. Reichstag zu Jerusalem im Fcbr. 1183 und Ausschreibung einer allgemeinen Steuer, 224 — 227. Wanenstillstand des Fürsten Vormund von Antiochien mit Saladin, 227. Lager der Ritterschaft des Reichs bep Sephoris, Uebertragung der Regierung durch den kranken König an den Grafen Veit, 228. Ereignisse an der Quelle Tubania, 229 — 235. Feyerliche Vermählung des Henfried von Tvron mit Elisabeth, des Königs Schwester, zu Krak, 235. Belagerung von Krak , 236 — 238. Neue Mißhelligkeiten im Reiche Jerusalem, Ränke gegen den Grafen Veit, Krönung deS Knaben Balduin, Rcichsvcrsammlung zu Ptolcmais, Ernennung des ivr. Grasen Raimund von Tripolis zum Neichsverweser, 238 — 244. Tod des Königs Balduin im März 1185, 24z. Viertes Kapitel. Krönung des Königs Veit. Reichsverwaltung des Grafen Raimund, S. 246. Waffenstillstand mit Saladin und große Hungersnoth im gelobten Lande, 247. Mildthätigkeit des Bürgers Germanns zu Jerusalem, 248. 249. Tod des Königs Balduin 249. Graf Raimund wird durch den 2 . Thr. Seneschall Joscelin hintergangcn, 250. Sibylle verschaft ihrem " ' Gemahle, dem Grafen Veit, durch allerlei, Ränke die Krone, 251 — 253. Unwille der zu Neapolis versammelten Barone deS Reichs, 214. Der Gras Henfried unterwirft sich dem Könige Veit, 255. Die Barone huldigen sämmtlich dem neuen Könige, 256. Offenbare Feindschaft zwischen Veit und dem Grasen Raimund, und letzterer erhalt Bevstand von Saladin, 257. 25L. Fünftes Kapitel. Verlust des heiligen Landes. Zwiespalt in der Kirche des heiligen Landes, allgemeiner Unwille Tbr. gegen den Patriarchen Hcraklius von Jerusalem, S. 259. Aerger- liches Leben des Patriarchen und dessen Reise nach dem Abendlande, 2üo. 261. Verderbniß der Sitten unter den Layen, 262. 263. Unwille gegen die Templer, 263. Verlängerung des Waffenstillstandes mit Saladin, und Bruch desselben durch den Fürsten Rainald, 264. Gewaltige Rüstungen Saladins und Gesandtschaft des Königs Veit an den Grafen von Tripolis, 265. Die Heiden erhalten von dem Grafen Raimünd den Durchzug durch sein Gebiet und plündern die Landschaft von Ptolemais, 266. Unbesonnener XII I n h a l t. 1Z. Ck>r. und unglücklicher Kampf des Großmeisters der Templer am Flusse Kischon, S. 267—270. Rückkehr der Heiden, 270. 271. Balian von Jbclin, 271. Versöhnung des Königs Veit mit dem Grafen von Tripolis, 272. Rüstungen und Werbungen mit dem Gelbe des Königs von England, 27z. Wallfahrt des Grafen Raimund nach Jerusalem , 27z. 274. Versammlung der Christlichen Ritterschaft an der Quelle Sephoria, 274. 275. Auszug Saladins von Damascüs, 27z. Saladin vor Liberias, Berathnngcn im Christlichen Lager, 276—278- Der König Veit zieht, wider den Rath feiner Barone, den Heiden entgegen, 278. 279. Schlimme Lage der Christen bey Marescallia, 280. Schlacht bev Hirtin, 28 t — 288. Verlust des heil. Kreuzes, 288. Die gefangenen Fürsten vor Saladin, schauderhafte Ermordung des Fürste» Rainald, 288 — 2yo. Saladins fromme Verehrung Gottes nach diesem Siege, 2yi. Ucbergabe der Burg von Liberias und der Stadt Akka, 291. 292. Eroberungen des Malek al adel, 292. 295. Verwüstungen anderer heidnischer Scharen, 29z. 294. Saladins Eroberungen in Hhönicien, 294 — 296. Eroberung von Cäsarca, Askalon, Krak und andern Städten und Burgen, 296 — 298. Belagerung und Eroberung von Jerusalem, 299 — ziz. Milde des Sultans und der and. rn Muselmänner gegen die Christen und Härte der übrigen lpullanen gegen die ausgewanderten Einwohner von Jerusalem, 314 — Zi8. B e y l a g e n. Berichte des Abu Schamah über verschiedene Kämpfe Nureddins wider die Christen, S. i —18. Geschichte der KreirZZüg e. Viertes Buch. Die Kampfe der Christen wider Nurcddin und Salaheddin bis zum Verluste der heiligen Sradt Jerusalem im Jahre 1187. Erstes Kapitel. er unglückliche Ausgang der letzten großen Kreuzfahrt war für die Christliche Herrschaft im Morgcnlande von verderblichster Wirkung. „Von diesem Tage an," also klagt der Erzbischofs Wilhelm von Tyrus, „verschlimmerte sich der Zustand der Christen; denn unsere Feinde hatten mit Schadenfreude gesehen, wie die Arbeiten unserer vornehmsten und mächtigsten Könige, welche für die stärksten Säulen des Christlichen Volkes geachtet wurden, vereitelt, ihre Macht vernichtet und ihre Herrlichkeit zu Schanden geworden waren; sie hatten diejenigen, deren Namen zuvor sie geschreckt, ungestraft verhöhnt, als sie anwesend waren. Darum stieg ihre Kühnheit und ihr Uebermuth so sehr, baß sie seitdem alles ihren Kräften zutrauten und uns viel heftiger ängstigten denn zuvor *)." Aber selbst noch 1) H'iin 1>r. xvn. s- NI. Tand. A Geschichte der Kreuzzuge. Buch IV. Kap. I. schlimmer für die katholische» Christen in Syrien, als diese von dem Erzbischoss Wilhelm beklagte Steigerung, des Ue- bcrmnths der Heiden, war die Wirkung des von den lateinischen Christen in Syrien an den deutschen und französischen Pilgern geübten Verraths auf das ganze Abendland. Mehrere Jahre vermieden die abendländischen Pilger fast gänzlich den durch treulose Lerräther entweihten Boden des heiligen Landes; die wenigen, welche kamen, hielten sich fern von dem Kampfe wider die Heiden und eilten in ihre Hcimath zurück, sobald sie ihre Andacht an den heiligen Stätten vollbracht harren. Kein Kampf wurde mehr unternommen, wodurch das Reich der Christen in dem heiligen Lande befestigt, der Besitz der Grabstätte des Erlösers und aller andern den frommen Christen ehrwürdigen Oerter hätte gesichert werden mögen. Eine reiche Beute war alles, was selbst milden tapfersten Thaten gewonnen wurde, und nur darnach trachteten auch meistens die Fürsten und Ritter des Kreuzes; jeder der Fürsten, unter weichen Unfrieden und Zwietracht nimmer aushörlen, war mir aufseinen Vor- tdcii bedacht, wenig eingedenk der Ehre des Christlichen Namens und des gemeinsamen Nutzend. Die Pnllanen sahen mit Schrecken die Annäherung des von ihnen verwirkten göttlichen Strafgerichts; ein Unglück drängte das andere, und nur seiten wurde die Reihe der Unglücksfälle unterbrochen durch glückliche Wassenthaten, welche bei der Gesinnung der Fürsten und ihren gegenseitigen Verhältnissen unter sich niemals dauernde Vortheile brachten. Kaum harren die beiden fremden Könige das heilige Land verlassen: so verwüstete Enur Moincddin von Damas- cus von der randscvaft Hauran aus, wo er mit der Damas- cemschen Miliz, einigen Arabischen Stammen und Turko- mamschen Horden sich gelagert, das Königreich Jerusalem König Balduin HI. Z so gewaltig, daß die Christen um Frieden zu bitten genö-2. E. H48. thigt waren "). Noch furchtbarer brach Nnreddin in daS Fürstenthum Antiochien ein, erstürmte mehrere Burgen und ängstigte vornehmlich die Stadt Apamea. Zwar überfiel der Fürst Raimund bei dieser Stadt uuvcrmuthct die Heiden wahrend der Mittagsruhe, verjagte sie und nahm ihnen alles Heergcräkh; aber bald hernach kam Nnreddin wieder mit einem noch zahlreicheren Heere und gewann einen entscheidenden Sieg bcyVosra, also daß wenige der Christlichen Kämpfer, welche ihm dort sich entgegensteilrcn, dem Tode oder der Gefangenschaft entrannen O. Und als bald Esc. darauf der Fürst Raimund, ein tapferer, aber auch ungestümer und unbesonnener Fürst, in unverständiger Kühnheit es wagte, mit einem kleinen Heere wider Nnreddin zu ziehen, welcher die Burg Annab zwischen Apamea und Nugia belagerte: so gelang es ihm zwar, den Athabck zum Abzüge zu bewegen, weil dieser einen Hinterhalt besorgte; sobald Nnreddin aber von der Tollkühnheit des Christlichen Fürsten unterrichtet war, kehrte er ohne Verzug mit seinen furchtbaren Cchaarcn zurück; und am Morgen des Tages-s>2un. Petri und Pauli sah Raimund sich plötzlich von dem Türkischen Heere also umringt, daß kein andres Mittel der Rettung war, als siegreicher Kampf. Sogleich ordnete der Fürst seine Schaarcn, und griff die Türken muthig an; aber seine Leute, in welchen wenig Much und Vertrauen war, verließen ihn bald und flohen in Verwirrung, und der Fürst siel nach ritterlichem Kampfe an dem Orte, welcher der gemauerte Brunnen hieß. Mit ihm starb den Märtyrcrtod an diesem Tage auch des Grafen von Edcssa Eidam, Rainald von Maresch, und viele tapfere A 2 s) Abu Schamah b. I 4 Geschickte der Krcnzzügc. Buck IV. Kap. I. 2. ruS bei, Gelegenheit des LodeS von Raimund von diesem Fürsten entwirft (XVII 9.) - „vir W-Igimiiimns, rei milimris oxpo- rieirtissimnt:, üo-cibns sn^r-i mo- üum tormidiil-ilis, »eium tsincir lolix, " wird ganz von Mm Scha- mal> bestätigt: „Dieser Verfluchte war einer der ausgezeichnetste» unter Len Fransen durch Ritterlichkeit, Stärke, Kraft, Leibesgrosie, Furchtbarkeit, Ecwaltthätigkcir und Vollkommenheit inz Bösen. " Die Zeitrechnung deS Wilhelm vvn Torus von dieser Begebenheit stimmt nicht überein mir den Angaben der mvr- genländischen Schriftsteller Diese sepen sie cinmüthig ln das 2 S44 d. H. also iigy der Christi. Zeitr. Lvointeirl. üe bcU. erric. ex /rhuls. IüK. S. 92. Weil aber der von Abu Scliamah bezcichncle Tag der Schlacht, nemlich der 21. Safer, genau zusammentriffl mit dem Tage Petri und Pauli, welchen Wilhelm von ThrnS nennt ; so darf man nm so weniger Bedenken tragen, die Angabe der »iorgenländischcn Schriftsteller, welche im Ganzen in der Chronologie sehr genau sind, für richtiger zu Hallen. Z) Wille. T)-r. XVII. 10. „Der verfluchte Piinz, ihr Oberhaupt," sagt Abu Schamah, „wurde gefunden erschlagen unter seinen Trabanten und Kämpfern, und erkannt; sein Haupt wurde abgc- schnitten und zu Nureddin gebracht " ü) Will,. Pxr. g. g. O. König Balduin III. männern bis dahin großen Schaden gebracht, und nöthigte auch die Sradt Apamea zur Ueb'rrgabe Den Christen in Antiochien blieb nichts anders übrig, als Friedcnsunterhandliingen anzubietcn. Zwar rüstete der Patriarch Aimerich, welcher die Regierung des Fürstentums übernahm, auf eigne Kosten eine ansehnliche Schaar aus, und der König von Jerusalem eilte, sobald er des Fürsten Tod vernommen, zum Schutz des Landes herbei); aber ihr Versuch zur Wiedereroberung des von Nureddin gewonnenen Landes schlug fehl ^ „nd sie waren froh, als Nureddin, welcher vor des Königs von Jerusalem Ankunft dic Uebergabe der Stadt Antiochien gefordert harte, nunmehr einenAnstandfrieden unter billiger Bestimmung der Gränzen des bcyderscitigen Gebietes gewahrte ^). Selbst der Fürst von Jconium, welcher seit langer Zeit keinen Kampf wider die Christen gewagt, brach, die Verwirrung in dem Fürstentum Antiochien durch den Tod des Fürsten benutzend, in das Christliche Land am Euphrat und belagerte selbst die Veste Telibaschcr, wo der Graf Jvsccliii mit seiner ganzen Familie sich befand; und der Graf, obwohl der König von Jerusalem ihm den Connetable Houfroy Mit sechzig Lanzen zu Hülfe sandte, hielt cs für geraten, von dem Türkischen Fürsten mit zwölf ritterlichen Rüstungen und der Freilassung aller aus dessen Lande hinwcgger führten Muselmänner den Frieden zu erkaufen Bald aber kam über dieses Land noch größeres Unge- ^ mach. Denn der Graf Joscelin geriet in die Gefangcn- 7 ) -cvilw l'i-r, a. a. O, Abi, Schamah b. I. 5iss. Der letzicrc hat die chronologische Bestimmung: ,s Rabl al awwal. Albuscda setzt die Eroberung dieser Stadt in das folgende Jahr 544- 8) ^Vitli. a>>-. a. «. O. s) >, AtleS , was nahe bey Haleb lag/ wurde an Nureddin/ was aber nahe bey Antiochien war/ den Franken überlassen." Abu Schamah. io) ^ViUr. ag-r. a. a. O. 2- Ehr. Ilgy. 23. 2ul. ü. 1152. 6 Geschichte der Accuzzs> ge. Buch IV. Kap. I. 3-^r. Nureddins, aus welcher er nimmer befrevt wurde. Die Ursache dieses Unglücks war folgende. Als einstens der Graf Joscclm über Nurcddin, welcher in sein Land eingcbrochen, einen Sieg gewann, befand sich des Atha- bckcn Waffenträger mit der ganzen Rüstung seines Herrn unter den Gefangenen. Worauf Joscelin im Ucbcrmuthe wegen dieses Siegs diese Rüstung an den Fürsten Masud von Jkonium, Nureddins Schwiegervater, sandte, mit der Meldung, er hoffe ihm bald »och herrlichere Siegeszeichen zu senden. Dieser Ucbermuth entflammte Nureds dins Gemüth zur heftigsten Rachsucht, und zur Vollstrck- kung seiner Rache half ihm eine Turkomanischc Horde, welcher er tausend Goldstücke verhieß, wenn sie ihm den verhaßten fränkischen Grafen rodt oder lebendig liefern würde. Diese stellten dem Grafen Joscelin so lange nach, bis sie Mai. ihn auf der Straße nach Antiochien, wohin er auf die Einladung des Patriarchen zog, von seinem Gefolge getrennt, antrafen und sich seiner bemächtigten. Einige der Turkomancn waren zwar nicht abgeneigt, dem Grafen für das Lösegcld, welches er ihnen bot, die Frey- heit zu geben; aber che sie des Handels einig wurden, kamen schon die Türken aus Halcb, wohin die Turkomancn gemeldet was geschehen, und bemächtigten sich des Gefangenen. Neun Jahre lebte Joscelin in der schmählichen Gefangenschaft der Heiden "). n) Es ist merkwürdig, dag dis Art der Gcfangennehmung des Grafen Joscelin fasi von jedem Schriftsteller, welcher ihrer gedenkt, aus ei- genrhümlichc Welfs erzählt wird. Rach Wilhelm von Tgrus jXVII. 11 .) wurde er von Räubern in der Nacht auf der Reise nach Antiochien, wo- bin cx sich auf die E:,UadU»» dcS Patriarchen begab, gefangen genommen , alü er sich wegen eines natürlichen Bedürfnisses mit einem Knechte, welcher sein Pferd hielt, von seinen Begleitern entfernt hatte. Damit siinnnt auch die Erzählung des Abulfaradsch (6!rron. 8z-r. S. 337) zusammen; nur versichert dieser, daZ die zwevbunLcrt trotzigen und hoch- ASnig Balduin 777. 7 Unter allen diesen Unglückefallen blieb immer Eifersucht lind Spannung unter den Christlichen Fürsten in Syrien, und keiner half dem andern redlich in der Noch; nur der König Balduin mact-te eine Ausnahme; er war, seit er fahrenden Ritter, welche den Greife,, begleitet, vor wenigen Lnrkomanen die Flucht ergriffen und ihren Herrn lm Stich liegen. Nach Abulfeda <.g.nu3t. -II. S. 5 i 6 ) traf diese6 Unglück den JoScelin auf der Jagd. Mach abwcjchender ist die Erzählung des Abu Schamah: ,.ES begab stcb, Hag Joscettn auszog mit seiner Miliz und auf einen Hausen Turkoma- .nen stieg, welchen er ihr Gepäck und Gefangene abnalnn. Als aber Jos- rclin n,it einer gefangenen Frau, welche ihm besonders gefiel, allein unter einen Vaum steh begeben batte, so überfielen ihn die Turkoma- ucn, und wiewohl er zu Pferde fiieg, um sich zu ocrlheidigen, so nahmen sie ihn doch gefangen. ES gelang ihm zwar, die Turtomanen dadurch, das! er ihnen Geld bor, zu vermögen, dast sic beschlossen, seine Gesangen- uehmung dem Nureddin zu verhehlen, und er „alle auch schon einen Mann anSgesandr, um Las Geld zu hole»; aber mittlerweile begab sich ein Turkoman zu Nnreddin's Statthalter in Halcb und benachrichtigte diesen von altem, was geschehen. Worauf der Statthalter sogleich mit ihm eine Schaar aussandte, , um den Grasen Joscclin mit Gewalt den Luikomanen abzunohmen. Nureddin war damals in Emessa, " Dieser Unterhandlungen Joscelins mit den Lnrkomanen erwähn, auch Abulfcda. Die Schilderungen des Charakters von JoScelin, welche Wilhelm von ThruS (a. a. S ) und dis msrzenläu- dischen Schriftsteller bei) Gelegenheit seines Todes entwarfen, sind wiederum einander völlig entgegengesetzt. lVgl. Gcsch. d. Äreuzz. LH. II. S. üoi. Anm. 17 1 Denn eben der Ergf JoScelin, welcher »ach Abulfcda Klugheit mir Tapferkeit verband, war nach der Schilderung des Erzbisiboffs ein von seinen tapfer» Vorfahren ganz cniarieler Mann, allen Ausschweifungen ergeben, und unfolgsam gegen jeden verständigen Räch. Dag aber dieses Uribcil des Erzbi- schoffS, wenn auch nicht völlig grundlos, doch auch nicht ganz unbefangen ist, erhellt auS der Erzählung des Abulfaradsch illkron Sve. a. a. O.), »ach welcher JoScelin alle Marler, womit Nureddin ihn zur Ver- läuguuug sciueö Glaubens zu zwingen vernichte, standhaft ertrug, und stetS reuig bekam»«: das er alle pej- deu uud Qualen, die ihm Gott auf- crleqe, verdicul habe durch seiue Stuidcn, besonders durch die Ausplünderung dcS Klosters dcS Bnrsu- ma. Oie Nachricht von der Gcsan- gcnnchninng deS Grasen kam, dem Berichte des Abu Jala (den Abu Scha- mahl zufolge, nach Halcb am 5. Moharrem Zgz —z. Mai nZo. Ohus Zweifel war in der vermiedenen Nacht dem Grafen dieses Unglück begegnet. Uebrigcns starb Joseclin, nach der Angabe des Abulfaradsch, (Olilcm. S/r. S. 34Y.) im Gefäng- niü, in vollkommener Vercuuug seiner Sünden im Jahre der Griechen 1469 — I. Ehe. riLL ! ! 8 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. I. w CSr. kräftigem Alter gelangt, stets wachsam und gerüstet zum Streit, und zur Beschirmung der Lander, welche ihrer Fürsten beraubt waren. Dadurch gewann er auch die Achtung Nureddins in eben dem Maste, als andere Kreuzes- fürsten dessen Verachtung. Ucbcrhaupt zeichnete Balduin nicht nur vor den entarteten Fürsten von Syrien, sondern vor allen Fürsten seiner Zeit sich ruhmvoll aus, und er war würdig, ein Reich von größerm Umfange und besserer Verfassung zu regieren, als das Reich Jerusalem war. Mu- thig und unerschrocken war er in Schlachten und Gefahren, verständig und weise im Rath, gerecht, billig, und von aller Habsucht fern, und, Fehltritte des jugendlichen Alters abgerechnet, keusch und züchtig, Feind der Trunkenheit und Unmaßigkcit; — dies sind die rühmlichsten der Lobsprüche, womit ihn seine Zeitgenossen ehren. Er war nicht, wie sogst die Fürsten jener Zeit, nur zum Krieg und zu ritterlichen Uebungen erzogen, sondern auch sein Geist war sorgfältig gebildet. Keiner im Reiche Jerusalem war des Gewohnheitsrechts dieses Reiches so kundig als er; daher auch oft die ältcrn Fürsten in zweifelhaften Fällen ihn befragten, und niemals unbefriedigt blieben 'H. Er las und forschte besonders gern in alten Geschichten, und über die Thaten der Könige und Fürsten der Vorzeit, und hörte mir großem Vergnügen die Reden und Belehrungen gelehrter Männer. Der Geistlichkeit bewies er stets hohe Achtung, selbst in seiner Jugend ' Seine Unterhaltung i2) eonluctnäinariL, tzuo rcAeiitUiir Orientale» xie- ritnn et consulti pectoris crneiitio- nyiu sniszrer.i.us.'* vVilli.l'Xr. XV), 2, iZ) »»Hiroähiio in CL aetarc rarit6- nie 1'olct coniinxere, ctirnn in adv- Icleenua Ina erat Oeinn rinrcns et ad eeele1i.a1iic-i5 inlininiones et eecls-^ liarum xraelLtos onriiiinodarn liz- i)en5 reveier.tlsm. " König Bald ii in III. 9 war ungemein angenehm, seine Laune stets heiter, und dadurch gewann er alle Gemüther eben so sehr, als durch seine Freygebigkeit. Die schöne Gestalt seines großen wohlgebauten Körpers, sein blondes Haar, seine würdevolle Haltung gaben ihm ein wahrhaft königliches Ansehen. Der König Balduin säumte auch damals nicht, nach Antiochien zu ziehen, als zu ihm die Nachricht gekommen war von der Gefangenschaft des Grafen Josceiin, und wie der Fürst von Jkonium in das Christliche Land am Euphrat eingebrochen war, und fast alle Burgen, welche um seine Gräuzen lagen, von den Besatzungen waren geräumt worden, und auch Nurcddin mehrerer Vesten der GrafschaftJvscelins sich bemächtigt hatte'H; aber er trug bey der Unmöglichkeit, dieses Land gegen den mächtigen Nureddin zu beschirmen, nicht lange Bedenken, das Begehren des Kaisers Manuel von Byzanz zu erfüllen, welcher durch eine zu Antiochien befindliche Griechische Gesandtschaft ihn aufforderte, gegen einen Jahrgehalt für die Gemahlin und Kinder Josce- lins, was von dessen Grafschaft noch übrig wäre, an das Griechische Kaiserthum zurückzugeben. Auch standen schon Griechische Truppen an der Gränzc bereit, um das abgetretene Land zu besetzen. WoraufdcrKönig und der Graf von Tripolis mit ihren Reisigen an den Euphrat zogen, um die Gräfin und ihre Kinder aus der Veste Tellbascher, und auF dieser und den andern Burgen am Euphrat die lateinischen Christen 14 ) 1VIM. 1>r. XVII. iz. Nach der Erzählung des Abulfaradsch (olrron. 87-r. S. 338 .) riefen den Sultan von Jkonium die Einwohner der Siadc Ehischrm, welche die Franken bewogen hauen, ihre Siadi zn verlassen, und nach Aintab abzuziehen. L-er HuUa.i bemächtigte sich aber nicht mir der Stadt Chischum, sondern auch der Dellen ^Narasch, Raban, Farfcman und Daith Hesne. Als er auch Tellbascher entnehmen wollte, da kam Nurcddin, und er überlieä diesem ienen Qet, und gab ihm seine Tochler zur Eemaoli». 2. Chr nZo. IS Geschichte der Kreuzzüge. D u ch IV. Kap. I. ,;ach Antiochien zu führen; was ihnen zwar gelang, jedoch nicht ohne Schaden durch Nureddin, welcher sie stets ver- folgte ' ^ -. Die Griechen aber vermochten nicht, sich in dem Besitze dieses Landes zu behaupten. Noch ehe der Sommer dieses Jahres abgelaufen war, hatte Nureddin alle Burgen, welche ihnen überantwortet worden, erobert und mit zahlreichen Besatzungen versehen. 2. Ehr. Den König bewog zur Abtretung der Grafschaft am Euphrat auch d,e Lage fernes eignen Landes. Zwar seit mehrern Jahren wurde das Reich Jerusalem von den Heiden gar nicht beunruhigt; denn mit den Damascencrn waren die Christen in Bündnis; und Freundschaft, und das Reich der Chalifen in Aegypten erschlaffte immer mehr. Die Christen konnten daher" ungehindert den bequemsten Theil der alten zerstörten Stadt Gaza wieder aufbauen und daraus:eine Veste bilden, welche den Tempelherren als Lehen eltheilt, und von diesen mir Tapferkeit behauptet, den Zugang zu Ascalon von der südlichen Seite sperrte 'H; so daß dieser Stadt, welche auch schon von andern Christlichen Burgen umgeben war, keine andere Verbindung mit Aegypten blieb, als von der Seite des Meeres. Aber desto heftiger brach Unfrieden und Feindschaft unter den Christen selbst aus. Die meisten Barone des Reichs, wie wir schon oben berichtet, ertrugen schon seit längerer Zeit iz) WiM. XVII. iS. Di- mvrgcnländischen Schriftsteller erwähnen zwcver damals vorgefallencn Kämpfe zwischen dem Könige nnd dem Alhabck Nureddin, bei, Ouluk NNd Teltbascher. .-Vdulieä. »NU. mosl. -> erwähnt der Wiederherstellung rwn Gaza bcem 2 . 544 (1149 oder iiso). König Balduin III. 77 nur mit großem Widerwillen die Herrschaft der Königin Melissende, und Mit noch größerm Widerwillen den großen Einfluß ihres Vetters Manasse, welchen sie, nachdem er kaum ins Reich gekommen, zu der wichtigen Stelle des Connetable erhoben hatte. Der Neid und die Eifersucht, welche durch diese schnelle Erhebung eines Fremden erregt worden, entzündeten sich noch heftiger, als der Connetable nach dem Tode seiner ersten Gemahlin mit HeliuS, der Wittwe Balian des Aeltern,. Herrn von Ibclin, sich vermähl- te, und dadurch die Güter erwarb, welche seine Gemahlin sowohl von diesem ihren ersten Gemahl, als von ihrem Vater, Balduin Herrn von Rama, ererbt hatte Manche, welche sich von ihm zurückgesetzt, oder in ihren Rechten beeinträchtigt glaubten, beschuldigten ihn auch des Uebcrmuths und Mißbrauchs der großen Macht, welche sein Amt, als Haupt der ganzen Ritterschaft deS Reichs, und seine großen und wichtigen Besitzungen ihm gaben. Der König Balduin selbst war nicht ohne Verdruß über die Abhängigkeit, in welcher seine Mutter ihü-crhiclt, und die Gewalt ihres Günstlings, und gab daher sehr leicht Gehör den unzufriedenen Baronen, welche ihn aufforderten, sich in den Besitz der ihm gebührenden Gewalt zu setzen ; er verlangte also, da er sein ein und zwanzigstes Jahr erreicht, die Krönung Zwar wagte es die Königin nicht, die Erfüllung dieser Forderung dem Könige zu verweigern; aber alle erfahrnen und verständigen Männer sahen es 17) W Oriiremev ccix. LZ. vgl. v. 4. Da« sie von den Gütern ihres ersten EematzlS wenigstens Ne Burg Mirabel ererbt und ihrem zwcvtcn Gemuht zngedrarht hatte, erhellet aus 'VVtUr. XVII. ,4. 18) Wenn Ne Angabe des Marino Sanuio (S. Ersetz, der Kreuzz. Ttz. I- S.Z2r) völlig richtig ist, so konnte der König die Krönung nicht eher alS nach zurkickgrlegtrm fünf unv zwanzigsten Jahre mit vollem Rectzlr fordern. i- Geschichte der Krcnzzüge. Buch IV. Kap. I. ^Cbr. vorher, daß die Königin nicht gutwillig des Reichs sich begeben würde, zumal da noch immer ein großer Theil der Barone ihr und dem Connetable Manasse sehr ergeben war; und riechen daher dem Könige, seine Mutter mit sich krönen zu lassen. Besonders der Patriarch von Jerusalem bemühte sich eifrigst, dieses Mittel zur Erhaltung des Friedens und der Eintracht im Reiche zu empfehlen. Auch schien der König cs zu genehmigen, und auf das nächste Osterfest wurde die gemeinschaftliche Krönung verabredet. Gleichwohl täuschte der König die Hoffnung der Friedcstiftcr. Er wußte einen Vorwand zu finden, die Krönung an dem bestimmten Tage anszusetzen, und am andern Tage nahm er ganz unerwartet allein in der Kirche der Auferstehung die königliche Krone, und zeigte damit geschmückt sich dem Volke. Es wurde aber bald sichtbar, daß der Rath derjenigen, welche dem König gerarhcn hatten, seine Mutter zu schonen, sehr verständig gewesen war; denn dem König wurde es doch unmöglich, ohne gewaltsame Mittel sich in dem alleinigen Besitze des Reichs zu behaupten. Auch konnte die Königin Melissendc ihre Ansprüche auf daSMeich wenigstens mit der Verfügung ihres Vaters Balduin, durch welche ihr verstorbener Gemahl Fulcv das Reich empfangen, rechtfertigen") ; denn Balduin der Andere hatte auf dem Sterbebette nicht bloß ihrem Gemahl Fulcv, sondern gemeinschaftlich mit diesem ihr und ihrem Sohne das Reich übertragen. Der König sah sich daher genöthigt, seiner Mutter einen Vergleich anzubieten, worüber bald nach dem Osterfest in einer Versammlung der Barone des Reichs, welcher auch zwei) französilche Pilger, Graf Ivo von Soissons und Walrher ry) oriiLw. rt iileu-rur eis XIH. 28. vgl. Gcsts?. Der Kl'klNZ. Th» trLäiäiL " Willi.. 2'^r. Ll. S. 597. König Balduin HI. von Falkenbcrg, Durgvogt von St Aldemar, beiwohnten, unterhandelt wurde. Nach vielfältigen Unterhandlungen kamen sie endlich überein, daß zwischen Mutter und Sohn das Reich, so viel möglich, gleichmäßig getheilt und dem Könige die Wahl zwischen bcyden Theilen, welche würden bestimmt werden, überlassen werden sollte. Worauf der König die Städte Tyrus und Ptolemais mit ihren Sprengel» für sich nahm, und Jerusalem und Neapolis mit deren Kreisen seiner Mutter überließ. Diese bcyden Theile waren so sehr von einander getrennt, daß der König seiner Ritterschaft einen eigenen Connetable, Honfroy von Toron, einen stattlichen Ritter und Herrn eines ansehnlichen Gebiets in dem Erzstift Tyrus auf den Phönicischen Gebirgen, versetzte. Aber nnr für wenige Monate stiftete dieser Vertrag Ruhe und Frieden. Denn bald, auf den steten Antrieb der Feinde der Königin und des Connetable Manasse, suchte der König Vorwand, den mit seiner Mutter aufgcrichtcten Vertrag zu brechen, und wer mochte leugnen, daß diese Thcilung der an sich nicht bedeutenden! Macht des Reichs sehr nachtheilig war der Sicherheit der Christlichen Herrschaft im Morgenlande? Der König säumte nicht lange, seine Absichten anszuführcn, als die meisten Barone der Königen die Lehentreue gegen sie brachen und ihm sich unterwarfen. Nur wenige Barone, außer dem Grafen Amalrich von Joppe und dessen noch sehr jugendlichem Sohne, dem Grafen Philipp von Neapel und Nohard dem allem, blieben der Königin treu. Sobald aber Melissendc die Absichten ihres Sohnes wahrnahm, empfahl sie die Stadt Neapel, wo sie bisher sich aufgehaltcn, einigen ihrer Getreuen, und begab sich nach Jerusalem. Unverzüglich lagerte sich nun der König mit seiner Ritterschaft zuerst vor Mirabcl, einer I. Sht. --Sr. »4 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap.?. 2-^br. B„rg des Csnuetabls Manasse, bezwang sie nach heftiger Berennung und nöthigec den Connetable, welcher selbst ln der Burg war, zu bcm eidlichen Versprechen, das Könige reich Jerusalem und das ganze Christliche Land jenftit des Meeres unverzüglich zu verlassen und stets zu meiden. Dann erbrach er auch die Stadt Neapolis und zog unver- weilt vor Jerusalem, worauf die Königin Melissende, ungewiß der Treue und Ergebenheit der Bürger von Jerusalem, sich in die Burg begab. Eifrigst bemühte sich der Patriarch Fulcher, von der heiligen Stadt den empörenden Anblick des Kampfes zwischen Mutter und Sohn abzuwenden. Er ging, begleitet von den angesehensten und frömmsten Geistlichen seiner Kirche dem Könige entgegen, und suchte ihn durch Bitten und Vorstellungen zu bewegen, seine Mutter nicht in dem Besitze dessen, was ihr der aufgcrichtcte Vertrag zusichcrtc, zu stören. Aber Balduin gab den Vorstellungen und Bitten des ehrwürdigen Patriarchen kein Gehör, und lagerte sich vor der Stadt, welche ihm bald von den Bürgern geöffnet wurde. Hierauf sahen nun die Christen am Grabe des Erlösers mehrere Tage den sündlichen Kampf zwischen Mutter und Sohn; denn Balduin begann sogleich die Berennung der Burg mit aller Gewalt, die Getreuen der Königin vertheidigten die Burg mit Tapferkeit, und vieles Blut floß von bcydcn Seiten, bis endlich ein neuer Vertrag vermittelt wurde, durch welchen die Cradt Jerusalem dem Könige zufiel, und nur die Stabt Neapolis der Königin blieb. Durch diesen Vertrag war zwar der äußere Frieden wieder hergcstellt; aber nicht die Eintracht. Die Erbitterung der Königin und ihrer Partey gegen den König blieb vielmehr so heftig, baß keiner der Barone der Königin zu dein Zuge des Königs an den Euphrat nach des Grasen Joscelins Gesangennchmnng sich cinsand, König Balduin III. r; obgleich Balduin sie alle einzeln zu der Heerfolge aufge- boten hatte Mit allen diesen Unglücksfällen und Didcrwä"tigkeiten war das Mast der Leiden, wodurch die abendländischen Christen in Syrien für ihre Sünden von Gort sich gestraft sahen, noch nicht erfüllt. Die Gefahren, welche die Christlichen Länder in Syrien täglich mehr und mehr bedrängten, bewogen den König, die gesammten Christlichen Fürsten und Herrn zu gemeinsamer Berathung über die Wiederherstellung der Eintracht unter den Christen in Tripolis zu versammeln. Aber auch in dieser Versammlung zeigten sich mit empörender Heftigkeit alle schädlichen Leidenschaften und die unversöhnliche Feindseligkeit, welche unter diesen Christen herrschten, und es wurde daher nichts beschlossen, was zur Wohlfahrt dcsLandes dienen mochte. Vergeblich wurde der Fürstin Constantia von Antiochien gerathen, sich mit einem der tapfer» französischen Ritter zu vermählen, weiche damals als Pilger im heiligen Lande waren, und in des Königs Heerdicnsteu standen, dem Grafen von Soissons, oder dem Durgvogt von St. Aldemar, oder Radulph von Mcrlo, alle gleich sehr geschickt, das Fürstcnthum zu beschirmen. Der König und alle einsichtsvolle Männer des heiligen Landes wünschten die baldige Vermählung der Fürstin mit einem abendländischen Herrn, vornehmlich auch, um die Pläne des Kaisers Manuel auf das Fürstcnthum Antiochien zu vereiteln. Denn schon hatte er um die Hand der Fürstin geworben, für den bejahrten, kränklichen Cäsar Johann, und dieser war nach Antiochien gekommen, uni selbst diese Werbung zu er- sc>) Sehr weiilnnftig berichtet Wil- Chronologie (I. d. Griechen 14S4, Helm oon TnrnS von diesen Streitig- I. d. H. 547) gedenkt ihrer SUinlfa- kciten, XVli. iz—-iz. Mit wenigen rodsch. cütruu. 8)-r. S> Z41. Wouen, «her mit Betinnmtinz der 2 Chk. iiJi. »6 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. I. I. Ck>v. neuern Wenn auch die Antiochischen Barone, die Absichten des Kaisers merkend, standhaft einer solchen Verbindung, zu welcher die Fürstin ohnehin sich nicht geneigt fühlte, widersprochen hatten, und dadurch die Absicht des Kaisers Manuel vorerst vereitelt war, wie sehr war doch zu besorgen, daß diese Werbung auf eine solche Weise von diesem mächtigen Kaiser wiederholt würde, daß ihr nicht mehr auszuweichen war? Die leichtsinnige Fürstin aber, welche das freye Leben, das sie seit ihres Gemahls Tode führte, liebte und die Beschränkungen der Ehe scheute, wies allen guten Rath von sich, und der Patriarch von Antiochien, welcher nicht geneigt war, die Herrschaft, die er in Ermangelung eines Fürsten über das Land sich angemaßt, anszugeben, nährte solchen Widerwillen. Eben so wenig gelang cs, den gestörten ehelichen Frieden zwischen dem Grafen Raimund von Tripolis und seiner Gemahlin, der Königin Mclisscudc Schwester, wieder hcrzustellen, wiewohl die Königen hauptsächlich in dieser Absicht in Tripolis sich eingefundcn hakte; und Melissende beschloß daher, ihre Schwester von ihrem Gemahl zu trennen und mit sich nach Neapolis zu nehmen. Als mrl mancherlei) gegenseitigem Unwillen die Fürsten und Herren des heiligen Landes sich eben getrennt hatten, wurden sie don Neuem durch ein schreckliches Unglück erschüttert. Denn der Graf Raimund von Tripolis, welcher mit Mehrern andern tapfern Rittern die Fürstin Constantia auf 2i) oinriam. S. 6 y. 70. log. Nach der letzten Stelle deS Cinnamuü halte die Fürstin auf die erste Werbung Geneigtheit geäußert, sie nahm aber, alb Johannes selbst kam, ihre erste Aenßcrimg zurück klebrigen» heißt dieser Lasar in der ersten Stelle Johannes, und in der letztem NogcriuS; i» der erstem wird noch hinzugesügt, er sc» sogleich, nachdem er von Antiochien zurückge- komnien, wegen seiner Kränklichkeit Mönch geworden. König Balduin III -7 ihrer Rückkehr nach Antiochien einen Tbeil des Weges be- s. ehr. ^ H52. gleitet hatte, wurde, als er zuruckkam, von Assafinen auf die frechste Weise im Thore der Stadt Tripolis, zwischen der Vormauer und der Mauer, überfallen und jämmerlich erschlagen, und mit ihm auch der oben genannte Rudolph von Merlo und einer von dessen Rittern. Der König Balduin spielte eben im Bretspiel, als die Stadt plötzlich von Waffengetümmel und Mordgcschrey bewegt ward ; denn das Volk, als sich die Kunde von dieser frechen Ermordung des Grafen verbreitet hatte, war zu den Waffen gerannt und mordete in blinder Wuth ohne Unterschied alle Morgenländer, welche in der Stadt angetroffeu wurden. Weil Raimund, der einzige Sohn des ermordeten Grafen, kaum zwölf Jahr alt war, fo mußte nun auch die Grafschaft Tripolis der schwachen Hand eines Weibes übergeben werden. Der König Balduin ließ die Gräfin von Tripolis, welche kurz vor der jämmerlichen Ermordung ihres Gemahls mit ihrer Schwester, der Königin, aus Tripolis abgezogen war, durch Eilboten zurückrufen, und von den Baronen des Landes ihr und ihrem Sohn Raimund, so wie ihrer noch jünger« Tochter Melissende, huldigen^). Von dem Reiche Jerusalem selbst aber wurde nicht lange hernach eine Gefahr, welche, als sie sich nahte, mit nicht geringer Furcht alle Gemükher erfüllt hatte, unerwartet leicht abgewandt. Husameddin Timurtasch, Fürst von Marcdin, und seine Brüder, Nachkommen der Sühne Ortoks, welchen kurz vor der Ankunft der abendländischen Christen im gelobten Lande die Chalifen von Aegypten die Stadt Jerusalem entrissen hatten, glaubten nach den man- 22) Wüst. l>-r. XVII. ly. Dieser steiler gedacht; datier vermögen wir Ermordung Leo Grafe» von TrirvüL auch nicht, die Zeit, wo sie geschr- stndcn wir von keinem andern Schrift- he» , naher zu bestimmen. ill. Band. s. V iS Geschichte der Kreuzjüge. Buch IV. Kap. I. S.^r. cherley Unglücksfällen, welche dieFranken betroffen, und bey deren innerer Zwietracht die günstige Zeit gefunden zu haben, das alte Besitzchum ihrer Väter wieder zu erobern sie Im No- kamen mit zahlreichen Schaaren über Damaskus ,n das Reich, und lagerten sich vor der heiligen Stadt auf dem Oelberge. Zwar fürchteten die Christen weniger für Jerusalem, denn diese Stadt war wohl befestigt; aber desto besorgter waren sie für andere minder feste Städte. Darum hatte auch der größte Theil der Ritterschaft des Reichs bey Neapoliö sich gelagert, um diese offne Sradt zu beschirmen. Als aber die Ritter, welche in Jerusalem zurückgeblieben waren, das Lager der Heiden auf dem Oelberge erblickten, da ergriff sie Zorn und Unwillen über solche Entweihung --No», jener heiligen Stätte; sie fielen sogleich aus der Stadt und griffen mit so furchtbarer Gewalt die Heiden an, daß diese nach kurzem Widerstande in großer Verwirrung die Flucht ergriffen. Aber nur sehr wenige entgingen dem Schwcrde, weil die Schwierigkeiten des Wegs, der von Jerusalem über Jericho an den Jordan durch felsiges und gebirgiges Land führte, schnelle Flucht unmöglich machten, und auch von Neapolis die übrige Ritterschaft, als sie diesen herrli- sz) Nach Wilhelm von Tyrus (xvil. 20), welcher auch hier einzige ursprüngliche Quelle ist, unternahmen mehrere Brüder diesen Zug, und zwar auf Antrieb ihrer Mutter (liortanto matie er eorum imxro- xerance ignaviam, guoä tam ctiu ab «Xtoires). Das» von diesem Schriftsteller unter den Uiaraguiir das Geschlecht Ortvk's verstanden wird, beweist die Beschreibung: guorrua eancta aivitas, anieguam » Lliristi»- nts Uberarctur, äleilur kuiseo!ce- leclitas. In dem Auszüge des Olive- riuS aus der Geschichte des Wilhelm von Tyrus (Lao. corx. saiixr. -neck, acvi 'Pom. II. S. 1374) wird dieser Nähme ausgesprochen: IIario>znin. Vielleicht ist n-riogniu zu lesen, was der Pluralis des patronymischen Adjeclivs von Ortok sei-n würde. 24) Wo ihnen nach dem Belichte des Crzbischoffs Wilhelm gerathen wurde, von diesem Unternehmen ab- zu stehen. König Balduin HI- chen Sieg vernommen hatte, zur Verfolgung herbey-^Cl,r. geeilt war. Dieser unerwartete Sieg gab den Rittern des Reichs Jerusalem wiederum den Muth und die Zuversicht ihrer Vorfahren, also daß sie beschlossen, den Kampf mit den Heiden zu suchen, was seit vielen Jahren nicht geschehen. ES zog also die sammtliche Ritterschaft des Reichs gen Askalon, um die Garten und Felder dieser Stadt zu verwüsten, des blutigen Streites gewärtig. Aber wider ihre Erwartung flohen die Saracenen in die Stadt, und keiner kam wieder hervor, um die Beschädigung des Landes zu hindern. Diese Furchtsamkeit der Heiden erweckte in dem König Balduin den kühnen Gedanken, die Stadt Askalon, die festeste Stadt in Syrien, zu belagern, und die Christen sahen wiederum, daßfcsterZuversicht auf Gottes Hülfe und unermü- decer Anstrengung durch geringe Mittel das Schwerste gelingt. Unverzüglich sandre der König Voten durch das Reich, die Barone zum Hserdicnste zu mahnen, und willig folgten alle seiner Mahnung; cs erschienen der Patriarch Fulchsr von Jerusalem, die Erzbischöffe Peter von Tyrus, Balduin von Cäsarea und Robert von Nazareth, die Bischösse Friedrich von Ptolemais und Gerhard von Bethlehem und mehrere Acbte, der Großmeister der Templer Bernhard von Lremelai und Raimund, Großmeister der Hospitaliter, der Connetable Honfroy, die Herren Hugo von Jbclin, Philipp von Nea- polis, Simon von Liberias, Moritz von Montroyal; alle mir wohlgerüsteten Schaaren. Die anwesenden Pilger auS dem Abendlande, der Burgvogt Walther von St. Aldemar und Rainald von Chatillon schlossen in des Königs Heergefolge den tapfer» Kreuzbrüdern auch in diesem Beginnen B 2 20 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. ?. 2. Chr. HZ-, Jan sich an. Das heilige Kreuz wurde mitgenommen, um im Kampfe, wie so oft, den Muth und das Vertrauen der Frohnkämpen zu starken. Alle waren von solcher Zuversicht erfüllt, daß sie mit einem feyerlichen Eide einander sich ge- lobten, nicht eher von der Berennung dieser Stadt abzus lassen, als bis sic erobert worden. Mit solcher zuversichtlichen Hoffnung lagerte das königliche Heer sich um die Stadt - Askalon, am Tage vor St. Pauli Bekehrung. Ob zwar diese Stadt schon durch die Burgen, welche auf allen sie umgebenden Höhen von den Christen erbauet worden, seit längerer Zeit sehr bedrängt wurde, und von Lein damals durch innere Zwietracht und Empörungen zerrütteten Reiche der Chalifen in Aegypten nicht so kräftige Unterstützung wie ehemals erwartet werden konnte: so gehörte gleichwohl dieses Unternehmen zu den schwierigsten, denen die Kreuzfahrer jemals sich untcrwanden, vornehmlich jn den damaligen Verhältnissen der Christlichen Herrschaft in Syrien. Die Lage der Stadt ^ *), zwar in einer sandigen und nicht für den Ackerbau, aber doch für Weinbau und Obstbau ziemlich ergiebigen Ebene, war vielfach begünstigt. Sie lag ziemlich niedrig in einem Halbkreise am Meere, also Laß ihr von der Seeseite es an Zufuhr und Unterstützung nicht gänzlich gebrechen konnte, so lange die Kreuzfahrer sich nicht der Herrschaft über das Meer bemächtigt hatten. Und selbst die Ermangelung eines Hafens, ja selbst eines Ankerplatzes für Schiffe, diente der Stadt zum Schutze; denn das Meer war bey Askalon so stürmisch und die Anfahrt so schwierig, daß man kaum anders, als bey sehr stiller Luft der Küste sich nähern konnte. Von allen Seiten war Askalon mit trefflichen, sehr festen Mauern, welche auf künstlich aufgc- 25 ) Eine sehr genaue und svrgfäl- kaion gibt Wilhelm von TyruS riZt Beschreibung her Lage vv» AS- LV«. 2 », König Balduin HI. worftnen Wällen standen, vielen Thürmen und stattlichen Vormauern versehen; vier Thore, eines von der Meeresküste und drcy von der Landseite, führten in die Sladt. Den Mangel an Quellwasser ersetzten viele Brunnen und Cisternen, deren einige selbst innerhalb der Mauern waren. Die Morr genländer nannten diese Stadt wegen ihrer Festigkeit und Schönheit die Braut von Syrien Auch war sie mit Le» benemitteln dazumal reichlich versehen, und ihre tapfere und kriegerische Besatzung war an Zahl zweimal stärker als das Christliche Heer, welches sie belagerte. In den ersten zwey Monaten der Belagerung geschah nichts Entscheidendes, wiewohl täglich z» Lande von den Christen wider die Saraccnen gestritten wurde, und Ger» hard von Sidon mit fünfzehn Kriegsschiffen auch von der Seeseite der Stadt vielen Abbruch that. Die Saracenen behüteten die Mauern mit Thatigkeit und Unverdrossenheit bey Tag und Nacht; und damit die Dunkelheit der Nacht Len Belagerern nicht Gelegenheit zum Ueberfall gäbe, so brannte, so lange die Nacht währte, auf den Mauern und den Thürmen rings um die Stadt eine unermeßliche Menge von Oellampen in gläsernen Laternen und verbreiteten eine Klarheit, wie am Tage ^). Den Christen gebrach es an Delagerungszcug, weil weder unter ihnen geschickte Kriegs» baumcister sich fanden, noch Bauholz vorhanden war. Erst seitdem nach Ostern der König viele der Pilger, welche gekommen waren, um Vas Fest im gelobten Lande zu fcyern, 26 ) Collier sc! 8 /r. S. 78- Auch Abu Schamaf» (beim I. S 49 ) nennt sie ,,eine schone und feste Stadt ln Palästina." «7) Lrane -rurenr et Ln eLrouitu LMioinm er rurrinm in xroxussn»- culis locaire vitre 2 e iLraxrräe» o x e reu 1 2 Ir 2Ken r es virrea» jxnem oleo fovekarur Lriknsc» coiiservantes» ex tzuidns moeniL eireuire volenrikiis lumen k2n^u2m äo die nrüiLürLdLtrrr. ^VLUr. XVII. LZ. Nr. «s». I. §l,r, H53. Auausl rr Geschichte der Kre uzzüge. Buch IV. Kap. I. bewogen hatte, an dem Kampfe wider dieHeiden Theilzu nehmen, wurde die Belagerung mit größerer Kraft geführt. Denn durch diese Pilger wurde nicht nur dieZahl der Streiter zu Lande und zur See bedeutend vermehrt, sondern unter ihnen waren auch geschickte Baumeister, welche es verstanden, Thürme und Wurfmaschincn zu erbauen, und durch die Schiffe, welche diese Pilger dem Könige überließen, wurde das nö- thige Hol; dazu gewonnen. Mit unverdrossenem Muth wurde sogleich ein gewaltiger Thurm gleich einer großen Burg errichtet und unter großem Geschrey an die Mauer gebracht, auch vieles andere nöthigeBelagerungszeug in kurzer Frist erbauet und damit die Stadt aus das heftigste geängstigt, also daß die Saracenen, besonders wegen des gewaltigen Schießens aus dem großen Thurm, welcher die ganze Stadt beherrschte, nicht mehr in den Straßen sicher wandeln konnten. Zwar nöthigte die Aegyptische Flotte, welche siebzig Kriegsschiffe stark den Askalvniten im sechsten Monate der Belagerung zu Hülfe kam, die ungleich weniger zahlreiche Christliche Flotte zum Rückzug, und die Ausfälle der Belagerten wurden seit der Ankunft der Verstärkung, welche jene Flotte ihnen gebracht, viel häufiger; aber die Christen ließen nicht nach in Arbeit und Kampf, und überwanden meistens die Muselmänner in den häufigen Gefechten. Endlich, im achten Monate der Belagerung, brachte ein Beginnen, wodurch die Saracenen den Christen großen Schaden zu thun gedachten, ihnen selbst großem Nachthcil. Denn als sie in einer Nacht auf der Mauer eine ungeheure Menge Holz angezündet, und dessen Flamme noch durch Oel und Pech verstärkt hatten, um den großen Thurm der Christen anzuzündcn, so erhob sich >plötz- lich, als eben die Flammen aufgclodert, ein heftiger König Balduin III. 2z Ostwind"), welcher, die ganze Nacht fortdauernd, die Flamme non dem Thurme abwchrte und nach der Mauer trieb; und durch die fürchterliche Heftigkeit der Glut wurde die Mauer so sehr beschädigt, daß der ganze Raum zwischen zwey Thürmen einstürzte. Nur durch dreien Sturz der Mauer, nicht durch das Feuer der Heiden, wurde der Christliche Thurm heftig beschädigt. Daß dieses glückliche Ereigniß gleichwohl den Christen nicht nur keinen Gewinn, sondern großen Schaden brachte, verschuld deren die Templer durch schnöde Gier nach Raub, welche aber auch ihnen selbst verderblich wurde. Denn Bernhard, der Templer Großmeister, als er mit einer Zahl von Rittern seines Ordens durch die Oeffnung der Mauer in die Stadt eingedrungen war, ließ alle andere abweh- ren, welche ihm zu folgen bereit waren, um die reiche Beute in der Stadt allein zu gewinnen, weil, nach der alten Gewohnheit der Kreuzfahrer, in eroberten Städten jeder behielt was er erbeutete "). Die Saracenen in Askalon, welche anfangs, in der Meinung, daß das ganze Christliche Heer eindränge, gewichen waren, erneuerten, als sie wahrnahmen, daß nur wenige Ritter sich in die Stadt gewagt hatten, den Kamps, schlossen die Templer ein und erschlugen sie alle, worauf sie die Leichname auf der Mauer auf- hingcn, den Christen zum Hohn. Auch die Oeffnung der Mauer wurde von den Saracenen ohne Verzug mit Ungeheuern Balken wieder verschlossen. Ltt) lxne ixitur irvmisso, slkuir iroi»s MLnitelie äivInL clewenrizr nanr ÜLtirir iuvLlesoente inoeuäio, velienrene, «jui lots« iaeenrlii vires in unrrrim oivÜLtis üanr vetie» weini courorsit. Willi, l^r. XVIL. 27. 29) Asm irr violenter eFrectik ur- dikn» iä liLCtenus »xnä. nos i>rv le^e odriiruir «ronsueturio, nt Hiioä ynisgue inxreäiens sibi r»xit, iL sidi et iiLereäil'u» suis xvrpsttro Zur« xossiäv»t. lä. 1, v. I. Thk. H53. I. Tbc. 1 ^ 52 . -4 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. I. Diese unerwartete Täuschung einer fast untrüglichen Hoffnung warf Ven Muth der Krcuzbrüder so sehr nieder, daß der König Balduin und fast alle Layenfürsten es für nvthwcndig erachteten, die Belagerung aufzuheben; zumal da durch achtmonatliche Anstrengung alle Mittel erschöpft, Mehrere Fürsten verwundet, einige selbst getödtet, die Kräfte aller Streiter ermattet waren, und selbst Geld und Holz mangelte, um einen neuen Thurm zu erbauen, anstatt des durch den Einsturz der Mauer zertrümmerten. In dem Kriegsrarhe, welchen am dritten Tage nach diesem Unfälle König Balduin in seinem Zelte vor dem heiligen Kreuze ^°) hielt, riechen nur der Großmeister des Hospitals Raimund mit seinen Ordensbrüdern, der Patriarch Fulcher und die übrigen Bischöffe, nicht von dem angefangcnen Werke abzulassen und auf Gottes Hülfe zu hoffen; und besonders der Patriarch von Jerusalem trug diese Meinung so beredt und mit so zuversichtlicher Ueöerzeugung vor, daß alle dadurch hingerissen einmüchig beschlossen ^ungesäumt die Stadt noch zo) Oarani vorilr vivissc» eruce. Ist. v. 2g. 3») Ziemlich übereinstimmend mit Liesen einst Wilhelm von Tyrus (c. 27. sg) gezogenen Nachrichten berichtet von diesen Ereignissen Abulfaradsch in der syrischen Chronik S. 342. „Oer König errichtete wider diese Stadt einen hölzernen Thurm und Maschinen. Als er nun damit die Mansr» durchbrochen, so drangen durch die Oeffnnng 400 Templer ein; aber alle diese wurden von den Arabern getödtet, well deren rooro wohl gc- wassneie hinter der Oeffnnng standen. Darüber betrübte sich der König so sehr, dast ec im Begriffe war, di? Belagerung aufzuheben: aber ein kriegerischer Mann hielt ihn daoon ab. " Abu Schamah berichtet ebenfalls sehr genau über den Fall oon Bskalon also: „Die Ankunft einer Aegyxiischcn Flotte bcy Asttalon richtete den Muth der Belagerten zwar wieder ans, auch nahm sic eine große Zahl Fränkischer Schiffe ans dem Meere; aber gleichwohl setzten die Franken die Bercnnung der Stadt und das Beschießen aus einem großen Thurms so lange fort, bis ihnen dast Eindringen in die Sladt von der Einen Seile der Mauer möglich wurde. Worauf sie die Mauer niederwarfen und In die Stadt clndran- gen. Don beiden Seiten zwar wurdest viele gclödlet, endlich aber zwang König Balduin NI. r; Heftiger als bisher zu bestürmen. Ohne Verzug riefen 2. ehr die Horner und Drommeten und die Stimmen der Herolde das Christliche Volk zu den Waffen, und muthig schaarte sich das Heer zum Kampfe. Auch die Saracencn, den Kampf nicht scheuend/ kamen in zahlreichen Schaaren aus der Stadt. In dieser Schlacht stritten die Christen mit der Tapferkeit der alten Kreuzfahrer wider die viel zahlreichern Heiden; und obwohl auch diese tapfer kämpften/ so obsiegten doch endlich die Christen. Durch diese Niederlage wurde um so mehr der Muth der Askaloniten gebrochen/ als sie von allen muselmännischen Fürsten sich verlassen sahen. Denn vergeblich hatten sieNureddin sowohl/ als den König von Damascus um Hülfe gebeten. Das Volk verlangte die Befreyung von dem Ungemach der Belagerung so heftig von den Kricgsvbersten/ daß diese Botschafter an den König Balduin abfertigten und ihm anbo- ttn, die Stadt zu räumen/ unter der Bedingung freyen Abzugs mit aller fahrenden Habe und sichern Geleits bis AlArisch. Die Christlichen Fürsten weinten Freudenthrä- ncn/ als sie diese unerwartete Botschaft vernahmen/ und erhoben lobpreisend ihre Hände zum Himmel. Der König Balduin bewilligte ohne Bedenken den Saracencn jene Bedingungen und bestimmte nur noch / daß die Stadt binnen drey Tagen geräumt werde. Nachdem dieser Vertrag von dem Könige/ einigen Baronen und den Abgeordneten der Askaloniten beschworen/ von den letztem auch die verlangten Geißeln dem Könige gestellt worden: so begaben sich einige Ritter in die Stadt und pflanzten die königlichen Banner die Notb und die Unmöglichkeit lä»- kommen konnte, begab sich zu Lande gern Widerstandes die Muselmänner oder Wasser nach Aegypten oder an- um Frieden zu birken, welcher ihnen dern Ländern./' auch gewährt wurde; und wer weg- ,6 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. I. ^Ckr. auf die höchsten Thürme. Als das Heer deren Wimpel erblickte, so erhob es ein lautes Freudengeschrey, und sang einmüthig die Worte des Psalmes: Gepriesen sey der Gott unserer Väter, welcher diejenigen, die auf ihn hoffen, nicht verlaßt; gepriesen sey sein heiliger Name, denn wunderbare Dinge haben wir gesehen. Scbon in zwey Tagen war Askalon von den Heiden geräumt, und das Christliche Heer hielt mit dem „.Aug. heiligen Kreuze seinen feierlichen Einzug, unter fröhlichem Lobgcsange zu Ehren Gottes. Das heilige Kreuz wurde in der schönsten Kirche niedergelegt, welche entweiht durch den Saracenischen Afterdienst, nunmehr von dem Patriarchen wieder eingesegnet und dem heil. Apostel Paulus geweiht wurde; und dort wurde für einen so herrlichen Sieg, den Gott seinem Volke verliehen, ein Dankfest begangen. Eine so große Menge von Lebensmitteln wurde noch in der Stadt gefunden, daß dadurch das Ungemach des Mißwachses, welches das heilige Land in diesem Jahre heimsuchte, nicht wenig vermindert wurde ^ ?. Die aus Askalon weggezogenen Saracencn aber, als die Christliche Begleitung sie verlassen, überfiel heimtückisch mit seiner Horde ein Türke, der im Kriegsdienst in der eroberten Stadt gewesen und mit den übrigen Muselmännern ausgezvgen war, und beraubte sie aller ihrer Habe. Unter mancherlei) Streitigkeiten wurden die kirchlichen Angelegenheiten von Askalon geordnet. Der Bischofs von Bethlehem widersprach, als der Patriarch Fulcher den za) Willi. 8 >r. XVIII. l. „tziio-r 848: „ES wird bcbauplet, daß In »ist kuissek krriivenri copiL, diesem Platze (ASkalon nach der Er- tn urbc LicaloiiilLiia, -L äevicis, oberung) von Kriegtzbedurfnisssn und juveiri» ert, srine rexionem vxxiiz- Geld und Mundvorräthen eins, unsr- xoxulus peile äepsiisset MStzliche Menge gewesen. " »nivereu«." Abu Schamah b. I, König Balduin III. »7 Süftsherrn Absalom vom heil. Grabe zu Jerusalem zum Dischoff einsetzte und ihm ein Kapitel zuvrdnete, indem er behauptete, daß die Kirche von Askalon mir allem Zubehör seinem Sprengel angchöre; und er erlangte auch späterhin von dem päpstlichen Stuhle die Aufhebung des neuen Bisthums und die Anerkennung seiner Ansprüche. Wahrend die Geistlichen um die kirchlichen Anordnungen stritten, theilte der König Balduin das Land umher als Lehen aus, theils als Belohnung des Verdienstes, theils für Geld; denn eine große Strecke Landes, welche wegen der ununterbrochenen Kämpfe zwischen den Christen und Askaloniten seit fünfzig Jahren unbebaut gelegen, wurde wieder für den Anbau gewonnen. Daher auch seit der Eroberung dieser Stadt ein solcher Ueberfluß von Lebensmitteln im Reiche Jerusalem war, als niemals zuvor. Die Grafschaft von Askalon verlieh hierauf der König seinem jüngern Bruder Amalrich Grafen von Joppe ^ ?). Die Freude über diese Eroberung wurde aber nicht wenig dadurch getrübt, daß nicht lange nach die- zz) Die genaue Zeitbestimmung rer Eroberung von Askalon ist nicht ohne Schwierigkeit. Wilhelm von Torus (v. zo) sehr die Einnahme der Stadt in daS Jahr 1154; die Arabischen Schriftsteller in das I. sgz (dessen erster Tag auf den ag März 115z fällt). Ein s,irischer Geschichtschreiber, Mar Michael, setzte sie, wie Abulfaradsch (Lirrou. 8 z-r. S. zgo) erzählt, in das vorhergehende Jahr (also nV). Wir tragen kein Bedenken, die Angabe der Arabischen Schriftsteller für die richtigere zu halten, 1. weil diese überhaupt viel genauer in den Zeitbestimmungen sind, als Wiche.in von Tyrus». weil die Zahl irzg leicht durch die Abschreiber statt der richtiger,» Bestimmung in den Text gebracht seyn kann; 3. weil die Belagerung vor» Askalon, welche nur acht Monat währte, unmittelbar nach dem verunglückten Versuche der Qrtoktschen Fürsten auf das Reich Jerusalem, welchen Wilhelm von Tyrus selbst (xvii. so. 21) in das Jahr irzi setzt, anqefangen wurde', -».weil auch andere Abendländische Chroniken das J.nZZ angeben, z. V. die Chronik des Bischoffs Sicard von Eremona (IVIu- rar. 88 . rer. Ital. Vll. S Syy) Wgl. Eesch. d. Kreuzz. Th. III. r. S- 282 . I. Ehr. iiSZ. -8 Geschichte der Krruzzüge. Duch IV. Kap. I. 2- Chr. ii5^. scm glücklichen Ereigniß das Reich von Damascus in die Gewalt deS furchtbaren Nureddin kam. Der Fall von Askalon erweckte in Nureddin nicht ge» ringe Bckümmerniß; denn die Macht der Christen war dadurch von Neuem nicht wenig gestärkt worden, und bey dem Besitze dieser Stadt erleichterte ihnen der zerrüttete Zustand von Aegypten nicht wenig daS Eindringen in dieses Land. Noch besorgter war er um Damascus. Denn seitdem dieses Reich in den schwachen Händen des Mo- dschireddin Abek war, hatten die Christen über dasselbe, obgleich bey sehr geschwächter Macht, viel größere Gewalt, als in ihrer blühendsten Zeir, da Anardort mit kräftigem Arm regierte. Modschlreddin ertrug mit feiger Geduld jede Beschädigung, welche die Christen seinem Lande zufügten, er zahlte willig dem Könige von Jerusalem Schaz- znng, und betrachtete bey allem diesem Ungemach die Christlichen Kreuzcsfürsten alS seine getreuen Beschützer gegen Nureddin; er wehrte selbst den Turkomanen, welche in der Bekämpfung der Christen unverdrossen fsrtfuhren, in der Nähe seiner Gränzcn die Feindseligkeiten gegen daS Christliche Land, so viel er vermochte, und nahm ihnen mehrere Male gewaltsam den gemachten Raub ab. Als Nureddin im I. ngi gegen DamaScuS zog, um daS unnatürliche Bündniß zwischen Muselmännern und Christen mit schwerer Rache zu ahnden, ward er durch die vereinigte Macht deS Christlichen Reiches Jerusalem und der Muselmänner von DamaScnS zum Rückzuge genöthigt, worauf die Christen und Muselmänner gemeinschaftlich VoSra, wiewohl vergeblich belagerten "). Mit noch größerm Unwillen ward Nureddin erfüllt gegen diesen schwachen Fürsten als dieser ihn 34) Abu Schainah beim I' Zq6. 32) Wilhelm VON Torus selbst (XVII. b. Beylage. 26) nennt ihn äisLolu.- König Balduin III. LY selbst durch allerlei Hindernisse abhielt, der Stadt Askalon I. esr. zu rechter Zeit zu helfen. Zwar fand sich Modschireddin mit dem auserlesenen Theil seiner Miliz zur verabredeten Zeit ein, y Avril als ihn Nureddin aufgefordert, mit ihm dem von den Christen bedrängten Askalon zu helfen, aber mit so weniger Neigung zum Kampfe wider die Christen, daß, nachdem sechs Wochen vergebliche Beratungen gepflegt worden, Nureddin sich genöthigt sah, von der Heerfahrt nach Askar lon und der Rettung dieser Stadt abzustehen; und eben so wenig ließ sich Modschireddin zu einer ernstlichen Berennung der damals fast ganz von Verteidigern entblößten Stadt Paneas bewegen. Zwar lagerten sich beyde Fürsten mit ihrem Heere, welches allein zehn Tausend Streiter zu Fuß zählte, vor dieser Stadt; aber wiewohl kein Christ kam, um sie zu bekämpfen, so blieb der Fürst von Damascus in derselben Abneigung vom Kampfe gegen die Christen, also daß Nurcdr din auch von diesem Beginnen «blassen mußte ^°). Ja Modschireddin weigerte sich selbst, dem Heer des Athabeken den friedlichen Durchzug gen Askalon durch sein Land zu gestatten, welches der einzige Weg war, auf welchem Nureddin dahin ohne Schaden gelangen konnte Zu allem diesen kam noch, daß nach diesen Vorfällen der schwache Fürst von Damascus sich immer mehr zu der schmählichsten Dienstbarkeit unter dem Reiche von Jerusalem erniedrigte. Nicht nur kam allen Muselmännern zu xoisvtvcrol." lieber diesen jährlichen ZinS s. linken. zd) Wilhelm von TyruS erwähnt dieses Versuchs auf PancaS XVit. aS:, seht ihn «brr nach hem Aalie von Damascus, und läßt auch diese Begebenheit während der Belagerung van Askalon sich ereignen. Ts findet aber offenbar i» dieser Angabe ein Jrrchuui Statt, wovon besonders dis genauen Nachrichten des Abu Schauiah über diese Ereignisse überzeugen. s7, Abu Echsmsh E. Deylage. ;o Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. I. 2. ehr. empfindlicher Kränkung ein Bevollmächtigter des Königs von Jerusalem nach Damascus, um selbst die Schatzung von dem Volke zu erheben, sondern cs wurde selbst den Christen gestattet, die Knechte und Mägde daselbst zu mustern, um zu sehen, ob darunter solche sich befänden, welche aus Christlichen Ländern hinwcggeführt worden und ihnen die Freyheit zu geben, in ihre Hcimath zurückzukeh, ren, falls sie nicht be» ihren Herren bleiben wollten. Es war unter solchen Umständen nicht unwahrscheinlich, daß die Christen ihre Hände selbst nach dem Besitze von Damas- cus ausstrecken würden. Das Muselmännische Volk dieser Stadt aber sehnte sich nach der Befrcyiing aus so schimpflicher Untcrthänigkeit und Bedrängniß. Solche Gesinnung ließ Nureddin nicht unbenutzt, um so weniger, als er aus Furcht vor den Christen es nicht wagte, Damascus mit offener Gewalt anzugrcifen. Nachdem er eine hinreichende Zahl der Einwohner und Soldaten zu dem Versprechen bewogen, sich ihm willig zu unterwerfen, erschien er mit seinem tapfcrn Heere vor der Stadt das W) Abulfaradsch in seiner Syrischen Chronik (S. 344) lässt den Nur- eddin durch folgendes schlaue Verfahren in de» Besch oon DamaScuS kommen: „Im I. Zgy entriß Nured- din die Stadt Damascus dem Mo- dschireddin mit Gewalt, nachdem er zuvor zwischen ihm und seinen Emirs Zwietracht gestiftet hatte. Denn er schrieb an ihn heimliche Briefe solchen Inhaltes: Hüte dich vor der Treulosigkeit, dieses und jenes l denn sie lassen eS mir ohne Slufhö- rcn anbieten, DamaScuS mir zu übergeben, ich aber bin nicht gesonnen oon den Franken abzulassen und wider Muselmänner zu streiten. Nachdem er nun durch solche Künste diesen Unglücklichen verführt hatte, einen seiner Emirs nach dem andern zu tödten, und er überzeugt war, das keiner mehr in DamaScuS war, der ihm widerstehen konnte: so kam er vor die Sradr und nahm sie mit Gewalt. Dem Modsehireddin gab er einige Dörfer im Gebiete von Emessa und schickte ihn dahin. Nureddin erwies aber den Oamascenern viel EuteS, und sic freuten sich seiner Herrschaft, weil er im Stande war den Franken zu widerstehen." Mit der Erzählung des Abu Schamah stimmen vollkommen überein Abul- feda b. I. L 4 Y und Wilhelm von König Balduin III. ;r östliche Thor derselben wurde ihm sogleich geöffnet, und während Nureddin einzog, floh Modschireddin auf die Burg. Zwar sandte der Fürst sogleich Botschafter an den König von Jerusalem und bat gegen Nurcd- din, welcher ohne Verzug die Burg zu bercnnen angefangen hatte, um Beystand, wofür er die Stadt Baalbek als Belohnung anbot; aber che die Christen ihm zu Hülfe kommen konnten, übergab er die Burg an Nureddin nach zehntägiger Belagerung, froh, daß ihm der mächtige Arhabek die Stadt Emessa als Entschädigung versprach. Als aber Nureddin diese Verheißung nicht erfüllte, und ihm für Emessa die Stadt Bales anbot, so zog er vor, aller Entschädigung zu entsagen und begab sich nach Bagdad, wo er in Dunkelheit seine Tage beschloß. Der Fall von Damascus erregte große Besorgniß bey den Christen, welche leicht vorausschen konnten, daß der unermüdliche Nureddin, welcher durch die Eroberung dieses Reichs der Grcnznachbar des Reichs Jerusalem geworden war, solche Vermehrung seiner Macht nicht unbenutzt lassen werde, zum Schaden der Christen; ihre Besorgnisse wurden noch ängstlicher, als er selbst seinen gewöhnlichen Sitz nach Damascus verlegte, und dort die Hauptkraft seines mächtigen Reichs vereinigte. Darum bemühten sich die Christlichen Fürsten des Reichs Jerusalem einen Waffenstillstand zu erlangen von diesem furchtbaren Feinde der Christen, um wenigstens für einige Zeit ihrem Lande die Ruhe zu sichern"). Nureddin willigte gern in ihre TyruS a. ro v '-io impotente.. . . . . stnrior iiob» oxi-oritri« est »st- veis-tiin»." "Willi. I^'r. <1. a. Q. „Als Nureddin Herr von OamascuS geworden war, fürchteten sich alle Franken vor ibm gewaltig; denn sie wußten wohl, daß er des Kriegs gegen sie und ihre Länder sich nicht enthalten werde, stdarum sandte jeder I. ehr. I-Z4- zr Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. I- Anträge, weil auch er der Ruhe bedurfte, um seine neue Herrschaft in DamascuS zu befestigen; und darum ließ er selbst noch zwey Jahre dem Könige von Jerusalem die jährliche Schatzung von acht Taufend Lyrischen Denaren zahlen, welche ihm Modschireddin bewilligt hatte Unter den Christen erhob sich aber während solcher Waffenruhe bald wiederum Zwietracht und Unfrieden von mancher Art. Zuerst in dem Fürstcuthum Antiochien. Die leichtsinnige Fürstin Constantia, Wittwe des Fürsten Rais Mund, hatte endlich ganz unerwartet den französischen Ritter Rainald von Chatillon zu ihrem Gemahl erkohren, und ihn aus dem Lager vor Askalon, wo er in des Königs Solde diente, zu sich berufen; nachdem sie mehrere vornehme Fürsten, welche um ihre Hand geworben hatten, oder ihr angetragen worden, aus Abneigung gegen den Zwang des ehelichen Lebens, verschmäht hatte. Sie hatte nicht nur die griechischen Herrn abgewiesen, welche ihr nach einander von dem Kaiser Manuel angcrragen worden, um auf solche Weise das Fürstenthum Antiochien an das Griechische Reich zu bringen, sondern auch selbst die angesehenen und tapsern französischen Fürsten, welche der König Balduin in redlicher Absicht für des Landes Wohl ihr vorgeschlagen hatte Graf und Baron an ihn Botschafter und suchte sich mit ihm zu vergleichen. " Ebn al Aihir bcy Abu Schamah 2 - 54v- 40) Sie wurde erst im I. d. H. SZi Chr. iizS durch Vertrag zwischen dem Könige von Jerusalem und Nureddln aufgehoben. Abu Scha- maü b. dies. 2 . S. unten. 41) „Ilainslstuiu queustiim stipeu. äiLvinm militt-Ln siift ocaulte iu in-iiltn.-n elegic." Und weiter unten: ..uou Liile i-iiilioiliiTi Liiinirn. LionL quost tam xraeotLra, ^orens or Mustris kocmi.iL «r ksm excvl- Ivlltis uxor VIII , iniliti quasi xi«- ^iieiv uudero stignarcrur. ^ ^ VV:H1. -rz-r. XVII. 26. Nach Cinnamns (S. 10z) geschah es aber «°>vF ^-ile Jndeh kann diese öffentliche B-rathung erst Statt gefunden haben, nachdem Rainald, welcher, wie Wilhelm von Torus erzählt, sogleich wieder zum Heere vor Askalon kam, um den König mit dem heimlich.gefassten Entschluß der Fürstin bekannt zu mache», die königliche Cenehmigung erlangt hatte. 42) S. oben S. >s. Cinnamus glaubt ( 2 . 12z), die Fürstin Ton- König Balduin III. ZZ Kaum hatte Rainald, nach des Königs Einwilligung in seine Verbindung mit Constantia, die fürstliche Gewalt in Antiochien erlangt, als er gegen den Patriarchen nicht nur die empörendsten Eewaltthätigkeiten, sondern selbst unmenschliche Grausamkeit zu üben anfing. Dazu trieb ihn eine wilde Rachsucht, welche durch gekränkte Eitelkeit erregt worden war, und die Unbesonnenheit und stürmische Tollkühnheit seines Sinnes, wodurch er später das Verderben der Christen im heiligen Lande vcranlaßte. Denn der Patriarch, welcher aus dem Besitze seiner bisherigen Gewalt im Fürstenthum Antiochien sich plötzlich durch den neuen Gemahl der Fürstin verdrängt sah, ergoff seinen Unwillen über diesen Emporkömmling, der seine Erhebung auS der Niedrigkeit blos der Sinnlichkeit eines Weibes verdankte, ohne Scheu und auf sehr bittere Weise öffentlich und in vertraulichen Gesprächen. Als dieses dem Fürsten Rainald durch Ohrenbläser hinterbracht worden, ließ er den Patriarchen nicht nur greifen und gefangen auf die Burg führen, sondern unterwarf ihn selbst einer mit teuflischer Bosheit auSgesonnencn Marter. Denn er ließ dem bejahrten Manne, den hohes Alter und die Heiligkeit des Amtes wenigstens ehrwürdig machten, den Kopf mit Honig bestreichen, und also Pen kränklichen und schwachen Greis an einem heißen Sommertage der brennendsten Hitze der Sonne ausstelle», ohne irgend eine Bedeckung und mit dem gemessensten Verbote für jedermann, die Wespen, Fliegen und anderes Ungeziefer, die schrecklichste Plage in den heißen stantia scy zu der Vermählung mit Lininalb bloS durch die Werbung des Kaisers für de» Cäsar Aogecius bewogen worden l allein diese Werbung fällt schon ins I. iisi, also vor der Beraihuug zu Tripolis (s. oben S. iü), III > Band. a. auf welcher man die Fürstin zu einer zweiten Helrath zu bewegen suchte und cs ist sehr wahrscheinlich, dag jene Bermlumg durch die Werbung deü Kaisers veranlagt wurde. C st. Chr. 1 - 24 - I. Ehr. iiS 4 . 54 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. I. Gegenden des Morgenlandes, von ihm abzuwehren Der König Balduin, als er solchen ruchlosen Frevel vernahm, säumte nicht, zwei) angesehene Geistliche, den Bischsff Friedrich von Ptolemais und seinen Kanzler, Radulf, nach Antiochien mit einem ernstlichen Abmahnnngsschrciben zu senden; aber sie verrnochtcn nicht, den übermüthieen Sinn und die Rachsucht des Fürsten Rainald zu mildern, und erlangten nur mit Muhe die 43 ) „flnoägne salis vicketnr »vc>- nri»avilv, eaveräolem Ivngaevnm, ^pollolrnnm xrinaigis snacos- lorcca, vtrnm aliv-nn, eo er sui 8 vlolenrer lAxiicut, xlviiv resiinuis." König Balduin III. 35 und die Zurückgabe dessen, was ihm und seinen Freunden 2 von dem Fürsten war geraubt worden; worauf der Patriarch das Fürstcnthiim verließ und sich in das Königreich Jerusalem begab, wo er noch mehrere Jahre lebte, sehr geachtet und geehrt von dem Könige, der Königin Mclissende und allen Prälaten des Reichs Auch im Reiche Jerusalem ereigneten sich in dem näch- irrsten Jahre, nachdem mit Hunger und Mangel das heilige Land heimgesucht worden, die ärgerlichsten Auftritte, sogar in der Nähe des heiligen Ortes, wo die fromme Christenheit den Platz des Leidens und die Grabstätte des Erlösers verehrte. Zwischen dem Hospital St Johannis und den Bischöffen des heiligen Landes erhob sich nemlich über die Befreyung von dem Zehnten und andere Freyhciten, welche das Hospital der Verleihung des Papstes Paschalis des Andern verdankte ^), die Prälaten aber länger anzucr- kennen sich weigerten, der heftigste Streit, also daß die Ritter des Hospitals sich unterfingen, dre Bischöffe mit 44 ) Cinnamus a. a. O. berichtet, der Patriarch habe, nachdem er die vorhin erzählte» Mißhandlungen erfahren, dem Kaiser mehrere Male an- gcbotcn, den Fürsten Rainald ihm and, zuliefecn, Manuel aber habe aus Grost- inmk diese Anerbietungen nicht angenommen, weil er durch Kampf siegen wollte und nicht durch Hinterlist UsbrigenS geschahen diese Anerbietungen nicht Lurch den Patriarchen, welcher, wie wir durch Wilhelm von Ttiruü wissen, Antiochien verliest, sondern vielleicht durch seine zurückgebliebene» Anhänger; wir zweifeln aber nicht, Last der Kaiser Manuel, wenn er der Ausführbarkeit dieser Anerbietungen sicher gewesen wäre, bei, dieser Gelegenheit eben so leicht, wie bei, andern, seiner Grostmuth untreu geworden sevn würde. 45) S. Ecsch. der Kreuz;. Tb. II. S. L-U- „Ilriius Iinltl, sagt Wilhelm von Thrus (XVIII. Z.), primi- Ilicrosolz-mitani iurisclioriorro, c:ir stier er mciiro subjacuieiitt, eroLuar- x-rvür In steinte." C 2 I Chr, I-SS. ;6 Geschichte der Kreuzzügc. Buch IV. Kap. I. jeder Art von Feindseligkeit zu verfolgen, und sich jeder Handlung der bischöfflichen Gewalt, so viel sie vermochten, widersetzten. Zwar kennen wir diesen Streit nur aus der Erzählung des Erzbischoffs Wilhelm von Tyrus, der schon wegen der Verhältnisse seines Amtes nicht wohl auf der Seite des Ordens stehen konnte; aber Wilhelm ist ein viel zu ruhiger und redlicher Erzähler, als daß wir eineEntstellung oder Verfälschung der Thatsachcn dieses Streites, und eine ungerechte Beschuldigung der Hospitaliter zu argwöhnen Ursache haben könnten. Da nach und nach der Orden der Hospitaliter überall im heiligen Lande Güter erworben und Häuser gegründet hatte, so waren nur wenige Städte von ärgerlichen Austritten srey. War einer von seinem Bischoffe mir dem Baun belegt, so bot man ihm in der Kirche des Hospitals das heilige Sacrament, und starb ein Gebannter, so gaben ihm die Hospitaliter die heilige Wegzehrung und das Dcgräbniß in geweihter Erde. War über irgend einen Ort der Fluch von einem Bischofs ausgesprochen, so erschallte gleichfalls von dem Thurme der Capelle oder Kirche des Hospiralhauses das Geläute, und die Hospitaliter zogen selbst von dem gerechten Fluche eines Bischoffs Gewinn, indem alle fromme Gaben, welche sonst den andern Kirchen dargebracht wurden, nunmehr ihnen zuflossen. Am ärgerlichsten wurde aber dieser Streit in Jerusalem selbst zwischen dem Patriarchen Fulcher und dem Großmeister Raimund. Denn dieser ließ nicht nur, um den Patriarchen, welcher den Zehnten von ihm forderte, und seine geistliche Gerichtsbarkeit über die Glieder und Besitzungen des Hospitals zu behaupten suchte, zu höhnen, vor der Kirche des heiligen Grabes mehrere hohe und prächtige Gebäude aufführen, wodurch er zugleich das einfache Gebäude dieser heiligen Kirche verspottete; sondern auch, so oft der Patriarch in König Balduin III. z/ diesem Tempel anftrat/ um das Volk zu ermahnen, oderAblaß der Sünden anzukündigen, ließ der Großmeister alle Glocken des benachbarten Hospitals so gewalng anschlagcn, daß niemand die Rede, ob auch der ehrwürdige Prälat noch so sehr seine Stimme anstrengte, vernehmen konnte. Als der Patriarch ihm über solchen Frevel Vorstellungen machen ließ, antwortete der Großmeister mit Drohungen, welche auch alsobald ins Werk zu setzen er sich nicht scheute. Denn eines Tages, als viele Christen in der Kirche des heiligen Grabes versammelt waren, drangen die Hospitaliter bewaffnet in dieselbe ein, wie in eine Räuberhöhle, und schossen Pfeile unter die Gläubigen. Man sammelte diese Geschosse und hing sie, zur ewigen Schmach der ruchlosen Ritter, zusammengebunden an dem Calvaricnberge auf, dem Orte des Leidens Christi, wo sie noch in spätcrn Jahren gesehen wurden Um svlclAergernisse ein Ende zu machen, beschlossen mehrere Prälaten des heiligen Landes, selbst nach Rom sich zu begeben, um bey dem Papste Hadrian IV, über den Uebermuth der Hospitaliter zu klagen, und um Abstellung ihrer Klagen gegen diesen Ritterorden zu bitten. Der alte fast hundertjährige Patriarch von Jerusalem unternahm selbst diese beschwerliche Reise; ihn begleiteten der Erzbischoff von Tyrus und die Bischöffe von Ptolemais, Sidon, Cäsaren, Lidda, Sebastia und Liberias. Zur ungünstigsten Zeit kamen die Bischöffe nach Italien. Das Land war von heftigen Kriegen bewegt, welche zum Theil der Papst selbst entzündet hatte, und Hadrian schon deswegen wenig aufgelegt, die Angelegenheiten des heiligen Landes zu Herzen zu nehmen. Gegen den von dem Papst gebannten König Wilhelm 2- CSr. --LZ. 46) i>oKmoänin colleorus Domlrnis, Inno äei>en6.enres er nos er reäuoia« ln inaniinrluni rinre Io- viäimus er »Ui inüiiin." lcl. 011m LalvarilLv, ndi vrrrciüxus esr ikiä. z8 Geschichte der Krcuzzüge. Buch III. Kap. I. z^Chr. pH,, Sicilien standen dessen Barone in den Waffen und be- kriegten ihn mit dem Beystandc eines griechischen Heeres. Im Norden Po» Italien stand der Kaiser Friedrich, der nach Italien gekommen war, um mit gewaffneter Hand die Rechte des Reichs geltend zu machen, und nur dadurch, daß ihn die meisten seiner Streiter, nach Ablauf ihrer Dienstzeit, verließen, bewogen wurde, auf die Rückkehr nach Deutschland zu denken. Mit Mühe gelangten die Prälaten aus dem Hafen von Hydrunt, wo sie gelandet, durch die überall herumschwärmenden Kriegsscharen zum Kaiser Friedrich, der noch zu Ancona verweilte, um von ihm die Empfehlung ihrer Angelegenheit bey Hadrian z» erbitten. Mit noch größeren Schwierigkeiten gelaugten sic zum Papste, der, wie die Prälaten meinten, schon von den Hospitalitern, welche ihnen voran- gceilt waren, nicht nur von ihrem Anliegen unterrichtet, sondern selbst mit Geld gewonnen ^), sie geflissentlich mied; denn als sie nach Narni kamen, wo Hadrian bis dahin verweilt, erfuhren sie, daß der Papst sich nach Nom begeben, und als sie sich unverzüglich dahin begaben, hatte er auch bereits Rom verlassen, und erst nach mehreren Tagen brachten sie durch fleißige Erkundigung in Erfahrung, daUcr zu Ferentina sich aufhalte. Dort trafen sic ihn zwar, und der Patriarch ließ cs an Thatigkcit in der Besorgung seiner Angelegenheit nicht fehlen; er verherrlichte mit seinen ehrwürdigen Begleitern jede öffentliche Feycrmnd bewies dem Papst und den Cardinalen jede Art von Ehrerbietung; aber dieiDifchöffe bemerkten bald, daß der Apostolische Vater und fast sein ganzer 47) inuncridiis inknins >;»i -») mww snlc xer- cori»r>l»s i'-ricn, »-»iMülarlv. vcncrLiil." u, c. 7. miu. sv cUMsse König Balduin III. ;y Hof^^) nur den Hospitalitern Gehör gaben. Sie sahen, uns 2^l,r. geachtet des kaiserlichen Empfehlungsschreibens, das sic dem Papste überbracht, sich überall ziirückgesetzt und selbst jurückgesteßen, und die öffentlichen Verhandlungen, in welchen beyde Parteycn ihre Gründe gegen einander vor- brachten, überzeugten sie sosehr von der Unmöglichkeit, eine gerechte Entscheidung ihrer Sache von einem so verderbten Hofe zu erhalten, daß sie beschlossen, ungesäumt die Rückkehr nach dem heiligen Lande anzutreten. Seit dieser Zeit stieg der Uebermuth der Hospitaliter noch höher. Ueberhanpt, so tapfer auch die Ritter der geistlichen Orden gegen die Heiden stritten, und so unverkennbare Verdienste sie sich besonders durch die Beschirmung der wehrlosen Pilger erwarben: so laßt sich doch nicht läugnen, daß eben diese Ritter fast von allem Unfrieden, der im heiligen Lande obwaltete, wenn auch nicht immer die Stifter, doch wenigstens sehr thatige Theilnehmer waren, durch Habsucht und schnöde Gier nach Beute sich nicht selten zur Ber- laugnung ihrer Pflichten verleiten ließen, und selbst den Christlichen Namen bcy den Heiden schändeten. Zu eben dieser Zeit, wo zwischen den Bischöffen und den Hospitalitern jener ärgerliche Streit noch fortdauertc, gaben die Templer ans die empörendste Weise eS kund, daß ihnen Geld höher sey, als die Erfüllung ihrer heiligsten Pflichten. Denn sie verkauften den Nasircddin, den Sohn des nach Vereitlung seiner Pläne aus Aegypten entwichenen Vezirs 48) „De triulL antem Oaräirui' linin l.nr1).i vix reperli Lnnk: tlno IVIariino, yni eiuslicm lloininr L'li- rriLrckLe, änm erser l'zren.sis ^5' nnniera, «eenli Lii.nl: vi»s DLluliam, ülii Loror." lä. 0 . 8. 2. Ehr. ->3L. 40 Geschichte der Krenzzüge. Buch III. Kap. I. Abbas, einen tapfer» und bey den Saracenen sehr geachteten Man» ^), welcher mit einer unermeßlichen Beute in ihre Gefangenschaft gcrathcn, die Anfangsgründe des Christenthums mit großem Fleiße und inniger Ucberzeugung erlernt, und selbst schon die Lateinische Sprache sich zu eigen gemacht hatte, auf die verruchteste Weise seinen und seines Vaters Feinden für sechzig Tausend Goldstücke, und sahen es an, daß er in einen eisernen Käfig gesperrt auf einem gy) Die Gefaugennehmuug des Na- streddiu erzählt der Arabische Geschichtschreiber Abu Iala, bey Abu Schamaü zum I. 5gy lug-p also: Wir reruahmeu, daß der Emir Fa, es- rddiu Talaja Ebu Rascuk, ciuer der vornehmsten ägyptischen Emire, und damals abwesend reu Aegypten, als rr die dortigen Ereignisse vcruom- rueti, (uebmlich die Ermriduug des Cüaüfeu), in große Bestürzung ge- raihen sei,, und sogleich Truppe» gesammelt habe, um nach Aegypten zurück,ukel,rcn. Sobald aber der Vezir Abbas davon die Kunde erhielt, Kielt er es für unmöglich, gegen dessen Neberlegenüeit steh zu behaupten, und beschloß mit allen seinen Angehörigen und Schäden aus Aegypten zu fliehen. In der Gegend von As- kalon stieß er auf ein- Schaar fränkischer Reiter, welche er anfangs nicht achtete, wegen deren geringen Zahl und der großen Anzahl seiner Begleiter. Als aber d>c Franken wirklich den Angriff machten, wurden seilw Begleiter zaghaft, und er und sein jüngerer Sobu retteten stch durch schimpfliche Flucht; der ältere aber, welcher den Adel Ebu Assalar ge- tödlet, fiel in die Gefangenschaft der Frauken mit seinem Sohn, seinem Harem, allen seinen Schäden und Sclarcn. Die Flüchtlinge standen von Hunger und Durst schrecklich aus, eine große Zahl Menschen und Thiere kam dadurch um; und viele dieser flüchtigen Reiter des Abbas wurden auch noch auf der Flucht von den Franken ereilt und erschlagen. Diejenigen aber, welche sich gerettet, kamen in dem erbärmlichsten Zuuande, durch Entbehrung und Nacktheit, »ach Dämascus in den letzten Tagen ^es Rabl al - awwal (ohugeiahr der Mine des 2 unius)." Etwas abweichend, doch im Ganzen sehr übereinstimmend, sagt Wilhelm von Tyrus sXVlll. 7): 1>r.rest.riik.-nkes insiclias, in eis mors iivvt're volenitttin nttsc^ne Üre^itn latett.rnt. Itle ex irn^roviso in coriAi'erir-ioniliils eil. eonloxrnrs letalster, Ibj^lie st-itini xlaäio vitrriu /I- nlvit. ILrat .intern iiodlli. viro initta et nnivcrs/re iii.re rlivitise» seenm ex clernlerLnr, ln in.intts lrollinrn tradita ^unt." Von den Har'.delit in 2 le§iMen, welche die Hluchr de^z 2!bbaS veranlas;- reu, wird weiter unten die Rede fthn. König Balduin III. 4r Kameele nach Aegypten hinweggeführt wurde, wo er hernach d-, Chr. mit den grausamsten Martern zu Tode gepeinigt wurde Den König Balduin selbst aber verleiteten nicht lau- ,157. ge hernach böse Rathgebcr, denen der jugendliche Fürst oftmals Gehör gab, so wie Schulden und Geldnoth, zum treulosen Bruche des eben erneuerten Waffenstillstandes mit Nureddin. Denn nachdem Nureddin von neuem, zwar vergeblich die Burg Harem bercnnt, aber die Christen doch zur Abtretung eines Theils des umliegenden Landes gcnöthigt hatte, und die Christen, welche in das Land des Athabeken eingebrochcu von den Truppen von Aleppo zurückgewiesen waren: so schloß der König mit Nureddin einen jährigen Waffenstillstand vom Christmonat 1156^) an, und verzichtete auf die Schatzung, welche er bisher aus Damascus gezogen, da,,. Kaum war dieser Waffenstillstand abgeschlossen, als Balduin Arabische und Turkomanische Horden, welchen er selbst mit ihren zahlreichen Rossen und andern Lasithieren in dem -Walde von Paneas den Aufenthalt gestattet, plötzlich mit schändlicher Treulosigkeit übersiel, die Männer, welche im Vertrauen auf das königliche Wort ohne Wehr und Waffen waren, erschlug und ihr sämmÜiches Vieh raubte, dessen eine so große Menge war, daß bey der Theilnng selbst jedem gcmei- nenKnecht, der an diesem Raubzuge Theil genommen, mehrere Rosft zufielen. Die Christen verabscheuten diese ruchlose Treulosigkeit nicht minder als die Heiden, und betrachteten die l'nglücksfätte der folgenden Jahre als Gottes gerechte Strafe für solche Frevelthak La) r/r. a. a. O. 51) A. Deylags. 52) Vom Monat Scbawal des Z. SL>. Abu Sclianiah b. dies. J> 5 Z) Also berichtet davon Abu Scha- mah: Schon in den ersten zehn Tagen des MonatS Osulhadscha lig-agIan- iiö?) brachen dieFranfen ihr Versprechen und was in dem Waffenstillstände und Vertrage war bestimmt worden, weil eine grohe Zahl von Franke,» zur See angekommen und ihre Mach! 4r Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. I. z. Mr. Nureddin begann ohne Verzug den Krieg wider die 2 - Mai- Christen mit großer Heftigkeit. Sein Emir Asadeddin siegte Mit Hülfe einer großen Zahl tapferer Turkvmancn, welche in seinen Dienstgctreten, am Euphrat über die Kreuzritter und nahm ihnen große Beine ab Als bald hernach die Hofpitali, 1er,denen der ConnetableHonfroy mit Genehmigung des Königs die Hälfte der Stabt Paneas, welche er allein nicht mehr zu vertheidigcn sich getraute, abgetreten hatte, in diese von Heids nischem Gebiete umschlolsene Stadt Mannschaft, Waffen und Vorräthe zu bringen suchten: so griff der Emir Nasirs eddin sie an und überwand sie, ungeachtet der Connctable Honfroy aus Paneas ihnen zu Hülfe kam, in einer blutigen Schlacht, nahm ihnen ihre Rosse, Kameele und alle ihre Waffen und Vorräthe, und schickte die Gefangenen und die dadurch gewachsen war (Abu Scha- niah scheint die Ankunft des Grafen Dietrich von Flandern im Sinn zu haben, welche aber erst später er- splgle). Sie brachen alsp in das Land Alschoara bei) Paneas (in sz-Iv» «zuae o.nteaäen.-ü acisacer asvitari er 'dz-r XIII. II ); wo gerade sehr pielo Kricgsroffe und Weidepfcrdc, so wie auch Arbeits- und Zugpferde, pnch rielc Araber und Bauern versammelt waren, um zu weiden, im Werlrauen auf den Waffenstillstand, Darum waren ne glich nicht im lAtande sich zu vcrlheidigen. Die Franken aber hauen die Gelegenheit zvohl erspäht und trieben alles weg, chas sie fanden, nnd plünderten die ßkM sltiS, Mp schleppt?» auch oisl? Turkpmanen und andere gefangen hinweg. Und gewannen auf solche Weise eine sehr große Beute. Gott aber der Gerechte sorgte dafür, dasi ihnen solche Treulosigkeit vergolten wurde, durch das, was im folgenden Jahre geschah." Mit denselben Worten druckt Wilhelm von TyruS (a. a. O ) seinen edlen Unwillen nuS: „ScL ziliviio koeiiore, intnlii oankueio. Iicm »laut in xegiienridms giee- tur. " S4) Nbu Hchqmah sS ->, LL2, König Balduin III. 4Z Köpfe der erschlagenen Christen nach Damascus Nurcd- din aber/ welcher zu Baalbek war/ befahl/ alle diese Gefangenen/ zur Rache der von den Christen verübten Worrbrüchigkcit/ ohne Erbarmen zu tödtcn. Woraufcr beschloß/ die Stadt Pa- neas zu bercnnen/ zumal da die Hospitaliter/ geschreckt durch die Niederlage und den Verlust/ welchen sie erlitten/ die Stadt Pancas wieder in die Hände des Cvnnetable Honfroy zurücke gz) „Am >5 res Nabi al - awwal kam nach Damascus der fröhliche Botschafter von dem siegreichen Heere bep NaS al - ma ; denn Nasireddin, der oberste Emir, als er vernahm, da» die Franken in die Landschaft van Paneas in grosser Zahl gekommen waren, nemlich 7ao Ritter alt- ßcr dem Fuswolk, eilte unverzüglich dahin und erreichte sic, bevor sic nach Pancas gelangten; die Miliz dieser Stadt war aber bereits zu ih- nen herausgezogen. Dann legte er die tapfersten Türken in einen Hinterhalt und griff sie an. Im Anfänge des Gefechtes wurden zwar die Musclmänner zurückgeworfen; als aber die Türken aus dem Hinterhalte hervorbrachen, da verlieh Gott den Muselmännern vollkommncn Sieg, also dag nur wenige der Feinde entrannen, und alle entweder gerichtet, oder verwundet, oder ausgc- plündert, oder gefangen wurden. Don Pferden, Waffen und Vorrä- then, Leichnamen und Köpfen der Erschlagenen fiel eine ungeheure Menge in die Hände der Muselmänner. .... Die Gefangenen und die Köpfe der Erschlagenen, so wie die eroberten Vorräthe wurden nach DamascuS gebracht, und vieles Volt versammelte sich, sic zu sehen; es war ein festlicher Lag. Einen Lheil der Gefangenen schickte der Emir zu Nured- din nach Baalbek, welcher befahl, ihnen ohne Barmherzigkeit die Köpfe abzuschlagen." Abu Iala bcy Abu Schamah. Sehr übereinstimmend Wilhelm von Ti/rus (XVIII. 12): „Ikacnni» eü anreni, poügnam xrae- fiicti kraircs oivitatecn inäe snani pro xarte lusoexcrnnt, nt oonxre- gatis alimentorum, ariuorum, vi- rornm coxiis, locnin certa cito cti- lixcutins connnnnire onrarent - aol- leoiogne maximo afi xroxositnm knkkioienle camelornm et oinninro- fiornni animalium acl seroinas fie- xoitanäornin oomitatu, sianul er militia gnae omnem illam exxeäi- tionem violenter in nrdcin iutro- clnoercnt, aä locuin accefiebanr, nriiem afi multa »cgnenlia rempora nccessaiüs oommniciritri. Duingne xrofioisoenäo onm omnidns imz/e- cliinentis kuis nrhi approinngnarenr, eooe Sofies, eornin afiuentn />rae- t,ns, aginen lüssolvnnt, oacreris antcui Inga vitrc et saluti consu- lenlidns, sarcinas occuxant: gni eü'ngere ncgncnnt, Sofiinin instantia praeventi, ant glactiis itt- tcrennr, aut vinoniis naancipan- tnr." 44 Geschichte der Krcuzzüge. Buch IV. Kap. I. S.^Cbr. gegeben hatten. Zwar gelang es Nnreddin nicht, die Burg zu erobern, wiewohl er die Stadt erstürmte und verbrannte; denn er hob die Dercnnung der Burg auf, als der König Balduin ihr zu Hülfe kam. Aber er gewann über den König einen Sieg, wie ihn noch nie die Heiden über die Kreuzes- ritter gewonnen halten. Denn Balduin, nachdem er die zerstörte Stadt Paneas und ihre Mauer in großer Schnelligkeit wieder erbaut hatte, war so unvorsichtig, sich nicht zu erkundigen, wohin Nureddin sich gewandt, und kehrte in der Meinung, daß das Heer der Ungläubigen weit entfernt wäre, nur von der Ritterschaft begleitet, nach Liberias zurück, und auf dem Wege verließen ihn noch Philipp von Neapel und mehrere andere Barone. Auch waren sie so sicher, daß sie in ihrem nächtlichen Lager am Salzsee jede Vorsicht vernachlässigten. Nureddin aber hatte sich mit seinen Scharen in dem Walde von Paneas verborgen, um die Gelegenheit zu erspähen, und die Fahrlässigkeit der Ritter blieb ihm nicht lange verborgen. Worauf er herbey, eilte, über den Jordan seine Scharen führte und sich an der Furth Jakobs im Hinterhalt lagerte, da wo der König und die Ritter in der Frühe des Tages über den Fluß zu gehen is 7 "»,. dachten. Als nun die Ritter unter heitern und frohen Gesprächen hcrbeyritten, da brachen' plötzlich die Türken aus ihrem Hinterhalt und brachten Tod und Verderben über die Ritter, ehe sie zum Kampfe sich zu scharen vermochten. Der König Balduin rettete sich durch die Flucht nach Saphed im benachbarten Gebirge, aber wenige vermochten ihm zu folgen ^). Das ganze Feldgeräth und selbst des Königs 56) ,, 8 ecirs lacum, oui nomerr 57) ,,(kex) erim xerieuUz Weleda." I^r. XVI 7 I. iz. IroÜes riimc: L clexrris, iiune L ,,Am See von Tiberlas und ParieaS." 8 iniKris> equi, cur. insiäed^t. de- Abu Echailiah. nekoio äocliriLns, irr eLLtrrim cni König Balduin III. 4 ) Capelle wurde den Heiden zur Beute. Es fielen in die Ge- J.^hr. fangenfcbafr der Heiden Bertrand van Blanquefort, Großmeister der Templer, Hugo von Jbelim, Odo von St. Amand, des Königs Marschall, und viele andere. Viele tapfere und vornehme Ritter wurden jämmerlich, fast ohne Kampf erschlagen; sie aber entgingen durch den Tod der Schmach, welche die Gefangenen erfuhren. Denn diese wurden in schimpflichem Gepränge in Damascus eingeführt, dem Pöbel zur Schau, die vornehmen Ritter mit Panzer und Helm gerüstet auf ihren Rossen, jeder sein Panier haltend, die gemeinen Ritter, je zwcy und zwey auf einem Kamecl und ausgcbrcitete Fahnen tragend, an welchen Häute von den Kövfen der Erschlagenen mit den Haaren befestigt waren, die Knechte je drei) und drey, oder vier und vier mit einem Stricke zusammen gebunden "). Ungeachtet solches schrecklichen Unglücks sammelte doch der König in kurzer Zeit wiederum eine stattliche Schar von Rittern, und zog mit ihnen der von Nureddin aufs Neue belagerten Stadt Paneas zu Hülfe; und als er sich unfern von der Stadt bey dem Neuen Schloß mit dem Fürsten von Antiochien und dem Grafen von Tripolis, welche gleichfalls aufgeboten worden, Lexiiek ircunen, gnoä in coüeni Monte eitum erat, vix et orinr Willi. 1 >r. Ganz übereinstimmend Abu Schamah beim I. ZA, wo er nachträglich noch aus Abu Jala über Lies Ereignis folgende Nachricht gibt: ,, Salahcddin , Füisr von Emcssa, berichtet darüber Folgendes : Als die Turkomanen zu uns kamen, so waren etwa tausend Gefangene bei, ihnen, so viel kamen allein nach Cmeffa; der König von Jerusalem aber war in eine kleine würg geflohen, ails welcher er hernach unter dem Schutze der Nacht seine Flucht weiler fortsetzte." S8) S. den Bericht des Abu Jala über dieses Ereignis in LerBcyl. Vollkommen übereinstimmend ist damit die Erzählung des Wilhelm von Luxus XVlll. 14; auch selbst in der Chronologie; denn der y. des ersten Dschemadi szo fällt gerade auf den r8 Junius I XIII. o.rl. lul.) 11Z7, welchen Wilhelm von Torus als den Lag dieses Unglücls angibt. 46 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. I. pereinigt hatte, ließ Nurcddin, welcher den Kampf überall vermied, wo er nicht des Sieges ganz gewiß war, von der Belagerung ab. In diesen schlimmen Zeiten erfüllte die Christen des heil. Landes mit neuem Mnthe die Ankunft des Grafen Dietrich von Flandern, welcher zum dritten Male als Pilger ins heilige Land kam, dieses Mal begleitet von seiner Gemahlin Sibylle, der Schwester der Königin Melissende, und vier« hundert Rittern. Ihre Ankunft war um so erfreulicher, weil Dietrich einer der vornehmsten Fürsten der zweytcn großen Pilgerfahrt unter den Königen Conrad III- und Ludwig VII. gewesen war "). Denn seine neue Wallfahrt schien ein untrügliches Zeichen der Versöhnung des gerechten Grolls der katholischen Christen des Abendlandes gegen die morgen- ländischen zu seyn, wegen des bey der Belagerung von Damascus verübten Verraths. Darum wurde auch Dietrich mit sehr großen Ehren im gelobten Lande empfangen, und sein Rath in den wichtigsten Angelegenheiten gehört. Nicht ohne seinen Rath wurde der König Balduin, der zum männlichen Alter längst gelangt, und sich noch immer nicht zur Vermählung hatte entschließen wollen, bewogen, bey dem Kaiser Manuel durch eine Gesandtschaft ^°) um eine Prinzessin des kaiserlichen Geschlechtes zu werben. Die Gesandtschaft erlangte die Gewährung ihrer Werbung; denn die dreyzchnjährige schöne Theodora, die Nichte des Kaisers, Tochter seines Bruders Isaak, kam mit einem Schatze Sy) S. Gesch. d. Kreuzz. LH. II. S. 681. Th. III. 2 lblh. I. S. Y 5 . 24s. lieber diese dritte Wallfahrt handelt, außer Wilhelm van Tyrus (xvm. r6. 5Y.), daö IVIaxiiiim viironicolr UelZiannr (in kisro, Script, rer. 6erm, ech. Strnve IV III -S ->S8, af. Liberia! Llrrania. (in IVeivnit. Xc- ccs 5 . Uiü. 1 S. 32 y. üo) Sie behänd aus dem Bischvff Attard van Nazareth, welcher auf der Reise starb, dem Cvnnctablo Honfroy, JvScclin Pessel und Wilhelm de Vuriv. Will». I>r. XVIII. König Balduin III. 47 von hundert Tausend Goldstücken und einer herrlichen Aussteuer an kostbaren Gerüchen im Herbstmonat dieses Jahres zu Tyrus an, und wurde dem Könige durch den Patriarchen Aimerich von Antiochien angetrauk; denn der Patriarch Fulcher von Jerusalem war indeß gestorben, und sein erwählter Nachfolger Amalrich hatte noch nicht von dem Apostolischen Sitze zu Rom die Bestätigung und das Pallium erhalten ^). Für so große Schätze, welche Theodora ihrem Gemahl zubrackte, verhieß ihr der König auf den Fall seines Todes die Stadt Akka mit ihrem Kreise als Leibs gedinge. Noch während diese Gesandten ihre Werbung in Byzanz besorgten, beschlossen die Fürsten des heiligen Landes, mit dcm Beystandc des Grafen Dietrich und der tapfer» Männer, welche ihm gefolgt waren, eine für die Christliche Herrschaft in Syrien nützlicheWaffenthatzu unternehmen, dercnGclingen sich erwarten ließ,weilgerade durch ein gewaltigeeErdbeben damals die Befestigungen mehrerer syrischen Städte und Burgen zerstört waren Die ganze Christliche Macht versammelte sich unfern des Schlosses der Kurden, und zog dann vor die Stadt Rugia "). Werl aber diese Stadt sehr hartnäckig widerstand, und Nurevdin mit seinen Scharen sich nä- 6r) ,,6enrnm inillidns rorilin." Willi. XVIIl. 22. S. 62) Willi. 1 >r- XVIll. rg. 20. 22. Ü 3 ) Wir finden dieses Erdbebens bei) den abendländischen Schrift,lelr lern keine Erwähnung; es gedenken aber seiner Abu Schamah und Abul- feda beyrn I. 55^ und Abufaradsch tlliron. S. 348. 64) xarlidns in so loco, Hui vul§o LoczusA iieer ex ^Aitibus äi- verkik, couveuerunl vnLnimes/' Willi, I>r. xvm. 17. „Albakeia unter dem Schlosse der Kurden." ^lnilkecl. uiosl. 1. Ilk. S. 888. Das Schloß der Kurden lag in der Mitte deö Wegs von Tripolis nach Emessa, von beiden Städten eine Tagereise entfernt, I'al». eä. Xobler S. io3. Lclnrir. iucl. A 60 A 1 '. A(i läoIiLtl. vilAin LLla.» äiui v. <>urclorum cAssiiim. I''. Widk-ou commeut. , Aleppensern und ließ ihnen sagen: Nureddin ist noch am Leben, und was geschehen ist, das hätte füglich unterbleiben können. Weil sic aber den, Befehlshaber nicht glaubten, so begab.sieh einer auf das Schloß, unr selbst Nureddin lebendig zu sehen, und dann zu berichte,!, was er spräche und was zu ihm gesprochen würde. Nureddin äußerte nachsichtsvoll sich also: Ich verzeihe den Jünglings» diesen Fehltritt und will sie nicht strafen wegen solch -o Vergehens, st- habe» nur die Befestigung der Herrschaft meines Bruders und Erbe» beabsichtigt." L8> Nach der übertriebenen Erzählung deS Abulfarads,h (Llirau. 8^r. S. 343) wurde z» Cäsgra niemand gerettet als eine Frau und ein Verschnittener. Der Zerstörung dieser Stadt durch ein Erdbeben erwähnen übrigens ausdrücklich Abulfeda und die von Abu Schamah mitgetheilten Berichte verschiedener Chroniken. 6y) Aus dem Eeschicchic Monkads. S. -'Lintlseä. ^I»n. Ntosl. p. lll. S. 547. u. f., wo ausführliche Nachricht übet dieses Geschlecht gegeben wird. D I. Cb "57. ;c> Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. I. 2. Thr.wurde zur Theilnahme eingeladcn und in zahlreichen wohlgerüstetcn Scharen lagerte sich das Christliche Heer vor dieser Stabt; jedem Fürsten ward nach sorgfältiger Bedachung sein Stand angewiesen, und mit großer Thätigkeit die Berennling begonnen. Der Widerstand der Einwohner, meistens Handelsleute und des Krieges ungewohnt, war so schwach, daß nach wenigen Tagen die Thore erbrochen wurden, und der untere Theil dieser an dem Abhange eines Hügels erbauten Stadt in die Gewalt der Christen kam, und auch die Burg, welche auf der Höhe lag, nicht lange widerstehen zu können schien. Da vereitelte aber die Selbstsucht der Fürsten auch di« Frucht dieser Unternehmung. Denn es erhob sich ein Streit über den Besitz der Stadt. Der Graf Dietrich von Flandern, der noch immer den alten heftigen Wunsch nach dem Besitze eines Fürstenthums im gelobten Lande nährte, hatte der Belagerung dieser Stadt besonders deswegen eifrigst sich angenommen, weil erhoffte, daß ihm das Fürstenthum dieser Stadt niemand streitig machen würde; und auch der König Balduin war geneigt, seinen Wunsch zu erfüllen, weil kein anderer der anwesenden Fürsten diese Stadt so kräftig behaupten konnte, als der reiche und mächtige Graf von Flandern. Der Fürst Rainald von Antiochien wollte zwar eben so wenig dem Grafen Dietrich diese Stadt mißgönnen, verlangte aber, daß Dietrich, weil Cäsara zum Sprengel des Patriarchen von Antiochien seit uralten Zeiten gehörte, die Stadt vom Für- stenrhume Antiochien zu Lehen nähme. Oer Graf Dietrich, wohl geneigt, des Königs Lehenmann zu werden, erklärte, daß er niemals so rief sich erniedrigen werde, dem Fürsten Rainald, als damaligem Verweser des Fürstemhums Anriv- 70) Wilk. 'Igr. XVIII. l 7 . 1 König Balduin III. ;r chirn, oder dem Knaben Bocmund denLeheneld zu leisten^'). 2-^vhr. Dieser Sircir erbirrerre endlich die Gemüther so whr, daß die Bernmu-'g der Burg aufgegcben wurde, und die irefsiir chen Christlichen Scharen die eroberte Stadt Cäsara mit der reichen Beute, welche sie in der Stadl gefunden, sich begnügend, verließen und nach Antiochien zurück, kehrten Doch war die Gelegenheit zu günstig, als daß der König Balduin und die andern Fürsten der Abentheuer sich hätten ent, halten mögen; und ermunternd zur eifrige,! Bekämpfung der Heiden war auch die frohe Nachricht, von der glücklichen Wredererobening einer nichr lauge zuvor durch Fahrlässigkeit verlornen unaemcin festen Höhle jenseits des Jordan durch Balduin von Assel ^ ^), den Verweser des Reichs in des Königs Abwesenheit. Die Christlichen Scharen zogen also um die Zeit des Weihnachtssestes von l das feste Schloß Harem 71) Will,. 7>r. XVIII. ig. inimiuelr.rt, «,,Ü'»reil,«,r1 spoliw er I-raesta iir-giie ->>I ünietsteiii «i.iilti, eum liiis Ie»jo,>iluls rcvcrsi -nur." Will,. V)',. Ganz anders Abu Schamah: „Die Frauken ließen diese Krankheit des Nured- din nicht uubenuht, sie überfielen Schaisar, bemächtigten sich der Stadt nnd rödieten, plünderte» und schleppten Gefangene hinweg. Da sammelte sich aber von verschiedenen Seiten eine starke Schar JSmacliU- scher Männer und andrer, welche die Franken angrlff, ihrer viele )chien aus- und umlagerten welches neun Jahre zuvor, 2 ^rhc. tödtete und sie aus Schaisar vertrieb." 73) Lrläuiinls sto liisiila. Willi. 1'>r. XVIII. ly. Es ist sehr wahrscheinlich, daß diese wiedcreroberieHöh- lc die niedrere Male in der Geschichte der Krcuzzügc verkommende Höhle Roob war. S. Gesch der Kreuzzüge Th III. S. 2ir. Anm. ry. 74) Wilhelm von Thrus (a. a. O.) sagt blos im Allgemeinen: „aestinia iiihi ^nrlooliiee viaiiiiini, vix al- e-, üiilLilS iiiilliLiilnis äriaclevim, ,,r-ivüictLs iirlii tlemno iiar valä» vwlxo e^,atia a^iivlleiit, pou-Uss er juriscliolio erat" Daß dies Haren» war, erhellt aus der Nachricht de- Abu Schamaki; auch ist die Chroms logieganz zusammen stimmende denn D 2 ;r Geschichte der KreuzzLge. Buch IV. Kap.I. 2-^br. nach des Fürsten Raimund von Antiochien jämmerlichem Tode 5 von Nureddin den Christen war entrissen worden, und bekennten es heftig und unermüdec, und als im zweiten Monate der Belagerung der Durghauptmann durch einen aus einer Wurfmaschine der Christen geschleuderten Stein zerschmettert war, so übergab die Besatzung, nach ausbedungenem freyen Abzüge, die wichtige Burg, welche von dem Könige dem Fürstenthum Antiochien zurückgegeben wurde. Hierauf durchzogen die Christlichen Scharen mehrere Gegenden des feindlichen Landes, und gewannen überall sehr große Beute "). Zur dauerhaften Befestigung der wankenden Christlichen Herrschaft in Syrien konnte die Niedergeschlagenheit der Muselmänner wegen der KrankheitNureddins nicht benutzt werden, und der König Balduin sah sich genöthigt, in das Reich Jerusalem zurückzukehren; denn die Aegyptier waren einge- brocheu, hatten das Land bei) Gaza und Askalon verwüstet und die Christen, welche sie zu vertreiben suchten, überwunden, auch hatte eine Aegyptische Flotte viele Christliche Schiffe an der Syrischen Küste erobert; und Nureddin, welcher nach seiner Wiederherstellung nach Damascus sich begeben hatte, rüstete sich mächtig zum Kriege. Nicht lange hernach brach auch wirklich Schirkuh mit zahlreichen Horden von Turkomanen in das Land von Sidon, und überwand nach Wilhelm von Tyrus wurde die Burg am WcihnachtStage » fiie dUtivi-tLtie Oamriricae) Umlagen und zwey Monate lang berennt; nach Abu Schamah verbreitete sich im Anfänge deü Moharrem ZLZ, dessen erster Tag auf den i Febr. 1153 fiel, das Gerücht von der Eroberung der Würg Harem durch die «ranken. Auch einige abendländische Chroniken erwähnen ausdrücklich der damaligen Eroberung der Burg Harem ltla- rcnc), z. B. IU»gn. llirron. Leig. S. IW> Oiricin.. S. ZZo. 75). Abn Schamah. Nach den bereits erwähnten Berichten der großen Niederländischen Chronik und deS Albericus wurde auch noch die Stadt Apamea mit Hülfe LeS Grafen Dietrich erobert. König Balduin III. ;; die dortige Miliz/ und Nureddin selbst umlagerte und I-^k. ängstigte das feste Bergschloß Suera. Der König Balduin, immer zum Kampfe bereit, eilte mit dem Grafen Dietrich von Flandern ungesäumt der Burg zu Hülfe, und auch Nureddin vermied dieses Mal nicht den Kampf, sondern stellte bey der hölzernen Brücke, da, wo der Jordan ans dem See von Liberias ausfließr ^), den Christlichen Streitern sich entgegen. Diese schaarten sich in der Frühe deö Tages voll Muth und mit festem Vertrauen auf Gott^-2uk. und dem heiligem Kreuze, welches in dem königlichen Zelte der König Balduin und die Fürsten andächtig angebctet ^), ehe sie die Scharen zu den Waffen riefen. Der Erzbischofs Petrus von Tyrus trug das heilige Kreuz den Fcohnkampen vor, und mit Begeisterung für den Heiland stürzren die Christlichen Streiter auf die Heiden. Ein herrlicher Sieg wurde dieses Mal den Christen zu Theil; die Horden Nured- dins wichen der gewaltigen Kraft ^), mit welcher der tapfere König Balduin und die andern Fürsten mit ihrer Ritterschaft Wider sie stürmten, und den Heiden wurde alles reichlich vergolten, was ein Jahr zuvor die Christen von ihnen erfahren; bald stand Nureddin, verlassen von seinen Scharen, auf einem Hügel, nur umgeben von einem kleinen tapfcrn Haufen, und wäre den Christlichen Rittern es kund geworden, wie verlassen Nureddin war, und hätten sie ihren Vortheil vollkommen benutzt, so wäre dieser furcht- 76) ,,Ii» loco cui nomen kulira- I>L." Willi. 7 >r. XVIII. 2l. 77) „In c»ür» convvcilis «ummo stilnculo I-rincixil/ue , säorato eup- xlicirer vivilicio cruci» ligno." 78) Nach Wilhelm von Tyrus stritten die Scharen Nureddin» auch an diesem Tage mit groker Tapferkeit (ooilrl-arisiime cc imxerrerrile ); Abu Schamah (s. Beylage) schieb« die Schuld des Unfalls/ welcher den Nureddin traf, aus di« Feigheit einiger EmirS. ;4 Geschichte der Äreuzzüge. Buch lV. Kap.i. I. Ehr. n§g. Die Heer- fa!-rt des Kaisers ":a nuel »ach I.^CHr.' i-S9- bare Feind der Christen aus diesem Kampfe nicht ent, rönnen ^). Die Christlichen Fürsten, nach ihrer gewohnten Weise, begnügten sich mit der Freude über die gelungene Waffenrhat und kehrten zurück auf ihre Burgen, und der Graf Dietrich, nachdem seine Gattin Sibylia im Kloster St. Lazarus zn Bethanien sich dem gottseligen Leben geweiht verließ das heilige Land nach zwcyjährjgem Aufenthalt. Es gelang dem König Balduin nicht einmal, einen vortheilhaften Waffenstillstand, den er anbot, mit Rureddin zu schlier ßcn Kaum war nach so vielen blutigen Kämpfen eine kurze Ruhe eingctreren, als die Nachricht von dem Anzüge des Kaisers Manuel mit einem zahlreichen Heere gegen die Gränze von Syrien die heftigste Bewegung unter Christen und Heiden hervorbrachte. Nureddin ward genöthigl, von den Rittern des Kreuzes, zu deren Bekämpfung er sich mächtig rüstete, seine Aufmerksamkeit zu wenden auf die Beschirmung seiner nördlichen Gränzen gegen die Griechen, und noch mehr fürchteten die Christlichen Fürsten in Syrien die Ankunft des Kaisers. Der Kaiser Manuel, welcher durch seine persönliche Tapferkeit und durch die fast ununterbrochenen Kriege, Welt che er bald an der Lonau, bald in Italien, bald in Asien, zum Theil in eigner Person führte, den kriegerischen Namen der Griechen wieder zu Ehren gebracht hatte, kam nach -Asien, um eine Frcvclthat des Fürsten Rainald von Antiochien zu rächen, welche die Waffengcnvffcn des Fürsten 7y) S. dis Erzählungen, welche Lbu Schainah mirihcilt, in der Beilage. ho) IVlaxn. cNirou. Leig, g, g. L>. Schon im I. n-ly war Sibylle Acb- lisün dieses KloüerS. WiUr. XVII l. -7. ö>) Abu Schamah. König Bald iiin III. 5? nicht weniger als die Griechen mit Abscheu erfüllt hatte "). d^ssr Mitten im Frieden Harle, zwen Jahre zuvor, der Fürst Rainald plötzlich die Insel Cnpern mit einer Flotte angegriffen, den Statthalter, des Kaisers Neffen, gefangen hinweggesührt, die grausamsten Verwüstungen und Plünderungen geübt, Krrchen und Klöster beraubt, und die Gott geweihten Jungfrauen der Schändung und jeder Mißhandlung seiner Raubaenossen preis gegeben. Dle abendländischen Christen in Syrien verabscheuten diese Frevelchat um so mehr, da ihnen die Einwohner von Cypern bisher mit Billigkeit und Freundlichkeit! KZ) Wilhelm von Tlirus tXVlII. 10) nennt diese Plünder,mg von Cy- Peru ein pieniri.irv tie^iriuu-, eine »honrinoiuiem inv.rsik---om , ein ma- Icsieium slbutsaradsch (Lsiron. Sz-r. S- zggt erzählt davon also: „Im I. d. Griechen rgüg (Chr. 11Z7) überfiel der Fürst von Slnticchicn die Insel Eichern, welche den Griechen un- terwvrfen war, und plünderte die ganze Insel und raubte Menscheu, Schafe, Ochsen, Pferde und alterte» kostbares Gsräth. Nachdem nun alles dieses an die Küste geschleppt worden, so losten zwar die gefangenen Cypricr sich und ihr Wirb dadurch, daß sie den Franken Geld versprachen; die geraubten Gerätst: aber »astmen die Franken alle mit sich, und führten auch den Bischoff und die Lebte der Klöster und die angesehenste» Einwohner nach Slnriochien als Geisel, biS das Geld bezahlt worden." '„Dieser Neualdus, sagt Ciunamus (S. roz), als ihn der Kaiser auf sein Bitten nicht vor sich Uetz, sondern mit vielen Drohungen schreckte, glaubte Geld (zur Rüstung gegen des Kaisers Feindseligkeiten) zu Cbonsmittel und alle Bcdurft bedürfcn, und begann deshalb folgendes: Er baute sich Schiffe, fuhr gegen Eyper» „nd verschaffte sich durch Seeräuberc» sehr reichliche Schätze Zwar zuerst trieben ihn zurück Johannes, des Kaisers Brudersohn , damals Statthalter der Insel, und Michael Branas und die übrigen, weichen die Hütung des Landes anveriraut war, lind füg len ihm vielen Schaden zu. Als aber Branas und mit ihm auch Johannes ibn zu rasch und mit Unbesonnenheit bis Leukosia verfolgten, so fielen bevde in die Gefangenschaft des Lienald." Mil dieser Erzählung stimmt sehr wostl zusammen, was Wilhelm von Tyrus (a. a. O.) berichtet : „Lrexc »irtcm iniulmii » gutdusärm äe iioltrie äitixenter 1-roemaniti - unäe er sie tato jn»ul-r vires eouirexerLiit guoles gurles: seä ingrestiens xraeäiotus k-rinoep» izain-cläns corum kalim kuäir cx eroinrnr et eorum eerenws ooarri- vit oopias, wt stoiiroexs nee nniis urveniretui gut oonrr» cum n>»nnm anäerer erigere." ;6 Geschichte der Keeuzzüqe. Buch IV. Kap.I. ;;jsse und Bequemlichkeiten verkauft hatten, welche ihre Insel hervorbrachrc Außerdem erforderten auch die Ereiantsse in Cilicien und Jsaucien des Kaisers Aufmerksamkett. Schon seit längerer Zeit hatte sich in diesen Landern aus den Städten und Landschaften/ welche die Griechen den von den Christen auf ihrem Durchzuge zu der ersten großen Wallfahrt überwundenen Türken entrissen hatten, ein kleines Fürstenrbum gebildet, welches, begünstigt durch den Verfall des Reichs der seldschukischen Türken, besonders ihrer Herrschaft in Kleinasien, und durch die gebirgige und unzugängliche Narur des Landes, so wie durch die Verwirrungen und Verlegenheiten des griechischen Kaiscrthums immer mehr Festigkeit gewann. Die Statthalter, welche dieser Provinz vorgesetzt waren, im Vertrauen auf ihre Entfernung von dem kaiserlichen Sitze, kümmerten sich wenig um des Kaisers Befehle, die Statthalterschaft blieb in derselben Familie, und die Statthalter von Cilicien waren daher in der That längst unabhängig gewesen, als Torus, der vom Berge genannt, der dritte Statthalter dieser Provinz seit ihrer Wiedereroberung, dem Kaiser Manuel öffentlich den Gehorsam auskündigte ^). Dies Fürsten- H'iUl. »4) Die meisten Nachrichten über diese Armenischen Fürsten geben Abul- saradsch in der syrische» Chronik und Cinnnmus. A!S der erste Griechische Statthalter von Cilicien wird von Al'ulfaradsch Toros genannt, dem im I. i,zc> sein Bruder Leo folgte (S. Zog); schon dieser verweigerte dem griechischen Reiche den Gehorsam , wurde aber von dem Kaiser Johannes, welcher in eigner Person mit einem großen Heere nach Cilicien kam, bezwungen und gefangen nach Constantinopcl geführt. (S. Uer. »u ^.Icxia er rel Lomiioitiz gest. Istü. IV. v. z. S. 502 kg. Gcsch. der Krcuzz. II. S. Lgo u. f.) Crst im I. n«z, nachdem Leo in der Gefangenschaft zu Constantinoyelgestorben war, entwich dessen Soh» Torus kam zn Fug und in der größten König Balduin HI. 57 thum in Cilicicn, dessen Hauptort die Stadt Sis war, 3^ Ck,r erhielt den Namen Armenien, weil seine Beherrscher, welchen späterhin die deutschen Kaiser Heinrich ^ l. und Otto IV. den königlichen Titel verliehen, Armenischer Abkunft waren ^). Es umfaßte zur Zeit seiner größten Blüthe ein Land, welches, vier Meilen von Antiochien bey der Burg Gasiim anhebend, sechzehn Tagereisen in der Länge, und zwei) in der Breite sich erstreckte, und außer der Hauptstadt die wichtigen Städte Tarsus, Mamistra, Adana, Marasch, Anavarza, Mspsvestia und andere umfaßte ^). Der Kaiser Manuel hatte den Plänen des herrschsüchtigen Statthalters, so viel möglich, von jeher entgegen gewirkt. So lange ihm selbst seine übrigen Kriege die Heerfahrt nach Cilicicn nicht erlaubten, sandte er zuerst seinen Vetter, den leichtsinnigen und tollkühnen Andronikus, mit einem Heere aus, um den widerspenstigen Statthalter zum Gehorsam zurückzubringen; und als dieser durch Unbesonnenheit und Unachtsamkeit bey der Belagerung von Mopsvestia von Dürftigkeit nach Cilicien, fand aber dort so großen Ankiana, daß er sich des väterlichen FürsteuthuniS bemächtigen konnte. OUron. S^r. S. 335- Eben dieser ToruS wird fn de» I.ürnage? ci' Outremer (c. g.) alS der erste Herr dieses Fürsteuthums ange- LUroil. Sz-r. S. 3SS. 8t) ,,I)co äc iVloutaniz.... guei» irolrrie ciiedus Ueiiiiane, »ioriofus xerium augere laboravit, regem conülrrrlr et coroiravir, uuäs ^>uü- moäum Dex Harmeniae eff »pxeUa- tus er steineexe torram srram !! !lo- ad> Oiäeiidrirg (Stiftsberrn zu Hil- deSheim, Neffe des Grafen Wilbrand von Hallermund, welcher zur Zeit des Kaisers Otto iv., also in der lebten Hälfte dcS rz Jalirbunderts, mit dem Großmeister des deutschen OrdcnS, Herrmann von Salza, dieses Land durchreiste) liiiierariam terrae laootae in I,eo»i» ^Ualrr Sz-mmictis S. ' ' Vgl. ci Ou- tremer a. a. O. SS) avuicvi, av Oläend. g. a. O, 58 Geschichte der Areuzzüge. Buch IV. Kap. I. 2. Cbr --S4- dem thätigcn und raschen Torus sich eine schwere Niederlage zugezogen hatte so bekriegte er den immer mehr seine Herrschaft auebreitenden Fürsten mit den Waffen des Fürsten Rainald von Antiochien, welcher eben daher, daß von dem Kaiser die für diesen Krieg versprochenen Hülfsgeldcr ihm nicht zur bestimmten Zeit ausgezahlt worden, den Vorwand zu der erzählten frevelhaften Plünderung der Insel Cypern genommen hatte. Die Ankunft des Kaisers erweckte unter den Christlichen Fürsten in Syrien um desto größere Furcht, weil der Fürst Torus, unvorbereitet für solchen Angriff, die Flucht in die Gebirge ergriffen und sein Land dem Kaiser preis gegeben hatte. Keiner der Christlichen Fürsten fühlte sich mächtig genug, dem Kaiser zu wehren, falls er die alten Ansprüche des römischen Reichs auf die von ihnen nur mit Mühe gegen die Türken behaupteten Länder von Syrien mit allen damals ihm zu Gebote stehenden Kräften geltend machen wollte. Der König Balduin, obwohl dem Kaiser verschwägert, bemühte sich sorgfältig um seine Gunst und ließ ihn durch eine Gesandtschaft ehrerbietig um die Vergünstigung, vor ihm zu erscheinen, bitten, welche nicht ohne Schwierigkeit bewilligt ward ^). Vor allen aber gerielh der Fürst Rainald 87) t',i n n -r m. S.?2. ^bllU. Liirvn. b)'r. »ä ». Z48 (Ehr. nS4-) S. 34 ». »8) MM. 8>r. XVIII. ,a. 8 s) Ganz im Style eines Hofjour- nals erzählt Cinnamus (S. 107): ..Als der Kaiser vernahm, daß der König ankam, so schickte er ihm nach verschiedenen Orten vornehme Männer entgegen, und zwar so, daß immer ein Vornehmerer folgte, zulept Ehegcmahle seiner Nichten, um ihn zu empfangen und ihm die gebührende Ehre zu erweisen, bis er endlich zum Kaiser kam. So ehrte der Kaiser diesen Mann auf eine Weise, welche der Würde des Thrones Davids angemessen war." Vgl. die folg. Anm. Nach Wilhelm von Tnrnü (XVIll. 24) ließ der König von Antiochien aus durch den der Griechischen Sprache kundigen Abt des Tempels Gaufried und de» Ritter Zoscelin Pessel dem Kaiser seinen Besuch an- meldcn, worauf von Seilen deö Kaisers der Axokrißarius mit einem König Balduin III. 59 in große Angst vor der gerechten Rache des Kaisers, wegen I. n,r . . ^ „gy, des wider Lypern geüdten rnchloien Frevels. Das VerhältNiß, in welches der Fürst Rainald sich zu dem Könige Balduin und zu seine» andern Milfürstcn gestellt hatte, machte seine Lage noch viel peinlicher, und er scheute deshalb den Schritt, dev Königs Fürsprache nacht zinuchen, fast eben s-o sehr als des Kaisers Rache; und nicht ohne Grund argwöhnte Einladungsschreiben ben dem Könige erscliien. Als sich der König dem kaiserlichen Lager nähme, kamen Nun zwei, kaiserliche Neffen, Johannes ProtvsebasiuS und Alexius Protostra- tor, entgegen (gui inier iltnltrcs ,Lari x-Uani ^riinnnc ovkinotl.-cnr loani») und führten ihn zur kaiserlichen Herberge. V-) „Balduin, König von Palästina, sagt CinnamuS (S. 106), sandte an den Kaiser, und bat um die Erlaubnis; vor ihm zu erscheinen, indem er behauptete, über wichtige Gegenstände mit ihm unterhandeln zu muffe». Dies war aber nur Vorwand. Denn er trachtete nach dem ihm benachbarten Amiochischen Lande, und weil er auf keine andre Weise dazu zu gelangen vermochte, so rietst er dem Kaiser, bevor er wusste, was mit Rainald vorgcgangen, den Fürste» Rainald auf keine Weise zuzu- laffcn: damit entweder, wenn Rainald lveggcschaffr, die Amiocstier ihm zur Knechtschaft sich unterwerfen möchten als solche, welche ihm ihre Rettung verdankten: oderauch, wenn sie sowohl seine alS des Rainald Herrschaft von sich wiesen, sie gleichwohl in seiner Gewalt (nemüch als deS Überlehnoherrn) ftpu möchten. Nach- Rarnald, baß Balduin seine dem er einen solchen Rätst gegeben statte, kn», er nach Antiochien^ und trug den Rntiochiern vor, was ihnen rätstNest und wie er ihrer Wohlfahrt willen nach Antiochien gekommen sei,, und wie großen Dank er von ihnen verdient stabe. Worauf er mit ihrer Einstimmung von Neuem um eins Unterredung ansuchle. Der Kaiser, welcher die Absichten deS Mannes kannte, verweigerte ihm ausaness die Unterredung unter dem Vorwände, Laß er mitten unter kriegerischen Beschäftigungen ihn nicht mit gebührender Ehre und Anfmcrksamkeit empfangen könnte. AlS er aber ln den Kaiser dringen ließ und täglich sein Ansuchen wiederholte, so wju'igre der Kaiser ein und hieß ihn kommen." Wenn solche Einflüsterungen von dem Könige Balduin geschahen, so durfte Wilhelm von LyruS lXl'NI 2z.) sich nicht darüber wundern gnoci ll'rin- cevs ^.niigcstiennc) vor Uointni IVe- gsis, gnern Minen in xnoxtmnw zwaenic.m t e- niottares so Licven- ruruni aoucUrtono«, 6o Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. I. 3 . Versöhnung mit dem Kaiser mehr zu erschweren, als zu erleichtern trachte. Denn der König wie die andern Fürsten in Syrien mißgönnten ihm, als einem Manne von nicht fürstlichem Geblüte, den Besitz des Fürsteiithums Antiochien, und trachteten vielleicht selbst nach diesem Lande. Diese Lage vermochte den Fürsten Rainald zu Schritten, wodurch er nickt nur auf sich unvertilgbarcn Schimpf und selbst die Verachtung der Griechen lud, sondern die ganze Abendländische Ritterschaft schändete. Nachdem die Versuche, durch demüthige Gesandtschaften und die Fürsprache einiger durch Schmeichelei) gewonnener Griechischen Höflinge, Verzeihung von dem Kaiser Manuel zu erlangen mißlungen waren: so begab er sich mit dem Bischofs- Gerhard von Laodicea und einigen seiner Hausritter nach Mamistra in Cilicien, wo das Kaiserliche Lager war, und unterwarf sich dort mit seiner Begleitung der schimpflichsten Abbitte. Der Fürst, der Bischoffund die hoffärtigen Ritter aus Antiochien zogen durch die Straßen der Stadt Mamistra zur kaiserlichen Herberge in solchem Aufzuge: Ihre Häupter und Füße waren entblößt, die Aerme bedeckt mit wollenen Ermcln, welche nur bis zum Ellbogen reichten, um den Hals ein Strick, der Fürst Rainald trug außerdem ein entblößtes Schwert. Als sie des kaiserlichen Thrones, welcher in der kaiserlichen Wohnung errichtet war, ansichtig wurden, stand der ganze Zug still, alle fielen auf die Knie und erbaten mit den demüthigsten Eebehrden die Erlaubniß des 91) „Okrenra xriu» kamiliLririm Domini. Imxersroris xrLiiL !> Dioxin kr rel. Onmn. goli-r. lstd, IV, S. Zgz. Cinnamus behauptet, da» während dieses Aufenthaltes des Kaisers i» Antiochien ein Vertrag aufgerich tet worden, i» welchem der Fürst Rainald nicht nur sich verbindlich machte, den, Kaiser eine Anzahl von Reisigen (welche durch des Königs Balduin Fürsprache um etwas qemiudert wurde) zu seinen Asiatischen Kriegen zu stellen, sondern ihm auch die Prncn- nung oder Bestätigung des Patriarchen von Antiochien überließ, wozu immer ein Geistlicher auS Byzanz berufen werden sollte. 64 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. I. S. kk>r. Anstatt, wie sein Vorfahre im Reich, Johannes der H59« § ^ Schöne, gemeinschaftlich mit der fränkischen Ritterschaft einen Kampf wider die Heiden zu wagen, zog der sonst so kriegslustige Kaiser es vor, mit Nureddin um Waffenstillstand zu unterhandeln, und durch Unterhandlungen die Freyheit der in Nureddins Gefangenschaft befindlichen Christen zu erwirken. Denn aus den westlichen Provinzen des Byzantinischen Reichs wurden beunruhigende Nachrichten von mancherlcy Bewegungen der dortigen unbe- zwnugenen Völkerschaften gemeldet, und von dem leichtsinnigen Audronikus, der wegen seiner Fahrlässigkeit in dem Kriege wider den Fürsten Torus zum Gefängniß vcrurkheilt worden, aber ans demselben entsprungen war, wurde allerlei) Ungebühr befürchtet. Zwar zog derKaiser in großem Gepränge und mit einem ansehnlichen Belagcrungszeug von Antiochien aus und rückte mit seinen zahlreichen Scharen einige Tagemarsche auf dem Wege von Aleppo vor aber zu derselben Zeit begab sich ein kaiserlicher Gesandter mir Geschenken an gestickten Gewändern und andern kostbaren Dingen in das Lager des Athabek Nureddin, bot Waffenstillstand an und forderte die Freylassung der gefangenen Christen "). Als Nureddin beydes bewilligte, so erneuerte derKaiser Manuel seineFreygebigkeit. Eine zweite kaiserliche Gesandtschaft brachte Geschenke von reich gestickten Gewän- ,,7) WUK. XVIII. -z „In eo loao gni vulgo vocztnr vaäura Laieinw enbltnit." y») AbuSchnmah (s. Beyl.). Dessen Angabe wirb auch von Wilhelm von ciis -nl diar:iäinnirr, Hai karte llr- Isxiac lau« erat eta." Cinnamus aber (S. rag) läßt cs nicht auf seinen Kaiser kommen, baß er vc» Türken den Frieden angctragcn, sondern behauptet, Nureddin habe, sobald er nur den Anzug des Kaisers vernommen, den Großmeister der Templer und Bertrand (den natürlichen Sohn des Grafen von St. Gilles, s. cvillr. I71.) in Freyheit gesetzt und dem Griechischen Heere entgegen geschickt um den Kampf abjuwendcn. König Balduin IN. 6 ; dem in großer Zahl und Mannichfaltigkeit, köstlichen Edel- steinen, prachtvoll verzierten Zelten und schönen Gabii'gss Pferden 2 °). Also erhielten mehrere Tanscrd gefangene Christen die Freyhelt, unter ihnen Bcr-ra»d, Großmeister der Templer, Hugo von Ibeiim und alle andere Christlichen Ritter, welche seit zwey Jahren, nehmlich seit dem unglücklichen Tage am todten Meere, in den Banden der Heiden gewesen roo), Als der Kaiser mit seinem Heere Syrien verlassen hatte, so bewinhete Nureddin, um die Befreyunq aus der Gefahr zu feycrn, seinen Bruder Kotbevoin und alle die Emjre^ welche sich mit ihm zum Kampfe wider den griech ischen Kaiser gerüstet. mit einem Herrlichen Mahle und beschenkte sie reichlich mit Arabischen Rossen und Maulthiereu und Gold ^ Nicht weniger froh waren wir Christlichen Fürsten über den Abzug des Kaisers. Der König Balduin aber versiattetc sich nicht lange Ruhe; sondern, während Nureddin in Kleinasien dem Sultan von Jcorrium mehrere Slädte und Burgen entriß "^), brach er in das Land von Damascus, und verwüstete und verbrannte die Dörfer und Felder bis an die Thore der Sradt'"), bis Nsdschmcdoin yy) Abu Schamasi. 100) -WNU. i>r. a. a. O. Der Gefangenen waren nach der Angare des Einnamns sechs Taufend. Nach eben diesem Schriftsteller versprach Nureddin dem Kaiser sogar Hülss- Völker für seine asiatischen Kriege. 101) Abu Schamali. Ts ist also nicht übertrieben die Versicherung Willielms von Tyrus (XVltl. 27), Nureddin sei) gewesen lrctrr» oänra- cviru sie Iini-oroloris kMaesstt, anstts »civeiittls iu2gnii.u, g,ioesonti.r rnL- zarcnr ei terrorem iriansL 67 -kt. 120 ) „dsorollinus.... ocezsionem IN. Band. 2. eo -tistiitvatus ropevisre, gueie-m » imiltis retro ieni^oriünt UeeiNetL. verok, convacrlL ex ttitiver,is li- ilNoriK Kiris iriilitiL in terram LoläL- clrer?rrm et Uelietsolim iit surm ^Lt- o§it ledigere xateltatorn." VV i tie. -r>r. a. a. O. Beo den morgen- ländischen Geschichtschreibern finden wir dieses Kriegs keine Lr välinung. auni." ^vi>7 E I. Cfir. 2 Ckw. rr 6 c>. 6ü Geschichte der Krrnzzüge. Buch IV. Kap. I. z. kkr. Ejub, Vater Salahcddins, damaliger Statthalter von Das maseus, durch vier Tausend Goldstücke, die Frcylaffung von sechs gefangenen Christlichen Rittern und reiche Ges schenke an des Königs Ritterschaft einen Waffenstillstand auf drcy Monate erkaufte^). Als dieser Stillstand abgelaufen, erneuerte derKönig die Verwüstung des Landes von Damaskus, und gewann große Leute und viele Gefangene. Einen sehr traurigen Ausgang nahm dagegen ein Zug, welchen der Fürst Rainald von Antiochien zu eben dieser Zeit gleichfalls der Deute willen unternahm in Vas Land der ehemaligen Grafschaft Zoscelins, wo nur von wenigen Tücken, wie ihm ausgesandte Kundschafter gemeldet, die Burgen besetzt gehalten wurden, und die syrischen und armenischen Christen, welche in offnen Oertern wohnten und das Land bauten, zahlreiche Viehheerdcn besaßen. Der Fürst Rainald, es nicht scheuend, Christen zu berauben sammelte zwar in diesem Lande eine große Beute, aber er brachte sic nicht nach Antiochien, und er selbst büßte schwer für diesen Raub. Denn Madschdeddin'oD, Nur- eddins Statthalter von Haleb, säumte nicht, als er solches vernommen, mit seiner Miliz zwischen Marcsch und Cressum auf dem Wege des Fürsten sich zu lagern, und als der tollkühne Rainald es versuchte, in ungleichem Kampfe die ruchlose Deure zu behaupten, statt sie fahren zu lassen und ro§) ,»Nexem«äiniL3.... rsnciuam vir irrovjäus er instaiunL ^erieulL » le HULeren« ^ro^ei-lcre, olilatis huvs vincnlis äerurckLl." *02) ,,L»ü xvxuius, lureo 1>r. XVIII. 5.Z. loü) ,,IVIeKt>tHnus." I')'?. Abu Schamah gedenkt dieses MadschL-' eddin (Ruhm der Religion), als Befehlshabers der Burg von Aleppo bey Gelegenheit des Auwarrdes/ welchen im 2. 552 d. Fl. das Gerücht voü Nureddin's Tod- veranlaßt hatte. König Balduin III. 67 durch schnelle Flucht der Ucbermacht sich zu entziehen, fiel 2 -^r. er nach kurzem, unrühmlichem Kampfe in die Gefangenschaft der Heiden und wurde in schimpflichem Aufzuge *02) gefesselt nach Aleppo geführt. Diese schreckliche Kunde wurde dem König Balduin gebracht, zu einer Zeit, da ihn kirchliche Händel stark beschäftigten. Denn als durch zwiespältige Wahl der Cardi- näle der römischen Kirche zwey Papste waren crkohren worden, Alexander und Victor N', so kam der Cardinal Johannes als Legat des erstem mit einigen Genuesern in dem Hafen von Biblus an, und forderte Anerkennung und Aufnahme. Schon wurde das kleine Reich Jerusalem von der Gefahr einer Kirchenspaltung bedroht, wie in den abendländischen Reichen ausgebrochcn; weil unter den Prälaten des heiligen Landes beyde Päpste eifrige Anhänger hatten. Mit vorsichtiger Klugheit rieth daher derKönig Baldum den Prälaten, sich nicht voreilig für den einen oder andcrrr dieser Papste zu erklären, da in so großer Entfernung von Rom über diese Angelegenheit ihnen vollständige Kenntnis mangle, sondern ruhig die Entwickelung des Handels abzuwarten. Er rieth, da ohnehin die Kirche von Jerusalem keines Legaten bedürfe, der nur die Kirchen und Klöster mit allerley Ausgaben beschweren und durch Erpressungen 107) „T^orrri, ctsi lacre »rrimrini visi surrt li.iiriiisse, no- lerxa äeäeriint, luxarn üimissir «xttllis «Irrendes." 'Willi, l'/r. 10g) reli§.irns Na» düs, cnin summ» j^rrominia cle- äucrlus esr." 'Willi. I'^r. Nrber die Zeit und den Ort der Sefangennetj- munz des Fürsten Rainald, dcrei» keiner alü Quelle für die Geschichte dieser Zeit gellender Schriftsteller, außer dem Er-bischoff von TyruS, erwäluit, bemerkt dieser Schriftsteller l csr iloo llilno rc^ili (nüo) ineuee Xo veml>ri» ttuitu ir»!. Deo. , Intel Uressum et Marcs, lovo gui ftieiiur Uummi," E 2 68 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. I. g. ctür. auspiündern würdeCardinal Johannes unter Ilüo. keiner andern Bedingung den Eingang m das Reich zu gestatten, als wenn er mit Entäußerung aller andern Ansprüche, nur als Pilger die heiligen Stätten zu besuchen und in der nächsten großen Meerfahrt hcimzukehren gelobte. Die Prälaten folgten aber nicht diesem verständigen Rache, sondern erkannten den Cardinal Johann als Legaten des Papstes Alexander an, was vielen von ihnen hernach sehr lästig und nachrhcilig wurde. Wegen dieser und anderer Angelegenheiten des Reichs konnte d^r König Balduin in Antiochien, wohin er mit ansehnlicher Ritterschaft schleunig sich begeben, nicht länger verweilen, als unumgänglich uöthig war, um die Vcrthei- digung und Regierung des Fnrstcnthums zu ordnen; und nachdem er dem Patriarchen die Regierung übertragen und der Fürstin anständige Einkünfte angewiesen hatte, kehrte er ohne Verzug nach der heiligen Stadt zurück '*°). I. ehr. Bald darauf erschien eine glänzende Gesandtschaft des Kaisers Manuel von Byzanz in Jerusalem; an ihrer Spitze stand Johannes Contosicphanus, ein naher Verwandter des Kaisers Sic überbrachte dem Könige ein Schreiben mit einer goldenen Bulle, worin der Kaiser Manuel kund that, daß er nach dem Tode seiner Gemahlin Irene, welche ihm nur eine Tochrer geboren, mit einer der Basen des äelixere er eie i e incert.i äit'liiilcivLNi xrLej.r»rH »errcenuckui. ia e» rei-earieel^oSAto o^>iis esse iii NoAno, csni Loo 1 esias, ec IN o 11.1L i o r i ki x iti v e c impen - riuer. 'VViNi. 1 'vv. XVIII. 29. no) H'itli. 7 Vr. XVIII. 50. m'r S. über diese Werbung Hev. al) ^lex. r. eko. tzeLcarimi I-L 1 ). IV, e. i2. S. 589 eh. König Balduin HI. 6 g Königs sich zu vermählen wünsche, und begehrte entweder Melusine, des Grafen von Tripolis Schwester, oder Maria von Antiochien, des Fürsten Raimund Tochter. Diese Werbung , so ehrenvoll und vorthcilhaft sie schien, brachte wiederum allerlcy Mißbehagen unter die Fürsten von Syrien. Die kaiserliche Gesandtschaft begab sich auf Anrathen des Königs Balduin und seiner Barone zuerst nach Tripolis; die Gräfin Melusine, sobald es kund geworden, daß eine solche Werbung geschehen sollte war von ihrem Bruder und allen Verwandten mit allerlcy köstlichem Schmuck, und den herrlichsten goldenen und silbernen Gerüchen auf das reich- lichste ausgestattet worden "ch. Sowohl diese Ausstattung erhielt den Beyfall des alles mit ängstlicher Genauigkeit erforschenden Gesandten, als ihre Gestalt und Körperbau, welche auf das genaueste besichtigt wurden'sch, und die Vermählung wurde verabredet. Bald aber bereuten die Gesandten diese Verabredung. Die junge Gräfin, als sic kaum das Schiff bestiegen, wurde von einer so heftigen Krankheit befallen, daß sie wieder an das Land gebracht werden su^rr vires läexi-rs, inurenulao (goldene Halsketten), insures» sxiu» rUeres (wahrscheinlich Armspangen) er , inLUtUrao (1e^. iiiLuäitL) r»ä usum ootiuluae, es^L« rum et i?otiiuru. er lavacrorum ol>- se^uiuru L>r.rex-'u'.rurur, cxaeptis i'renis, seilis , et ur Iirevircr äi» -VViUr. 1>r. XVNI. Zr. I'z-r. Damit scheint allerdings eine solche Untersuchung verbanden zu werden, als -u Froissarl'S lieic in Frankreich üblich war: ,.N e?r ä'u.-tr^o cu 7?ranoe, tzuel^ue v-uns ou Llle üe Uaur 5ei^neur c^ue co 5oit, ^u'el oonvinr cj,,/eile soik re§g.rüee tou.ro nue les Osrno?, xour kLvcür 8' eile esr xro^re er ior- mee xour xorrer eus.rus." 1"roisL37t Lkrouirzuo 'I'oru. II. ck. rüa. 2 . §l)r. ir6r. 70 Gcsciiichre der Kreuzzügc. Buch kV. Kap. k. Sibr. mußte. Die Gesandten waren zwar anfangs geneigt, die LLÜr Genesung der Gräfin abzuwarten; aber stets wurde diese durch Rückfälle unterbrochen, und besonders heftig wurde die Krankheit, so oft die Gräfin das Schiff wieder bestieg. Dadurch geschah es, daß alle ihre Reize zerstört wurden. Außerdem kam auch den Gesandten zu Ohren, daß die Aechtheit der Geburt der kaiserlichen Braut, wegen des zwischen ihren Eltern obwaltenden Mißverständnisses, kei- nesweges außer allem Zweifel scy '"). Die griechische Gesandtschaft suchte sich nun nach ihrer Weise Rath zu schaffen in dieser Verlegenheit. Johannes Contostcphanus begab sich in eine der Kirchen von Tripolis und erforschte, wie er meinte, den Willen Gottes durch Aufschlagen der heiligen Schrift. Als nun sein Blick sogleich auf die Worte (Matth. 22, 8 -) fiel: „die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Gaste sinds nicht werlh;" so säumte er nicht lange, mit seiner Begleitung Tripolis zu verlassen '^). Dieses Verfahren der griechischen Gesandtschaft erbitterte um desto mehr, als überhaupt ihr zweydenriges Betragen während ihrer Anwesenheit in Tripolis Unwillen unter den lateinischen Fürsten erweckt hatte. Denn diese sobald sie die Sinnesänderung der Griechen gemerkt, hatten von den Gesandten eine bestimmte Erklärung darüber gefordert, ob die Verlobung der Gräfin Melusine mit dem Kaiser Manuel in Gültigkeit bleiben, oder, falls sie widerrufen würde, dem Grafen Raimund Ersatz der aufgewand- ii«) Ucücr dieses Mifiv-rständnii! -wische» de» Eltern der Gräfin Melusine s. oben S iS. HZ) S. i3i. Wilhelm von Tyrus meldei nichis von der Lr. nläett der Gräfin. Noch der Beschreibung de« ^innamus scheinen die Zufälle epileptisch gewesen zu seyn : „Wenn sie sich ins Belt gelegt Hane, so schauderte ibr Körper und wurde bcftigfi geschüttelt; dann folgte Fieber, Bleichsucht und Aus- zedrung." König Balduin III. 7r ten Kosten zu Theil werden sollte. Der Graf batte nemlich I ?k>r. ' . r>6>. nicht nur zwölf Galercn ausgerüstet zur Begleitung seiner Schwester nach Constantinopel; sondern ihm war auch zu sehr großer Last der Aufenthalt so vieler Ritter und Herren, welche sich zu Tripolis cingefunden, um di- Abreise der Gräfin abzuwarten, und ganz oder großentheils von ihm bewirthet wurden. Fast ein ganzes Jahr dauerte diese Ungewißheit. Die Gesandten wichen jeder Erklärung aus, und der König Balduin erhielt erst kurz vor ihrer Abreise die Gewißheit davon, daß der Kaiser die Verlobung mit der Gräfin Melusine widerrufe, durch den Ritter Otto von Niesbcrg, welchen er an den Kaiser gesandt, um von ihm selbst bestimmte Erklärung zu fordern '^). Der Graf von Tripolis aber, um wegen dieser Schmach und Beleidigung, welche ihm widerfahren, sich zu rächen, über« ließ seine Galercn wilden Seeräubern unter der Bedingung, die Seeküsten und Inseln des Griechischen Kaiscrthums auf das grausamste zu verwüsten, ohne weder des Geschlechts und des Alters, noch der Kirchen und Klöster zu schonen. Diese aber thaten nicht blos, was ihnen der Graf geboten, sondern übten auf dem Meere Seeräubercy ohne Unterschied und plünderten selbst die Waller, welche nach dem heiligen Lande fuhren, oder von dort zurückkehrten Als der König von Jerusalem, nachdem die Versammlung der Fürsten und Ritterschaft zu Tripolis sich getrennt, nach Antiochien kam, fand er dort eine andere Griechische Gesandtschaft in Unterhandlungen mit der Fürstin Conr ftantia, wegen ihrer jungem Tochter, der schönen Prim Iih) WNU. 1>r. ScUac rUiUio." Es Ware» aber an 117) WNU. Ixr. XVIII. ZI. dcre Gesandte, an deren Spipe der ns) Wilhelm von Tunis (XVin. Akoluthns BaüllnS Äamateruo ,iand- Zi) sagt: „cosacni nniieio- Inixo- <2. I»2. rskllne rexcrir, qru» » 2 'r>l>oN arc- 72 Geschichte der Krc uzzüge. Buch LV. Kap. I. I. CSr. rrör. zessin Maria, welche nunmehr der Kaiser Manuel zur Gemahlin begehrte. Höchst ungern sah der König diese Vermahlung; denn cs ließ sich nicht ohne Grund besorgen, daß der Griechische Kaiser einstens darauf Ansprüche auf das Jürstenthum Antiochien gründe» würde; und auch die Zurücksetzung der Gräfin non Tripolis hatte ihn sehr empört gegen die Griechen. Nur mit Widerwillen nahm er daher sich dieser Unterhandlungen an. Als endlich die Verlobung verabredet worden, erschienen drei) kaiserliche Botschafter, an deren Spitze Alexius Bryemnus, Sohn der Prinzessin Anna Cemneuastand, und führten die Prinzessin Maria in großem Gepränge nach Constantinopel, wo sie wegen ihrer Schönheit allgemeine Bewunderung erweckte, späterhin aber , nach ihres Gemahls Tode, von dem grausamen Andronicus nach lügenhaften Anschuldigungen zum Tode vcnirthcilt wurde. Der König Balduin war, nachdcm diese Angelegenheit zn Ende gebracht worden, mit der Wiederherstellung des Schlosses an der eisernen Brücke über den Orontcs und andern nützlichen Anstalten für das Fürstenthum Antiochien beschäftigt, als Barak der saraccnischc Leibarzt des Grasen von Tripolis, ihm vergiftete Pillen gab, welche sogleich eine unheilbare Krankheit bewirkten, an welcher langsam des Königs Kräfte verschwanden. Denn es war seine Sitte, jedes Jahr, wenn der Winter sich näherte, seinen Körper durch Arzncy zu reinigen ,,„d eme solche Arzney hatte er von dem mörderischen Leibarzt begehrt, durch dessen Frevel er für die thöngtc Sitte der Christlichen Fürsten in Syricu'büßte, welche, iry) Mit ilun waren noch der Se- basmS Äicepftorns Brrcnnius und der oiauhalier tEpa >!>i »cm Cc>m fiaiuiiwpu Alcxiuö, cm Wcrwcindlcr dcS Kaisers. 0 i»n. I. v. i2o) ,,.Vn!e iiixrnciricm vot-mb," VViNi. XVIll. Z 4 . König Balduin III. wie der redliche Erz bi sch off Wilhelm von Torus versichert/ 2-^r. vornehmlich durch die Weiher eiugeführ. worden, nur Syrischen, Jüdischen oder Saraceiüschen / meist unwissenden oder boshaften Acrzten die Geiundbeic ihres Leibes anzuöcrtrauen Mit krankem Körper verließ Balduin Antiochien/ vergeblich erwartete er mehrere Monate zu Tripolis seine Genesung/ und zuBcryruü gab er am Tage der r->^ebr. heil. Schvlastrca, im zwanzigsten Jahre seines Reichs/ und dem dreh und drcyßigsten seines Lebens/ den Geist auf'^), nachdem er auf seinem Sterbebette vor den versammelten Prälaten und Fürsten des Reichs seinen Bruder Amalrich zum Nachfolger ernannt hatte Viele erinnerten sich mit Wchmurb einer Rede des Königs/ welche die Ahnung verrathen/ daß er frühzeitig und kinderlos sterben werde. Denn als zwc» Jahre vor seinem Tode bey der Taufe des jungen Sohnes von seinem Bruder Amalrich/ dessen Pacht der König war/ er im Scherzo gefragt wurde/ was er seinem jungen Neffen schenke, hatte er in heiterer Laune geantwortet: das Reich Jerusalem ''D- isi) ldlortri ciiim Orientales xrin- oi,?cs, zuaximo i ä etlioicnti- 1 / 15 , Ls'ris ec Lerraacnis listonr ira- tionlos, oorurn cnrao so snftgcinnt imucnstentor ot cis so oomnrenriant, rris." vviilr. ug-r. Das; jene Pillen wirtlich Vergifter waren, wurde »ach der Versicherung eben dieses Schriftstellers hernach zu Tripolis erprobt an einer Hündin, welcher in einem Stücke Wrod eine derselbe» gegeben wurde. a22) ,»OSiit anno ah ine. Idornini irstL, Rogni eins »NN» vigosimo, cjnarro lä. I'Unr. acratis vorn XXXIII." XViUr. I2Z) „Idcciesiarnm ,naolat 0 s, si- innl ot Zdogni ^rinaipes ast so rann . . . . Odiir .... liiicris non exskan- tidns, trarrc Nogni iiorerin inrrirn- >o." Wille. Ivr. Denn cS stand dem Könige vvn Jerusalem überhaupt das Recht zu, scin-en Nach'olgcr zu ernennen- Eesch. d. Krcuzz. I. S. 3 - 4 - 12g) -zviUr. 'l )-r. XVIII. -g. I. CSk. Ilk 2 . iz S/pt. 74 Gcsch. der Krcuzz, B. IV. K. I. K Balduin III. Sein Tod erregte die allgemeinste Betrübnist nicht nur bcy den Franken, sondern auch bey seinen syrischen Unter- thancn, und Weinen und Wehklagen war in allen Städten/ durch welche seine Leiche nach Jerusalem geführt wurde. Denn alle liebten seine Milde und Freundlichkeit, und achteten seine umfassenden Einsichten, seine unverbrüchliche Gerechtigkeit und unermüdliche Thatigkeit. Selbst Nureddin vernahm nicht ohne Thcilnahme den Tod des tapfer» Königs, und denen, welche ihn aufforderten, die Niedergeschlagenheit der Christen nicht unbenutzt zu lassen, soll er geantwortet haben: man muß Mitleid mit ihnen haben und ihrem Schmerze Nachsehen; denn sie haben einen Fürsten verloren, der seines Gleichen auf der Welt nicht hatte Wenige Monate zuvor hatte Mclissende, des Königs Mutter, an einer langwierigen Krankheit zu Neapolis ihr Leben geendet ,2Z) „Loinxlttictuluin e-t et Iru- nuriie inäiilAeiiättvi jtikto eormu äolori: eo anno prineixem riiir, gnaiciir relignus NoMe Iioil Nsi/et orvis." Wilv. >' t. LVIll. Z 4 - ISÜ) VViM. "rxr. XVlII. 27. 24. Ihre Krankheit und völlige Entkräf' gung begann bald nach dem Abzüge ded Kaisers Manuel, alsv etwa im Alifange deS 2abrS nüo. Zweites Kapitel. ^emaß der Verfügung des Königs Balduin, jedoch nichts ohne Schwierigkeit, kam Amalrich in den Besitz der königlichen Gewalt; denn viele der weltlichen Barone waren ihm cnt- gegen. Nur der Zuneigung der Prälaten und besonders dem Eifer, womit der Pa-riarch Aimerich von Jerusalem seiner Sache sich annahm, verdankte er den Thron. Denn der Patriarch berief schon am achten Tage nach Balduin's Tode, bevor die Gegenpartei) hinreichende Stärke erlangen konnte, die Prälaten und weltlichen Barone in dieKirche des heiligen Grabes, und setzte dem Grafen von Joppe und Askalon die königliche Krone auf'). Auch Amalrich war nicht unwürdig des königlichen Namens, wiewohl seinen« verstorbenen Bruder an Anlagen und Tugenden keineswegs gleich. So sehr Balduin IH. die Liebe und das Vertrauen seiner Unterkhanen sich zu erwerben gewußt hatte: eben so sehr erweckte Amalrich Unzufriedenheit und Mißtrauen. Die Geistlichkeit, ungeachtet seiner Regelmäßigkeit in Erfüllung aller Pflichten des äußern Gottesdienstes und seiner Genauigkeit in Entrichtung des i) Die Gründe, aus welchen die Crneinumg deS Königs Amalrich in Anspruch genommen wurde, werden von Wilhelm oon Tyrus (X7X. r.) nicht angeführt, llebrigens wird von diesem Schriftsteller die acht Lage nae» des Königs Balduin Ableben geschehene Krönung des Königs Amalrich in d.rs Jahr nüz gesetzt, da doch der Tod seines Vorgängers in das Jahr iwa gefallen sepn soll. DaS Perfthen in wahrscheinlich auf Rechnung de» Abschreibers zu setzen. i. The. nür. »7 Fbr. IIÜ3. 76 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. II. I-Ar. Zehnten an die Kirche, beschuldigte ihn doch ungerechter Erpressungen gegen Kirchen und Klöster, und überhaupt einer solchen unbegränzten Habsucht, daß ihm selbst die Gerechtigkeit feil gewesen seyn soll; und die Ritterschaft und das Volk waren ihm eben so wenig gewogen Sein kaltes, verschlossenes, zurückhaltendes Wesen, zumTheil die Folge seiner Unbeholfenhcit in der Rede, war um desto befremdlicher nach der Leutseligkeit und Liebenswürdigkeit seines Bruders. Dazu kam, daß Amalrich die Fehler, welchen Balduin nur in seiner Jugend sich überlassen, niemals ablegre; und noch in dem Alter, in ivelchcm Leichtsinn nicht mehr Verzeihung findet, leichtfertig den Frieden mancher Ehen störte. Sonst war er tapfer und rüstig zum Streit, ausdauernd in Arbeit und Mühe, ungeachtet der Ungclcnkigkcrt seines schwammigen unförmlichen KörperS. Er liebte kein Spiel, weder Gaukelspiel noch Vretspiel; die Jagd mit Falken und Reihern war seine liebste Erholung DcS RcchtS und der Gewohnheiten, nach welchen sein Reich regiert wurde, war er nicht weniger kundig, als sein Bruder Balduin '); überhaupt so lernbegierig, daß er keine Gelegenheit versäumte, sich zu unterrichten, sehr emsig in mancherley Schriften laS, vornehmlich Gcschichtbüchcru, und bey solchen, welche auS entfernten Gegenden kamen, sich fleißig erkundigte nach den Sitten und Gebrauchen der Völker, welche sie gefehlt. Was er einmal vernommen, bewahrte er treu in dem glückst- 5i» iik more locmirrev illkinrrriillLr !is- xrsotenäercnr veimÜlNein, verirro. yrrLÜLm xLuäercur torinse prao- r0S3siv.i." Willi. 7>r. XIX- Z. rexiii et rnentis Lerunine et äisereiionis xraeirec sincernsre ruiiversos." lä. XIX. 2 . König Am all ich. 77 chen Gedächtnis, welches ihm die Natur verliehen. Nicht 3-^sr. selten aber setzte er auch durch spitzfindige Fragen die Gottes- gelehrten, in Verlegenheit, wie einst, als er iu der Pfalz zu Tyrus am Fieber trank lag, den Erzbischofs Wilhelm durch die Frage, ob es außer den Aussprüchen der heiligen Schrift noch andere Beweise für die Auferstehung der Todten gebe 4). Sehr verständige Männer tadelten an ihm vornehmlich das unbedingte Vertrauen, welches er in seine Beamten und die Verwalter seiner Gefälle setzte, welche seine Gunst zu gewinnen gewußt hakten; also daß er von solchen nicht einmal Rechenschaft über die ihnen anvcrtrauten Gelder forderte. Diese Fahrlässigkeit machte seinen Unter- thanen die Härte und Strenge noch empfindlicher, womit er sehr hohe Steuern eintrieb; was er mit der Behauptung entschuldigte, daß die Wohlfahrt und Sicherheit des Reichs nicht bestehen könne, wenn nicht der König reich sey und gerüstet für alle Fälle, in welchen die Norhdurft des Reichs oder dieEhrc des Thrones Geldaufwand erfordere. Niemand konnte jedoch ihm den Vorwurf machen, daß er in solchen Fallen des Geldes schonte Nichts aber erbitterte dieGemüther vieler, besonders der Barone, so sehr gegen ihn, als daß er cinenr zwar vornehmen, aber leichtfertigen, streitsüchtigen und übermüthigen französischen Ritter aus der Grafschaft von Troyes in Champagne, Milo von Plancy, sein ganzes unbeschränktes Vertrauen und übertriebene Begünstigung gewahrte, und ihn nicht nur zum Senefchall des Reichs q) Der Crzbischoff fand Liesen Beweis in der Gerechtigkeit Gottes, welche nicht bestehen konnte, wenn auf LnS Leben dieser Welt nicht ein nnLereS folgte, in welchem den gmc» Handlungen der Menschen vollständige Belohnung UN? dem Bösen die gebührende Strafe zu Thsil würde. Amalrich fand sich dadurch völlig beruhigt. >VUIl. XIX. z. Iwa cxgrcnLLS 2Liac0.lt Iiec T-rnn-il cvrxoris blltig.llione rcvoc->0Lltir." Ich L. 78 Geschichte der Krenzzüge. Buch IV. Kap. II. J.^Cbr. erhob, sondern auch ihm nach dem Tode des jüngern Hvnfroy dessen Wiktwc Stcphania, Tochrer des Herrn Philipp von Neapolis, zur Gemahlin gab, wodurch ihm die wichtige Burg Momroya! mit dem umliegenden Lande Syria Sobal zufiel H. dieser Stimmung des Adels und Volkes gegen ihn bemühte er sich desto sorgfältiger, die Zuneigung derPrälaten sich zu erhalten, uns bewies sich gleich im Anfänge seiner Regierung ihnen dankbar dadurch , daß er ihren Ermahnungen Gehör gab, wegen der Unrechrmäßigkeit der Ehe, in welcher er mir Agnes, Tochter des jüugern Grafen Ivscelin, lebte. Er unterwarf sich willig und folgsam der Untersuchung, welche der päpstliche Cardinal Legat Iohauncs und der Patriarch anftcllkcn, und als diese nach eidlicher Abhörung der beyder- fettigen Verwandten fanden, daß eine Verwandtschaft im vierten Grade obwaltete, so zögerte der König nicht, von seiner Gattin sich zu trennen. Doch wurden die bcyden Kinder, welche sie ihm geboren, Sibylle und Balduin, für rechtmäßig erklärt Agnes hatte hernach noch einmal 6) Wild. ag-i-. XXI. 4. Der §rz- bischoff'nennt ihn an einer andern Stelle (XX. ic>) „virum 5e- eimänni aarnenr unliileiu» seä mo» thetl wiederholt er auch in der ersten: rio«ii, Ljuoto couLkn^urnNiitis Ara.- üu eo vvruiuxereiir: nonäum. der Iiace tenonreiu ^^c>c1 eormn Ao- iieraiio eia erat, etv." 'VViUr. ll'z'r. XLX. 4. Reinlich bei^de waren König Zlmalrlch. 79 das Schicksal, wegen verbotenen Grades der Verwandtschaft 2. Chr. geschieden zu werden. Sie vermählte sich nach ihrer Trennung von dem Könige Amalrich mit Herrn Hugo von Ibelim und lebte mit diesem in ungestörter Ehe bis zu dessen Tode, dann verband sie sich mit Rainald von Cidon; dieser aber trennte sich von ihr auf Verlangen seines Vaters, wegen obwaltender Dliitsfreunbschaft ^). Auch der König Amal- rich war sogleich bedacht auf seine Wiedervermähliing. Er sandte unverzüglich den Erzbischoff Hernes von Cäsarea und feinen Mundschenk Otto von St. Amand nach Constantino- pel, um sich von dem Kaiser Manuel eine Gemahlin zu erbitten, welche ihm, wie er hoffte, eine reiche Aussteuer zur bringen würde, wie Theodora seinem verstorbenen Bruder; erst nach zwei) Jahren kam diese Gesandtschaft nach dem Hafen von Tyrus zurück, und brachte Maria, Tochter des Protoscbastus Johannes, eines kaiserlichen Neffen, welcher der König mit dem Patriarchen von Jerusalem entgegen zog nach Tyrus, wo, nachdem alle Prälaten und Barone des Reichs dahin bcschieden worden, das Beylager mit herrlichen Festlichkeiten vollzogen wurde Die Aufmerksamkeit des Königs Amalrich wurde sogleich vom Anfänge seiner Regierung an auf Aegypten gerichtet ; denn in diesem Lande fing eine Macht sich zu bilden an, welche den Christen bald sehr furchtbar wurde, und dadurch verwandt, daß sie von den, Könige Balduin II und dem altern Grafen JoScelin, welche Söhne zwcyer Schwestern waren, also abstammten: Balduin ll ———> IoSeelin der ältere Königin Melusin« Joscelln der jüngere Balduin ill Amalrich Agnes Joscelln (Ccneschalkdes Reichs Jerusalem). Z) Ist. XX. 1. S) Willi. TX'n. I. 0. 82 Geschichte der Kreuz;üqe. Buch IV. K a p. II. zuletzt selbst den Lohn so vieler Mühe und Arbeit und den Preis so vieler besten denen Gefahren, das heilige Grab des Erlösers, ihnen entriß. Mit Recht hatten vom Anfänge der heiligen Kriege a>.r mehrere Männer, welche in dir Zukunft zu blicken vermochten, zur Eroberung von Aegypten Machen, als deur sichersten Mittel, die Herrschaft der katholischer- Christen irr Syrien zu befestigen. Denn sie nieürwa, daß ailein Aegypwn als ein an sich reiches und fruchtbares Land und der Sitz eines wichtigen und ergiebigen Handels, die Mittel darbieten könne, um bas an sich arme Land von Syrien mir Nachdruck zu vercheidigeu. Auch ist die Lage der bcydeu Küsten von Syrien und Aegypten so beschaffen, daß sie sich gegenseitig bedrohen, wenn sie nicht einer Herrschaft unterworfen sind. Die Christen hatten auch bisher durch mehr als fünfzigjährige Erfahrung erkannt, daß ohne den Besitz von Aegypten und den Hülfsmitteln, welch? dieses Land darbot, Syrien nicht lange mehr behauptet werden konnte Selbst in der Zeit, wo die Aegyprnche Macht durch innere Unruhen zerrüttet und sogar Avkalon schon in der Gewalt der Christen war, verwüsteten Acgyptische Flotten die Syrische Küste, verbrannter: oder raubten die Schiffe in den Häfen und stellten auf offner See den Pilgern nach io) Z. B. nicht lange nach der Ermordung dcS Chalifcn Daser und dem innern Kampfe der Vczire AbbaS und Malek aS - Saleh (im 2. d. Fl. Zzo CH. rrzz), wie Abu Schamah mir diesen Worten berichtet: „Abu Iala er;ählt: ES erschien cineNegyp- lischc Flotts, unter Anführung eines tapfer» und im Seewesen sehr erfahrnen Mannes, welcher mit Seeleuten, so der fränkischen Sprache kundig waren, seine Schiffe br- mannt, auch diesen Seeleuten fränkische Kleider gegeben hatte. Er spähcte zuerst die Lagerplätze und Wege der römischen Flotte auk- und erkundigte sich, waS sie begönnen. Dann fuhr er nach dem Hafen von TpruS, weil ihm gemeldet worden, da,; dort eine große Römische Flotte sei) mit vieler Mannschaft und vielen Gütern. ES gelang ihm auch, der Schiffs und ihrer Ladung sich zu bemächtigen, worauf er die Mnunschaft König Umalrlch. 8i Schon zu der Zeit, da die begeisterten Pilger der ersten Kreuzfahrt die Belagerung von Jerusalem zu beginnen im Begriff standen, riechen, wie von uns gemeldet worden, einige kluge Männer, die heilige Stadt vorbcyzuziehcn und zuvörderst den Chalifcn in Aegypten anzugreifen, weil, wenn dort seine Macht zerstört worden, auch Jerusalem und alle andere damals ihm unterworfenen Syrischen Städte den Christen von selbst zufallen würden Der tapfere KönigBalduin dcrErste unternahm hernach, als die Christliche Herrschaft in Syrien befestigt zu scyn schien, einen Zug nach Aegypten, mit dem Vorhaben, das reiche Babylon, den Sitz des Chalifen, zu erobern; und fand auf diesem kühnen Abenteuer seinen Tod Zu keiner Zeit schien aber ein solches Unternehmen gewissern Erfolg zu verheißen, als im Anfänge der Regierung des Königs Amalrich, da ASkalon!in der Gewalt der Christen, und das Reich deS Chalifen in Aegypten durch innere Unruhen heftiger als jemals zerrüttet war. Schon seit längerer Zeit war alle Gewalt in Aegypten in den Händen der Vezire, und selbst daS äußere Ansehen des Chalifen war so gesunken, daß jene obersten Beamten sich den stolzen Titel Sultan, d. i. Herrscher, beygelegt hatten "). Ohnehin kamen mehrere der letzten Chalifen dieses Geschlechts in unmündigem Alter auf den Thron, und tödtete «und die Schiffs verbrannte. Nach drey Tagen fuhr er weiter, traf auf dem Meere lviele Pilgerschif- sc und tödtete deren Mannschaft, oder machte sie zu Gefangenen und gewann große Beute. Atso kehrte er mit beträchtlichem Raube und einer großen Zahl von Gefangenen nach Aegypten zurück." III. Blind, L, n) Eesch. der Krcuzz. Th. I. S. 269. 12) Ebendaf. Th. II. S. 409. fgd, IZ) Doliacä. VikL Sal. S. 30. s. Anm. iZ. Willi. I^r. XIX. Z. „I-exni jUin» i>roonrator, gui lin- §UL corum Lotäanus fficitur." F I. Chr. iidr. > 8: Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. II. 3-^kir. starke» durch Eist oder Schwert/ ehe sie zu dem Aster der Mündigkeit gelangten. Dem Chalifen blieb böchstcns die Achtung / welche ihm die Heiligkeit seines Pricsterthums und seine Abstammung von dein Propheten Mohammed und Ali verlieben; und auch um diese Achtung brachten mehrere sich durch schändliche Laster und unmännliche Feigheit Ein solcher Schattenfürst ohne Achtung und Ansehen war auch der Chalif Aded/ der cilfre Beherrscher von Ae> gypteu aus dem Geschlcchte Ali's. Während er unter den Weibern seines Harem in allen Lüsten schwelgte / ging die Gewalt desVezirs aus eincrHand in die andere/ je nachdem das Glück der Waffen/ oder die Neigung der Soldaten A wechselte. Nicht lauge nachdem dcrKönig Amalrich den Thron von Jerusalem bestiegen hatte/ wurde der Sultan Schaver/ welcher wenige Jahre zuvor mit Gewalt der Waffen dem Vezir Adel/ dem Sohne der Vczir Nazik/ dessen Sklav er einst gewesen/ Amt/ Würde und Leben entrissen hatte/ aus dem Besitze seiner Herrschaft vertrieben durch Dargam; und auch dieser hatte/ wie sein Gegner/ aus der Sklaverey nach und nach zu solcher Gewalt sich erhoben. Für Schar vcr blieb nichts übrig, als aus Acgypieu zu fliehen/ und jeden Gedanken des Widerstandes anfzugeben / weil alle Truppen/ ihrer Gewohnheit gemäß/ sich demjenigen anschlossen/ west che» das Glück begünstigte rq) Oer Chalife Daser wurde von feinem Vezir ermordet, weil er dessen Sohn zu seinen unnatürliche» Lünen mißbrauchte. 15) „ CS war dies die Weise der 'Aezyptec: sobald ein Gewalthaber überwanden und nicht mehr vermögend war, seinen Platz zu behaupten , und sie von seinem Unvermögen überzeugt waren, so erkannten sie ihren Ueberwinder König Amale ich. 8 ; Schon diese Bewegungen ließ der König Amalrich nicht 2 unbeachtet, er zog unverzüglich mit einer stattlichen Ritterschaft nach Aegypten, um den jährlichen Zins zu fordern, welcher ehemals von dem Sultan Adel seinem Bruder verheißen worden, und überwand bey Pelustum den Sultan Dargam in einer blutigen Schlacht; also daß dieser genöthigt war, in die Stadt Pelnsüim zu fliehen, und das Land durch die Durchstechung der Dämme des Nils gegen die Christliche Macht zu schirmen'D. Bald aber wurden die Ereignisse in Aegypten viel be- deutender und wichtiger. Der flüchtige Schaver hatte während des Kampfes zwischen seinem Gegner und den Christen an den Hof Nurcddin's sich begeben und diesen mächtigen Fürsten nm Hülfe angerufen. Nureddin kannte die Wichtigkeit von Aegypten zu wohl, als daß er die Gelegenheit hätte versäumen Mögen, sich Einfluß in die innern Angelegenheiten dieses Landes zu verschaffen, und dadurch die Eroberung desselben vorzubcrciten. Sein tapferer Feldherr Schirkuh führte daher auf sein Geheiß mit ein. m Heer den Schaver nach Aegypten, und verlor zwar eins Schlacht gegen Dargam; als aber dieser bald hernach von dem Pfeile eines Meuchelmörders aus seinen eignen Leuten fiel, so zog Schaver in Kahiro als Sieger ein und gründete seine Herrschaft durch ein furchtbares Blutgericht über alle Anhänger seines Feindes Die Absichten, welche Nureddin hatte, iS) Willi. 1>r. 19 . z. Die andern Schriftsteller erwähnen dieses Zugs Nicht. st, primo oonsilocw iiileriores er xraviter, prostrati: snregnam se- annäo e:cäem lege aonveiiiienr» k»exe äictus O»>g»i> » ex scris alain sagirra nerarrssrrs, snis Irigenäris inrerlir." Willi. XIX. 7 . Nach Abulfeda f-4.n:i. mos!, ll. III. S. zyo) siegte Schirkuh über Dargam in einer Schlacht den Vene Grabmale der Nafisa (auS dem 8 e- schlechtc der Shalifen von Aegypten); aber weder Abulfeda noch Vobaeddin «rzcihlcn die Ermord,mg d?S Gtiltgsä F Ä 3. §k>r H6Z. 84 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. II. indem er ihm Hülfe leistete, konnten aber nicht verborgen seyn; denn Schirkuh blieb auch nach der Wiedereinsetzung von Schavcr mit seinen Scharen an der ägyptischen Granze, und hielt selbst Pelusium, den Schlüssel von Aegypten, und die Veste Scharakrah besetzt unter dem Vorwände, den Sultan Schavcr dadurch zur Erfüllung des Vertrages zu zwingen, wodurch er Nurcddin den dritten Tbeil aller reinen jährlichen Einkünfte von Aegypten zugesichcrt hatte "). Schon aufdiesem Zuge des Schirkuh wurden alle Unternehmungen geleitet durch Saladin, dessen Name bald den Christen ebenso ehrwürdig üls furchtbar wurde. Wer möchte läugnen, daß der aufstrebende Sinn dieses Mannes schon damals die Dargam. Nenaudot dagegen berichtet sie nicht abweichend van Wilhelm von TuruS auS arabischen Nachrichten tkliü. i-err. sQex. S. ZV4). Zn dev Zeitbestimmung dieser Begebenheiten sind jene bei,den arabischen Schriftsteller nicht übereinstimmend. Abulseda seht diesen Zug des Schirkuh in LaS Jahr v. Fl. üSY! Bohaeddin Ls-8. lg) ^VUa. 1'vr. a. a. O. Lvnlk. ,4.nn. mo5t. 1s Hl. S. 5 Y 2 . Wenn die Nachricht deSSojnihi gegründet ist, so forderte derEhalife von Bagdad schon innnitieibar nach der Ermordung des Chaiifen Daser (s. Anm. ig) den Nnr- eddin auf, stcv zum Herrn von Aegypten zn inachcn. Eine Handschrift des Werkes von Cojuthr über Aegypten ist Lurch daS Dlezische Vermächtnis, Eigenihum der Äönigl. Bibliothek zu Berlin geworden; cS ist über, schrieben: bditakt iiosir almohiilterekr ki aaststar Ivier -wakst-st-irast (Abriß der beschichte von MiSr und Kairo), sührt die Geschichte big zum Jahr «41 d. Fl. , und enthält außer den historischen Nachrichten auch eine Beschreibung des Landes und biographische Nachrichten von Schriftstellern und andern merkwürdigen Männern in Aegypten, mit vielen untermischten Stellen auS Dichtern, welche sich auf die erwähnten Gegenstände bezicbcn. In der Geschichte Saladins werden EbnAiathir und Abu Schamaü oft alS Quelle genannt, für die später» Zeiten Makrizi, außer ihnen aber auch andere berühmte Schriftsteller. 10) Diesen Vorwand führt Abulfeda an. Aber Bohaeddin, ohne der Belegung von Pelustnni und Scharakia zu erwähnen, drückt sich (S. 31) also auS, „Schirkuh kehrte zurück auS Aegypten mir der Begierde nach dem Besitze dieses Landes im Herzen; denn erhalte gesehen, daß cS ohne streitbare Männer war, und die Verwaltung daselbst ohne Ordnung und Sinn geführt wurde." König Amalrich. 85 kühne Hoffnung trug, einst in Aegypten für sich eine «nab, hängige Herrschaft zu gründen, was von den unkriegerischen Einwohnern des Landes und den zügellosen verwilderten Scharen des Sultans nicht bedeutend erschwert werden konnte, sobald er die Truppen, welche Nureddin unter sei, nen Befehl gestellt, gewonnen hatte und es wagen durfte, her Ungnade seines Herrn zu trotzen. Das Geschlecht, zu welchem Saladin gehörte, war von sehr niedriger Stufe bereits zu solcher Würde gestiegen, daß ein solcher Plan auch einem weniger kühnen Sinne nicht uncr, rcichbar scheinen konnte, zumal in einem Morgenländischen Reiche, wo dem tapfcrn und glücklichen Krieger der Weg zum Thron so leicht sich öffnet. Ejub 2°), der Vater Saladins, gehörte zu einer Horde der Kurden, eines den Türken verwandten Volkes, wovon viele tapfere und kriegslustige Männer, nach dem Bcyspiele der Türken, aus ihren fernen Weideplätzen sich in die Pro, vinzen des Chalifats begeben hatten, um, wie die Gelegen, heit sich darböte, vom Schwerte zu leben. Ejub trat in die Dienste des Sultans von Bagdad, und Bihrus, Statt, Halter von Bagdad und dem Arabischen Irak, verlieh ihm die Statthalterschaft der Stadt Takrit am Tigris, wo ihm im I. uz? sein Sohn Joseph, hernach als Herrscher Salahed, din genannt, geboren wurde ^). Dort fand er Gelegen, heit, dem Athabek Zcnki, der an dem Erbfolgekriege in dem Geschlechts der Scldschucken nach dem Tode des Sultans Mahmnd thatigen Anthcil nahm, einen wichtigen Dienst zu leisten, indem er dem flüchtigen Athabek nach einer verlornen Lo) O. i. Hiob. Der Vater der Etub bieg Schady, uud gehörte zu dem Stamme Naoadiab. Ejub uud Echirluh wurdeu zu Dul» gobyren- Poimcä. I. o. !ii) 2. d. Fl. LZ2. Woli-teä. S. 3. Murin Uilt. äo StUrMi» 1°. l. S. yo- Der Name Salaheddin bedeutet bekanntlich ,ida§ Hey LcS Glau. hcn§." 86 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. II. Schlacht die Schiffe verschaffte/ zum Uebergange über den Fluss. Als nun nicht lange hernach sein Bruder Asadeddin Schirkuh in der Hitze eines Streites mit seinem Schwerte einen Gc- richtsbeamten durchbohrte, und deshalb Vihrus beyde Brüder aus Takrit verwies: so nahm Zcnki gern nicht nur den Ejub Mit allen seinen Söhnen, sondern auch den Schirkuh in seil nen Dienst "), und kjub erhielt die Statthalterschaft von Baalbek. Nach dem Tode des Zcnki aber sah er sich genö- thigt, diese Stadt dem Fürsten von Damasciis, welcher sie mit zahlreichen Scharen umlagerte/ zu überantworten, worauf beyde Brüder in den Dienst dieses Fürsten traten. Auch dort wurde ihnen hohe Würde zu Theil; Ejub insbesondere wurde in der Statthalterschaft von Baalbek bestätigt. Cie stritten im Dienste ihres' neuen Herrn tapfer, als die Könige Ver Deutschen und Franzosen mit ihren Heeren DamascuS umlagerten, und in dem ersten Kampfe wider die Belagerer fiel der älteste Sohn des Ejub. Aber ungeachtet der wichtigen Dienste, welche sie dem Reiche von DamascuS leisteten, blieben sie dem Sohne ihreS ehemaligen Heern noch immer gewogen; sie erleichterten daher dem Athabek Nurcddin nicht wenig die Ucberwaltigung von DamascuS, und wurden dafür glanzend belohnt, ^Schirkuh mit den Städten Nahabah und Emessa, Ejub mit der Statthalterschaft von DamaScuS, beyde mit der Berechtigung, sich in Gegenwart ihres'Herrn nieder- -«setzen, ohne seine Erlaubniß zu erwarten. Die tapferir Kurden nahmen hierauf an den meisten Kämpfen Aiuheil, welche seit dieser Zeit Nureddin wider die Christen bestand, x und ermunterten die muselmännischen Kämpfer durch ihr Beyspicl zu tapferm Streite"); Schirkuh, wiewohl klein 12) S. oben B. II. S. öoc>; wo allein in Len Dienst des Athabek gee die unrichtige Erzäblnng ,u verbessern treten. iVl-ri» S. yo. «st, aiö ob Schirkuh und Saladin sZ) AiS Siatthatter von Baalbek noch König Amalrich. 37 von Körper und stark beleibt, wich keinem andern Krieger an Ausdauer in Mühseligkeiten, Entbehrungen und Beschwerden Er drang überall unverdrossen in die feindlichen Scharen, wo der Kampf am heißesten war, und in der Schlacht bei) Annak, in welcher der Fürst Raimund von Antiochien uinlam, erschlug er mit eigner Hand den fränkischen Mann, welcher das Kren; vortrug ^). Daher achtete ihn Nurcddin als den vorzüglichsten seiner Emire, und übertrug ihm während seiner gefährlichen Krankheit den Befehl über alle Truppen, und im Falle fernes Todes die Vollstreckung seines letzten Willens "). Bis zu dem ersten Zuge Schirkuh's nach Aegypten war aber unter allen Gliedern dieses tapfern Geschlechts keiner weniger bekannt, als Saladin. Sein Name wird bey keinem der frühen: Kämpfe genannt, welche sein Vater, seine Brüder und sei« Oheim bestanden, und von seiner Jugcutzzeit überhaupt hat sein beredter und genauer Lebensbcschrciber, Bohacddin, nichts anders überliefert, als daß er seine Zugend bey seinem Vater zugebracht, zu Mosul, Baalbek und Damaeeus und in allen Wissenschaften der Araber, vvrncmlich der im Dienste dcö Fürsten non DamaScuS sandte Einb, nach dem Berichte des Abn Schamab, seinen Sohn ScbamS- cddaulah den Christen entgegen, welche in die Landschaft Bakaa cin- drangen, im J.Zgy d. Fl. (Chr.nzg). Es kam ' aber nicht zum Kampfe, weil eine so groste.Menge Schnee fiel, da» die Christen dadurch zum Rückzugs genöchigt wurden. SchamSeddanlah fügte ihnen aber ans-ihrem Rückzuge vielen Schaden zu. Späterhin, im 2. S? > (Chr. ii5y), begleitete er, nach der Erzählung desselben Schriftstellers, mit allen seinen Söhnen, seinen Bruder Schirrub, als dieser von Nureddin auögesandt wurde mit einigen Scharen, um daü Land von Si- don zu beunruhigen. Wgl. IN-riiv S. y». 24". Also beschreibt sein AeußercS Wilhelm von TyruS (XIX. 5)- „Urar keü et siliui et s.rmeui zecumuimilev rolerüiis suzira ist guoü acut» iU» ralear surtiucre/' S5) Abu Schainah b. I. z«. o6) Ders. b. I. 25 Z. r?) Uoihgeü. S. 3. i. Chr. ciSz. 88 Geschichte der Kreuzzüge. Buch III. K a p. II. ^ der ^ten Geschichten fleißig unterrichtet, vor allem aber in den Lehren des Islam sorgfältig unterwiesen, auch zur strengen Beobachtung aller Pflichten eines Muselmanns gewöhnt worden ^). Saladin vermied lange jede Gelegenheit öffentlich zu handeln, lebte nur in Vergnügungen und Gelagen, und schien, so wie jeder andern Anstrengung abhold, also besonders dem Kriege, wodurch er doch hernach einen so weltberühmten Namen sich gründete. Ungern entschloß sich Saladin, diesem ungezwungenen Leben zu entsagen, und nur dle gemessenen Befehle Nureddins vermochten ihn, seinen Oheim auf seiner Aegyptischen Heerfahrt zu begleiten, Erst in diesen Unternehmungen tritt Saladin auf den Schauplatz der Geschichte, aber sogleich als gereifter Mann und selbst als Rathgebec des erfahrnen Schirknh. Ueder wenige große Männer ist das Zcugniß der Zeitgenossen so übereinstimmend, als über Saladin. Die Christen, welche er so unverdrossen und meistens so glücklich bekämpfte, und die Muselmänner, welche durch seine Tapferkeit sich so kräftig geschirmt und die Ehre ihres Glaubens verherrlicht sahen, priesen cinmüthig ihn als einen eben so edclmürhi- gcn als tapfer» Krieger, und der ritterlichste der Könige, Richard Löwenherz, achtete ihn selbst der Ritterschaft würdig. Wenn die Muselmänner seinen Eifer für die ächte Lehre ihres Propheten, und seine Gewissenhaftigkeit in Erfüllung aller Pflichten seines Glaubens mit begeisterten Lobpreisungen verherrlichten: so erkennen die Christen, welche gegen ihn stritten, seine Redlichkeit und Treue an, so wie seine menschenfreundliche Milde gegen die gefangenen Feinde; und diese Milde vcrlcngnete Saladin nur einige -Male, als die Christen durch Grausamkeit gegen gefangene Ai) ia. i. v. und S. sz. König Am all ich. 8y Muselmänner, oder durch Wortbrüchigkeit seinen Zorn 2 gereitzt hatten Der Aegyptische Sultan Schaver, als er die Absichten Schirkuh's und seines Neffen merkte, säumte nicht, zum Widerstande, so diel er vermochte, sich zu rüsten, und sandte eiligst Gesandte an den König Amalricb, um ihm die Erneuerung des von Dargam mit ihm geschlossenen Bündnisses , selbst noch unter vortheilhaftern Bedingungen anzu- bieten, falls die Christen ihm getreulich wider Schirkuh bey- sichen wollten. Unbedenklich nahm Amalrich diesen Antrag an, und in kurzer Zeit standen unter ihm und dem Connc- kable Honfroy die Christlichen Scharen, und die Aegyptischen unter Schaver vereinigt vor Pelusium, und hielten die Emire Schirkuh und Saladin mit ihren Truppen eingcschlossen Den König Amalrich riefen aber bald eigne, durch Unbesonnenheit und Fahrlässigkeit der Ritter des Kreuzes veranlaßt« Gefahren in sein Reich zurück. Zwar war es einer rapfern Christlichen Schar gelungen, Nureddin und sein Herr, welches er gegen Tripolis zu führen gedachte, unter dem Schlosse der Kurden zu überfallen und das Heer zu zerstreuen. Die Muselmänner ruhten an dem Mittage eines heißen Tages unbesorgt in ihren Zelten, als sie plötzlich die Kreuze der Christen jenscit des Berges, auf welchem das Schloß liegt, erblickten. Kein Widerstand war mehr möglich, die Christen verfolgten mit Heftigkeit die fliehenden Muselmänner, und drangen mordend und wüthend mit Blitzesschnelligkeit bis zum Zelte Nureddins, welchem kaum Zeit blieb, ohne Ober» 2y) Wilkelm von Tyrus nennt ihn (XX. r2.) ,.virum Loris orniis Slrenninn er en^ra inoäum 1 i- veriilem." A->) 6nil. IVr. XIX. XlnUkcä. ^rnu. IN. S, zyr. BohacLdin erwähnt nicht dieser Einschließung des Schirkuh In Pelusium, so wie überhaupt seine Nachrichten von diesen ersten Thaten Ealatins sehr kurz und ungenügend sind. . §br. IIÜZ. yo Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. II. gcwand aus der Hinterkhür seines Zeltes zu entrinnen und auf ein Roß sich zu schwingen. Und hätte nicht ein Kurdischer Mann schnell genug das Seil abgchauen, an welchem dieses Roß gebunden war, so wäre der furchtbare Nureddin ohne Schwertstreich in die Gefangenschaft der Christen gefallen 'Die Führer bey dieser glücklichen Waffcnthat waren Gilbert de Laci, Procuratvr des TempeihauseS zu Tripolis, Robert Manscl und zwcy vornehme Pilger aus Ernenne, Gottfried Märtel, Bruder des Grafen von Augoulcsme, und Hugo von Linizy der ältere, welche auf der Rückkehr von der Wallfahrt zum heiligen Grabe begriffen waren, als sich die Gelegenheit zu so herrlicher Waffenthat ihnen darbot "). Aber davon zogen die Christen nach ihrer Weife keinen andern Gewinn, als das belohnende Gefühl einer glücklich vollbrachten Thar; sie ließen ihren furchtbaren Feind, welcher geschworen hatte, nicht eher den Schatten hinter der Wand eines Hanfes zu suchen, als bis er die an jenem unglücklichen Tage erschlagenen Muselmänner gerächt, ungestört sein Heer ordnen und mit den verlornen Bedürfnissen wieder versöhn, auch neue Scharen !^ehr. an sich ziehn. Und nach wenig Monaten umschloß schon Nureddin mit einem zahlreichen Heere die Burg Harem ^), welche erst fünf Jahre zuvor durch die Tapferkeit des Königs Balduin aus der Gewalt Nurcddins war entrissen worden. Nureddin trachtete besonders damals nach dem Wiedcrbcsitze dieser wichtigen und der Stadt Alcp- Abu Schamah ->a > 1 . ZM. /UiM- keLi S. L88"2s^ Ziemlich übereln- siinimend erzählt Wilhelm vo» §muS (XIX. 8) : ,,IUe vero reUruo ZI-iMu et oiuisLis ImpecUmenUs univpr.-üs, uuäus »Ileio xecte, jumenlo tust- ZI) cvlw. ?7r. I. c. gz) IVUIi. 7,-r. XIX. 9 . Lh-Mt. wvtl. S, König Amalrich. yr po sehr '/kigen Burg^ weil er dadurch ihres Vurghauptt 2-^^ Manns >'ov zu werden h'-ffre, eine« der tapfersten Kreuzes«« ter, welcher nicht mir keine Gelegenheit verabsäumte, den Heiden zu schaden sondern auch die Unternehmungen der andern Christncheu Ritter durch klugen Rath lettere Die Christlichen Fürsten, welche ebenfalls nicht geringen Werth auf den Besitz dieser Burg legren, sammelten eiligst ihre Ritterschaft und zogen der Burg zu Hülfe, vornehmlich der jugendliche Fürst Bocmund der dritte von Antiochien, dessen Fürstenthume die Burg Harem angehörte, und mit ihm Graf Raimund der jüngere von Tripolis, Zoscclin, der Sohn des letzten Grafen von Edcssa und die vorhin genannt te» tapfer» Pilger aus Guienne. Auch der Armenische,Fürst Toros und Calaman, Statthalter des Kaisers von Byzanz in Cilicieu, vereinigten ihre Scharen mit den Kreuzrittern. Wohlgemuth und wohlgcschart zog dieses zahlreiche Heer zum Kampfe aus; aber Leichtsinn und hoffärlige Verachtung der Feinde brachten es ins Verderben. Denn als Nureddin bcy der Annäherung so zahlreicher Scharen aus Vorsicht von der Derennung der Burg ablicsi und sich zurückzog: so um tcrnahnren cs die Waübrüdcr, wider den verständigen Rath des Fürsten Toros, die abstehenden Heiden mit Ungestüm zu verfolgen. Bald darauf entschartcn sie sich, bethört von dem Wahne, als ob Nureddin aus Feigheit fliehe, suchten einzeln Beute und Gefangene zu gewinnen, und gcriethen aus Unvorsichtigkeit in ein durch Sümpfe eingeengtes Land. Als nun ihnen ganz unerwartet die Heiden im Rückzuge anhielten und in wohlbcstclltcr Ordnung wider sie rannten, so wurden alle eben so muthlos und feige, als sie zuvor kühn und übcrmülhig gewesen. Niemand dachte an Kampf, der 34) Nach Atu Schamal». 2. Ehr, »rüg. I, Anq, n^4 r6 Qcr, »64. 9: Geschichte der Krcuzzüge. Buch IV. Kap. II. Fürst Toros rettckc sich zu rechter Zeit durch die Flucht, und alle lateinischen Fürsten zogen schimpfliche Gefangenschaft der glorreichen Märtyrerpalme vor, un^wurden in schimpflichem Aufzuge nach Aleppo geschleppt. Worauf Nurcvdm nicht nur nach wenigen Tagen durch gewaltige Berennung die Burg Harem erstürmte, sondern auch die wichtige Stadt Paneas so heftig bekennte, daß sie nach kurzem Widerstande von Walther von Quesncr, welchen der Cvnuetadle Honfroy zu seinem Statthalter wahrend seiner Abwesenheit angeorduet hatte, durch Vertrag ihm übergeben wurde; wiewohl viele behaupten, daß Walther nicht durch Unmöglichkeit der Ver- theidigung, sondern, gemeinschaftlich mit Noger, Stiftsherrn der Kirche von! Paneas, deren Bischofs gleichfalls abwesend war, von den Heiden durch Geld zu dieser Ueber- gabc vermocht worden ^'). Diese Unglüskssalle bewogen den König zur schnellen Rückkehr in sein Reich. Er schloß unverzüglich mitSchirkuh Frieden, und gestattete ihm und seinem Heere, nach dreymo» »tätlicher Einschließung, freycn und sichern Abzug aus Belbeis; und die Aegypter bezahlten dem Emir Schirkuh eine ansehnliche Geldsumme. Mitten durch das ausgestellte Heer der Christen und.Aegypter zog Schirkuh mit seiner Schar, er selbst schloß den Zug mit erhobener Streitaxt. Ein Christlicher Z5) Villi. 1 >r. XIX. y. -0. Die Angaben diese- Schriftstellers von den Monaten, i» welchen diese Begebenheiten rorficlen, stimmen mit den Angaben des Abulfcda (1. III. S. Aya) überein, nicht aber die Angabe der Jahre; denn Harem soll nach dem Erzbischofs Wilhelm im I. nsts, Paneas im I. 1167 von Nureddi» erobert worden seyn. Allein man sieht ans dem Zusammenhänge seiner Erzählung sehr leicht, daß wenigstens die letztere Zahl durchaus fehlerhaft ist', und wir tragen kein Bedenken, diese Begebenheilen bei,de, der Angabe des Abulfeda zufolge, in Las I. iiö« zu setzen, sowohl deswegen, weil alles während der Einschliegung von Pelustum ge- schal,, als auch, weil Wilhelm bvn Tyrus selbst ausdrücklich sagt, dir Burg Harem scv im zweyten 2 ahre der Regierung des Königs Amairilü verloren worden. Köllig Amalrich. 9Z Ritter näherte sich ihm mit der Frage: „Wozu solche Anstalt? Fürchtet ihr, daß der Vertrag uns nicht heilig sey?" „Den würdet ihr nicht zu brechen wagen," antwortete Schirknh mit Ruhe, und setzte seinen Weg fort Der König Amalrich aber begab sich nnvcrwcilt nach Tripolis und Antiochien mit dem Grafen Dietrich von Flandern, der mitten unter diesen Unfällen mit einer zwar kleinen, aber auscrleset nen Ritterschaft zum vierten Mal ins heilige Land als Pilger gekommen war, zu großer Erheiterung der durch so harte Schickungen gebeugten Christen ^). Der König ordnete besonders mit großem Fleiße die Angelegenheiten des Fürstcnthums Antiochien, und bemühte sich für die Befreyung der gefangenen Fürsten und Ritter. Auch erwirkte er ganz unerwartet in kurzer Zeit die Freylassung ") des Fürsten Vormund; worauf dieser nicht säumte, die Geisel, zu lösen, welche er für das ihm auferlegte Löscgeld dem Nureddin gestellt halte, und sich nach Constantinopcl begab zum Kaiser Manuel, dem Eemahle seiner Schwester Maria, von welchem er mit großen Ehren empfangen und mit herrlichen Geschenken beehrt wurde. Des Grafen Rai- zS) Di« Nachricht über den Vertrag inir Schirkuh »nd dessen Abzug aus Pelustum hat Marin (I. S. 114.115), wie es scheint, aus Ebn ül-Aihir mitgecheilt. 37) Lnjns tanl» I^etilia «nscexit »ävenlum omuis xoznUue ut xorr immnsserornm soü- arciorrin suram gratissimsm et xiacsons icme- üiiim vicleretur euscexisse." 'Willi. '0)-r. XIX. 10 . 38 ) Wilhelm von Tyrus (XIX. 11) nimmt zwei, Ursachen an, durch welche Nureddin zu der schnellen Entlassung des Fürsten Vormund vermocht worden. Einmal habe er besorgt, durch die Verwendung deS Kaisers Manuel zu der unentgeltlichen Freylassung deS Fürsten sich gc- nöthigt zu sehen, und um dieser Verwendung zuvorzukommen, nicht gesäumt, das angebvtcne Löscgeld auzunehmen; dann aber auch habe ihn dazu seine geringe Meinung von Boemund bewogen. Nureddin habe besorgt, dag, wenn er diesen wenig versprechenden jungen Fürsten länger ln seiner Gefangenschaft behielte, die Antiochier leicht darauf fallen könnten , sich einen tüchtiger» Fürsten zu wählen, welcher ihm dann mehr zu schaffen machen würde, als iener- I. Ehr. HÜ«. A4 Geschichte der Kreuzzüqe. Blich IV. Kap. II. S-^bc. mund von Tripolis Erlösung aber vermochte der König nicht zu erwirken; erst nach achtjährigem schwerem Gcfängniß löste sich der Graf mit achzig Tausend Goldstücken Aber nur wo Amalrich selbst war, konnte er den Much der Christen aufrichten, und der Feigheit und Qcm Verrathe wehren. Noch in Antiochien kam zu ihm die Kunde, daß eine wichtige und fast unbezwinglichc Burg im Lande von Sidon, welche den Christen oftmals als Zuflucht wider die Feinde gedient hatte, an Nureddin vcrrathen worden und deren ganze Besatzung zu den Heiden übergegangen scy; nur der Bnrghauprmaim war ergriffen und zu Sidou mit dem Strange bestraft worden. Bald darauf vernahm der König, daß eine andere feste Burg in Arabien jenseit des Jordans, welche der Behütung der Templer anvertraut war, von den Ungläubigen umlagert werde; er eilte zu Hülfe, aber ehe er dahin gklangtc, ward ihm gemeldet, daß auch diese Burg den Heiden vcrrathen worden. Diesen feigen Vcrrath büßten zwölf der Schuldigsten nach des Königs Spruche am Galgen 40). Alle diese Unfälle lenkten des Königs Aufmerksamkeit von Aegypten nicht ab, zumal da Nureddin durch maucher- ley innere Angelegenheiten seines Reichs gehindert wurde, seine Vortheile zu verfolgen, vielmehr wurde die Verbindung mit Aegypten sorgfältig unterhalten. Bald aber vcrbrei- 3g) IVMl. 1>r. XX. Zo. 40 ) >ViUr. XIX. li. .4.UMI. le. III. E. 62 O. UonimentLt. äo I>o1- lor. crna. ex .4.0nl5. Iriet. S. 108 . Wilhelm von TurnS seßt ihren Verla» in das dritte RcgiernngLiahr des Königs Anialrich, also nüz. Uebri- gcns ill es wohl irrig, baß Wilhelm von rvnls jene bepdm Burgk» an S-hirkuh verrathen werden läßt) denn dieser Emir kam, wie Vohaed- din herichict,'crü im Monat Dsulla- da ßüi, also im September oberOcto- bcr ilbS ans Aegypten zinück. Dir erßere jener bepden Burgen nennt Wilhelm tdrvelt Ne beyd-e beschreibt er alS Höhlen lsxelnn» König Amalrich. 9 ; tete sich die Nachricht, daß Schirkuh ein furchtbares Heer I^Ehr. zum neuen Zuge nach Aegypten sammle, und daß der Chalif zu Bagdad, auf des kurdischen Emirs, der selbst zu ihm sich begeben, Antrieb, alle Muselmänner aufgefordcrt habe, zur Zerstörung der Herrschaft der Aftcrchalifen in Aegypten sich zu bewaffnen ^). Die Muselmänner, gereizt durch den Lohn im Paradiese, welchen der Chalif ihnen verhieß, und getrieben durch erbitterten Haß gegen die ketzerischen Acgyp- ter, versammelten sich in großer Zahl in dem Lager des Schirkuh. Aber Saladin begleitete nur mit Widerwillen seinen Oheim auf dieser Heerfahrt Bald vernahmen auch die Christen, daß Schirkuh mit diesem großen Heere und vielem Gepäck ausgezogen sey und sich gegen disArabische Wüste gewendet habe, durch welche einst die KindcrJsracl zogen. Der König Amalrich säumte nicht, mit der ganzen Ritterschaft des Reichs sich Key Cadesbarne in dieser Wüste zu lagern, um Schirkuh zu erwarten. Ais er aber vernahm, daß dieser auf einer andern Straße ziehe, kehrte er eiligst irr sein Reich zurück. Sogleich aber erging an alle Lehenmänner des Reichs Jerusalem das Aufgebot, sich schnell zu bewaffnen und mit ihrer ganzen waffenfähigen Mannschaft sich bey As- kalon zu versammeln, und noch vor Ablauf des Wintermonats 1167 zog das Heer aus über Al-Arisch und kam in Eilmärschen vor Belbcis. Der Vezir Schaver erschrack nicht wenig über das Einrück'en des Christlichen Heers und fürchtete feindliche Absichten; denn ihm war von dem An» 47) wiUi. 1^-r. XIX. ift. Vgl. oben An,». 17. 42) ironaeä. S. 32. Die einfache Erzählung dieses Schrif.stetterö umschreibt Marin (Irisr. de 5 .i 1 . L. m) §l§ guter Franzose also r ÄDrsiiIman li-vrv arrx ^rlckisir» et x i'v lk 6 i'2 n r les douoeurs d'uile Vie träncsuille »77 dttsär d'rre- c^rerii' de Ick §1oire, relusck !on^- et Lärt errdr» oUÜLL de srtivrv l« vidres ds sorr waltne." 2 - 1167. Geschichte der Kreuzzüge. Buch !V. Kap. 1>. zuge Schirkuh's nichtö kund geworden'"). Erst als er durch anegesandke Kundschafter vernahm, daß Schirkuh schon bis Attasi vvrgedrungen sey, öffnete er dankbar und froh den Christen das Land, und Amalrich führte seine Scharen längs dem Nilfluß von Belbcis bis nach dem Sitze deS Chalifen, Misr oder Babylon, und lagerte sich am rechten Ufer deS Flusses jener Hauptstadt gegenüber "). Bald darauf näherte sich auch Schirkuh, welcher zwar auf dem Zuge durch die Wüste in einem heftigen Sturm und Gewitter viele Camcele und alle Lebensmittel, welche sie trugen, verloren hatte, aber gleichwohl noch ein stattliches Heer führte. Es wurde beschlossen, ihm unverzüglich entgegnen zu ziehen und wider ihn zu streiten, damit nicht nach dem Uebergange über den Nil, wozu Schirkuh sich schon an- schickte, die Unmöglichkeit zu fliehen die Heiden zur Tapferkeit zwange. Ehe aber das vereinigte Christliche und Aegyptische Heer ihn erreichte, hatte Schirkuh schon mit seinen Scharen am westlichen Ufer des Flusses sich ge- qz) 'ZVilli. I>I. XIX. IZ. voll. S. Zi. -Z.I>uIkeü. S. 6oZ. 44) Wilhelm von TyNls gibt bey Dieser Gelegenheit (XIX. 14) Nachricht von Der Entstehung der Stadt MiSr, welche von den Abendländern im Mittelalter auch Babylonien genannt wnrdc. Er meint/ da im Al, tcrrbnme kein Aegyptischcs Babylon erwähnt werde, so müsse cd wohl nicht nur nach den Pharaonen und Plolomäern, sondern selbn nach der Monier Zeiten erbaut worden seyn, eben so wie Kahira, welches im 2 . Zhi »ach Mohammed von 2ohar, dem Dczir Mehezcdinallah, Fürsten von Afrirg, gegründki worden. Den» die Meinung derer, welche Misr (iVi-wer) für das alte Memphis hielten. sey nicht wahrscheinlich, weil die Ueber- blcibsel von dieser alten Stadl noch in einiger Entfernung von Misr gesehen würden. Der Erzbischofs verweiset zuletzt auf die Nachrichten, welche er über alles dieses in seiner Morgenlättdischcn Geschichte (Iiisioria Dieses Werk, welches Wilhelm auf Begehre» deü Königs Amalrich auS arabischen Werken, welche ihm der König selbst verschafft halte, zusam- mensetzle, (XIX. 20) j,i aber bis jetzt noch in keiner Bibliothek entdeckt worden. König Amalrich. 27 lagert und Dschiseh besetzt, die berühmte Stadt der Pyra- 2-,Ahr. miden Der Sultan Schaver, welcher nicht mehr zweifelte an der Absicht Schirkuh's, ihn und den Chalifen zu vernichten, trug den Christen einen neuen Vertrag an, und bot dem Könige Amalrich vierhundert Tausend Goldstücke, wovon er die Hälfte sogleich zu bezahlen sich erbot, wenn der König von Jerusalem dagegen sich anheischig machen wollte, Aegypten mit seinem Heere nicht zu verlassen, bevor nicht Schirkuh mit seinen Scharen aus dem Lande vertrieben worden. Unter diesen Bedingungen wurde der Vertrag abgeschlossen, der König Amalrich beschwor ihn redlich, und Hugo von Cäsarea und der Templer Gaufred begaben sich, von dem Sultan Schaver geführt, in die Stadt Kahira, um den Eid des Chalifen zu empfangen, weil dem Königs Amalrich der Schwur.des Vezirs nicht genügte^). Nur die dringende Gefahr nöthigte den Chalifen, diese Forderung zu erfüllen und Christlichen Männern es zu verstärken, sich seiner geheiligten Person zu nähern, zu welcher selbst den Muselmännern nicht leicht der Zutritt vergönnt ward. Die Gesandten wußten aber nicht Worte zu finden, um den Reichthum und die Pracht und Herrlichkeit zu schildern, welche sie im Kasr oder dem Palast deö Chalifen zu Ka- lhira^) gesehen. Nicht nur ward ihr Erstaunen erregt durch die ungeheure Zahl der Wachen, womit der Palast besetzt war, besonders der Mohrischen Leibwache und deren seltsame 4 L) 'WIM. 1 >r. XIX. 15. leä. a. a. O. 46) ,»Ron enim knkkciens viäe- liatur, 81 in eo 8o1ä2nii8 Le solus oklixsrer." Willi, X!X. 16. IN. Band. 3 . 47) „^alalanrn Hiioä 1in§UL eo- riim Oaseere clieiiiir." Willi. XlX. 17. So nennt auch Abulfeda den Palast der Chalifen. i'. Hl. S. 624. G 2 - Ehr --IÜ7. 98 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. II. Rüstung und Bewaffnung und die ungewohnte Weise, wie sie den Sultan, wenn er sich ihnen näherte, begrüßten ; sondern noch mehr durch die Menge der in mehreren Theilen des Palastes gehegten verschiedenartigsten wunderbarsten Vögel und vierfüßigen Thiere, welche sie bisher nur für erträum,e Gebilde der Mahler und Dichter gehalten hatten; durch die Springbrunnen lind kühlenden Wasserbehälter, und überhaupt die vielfältigen Mittel einer den abendländischen Rirr-rn unbekannten Deguemlichkeit und der verfeinerten Ge-u. sie, welche die Weichlichkeit des Morgenlandes envimen. Von einer zahlreichen Schar Trabanten mit gewaltigem Waffengetöse begleitet führte der Sultan Schaber sic zum Palast; durch lange dunkle Gänge, deren Eingänge von Mohren bewacht wurden, kamen sie zu einem innen, Hof. Das Innere der prächtigen Säulengänge, welche Diesen Hof einschlossen, war mit den herrlichsten Kunstgebilden geziert, der Fußboden mit allerley Kunstwerk ausgelegt, und die Säulen selbst von schönem Marmor künstlich gearbeitet. In der Mitte des Hofes sahen sie Teiche und Springbrunnen klaren Wassers, und Vögel des prachtvollsten Gefieders und des lieblichsten Gesanges, jeder nach seiner Weise gehalten und genährt. Von dort durch die Vornehmsten der Verschnittenen weiter geführt, kamen sie zu einem andern noch prachtvollem Hofe, wo sie eine Menge noch nie von ihnen gesehener vicrfüßigcn Thicre erblickten, jedes ebenfalls seiner Natur gemäß gepflegt Wiederum durch mehrere auf 48) Dieser zahlreichen Mährischen Leibwache deL Aegyptischen Chalifen erwähn, auch Rvulfeda a. a. O. Ihr Oberster führte den Ehrentitel: Mu- tamen al - Ehalafar, d. i. Schutz- warl des Ehalifars, sie blieb dem ehaltft» auch gegen Sgladm lreu: daher sie von diesem aufgelost und ihr Oberster getödtck wurde. 49) „Nia cMaärupcäum LtrixeiiäL varietas, Analem xiacarum solar mairus lasaivL csej-inZeie, c^uLlenr solct xoerie » lioenlia mcmlii auc »owirimrus munu» vrsiowjbw» König Amalrich. 99 die mannichfaltigste Weise gezierte Gebäude und Plätze gelangten sie endlich an einen prachtvollen Bau, wo die größere Zahl von Bewaffneten und Dienern, so wie deren prunk, vollere Rüstung und Kleidung und überhaupt die regere Bewegung, ihnen die Nahe des Chalifen verkündigte. Der Sultan führte sie in einen Saal, dessen Pracht alles übertraf, was sie bewunderungsvoll bisher gesehen. Die Mitte des Saals Heilte ein seidener Vorhang mir Perlen und Gold auf das kostbarste geschmückt. Zweymal warf sich der Sultan nach diesem prachtvollen Vorhänge hin auf,den Boden, und als er das dritte Mal sich niedergeworfen, legte er das Schwert ab, das von seiner Schulter herabhing. Worauf mir bewundernswürdiger Schnelligkeit der Vorhang sich zusammenrollte, und die erstaunten Gesandten den Chalifen Aladed erblickten, einen jungen Mann von schönem stattlichem Wüchse, mit verhülltem Angesicht und in reicher Kleidung auf einem goldenen Thron sitzend, nur von wenigen Hofdienern und Verschnittenen umgeben. Hierauf nahte sich der Sultan dem Throne, und nachdem er knieend die Füße des Herrschers geküßt, trug er das Verlangen der Gesandten in kurzen und ehrerbietigen Worten vor, worauf unter denen, welche um den Thron des Chalifen standen, ein heftiges Gemurmel der Unzufriedenheit sich erhob, über ein solches unerhörtes Begehren. Der Chalife aber antwortete mit freundlichen Worten und reichte, jedoch nicht ohne Widerstreben Herrn Hugo von Cäsarea seine Rechte zum Schwure, aber verhüllt. Noch größer aber xuiLri iioenirnis, yualeni OrieiUis et Xiistri soieiiL äioeeeses rnii^LlrL- «zriLm, auärrs vero consne» vir. ViäsbAMrxroeui üukiy, izuoä ex i!s loeis LoHnus nosler Inrtoiis siri äo<1uxer1t tiisforiaiu." 'Willi. I. o. 52) „Iiivilus vürürnL." Lä. XIX. iS- G 2 irü7- 100 Geschichte dev Kreuzzüge. Buch IV. Kap. II. -1. §br. wurde das Staunen der Aegyptischen Hofdiener, und noch lauter ihre Unzufriedenheit, als Hugo freymürhig und dreist forderte, daß der Chalifc seine Rechte enthüllt ihm reiche; indem er erklärte, daß bey einem Vertrage nichts verhüllt und versteckt scyn müsse, sondern alles offen und frey, und darum würben auch die Christen nicht meinen, daß des Chalifen Absicht redlich wäre, wenn er mit verhüllter Rechte schwöre. Der Chalife fügte sich, zwar mit heftigem Widerstreben^'), auch dieser Forderung, reichte mit läs chelndem Blicke seine entblößte Rechte dem fränkischen Ritter, welcher sie mit Treuherzigkeit ergriff, und leistete den Schwur mit den Worten, welche von Hugo bestimmt waren ^). Dann wurde die Christliche Gesandtschaft mit kostbaren Geschenken entlassen. Nach dieser Erneuerung des Vertrags schickten sich der König Amalrich und seine Ritterschaft an zu heftigem Kampfe wider Schirkuh. Auch zwey Söhne des Sultans Schaver ") schlossen sich mit zahlreichen Aegyptischen Scharen der Christlichen Ritterschaft an. Weil aber die Rückkehr der beyden Ritter aus der Stadt sich allzusehr verspätet hatte, und schon der Tag sich neigte, als sie zurückkamen, so wurde der Uebergang über den Nil auf den folgenden Tag verschoben. Diese Zögerung war der Sache Schavers sehr nachthcilig. Denn in der Nacht rückte Schirkuh mit seinem Heere vor, und lagerte sich den Christen gegenüber unfern von Kahira, also daß ZI) „Irivitng ulttrimum et HNL 8 r rnchektari äetralrens." Ist. iiritl. Z2) „Lituäent Uitgonem xLatoruiu wird iiichi gemeldet/ ob Hugo selbst der Arabischen Sprache so sehr mächtig war, oder ob er dabey eines Doli« NietscherS sich bediente. Zg) Wilhelm von Lyrus (XIX. 21. es) nennt ihre Namen: cMemel und Islakilst-i; des erster« (Kamel) erwähnt auch Abulfeda (Lun. wosl. »ä a, ILg, S. üio). König Amalrich. roi ihnen der Uebergang über den Fluß unmöglich war. lieber- Haupt fühlte Amalrich bald, daß er wider einen trefflichen Feldherrn stritt. Denn alle Unternehmungen Schirkuh's waren trefflich berechnet, um die Feinde zu lahmen, und durch künstliche Bewegungen und schnelle Märsche seiner zahlreichen und beweglichen Reiterey hielt er stets seine Gegner in Spannung und ermüdete ihre Kraft. Zwar ließ der König von Jerusalem ohne Verzug eine Schiffbrücke beginnen, und mit hölzernen Thürmen und allerlei) Wurfzeuge wohl versehen ; aber es war unmöglich, sie über die Mitte des Flusses zu führen. Und weil auch Schrrkuh nicht vorrückte, um nicht den Rücken seines Heeres den Feinden preis zu geben: so standen beyde Heere langer als Einen Monat an beyden Ufern des Flusses unthätig einander gegenüber, bis endlich über den Besitz einer beyden Heeren nahe liegenden Niltnsel ein Kampf sich entzündete. Denn als Schirkuh diese Insel hatte besetzen lassen, sandte der König Amalrich den Ritter Milo von Planci und den Emir Kamel, den einen der Söhne des Sultans Schaber, aus, um die Türken zu vertreiben, was auch, zwar nach hartem Kampfe, gelang; worauf die Christen sich! in dem Besitze dieser Insel behaupteten. Aber erst dann wurde der Krieg lebhafter, als der Connetable Honfroy von Toron und Herr Philipp von Neapel aus dem Reiche mit ihren tapfer» Scharen zu dem Könige kamen. Nach sorgfältiger Berathung wurde im Kriegsrathe der Ritter beschlossen, nm die erste Nacht- §.r) Wilhelm von Tyrus (xix. si) beschreibt den Bau dieser Schiffbrücke- «r rrabikiis xLlniLeeis, yn-slis i1!rr regio couLuevit dauere, äoorinus Lox xonrem xraeeixit or<1iuLri r ZnngeiiLnrur navei dinke äelrxis- Lnokoris reääekLnnir steiles; äesuxreri^re oräiuatis terrir ; äemnui rurriinrs ii» gnei», ruLckinis snxerereetis, «rnir- dLirnr»'." 2 invlcem sepkr-Lt -isgt-e -rst meronoir reoexkurus." 'I'vr. XIX. 22. Diese Insel, welche durch die Scheidung dcü Nils und zwei) kleine aus den Heyden Hauptarmen deS Flusses gegeneinander spiy zulaufendo Ne- bcnarme gebildet wird, ist ganz jener Beschreibung gemäß abgcbildet worden auf der Charts bey Norden (ri. xxvi. b.). Elwks anders erscheint sie auf der Charte von Denon sl>I. 7.), nehmlich alS gebildet im Nil kurz vor der Scheidung. Mit dem Namen Mahalle finde ich übrigens diese Insel nirgends bezeichnet. > 5S) Wilhelm von Tyrus ist in Hinsicht des Zurückbleibens von Hugo von Ibelim mit sich seM im Widerspruch. xix. 2,. läßt er ihn znrück- bleiben, alS.daS übrige Heer nach Mahalle zieht, und im folgenden Ca- pitel von Mahalle nach Kahira zurückgesandt werden. Oie erstere Erzählung lst ohne Zweifel die wahrscheinlichere. König Amalrich. io; Ohne Verzug zog nun auch der kurdische Emir an d-m Nil herab und lagerte sich den Christen gegenüber, doch in einiger Entfernung vom Strome. Die Christlichen Riner waren fest entschlossen, am andern Morgen auch im Angesichte der Heiden den Uebergang über den Fluß zu erzwingen und den Kampf mit ihnen zu bestehen. Aber Schirkuh brach in der Nacht wieder auf und zog zurück am Strome aufwärts, den Weg nach Oberägypten nehmend. Worauf die Christen, genölhigt, dem Türkischen Heere zu folgen, Nicht säumten, über den Fluß zu setzen. Diese rasche Verfolgung des Schirkuh gewann indeß den Christlichen Rittern so sehr das Vertrauen des Sultans Schauer, daß nicht nur der Heerabthcilung, welche unter Hugo von Jbelim bey Kahira zurückgeblieben war, die Bewachung der Thürme und Mauern der Hauptstadt von Aegypten anvertraut, sondern selbst den einzelnen fränkischen Rittern der freye Eintritt in das Schloß des Chalifen gestatt tet wurde "). Der König Amalrich setzte indeß rasch die Verfolgung des Türkischen Heeres fort, da die gegen Süden immer mehr sich beengende Breite des Landes über den Weg, welchen die Feinde genommen, keinen Zweifel gestattete "). Um dem Heere des Schirkuh die Rückkehr über den Fluß zu wehren, ließ er den Ritter Gerhard von Pugi und den jweyten Sohn des Sultans Schaber mit einer stattlichen A 7 ) ,,'rnua revelara sunt nostris in» Sanvt» s»notornin a socnlis sl>- «conäiia; et stnxenäa xrin» ec xan- ois kiuniliari» xaluernnt erean»." 'Wiw. l>r. XIX. 22. Oie Erzählung deS Wilhelm von Torus von her Besetzung von Kahica wird auch bestätigt durch Dvhaeddin iS. zi), welcher alS Bedingung des Vertrags zwischen den Franken und Schaver angibt, „daß die erster» völlige Gewalt im Lande haben sollten." 88) Igsa regioni» korma c-rtuin a-chat insegnenNdus ste irostinar innere arxumenruin. Vi'iM. I>r. I. e. I. Ehr. 11Ü7, 104 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. II. Schar über den Fluß zurückkehren und am rechten Ufer zies hen; er selbst eilte mit der Ritterschaft den Heiden nach, und auch das Fußvolk von Joscelin vonSamosata, einem tvackern Ritter, geführt, folgte mit möglicher Schnelligt kcit. Am Sonnabend vor dem Sonntage Lätare ") meldete die Vorwache, die Heiden seyen in der Nähe und des Kampfes gewärtig. Voll Muth ordnete sich die Christliche Ritterschaft zum Streite gegen die Heiden mit sehr ungleichen Kräften. Denn zufolge den Berichten der Christlichen Schriftsteller zählte Schirkuh's Heer zwölf Tausend Türkische Reiter, darunter neun Tausend gepanzerte und drey Tausend Bogenschützen, und zehn oder eilf Tausend mit Lanzen bewaffnete Araber. Dagegen bestand das Christliche Heer nur aus drey hundert und vier und siebzig Helmen und etwa vier oder fünf Tausend Fußknechtcn und einer ScharTurkopulcn; auf den Beystand der Aegyptischen Truppen, welche sich den Christen angeschlossen, war wenig zu rechnen, und bas Lg) Nach Wilhelm von Tyrns (XIX. rz) sollen die Christen schon an, vierten Tage der Verfolgung LaS Heer des Schirkuh erreicht haben. Dieses war aber wohl schwerlich möglich, Va von der. Scheidung des Nilarms der Ort Babein, wo die Schlacht vorfiel, fast zo geographische Meilen rntfernt ist. 60) WiUr, XIX. 04. za. In der letzter» Stelle gibt Wilhelm von Lyrus die Zahl der Ritter zu §->o an: es ist aber zu bemerken, da» zu Len Christen Verstärkung aus Syrien kam, als sie die Belagerung von Alexandrien unternahmen (a. L7). Rach dem Berichte des Abulseda (S- bo2) erhielt Schirkuh von Nur- eddin nur tausend Reiter. Dgl. marin. Irrst, äe Lai. I. S. rast. Abulfa» radsch (Llrrori. 8)-r. S. 317 ) gibt die Zahl der Truppen des Schirkuh an zu 21:00 Reitern. Es ist aber nicht unglaublich, dag die Zahl des Wilhelm von Torus gleichwohl von der Wahrheit sich nicht sehr entfernt, indem in Folge Lcü Aufgebots vom Chalifen von Bagdad viele Frcywillige, sowohl Türken als Araber, an Schirkich sich angeschlossen haben konnten. Dis Arabischen Schriftsteller mögen auch von ihrer Seite nicht ganz Unrecht Laben, indem sie die Acgyptischct, Truppen mitzählten, welche sich mit de» Christen vereinig! hatten. König Amalrich. r°5 Fußvolk war noch weit entfernt. Die Muselmännischen Zeitbücher melden dagegen, daß die Macht des Emir Schirkuh an Zahl bey weitem geringer gewesen, als die Christliche, und rühmen cS als eine bewundernswürdige Hcldenthat dieses EmirS, daß er mit tausend Reitern den Kampf gegen eine so große Ucbermacht unternommen und den Sieg davon getragen habe. Die Emire des Türkischen Heers, als bey Annäherung der Christen Schirkuh sie zum Kriegsrarhe versammelt hatte, waren auch nicht dcrMcinung, einenKampfzu wagen, sondern riechen, ohneVerzugaufdaS andere Ufer zu gehen und die große Beute, welche sie gewonnen, nach Syrien in Sicherheit zu bringen, weil ihr völliger Untergang die unausbleibliche Folge einer verlornen Schlacht in diesem Lande seyn würde, wo alle Einwohner mit Haß und Feindschaft wider sie erfüllt wären. Da trat aber der Emir Scharfeddin Bargusch auf, ein kühner und kampflustiger Jüngling und sprach: „Glaubt ihr, daß Nureddin euch in dem Besitze eurer Würden und eurer Güter lassen werde, wenn ihr znrückkehrt, ohne den Kampf gewagt zu haben. Wer die Gefahr fürchtet, der säume nicht, den Dienst deS Königs zu verlassen, und entweder als Bauer den Acker zu pflügen, oder den Weibern im Fraucnhause sich beyzugesellen." Diese nachdrücklich ge, sprochenen -Worte weckten den Muth der Emire; Schirkuh trat der Meinung des kühnen Jünglings bey, Saladin ebenfalls, und nach und nach alle übrige. Es wurde beschlossen, der Schlacht nicht auszuweichen ^'). Bey dem Engpässe Babein ^), von Oschmu- nein und den Ruinen des alten prachtvollen Hermopolis, 6r) Qliroii. S)-r. x. 36Ü. 62) D. i. die bei,den Pforten. 357. äe OuiKnes Ki5t. äes Hun.« „Konien Iocc> L e b e rr onoä Inter- 7 '. II. k. II. S. 126. mLiLLr kist. äs 7»relLlu.r portae; so Htioä nner eol- I. S. iLZ. Los oxrxvsnos trausiru» srcetur." I. §br. 1167. ro6 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. II. 2 . El»-und nahe der großen Sandwüste, auf einem unebenen, von vielen Sandhügcln und ziemlich starken Vertiefungen durchschnittenen Boden begann der Kampf. Schirkuh hatte eine treffliche Stellung inne; sein Heer hielt mehrere der Hügel besetzt, deren Höhen wegen des lockern Sandes, woraus sie bestanden, die Christlichen Ritter nur mit großer Mühe erreichen konnten. Die Königliche Schar, von dem Könige von Jerusalem selbst geführt, überwand jedoch mit Much und Kraft alle Schwierigkeiten, und stürmte zurrst an gegen die mittlere Schlachtordnung des türkischen Heeres, wo sie meinte, daß Schirkuh selbst streite; und die Türken wichen. Die Christlichen Ritter ahndeten nicht die Kriegslist, wodurch Schirkuh sic täuschte. Denn unterrichtet von ihrem Kampfplan, hatte er in die mittlere Schlachtordnung, um ihr den Schein großer Zahl zu geben, alle Knechte gestellt, und diese Schlachtordnung seinem Neffen Saladin übertragen, mit dem Befehle, nach kurzem Widerstande den Christen, welche ihre Hauptkraft gegen ihn richten würden, zu weichen; und der hügelichte Boden des Kampfplatzes selbst 'VVNK. I>r. XIX. 24. Eben so wird auch der Ort der Schlacht von Bo- hacddin in der Ueberschrist des zwcy- ten Eapitels genannt, S. gr. S. über die Lage dieses Orts Hartman ns Erdbeschreibung von Aegypten S. rogo. Abulfeda nennt den Ort Ab van, der ebenfalls in der Nähe von Oschmunein liegt. S. Incl. geogr. calc. vir. öaiaä. L. Ii. V. Wilhelm von Tyrus berichtet, daß «inige auch diese Schlacht nach der Stadt Monia (l-amoni») benannt, was aber nicht richtig sey, weil diese Stadt zehn Meilen von dem Schlachifelde entfernt liege. Es ist diese dis Siadt Monia, welche bey den Arabischen Geographen durch den Zusatz Bani Ehasib oder Alt Lhastb von den andern Aegyptischcn Städten dieses Namens unterschieden wird, und nach Abulfeda eine starke Tagereise von Oschmunein entfernt ist. Ldul- becl. acegzextu» eä. IVlicii. S. 21. Denen (S. -io) nennt sie lVlxnz-elr und beschreibt sie als eine sehr angenehme Stadt. 6z) „Ural locus, tu guo coinmit- tenstum erst, tu couiiuio culrao terrae et solituäiuis, locus iuae- gualis, srenarum coiulnis vallidu»- gue meäii» iutorxolatus. " Wild, v/r. I. c. König Amalrich. 107 begünstigte solche List "). Als die Hauptschar des Christli- chen Heers in der Hitze der Verfolgung zwischen die Hügel gerachen und von dem übrigen Heere getrennt war, griff Schirkuh mit der auserlesenen Reiterey die Flügel der Christen an, welche bald in Verwirrung geriethen. Am unrühmlichsten stritt die Schar des Herrn Hugo von Casare«, welche sich in schimpflicher Flucht auflöste; Hugo selbst wurde gefangen mit seinem treuen Heergesellen Arnulf von Turvassal; Eustachius Cholet aus Ponrns ") und Hugo von Creona, ein edler Ritter aus Stritten, wurden erschlagen; der Vischoff Radulph von Bethlehem, des Königs Canzler, schwer verwundet. Fast das ganze Gepäck des Christlichen Heeres wurde geplündert ^). A,n Abende sammelte der König Amalrich mit Mühe die Flüchtlinge zu seinem Panier und trat am andern Tage den Rückzug gegen Kahira an, mit langsamen Schritte im Angesichte der Feinde unter den von ihnen besetzten Hügeln. Bey der Stadt Monia trafen auch die Scharen des Ritters Gerhard von Pagi und des Emirs Mahada mit dem Könige zusammen; dort wurde auch das Fußvolk erwartet, welches erst 64 ) Diese Kriegslist erzählt ausführlich Abulfaradsch in der syrischen Chronik S. 357 wahrscheinlich nach Ebn al-Athir, aus welchem seine ganze Erzählung über diesen zweyten Zug des Emir Schirkuh genommen zu seyn scheint. Auch De Eiuignss (hier, äes IIuns a. a. O.) und Marin (hist, äe 8 il. I. S. ISA) benutzten diesen Arabischen Schriftsteller und erzählen ganz gleichlautend mit Abul- faradsch von dieser Schlacht. Es ist auffallend, daß auch nach der Niederlage die Kreuzfahrer von dieser Kriegslist nichts merkten. Denn Wilhelm von TyruS erzählt ganz treuherzig, dag es dem König Amalrich zwar gelungen sey, die mittlere von Schirkuh geführte Schlachtordnung des Türkischen Heeres zurückzuwerfen, dag aber durch die Feigheit der Schar des Hugo von Cäsaren , welche gegen Saladin gestritten, der Sieg wieder verloren worden. 6 z) „Rnec-ichius 6 kc>Iet, cie re» ginne I-onti. " 'VVilii. 3'vr. Er gehörte wahrscheinlich zu den Turko- pulen. 66 ) »noexe xrselinm et nunc ii, nunc illi kcb»nr suxc- riore», igneri gniä elihi egcrelur. l-tri^ue itlibi rexul »nt >e vierorc». ro8 Geschichte der Kreuzjage. Buch IV. Kap. II. 3-Chr. nach drey Tagen ankam. Hierauf lagerten sich die Christen wieder an ihrer Schiffbrücke bey Kahira, und nach ange- stelltet Heerschau wurde gefunden, daß hundert Ritter in der Schlacht bey Dabein gefallen waren. Schirkuh, getreu seinem Plane, die Christen durch stete Märsche zu ermüden, zog aus Oberägypten am Rande der Lybischen Wüste eiligst gegen Alexandrien, und diese wichtige und reiche Stadt kam ohne Schwertstreich in seine Gewalt Der König Amalrich säumte auch jetzt nicht, den Feinden zu folgen. Er lagerte sich mit seinem kleinen Heere am Canal von Alexandrien bey Damanhur ^), und ließ das Land und die Wüste, von welcher Alexandrien umgeben ist, fleißig durchstreifen; und auch die Schiffe folgten ihm dahin und besetzten den Canal. Kaum waren einen Monat lang die Straßen nach Alexandrien gehemmt gewesen; so entstanden in dieser volkreichen Stadt, welche nur aus dem übrigen Lande von Aegypten, und vornehmlich vermittelst jenes Canals mit Lebensmitteln versorgt wird^), Mangel und Hungersnoth. »libi vimoe." Willi. Ixr. Der Sieg war doch nicht so unentschie- ten, wie nicht nur auS der Erzählung der morgenländischen Schriftsteller (s> besonder- Abulfaradsch a. a. O.) sondern auch aus dem eigenen Berichte des Wilhelm von Tyrus sich ergibt. 67) „6ul xrorinns ebstexuc." Willi. Vxr. I. v. Forskal rechnete die Entfernung der Stadt Damanhur von Alexandrien für den dritten Theil des Weges von Äahira nach Alexandrien. S. Hartmanns Erdbeschreibung von Aegypten S. ?iz. 7 °Z. Die Charte von Njedex- ägypten bey Denon dagegen (l?I. 7) bestätigt ziemlich die Angabe des Erz- bischoffS Wilhelm. 6g) „Ll-xraciria ex se alimento- runi non liLbet ooxiLm, neo Irn» gnm gnipplem, nisi gnLntnm Libi ex snxcrioribn! pLrtidns ^egz-xki navigio nrinistr-ttnr." Willi. I > r. I. c. (Dgl. 0. 27) ,/Diese durch eine Wüste isolirte Stadt wird von den Aegyptcrn fast wie eine fremde Stadt betrachtet; man kann alles cultioirte Land Aegyptens besitzen / ohne dieser Stadt zu bedürfen, die auf ihrer Seite ohne das Wasser »es NilS und die Lebensmittel Aegyptens nur schwerlich bestehen könnte." Reynicr über Aegypten nach der Schlacht bey He- liopollS (deutsche Uebexs. Berlin »gv». S-) S. »r. König Amalrich. I0Y Gleichwohl täuschte Schirkuh die Wachsamkeit der Kreuze 2^hr. ritter. Denn nachdem er seinem Neffen Saladin die Behütung von Alexandrien übertragen, kehrte er mit dem übrigen Heere in nächtlichen Märschen, von dem König Amalrich und dessen Ritterschaft unbemerkt, fast -.auf demselben Wege, auf welchem er nach Alexandrien gekommen, war, wieder zurück nachOberägyptcn, drang verwüstend und plündernd vor bis in die Nahe der herrlichen Denkmäler von der Größe und Pracht des alten Theben, und belagerte, wiewohl vergeblich, die noch in ihren Trümmern schöne Stadt Kus im Alterthume Klein-Apollinopolis genannt. Der König Amalrich ließ sich verleiten, auch dieser Bewegung des Kurdischen Emirs zu folgen. Als er aber bey Kahira angekommcn, bewog ihn der Zuspruch eines angesehenen Acgyptischen Emirs, von der unnützen Verfolgung der Türkischen Reiterei) nachzulassen und die Kraft seines Heers auf die Wiedcrcroberung von Alexandrien zu richten Das ganze vereinigte Christlich -Aegyptische Heer lagerte Ma» sich vor den Landthoren von Alexandrien und die Flotte fuhr ^ 7c>) ,,kxsc noctrirnie irinerihus xrr eoiituäioem, xrope tarnen nortram experlitionenr, evsäir in enxerio- res Wpvpti partes.-- Willi. I. e. ,,8iracouns snperiores ^egi'pti i?«raxrat rexiones, pervenieirsgrre rrsgue 6Irus, tentat expugnare oi- vitaiem; viciensgne gnoü. non xro- sivcrcl crc. Ilriü. 0. 2g. Nebcr die kaum eine Tagereise von dem alten Theben entfernte Stadt ÄuS s. v e- non voxgze S. 177. iki, gr>. klüri- sii >kriva cur. Ilarimanir (8oet- -inz. 1798. g.) S. 5i>. 77) Es versichert«/ wie Wilhelm von Tyrus a. a. O. berichtet, dieser Aegyptische Mann, mit Namen Be- necarsclte, er habe unter den vornehmen Einwohnern von Alexandrien viele Wcrwandte, welche sich bemühen würden, diese Stadt wieder in die Gewalt Leü Lhalifen von Aegypten zu bringen, sobald sich vor ihren Thoren das vereinigte Aegyxtisch- Christüchc Heer zeigen würde. Diese Versicherung bewog den König, die Belagerung von Alexandrien zu versuchen. na Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. H. I. §h». »67. auf dem Canal so nahe an die Stadt als möglich. Auch von den in Syrien zurückgebliebenen Christen, als es kund wurde, baß der König die reiche Handelsstadt Alexandrien umlagere, kamen viele auf Schiffen herbey, um nicht ohne Antheil an der erwarteten Beute zu bleiben; selbst der Erzbischoff Friedrich von Tyrus, der aber bald erkrankte und zurückzukehren gcnörhigt war. Von den Mastbäumen der Schiffe und andern« Holzwerke wurde schnell ein großer Bclagerungsrhurm erbaut, und eine große Zahl von Wurfmaschinen. Der Sultan Schaver kam selbst in das Lager und ermunterte sowohl die Streitenden als die Werkmeister der Maschinen durch freygebige Geschenke, und tröstete die Verwundeten durch Belohnungen. Ohne Unterlaß wurde die Stadt beschossen. Am ineisten schmerzte die Alexandriner die von den Kreuzfahrern geübte meistens muthwillige Verwüstung der schönen Gärten, welche ihre Stadt umgaben. Saladin aber und seine Türken beschränkten sich auf bloße Vertheidigung der Mauern, und unternahmen nur selten Ausfälle, weil ihre Zahl gering war und der Deystand der Einwohner, welche als Kaufleute weder den Krieg liebten, noch der Waffen sehr kundig waren, nicht zuverlässig. Zwar wurde Mangel aller Art in Alexandrien fühlbar, und Saladin hielt nur mit Mühe den Pöbel von Alexandrien in Zaum, dessen Ungeduld je heftiger sich äußerte, je seltener und kostbarer die Lebensmittel wurden; aber auch der König Amalrich und seine Ritterschaft wurden der Belagerung müde, welche nicht so rasch zum Ziele führte, als sie erwartet hatten^); und beunruhigende Nachrichten aus Syrien, wo Nurebdin die feste Burg Monairerah bey 72) Die Belagerung dauerte nach nute: Wilhelm von TyruS gibt die der Angabe deS Abulfeda drey Mo- Dauer nicht an. König Amalrich. m Diblus gebrochen hatte, nöthigten den König Amalrich zur baldigen Rückkehr in das Reich Jerusalem Sehr angenehm war daher derChristlrchenRitterschaft der Friedensantrag, welchen Schirkuh, indeß von seinem Zuge nach Oberagypren vor Kahira zurückgckommen und unterrichtet von der bedrängten Lage seines Neffen in Alexandrien, durch die in der Schlacht bey Dabein gefangenen Rittec mach- 1e. Zuerst kam Arnulf von Turvassel, von Herrn Hugo von Cäfarea gesandt, um die Gesinnung der Ritter zu erkundigen und bald hernach, als dieser den König Amalrich sowohl, wie alle übrigen Christlichen Ritter geneigt gefunden, die angebotcncn Bedingungen anzunehmen, erschien Hugo selbst, als Friedensbote von Schirkuh. Hierauf wurde von den Herolden im Christlichen Lager der Friede verkündigt, nach welchem Schirkuh sowohl als die Christen das ganze Aegyptische Land räumen, und die Gefangenen von beyden Seiten ohne Löscgeld zurückgegeben werden sollten. Dann wurde des Königs Panier auf dem Leucht- thurme von Alexandrien aufgcpflanzt und ein freycr Verkehr begann zwischen den Christen und den Einwohnern der Stadt; die Kreuzfahrer gingen frey und ungehindert in Alexandrien umher und betrachteten mit Bewunderung 73) Loliaeä. S. 33. Abulfeda setzt Die Eroberung dieser Burg schon in das Jahr Z6r, erwähnt aber veyrn I. Zü3 zweyer anderer in diesem Jahre von Nurcddin eroberter Burgen Saftth und Oraiba rvosl. S. 602); wenn dieö nicht etwa die oben erwähnten Hohlen find. 74) .^.näiro koo verbo (8iraconi) sienr erat vir xroviäns er äiseretrr», nrnlro sxrnü se litrrLmi- no vvrbz otr^ta evroxvnsAlis, Liost ritilem nostris xLels Inrmsin et te- norein Iveäevis non änditaret: ra- men ne viäeretnr xlns liderraris xro^riae raxi äesiäerio nlili- tLti xndlioLe iioo vei1)ornin rrLOtL- rn. xroviäere, tionestins znüioat xer snam Intention em ixss noi>is xosr- rnoünin lamiliLrirer exxsLnir. 6uü. XIX. 29. 7Z) Ln^er Inrno (turrrrn) vieto- ricre ki§untn» äoinini IVezis verül- luru, eiiKitur. Id. n. zo. CH». rrü7. Aug. -iü7. Iir Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. n. ?.^hr. reiche und ihre .prachtvollen Gebäude. Dann hielt Schauer mit großer Herrlichkeit und Pracht seinen Einzug, übte ein strenges Gericht über diejenigen, welche die Stadt an die Feinde vcrrathcn hatten, und legte den Einwohnern eine schwere Schatzung auf. Saladin aber, nachdem er die Stadt verlassen, kam vertrauensvoll in das Lager der Christen, und blieb bey dem Könige Amalrich, bis er mit seinem Oheim die Rückkehr antrat, mit Achtung von den Christlichen Rittern behandelt und durch eine genügende Wache gegen jeden Ausbruch des Muthwillens oder Fanatismus geschützt Dann zahlte der Sultan Schaver dem Emir Schirknh fünfzig Tausend Goldstücke, und dieser verließ mit seinen furchtbaren Horden das Land Auch den Christen, welche ihn auf seiner Rückkehr nach Kahira begleiteten, bewilligte er wichtige Vortheile in Aegypten Am Tage des heiligen Bernhard zog die Mg. Christliche Ritterschaft, froh und reich an Geld, in Askalon ein ^). 2-^CKr. Schirkuh aber hatte Aegypten verlassen mit dem festen Vorsatze, dieses Landes, dessen Verhältnisse er auf seinen bey- den Heerfahrten auf das Genaueste kennen gelernt hatte, 76) Lgre-cens SalaZinns 26 äoivi- mim Regem girvir-giie iler reüennüuiu ccrrii-u.it, in oastris rmcir- «it, clalo sidi ciiZtoste gui cum >rcc- aiLier Iionerle er lcmerariorum »d co pruxuls-rrcr iiijurias. Id. a. Zi. Alerandrlen wurde nach Abnlfeda von Saladin geräumt am iz Schawal — z August 1-67. 77) Die Summe wird angegeben van Ebn al Athir (ste SuiAices di->r. lies Ruin- a. a. O.) und Abulfaradsch (Llcraii. 8;r. S. 857 ). Schirkuh kam an in OaniaSrus nach Abulfed» am 13 Osuikaadah Züa — 4 Sept. 1167. 73) Wilhelm von Tnrus erwähnt nichts von solchen Vortbcilcn. Nach den morgenländischen Schriftstellern aber blieb nicht allein eine fränkische Besatzung in Kahira zurück, sondern es wurde den Franken eine eigene Obrigkeit (ein Schebnah) daselbst gestattet und dem Könige Amalrich eine jährliche Schatzung von hundert Tausend Goldstücken zugesagt. S. 0 »m- menlat. cie dclivr. cruviccl. 6L dulk Iriet. S. 11 c. 7Y) >VUIr. 7VI. XIX, Zr. König Amalrich. n, sich zu bemächtigen, sobald die Gelegenheit sich darbier 2-^^ ten wüeds^o); djxsx Gelegenheit aber ereignete sich bald, und der Eigennutz des Königs Amalrich und seiner Ritterschaft, und die leichtfertige frevelhafte Worrbrüchiakeir der abend, ländischen Christen iu Syrien erleichterte ihm die Ausführung seiner Pläne. Obwohl der Sultan Schaver die Verbindlichkeiten des Mit den Christen aufgerickketcu Vertrags, wie der redliche Erzbischofs von Tyriis selbst bezeugt, gewissenhaft erfüllte: so suchten doch die Christen Vorwand zum Streite; sie beschuldigten ihn ohne allen Grund, selbst ohne alle Wahrscheinlichkeit, daß er Verbindungen mit Nureddin unterhielte, also gerade seinen furchtbarsten Feiub ohne Unterlaß aufsorderte, ihn von der Knechtschaft der Christen zu l-c- frcycn Der König Amalrich, seine Macht überschätzend, hielt den Zeitpunkt für sehr günstig, wenn auch nicht gerade Aegypten dem Reiche Jerusalem zu unterjochen, doch wenigstens sich mit einer großen Beute zu bereichern, worauf seine beschränkte Habsucht fast allein gerichtet war» Denn bald nach seiner Rückkehr aus Aegypten kam des mächtige Graf Wilhelm von Revers aus Frankreich, begleitet von einer zahlreichen Ritterschaft, nach dem gelobtem sto) Wie Bohaeddin (S. 3») ausdrücklich versichert. leßkUionllm certus Leier ckominrrs krx» kama puklicu xcrsonrni, ot üieinrr, tzooä L.ursr Lntl-nn.,5 IcAshiolr«?-. irr eZ--- occll1.lt; imi'Itti.'tdar Lolrricklunr .... Lunr Hui älosnt, xraeäier» oioma Illi5Le «r r. XX. 8. „Nt a)u»t°' verwahrend. C. vorhin Slnm. «r. LZ) Sehr vorsichtig spricht von die- L4) Io. IMooax cicsorixrio terrae e. sen Angelegenheiten Wilhelm von Th- i» t eoni» XU-nii LxinnUoltz (Ovlon. ,us (xx. «), sich immer durch «in »Ssz. «.) S. «i. Zr. Zs. Köiiig Amalrich. n; fertiger -fHeim Andronicus freundliche Aufnahme in Syrien, und der König Amalrrch verlieh ihm die Stadr Very- tus; was dieser sirtenlsse Manu dadurch vergalt, daß er zu großem Acrgcrniß der Christen mit seiner Nichte, dcü Königs Baiduin W-ttws Theodora, welche die Einkünfte von Prolemais als Witthum besaß, einen blutschändcrifcheir Umgang unterhielt und sie dann sogar entführte in das Land der Heiden, zuerst nach Damaskus uns dann nach Bagdad "i. Der Kaiser Manuel ging in die Anträge des Königs von Jerusalem zu einer gemeinschaftlichen Unternehmung gegen Aegypren mit großer Bereitwilligkeit ein, zu großer Unzufriedenheit seiner Unterthanen, welchen jede andere Unternehmung viel dringender nothwcndig für die Wohlfahrt des Reiches schien Und wie mochte Manuel sich überreden, daß die Kreuzfahrer redlich dafür streiten würden, dem Kaiser der Griechen, welcher so oft die Wallbrüder hintcrgangen, die Herrschaft über Aegypten zu verschaffen. Zwei) kaiserliche Botschafter, Graf Alexander von 85) oliinem. ji. Ig6. Llioet. x. yr. gz. 'VVilir. 'r^r. XX. 2. Iwr. Alexia I. etc. gesr. MN. IV. p>. Zyy. gä) Sehr bitter wird von NicciaS (S. iO2) die unzeitigc Ruhmsucht deck Keilers «x-e-^oe) , weiche ihn bewöge», die Eroberung von Aegypten zu versuche», geradelt. CinnamuS (S. 162) berichtet, der Kaiser sey zu dieser Unternehmung Lurch die Meinung, das? Aegypten nicht bedeutenden Widerstand leisten würde, vermocht worden; einer Ans, forderung des König« von Jerusalem erwähnt er nicht. CinnamuS (S. 1Ü2) eignet ebenfalls dem Kaiser Manuel Vie Erfindung diese- Plans zu, und führt aus dem mit dem Könige von Jcruialem geschlossenen Venragc die Bedingung an, dag Aegypten zu gleichen Thcilen zwischen den Römern und Palästinern geihcttl werden solle (s. unken Anm. irg). Wilhelm von Tyrus, weicher auch hier wieder sehr vorstchlig stch nusdrückt, findet eS wahrscheinlicher, dafi Ser erste Antrag zu dem Bündnisse mit dem griechischen Kaiser von dem Könige von Jerusalem gemacht worden lXX. 4) - ,,Snnr nniinnllr gni rlionnr, gno,t rnper eoäem luolo xrin» Inerar (Im- xeraror) a fiomiuo lieg« yer nn». oioe er Ircgnvnres epirlolas »olUeim- I.ru>, guacl veiierrawiit» esl," H - i. Cbr. nöü. I. Cür lwg' ,16 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. II/ Gravina und Michael von Hydrunt erschienen in Jerusalem, um mir dem Könige die Bedingungen des Vertrags zu verabreden, und der treffliche Geschichtschreiber des Königreichs Jerusalem, der nachmalige Erzbischofs Wilhelm von Lyrus, damaliger Archidiaconus dieser Kirche, begleitete sie ans ihrer Rückkehr, um im Namen des Königs von Jerusalem den Vertrag zu vollziehen und den erforderlichen Eid z» leisten. Der königliche Gesandte traf zwar den Kaiser nicht zu Constaittinopel, aber auf der Rückkehr von einer Heerfahrt gegen die Servier bey Butella in der Provinz Pelago« nien, unfern von dem Geburtsorte des Kaisers Justi- nian wo von beyden Seiten der Vertrag bekräftigt ward, den die syrischen Christen so wenig geneigt waren zu halten. Den König Amalrich aber ließ seine Habsucht und Giernach Deute nicht erwarten, bis derKaiscrManuel ihm den versprochenen Deysiand zu leisten im Stande war; sondern er begann unmittelbar nach der Rückkehr seines Gesandten noch im Herbste dieses Jahres den Krieg gegen Schauer, so ungünstig auch damals dieUmstände waren. Denn sehr viele der angesehensten Ritter des Reichs mißbilligten den treulosen Frieoensbrnch gegen den Aegyptrschen Sultan, und erwarteten mit Recht von dieser Unternehmung nichts als Nachtheil und Schaden. Der ganze Templerorden sagte sich davon los, nicht weniger aus Eifersucht gegen die Hospitaliter, da deren Großmeister als der Anstifter der Unternehmung betrachtet wurde, als aus Abscheu gegen die Wort- Korea in provinoi» kelsxonia, in xarriLin, tlonriai LrirrüiiLnr oivr- oivüsre HNLe öieitnr Lntel- tarein, viäelieet InanniLNLM prl- 1a, oeenrrirmLs, Zuxia Mrun Lnri- ruam» ynrre vulKv koäie Mclrnr HNL» er itomüü LeUnesüur et in- ^vreckr." T/r. 1. c. König Amalrich. l'7 brüchigkeit, wodurch die Christen in den Augen ihrer Glaus ^Thr. bensbrüder nicht minder, als der Heiden, sich zuschanden im Begriff standen Der König und die Rttrer, welche seinem Aufgebot gehorchten, brachen in Aegypten ein, nicht als eine dem Dienste des Heilandes geweihte Schar, sondern als eine Raubcrhorde, erstürmten nach dreytägiger Deren» nung die Stadt Belbcis, nahmen dort den Neffen und a No», einen der Söhne des Sultans Schaver, welcher zuvor mit ihnen gegen Schirkuh gestritten hatte, gefangen, plünderten, verwüsteten und verbrannten die Stadt auf die unbändigste Weise, und würgten, keines Alters und Geschlechts schos nend 22). Hierauf zog diese Räuberschar weiter gegen Kahira. Hatte sie ihren Vortheil vollkommen zu ermessen verstanden, so hätte sie den Schrecke» benutzt, denihrnns erwarteter Einbruch in Aegypten und die schreckliche Vers Wüstung von Pelusium verbreitet hatte; und ein schnelles Vorrücken gegen Kahira hätte auch diese Stadt vielleicht ohne bedeutenden Widerstand in ihre Gewalt gebracht °°). Aber ihre kurzsichtige Habsucht selbst brachte sie um allen Gewinn. Denn nur sehr langsam rückten sie vor gegen Kahira, nur bas Gebot des Geldes erwartend, womit Schaver seinen Sohn und Neffen lösen, und die Plünderung der Haupts 8i>) ».S'rrrrc» militiae Temxli ei- ä-m sc snlicilicentc» kacto, aut guia vis contra coiiecieutiam suani vicie- datur, attt «zuia maxister aemuiav üomuz dujus rei auctor er xriucex» viNeiiarur, vires xeuittl» miitistra- re aut rexcm »agui nogaverunt." VUit. V,r. XX. g. «§) Mit einem edeln Abscheu spricht der Erzbischoff Wilhelm (XX. ü) über diese frevelhaft« Verwüstung un- Plündcrung von Pelusium. Der Tag der Einnahme dieser unglücklichen Stadt war nach Wilhelm von Tyru- m dion. Kovemvr. am 3 November riög, waS genau zusammenirifft mit dem r Safer Z64, den Bbulfeda (S. Sog) angibt. Niemals biS zu unsern Tagen bat übrigens diese Stadt sich wieder aus ihren Trümmern erhoben. yo) Einige derer, welche dieser frevelhaften Heerfahrt begwohnten, waren auch dieser Meinung, wie Wt!> Helm von TvrnS bezeugt (XX. 7!. n 8 Geschichte der Krcuzzüge. D u ch IV. Kap. II. z. TKr. stadt abwenden würde; und cs geschähe auch wirklich cinsol- chcs Geber sogar über ihre Erwartung^'). Aber sie m.erkren nicht, daß der Sultan mit Anerbietungen nur Zeit zu gewinnen trachtete, und ahndeten nicht das Uiigcwitter, das wider sie sich vorbereitete. Aber bange Ahndungen bemächtigten sich des Königs von Jerusalem und seiner Ritterschaft, als sie am zehnten Lage nach der Erbrechung von Bclbcis, der Stadt Kahira sich nähernd, die Rauchsäule und die Flammen erblickten, welche aus der alten Stadt Mior, Kahira gegenüber, empor stiegen. Denn der Sultan Schaber hatte aus dieser offenen und unhaltbaren Stadt alle Einwohner nach Kahira fübrea und die öden Häuser anzünden lassen, damit die Christen sich nicht ihrer bemächtigen und daraus der Hauptstadt Schaden zufügen möchten Viele waren auch damals der Meinung, die Stadt Kahira ohne Verzug und mit aller Gewalt zu bcreunen. Aber dcrKönig Amalrich, und mit ihm der leichtfertige Milo von Planer, bestand auf der Fortsetzung der Unterhandlungen mit Schavcr, besonders in der Rücksicht, daß die Plünderung von Kahira, falls die Eroberung der Stadt gelänge, zwar die einzelnen Ritter und Kämpfer bereichern, dem Könige aber nicht so vorrheilhaft scyn würde, als eine ansehnliche mit Unterhandlungen dem Sultan Schaber ab- gexreßte Geldsumme Der König von Jerusalem ließ yr) Schavcr bot »ach Wilhelm von Lyrua ! ch I V. K a p. II. türkischen Fürsten, das sind die Haare meiner Weiber, welche um eure Hülfe flehn ^). Nureddin saumre nicht, schnell ein Heer auszuruffenmüt viel größer» Anstrengungen, als zu den vvngen Aegypnschen Zügen. Schirkuh empfing, außer der vollständigsten Ausstattung seines Heers mit Walsen und jedem Dedürfmß, zweimal hundert Tausend Byzanricn, und sein Neffe Saladin begleitete ihn, jedoch mit großem Widerwillen; denn ihn schreckte das Andenken an die harten Mühseligkeiten und Entbehrungen, welche er in Alexandrien ertragen^). Jedem Reiter dieses Heers gab Nureddin zwanzig Byzantien. Das Heer bestand aus den trefflichsten Truppen; außer sechs Tausend tapfern und in manchen Kämpfen bewährten Turkomanen noch zwey Taus send Reitern, welche aus der Leibwache des Athabek ansges wählt waren, geführt von den erfahrensten und trefflichsten Emirs, alten-Waffengefahrten des Athabek. Aber in ganz anderer Absicht führte Schirkuh dieses Heer nach Aegypten, gA) eLdulkeä. S. 6in. lrlarin Nick, tte 8»Imtin 1.147 (wahrscheinlich »ach Ebn al-Albir) S. lg,sch. d. Kreuzz. Th. II. S. S6. Aum. 10. yS) Vohaeddiu (S. 35) und Abul. seda erinnern beyde, Indem sie den Widerwillen SalahcddinS, seinen O- beim nach Aegypten zu begleiten, erzählen , an den Spruch des Korans: „Öftmals. was ihr verschmäht, dient euch zum Auye», und was ihr gern babr, isi euch zum Schaden." Adul- ssda führt (S. big) darüber aus Ebn al- Akhir folgende eigene Acuhcrung Saiadiusan: „Als Nitreddln mir gebot nach Aegypten zu ziehen mit meinem Ohcim, nachdem auch Schirkuh in feiner Gegenwart mir bereits gesagt hatte: wohlan, Joseph, rüsie dich zur Fahrt: so antwortete ich: bey Gott, wenn du mir das Reich von Aegypten schenken wolltest, so zöge ich nicht hin denn ich habe in Alceandrien ausgetiande», was ich in meinem Leben nicht vergessen werde. Schirkuh adcr sprach zum Nuc- eddin: es kann doch nicht anders seyn, als dag er mich begleite. Worauf Nureddin seinen Befehl erneuerte, ich aber bey meiner Weigerung blieb. Als gleichwohl Nureddin bey seinem Wille» behacrte, so entschuldigte Ich mich mit der Beschränktheit meines Vermögens. Da gab mir Nureddin alles, was ich zur Ausrüstung bedurfte, aber cg war mir, «US ginge ich zum rode." König Amalrich. als um dem Sultan Schauer beyzustehen Wider die Ritter Z,^sr. schaft des Kreuzes. Sobald der König Amalrich die sichere Kunde erhielt von der Annäherung des Schirkuh, so zog er sich eiligst mit seinem Heere nach Beweis zurück; von dort unternahm-4 Der. er zwar mit dem größten Theile seines Heers einen Zug in die Wüste, um den Kampf mit Schirkuh zu verso« chen, vernahm aber bald, wie Schirkuh schon auf anderm Wege vorbeygezogen und dessen Heer so zahlreich wäre, daß es thörichte Vermessenheit seyn würde, mit ihm den Kampfzu wagen. Worauf beschlossen ward, auch Pclnsium zu rau, men "). Also kamen der König Amalrich und seine Ritter, schaft beschämt und mit getauschten Hoffnungen von dieser Näuberfahrt heim. Ihre Kurzsichtigkeit hatte sie nicht die verderblichen Folgen dieses frevelhaften Unternehmens ahnden lassen, so sehr es auch begreiflich war, baß ihr Vortheil es erheischte, den Fall der Chalifen in Aegypten zu bindern, und deswe, gen Bündniß und Freundschaft mit ihnen redlich und treu zu erhalten, zumal nach dem Falle des Reichs von Damas« cus, welcher ein lehrreiches Beyspiel für die Kreuzfahrer hätte seyn sollen. Nunmehr war der Chalife von Aegypten und seine ganze Macht in die Hände Schirkuh's gegeben. Und wer konnte den Türken es verargen, wenn sie ein wich, tiges Land an sich zu bringen trachteten, welches seine Be, Herrscher nicht mehr zu verteidigen vermochten, und nach dessen Besitze auch die Christen so offenbar trachteten ^). 97) ,,OciLvo Xsl. lsnimris, Liri- coiio «vvisnr in LOlNttäiitvin (llex) rxil." "Will». 1 >r. XX io. 9«) ,,XIte>s post Xsl. lau. äie, orälusti» »xminidits, reOellllLi iu Sz-rism irer sriixirint." II>iä. yy) Bvdaeddiii S 3Z. „Siesoer- lex,ten alle Verträge ... auS Begierde »sch dem Besitze diese- Ean« ded." r:r Geschichte der Krenzzügc. Buch IV. Kap. II. 2. Cbr, Den Türken konnte cs so wenig unbekannt seyn, als den Ilüg. Christen, daß von dem Besitze von Aegypten auch die Herrschaft in Syrien abbieng. Um den Vorwand, die Macht des Aegyptischcn Cha- lifcn zu stürzen, waren Schirkuh und sein Neffe Saladin nicht lange verlegen. Zwar wurden sie, als sie bey Kahira ankamen, mir allen Ehren empfangen, und ihre Truppen "üy.' bestens versorgr und reichlich beschenkt; Schirkuh selbst erhielt von dem Chaliftn Aded, da er ihn begrüßte, nicht nur ein kostbares Ehrenkleid, sondern auch andere herrliche Geschenke '°°). Der Sultan Schavcr erschien, umgeben von seinem Hofstaate und seiner Leibwache und mit blasenden Trompetern, täglich in dem Türkischen Lager und pflog Unterhandlungen mir dem Emir Schirknh '°*). Aber bald wurde die Anschuldigung laut, der Sultan wolle nicht nur den Verbindlichkeiten sich entziehn, welche er gegen Nuced- din übernommen, und den Emir Schirkuh durch schlaue Unterhandlungen Hinhalten, bis sich die Gelegenheit darr Licte, seiner los zu werden, wie zuvor des Königs von Jerusalem; sondern er sey sogar mit dem boshaften Plan umgegangcn, alle Emire des Türkischen Heers bey einem Gastgebvtc ermorden zu lassen, welchen ihm sein Sohn Kamel nur mit Mühe ausgeredcr Die kurdischen Emire untersuchten nicht lange den Grund dieser Anschuldigungen; Saladin und der Emir Azcddin Dschordik übernahmen die Bestrafung des Sulu 102) Nbmfcda 1 - 0. S. 608. Schic- ku!, erschien zum ersten Mn! cor dcm Lchnlifen nm g Nni'i ac-achnr Lvg — q 2m>. IO!) „oigceaieinrrur -ui en 17! b.iNür Soiarrrrr« in ^uoliriie mim luuliL giori» er irurximu coiuwau." V'NIr. I'z'r. XX. II. ,/Schnvcr knm von Zeir zu Zcii zu Asndeddin (Schir- ku!>), noch der Weise der Wezirc vou Siegypren in grostem Zuge mir Pnu- ken, Lrvmxercn und rjustnen." Bo- haeddin S. ? 4 - 101-) Adulfeda S. üro. König Amalrich. ir; tans, so wenig auch anfangs Schirkuh den Ungestüm der Emirs billigte Sie benutzten aber zur Ausführung ihres Plans die Wallfahrt ihres Feldherr» zu dem Grabe eines musel- männischenHeiligen '°^), während welcher Schavcr nach seiner Gewohnheit in das Türkische Lager kam, um den Emir zu begrüßen; Saladin imv sein Mitverschworner gingen mit einer hinlänglichen Zahl Bewaffneter dem Sultan entgegen, als ob sie von der Abwesenheit des Emirs ihn unterrichten wollten; als sie aber sich ihm genähert, so sprang plötzlich Saladin auf Schaver und warf ihn von seinem Rosse; worauf das ganze Gefolge der feigen Aegyptier die Flucht nahm. Als auf solche Weise der Sultan in ihrer Gewalt war, gaben sie dem Emir Schirkuh davon Nachricht, und erhielten, wie sie erwartet, Billigung und Lob ihrer That. Der Chalife Aded aber, als er die treulose Gefangennch- mung des Sultans vernahm, war knechtisch genug - zuvorkommend selbst dessen Hinrichtung zu fordern, und, als ihm der Kopf Schavers gebracht worden den Emir Schirr kuh zu seinem Vezir zu ernennen, durch eilte Urkunde in so ehrenvollen Ausdrücken, wie noch niemals von einem Cha- lifen von Aegypten ein Vezir empfangen Auch bjx Söhne des unglücklichen Schavcrl verschwanden, so daß niemals wieder von ihnen etwas gehört wurde 12Z) „Salaheddin Juscf und ?lzed- rin Dschvrdik und andere Emire, als sie mit einander beschlossen, den Schaver aus dem Wege zu räumen, tha- ten ihren Plan dem Schirkuh kund - er aber unlsrsagte cS ihnen." lä. S. ÜI2> 104) Ist. I. a. 105) Bvhacddi» S. S4. Abulseda I. c. Der Tag, an welchem Schir- kllh Vezir von Äegyvlen wurde, war nach Bohaeddin i? Nabi al-achar Lüg — r? Jan. nky. 124 ) Abulseda thcilt diese Urkunde zum Theil mit. Stuf der Rückseite hatre der Chaiife mit eigener Hand geschrieben: „Dies ist eine Urkunde, wie »och kein Vezir erhalten" u. s. w. 107) „Kamel, der Sohn des Schaver, begab sich nach der Ermordung seine» Vater» in die Durg de» L«a> ü. Chc. iiöy. ,7 Jan. rrq. Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. II. Schirkuh selbst genoß dieser Gewalt nicht länger als zwey Monate. Nach seinem Tode bewarben sich zwar mehrere erfabrne und tapfere Emirs seines Heers um seine Würde und Gewalt; der Chalife Aded aber zog es vor, den jugendlichen Saladin zum Vezir zu ernennen, und verlieh ihm den Ehrennamen Malck annaser, d. i. der hülfreiche König, und Saladin behauptete sich in solcher Gewalt durch Klugheit und Vorsicht, uns gewann durch Freygebigkeit und Freundlichkeit, und durch die beredte und kluge Vermittlung seines Freundes, des Fakih Jsa, selbst die meisten der Emirs, welche anfangs über die ihnen als altern und versuchtcrn Kriegern widerfahrne Zurücksetzung ihren Verdruß und Unwillen nicht zurückhicltcn Seil dieser Zeit war Saladin Herr von Aegypten, er herrschte durch den Chalifen über das ganze Land und zögerte auch nicht, alle diejenigen aus dem Wege zu räumen, welchen es irgend möglich war, wider seine Gewalt sich aufzulchnen Die laute Freude der Muselmänner über diesen Gewinn, welchen sie den Christen entrissen, verwundete die rrfen, was sein letztes Beginnen war." Abulfeda a. a. O. „haoä viäentes ejus lNii cir.iris eynig Ln Maliers 5« rccipiurir» anke Oall- xliLm oousrerriLii er xeaidus ^rro- volnri xro vLra suxxrlivkinr. ille äLcrirur re8i)onäi?se, ea von» äirione äs vira. » si ni- d.i1 ooanlie cuun l'iirci.'iniolLrenturr /ovmsiQ strtti /2 via- er.ire11 oä uiräieirk 6 u L i ^ li .1. rnrum^ne jussir ßlräio Lii.rerLre i'xr. 1. e. Diese Erzählung hat wohl weillg Wahrscheinlichkeit. roü) Abulfeda S- 620. Der Emir Vineddaulaü Iaruk war der einzige, welcher Aegypten verließ und zu Nur« eddin zurückkehrte. Zum Theil auf diese Verhältnisse bezieht sich ohne Zweifel, waS Wilhelm von Tyrus (XX. is), alS nach dem Tode dcö Ehalifen geschehen, berichtet: „IVlor- tiio OuLipiili reßiLin AäLLm er rfie» rrnrros er ennoia LULiis äoivus äesL- äerlriiililr pro lilievo älri^iens Lrdri- trio, crinML ILIrer-tUter riimir irriLL» lisin« eroxavir, Lr-r nr rucer xaueos äies evu.ciiluis vesriLrils, ii-so mn- rit-inu vniQ«»nr ^ruvl ^011- ckcro ee oI)LL§cirer Leris alieni." S. unten Anni. ^9) Abu'feda S- 624. iio) Abulfeda rheilr (S. 614. 616) Stellen a'uö zwey Gedichten mir, in König Amalrich. "5 Gemächer des Königs von Jerusalem und seiner Ritter um J.^hr. desto tiefer, je mehr sie ihrer eignen frevelhaften und unverständigen Beutegier diesen Verlust bcyzumesseu hatten- Die Macht Nureddtns, so lange Saladin sich als seinen Statthalter in Aegypten betrug "'), schien durch die Erwerbung dieses Landes zu einer solchen Höhe gebracht, daß für ihn die Zerstörung der Christlichen Herrschaft in Syrien nicht mehr schwer geachtet wurde. Auch ohne die unermeßlichen Hülfsmittel und Erleichterungen zum Kriege wider die Christen, welche ihm dieses Land darbot, war schon die Herrschaft über das Meer, welche er durch den Besitz von Aegypten gewonnen, den Christen höchst verderblich; kein Pilgerschiff konnte mehr mit Sicherheit zu einem syrischen Hafen gelangen. Das Christliche Land war jetzt von dein Reiche Nureddins eingeschlossen und überall den Einbrüchen der Türken offen. In der Qual banger Erwartung richteten die Christen des heiligen Landes ihre Augen auf die tapfer» Könige und Fürsten der Abendländischen Heimath. Der Patriarch von Jerusalem, der Erzbischoff von Cäsarea und der Bischofs von Ptolemais wurden auserkohren, als Gesandte des Reichs und der Kirche von Jerusalem die Abendländische Christenheit aufzurufen zur Hülfe des bedrängten Landes der welchem die Erhöhung von Sehir- kuh znin Vezir von Aegypten besungen wurde- „Diele Könige, redet Emnd Kateb in seinem Gedichte zu Schirkuh, haben mit grvhcr Anstrengung nicht das Ziel erreicht, wohin du gelangt bist mit gemäßigtem Schritt-" rir) „Salakcddin gründete dadurch anfangs seine Gewalt, dag er sich alSk.den Etatlhgiter NurevdinS betrug. Darum nannte ihn Nureddin In seinen Briefen nicht anders, alS Emir aiaSfabsalar, und setzte in dein Anfänge derselbe» statt seines (voll- siandigeni NamcnS nur seinen Na- mcnSzug. Auch unterschied er ihn In diesen Briefen nicht von den übrigen Emirs, sondern eS hicg: Salaheddin und die Gesammlhcit sollen diese» »der lenes rbu»." Ablilfsda S- Leo- ir6 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. 17. I. Cl,r. rrüy. Verheißung. Aber auf ihrem Thun schien kein Segen zu ruhen; denn in der ersten Nacht, nachdem sie den Hafen verlassen, zerschmetterte schon ein heftiger Sturm ihr Sch-ff. Darum traten an ihre Stelle der Erzbischofs Friedrich von Tyrus und der Bischoff Johann von Paneas. Aber auch die Bemühungen dieser neuen Gesandten waren wenig gesegnet. Der Bischoff von Paneas starb schon zu Paris. Der Erzbischofs von Tyrus reiste zwey Jahre hindurch von einem Hofe zum andern und fand nirgends Gehör; der Kaiser Friedrich Rüthbart war erschöpft vom langen Kriege wider die Städte in Wälschiand und in heftigem Streite mit dem Haupte der Kirche; die Könige von Frankreich »nd England waren wider einander im Kriege begriffen, Heinrich vonEngland selbst in Mißhelligkeiten mit der Kirche durch Thomas Bequer, Erzbischofs von Canterbury, verwickelt; der König Wilhelm von Stellten und die Grafen von Flandern, Troyes, Chartres und andere Fürsten, deren Vorfahren so gern und willig für Christum wider die Heiden gestritten hatten, ließen sich Die Noth des heiligen Landes nicht zu Herzen gehen Ohnehin trauten die Fürsten nicht den Versprechungen der Pullanen, des schändlichen Berkachs gedenkend, welchen diese gegen die letzten Kreuzfahrer geübt hatten , am wenigsten der König Ludwig von Frankreich, welcher selbst ihre tückischeTceulosigkeit erfahren halte. Dieses Mißtrauen wurde leider vollkommen gerechtfertigt durch das Benehmen der syrischen Christen ans der Heerfahrt, welche sie gemeinschaftlich mir den Griechen gegen Aegyprcn unternahmen. Wer hätte vermnthen mögen, daß die Christenselbstin ihrer damaligen bedrängten und gefahrvollen Lage -rvwi. ryi. xx. i§. König AmalrIch. 127 an deyen, welche sie selbst zur Hülfe aufgefordert hatten, Der- J.^br. rather werden konnten zum Vorthcil der Muselmänner! Dem Bündnisse gemäß, welch- s zwischen dem Kaiser 2»l. Manuel und dem Könige Amalrich geschlossen worden, segelte im Sommer dieses Jahres eine Flotte von mehr als zweyhundert Schissen, worunter sechszig wvhleingcrtchtere Frachtschisse, mit einem zahlreichen Heere aus dem Haken von Constantinopel, unter der Führung des Megas Ducas Andronicus Conlostephanus. Der Kaiser Manuel erfüllte dieses Mal mit Redlichkeit seine Verheißungen, wie die Christen selbst anerkannten; der Befehlshaber hatte den gemessensten Befehl, in allem sich nach dem Willen des Königs von Jerusalem zu richten '"). Die syrischen Fürsten er- wicderten aber wenig diese Redlichkeit und Pünktlichkeit. Während die griechische Hauptflvtte an der Küste von Cypern rastete, kam eine Abthcilung derselben an die syrische Küste, sowohl um dem König Amalrich bas Auslaufen der kaiserlichen Flotte zu melden, als auf die Beschleunigung der dorti- tigen Rüstungen zu dringen *"), und die Vorrathe und alles übrige Gepäck und Zeug der Ritterschaft von Jerusalem abzuholen. Aber von den Christen war noch nichts vorbereitet, und der König ließ unter allcrley Entschuldigungen den Befehlshaber der Flotte cinladen, nach Jerusalem zu kommen und seine ganze Flotte in einen syrischen Hafen zu führen, wo sie in Sicherheit die Vollendung seiner Rüstungen abwartcn könnte. Wahrend die griechische Flotte unthätig in dem Hafen von Ptolemais lag, ging die günstigste Zeit verloren; denn nicht nur konnte Saladin mit Muße sich zum Widerstande rüsten, sondern auch die sehr Wie NiccttiS (S> iv?) at;?- -- 4 ) Ni-et. 104. i°a. Die Flouc drücklrch berichtet. lief am s 2uU,ch aus dem Hafca vo» Cmülmitim'pel. 128 Geschichte der Kreuzjüge. Buch IV. Kap. II. kärgliche Ausstattung mit Geld und andern Bedürfnissen, womit der griechische Admiral mir auf drey Monate versehen war, wurde unnütz verschwendet Endlich, im Oktober, nachdem beschlossen worden, die Stadt Damiette gemeinschaftlich zu belagern, sammelte sich das Christliche Heer bey Askalon, wo auch die griechis schm Laudttuppen sich eingefundcn; gemeinschaftlich zogen sie auf dem Wege zu Lande gegen Damiette, während die Flotte aus dem Hafen von Ptolemais eben dahin fuhr. Unglücklicher Weise aber hatte das Meer die Küsten durchbrochen und das Land so sehr überschwemmt, daß das Heer einen »g okr. Umweg von mehr als zehn Rasten machen mußte "°). Erst am neunten Tage erreichte es daher Pharamia, wo schon die Flotte seiner wartete; und von derselben über das Wasser -s ow gebracht, kam es auf dem Wege längs der Meeresküste in zwcy Tagen vor Damiette. HZ) I.inveriinius 8 r»eco.-> etiam in xraeüiero ucgorio non eine lLta Ueieurem so miesuruin lirmiüLime xroinisisset ckamiuns Imxersior, in LL „orte invoietus E 8 t ejus »ernio illis ckad^r," "rvilk. ivr. XX, rß. Dag AndronicuS nur auf dre» Monate mit Geld versehen war, erzählt NicetaS (S. >04) ausdrücklich, und klagt deswegen sehr über die Saumseligkeit des Königs Amalrich. Vom August an waren die drcy Monate gerechnet; und der September näherte sich schon seinem Ende, als An- dronicus noch zu Jerusalem war. S. untcn Anm. 120. iiö) -Will-, 7>r. XX, iz. Es ist in dieser Stelle ein Jrrtbum in der Zeitangabe. Denn es heißt, das Heer von Je« rusalem.sey lckibus Octodris ausgezogen und gleich darauf wird gesagt, cs sei) XVll Oal. Ssxkerndr, von AS- kaion auSgezogen. ES isi aber nach den übrige» Nachrichten nicht zweifelhaft, daß in der zweiten Stelle ktal. dlovemdr. gelesen werden müsse. 117) Also Wilhelm von Tyrus (XX). Nach Einna m u s ,S^ rüg), der nur sehr unvollständige Nachricht von dieser Unternehmung gegen Aegypten König Amalrich. rry Auch vor dieser Stadt geschah alles, was nur 2-^hr. irgend den glücklichen Erfolg der Unternehmung hindern konnte. Anstatt sogleich die Stadt zu bcrennen, welche zum Widerstande ganz ungerüstet war, beschlossen sic ohne Noch, die Ankunst der Flotte zu erwarten, welche durch Widrige Winde zurückgehalten wurde. Als diese nach drey Tagen vor Damiette ankam, aber wegen einer gewaltigen Kette, womit der Nil gesperrt war, den Fluß nicht herauf- Mahren vermochte, so rückte das Heer zwar den Mauern der Stadt näher, schob aber wiederum noch drey Tage die Bcrennung auf. Dadurch gewann Saladin Zeit, vor ihren Äugen, ohne daß sie es zu hindern vermochten, auf dem Strome Truppen in die Stadt zu bringen; also daß eine Ueberrumpelung nicht mehr möglich war, wie zuvor. Eine förmliche Belagerung mußte nunmehr begonnen werden, und dazu hatten weder die Kreuzfahrer noch die Griechen Ausdauer und Mittel, obgleich die Kreuzfahrer selbst gestehen mußten, daß die Anführer des griechischen Heers, so oft Gelegenheit zum Kampfe war, als tapfere Männer stritten, und durch ihr rühmliches Veyspiel auch ihre Truppen zum tapfern Kampfe ermunterten Zwar wurde ein großer Thurm von sieben Stockwerken errichtet und andre Mauer gerückt, und anderes Belagcrungswerkzeug gefertigt; auch fingen sie an die Mauer zu untergraben. Aber kein Werk geschah mit Muth und Vertrauen, oder mir Begciste- gibt, kamen die Griechen früher alS die Lateiner in Aeguxten an, setzten sah in den Besitz von Tennis, von rvo sie mehrere Srreifzüge in das Land unternahmen, und zogen, atS endlich da» Heer von Jerusalem an- gekommen war, vor Damiette, ,, I>osr eoruru lamen nr»xi- »rrarus lVlexsctrroge er rrtil virilerer vaut," lVrrir. H'vr. XX. 17. I l in. Band. 2. 2^ Ehr. nüy. i;o Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. II. rung und dem Willen obzusiegen; darum geschah auch nichts mir Zweckmäßigkeit und nichts war wirksam Der große Thurm wurde gerade an dem Ort aufgestellt, wo nicht nur die Annäherung desselben an die Stadt wegen des Bodens am schwierigsten war, sondern auch die geringste Wirkung erwartet werden konnte,, wegen der Höhe und Festigkeit der Mauer, welche an andern Orten viel niedriger und schwächer war. Daher wurde der Thurm Haid ganz unnütz, als auch die Belagerten innerhalb der Mauer einen eben so hohen Thurm entgegenstclltcn; und die Christen fügten der Stadt keinen andern Schaden zu, als daß sie zur Freude der Heiden eine nahe an der Mauer stehende schöne Kirche, welche der Mutter Gottes 119°! „Xosrii veio (nun instare a- «riu-> ckl-dni^enc, timicke gellckogue ewepernnt onucui mini-arare Hui brauch , oraut er gui iuaurlae «r iicglixvuriac imxutareut." Ick. XX. 16. Nicetas klagt (S- I0Ü) biuer über den König Amalrich, von Len, alles geschehen, um die raschen und zweckmäßigen Anstalten dcS An- dronicno zu hindern. ./Vielleicht, so läßt er den Andrvnicus im KriegS- rarhe der Griechischen Heerführer reden, haben auch jetzt die Aegypter Zau- dermilicl erfunden, welche, wirksamer als die im Alrerrhum, nicht nur Kummer und Traurigkeit stillen, gleich jenem, welches die Lacedämo- uterin (Helena) von der Gattin des Lhonus empfing l sondern selbst kriegerische Männer in feige umwandeln. Einen solchen Becher scheinen die Aegypter dem Könige Amalrich gereicht zu haben, und er, nachdem er ihn bis zur Trunkenheit ausge- reerk, za einem langen Schlafe stch hinqestreckt zu haben .... oder vielleicht hat er, durch Silber bezaubert, seinen Sinn geändert, und hat mit Eoid sich die Ohren verstopfen lassen." Einen sehr unwahrscheinlichen Grund der Unthätigkeit der Kreuzfahrer gibt Cinnamus an (S. iü8). „Zwischen dem Kaiser und den Palästinern war verabredet worden, als sie den gemeinschaftlichen Krieg wider die Aegypter unternahmen, daß, sallS das Land erobert würde, die eine Hälfte den Römern zufallen solle, die andere den Patästinern. AIS nun die Römer zuerst nach Aegypten gekommen waren, so schob der König in böslicher Absicht den Kampf auf, um das Land ohne Mühe an sich zu bringen, wenn die Römer die Gefahren überstandcn hätte»." Doch weiter unren findet Cinnamus selbst eS unwahrscheinlich und meint, der König von Jerusalem sey von den Türken in Damictkc mit Geld erkauft worden, die Römer zu verrathcn. König Amaleich. rzr geweiht war, zerstörten "°). Als bald hernach die Gries chen Mangel an Lebensmitteln litten, also baß sie nur von trocknen Nüssen und Kastanien, einige selbst nur von den weichen Spitzen der Zweige niedcrgchauener Palmen sich nährten"'): theilten nicht nur die Kreuzfahrer ihnen nichts aus ihren Vorräthen mit, sondern trennten selbst ihr Lager von dem Griechischen. Die Türken, solche dargcbotene Dorr thcile nicht unbenutzt lassend, ermüdeten die Griechen durch häufige AusfälleBald rao) Ganz übereinstimmend H'iUi. kkz-r. XX. 16. und Xicer. S. ioü. Der letztere fügt noch hinzu/ dag, nach der Meinung der Eingeborncn Lcü Landes, diese Kirche auf dem Platze gestanden, wo Joseph und Maria mit dem Jesuskinde auf der Flucht nach Aegypten geruhet. isi) „Den Andronicus erbarmte des Heers, welches an Lebensrnitteln Mangel litt und dem Hungcr- tode nahe war. Einige hatten wirklich keinen Obolus, um sich ihre Nahrung zu kaufen-, andere empfanden darüber den heftigsten Unwillen, dag sie, indem sie keinen eignen Markt hatten, von den Leute» deS Königs (von Jerusalems für vieles Geld nur wenige Nahrungsmittel erhielten." Und weiter unten: „Er sah endlich das Heer so weit gebracht durch den Hunger, da« einige zu verbotener Nahrung griffen (d. i. wahrscheinlich die Leichname der Erschlagenen verzehrten), und alle ohne Unterschied von Wurzeln sich nährten und die haarigen Spitzen (rLe der Palmen zur Speise sich zubereiketcn." üicet. S. 107. Wider die sonstige Gewohnheit werden diese Beschuldigungen durch die darauf gelang es ihnen, b-y Erzählung des Wilhelm von TyruS (XX. 17) nicht nur bestätigt, sondern selbst noch verstärkt. „Lcaossiv xraeteic» miserahiie guiststam, guoch omnis lila gnae in olasse vencrrt llraccorum mulrirnäo ranra cocpir alimentornm inopia iadorare er omnino eis xanis nmnidns cicstce- ret.Laeäebalur ast usn« vario, s)-iva palmainm, oastiis oontcrmi- na- üejcvrisgne ast terram ccrca- lim arsioridus in summe» eaium» nnstc rami Irahenr nriginem, 6r.-.eci käme laborantos g,merek>aur guan- äam ccnerituäinem, nnäe ramis liu- mor vivalis astministraeur, esui gnoeiammvlio habilem.... tzui- dnsstam lamen gui non xenitns eianr »Umunia clcstituti, avcilana« passae er siooae castaneao aonrra ia- mi, iiuporruniratcm solaria miui- srrahanr. blssrris autcm xanis er varii generis aiimenrorum non stee- rar snksicienria: Seck oo^itantcs cko orarrino sacculis parocsianr, limcn- res ne si ipsi cibos nun tmdenribu» incantv ciivilir-i»ul, aUijuancko et ipsis ckeliceret.^^ rar) Nicetas erzählt (S. »06) von mehreren Kämpfen, welche die Griechen glücklich wider die Perser be» standen. I 2 I. Ehr. IIÜS. rzL Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. H. xinem starken Südwinde, durch ein brennendes mit Pech, Harz und trocknem Holze angefülltes Fahrzeug, welches sie in der Nacht zwischen die Christliche Flotte durch den Wind treiben ließen, zehn Schiffe zu verbrennen; und die übri- gen rettete nur der König Amalrich durch die Schnelligkeit und Geistesgegenwart, womit er zweckmäßige Maßregeln anordneteZ» eben dieser Zeit verbreitete sich die Kunde von dem Anzuge eines Heers, welches Nureddin zur Unterstützung Saladins sende, und von drohenden Bewes gungen des Athabek gegen mehrere Gegenden des Reichs Jerusalem, besonders gegen die Burg Karat an der Gränze von Arabien. Der gewaltige Regen, welcher zu eben dieser Zeit begann, und selbst alle Vvrräthe zerstörte, indem dagegen die Zelte der Vornehmen so wenig als die Hütten der Geringen Schutz gewährten '^), vollendete die Abneigung gegen die Fortsetzung der Belagerung, und die allgemeine Stimme forderte Frieden und Rückzug. Die Griechen verbrannten, blos auf das Gerücht von dem Abschluß des Vertrags mit den Heiden, ihr Belagerungszeug '"), und allgemein war der Jubel, als nach der Mitte des zweytenMonats der Belagerung »ieHerolde den Frieden ISZ) Dieser Verbrennung der Schiffe und der Bemühungen des Königs Amalrich, wodurch die übrige Flotte gerettet worden, erwähnt nur Wilhelm oon Tyrus XX. 17. 124) v-'ilft. -r/r. I. e. »oz) Nach der Erzählung des Ni- cetas (S. roy) knüpfte ider Köniz Amalrich die Unterhandlungen mit den Türken an ohne Wissen der Griechen , und verkündigte in eigner Person de» Griechen den abgeschlossenen Frieden, oder vielmehr die Bereitwilligkeit der Türken, die Stgdr Damietts dem Kaiser zu übergeben, in demselben Augenblicke,als AndronicuS nach einem glücklichen Gefecht, das die Grieche» ohne die Theilnahme der Lateiner bestanden, im Begriffe war, sich der belagerrcn Stadt zu bemächtigen. Worauf die griechischen Soldaten stch nicht abbatten liegen, ihr Belagerungszeug zu verbrennen. Oer Tag, an welchen, dieses geschah, war der vierte deS Ehristmonars- iLü) Fünfzig Tage dauerte die Belagerung nach Abulseda (rom. HI. S> Lab) und Nicekaü (E- 107). König Amalrtch. »;z verkündigten und ein fteycr Verkehr mit der Stadt begann. Unverzüglich wurde der Rückzug angetreten, mit dem Kittern Gefühle eigner Schuld an dem Mißlingen der Unternehmung. Der Befehlshaber der Griechen begleitete den König Amalrich nach Jerusalem und kehrte von dort zu Lande zurück. Von seinen Schiffen erreichten nur wenige den Hafen von Constantinopel wieder; die meisten zertrümmerte ein heftiger Sturm, bald nachdem sie die Küste von Aegypten verlassen hatten Bange Ahnungen mußten sich der Gemüther aller einsichtsvollen Männer unter den Christen bemächtigen, welche die Lage des Christlichen Reichs in Syrien richtig zu würdigen verstanden. Die Furcht vor der Tapferkeit der Ritter, welche ehemals mitten unter mächtigen Reichen und zahlreichen kriegerischen Heeren dem Throne von Jerusalem Festigkeit gegeben hatte, war gänzlich verschwunden. Mehr als einmal hatten die Ritter des Kreuzes den Heiden bewiesen, daß die Begierde nach Geld in ihnen mächtiger sey, als das Gefühl der Pflicht, welche ihr heiliges Gelübde ihnen auflegte. Von der Begeisterung der alten Kreuzfahrer war bcy wenigen kaum noch eine schwache Spur vorhanden. Dagegen wuchs die Zuversicht der Heiden täglich durch das Gefühl der Uebermacht; jeder Sieg, den sie gewannen, und jeder Vortheil, welchen sie den Kreuzfahrern entrissen, erwärmte ihre Begeisterung. Das Christliche Reich verdankte unter solchen Umständen seine Fortis?) dliack. I. <7. Oinnom. I. a. Willi. XX. 18. Der erste Vieser Schriftsteller versichert Invest, dag Saladin durch eine Gesandtschaft, Geschenks und die Abtretung der von dem Kaiser geforderten Schätzung sich den Frieden mit dem römischen Reiche zu sichern gesucht habe. Was auch wohl geschehen scyn mag. Am L>o December (XII. Ost. Ion ) kamen nach Wilhelm von Tyruü die Kreuz- fahret wieder in ASkalon an. I. Chr. iiby. Decbr. r;4 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. II. dauer mehr dem inner» Unfrieden unter den Heiden, als der eignen Kraft der Christen. Cr-beb. Die Waffenruhe in Syrien, welche verschiedene Heer- rüge Nureddins in die Länder am Euphrat und nach Klein- Phoni- cicn- asten den Christen verliehen hatten, wurde durch ein schreckliches Unglück verlängert, welches sie wohl als die Strafe Gottes für ihre Treulosigkeit und Wortbrüchigkeit hatten betrachten mögen, wenn es nicht das Land der Heiden eben so wohl als das Christliche betroffen hätte. Schreckliche Erdbeben erschütterten zuerst im Junius, bann während der drey folgenden Monate die Länder von Syrien und Phönicien; kein Tag verging ohne mehrmalige furchtbare Erderschütterungen Antiochien wurde fast gänzlich zerstört, die Mauern und Thürme fielen ein, und selbst die Kirchen wurden so beschädigt, daß viele Jahre erfordert wurden, um -s Im,, sie wieder herznstellen ' ^). Die Stadt Tripolis wurde mit solcher Heftigkeit zertrümmert, daß nur sehr wenige ihrer Einwohner ihr Leben aus den zusammenstürzenden Häusern retteten Gabulim und Ladicea sanken in Trümmern. Eine zahllose Menge von Menschen fand überall den Tod in dem Sturze der Hauser Zu Tyrus wurden einige I2g) „ll-rrbrrs aut quatuor meirsr- du8 vel etlaur «o snrgliris rer aur INOtrisille laru sormiclLbilis." ^Vilir rxr. XX. 19. Auch die Morgenlän- dischen Schriftsteller erzählen von diesem Erdbeben. III. 628. Doii. S. 3b. LbuNar. Nisr. llzrii. S. ZÜ 3 . 354 - -Ly) Also Wilhelm von Tyrus. Etwa- genauer Abulfaradsch: „Die große Kirche der Griechen in Antiochien stürzte ein und der Altar in der lateinischen Kirche des heil, Cosinus... Zn Antiochien wurden drev Kirchen unS erhalte,,/ unserer lieben Jungfrau, des heil. Georg und deS heil. Barfumas." gut rictra eins amditum rezrerri srinr, L^lutis vir xateret." 'WNU. >31) Doch ist es wohl nur rednerische Ucbertreibung, wenn Wilhelm von Tyrus sagt: Die Einwohner der Gegenden / welche dieses Unglück iraf. seyen gebracht worden »ä rxiguem I>e,l einer Parasange auS- machcn würde, wenn der Ausdruck streng zu nehmen wäre: wahrscheinlich aber ist in diese Stelle Stadium als ganz gleichbedeutend zu nehmen mit miUmre. Auch Lcvnarlin« llstw- kmrrav. (c. I2g. S. 76s) erwähnt der Erbauung von Darum: „(LalLni- ints) instv (so. a c»ktro laäies) Lts cinas leuaas castium lunstavit I,e- cirvon ln inrroitn Uebr!- gens ist diese Burg wahrscheinlich das jetzt noch vorhandene Eairoll be» der Herberge an der Kränze von Aegypten, welche jetzt Chan JuneS (BuschingS Asien S. 4 -i») Heist. König Amalrich. fünfzig Ritter und zwey Tausend Fußknechte, mit welchen Amalrich von Askalon auszog gen Gaza, wo sich auch die Tempelherren ihm anschlossen, welche die Burg dieser Stadt Dec. bewachten. Es bemächtigte sich dieses kleinen Heers am andern 'S D». Tage, als es von Gaza ausgezogen war und von einer Höhe herab das weirläuftige Lager Saladins erblickte, eine solche Furcht, daß die Scharen auf das gewaltigste sich zusammendrängten und ihnen kaum eine Bewegung möglich war " Die Heiden säumten nicht lange auf das heftig, ste wider sie zu stürmen, die Scharen aber hielten fest zusam, men; allmählich stärkte sich der Muth der Christen und mit beschleunigter Bewegung erreichten sie um die sechste Stunde die bedrohte Burg, und lagerten sich um dieselbe, den Parriar, chen aber mit dem heiligen Kreuze sandten sie in die Veste Für Saladin war aber noch nicht die Zeit gekommen zum ernstlichen Kampfe wider die Christen; es genügte ihm sie zu beunruhigen, und die Tapferkeit seiner Scharen zu üben und durch Beute zu reizen'^). Nach kleinen Gcfechren brach er daher am Abende dieses Tages auf und lagerte sich Igz) „rrae niniia ninlkitustine t»»- rilt «oez-einut re rolilu mecrinsoom- piimere it, nt zn»e tnrdae stenri- rrte vix xorrenr ineestere." WiNi. 1>r. XX. 2l. IZ6) Marin (leist. ste S»I. l. S. i?8), welchem wahrscheinlich Las Bild des Regiments der streitenden Kirche zur Zeit der Ligue vorschwebt, bildet aus dieser einfachen von Wilhelm »on TyruS erzählte» Tüatsache sich folgendes Histörchen: „On vo- z'uii lcr xrerrer et los moines ä olievrl revetn» ünne cnirasse snr les teavil» rzecräotltUL er teniur stans leur« inain, ste» aroix, st«, lLiices ou stör marinier. One xartio ste celre nnlioe s»oree, oc>mni,„stee> x»r le Varriarch» ste SerurLlenr, enrra stan» 1, aitastelle." rh?) Darum gedenkt Abulfeda (S. üzo) dieses ZugS nur mit diesen wenigen Worten: „In diesem Jahre (»66) zog Salahcddin ai:S von Misr und verheerte das Land der Franken bey ASlalon und Namlah; dann kehrte er nach MiSr zurück." Bo- baeddin erwähnt dieses Zugs gar nicht. r;8 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. II. s an dem Bache, welcher durch dieses Land in das Meer so Dec, fließt aber in der Frühe des andern Tages standen seine Scharen vor Gaza. Diese erst von Balduin dem dritten wieder gebaute Stadt war zwar durch eine wohl befestigte Burg geschützt, ihre Mauern aber waren schwach und unhaltbar. Darum wollten die Einwohner, des Krieges ganz unkundige Ackerleute, die Stadt verlassen, und sich selbst mit allen ihren Weibern und Kindern und aller der weglichen Habe in die Burg flüchten. Der ungestüme und leichtfertige Ritter Milo von Planet aber, welcher als der Hauptanstifter alles auf der letzten Aegyptischen Heerfahrt über die Christen gekommenen Unheils betrachtet wurde, war auch in Gaza den Christen verderblich. Denn ohne die Mittel zur Verthcidigung der Stadt zu besitzen, zwang er mit Gewalt die armen Einwohner in der Stadt zu bleiben. Auch vermochte er fünf und sechzig Männer aus Macomeria, einem Weiler bey Jerusalem, welche dem Könige nachzogen und in Gaza übernachtet hatten, die Verthcidigung eines Thors zu übernehmen. Bald aber drangen die Heiden in die von andern Seiten weniger vertheidigte Stadt ein, erwürgten jene fünf und sechzig tapfere Streiter, und richteten ein schreckliches Blutbad an unter den Einwohnern, welchen auch nach dem Eindringen der Heiden in die Stadt die Flucht in die Burg unbarmherzig gewehrt wurde. Dann verließ Saladin wieder die verödete Stadt und wandte sich gegen Darum, wo er sein Heer in zwey Theile sonderre, wovon der eine längs dem Meere, der andere landeinwärts nach Aegypten zurückkehrte. Worauf auch der Kömg Amalk rich, nachdem er die Ausbesserung der durch die Berennung beschädigten Veste Darum ungeordnet, seine Scharen zurück- führte in das Reich. izL) „Vorreos lä. XX. so. König Amalrich, »ZS Kaum waren aber die Christen in ihre Hcimath, s»2->hr. erscholl die Nachricht, daß Saladin die Stadt Ailah am Ende rothen Meere, welche bis dahin die Christen besaßen, plötzlich zu Wasser und zu Lande überfallen, und nach kurzem Widerstande bezwungen habe'"). Diese Begebenheiten erweckten in dem Könige von Jerusalem und seiner Ritterschaft große Bestürzung. Denn sie bemerkten wohl, in der Raschheit dieser Unternehmungen und der Klugheit, womit sie ausgeführt wurden, daß in dem jugendlichen Saladin sich ein viel furchtbarerer Feind wider sie erhebe, als alle diejenigen, wider welche sie bisher gestritten. JhreBesorgnisse wurden noch ängstlicher, als wenige Monate nach derBezwingung vonAilah der ChalifcAdcd von Aegypten plötzlich starb, nach dem allgemeinen Gerüchte, welches unter den Christen verbreitet war, von Saladin erschlagen "°), und dieser sich zum Herrn von Aegypten machte, IZY) Abulfeda a. 0. O. Wilhelm von Tyrus erwähnt dieses Verlustes gar nicht, welcher den Christen doch wichtig seyn mußte, da sie dadurch die Verbindung mit dem ro- then Meere und also die trefflichste Gelegenheit zum Gewinn, wenn auch nicht Lurch eignen Handel, Loch durch Beraubung der handelnden Muselmänner und zur Störung des Verkehrs der Saracenen einbüßten. Ailah, zu den Zeiten des Hebräischen Reichs Elath, liegt bekanntlich größ- tentheils in Trümmer», und heißt jetzt Akabah. S. Büschings Asien 8-üoi. L. 2Z8. I4o) ,, bi in xrimis ausxioiis „II xrinoi^atus aff Lalixbam stominum »lium, nt soliram iili exltilunet re- vcrentiem, inxresbtts ciav», gltLM gestsbat in manibns, stioitnr enn, sst torram xrostratnm oooistisso omnenrgne ejus glastio transverbe- rasso 1 >rogc„ioni, „t ast nuiinm sn- xetioieu, itabens resiieemm ix>se sibi et tDaiii-iia et Solstanns esset/' -VViiil. l^ r. XX. 12 . Dieser Schrist- sicucr stellt also die Vernichtung der Alidischen Dynastie in Aegypten alleine der ersten Handlungen SaladinS nach seines Oheims Schirkuh Tode vor. Er setzt Liese Begebenheit der Zeit nach vor die Belagerung von-Damiette durch die Griechen und Kreuzfahrer, und alle darauf folgende Ereignisse', was nach den in der Chronologie genauem morgenländischen Schriftstellern durchaus falsch ist. Ueberhaupt ist die Zeitbestimmung der meisten folgenden Begebenheiten der Regierung des Königs Atualrich bey Wilhelm 14» Geschichte der Krcuzzüge. Buch IV. Kap. II. 2,Ar. der Macht Nureddins trotzend mit so vieler Schlauheit als Kraft. Eben so behutsam hatte Saladin den Sturz der Herrschaft der Chalifen, aus dem Geschlechts M's, vorbereitet, als seine weitern Plane zu eigner Herrschaft. Er widersprach dem Befehle Nureddins, das Geber für den Chalifen zu Bagdad in den Moscheen von Aegypten einzuführen, so lange, bis er sich in den Besitz der Burg und des Palastes zu Kahira gesetzt und von dem Chalifen alle diejenigen, welche für sein Ansehen zu streiten geneigt scyn konnten, entfernt und mit seinen Getreuen ihn umgeben hatte; und auch dann vollzog er den Befehl seines Gebieters erst, als die tödtllchc Krankheit, in welche für ihn zu sehr gelegener Zeit der Chalifc gefallen war die Höhe erreicht hatte, daß feine Genesung nicht mehr erwartet werden konnte. Nach dem Tode des Chalifen aber bemächtigte Sa- ladin sich des ganzen in der Burg aufbewahrtcn unermeßlichen Schatzes, und befestigte, indem er alles Geld und alle von Tyrus ganz unrichtig; indem (vielleicht durchSchuld der Abschreiber) die Jahre der Regierung de» Königs falsch gezahlt werden. Das Jahr, welches XX. ,y. so. als das siebente Jahr seiner Negierung angegeben wird, ist das neunte (ri7o), und was o. »4 wiederum . nio,l. S. 6zg. UoIiLeci. S. 33. und mit ihnen ganz übereinstimmend ^,bulkrr»g. Ilisr. Dx». S. Cicro». 8/r. S. züy. Der Cbalife Aded starb am is Moharrem LS? >z Sepl. 127'. Kintg Amalrich. Kostbarkeiten unter seine Emirs und Soldaten vertheiltc, deren Treue und Anhänglichkeit gegen sich *"). Mt nicht geringerer Vorsicht bildete er seine Verhältnisse zu Nureddin. Es gelang ihm so sehr diesen über seine Absichten zu täuschen/ daß er ohne Weigerung den Vater Saladins/ Nodschmeddin Ejnb/ und feine ganze Familie nach Aegypten ziehen ließ. Saladin setzte auch dann noch die Verstellung so sehr fort/ daß er seinem Vater die Würde und Gewalt des Vezirs/ welche ihm damals nicht lange zuvor der Chalife übertragen/ anbot; Ejuö aber begnügte sich mit dem Amte eines Schatzmeisters unter seinem SohneNureddin ahnete nicht eher die wahre Ges sinnung Saladins/ als nach dem Tode des Chalifen Aded/ da Saladin sehr nachlässig die ihm aiifgetragene Bcrennung der fränkischen Burg Montroyal betrieb. Denn Saladin wollte diese Burg/ welche die Straße von Damascus nach Aegypten beherrschte/ nicht in die Gewalt Nureddins kommen lassen/ damit der Aehabek nicht auf den Gedanken geriethe/ ,42) Hoiiaeä. I. c. Die Arabischen Chroniken erzählen fast unglaubliches von ken unermeßlichen Ncichthümern, welche in diesem Schade aufbewahrt wurden; unter den Diamanten desselben sollen allein sieben hundert Soli- tairs gewesen seyn. Eine darin besinnliche Stange Smaragd war über eine Spanne lang und einen Daumen dich DieBibliotüek LerChalifen, welche Saladin ebenfalls in dem Palasic sand, soll zwei) Millionen Bände enthalten haben, worunter hundert Lausend eigne Handschriften der Verfasser waren. S- Marai Besch, der Regenten von Aegypten in Büschings Magazin f. d. neuere Hist, und Gevgr. B. V. S.zyg. Dasselbe wiederholt auch So- jutbt in seine» Chronik von Aegypten. Nach AbulfedaS und einiger andern morgenländischen Chroniken possenhafter Erzählung war in diesem Schatze auch eine Trommel von gar wunderbarer Kraft: denn ihr Ton trieb die Blähungen ab. Saladin aber zog von dieser wohltbätigen Wirkung keinen Nutzen. Denn ein Kurde, welcher in Saladins Gegenwart darauf schlug, hatte daS Unglück, ihre ihm bls dahin unbekannte Wirkung zu erfahren, und warf sie in, S-!>rek- ken darüber so heftig auf den Boden , daß sie zertrümmert ward. Ngl. Iwielre annot.n. lnit. ,rt Lchulk. Ih III. S. 7ög. »43) Lolr-eck. S 37. S- Chr. 1171. 142 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. II. 2, Ck,r. selbst Aegypten zu besuchen. Als damals der Athabek Vorwürfe und Drohungen nicht zurückhielt: so war Saladin zwar, durch jugendliche Raschheit verleitet, schon bereit zum offnen Kampfe; ihn vermochte aber der vorsichtige Rath seines Vaters, gelegenere Zeit abzuwarten und den Unwillen Nurcddins durch einen dcmüthigen Brief zu beruhigen Als späterhin Saladin fernere Zurückhaltung nicht für noch, wendig hielt, befreyte ihn der Tod Nureddins von der Nochwendigkeit des Kriegs wider seinen Herrn >Unter den erneuerten und verstärkten Besorgnissen, welche jene traurigen Aussichten in die Zukunft erweckten, 144) III. S. öga. Hchul- tar. Oirron. 8 , S. Z70. 145) Eine wunderliche Fabel über die Gründung der Herrschaft Sala- binS in Aegypten erzählt in seiner Chronik Lcriuliäus I'IierLwiaiius (in IVlwr-t. 88 . il»I. 5 ?. VII. S- 77s): Es war ein alter Gebrauch in Cairo, Lay llets vor dem Palaüe des Chalifen zwei) gesattelte und gezäumte Pferde standen, welche regelmäßig AbenLS und Morgens abgelöst wurden. AlS Ursache dieses Gebrauchs wurde eine Weissagung angegeben, daß ein Mann mit Namen Ali, welcher diese Nosse besteigen würde, die Herrschaft über Saracenen und Christen erlangen sollte. Saladin, welchem diese Weissagung bekannt war, bat nach dem Tode seines OhcimS den Chalifen (ülultinium) um die Erlaubnis, vor ihm erscheinen zu dürfen, eincnSaum- sattcl (scllem Lsinariain) als Zeichen der Unterwürfigkeit auf seinem Rük- ken tragend, und zwar in Begleitung einiger Männer mit Ruthen in den Händen, UNI das zudringliche Volk abzuwehren. Der Chalifc, dir Absichten des Kurden nicht ahnend, ließ sich solches gern gefallen. Saladin kroch also, seinen Saumsaltel auf dem Rücken tragend, auf Händen und Füßen in Lairo ein, indem vierzig Trabanten mit Ruthen ihm folgten. Sobald er aber in den Saal des Chalifen vor den Thron war geführt worden, warf er den Saumsattcl von sich und zog ein Schwert hervor, womit er den Chalifen durchbohrte. Seine Trabanten sielen hierauf über die Leibwache deS Chalifen her. Während dieses geschah und die Tbore der Stadt seinen Truppen geöffnet wurden, bestieg er selbst die beyden Rosse vor dem Palaste, um dis Weissagung zu erfüllen l seit dieser Zeit standen keine Nosse mehr vor der Burg zu Cairo. Gegen diese Erzählung, welche übrigens alS Probe der Erzählungen von Saladin, welche unter dem Volte hcrumgingcn, gelten kann, ist außer vielen andern einzuwenden, daß Saladin gar nicht Ali hieß. König Amalrich. -- 4 ? berief der König Amalrich die Fürsten des Reichs zu ge« meinsamer Berachung. Von quälenden Gefühlen waren die Versammelten überwältigt. Denn wie konnte ihr Gewissen ihnen verbergen, daß sie selbst nicht nur durch Thorheit und Unverstand, sondern durch Frevelhaftigkeit und gottlose Wortbrüchigkeit gegen christliche Brüder ihre schlimme Lage großentheUs verschuldet? Alle klagten bitter über die täglich wachsende Macht derHeiden; und die frommen und gorresfürchtigen unter ihnen bejammerten die täglich steigende Vcrderbniß und Gottlosigkeit des iarermschen Geschlechts in Syrien Keiner aber vermochte wirksame Maßregeln zu ersinnen. Alle riethen endlich zu einem neuen Versuch, durch beredte Botschafter und klägliche Griefe die Fürsten des Abendlandes zu schleuniger Hülfe des bedrängten heiligen Grabes zu bewegen. Aber von diesem Versuche erwarteten sie selbst wenig Erfolg, da der Erzbischoff Friedrich von Tyrus, welcher als Gesandter des Königs und der Barone des Reichs damals noch im Abendlands war, nirgends Gehör fand. In dieser Noch richteten einige den Blick schwacher Hoffnung zu dem Kaiser Manuel von Byzanz Aber wie ließ sich Beystand hoffen von den Griechen, gegen welche die Kreuzfahrer stets mehr Verdacht und Argwohn bewiesen hatten, als gegen die Saracencn! Nichts schien aus gutem Grunde schwieriger, als gerade von dem Kaiser Manuel Beystand und Hülfe zu erlangen, nachdem wenige Jahre zuvor in der gemeinschaftlichen Unternehmung gegen 146) „Nezai no«tri xiovicti xiin- vixe» et aisvrelt jaul xenitti« üeko- eerant et lll eoittllt toeo sodotes «ttcerercedar xeriticiioga, gliae !o- cuat tailtortllll virorrml iillltriiltcr tMsxiltrvrr etetettabUrs." VslUi. V/r. XX. 24. Ga») die gewöhnliche Klage! I47> „tztlia notlis, sagt Wilhelm xlitciltioe." DicHauptrückächt aber war, weil dieser »och keine abschlägige Antwort gegeben hatte. I. Ehr. 1171. ,44 Geschichte der KreuzzSge. Buch IV. Kap. H. 2. Cbr Damiette, in welche er mit großer Mißbilligung seiner Unterehanen sich eingelassen, die Griechen von den Kreuzfahrern verrathen und dem Verderben preisgegeben worden. Der König Amalrich, im Gefühle dieser großen Schwierigkeit, beschloß selbst in Constantinopel diesen Auftrag aus/ zurichten. Vergeblich mahnten ihn die Fürsten davon ab, durch die Vorstellung der großen Gefahr, in welche das Reich die Entfernung des Hauptes bringen würde. ,,Der Herr," antwortete der König, „dessen Diener ich bin, möge sein Reich regieren, bey mir steht der Entschluß fest, zu reisen." Noch im Lenzmonate dieses Jahres *") f„hx also Amalrich ab mit einer Flotte von zehn Galeren, begleitet von dem Bischofs Wilhelm von Ptvlemais, Herrn Garmund von Liberias und vier andern Baronen des Reichs und einer zahlreichen Ritterschaft. Philipp von Neapel, welcher nicht lange zuvor des Großmeistcrthums vom Tempel sich begeben, zog zu Lande voraus, des Königs Ankunft in Cons stantinopel zu melden. Diese Meldung erregte nicht geringes Aufsehen am Hofe des Kaisers Manuel; denn bis dahin war noch niemals einer der Christlichen Könige von Jerusalem, der Besitzer des heiligen Thrones von David, in Constantinopel erschienen ^). Daher gewährte Manuel dem Könige Amalrich eine so glänzende Aufnahme, wie nicht leicht einem fremden Fürsten an diesem stolzen Hofe zu Theil wurde. Schon in Ealiopolis am Bosporus erwartete ihn sein Schwiegervater, der Protosebastus Johannes, des Kaisers Neffe, 14Z) „VI lä. IVIart.'* Willi. rieradilirnn Dominica« xassionis er 249) „Deiiiäe §1oviae sirae eousi- lesnrLcononig Lieikuidor er aävo- äemrs ind'emeLLNi.in cnivii . eanis »ä se veiüal. " Rex Hierosoi^nrorum, locornnr vo 2>r. König Amalrich. 14 ; mit einer glänzenden Begleitung. Dieser geleitete ihn, weil der Wind der Seefahrt nicht günstig war, nach Heraklea, wo der König seine Flotte, welche indeß mit günstigem« Winde die Fahrt vollbracht hatte, wieder fand. Es wurde ihm gestattet, sein Schiff an der prachtvollen marmornen Treppe zir verlassen und auf deren Stufen, welche bis zum Meere hinabgingcn, zu dein Palast zu steigen, welche sonst nur dein Kaiser selbst zu betreten verstauet war'"). Eine zahlreiche Menge prächtig gekleideter Hoft leute stand am Eingänge des Palastes schon bereit, den König und sein Gefolge in den Saal zu führen, wo hinter einein prunkreichcn Vorhänge der Kaiser auf seinem Throne saß. Einige der vornehmsten Hofbeamten führten den König hinter diesen Vorhang, wo ihn der Kaiser freundlich, von seinem Throne sich erhebend begrüßte. Dann rollte der Vorhang auf, und die fränkischen Herrn sahen ihren König neben dem Kaiser, der auf seinem goldenen Throne saß, ebenfalls sitzend auf einem prächtigen Sessel, doch auf einem niedrigem, als der kaiserliche Thron. Auch die Barone wurden hierauf zum Friedene- kusse zugclasscn, und vernahmen freundliche Worte aus dem Munde des Kaisers. Nach dieser Unterredung, welche blos auf gegenseitige Bezeugungen der Freundschaft sich i-)v) Lutem jxsa nrl)e, LUjror liinrs mrrris rrü. OrienleiQ ^rosirieieris, Imperiale xatatnim, guocl. 6ytt5tLrniiurninrn airpelliNiir, iiirroicum Kadens aä inare, nrno er nraAnlkeo radnlalo, §raäns da- Kens warmoreos ns^ne in icl ixsnm rvare. . . Hine soll ^.nZirsro soler inrrcnnrs garere ,-lcl snperiora xala- rri: seä äornino kegi konoris inNrnn xraeoipni xreetor coaunnnss rc-Krr- rrr. Bgnd, Ä. las LÜ^Nkä inäulcum esti nr ea xarto rnAreäi xernnrleretnr. H'rlk. XX. 25. iZl) Wilhelm voll TytUö führt Vtv vor:, dag diese Begrüßung hinter dem Vorhänge geschah', folgenden Grund an: si xraesenlo go» nerali eurk» kaernm 5nigset> jli» ininm. visrrs e5set Uominns Iw^g» S- oben S. 6r. ANM. K I. Cbr. 1171. 146 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. II. beschränkte, begab sich der König in das prachtvolle Gemach, welches in dem kaiserlichen Palaste selbst ihm bereitet worden; die Barone begaben sich in die Wohnungen der Stadt, welche in der Nahe der Burg ihnen angewiesen wurden. Feste folg, ten auf Feste; bewundernswürdige Tonspiele der geschickte, sten Künstler, wie das Abendland keine kannte, kunstreiche, von Mädchen aufgeführte Tänze'^), Schauspiele, Be, lustigungen aller Art, wie die üppige Hauptstadt und der verschwenderische Hof sie darboten, wechselien ab, um den König von Jerusalem und seine Barone zu ergötzen. Keine Merkwürdigkeit der Hauptstadt blieb unbewachtst; zu allen Kunstwerken, zu den Schätzen, Heiligthümern und köstlichen Reliquien der Kirchen, auch solchen, welche sonst nicht der Betrachtung preisgegeben zu werden pflegten '^), wurden, sie von kundigen Führern gebracht, und eben so in alle Ge, wacher der kaiserlichen Paläste. Der Kaiser Manuel selbst, um durch Abwechslung diese Gäste zu erfreuen, begab sich nut dem Könige und seinen Baronen in den Palast der Blachernen, außerhalb der Hauptstadt, wo er mehrere Tage wir ihnen verweilte. Von dort unternahm Amalrich, von Wißbegierde getrieben, eine Reise längs der Küste des Bosporus bis zum Ausflüsse desselben in das Mittelländische 152) ,,IVlusicc)riull ßenera Lnsrru- variL ei esntii« aäioi- vc- 8 e oottSiievimn« rn'xeLlare, ur- daiiis äoiLtiitikeLis sr»iiL «uw wul» ris «irmplilius er «olür eenria ^»aeci^ir exliikeri." Willi. iZ3) ,,83ncrorum eriam relitzuinz» äi5p6NSkitioni8 tiuoyue Ooniitii rio- siri lesii Olirisri arßirmenrL irrsoio- , Lriinem. viiletLeek er els- Iit-w, C0VON2N1 spineLm» s^nclo- nem» L2iri 26 it 2 m Utiin- -zue 60118011211112111 reä26ii8 er 5611 - xts rraciiiie iitiiiiegiie I111II2 bigir-ro . . . 2Ü ilel (Rex) 8 e ueoingit." lä. idiä. Bon Len Bedingungen des Vertrags erwähnt Wilhelm von Tyrus nichts, wiewohl er alleNcbenumständo dieser Neise des Königs Amalrich sehr ausführlich erzählt. Cinnamus spricht (S. rüz) nur mit den folgenden wenigen unbestimmten Worten von Liesen Verhandlungen, übrigens ganz übereinstimmend mit Wilhelm von Tyrus: „Zu dieser Zeit kam auch der König von Palästina nach Byzanz, um gewisse Wünsche dem Kaiser vorzutragen -bi z und als er Gewährung gefunden cbv ZZktio), gelobte er dem Kaiser, außer vielem andern, die Unterrhäma- keit L 18 12^4 u Niceraü erwähnt gar nicht dieser Angelegenheit. CS ist übrigens nicht unglaublich, baß in der damaligen Noth der König Amalrich sich verbindlich machte, des Kaisers Vasall zu werden, falls der versprochene Beystand Ihm Wirklich geleistet würde. K 2 148 Geschichte der Kreuzige. Buch IV. Kap. II. I. Cbr, scheu Hokcs auf eine so herrliche Weise, daß sie alle ihre Erwartungen überstieg. Dem Könige wurde eine große Summe Geldes, viele herrliche seidene Gewänder und andere Köstlichkeiten zu Theil, und alle seine Begleiter, selbst die niedrigsten Knechte, wurden nach Stand und Würde Iuniiis reichlich beschenkt. Mit glanzenden Hoffnungen kehrten der König und die Ritter in das Reich zurück. Auch diese Hoffnungen wurden getäuscht, und die von den Griechen verhclßcne Hülfe erschien niemals; dagegen drängten sich Unfälle von aller Art. Der Graf Stephan von Bleis und Chartres, welcher nicht lange nach des Königs Rückkehr mit dem Erzbischoffe Friedrich von Tyrus nach Jerusalem kam, um des Königs Eidam zu werden, widerrief, als er den Zustand des Landes sah, seine frühere Einwilligung in den Antrag, welchen der Erzbischofs in des Königs Namen ihm gemacht. Denn der Graf war ein leichtsinniger, lebenslustiger Jüngling, der wenig geneigt war zu einem steten gefahrvvllcnKampfe, durch welchen nichts zu erwerben war, als die Martyrer-Palme. Er kehrte nach einem Aufenthalt von wenigen Monaten, in welchen er durch seinen unzüchtigen Wandel allgemeines Aergerniß erregt, zu Lande zurück und fiel in Cilicien in die Hände der Räubcrschar, mit welcher Malich, des Fürsten ToroS Bruder, im Lande umhcrstreifte. Diese beraubte ihn alles dessen, waS er mit sich führte, und gab ihm nur auf vieles Bitten ein schlechtes Pferd, auf welchem er seine Reise nach Constantinvpel fort- setzte Bald darauf kam die Kunde, daß der Bischofs Wilhelm von Ptolemaks, welchen der König mit Aufträgen an einige katholische Fürsten des Abendlandes von Con- stantinopel ausgesandt hatte, auf der Rückkehr zu Adrianopel ,S 6 ) VVM>, XX. 27. König Amalrtch. > 4 ? in der Mittagsruhe von einem Geistlichen seines Gefolges jämmerlich ermordet worden. Es blieb ungewiß, ob der Mörder im Rückfall in eine Krankheit, wovon er nicht lange zuvor genesen, also in krankhafterRaserey, diese gransenvolle That geübt, oder aus Rache wegen Beleidigungen, womit ihn und andere des Gefolges ein Kämmerer des Vischoffs ungestraft gekränkt hatte; denn der Mörder starb wenige Zage hernach unter den Ausdrücken der heftigsten Reue Zu eben dieser Zeit änderten sich in Cilicien durch den Tod des Fürsten Toros die Verhältnisse sehr zum Nachtbeil der syrischen Christen. Denn dessen Bruder Malich welcher bisher vom Raube gelebt, scheute sich nicht, mit Hülfe einer von Nureddin ihm gesandten Türkischen Scbar, seinen Neffen Thomas, den Sohn eines lateinischen Herrn, zu verdrängen, als dieser, zwar freywillig von den Cilicicrn als Fürst angenommen, durch sein Benehmen kcincswegcs das in ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigte. Sobald Malich sich in dem Besitze des Fürstcnthums sah, brach er alle nachbarliche Verhältnisse mit den Lateinern ab und zog sogar, obwohl 1Z7) IS. idiS. IL8) Wilhelm von Tvrus nennt Ihn XX. 27. iVIilo und im folgenden Taxi,el, wo er seine Händel mit dem Könige Amalrich lind dem Fürsten von Antiochien erzählt: IVIilier. In den liruaxe» S'Ouiiemcr c. z wird er richtiger MeliU genannt, und in dcS Abulfaradsch syrischer Chronik (S. 3S2. 3ö3) kommt er unter dem Namen iVIaticir vor. Hier wird von dem Zuge des Königs Amalrich wider ihn beym Jahre der Griechen rggr (Ehr. 1170) folgende kurze Nachricht gegeben: „AlS der König von Jerusalem die Gewoliihätigkeiten vernahm, welche Malich, Fürst von Cilicien, wider die Christen übte, ergrimmte ec und karü wider ihn und belagerte ihn in einer Burg. AlS Malich ans das Aeuflcrste ge. bracht war, bewies er Reue und schwur dem Könige Unter,bänigkeir und Aushebung seiner Verbindung mit den Türken'. worauf der König ihm Frieden gab und abzog." Die ausführlichere und sorgfältigere Erzählung des Wilhelm von TyrnS, welcher wir gefolgt sind, verdient mehr Glauben. I. Cbr. 1172. i;o Geschichte der Kreuz Züge. Buch IV. Kap. II. I. CSk. er ehemals Templer gewesen alle von diesem Orden in seinem Lande erworbenen Güter und Gefälle ein. Samimliche Lateinische Fürsten vereinigten sich zwar zu einer gemeinschaftlichen Heerfahrt wider ihn, aber die Natur des bergigen Landes machte ihnen nur die Verwüstung und Verbrennung der Dörfer und Saatfelder möglich; und nach wenigen Wochen, als sie zur Berennung einiger Vesten sich anschickten, nöthigte den König von Jerusalem zur Rückkehr die Nachricht, daß Nureddin die Burg Petra oder Krak in Arabien berenne ' °°). Zwar harre Nureddin, als der König nach Jerusalem kam, von dieser Unternehmung bereits abgelassen; aber nach wenigen Monaten brach Saladin mit gewaltiger Hee- rcsmacht in Syrien ein und umlagerte die Veste Mont- royal. Der König, als ihm von der Absicht Saladins frühzeitig genug Kunde zugekommen war, hatte mit dem heiligen Kreuze und seiner Ritterschaft bcy Bersabce sich gelagert, um das bedrohte Land zu schützen. Er eilte, als er die Ankunft der Heiden vernahm, sogleich über Ackalon nach Darum. Aber Saladin vermied eine Schlacht, sich mit der Verwüstung des Landes begnügend, und zog zurück nach Aegypten Denn ihm lag daran, die Burgen, rZg) „Istcer eorum frater ali- grmuüo luisrer." "eviNi. 'I/r. >62) >ViUr. Dieser Umlagsrung von Pelra erwähnt auch Abulsera bcym 2 . züg (r. IV. S> 4) mit der Bemerkung, dag dieses Unternehmen deswegen mißlungen sei,, weil Saladin, welcher mit den Ae- glldtischen Truvpen den Nureddin vor Petra erwarten sollte, zwar sich eingefunden hatte, aber eiligst nach Aegypten zurückkehrtc, als Nureddin sich nähme. Saladin entschuldig!? sich hernach mit der gefährlichen Krankheit seines Vaters, welcher auch bald darauf starb. 161) >villi. l^-r. xx. 2g. Vohaed- din erwähnt lS. 38 ) einer Untcrneh, mung Saladins gegen Petra oder Krak, welche entweder diese von Wilhelm von Lyrus erzählte, oder die in der vorigen Anmerkung erwähnte ist! versichert aber, cs sea für Saladin damals unmöglich gewesen, etwas über diese feste Burg zu gewinnen. Wilhelm von TyruS König Balduin III. welche am Wege nach Aegypten lagen, den Christen noch 2-^shr. zu erhalten, weil, so lange sie in deren Gewalt waren, sie auch ihm als E chutzwchr gegen Nureddin dienten. Nach wenigen Monaten aber kam er mir einem noch viel zahlreichem Heere und erneuerte die Verwüstung desselben Lan- Nm.'" Des; und der König und die Ritterschaft des Reichs Vers mochte nicht ihm zu wehren- Sic lagerte sich auf der Anhöhe eines Berges, welche, wegen eines reichhaltigen Brunnens zum Lagerplatze rrefflrch geeignet, dem Lande jenseit des Jordans nahe war, um der Gelegenheit zu einer verdienstlichen Waffcnthat zu warten Diese Gelegenheit erschien aber nicht, und die Heiden brachten ihre Beute ungestört nach Aegypten Nicht lange hernach erfüllte eine schreckliche Frcvclthat der Templer alle Bewohner des gelobten Landes mit Unwillen. Der damalige Alte vom Berge, oder Fürst der Assassinen auf dem Berge Libanon, von welchem bas Gerücht schon langst verkündigt hatte, daß er dem Christlichen Glauben zugethan war, und in den heiligen Evangelien und den Apostolischen Schriften fleißig las '"), und auch sein Volk allmählig von den Irrlehren des falschen Propheten trennt die Belagerung von Petra durch Nureddin und den erzählten Einbruch SaladinS durchaus als von einander ganz unabhängige und um mehrere Monate entfernte Begebenheiten. iüs) Dort war ein Dorf (vioulnO mir Namen Carniel, einst der Wohnort deS thörichien Nabal. Diese Höhe wurde von dem Lande jenseit des Jordan nur durch das Thal des tobten Meers getrennt; und dieses Thal nennt Wilhelm von Tvrus vatti» iUnstris. XX. zo. r6z) Nur von Wilhelm von Tyrus (a. a. O.) und von keinem morgen« ländischen Schriftsteller finden wir dieses ZugS besonders erwähnt. ifiä) „6oe>'il Itrbere xcncs -e L- VLiigelioimiu Iil>rv5 et oocheem ,X- xostoticum." >ViIK. l'vr. XX. zi. > 1 . Ckk. 117s, i;r Gechichre der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. I. entwöhnte"'), ^eß durch einen Botschafter"^) dem Könige von Jerusalem melden, er sey bereit, sich öffentlich zum Christenthume zu bekennen, wenn die Templer die Schatzung von zwey Tausend Goldstücken, welche sie von seinen in der Nachbarschaft ihrer Burgen wohnenden Unter- lhancn erhöben, Nachlassen wollten. Der König Amalrich willigte gern in dieses Anerbieten und erbot sich, den Templern den Verlust, welchen ihr Haus dadurch erlitt, aus seinem Schatze zu ersetzen. Als aber dieser Gesandte des Alten vom Berge in Begleitung eines königlichen Geleits- manns heimkchrte, erschlug ihn mcuchelmörderisch nahe an der Gränze des Landes der Assassincn, der Templer Walther vyn Mesnel, ein Mann von widerlicher Gestalt, einäugig und von ungestümen Sitten "H. Die übrigen Templer bewiesen hernach durch ihr Betragen, daß sic nicht ohne Antheil waren an dieser Frcvclrhat. Denn als der König, nachdem er zu Sidon mit den Baronen des Reichs sich berarhen, zwey Ritter an den dort anwesenden Großmeister der Templer, Otto von St. Amant, sandte, Ge- nugthuung zu fordern, erklärte dieser: es sey dem Bruder Walther bereits nicht nur eine Buße auferlegt, sondern auch geboten worden, sich ohne Verzug nach Nom zum apostolischen Vater zu begeben, um dessen weitere Weisung i6A) tzrrOlrrie irroäo runur orustiens »d o^servru>.- vcns, vixrnir er srriilLL cLriies suis In den ^ergenländrschfii Schriftstellern sin- den wir keines so christlich gestunken Fürsten der Assasstnen erwähnt. MLxae» ne in Fracrent manu? lins anäerer injioere violen- las." 'WilU. 1>r. 1Ü9) ,,Rex Präs r»rroo!t»re ir» ec yuLsi insauiL vekemen- rer." 'VViUr. I'z'r. 170) „l'rnuein vorln Irunrs ocvrr- sioue n>-ru1o minus nuiversrim Z3eß«rum Irs^uir rninrur» Lrreprrra- lrileor »u?rinerv." 'VViUr. Izex. ,71) Ec starb nach Wilhelm von Li-ruS (XX. Zz) im Mai 1173, nach den Morgenländischcn Schriftstellern am 21 Tage des zehnten Monats im Jahre S6Y---32 Mai 177z, dem Zgsten Jahre seines Lebens. *r. (IV. S. Loliaeil. S. 3 Y. r;4 Geschichte berKreuzziigc.BuchIV.Kap.il. Summe Geldes und die Frcylassung von zwanzig gefangenen Rittern Schon während dieser Belagerung fühlte Amalrich die Anwandlung krankhafter Gefühle, und auf der Rückkehr erkrankte er zu Liberias an einer heftigen Ruhr. Doch setzte er, zwar hinfällig und schwach, noch zu Roß die Reise über Nazareth und Sichem fort genJerusalem. Dort beschleunigte die Ungeschicklichkeit der Aerzte seinen Tod und Amalrich verschied am eilften des Juliusmonates H73, im acht und breyßigsten Jahre seines Lebens und dem zwölften einer wenig gesegneten Regierung. 172) Nach Wilhelm von Tyrus (a. a. O ) schloß der König diesen Frieden mit der Wimve Nureddins. Der Zusatz, welchen Marin (L. S. 236), Indem er der Erzählung des Erzbi- schoffö folgt, sich verfilmet „4M s'^ etoir ent'ermee", steht in geradem Widerspruch mit seiner Quelle: mlnum liegem ere." Wir finden bey dem moraenlandischen Geschichtschreibern nicht, daß sie sich der Negierung nach dem Tode ihres Gemahls angenommen habe. 173) Seine Krankheit beschreibt Wilhelm von Tyrus (a. a. O.) also: iudine kelire etiam ooexit velienren- riesime iLdarrrs, oesLsme xlix§ieo- rum artifioio d^ssnteriL. Vrrm^ue xer dies LI14110L Lg. leirre supra. vires akdixeretur» xr^eoepir Ld rs aveersiri medicos OrLeoos, Szcros et illLrniv narionum Uomines, xe- tens ad eis, ut Llr- 4NL deooolni,tCulL Llveum eins sol verenr. tzuod eum ub eis imperra- re nori xosser, keeit ad se «uise- hnenrer voeari I^rinos, » Id Lpsum exigenr, adiieiens eriLm irr §ib>i omnes rei im^ni^renir even.- nrs: dederuur ergo ei decocriurr- orilsm unam» 4UL sumtu sine diklr. oniture Lssellavit .rli^uories, itL irr sidi viderelmr gn.od ei esset melius. ^.nceHULM tsmeii eorxus medioi- nae vioieniia exliLUsrnm samro cri- d>o gosset relreere, kedre solita re- aurrenre in kLia evncessir." Drittes Kapitel. ^er Tod Nureddins befestigte die Macht des furchtbaren Saladin zu einer Zeit/ wo das Christliche Reich in Syrien in die schwachen Hände eines kranken Knaben kam. Schon am vierten Tage nach des Königs Amalrich Tode wurde >r J»r. sein dreyzchnjährigcr Sohn Balduin von dem Patriarchen Amalrich unter dem Veystandc sämmtlicher Prälaten des Reichs in der Kirche des heiligen Grabes gekrönt; und über die Verwaltung des Reichs erhoben sich bald mancherley Streitigkeiten/ welche unter diesem verderbten Volke/ wie gewöhnlich / zu grauenvoller Lhat führte. Der Graf Raimund von Tripolis/ welcher nicht lange zuvor aus der Gefangenschaft der Heiden zurückgekehrt war/ erhob Ansprüche auf die Vormundschaft während der Minderjährigkeit des Königs/ und stützte sich auf seine nahe Blutsfreundschaft mit dem königlichen Hause/ auf seine Würde/ als der mächtigste Lehnsmann der Krone/ und auf seine Verdienste um den König Amalrich. Er kam selbst nach Jerusalem,' um seine Ansprüche geltend zu mache»/ und führte sie vor dem König und den anwesenden Fürsten in einer Rede aus, in welcher er behauptete, daß ihm die Vormundschaft gebühre auch als billige Vergeltung, indem er zu derzeit, da er in der Gefangenschaft von Nureddin i;6 Geschichte der Kreujzüge. Buch IV. Kap. Hl. 3, C>>r. gewesen, nicht'nur seinen Getreuen geboten, alle Fellen und Burgen dem König Amalrich zu öffnen, sondern auch in seinem letzten Willen, welchen er damals aufgerichtet, den König Amalrich zum Erben aller seiner Länder und fahrenden Habe eingesetzt hatte, falls ihn Gott sollte in den F.ffeln der Heiden umkommen lassen. Zwar begünstigten ihn alle Prälaten und unter den weltlichen Fürsten der Couuctable Honfroy, Balduin von Nama und dessen Bruder Balian, so wie auch Rainald von Sidon; auch war ihm das Volk gewogen- Doch wurde Raimund vertröstet bis zur Entscheidung einer allgemeinen Retchsvcr- sammlung, welche baldigst berufen werden sollte; und kam erst durch ein Verbrechen zum Ziel, welches, jedoch vielleicht ohne sein Wissen, von seinen Freunden verübt wurde. Sein heftigster Widersacher war nemlich der Seneschall Milo von Plancy, welcher, wohl wissend, wie sehr enbcy den Pullanen verhaßt war, zwar nicht öffentlich des Reichs sich bemächtigte, sondern zum Schein die Gewalt in die Hände des Durgvogts Rcard von Jerusalem, eines Mannes von niedriger Herkunft und geringer Einsicht, legte; unterdessen Namen aber regierte er selbst das Reich. Viele gaben ihm Schuld, daß er, sogar nach dem Throne trachtend, seine Freunde und Anhänger in Frankreich eiugeladcn habe, baldigst übers Meer zu kommen und ihm in seinem Beginnen beyzustehen, und daß diese Einladung zu überbringen, der Hauptzweck der Sendung des Balian von Joppe, eines Bruders von dem Vurgvogt Reard, gewesen sey. Denn Balian war bald nach der Krönung nach dem Abendlande gesandt worden, angeblich, um an mehrere Fürsten Briefe des neuen Königs und Geschenke zu überreichen. Der Sc- neschall reitzte den Haß seiner Feinde noch mehr durch die König Balduin IV, -57 Verachtung , welche er ihnen bewies; er achtete selbst nicht 2. Chr. die Warnungen vor ihren Mordplänen und ließ sich dadurch zu keiner Behutsamkeit, nicht einmal in seinen Reden, be« wegen. Daher wurde dem wider ihn gedungenen Mördern cs nicht schwer, die Gelegenheit zur Ausführung ihrer Gräuel- that zu finden; in der Dämmerung eines Tages überfielen sie ihn zu Ptolemais auf öffentlicher Straße und erschlugen ihn mit ihren Schwertern unter grausamen Mißhandlungen So fiel Milo als das Opfer der Erbitterung einer durch seine Erhebung gekränkten Partey, vielleicht auch als das Opfer seiner eigenen Unbesonnenheit. Der Graf von Tripolis säumte nicht, sobald sein Widersacher gefallen, in Jerusalem, wohin die Prälaten und Barone des Reichs indeß berufen worden, sich cinzufinden und auf die versprochene Entscheidung zu dringen, und nach zweylägiger Berathung wurde er durch einmüthigen Beschluß zum Verweser des Reichs ernannt, und die Reichsverwaltung in dem Capitel des heiligen Grabes ihm über- 1) Wir haben über Milo von Plan- cy nur die einseitigen Aeugerungen deü Erzbischoffs Wilhelm, und man sieht aus Lessen Aeusscrungen fCap. II. Anm. za) deutlich genug, daß er selbst nicht zu den Gönnern des Sc- neschalls gehörte. Gleichwohl ist er billig genug, anzufüüre», dag die Meinung keinesweges allgemein gewesen sey», welche den Milo des eitcln Trachtend nach einem wankenden Throne beschuldigt habe; sondern das; vielmehr manche der Meinung gewesen, er sey als Opfer seiner Treue gegen den König gefallen. XX l. 4. Diese AeuilMNlg begründet fast die Vermuthung, dass bey der Gegenpartei) ähnliche Pläne obg« wallet. Nebcrhaupr berichtet Wilhelm von Ttzrus von diesen Händeln bey allem Wortreichthum Loch sehr unvollständig. Wir erfahren nicht einmal, wen man für den Anstifter dieses Mordes damals gehalten; sondern Wilhelm von TyruS sagt nur ganz kurz: „coultiuo aäversus eum »Sie, zierriimci rudorualt sunt gut- arm, gut vtrre ejus iu-iaiis moti- r-utur." Man sieht, der sonst so genaue Mann wagte ,u der Zeit, da er die bevden letzten Bücher seiner Geschichte schrieb, noch nicht frey- müthig über diesen Handel zu reden. I. Chk. »»7Z. Im August od. Sepr. » 74 - lz8 Geschichte der Kreuz züge. Buch IV. Kap. III. tragen; jedoch sollte dem jungen Könige der Anrheil an der Regierung, und die ihm gebührende äußere Würde auch wahrend seiner Minderjährigkeit nicht entzogen werden ^). Es offenbarte sich aber bald, daß von diesem Könige das Christliche Reich wenig enoricßliches zu erwarten habe. Zwar fehlten ihm nicht natürliche Anlagen des Geistes, und er machte bey seinem Lehrer, dem Canzlcr Wilhelm, nachmaligem Erzbischoff von Torus, in den Wissenschaften treffliche Fortschritte; auch in körperlicher Gewandtheit übcrtraf er nicht nur seinen Vater, dem er in der Gestalt des Körpers fast vollkommen glich, sondern auch seine übrigen Vorfahren, vornehmlich als Reiter ^). Aber schon in den Knabenjahrcn zeigte sich bey ihm der Anfang einer der schrecklichsten Krankheiten, des Aussatzes, welche trotz allen Gegenwirkungen der Aerzte, immer heftiger sich entwickelte. Wenige Wochen waren seit der Krönung des Königs verflossen, als schon eine betrübende Kunde nach Jerusalem kam. Die Unternehmung einer Flotte von zweyhundert trefflich bemannten Schiffen, welche der jugendliche König Wilhelm der Andere von Sicilien gegen Alexandrien aus- gesandt 4), verunglückte auf eine klägliche Weise. Zwar 2 ) „De communi omnium conui- veiiri», irr oaxitrrio Dominier Sex nie Uri, rraiUlar ei nni- veriai Ucxni xosr aominu IN ü e- Aem, xoxnio acciamaiire, xrocri- rario er xorestas. " Willr. a°xr. XXl. 4- z) „Drar eurem juxtr iliius con- äiiionem aclatis lorma vennilL et xraeter morem majorum snorrrm egiris eämirrentiis regen- a-sliue axlissimirs." Iil. XXI. i. 4) Wilhelm von Tyrus (XXI. g) Uttv Bohaeddin (o. 12. S. gl) gebe», ken dieser Unternehmung nur mit wenigen Worten; wir finden ihrer sonst bey keinem Schriftsteller erwähnt. Sic geschah nach Wilhelm: „tlllfiis äomiiii Laitlniiii anno xri- ma, circa L.ugusii iniiium; " nach Bohaeddin wurde die Belagerung König Balduin IV. r?y laudete das Heer, die Belagerung wurde mit großem Un- 2. Tin-, gestüm begonnen, und in heftigem Kampfe fielen viele tapfere Streiter. Aber nach wenigen Tagen, als gemeldet wurde, daß Saladin selbst im Anzüge sei), wurde das ganze Heer von so heftiger Furcht ergriffen, daß cs mit Zurücklassung alles Belagerungszeugcs und des Gepäcks eilfertig die Schiffe bestieg; und in der Verwirrung dieser plötzlichen Flucht wurden viele Pfaffen und Layen von den nacheilenden Heiden jämmerlich erschlagen. So niederfchlagend und trostlos die Lage der Christen war, so gedeihlich dagegen alles Beginnen Saladins. Ueberall kamen die Verhältnisse, sowohl in der Familie als den Staaten Nureddins, seinen Hoffnungen und Wüns sehen entgegen. Denn Nureddin hatte nur Einen Sohn in zartem Alter hinterlassen, den Malek as> Salch Jsmael, welcher zu Damascus als Nachfolger seines tapsern Vaters ange- genommen wurde, und unterdessen Namen regierte der Emir Ebn Mvkaddcm. Auch Saladin erkannte den Knaben von Alerandrien angefangen am 7 Saphar s?c> — ü Sept. »17g. Außer dieser Verschiedenheit weichen diese Schriftsteller auch in einigen andern Angaben von einander ab. Wilhelm von TyruS gibt die Zahl der Sicili- schcn Schiffe zu zweihundert an, Bohaeddin zu siebenhundert von verschiedener Art. und von eben diesem Schriftsteller wird die Zahl der Streitenden auf diesen Schiffen zu Zacco angenvmmen. Nach dem erster» Schriftsteller war blvs die Fahrlässigkeit der Anführer an dem Mißlingen dieserNnternehmung schuld/ nach Bohaeddin bewirkte dieNachricht von der Ankunft Saladins solches Schrek- k«N/ daß die Kreuzfahrer sich in der größten Eilfertigkeit einschifften. Vielleicht bestand eben in der Art und Weise dieses eilfertigen Abzugs die Unvorsichtigkeit/ welche der Erzbi- schoff den Anführern vorwirft. (,,klb» anrogue orstine gnamziluriittis, tarn caxiuvalis guam xereinxrl» Alaäia. xcr inoram gniirguc Litt Sex äieruitt «gnam circa urbcia kcccrant, cc>li- tusi recesseiuitl.) Die Dauer der Belagerung, welche in der angeführten Stelle nur unbestimmt zu fünf oder sechs Tagen angegeben ward/ bestimmt Bohaeddin zu dreh Tagen. lüo Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. III. I. Ckr. anfangs als seinen Oberherrn an und ließ die ägyptischen 1174. , Münzen Mit dessen Namen prägen. Bald aber wurde die Unzufriedenheit der Muselmänner mit der Negierung eines Knaben, welcher nicht im Stande war, den von Nurcddin geführten Streit gegen die Christen fortzusetzcn, laut; auch regte sich der Neid der übrigen Emire gegen Ebn Mokaddem, und Saifevdin, Neffe Nureddius, bemächtigte sich daher ohne große Mühe, mit Hülfe der Truppen, welche er zur Zeit des Todes seines Oheims eben im Begriff war, zu diesem zu führen, aller Besitzungen desselben in Mesopotamien. Weil aber Saifeddin zu fern war, er seine Tapferkeit bis dahin im Kampfe wider die Kreuzritter nicht erprobt hatte, und ohnehin seine Herrschaft, wozu er gegen den letzten Willen seines Vaters, mit Beraubung seines alrcrn Bruders, sich gedrängt hatte, nicht für rechtmäßig geachtet wurde: so vereinigten sich die Wünsche vieler Muselmänner dahin, daß Saladin die Regierung wenigstens des Landes übernehmen möchte, welches sowohl den Angriffen der Christen am meisten ansgcsctzt, als auch zu deren Bekämpfung am bequemsten gelegen war. Selbst Ebn Mokaddem, als er cinsah, daß es ihm unmöglich seyn würde, sich gegen so viele Feinde ans die Länge zu behaupten, forderte den Sultan auf, sich in den Besitz Oktobr. pon Damascus zu setzen. Als daher Saladin vor Damas- cus mit sieben hundert Reitern erschien, so wurde ihm diese Decbr. wichtige Stadt ohne Schwertstreich geöffnet 5). Die Städte in Coelesyrien Hama und Emcssa, welche den von Nureddin ihnen gesetzten zinsbaren Fürsten Fachreddin wegen seiner Grausamkeit sogleich nach dem Tode des Athabek 5) Uoli.ieaäm S. 4!. Nach Aditl- de» Tmir (Saad-ed-dtn) Kamesch- feda's Bericht (^iin. 1'. IV. S. >ü) theri», der z» Haleb der Person des entschloss sich Ebn Mokaddem zu die- iüngcr» Fürsie» und der Neaieriing sem Schritts, als er fürchtete, gegen sich demächligt hatte, nicht sich be- König Balduin IV. r5r jagt hatten, unterwarfen sich der Macht Saladins eben so willig 6). Doch unterwand sich Saladin der Regierung dieser Städte nur unter dem bescheidenen Namen eines Statthalters von Malet as-Solch, und erklärte, die Rechte des Sohnes von seinem ehemaligen Herrn und Wohlthäter gegen'jedc Anmaßung und Gewalt schirmen zu wollen ^). Dies« Versicherung vermochte aber gleichwohl die Miliz von Aleppo nicht, ihm diese Stadt zu öffnen; sondern, bewegt durch die Thränen und Klagen des Malet asr Saleh, welcher um ihren Schuy sie anflehte, zog sie aus und schlug die kleine Schar, mit welcher Saladin auf dem Berge Guschan vor dem Thore der Stadt gelagert war, um die Uebergabc zu fordern, in die Flucht; und Kameschthekin, der Statthalter von Aleppo, bewog sogar den Senan, Scheich der Assassincn, die Vertilgung des Emirs Saladin, als eines Feindes der wabren Lehre, von der Erde, seiner menchelmördcrischen Rotte zu gebieten. Oie ausgesandten Mörder aber wurden alle ergriffen und gctödtet ^). Saladin unternahm hierauf, nachdem er seine Truppen verstärkt, die förmliche Belagerung der Stadt Aleppo. liauvten zu können. Marin (bist. st» s.iiast. I. S. 2gü flgd.) erzähl! die Verhandlungen der Emire inDamas- cus nach dem Lade Nnredvins, wie cs scheint, nach Ebn Al-Athir, sehr ausführlich; die Emire sollen zuerst dem Athabek Saifeddin das Fürsten- thum von DamaScus aus Furcht vor Kameschthekin wirtlich angetragen und an Saladin sich erst gewandt haben, alü jener Mißtrauen über dis Redlichkeit ihres Anerbietens merken lieg und zögerte nach OamascnS zu kommen. Die Zeit, in welcher Saladin dieser Städte sich bemächtigte, war nach Abulfcda vom Ende deS Rabi - al - awwal -bi- zum Anfänge ul. Band. s. des Dschnmada al Achera — vom s» Ockobcr bis Ende Decembers ri?g- ü) Wilhelm von Lyrus (XXI. 6 ) nennt außer diesen Städten noch Baalbek und Cäsara (Qaesara gnas VI, iß» sticirur Laerarca imlAMll. alS solche, von welchen Saladin damals sogleich als Here anerkannt wurde. Baalbek unterwarf sich aber einige Wochen sxnter, wie ans Abulfcda (S- 20 erhellt. Die Stadt Schaisar wird Key diese« Gelegenheit von den Morgenländischen Schriftsteller» gar nicht ge- nannt. 7) etchiiie. S. ig. ö) Ist, S. so» L I. Ehr 127-t. lüz Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. III. Ltzr, r-7-I. Jan. H72. Febr. i-7S. Unter den Christen entstand über diese Fortschritte des Feindes, dessen Furchtbarkeit immer deutlicher vor ihren Augen sich entwickelte, große Angst und Bekümmerniß. Die Barone des Reichs wurden eiligst nach Jerusalem berufen zu gemeinsamer Bcrathung; aber gefahrlose Mittel, dem Uebel zu widerstehen, ließen nicht leicht sich entdecken. Die Gesandtschaft, welche an Saladin war abgefertigt worden, um ihn durch Drohungen zum Abzüge von Aleppo zu bewegen, hatte die gewünschte Aufnahme nicht gefunden ^). Darum blieb den Christen kein anderes Mittel, als offener Kampf; und wie mochten sie hoffen, in ihrer damaligen Kraftlosigkeit diesen Kampf mit Ruhm und Lorthcil zu bestehen? Doch wurde beschlossen, daß der Graf Raimund mit allen Truppen, sowohl des Reichs als seiner Grafschaft, an einem bequemen Orte sich lagern sollte, um der Gelegenheit zu einer nützlichen Unternehmung zu warten. Der Graf lagerte sich also mit seinen Scharen bcy der Burg Area in seiner Grafschaft Die Christlichen Scharen waren dort noch nicht lange versammelt gewesen, als Botschafter auS Emcssa kamen und die Kreuzritter aufforderten zum Beystandc gegen Saladin, welcher zwar die Stadt Emcssa überwältigt, aber noch nicht der dortigen Burg ") sich bemächtigt hatte. Die Miliz dieser Burg, welche bis dahin dem Geschlechts Nureds 9) Dieser Gesandtschaft erwähnt Abulfaradsch in der ihr. Chron. S. 374 . «L regioois xarte, guae aivitur 6LU7-, conicäit, " 'Will». 7/r. XXI. g. ,i) Fachreddin war nicht im Bc> sche der Burgen, wodurch die Städte von Coelechrien beseitigt waren, gewesen; nur mit Ausnahme der Burg von Barin, welche ihm ebenfalls gehörte. ^.buis. S- tS. König Balduin IV". 16; dins treu geblieben war, versprach dem Grafen Raimund »nd seinen Scharen reichliche Belohnung, wenn sie gegen die ungerechte Herrschaft Saladins sie schirmen wolle. Der Graf Raimund säumte nicht, seine Scharen gegen Emeffa zu führen; denn er hoffte wenigstens die in der Burg von Emcssa cingeschlossenen Geisel zu befreyen, welche von ihm für sich selbst und von Rainald von Sidon für seinen Bruder Eustach gestellt worden, als Nureddin beyde aus der Gefangenschaft entließ, ehe sie ihr Lösegeld zu bezahlen vermochten. Als aber die Christlichen Scharen vor Emeffa an- kamen, so war zu den Heiden in der Burg die Kunde gelangt, daß ein Heer aus Mosul im Anzuge seo gegen Sala- bin; und weil sie glaubten, nunmehr der Hülfe der Christen nicht mehr zu bedürfen, so nahmen sie die zuvor gegebenen Verheißungen zurück 'H- Worauf die Christen unverzüglich in ihr Lager bey Area heimzogcn. Saladin aber, als das Heer von Mosul nahe kam, ließ von der Belagerung der Stadt Aleppo ab und führte seine Scharen über Hama nach Cvelesyrien, um seine dortigen Eroberungen zu sicher.., ehe die Feinde kamen. Auch dieses Beginnen gelang ihm ohne Schwierigkeit. Denn nicht nur bezwang er die Burg von Emeffa nach einer Belagerung von-7März wenigen Tagen und unterwarf sich die Stadt Baalbek, sondern durch Honfroy von Toron, den Connetable des Reichs, welcher in verrathcrischen Verbindungen mit Saladin stand, verführt "), schloß der Graf von Tripolis einen Vertrag, ' 12) So Wilhelm von TyruS. Die Hauptursache, warum die Musel, mäuuer ihre Derfteignugeu zurüek- »ahmen, mochte wohl ju dem Zustande des Chriüliche» HecreS liegen, welcher keine» sehr ersprießlichen Dcy- siaud hoffe» ließ. ,z) »vioevatwr Iiorruo omntuu» vertioriim Nnminus U>u 5 reans I.rluukiuo wimiae kiUnUiarkeLtts aWe- cni (lciiiuctns a>gucv»iur." "WUii. 'Ig-r. XXI. 8. iö4 Geschichte der Kreuz züge. Buch IV. Kap. III. 3 Chr. » 72 - worin er gegen die Freylassung der von ihm und dem Herrn von Sidon gegebenen Geisel sich anheischig maci. tc, den Emir Saladin in seinem Kampfe gegen das Geschlecht Nur» eddins auf keine Weise hinderlich zu seyn. Nach dem Abschlüsse dieses schimpflichen Vertrages hielten sich die Christen ruhig in ihrem Lager und kehrten wenige Wochen hernach zurück in ihre Städte und Burgen "). Mittlerweile ging Saladin muthig dem Heere von Mo- sul entgegen, welches von Aleppo, wo es einige Lage geruhet und die Miliz dieser Stadt mit sich vereinigt hatte, auf Lein Wege von Hama wider ihn zog, geführt von Azeddin Masud, dem jünger» Bruder des Fürsten Saifcddin von Mosul. Er bereitete sich mit desto froherm Muthe zum Streite, da in dem Geschlechts Nureddins selbst in dieser Zeit des gemeinsamen entscheidenden Kampfes gegen die wachsende Macht seines Unterdrückers-kein Frieden und keine Eintracht war. Emadeddin Zenki, der Fürst von Sangar, aus Feindschaft gegen seinen Bruder Saifeddin, welcher ihn aus dem Fürstenthum Mosul verdrängt, nahm keinen Antheil an dem Kampfe, um die Gunst Saladins zu gewinnen, und Saifeddin führte zu dieser Zeit, wo ein so gefährlicher Feind zu bekämpfen war, einen Thcil seiner Scharen gegen Sangar und belagerte dort seinen Bruder. Gleichwohl trug Saladin Frieden und Vergleich an, und erklärte sich bereit, die eroberten Städte in Coelesyrien zur 14) „Lgrerrr itague :i nobi» circa kcal. Zanuarias, Krlenäis itcruni Mari äorarrnr reversi rii.nl." VCiilr. I. c. Diese Zeitangabe stimmt sehr wohl zusammen mit der Chronologie bsy Abulfeda und Bohaed- din. Im ersten Dschumadi S70 (--- Der. 1174) bemächtigte sich Saladin der Stadt Emessa (Voh. S, 42), an» letzten Tags desselben Monats 2? Der.) lagerte er sich oor Haleb (ebendas.). Am ersten Tag des Monars Nadscheb (24 Fcbr. 1175) Zieht er von Haleb ab nach Coelesyrien (Abnlf. S. 2°), am achten (4 März) zieht er durch Hama, am ein und zwanzig» sten (17 März) erobert er die Burg von Emessa (ebendas.). König Balduin IV. « 16; rückrugeben und den Malek as s Saleh auch fernerhin als 2^^. ftincü Herrn anzuerkennen, wenn ihm die Statthalterschaft über Dainascus bestätigt würde. Dieser Vorschlag fand aber weder bey Masud noch bey Kameschthekin Gehör; sie waren entschlossen zu schlagen. Die Heere trafen zusammen »r April unfern von Hama in einer hügclichten Gegend, welche Kurun Hama, d. i. die Hörner oder Hügel von Hama, genannt wird; und nach einer blutigen Schlacht gewann Saladin das Feld, plünderte das Lager der Feinde und gewann große Beute. Diesen Sieg verdankte er jedoch, wie der Erzbischoff -Wilhelm von Tyrus behauptet, weniger seiner Tapferkeit, als der Treulosigkeit mehrerer Emirs des feindlichen Heers, welche für Geld ihren Fürsten in dieser Schlacht »erriechen ^). Er verfolgte hierauf die Fliehenden bis nach Aleppo, umlagerte die Stadt zum zweyten Male, und machte seine Absichten nunmehr kund ohne Scheu, indem er das Gebet in den Moscheen seiner Herrschaft nicht mehr für den Sohn Nureddins, sondern für sich selbst zu halten gebot, auch die Münzen prägen ließ mit seinem eigenen Namen und selbst den Titel Sultan oder Selbstherrscher sich bcylegte ^°). Auch verwilligte er dem Fürsten Malek as- Caleh hernach nur unter der Bedingung Frieden, daß ihm die Herrschaft über Damascus und alle andere eroberte Städte bliebe, und Malek as-Saleh sich mit dem übrigen Theile des von seinem Vater ererbten Reichs begnügte. Hierauf zog Saladin von Aleppo ab und bezwang auch die Stadt IZ) I,. o. aokcicntibu, Idinlvrrrs, xroättrorre srrorrrur, irr Llroirrrr, vvrrnxroruni, vl- vrorr»!!r odliniiir SsUränirrs." Wilhelm von Tyrus seht die Einnahme der Burg von Emeßa nach diesem Siegs; ich bin der Erzählung deS Bohaedbin Abulfeda gefolgt, welche das Gepräge größerer Genauigkeit trägt. Den Tag der Schlacht bemerkt Bobacddin 8 Namadgn L7c> — rg April. rö) ^knlk. S. 22, i66 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. III. Barin, welche bis dahin noch allein dem Emir Fachreddin geblieben war. Die Schlacht bey Tcll asssltan befestigte die Macht Caladins noch mehr; denn in dieser unterlag seinen durch neue Truppen aus Aegypten verstärkten Scharen Saifeddin selbst, welcher, nachdem er seinen Bruder Zenki wegen seiner Freundschaft mit Saladin gezüchtigt hatte, mit einem groben Heere über den Euphrat gekommen war. Aber dieses Heer war freylich nicht dazu gemacht, um wider Saladin und seine tapfer» Waffengcnossen zu streiten; es herrschte in diesem Heere Ucppigkcit aller Art. In dem Lager, welches Saladin eroberte, wurde eine große Zahl von Gauklern und hundert Sängerinnen gefunden, außerdem Papageyen, Turteltauben und allerlei) andere seltene Vögel in Käsigen. Saladin sandte deshalb, um diese schimpfliche Weichlichkeit zu verspotten, einen der gefangenen Gaukler mit allen diesen Vögeln an Saifeddin zurück mit dem Rache, doch solche schöne Thicre nicht wieder in Gefahr zu bringen Die Städte Bazaa, Mambcdsch und Ezaz, um deren Besitz von den Kreuzfahrern in den srühern rühmlichen Zeiten so viele blutige Kämpfe gegen die Heiden bestanden waren, entriß Saladin nach jenem Siege dem Sohne Nurcddins in wenigen Wochen, und lagerte sich daun wieder vor Aleppo. Furchtbarer als die Waffen der Feinde in der Schlacht wurden aber in dem Lager vor Ezaz dem tapfcrn Sultan die mcuchclmördcrischen Dolche der Assassinen. Drey Mörder an Einem Tage nach einander versuchten ihn z» tödtcn, nnd der erste verwundete ihn !7) S. 64. „Air dem S) r. S. 377. Eben so Bohaeddin Orte, welcher genannt wird der S. 44/ wo (S. 43) auch dieZcit der Brunnen der Turkomanen Schlacht besiimntt angegeben wird. ärtrrrIi.omLuo)v)." ^.dulslrr. 6trrvw, 18) a. a. O. König Balduin IV. -57 wirklich am Haupte; den Sultan rettete aber sein eigener starker Arm und die schnelle Hülfe seiner Leibwache. Aber wohl bekannt mit der furchtbaren Beständigkeit dieser meu- chelmörderischen Rotte in der Ausführung beschlossener Mordthatcn gerieth Saladin in nicht geringe Besorgniß; er hielt sich mehrere Tage in seinem Zelte verborgen und ließ indeß sein Lager von allen Fremden und Verdächtigen säubern Diese Besorgniß machte ihn auch geneigter, den Friedensanträgcn des bedrängten Fürsten von Aleppo und seiner Räche Gehör zu geben. Und als Malck as- Saleh, den freygebigen Sinn Saladins wohl kennend, seine jüngere Schwester in das Lager Saladins sandte, und diese nach der Anweisung, welche ihr gegeben worden, ans des Sultans Frage, welches Geschenk sie von ihm sich wünsche, um die Burg Ezaz bat: so gab Saladin auch diese wichtige Burg an das Fürstcnthum Aleppo zurück Bald darauf nahm er Nureddins Wittwc Ezmatheddin zur Gemahlin, wodurch er nicht wenig sein Ansehen vermehrte ^). Auch der Chalife ehrte ihn mit Belobungen und Geschenken schon nach dem ersten Siegs, welchen er über die Scharen von Aleppo und Mosu! erstritt. Den Meuchelmord, welchen die Affassinen wider ihn AE versucht, ließ Saladin nicht ungeahndet; er führte sein siegreiches Heer in das Gebiet ihres Scheichs auf dem Libanon, verwüstete es mit Feuer und Schwert, belagerte die Burg Masjaf, ihren dortigen Hauptsik, und gab ihnen nicht eher Frieden, als bis sein Oheim, Schahabeddin, Statthalter von Hama, dessen Fürsprache der Scheich Senan nachgcsucht hatte, ihm ricth, der Rache ein Ziel zu 19) LoliLcä. S. 26. 4". S. 427- Miroii. L/r. S. 07». ^Uiilkca. a. 4. O. 20) LokacS. 7ü. 170 Geschichte dce Kecnzzüge. Buch IV. Kap. Hl- I. ?k>r. Niemand aber war im Reiche, welcher im Stande ger wesen wäre, nützliche und folgenreiche Unternehmungen zu entwerfen und auszuführen. Den sechzehnjährigen König machte außer seiner Jugend die Krankheit des Aussatzes, welche immer fürchterlicher sich entwickelte, und ihn schon nicht selten an sein Lager gefesselt hielt, zu jeder Unternehr mung, welche Anstrengung erforderte, unfähig; und der Graf von Tripolis kümmerte sich wenig um das Reich, weil ihn, wie es scheint, der Widerspruch verdroß, den seine Widersacher auch nach seiner Annahme als Vormund gegen ihn fortsetztcn. Die Landherren des Reichs sahen unter solchen Umständen sich gcnöthigt, einen tapfern und kriegserfahrncn Fürsten des Abendlandes einzuladen, sich gaben des Wilhelm von Tyrus, welche vielleicht nur den Abschreibern seiner Bücher zur Last fallen. Auch ist es nicht richtig, wenn Wilhelm von TnruS sagt, da» die Heerfahrt in das Thal Baka geschehen scy zu der Zeit, da Saladin de» Aleppo beschäftigt gewesen eSaialiaäino astlruc circa xaitcs Uaiapiac occupmo). Vielmehr geschah stc erst nach Saladins Rückkehr nach Aegypten ; was auch daraus erhellt, da» Schamseddaulah, welcher erst im Juni oder Juli 1176 aus Jemen nach Syrien kam (Lo- Iiacck. S. 45 ), von Saladin kurz vor seiner Rückkehr nach Aegypten die Statthalterschaft über Damascus erhielt iAdutHi. cftrroii. s^r. x. 579). Vielleicht war eben diese Niederlage, deren bey den Morgcnländischen Schriftstellern keine Erwähnung sich findet, die Ursache der Zurückbcru- fung des Schamseddaulah, welcher nicht lange nach seiner Ernennung rum Slatlhalicr von Danläseus, zu Alexandrien im Scpt. 1176 Mabt nl awwal 572) starb» zufolge dem Berichte Bohacddius (a. a. O.). Nach diesen Bemerkungen bestimmt sich nn» auch die Zeitrechnung der nachfolgenden Ereignisse. Die Ankunft des Markgrafen Wilhelm von Longaspata kann nicht, wie Wilhelm von Lyrus lxrci. rz) anzibt, in das dritte Negierungsjahr Balduins IV (1175) fallen, sondern sie mu» schon in das Jahr 1176 gehören , so wie die Ankunft des Grafen Philipp von Flandern in das Jahr >177. In diesem letzter» Jahre erlitt Saladin die Niederlage bey Namla, und diese setzt auch Wilhelm von TyruS in die Zeit der Händel, welche Philipp von Flandern veranlasstc. Da» überhaupt die Jahczahlcu bey Wilhelm von Tyrus sehr verwirrt worden find, erhellt daraus, da» XXI. -6 das Jahr 117z als das fünfte Negicrungsiahr Bal- duinS iv angegeben wird, welches vom Julius a» das sechste ist. König Balduin IV. r/r der Beschirmung des Reiches zu untcrwindcn. Cie wandten sich zuerst an den Markgrafen Wilhelm Longaspata, einen wegen seiner Krlcgserfahrenheit und Tapferkeit weit berühmten Fürsten, Sohn des Markgrafen Wilhelm des Aeltern von Montferat und nahen Anverwandten der vornehmsten gekrönten Häupter der Christenheit. Denn seine Mutter, die Schwester des Königs Conrad, war die Tante des Kaisers Friedrich Rothbart und sein Vater der mütterliche Oheim des Königs Philipp von Frankreich. Als aber dieser im Weinmonat 1176 zu Sidon angekommen war, mißfiel sein heftiges jähzorniges Wesen und seine Neigung zum Wohlleben vielen Baronen so sehr, daß sie hartnäckig sich widersetzten, als ihm der Zusage gemäß des Königs ältere Schwester Sibylle zur Gemahlin, und die Städte Joppe und Askalon mit ihren Landschaften als Mitgift überantwortet wurden. Sie wurden ihm jedoch hernach gewogen, als sie seine Redlichkeit, Offenheit und Geradheit, welche niemals etwas im Hinterhalte verbarg „äher kennen lernten. Alle Hoffnungen aber, wozu die Tapferkeit und der ritterliche Muth des schönen kräftigen Jünglings berechtigte, vereitelte sein frühzeitiger Tod; er starb nach zweymonatlicher Kränklichkeit im Brachmonate des folgenden Jahres und hinterlicß seine Gemahlin schwanger. Die Landhcrren des Reichs wandten sich hierauf an den Grafen Philipp von Flandern und Vcrmandois ?°), den 27) „iVIrilnirn in irr xonr Hiioline niLximo sirxertlrius, non ns^rre tamen aä. Lnimi laosioircm." MUl. I')'!. XXI. II. 28 ) rolnsn» irrende er ^ui niliil urngnanr veiler oecnidLie xrox>o8ir1, ralenr se lori» exiiibens, inNis §erei)L( Luiirrrrnr." lü. idicl. 2y) „^cloiesLenz äecenter xroco- rus, Lorrrra. cornrnenäLinirs» crino lisvus, SNÜNOSN8 viriiider. " lä. idiä. Zv) I»oi>erri äe klonte ^.xxenäix »d Lr§eir. Qenrii!. rrri a. ir6Z. Die Grafschaften DermcrndoiS unv Mont- Dizier waren ihm alösErbtheil seiner 7 s- Cbr. 1176. Okt. IL?^. Inn. 1177 . »7r Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. III. I. 87 ,r. 1177. Sohn des alten Jcrusalemfahrers Dietrich, des Königs Oheim, einen der mächtigsten Fürsten des Abendlandes, welcher, seit langer Zeit mit Sehnsucht erwartet, im Au, gustmonat desselben Jahres, wenige Wochen nach dem Lode des Markgrafen Wilhelm Longaspata, zu Ptolemais eintraf. Die Erwartung von des Grafen von Flandern Hülfe und Bcystand war nicht gering im gelobten Lande. Aller, dings war der Graf Philipp als ein harter Mann bekannt; aber auch seine Tapferkeit und Thätigkeit war berühmt ^); und es war von ihm um desto mehr zu erwarten, daß er redlich für das heilige Grab streiten würde, als er vor dem Antritte seiner Pilgerfahrt so vielen Eifer für das heilige Land bewiesen, daß der König Heinrich von England sogar einige Zeit in dem Wahne stand, als ob der Graf nach der Krone des Reichs Jerusalem trachtete ^ ). Auch hattePhilivp manche Sünde abzubüßcn durch den Kampf wider die Heiden. Er hatte, wie es hieß, schon ein Jahr zuvor das Kreuz genommen, um sein Gewissen zu beruhigen wegen der grau, samen Verwüstungen, welche er und seine Scharen in den Ländern des Königs von England gestiftet, als er mit dem Gemahlin Elisabeth zugefallen', seit deren Bruder, Graf Rudolph, von einem unheilbaren Aussatz war befallen worden. Dgl. auch die 6c- »reLlog. l'.omuiiiri Islruär. im Reciieil «ies iiikior. I» IfrLlioe XIII- S. 4 ch. ZI) I-Iiilixpur szxioiili» rt kcnnre justitiae önriiiirnL pr»cäcve?soriin,s »ouir . cir I'. II. (Urriggo lol.) 1. I. S. 22y. A2) S. Lencäieti I-olioI>nrx. vitL Iloinr. II (in lleo. r Besonders aber war es den Pnllanen sehr erfreulich, daß seine Begleitung so zahlreich war; denn außer den flaudri- scheu Rittern, welche mit ihm das Kreuz genommen, hatten sich viele Französische ihm angeschlossen, so wie auch dev Engländer Wilhelm von Mandaville und viele andere Englische Herren; daher ihm auch der König Heinrich von England, als er mit ihm am Grabe des heil. Thomas zusammen kam, fünf hundert Pfund Silbers zu dieser heiligen Fahrt verlieh ^). Aber der Graf von Flandern entsprach gleichwohl nicht den Hoffnungen, welche seine Kreuzfahrt im heiligen Lande erweckt hatte. Die Noch des Reichs war höchst dringend zu der Zeit, da Philipp ankam. Denn der König war zu eben der Zeit, als das Reich des Markgrafen Wilhelm beraubt wurde, zu Askalon von seiner Krankheit so heftig überwältigt worden, daß er nur in einer Sänfte sich nach Jerusalem tragen lassen konnte. Darum sandte der König nicht nur nach Ptole- mais einige Barone, um den Grafen mit den höchsten Ehren zu empfangen und an den königlichen Hof zu geleiten; sondern sogleich nach seiner Ankunft in Jerusalem wurde von einer Rathsversammlung, wozu der kranke König die geistlichen und weltlichen Barone, so wie die Großmeister der Orden berufen, einmüthig beschlossen, dem Grafen Philipp die Verwaltung des Reichs ohne alle Beschränkung, alle Gewalt über Krieg und Frieden, so wie die Gerichtsbarkeit und die freye Verfügung über alle Einkünfte und Gefalle des Reichs zu übertragen. Die Barone des Reichs Jerusalem sahen aber bald, wie sehr mit der Ehrlichkeit und Reol-chkeit des Markgrafen Wilhelm die schlaue Verstecktheit und stets berechnende Ab- LL) Lcnca. keerov, x, M, König Balduin IV- *75 sichtlichkelt des Grafen Philipp im Widerspruche stand. Den Abgeordneten des Königs , welche ihm den Wunsch der Reichsversammlung kund thaten, antwortete er mit verstellter Bescheidenheit: er sey nicht gekommen, um an Dem Grabe des Heilandes zu herrschen, sondern vielmehr Gott zu dienen, und erbitte deshalb, daß der König einem andern Fürsten die Verwaltung deS Reichs übertragen möge, welchem er mit allen seinen Heergcnossen nicht mindern Gehorsam zu leisten willfährig sey, als seinem Obcrherrn, dem König von Frankreich; auch möge er nicht durch die Uebcr- nahme eines Amtes sich dis Freyheit beschränkter, in sein Vaterland zu jeder Zeit, wo es dessen Nothdurft erheische, zurückzukehren. Die Nothwendigkeit, die Verwaltung deS Reichs in kräftige Hände zu legen, wurde aber immer dringender, zumal da den von dem Könige Balduin bekräftigten Verabredungen des Königs Amalrich mit dem Kaiser Manuel gemäß eine griechische Flotte von siebzig Schiffen in dem Hafen von Ptolemais angekvmmen war, und vier vornehme griechische Botschafter in Jerusalem auf die schleunige Vereinigung der zugesagten Truppen und Schiffe mit jener Flotte drangen, damit die günstige Zeit für den Angriff gegen Aegypten nicht verloren würde. Auf eben diese Nothwendigkeit baute der Graf Philipp alle seine heimlichen Pläne, welche er anfangs unter der ZK) Nehmlich Andronicus Attgclus- des Kaisers Schwestersohn, Johannes Megaltriarcha (wahrscheinlich Johannes Ducak), der Graf Alexander von Gravina (Lomes LnpcrsaiicnLis, vielleicht Lonversanonsis) aus Apulien und Gcorgius Sinaites, ein vornehmer Hoffmann. WiM. Z>r- XXI. iü. DeS Grafen Alexander wird auch sonst in der Geschichte deS Kaisers Manuel gedacht: denn ihn» wurden wichtige Aufträge anocrtraut. S. Der. ad Llexio I goslarnm eto. S. L7n Kor. Er war auch unter den Gesandten- welche mit Amalrich zuerst den Bund gegen Aegypten »nterhan- delien. S. öden S> -ij. >iS. I- Chr. 1177. I. Ck>r. 1177 - 776 Geschichte der Krcuzzüge. Buch IV. Kap. HI. Hülle erheuchelter Bescheidenheit so sehr verbarg, daß selbst keiner der schlauen Pullanen sie ahndete. Selbst die Aufforderung des Königs, daß der Graf doch wenigstens die Führung der Truppen, welche mit den Griechen nach Aegypten ziehen sollte, übernehmen möchte, wurde mit derselben erheuchelten Bescheidenheit abgclehnt. Die Absichten -es ehrgeizigen Grafen wurden erst kund, als ihm der König die Nachricht mittheilen ließ, daß seinem Nathe zufolge der ehemalige Fürst Rainald von Antiochien, welcher seit seiner Rückkehr aus dem Gefängniß zu Aleppo, aus welchem zwei) Zähre zuvor seine Freunde ihn losgckauft hatten, mehrere Male schon des Königs Stelle vertreten hatte, zum Führer des Aegyptischen Heers ernannt worden sey, jedoch unter der ausdrücklichen Bedingung, nichts zu unternehmen , ohne den Rath und die Bestimmung des Grafen von Flandern. Diese Nachricht übcrbrachte ihm der Erzbischofs Wilhelm von Tyrus als Kanzler des Reichs; und derselbe hat in seiner Geschichte des Reichs Jerusalem ausführlichen Bericht über diese Verhandlungen erstattet Der Graf Philipp ließ den Aeußcrungen seiner Empfindlichkeit über die Ernennung des Fürsten Rainald zum Statthalter des Königs freyen Lauf, und meinte, es wäre ein solcher Statthalter dem Reiche wenig ersprießlich, vielmehr müßte die Gewalt in die Hände eines Fürsten gegeben werden, der für seinen eignen Nutzen arbeitete und also auch Aegypten für sich gewinnen würde, falls Gott dieses Land den Christen verleihen sollte. Der Erzbischofs Wilhelm crwicdcrte auf diese Acußerung, daß ein solcher Gewalthaber nicht anders ernannt werden könne, als wenn ihm der König auch seine Krone anfsetze, 57) I-ib. XXI, r4 — iz. König Balduin IV. 177 worauf der Graf mit noch mehr gereizter Empfindlichkeit hinzufügte, es scy ihm nicht wenig auffallend, daß man mit ihm über die Vermählung seiner Nichte, der Wittwe des Markgrafen Wilhelm, keine Berathimg pflege. Der Erzbischofs, welcher nunmehr deutlich die Absicht des Grafen merkte^), dem kranken Könige Krone und Sccptcr zu entwinden, versprach diese letztere Angelegenheit dem Könige vorzutragen und dessen Entschließung am andern Tage zu melden. Des Königs Entschließung fiel dahin aus, daß er gern des Grafen Rath über die Vermahlung seiner Schwester vernehmen würde, obwohl es der Sitte und Gewohnheit des Reichs Jerusalem ganz entgegen wäre, eine Wittwe, zumal eine solche, welche von ihrem verstorbenen Gemahls schwanger wäre, vor dem Ablaufe des Trauerjahrs wieder zu vermählen. Worauf der Graf mit Hastigkeit erklärte: es sey unziemlich, einen vornehmen Mann der Gefahr auszusetzcn, verworfen zu werden, und deshalb könne er nicht eher seine Meinung eröffnen, als bis die Barone des Reichs ihm mit einem feyerlichen Eide gelobt haben würden, denjenigen anzunehmen, welchen er als Gemahl der Markgräfin ihnen Vorschlägen werde. Vergeblich setzte der Erzbischofs Wilhelm ihm aus einander, daß es des Königs unwürdig wäre, für seine Schwester einen Gemahl bestimmen zu lassen, dessen Person und Name nicht einmal bekannt wäre. Der Graf aber stand mit heftigem Unwillen und Grimm erst von diesem Verlangen ab, als er gewahr wurde, daß der König und die Barone fest entschlossen waren, es nicht zu gewähren. 88) sumrrs kominis viLli- riLLr ec siiLisrrnin mencis eoiree» xcun», yuoä hrii tsm lioneste 2 äo- vrirry ke§e Ltiscexuis erac, oouna HI. VlMv. 3. 1eK63 con32n§nin;tLi.L«, IrosxitalitL- c»s immenwr, in srixx-lLirrLdionsur äomini käse woliri LNentarec. 0. 14. M I. Cye. » 77 - r78 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. III. . Ck,r. Es ward bald kund, daß der Graf Philipp nicht einmal für sich selbst dem Könige Balduin Macht und Würde rauben wollte, und wie konnte auch wohl der reiche Graf von Flandern nach einem so unsicher,. Throne Verlangen tragen? Er hatte vielmehr die Wittwe des Markgrafen Wilhelm und deren jüngere noch nicht einmal mannbare Schwester, und alle Rechte und Ansprüche, welche durch diese Hcirath erworben werden konnten, den beyden Söhnen des Vogtes von Bcthune zugedacbt, welcher ihm auf Zureden des Ritters Wilhelm von Mandaville alle seine Besitzungen in Flandern erblich zu überlassen versprochen hatte, wenn jene Heirarhen zu Stande kamen. Als nun Graf Philipp merkte, daß diesem Plane vieles im Wege stehe, so wurde sein Benehmen immer unfreundlicher. Die Barone luden ihn indcß ein, ihrer Rathsver- sammlung beyzuwohnen und ihnen bcyzustehen mit seinem Rathe wegen der Unternehmung gegen Aegypten, auf deren Ausführung die griechischen Gesandten mit Heftigkeit drangen, indem sie gelobten, daß von der Seite des Kaisers Manuel jede Verbindlichkeit auf das gewissenhafteste würde erfüllt werden. Für diese Unternehmung war besonders auf den Beystand des Grasen von Flandern und seiner Ritterschaft gerechnet worden, und seine Aeußcrungen hatten bis dahin diese Erwartung genährt; es ergab sich aber nunmehr, daß es ihm auch damit nicht Ernst war. Denn als ihm der Vertrag mit dem Kaiser Manuel vorgelegt und er um seine Meinung befragt wurde, so antwortete er mit Kälte, daß ihm als einem Fremden die Beschaffenheit des Landes Aegypten, welches zu gewissen Zeiten vom Nilflusse gleichsam verschlungen würde, nicht genugsam bekannt wäre, um zweckdienlichen Rach zu geben; jedoch habe er vernommen, daß viele Türkische Scharen nach Aegypten gezogen seyen, und halte schon deshalb diese Zeit nicht für günstig; außerdem nahe schvn der Winter und die Zeit der Ucberschwcm- iniüigen, und es wäre zu besorgen, daß alsdann dem Heere Hunger und jeglicher andere Mangel verderblicher seyn würde, als die Schwerter der Feinde. Die Barone er- wiederten zwar mit Ruhmredigkeit, daß nach seiner Wahl, wenn er zu Lande ziehen wollte, sechs hundert Kamcele bereit stünden, um für seine Truppen Nahrungsmittel, Kriegsgcräkh und jegliches andere Bedürfniß nach Aegypten zu bringen, oder Lastschiffe, so viel er begehren möchte, falls es ihm lieber wäre, seine Truppen und sein Heergeräth zu Wasser dahin zu führen ^). Philipp aber brach diese Unterhandlungen ab mit der trotzigen Erklärung, er hätte nicht Lust mit seinem Heere in Aegypten Hungers zu sterben und würde an dieser Heerfahrt keinen Theil nehmen, indem er und seine Hcergenvssen gewohnt wären, nur in reichen Landschaften, nicht in Hungcrländern zu streiten; er wäre aber bereit sonst überall für Gott und zum Nutzen des Reichs Jerusalem wider die Heiden zu kämpfen. Gleichwohl war der Graf sehr ungehalten, als die Unterhandlung mit den Griechischen Botschaftern fortgesetzt wurde, und erklärte dies für ein absichtliches Bestreben, ihn und seine Genossen zu beschimpfen. Die Barone, welche, auch nachdem sie bereits so viele Beweise der Unzuverläßlich- keit des Flandrischen Grafen erhalten hatten, sich nicht entschließen konnten, der Hoffnung auf seinen Beystand zu entsagen, ließen sich durch jene Beschwerden des Grafen Philipp bewegen, den griechischen Botschaftern zu erklären, zy) Odrulinnis ei sexcenros eame- los aä. vioniali», Lrm.T er csereiL imxeäinieirrornm. Avnera xer rerras äeporrruiÜL er nave» cjuvr^uvr k»- Deret rieoeskLiias all alrmenkL srvs irellieis usidus ueeessLrias iriLckin»-. rum »oLes xer äevetienä»», o. i 6 . M» »zo Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. III. 2 . Tbr. daß vor dem Ablaufe deö nächsten Aprilmonates ihnen un- H73. möglich wäre, die verabredete Heerfahrt nach Aegypten zu unternehmen. Kaum war diese Erklärung gegeben worden, so verrichtete derGrafPhilipp, nach vierzehntagigcm Aufenthalt zu Jerusalem, sein Abschiedsgebet am Grabe des Erlösers, nahm den Palmzweig, das Zeichen der vollendeten Wallfahrt 4°), und begab sich nach Neapolis, also daß niemand zweifelte an seinem Entschlüsse, ohne Verzug in seine Heimath zurückzukehren. Die Griechischen Botschafter gaben nach der Abreise des Grafen Philipp alle Hoffnung auf, daß die Unternehmung gegen Aegypten zu Stande kommen könne, und rüsteten sich schon zur Abfahrt, als ganz unerwartet der Vogt von Bethune zu Jerusalem erschien und erklärte, der Graf von Flandern habe nach reiferer Erwägung sich entschlossen, der Aegyptischen Heerfahrt eben so willig beyzuwohncn, als jeder andern. So ungern die Barone des Reichs auf diesen Antrag sich einließen, da so öftere Aendcrung der Meinung ihnen eine unwürdige Unbeständigkeit zu seyn schien: so wagten sie dennoch nicht, diesen Antrag abzuweisen, in der Besorgniß, der Flandrische Graf würde ihre Weigerung benutzen, um bey der ganzen abendländischen Christenheit sie zu verleumden, und die ganze Schuld der vereitelten ägyptischen Heerfahrt auf sie zu walzen "'). Auch die griechischen 8umrL xalmL, 4noä est rrpuä Dos cooLumnratLe xereßiinarionis e. i?. 4i. iä sumra» oxers nned.i- rur, yiroä nos in onlpsm trükerer er soribere u1tr»i»0Ntaui8 xrincixi- dus posset, per «os stelisse . ii7): „Von Antiochien ist Harem eine Tagereise entfernt." KSnig D aldiiin IV. ig; Vergnügungen, welche jene üppige Stadt darbst; und die übrigen Niller, welche im Lager blieben, beschäftigten sich mehr mit Brctspiel und andern Zerstreuungen, als mit dem Kampfe wider die Heiden. Die Erschlaffung und Unlust wurde noch dadurch vermehrt, daß der Graf von Flandern täglich von seiner baldigen Rückkehr redete. Daher wurde nach vier Monaten, wiewohl einige Anstrengung leicht jene wichtige und durch die lange Einschließung sehr bedrängte Burg in die Gewalt der Christen hätte bringen können, die Belagerung aufgehoben, und der Fürst von Antiochien erhielt von den Heiden in Harem, weichen die Stimmung der Belagerer unbekannt war, Geld für den Abzug"). DerGrafvon Flandern feyerke hierauf das Osterfest zu Jerusalem, sah das Wunder der Anzündung der Lampen in der Kirche des heiligen Grabes und schiffte dann zu Laodicea sich rin, das Land verlassend, wo er seinem Namen ein schlimmes Andenken gestiftet hatte"). Mit großer Freude und begeisterten Ehrenbezeugungen empfingen dagegen den zu- rücksehrcnden Grafen die Flandrer, und die Städte seiner Grafschaft wetteiferten, ihn durch Geschenke zu erfreuen "). 44 ) wun. I'vr. XXL. 24. Dieser Belagerung von Harem erwähnt als einer Unternehmung, welche dem Grafe» kci»c Ehre brachte, auch das Ir I?rr,ice XIII.) x. 425. 2>r. 4ü) Oie Stadt Bruggs hatte den wahrhaft flandrischen Einfall, den Grafe» bev dieser Gelegenheit mit «wem schon vor geraumer Zeit a» der Äuge von Flandern gefangenen und cingesalzenen Delphin zu beschenken. lernnr. ÜLdcliat enim Lei similltn.» flinem .ivi- rortrum xcrirmxununr er kriper cLpnr carlilAginrm «imillimz.in." ^.gnicinctin, ». 2gz. Wgl. Lilroir. I 4 när. Marcian. (ibrä.) x. 42Z. Der in der Thronik von A>ich!n beschriebene ungeheure Fisch ist übrigens nach einer von Herr» Rudolphi I. Ehr. 1177. 117g. I. Cbr. r-78- »84 Geschichte der Kreuzziige. Buch IV. Kap. III. Während die Ritterschaften von Antiochien und Tripolis mit dem Grafen von Flandern vergeblich vor Harem gelagert waren, gewann die Ritterschaft des Königreichs über Saladin einen herrlichen Sieg, welcher die Ecmüthcr der gvtteofnrchtigen Christen um so mehr erfreute, als er, zwar nur für eine kurze Frist, ihnen die Hoffnung gewahrte der Rückkehr der vorigen glorreichen Zeit, in welcher durch das feste Vertrauen auf Gott und das heilige Kreuz oftmals wenige Christliche Ritter über zahlreiche Scharen der Heiden gesiegt hatten. Denn auch dieses Mal unterlag das große Heer des gefürchteten Saladins der Tapferkeit einer geringen Zahl von Christlichen Rittern ^). Als die Kunde gebracht wurde, daß Saladin im Anzüge sey, eilten der König Balduin, zwar mit siechem Körper, und der Rcichsverweser Rainald nach Askalon; und bald darauf erschien vor dieser Stadr der erwartete Feind, welcher Vas ganze Gepäck seines Heers bey Al - Arisch zurück- gelassen hatte. Worauf zwar die Ritterschaft des Reichs unverwcilt unter Rainald auszog, nur eine kleine Besatzung in der Stadt zurücklaffend; als sie aber des zahlreichen heidnischen Heers gewahr ward, da entsank den meisten der mir freundschastlichst mitgethcilten Belehrung nichts anders als der Oclpirrnris gl»än,ror (bei) I-acei>,-äe Ulkt, rnrtrrr. äes aetLaöes ZO2) oder Dclxlrinrrs Oraa (bet) Lriirrö L^st. nak. clt. Siirciiir 1'. I. x. azr) oder Isiinaacira Orca (bei) Lavier ie Dogne anirutrl V. l. x. Z 7 g). Bey den Schiffern heißt dieser Fisch, welcher i» den nördlichen Meeren sich ausbälr, der Buttskopf. Der Graf Philipp kam Im Okt. 117s wieder nach Flandern. Er reine von Con> siantincpsi zu Lande, und besprach während seines Aufenthalts in jener Hauptstadt mit dem Kaiser Manuel die Vermählung des jungen, nachher so unglücklichen, AlexiuS mit der Tochter des Königs von Frankreich, welche auch wirklich zu Stande kam. Lliroir. /VIlierioi (in I-cidnir. , 4 aacs«. irrst.) S. 343 - 47) Zn diesen Gottesfnrchtigen gehörte der edlcErzbischoffWilhelm von Tyrus, der sich nach der Erzählung dieses Siegs frommen Empfindungen und Betrachtungen überläßt. XXI. -4- König Balduin IV- > 8 ; Much, und alle hielten es für räthlich den Kampf zu weis den; und nur einzelne Ritter rannten wider einzelne He» den Am Abende dieses Tages kehrte die Christliche Schar nach Askalon zurück, in der ängstlichen Erwartung, daß diese Stadt unverzüglich von Saladin würde berennt werden. Ade. die Heiden, welche durch dcn nmthlosen Rückzug der Christen verwegen geworden waren, zerstreuten sich, um in dem Lande zu plündern und zu verwüsten; eine Schar zog unter der Führung eines Armenischen Renegaten nach Ram» la^s, verbrannte diese Stadt, deren Miliz mit dem Könige Balduin in Askalon war, und zog dann gen Lidda; eine andere Schar kam gegen Jerusalem und drang vor bis nahe an dieStadt^), und verbreitete solches Schrecken, daß die Einwohner der heiligen Stadt in die Burg Davids flohen. Ueberall herrschte im Lande die gewaltigste Furcht, und von dem flachen Lande und aus den unbewehrtcn Städten flohen alle Einwohner in die nahen Burgen. Sobald die Ritterschaft in Askalon vernahm, wie das nNov. H77. heidnische Heer sich zerstreut hatte, so brach sie aus der Stadt voll Muth und Vertrauen; es war am Lage des heil. Peter von Alexandrien, des Märtyrers, und der heil. Katharina. Der König Balduin und der Reichsverwcscr Rainald führten das kleine Heer. Der Graf Jvscelin, welcher nicht lange zuvor mit dem Fürsten Rainald aus der Gefangenschaft zurückgekehrt war, des Königs Oheim und Se- neschall des Reiches, so wie Balduin von Ramcs folgten Mit ihren Scharen; auch Odo von St. Amand, Großmeister 48 ^ Utidiris ramair inreränm sin- xulLribns oonÜiLtidn.s. lä. XXI. 2o. 4g) Ivclinus nomine, vir I)eI1o xronus, vü LxostLls, yrii relietL meciiLtoris Dei et komrnnm üäe L<1 xenkilem imxretLtem, devis. seeii- rns, ve «rornnlerak, iiLtione ^rme- inis. ib. o. Lr. §o) „l/r^ne aä locum äieitur LsIesUL." Idiä. 2. Cbr. H78. 186 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. HI. der Templer, hatte achtzig seiner Brüder zu dem Könige ge- führt. Das ganze Christliche Heer zählte aber nicht mehr als dreyhundert und siebzig Geharnischte. Der Bischoff Albrecht von Bethlehem trug das heilige Kreuz. Die Spuren der Verwüstung und die Brandstätten, welche sie auf ihrem Zuge erblickten, entzündeten noch mehr den Mnth und die Kampflust dieser kleinen Schar. Sobald die Christen unfern von Ramla des Lagers der Heiden ansichtig wurden, stieg der kranke König herab von seinem Wagen, fiel nieder vor dem heiligen Kreuze ans die Erde, und erflehte mit inbrünstigem Gebete und Thräncn den Beystand Gottes in dem bevorstehenden Kampfe. Dieser Anblick ergriff die Gemüther so heftig, daß einmüthig die Ritter einander schworen, nicht zu fliehen, welchen Ausgang immer der Kampf gewinnen möge, sondern auszuharren bis in den Tod Hierauf stürmten sie mit aller Gewalt wider die Heiden. Es war um die achte Tagesstunde, als der Kampf begann. Dem Sultan Saladin nutzte nicht die große Zahl seiner Streiter, deren sechs und zwanzig Tausend leicht bewaffnete Reiter gewesen scyn sollen, ohne diejenigen, welche auf großen Streitrossen und Camcclcn ritten, denn er vermochte nicht sie zusammen zu rufen und zu ordnen, als die Christen in der schönsten Ordnung anstürmten ^). Zwar widerstanden ri) Solches berichtet Abulfaradsch in der ihr. Chronik. 8. 37y. Zo; Also Wilhelm von Tyrus und Abulfeda. Nur von dem erster» sind die Zahlen der Truppen SaladinS angegeben. BohacLdin,welcher dicscrSchlacht nur mit wenigen Worten erwähnt, gibt folgende Nachricht nach der eignen Erzählung SaladinS von diesem Unfälle (S. 4ü): „AIS schon dis Muselmänner sich bev Annäherung de- Feindes in Schlachtordnung gestellt, so rieth einer der Emire, die Stellung der beyden Flügel zu verwechseln , so dag den Streitenden der Rücken gedeckt würde durch eine» bekannten Hügel im Gebiete von Namla. Während dieser UmwechS- lung der Flügel überfielen die Franken die Muselmänner', denn Gott batte deren Niederlage beschlossen, und eh war eine schwere König Balduin IV, r 87 dem ersten Angriffe die Heiden mit Kraft, bald aber wichen sic in der zügellosesten Verwirrung, nur die Leibwache des Sultans von Tausend Mameluken , weiche, wie der Sultan, gelbe Gewänder über ihre Panzer trugen"), widerstand so lauge, biS Saladin selbst dem Andrange der Christlichen Ritter durch schmähliche Flucht sich entzog. Nur wenige dieser seiner tapfern Waffengcnvssen entrannen dem Schwerte durch eilige Flucht, Waffen, Kleider und Gepäck von sich werfend. Selbst Saladins vertrauter Freund, der Mönch Jsa, siel in die Gefangenschaft der Ritter und wurde von ihm hernach mit sechzig Tausend Goldstücken gelöset; sein Nesse Ahmed, ein schöner und tapferer Jüngling, war unter den Gefallenen. Zwölf Rasten weit verfolgten die Christen die fliehenden Heiden"); und erst die Nacht endete Niederlage." Der scheinbare Widerspruch »wischen dieser eignen Erzählung Saladins und den Berichten der andern Schriftsteller ist aber leicht zu lösen, Nemlich nur der Thcil des Heers, welcher zum Schüsse des Lagers zurüekgeblicben war, stellte sich in Schlachtordnung; und zu der Niederlage eben dieses geordneten Thcils des Heers trug es gewiß sehr vieles bcy, das; die Muselmänner noch l-dmit beschäftig! waren , sich umzusiellen, als der Angriff geschah. Der in der Erzählung des Sultans bezeichnete Hügel ist wahrscheinlich der in der Anmerkung 84 vorkvmmende Mons 6 is»rsii. 83) Oe cgreziis mille, gni omne, corporis nssisrehanr. öolcnr eniin llurcorum Satrap»« er wajoree prru- oipes, guos ipsi lingna ^ralüoa voran! Lm)'r, .rsiolescentos sive ex ancillis natos sive emplos sive ca- spem liabere non mosiic.rniIios liugna »ua vocrnr lAamelnc. Wii!-. l/r, XXI. 2Z. 84) „Insecnri znnr nostri. . . alr co loco gui siioirnr iVIous Sisar- sir nsgue -ist paluäem iil.nn gnas vulgo äicirur LauucInUI (l, Oan- nerum) L s r n r n e Ilo rn in (d. I. Sprchensumpf) . . . per stuostcoim vcl aiuxtlns nnUraria," Ibia. . I- Ehr, H78- s. Cbr. » 73 . li>8 Geschichte der Kreuzzügc. Buch IV. Aap. III. das Würgen. Viele Muselmänner wurden noch in den folgenden Tagen Opfer der heftigen Kälte und des ununterbrochenen Regens und des Mangels an Nahrung in der Wüste, worin sie umherirrten; viele überantworteten selbst sich den Christen, um dem Hungertode zu entgehen. Andere, welche den Christen entflohen waren, fielen in die Hände der umherziehenden räuberischen Araber, welche selbst den Sieg der Christen über ihre Glaubensgenossen benutzten, um das bey Ai-Arisch zurückgelassene Gepäck Saladins zu plündern. Die Rosse der Rciterey und fast alle andere Lastthiere des Heers kamen um durch Mangel und die Rauhigkeit der Witterung "). Der Sultan selbst entrann nur mit Mühe dem Verderben 5°). „Mehr als einmal," schrieb er nach dieser Nie, Verlage an seinen Bruder Thuranschah, „war ich dem Untergänge nahe, und nur Gott hat mich gerettet, um ferner, hin durch mich seinen Willen zu vollbringen ^)." Die Christliche Ritterschaft aber zog froh des mit geringem Verluste errungenen Siegs und mit reicher Beute zurück nach Jerusalem "). Zs; Auf das vollkommenste übereinstimmend sind die Nachrichien von diesem großen Verluste Saladins bey Wilhelm von Lyrus und Abulfcda. Stbulfaradsch fuhrt in der syrischen Chronik (S. Z 8 °) folgende Acußerung eine, gleichzeitigen Annalisten, Len er nicht nennt, an. »Als ich in den Straßen von Misr reitende Herolde fad, welche ausriefen, dag der Sultan gesiegt hätte und die Franken besiegt wären, so näherte ich mich, um von den Herolden das Nähere zu erfahren. Worauf ich die Worte vernahm : Freuet euch und jubelt, weil der Sultan gerettet ist. Daraus erkannte ich sogleich, dag dasjenige. was sie ausriefen, das Eegentheil war dessen, was sie wußten." ZS) „8tUt>>i»Li,iiis, gut anm link» eiizierdia et tam mii.ltixlj.oi egiiitL- rii »eoenstsrat, äiviim xercuren« niLiiii vi.< mim acntnm oHiiililius reversu» eer, ixeo Hwogiie camela invectus sticirur. " ivilii. "0z-r. XXl. 24. S7) Einen Thctl dieses Briefes thstlt Abulfeda mit (S. Z2i aus der Chronik des Ebn al - Athir. 23) ,,Oe nostris in xrimo oon- kliotu gimruor aur yuingite ooau- ducriint cgiiites, xeäites tltttcm »a oerrum r^uem iioe ixiioramus üit- incrum." V/ild, Vxr. XXI. »z. Aintg Dal du in IV. r89 Jedoch auch dieser glänzende Sieg trug keine Frucht, d-,T»r,. und den dadurch gewonnenen Vortheil vernichteten die Unglück'sfalle des folgenden Jahres. Die Christen begnügten sich während der Ruhe, welche der überwundene Salar dm zu halten genöthigt war, die zerfallenen Mauern von Jerusalem wiederherzustellen, vermittelst der Bcyträge, welche in den abendländischen Reichen gesammelt waren und eine Burg am Jordan auf eine Anhöhe zu bauen, zehn Rasten von Paneas da wo der Erzvater Jakob über den Jordan ging, als er aus der Dienstbarkeit in Mesopvta, mie» heimkchrte. Innerhalb sechs Monaten kam der müh- same. Bau dieser Burg zu Stande, wiewohl sie sehr fest, in viereckiger Gestalt, erbauet wurde und von stattlicher Höhe. Durch diese Burg verlegten die Christen den Heiden einen der wichtigsten Uebcrgänge über den Fluß. Gleichwohl större keiner der Heiden diesen Bau, außer einem Nauber- volk, das nicht lange zuvor noch auf den Gebirgen bcy Pto- lcmais in einem unzugänglichen aber fruchtbaren und ans mulhigcn Landstriche wohnte, den Heiden wie den Christen verhaßt, wegen seines Uebermuthes und steter Räubercyen und Mordthaten °*), aus diesem Schlupfwinkel aber von den Christlichen Rittern durch einen kühnen Uebcrfall war § 9 ) ,»I7e Linpleretur LUnä, sagt Wilhelm von TyruS (XXI. 25 ), üe- (Ps. 8o, iy)." 6o) „6r,xer rixss lorüanis Ln eo loco Hui vnlßo Vaclrrm Itrcol) ax- xcllaror. " 'VVLUi. I'^r. XXI. 26. Denn dorthin versetzte man die Scene des r B. Mos. 33. erzählten Ereignisses. Ganz übereinstimmend mit Wilhelm von Lyrus beuchten von diesem Baue Abulfeda (^.unLl. mosl. aä L. 275 S. ) und Abulfaradsch (6^cnr. Sfr. S. 38o. 38r). 6i) „Lranr larrnnculi üe loco Ln inoirtllrus ^.eeoniini» (le^. ^.cconeusilio«) sito, coi »L- esäes rromen» ^nL vrrlgo Lncu.el ilicicur. Hie locus irr lLnilnis 7.r- buloir sLtns e»t, rrmoeouL Lcimo- üum; er licet Ln snmmLs montinm, tsmen scjtiis irri^uns est er avdo- rnm lrucrikerarnm Ire^uenriL con- situs, litiblrarores liabens Ln5olco- res, Lrmrs Ltrennos ec numeioziläte Igo Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. III. 2 . isis ljuksiurclam aäliua no- Ins ineoAnttis venire reaneavit. Vt'itk. k>r. 1 . c. Diese Ursachen dürfen bey der damaligen Sage des Vkcichs Jerusalem nicht weit gesucht werden. 7Z) VVUIu 0 )'r. XXl. zo. 7 S) Intra Uascltalia xraetcr worem eoleninia. lä. XXIl. r. 7S) Wilhelm von TnruS spricht a. a. O. sehr geheimnisvoll von dieser Wahl, und bemerkt mit dem bey solchen Gelegenheiten ihm gewöhnlichen Ausdrucke, sic sey geschehen causr» 'tuilnuiiam iittervcntentivns. König Balduin IV. -97 schlechte angehörig und ein sehr wackerer Ritter, war zu 2. §k>r. einfachen Wesens und von listiger Welrkliigheit zu sehr ent« scrnt, als daß er unter einem Volke, wie bas damalige Christliche in Syrien, zu einem großen Ansehen hätte gelangen mögen. Darum erhob sich ein allgemeines Geschrei), daß Veit von Lusignan weder durch Tapferkeit und Klugheit, noch durch Reichthum und Ansehen tüchtig wäre zur Behauptung der ihm zugedachtcn Krone und des Vorzugs vor so vielen vornehmeren einheimischen und fremden Rittern , welche damals in Syrien waren ' °). Für Veit war daher diese Erhebung, wie sich vorhersehen ließ, »ich- ersprießlich, vielmehr der Anfang eines sehr unglücklichen Levens; sie brachte ihn nur zu der nichtigen Ehre, der Stammvater eines Geschlechts zu seyn, welches einige Jahrhunderte hoher Titel sich rühmte, Kronen trug ohne Macht und Gewalt, und abhängig war von den Launen der unsteten Staatsklugheit anderer mächtigerer Fürsten. Die Lage des Reichs hatte überhaupt sich so gewendet, daß nur Waffenstillstand mit den Heiden, ober Partcyung und Krieg der heidnischen Fürsten unter einander dessen Dauer fristen konnte; zumal da unter den Christlichen Fürsten selbst des Unfriedens und gegenseitigen Mißtrauens 78) t^namvis »oviNores et xru üentiorcs, äitiores etisw in Ncgno -VVNIr. l c. Der Ritter Gottfried Dinisaut, Geschichtschreiber der Kr«uzfahrt des Königs Richard Löwenherz, welcher den nach- herigen König Veit persönlich kannte, urtheilt über i:>n, wie aus der Ee- ichichte seines Lebens hervorgeht, sehr richtig also: ,,1-ex 6»iüo nun« tibdiiuttS. " Iler Uiinozoi. ItioNarüt Ncgls in (Sale LS.'r»r. .-r»gl. lf. Ik. S, gor. iy8 Geschichte der Kreuzzüge. Buch 7V. Kap. III. I. Ckr. kein Ende war. Denn immer neue Ursachen weckten von n3o. neuem den Unfrieden, welcher seit dem Anfänge dieser Eottesfahrten die Christliche Macht geschwächt hatte. Als nun der König vernahm, daß die Stadt Liberias, welche Saladin überfallen, nur durch die Anwesenheit des Fürsten Vormund von Antiochien und des Grafen von Tripolis, welche auf der Rückkehr in dieser Stadt einige Tage geruht hatten, war gerettet worden, und daß überhaupt der Sultan feit der Beendigung des Krieges in Kleinasien mit großen Unternehmungen umgehe gegen die Christen: so sandte er;u ihm Botschafter und begehrte einen Stillstand für das Reich Jerusalem, sowohl zu Wasser als zu Lande, und für die fremden nicht minder, als die einheimischen Christen. Saladin gewährte solchen Stillstand willig, jedoch, wie der Erzbischoff Wilhelm von Tyrus selbst urthcilt, nicht aus Furcht vor den Kreuzesrittern, sondern weil es seinem Heere wegen der Dürre und Unfruchtbarkeit, welche fünf Jahre hindurch im Lande von Damascns geherrscht, an Nahrung fehlte ^). Mit banger Ahndung bemerkt derselbe Erzbischofs, welcher zu dieser Zeit thatigen Antheil an allen Angelegenheiten des gelobten Landes nahm, daß dieser Anstandfrieden zwischen den Christen und Heiden der erste gewesen, welcher unter ganz gleichen Bedingungen, und ohne irgend einen bcsondcrn Vorchcil für die Christen geschlossen worden "). Saladin wandte hierauf seine Macht gegen die Grafschaft Tripolis, indem er das Land verwüstete und die formiäilli. XXII. i, nilril ^raceipni nvLtris 5rl)i in es sa;is Hr;rclioue res^rvantidus. Ikizl, König Balduin IV. ,99 Früchte auf dem Felde und in den Scheunen zerstörte. Kein d^ss>r. Christlicher Ritter wehrte den Heiden diese Verwüstung; der Graf Raimund blieb in seiner Stadt Area, eine günstige Gelegenheit erwartend, den Feinden zu schaden, welche nicht erschien; die dortigen Templer und Johanniter blieben gleichfalls furchtsam in ihren Burgen, und e6 war selbst die Verbindung zwischen den Vesten und Städten dieses Landes durch die umherstreifenden Feinde so zerstört, daß weder gegenseitiger Beystand möglich war, noch Nachrichten von einer zur andern gelangen konnten. Zu gleicher Zeit belagerte eine Flotte von funfztg Schiffen, welche Solarst» aus Aegypten vor dem Waffenstillstände mit dem Könige zur Belagerung von Bcrytus beschieden hatte, die Stadt Aradus. Bald aber gewährte der Sultan dem Grafen von Tripolis einen Stillstand aus gleichen Ursachen, wie dem Könige Balduin, hob die Belagerung von Aradus auf und beschäftigte sich mit der innern Anordnung seines Reiches und Rüstungen zu künftigen größcrn Unternehmungen. Für die Christliche Herrschaft in Syrien war der Tod des Griechischen Kaisers Manuel um diese Zeit ein desto schmerzlicherer Verlust, je dringender sic jeder Stütze bedurfte. Dieser Kaiser, obwohl die Wallbrüdcr der zweyken großen Heerfahrt nicht mit Unrecht zum Theil seinen Maßregeln wider sie das Mißlingen ihres Unternehmens beymaßcn, war dennoch ein eifriger Beschützer der Christlichen Herrschaft in Syrien, und es war die eigene Schuld der Kreu- zesritter, daß die Bündnisse, welche er mit ihnen wegen eines gemeinschaftlichen Angriffes von Aegypten geschloffen, nicht von besserer Wirkung gewesen waren Er selbst 7s) Die Hospitaliter begaben sich j,i wohl zu unterscheiden von der glcichna- die Burg Crach, welche sic dort besagen, migen an der Arabische» Gränze. XXII. L OieseBurg isialso S. oben. roo Geschichte der Kreuz züge. Buch IV. Kap. III. bekämpfte tapfer die Heiden, wo sich die Gelegenheit darbot, und wenige Jahre vor seinem Tode unternahm er zwey gefahrvolle Züge gegen den Sultan Kilidsch Arslan von Jkonium 2'). Stets nahm Manuel Anihcil an den Angelegenheiten der lateinischen Christen im heiligen Lande Die Krcuzcsfürsten, welche nach Byzanz kamen, fanden freundliche Aufnahme, und noch wenige Monate vor seinem Tode gewährte er dem Erzbischoff Wilhelm von Ty- rus, welcher nach Beendigung der großen Kirchenversamm- lung im Lateran sich nach Constantiuopel begab und sieben Monate dort verweilte, nicht unwichtige Vortheile für die lateinischen Christen in Syrien Er war überhaupt den Abendländern, besonders den Franzosen und Italienern, nicht abhold, wiewohl diese seine Zuneigung oftmals für Verstellung hielten; und er warb aus eben dieser Zuneigung zu den Abendländern für seinen Sohn, nicht ohne Schwierigkeit, um eine französische Prinzessin als Gemahlin. Der Erzbischoff Wilhelm von Tyrus wohnte den glänzenden Feyerlichkeite» bey, womit ^n dem Palaste Constantins des Großen der Kaiser die Vermählung seines nachher so unglücklichen, damals dreyzehnjährigen Sohnes Alexius mit der achtjährigen Agnes, Tochter des Königs Ludwig VIl von Frankreich, fcycrte Aber die Griechen sahen mit Unwillen die Begünstigung der Lateiner in ihrer Hauptstadt, und dieser Unwille.war nicht ohne Anthcil an dem schrecklichen Oouxrantlnopoleos Imperators mr- gnikeo ruorLin n o 1) 1 s er Leo 1 e- kise nostrae perntilein le» lioeniiLM reäennäi uä propria per rnuUain odrinnimirs 1u8t»nti«tM. " -VViUi. I'r'r. XX! I. 4 . 84) lä. Sr) In den Jahren n?4 und 1173. 11b. IV. x. 607 8 ^. 82) S- oben. rexteru menge? corninrios oum 11- lustris ntt'raorlae äomlno MLUnele König Balduin IV. :c>r Schicksale des Alexius. Denn nach dem Tode des Kaisers 2 Ar- Manuel fuhren die Kaiserin Maria und ihre Räthe fort, trotz des Unwillens der Griechen, die Lateiner zu begünstigen "). Die Christlichen Fürsten in Syrien beschäftigten sich indeß während des Stillstandes mit manchcrley Angelegenheiten, am wenigsten aber mit Rüstungen für den Krieg wider Saladin, so sehr auch die Rüstungen Saladins die baldige Erneuerung des Kampfes erwarten ließen. Der König Balduin verlobte seine jüngere achtjährige Schwester ans den Betrieb des Fürsten Rainald an Henfricd von Toron, den Enkel des bey Liberias getödteten Conneeable, und schloß mit ihm einen Tauschvertrag, wodurch Henfricd die durch den Tod seines Großvaters auf ihn vererbten Länder von Toron, Chatelnenf und Paneas an das Reich überließ ^). Der Graf Raimund von Tripolis faßte eben damals gegen den König und die ganze in Jerusalem damals herrschende Partei) einen heftigen Groll, welcher niemals wieder sein Gcmüth verließ; denn des Königs Mutter, ihr Bruder Joscclin, des Reichs Seneschall, und deren Parte», welche sich der Herrschaft bemächtigt hatten, bewogen den König, dem Grafen den Eintritt in das Reich zu verbieten, als dieser nach zwcy« jähriger Abwesenheit aus dem Reiche im Anzüge war, um Liberias, das Erbthcil seiner Gemahlin, zu besuchen. Diese Beleidigung war um so kränkender, als Raimund schon bis nach Biblus gekommen war, da das Verbot des Königs zu ihm gelangte. Zwar nöthigten die übrigen Barone des Reichs bald hernach den König, dasselbe zurückzur nehmen; aber den Frieden stellten sie nur äußerlich her ^), g;) Ileruni ad Ltexio I. clc. xe- »»iir. I.ib. IV. x. 626 . S8) venu. a>r. XXII. z. 87) Wilhelm von T,,n,s (XXII. y.) sprich! über vielen Handel mit ungemein heftigem Unwille». Er nenn. sor Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. K a p. III. weil sic besorgten, daß solches nur Vorwand sey und Raimund in der Absicht komme, den König, dessen Krankheit immer heutiger wurde, von dem Throne zu stoßen und sich des Reichs zu bemächtigen. Von nickt minder schlimmen Folgen war der Ehestreit, welchen der Fürst Bocmund in Antiochien begann. Denn er verstieß ohne gegründete Ursache seine Gemahlin Theodora, die Nichte des Kaisers Manuel, ver« wählte sich mit Sibylle, einer übel berüchtigten Frau und verachtete nicht nur den kirchlichen Bann, welchen der Patriarch nach mehrmaliger vergeblicher Erinnerung über ihn anssprach, sondern begann die heftigste Verfolgung gegen die ganze Geistlichkeit, plünderte die Kirchen und Klöster, und belagerte ein wohlbcfestigtes, der Kirche von Antiochien gehöriges Schloß, wohin sich der Patriarch mit seiner Geistlichkeit geflüchtet hatte, um seinen Verfolgungen zu entgehen. Der Patriarch rächte sich dagegen mit dem Jnrerdicce über das ganze Land; also daß kein anderes Sacramcnt von den Geistlichen dem Volke gewährt wurde, als die Taufe der Neugcbornen. Der Fürst ließ sich aber weder durch diese Schrecknisse, noch dadurch, daß mehrere seiner mächtigsten Barone ihn verließen, und die verfolgten Prälaten wider ihn selbst mit den Waffen schirm- zuern im Allgemeinen diejenigen, weiche den König zu diesem Schritte perleneren. üiios Ueiiai, impienitis »itnunos, spnilum iiaiientes ingnic- NlM und Weiler unten viros negnam; später bezeichnet er ausdrücklich die Königin, den Scneschalt und deren Anbang als die Anstifter: ,,Negis et in exiorgneneto iinxcnniUL. et ejnsücm t.ater, Nezins Senescsiois» nun: peiwik copurn VI' r!s impiis." Es in klar genug, daß der Erzbischaff zur Eegenparrey gekörte; und in dem nachbcrigen Betragen des Grafel: Nalmund finden sich wenigncnS Gründe, eS nicht für entschieden zu achten, dag ibm so ganz oolltommen Unrecht geschah, alS der Erzbischoff eS darfiellt. ieficiis nientein. " ll z r. XXlI. ö. König Balduin IV, :o; teil zur Nachgiebigkeit bewegen. Ais von diesen Verwirrungen die Kunde nach Jerusalem kam, geriethen alle in große Furcht und Besorgnisse, nicht nur weil zu besorgen siand, daß die Heiden solchen Unfrieden und Krieg benutzen würden, den Christen zu schaden, sondern auch, weil ein solches Aergcrniß ihren bösen Namen im Abend- lande noch mehr verschlimmerte^). Aber es schien den Layeimn'stcn sowohl als den Prälaten, welche der König zur Derathung über diese Angelegenheit nach Jerusalem berief, sehr bedenklich, Gewalt anzuwenden; denn dem leichtsinnigen, ruchlosen Fürsten Boemund, meinten sie, koste es nichts, selbst die Türken zum Beystande in das Land zu rufen, welche hernach nicht so leicht wieder aus demselben würden vertrieben werden können. Daher wurde beschlossen, daß der Patriarch Heraklius, welcher nicht lange zuvor dem verstorbenen Patriarchen Amalrich gefolgt war, der Fürst Rainald, des Fürsten Boemund Stiefvater, die bcydcn Großmeister der Templer und Hospitaliter, Arnold von Toroge und Roger von Moulins, so wie die Bi schösse von Cäsarca und Bethlehem, der Abt Rainald von Sion, und der Prior des heiligen Grabes nach Antiochien ziehen sollten, um durch ernstliches und freundliches Zureden den Fürsten Boemund zum Gehorsam gegen die Kirche zurückzubringen, und zwischen ihm und dem Patriarchen Versöhnung zu stiften. Zu dieser glänzenden Gesandtschaft gesellte sich aut dem Wege auch noch der Graf Raimund von Tripolis, und begab sich mit ihnen nach Lavdicea, wo sic sich 8y) Z. B. Rainald Mansuorns. Iä. XX 71 . 7. 90) ..'Nmekamns, ne L'ovle a Do* ruiuo ech ?vlins scl lu-ilikitnn üninutiiclnr, «i v1eini5 nokrrls raru irüserL l'ont Is- „nllnm äareiuus coin- pasLio,,!-- 5itztN!m, unUiiNi rniäoro- !NU5 ftlUridere remeäiuw.. ^ lä. 1. v. 7i- Cbr. IlAO. LO4 Geschichte der Kreujjügr. Buch IV. Kap. III. d, Tkr, niederließen, um beyden Parteyen gleich nahe zu scyn. Aber alles ihr Bemühen war vergeblich. Nachdem sie den Fürsten sowohl als den Patriarchen einzeln zu besänftigen sich bemüht hatten, bewirkten sie eine Zusammenkunft beyder zu Antiochien, wo nichts auSgemacht wurde, als daß der Patriarch versprach, daS Jnterdict von dem Lande zu neh- men, wenn Boemund von der Verfolgung der Kirche ab, ließe, und den Stiftern und Klöstern, so wie den Pfaffen das geraubte Gut zurückgabe, so wie auch den Fürsten selbst von dem Banne zu lösen, sobald er das Kebsweib von sich stieße. Nachdem sic diesen Vergleich gestiftet, zogen die Gesandten wieder heim. Damit aber war wenig ausge- richtet. Denn der Fürst bcharrte in seiner Ruchlosigkeit ") und trieb selbst seine treuesten Räthe und Freunde von seinem Hofe und aus seinem Lande, blos deswegen, weil sie sein Benehmen gegen die Kirche nicht billigten Es begaben sich also der Connetable des Fürstenthums und mehrere andre der vornehmsten Antiochischen Ritter zum Fürsten Rupin von Armenien, welcher mit Freuden sie in seine Dienste nahm. Verein!- Die Sorgen und Bekümmernisse über alle diese Erschei- cuing d. ^mtt'nungcn, welche den baldigen Fall des Reiches der Christen nüsmen in Syrien ahnden ließen, wurden nur wenig erleichtert durch ein glückliches Ercigniß, welches zu anderer Zeit die Christen würde mir großer Freude erfüllt haben. Die Marvniten auf dem Libanon, in de» Bisrhümern Biblus, Dotewu und Tripolis, welche seit länger als fünf Jahrhum gi) ,,Nis -rxn xerrcri«, xrNLNies voc»0Ui,ci xei-ever>r. >' 14. ,« rcxionis iiio-iiäiulli r, c. Also noct! in drr Zcil, in wel- I»,II nUnxL-Ll-, »ct ,>rc>i-r>L rn-vcr-i chcr WUbrim von Tyrus dicftg »>e- srrnt. vvro ».iiiiloillUtns roriMrikö, tnurrirn riksk Unruürn Nr eiiciLnr rorliitiur oNrrtn»rrrr irre- fort. König Bald »in IV. L(i) derten wegen ihrer Irrlehre von vcr Einheit des Willens 3 in Christo sich getrennt von der allgemeinen Kirche gehalten, meldeten plötzlich dem Patriarchen Aimcrich von Antiochien den Wunsch, in den Schoß der Kirche zurückzukrhren. Mit Recht achteten die Kreuzritter diesen Zuwachs wichtiger als die Eroberung einer Burg. Denn in dieser Sekte, welche damals mehr als vierzig Tausend Glieder zählte, waren viele tapfere und kricgskundige Männer, welche hernach den Christen manchen nützlichen Dienst leisteten So wenig nun die Christen während des Stillstandes 3^-' auf Rüstungen für den künftigen Kampf wider die Heiden gedacht hatten: so brachen sie gleichwohl zuerst den Stillstand mit großem Leichtsinn. Der Fürst Rainald, damals königlicher Statthalter im Lande jenseit des Jordans, oder Syria Sobal, welcher nichts liebte, als Gefahren und Kampf, fiel, ohne den Stillstand zu kündigen, in Arabien ein und verwüstete das Land, um dessen Herrschaft damals, nach dem Tode des Statthalters Thuranschah, des Bruders von Saladin, zwey Emire stritten. Fcrochschah aber, der Statthalter von Damascus, kam den plündernden Kreuzrittern in den Rücken, bey der Veste Krak sich lagernd, worauf Rainald eiligst zurückkehrte Für die- 92) ^VUK. 1 >r. XXII. 8. 111 . p. 44 Dernartl. 1 k e - Wilhelm von Tyrus erwähnt dieses Einbruchs in Arabien nur gelegene lich, als er den Anfang der Feindseligkeiten von Seiten Saladinü berichtet (XXII. 14) r ,,!ä anrem «0 maxiure äiced»anrr x»roxo«uisse in- cixe Kainaläo, ns foeäeris contra 1e§em IiLLiornm cexisse äicerernr et rex»e. rilOä reääore nexa-reral. " Der Schatzmeister Vernarb erzählt noch außerdem, der König Balduin habe stch viele Mühe gegeben, den Fürsten Rainald zur Auslieferung des geraubten GureS und der Gefangenen zu bewegen; der Fürst Rainald aber habe den König mit Trotz zur Ruhe verwiesen (<^na«i comminanäo in- nnit snxer kis L »ervanäunr »ilentinm). Loü Geschichte der Krcuzzüge. Buch IV. Kap. III. 2. sen Friedcnsbruch rächte Saladin sich dadurch, daß er fünf- H8r. zehcn hundert Pilger eines an der Küste von Damiette ge- strandeten Christlichen Schiffes in Ketten legen ließ und alle ihre Habe für Beute erklärte, worauf er Botschafter nach Jerusalem an den König sandte, und für die Freylassung der Pilger und die Verlängerung des Waffenstillstandes ganz 2-^Chr. unerschwingliche Dinge forderte ^). Nicht lange hernach kam der Sultan mit wohlgcrüsteten Scharen in bas Land der Christen jenseits des Jordans, und stiftete schreckliche Verwüstung. Sobald die Kunde davon nach Jerusalem kam, berief der König Balduin die Prälaten und Fürsten zur Berar thung. Die Gcmüthcr der Pilgcrsürsten waren aber so sehr Wider einander gereizt, daß selbst in dieser dringenden Gefahr leidenschaftlicher Widerspruch jede ruhige Ueberlegung verdrängte. Der stürmische Fürst Rainald setzte den Beschluß durchs), dem Sultan durch das Thal des todten Meeres entgegen zu ziehen und ihm den Weg »ach Damascus zu versperren. Graf Raimund von Tripolis ciiincrtc zwar dagegen, daß die Verwüstung des steinigen Arabiens sich doch nicht mehr hindern lasse, so wenig als der Durchzug der Heiden nach Damascus, und daß es also viel verständiger sey, das Land diesseit des Jordans zu schützen, indem nach dem Bruche des Stillstandes dasselbe von den Statthaltern Saladins, welche alle zahlreiche Scharen versammelt, nicht würde unbeschädigt bleiben; aber der verständige Rath des Grafen wurde N,' nicht beachtet. Die ganze Miliz des Reichs zog ans und 9^) WiUi. ^>r. 1. o. luagir; liuain eousiäeiälio- ue rris^ori« oom^erulii »zuiäam aä Iioe inixulorsur, uou mul- rum -uien^ciuok c^uiä interim Ue- xuo viribus 6erl.il.ulo gosset, irooiciv« re." Lbiä. Köllig Balduin IV. lagerte sich bey der Beste Krak Saladin aber war gelagert Key Gerba, zehn Rasten von Schanbek oder Mont- royal; also daß bcydc Lager fast sechs und drcyßig Rasten von einander entfernt waren. Alles, was der Graf von Tripolis borhergesagt, geschah. Der Durchzug durch das Land des Reiche jenseit des Flusses war den Heiden nicht mehr zu wehren. Denn sie hätten gleich an der Gränze des Landes ihnen sich cntgc- gcnstellen müssen, um sie zu nöthigcn, zu dem Wege durch die Wüste, welcher höchstwahrscheinlich ihnen sehr verderblich geworden seyn würde, wegen des Mangels an Wasser und Lebensmittel»; zumal da diesem heidnischen Heere eine so große Menge von wehrlosem Volke sich angeschlosscn hatte, welches in der Hungersnokh der letzten Jahre aus Damaskus und andern Gegenden von Syrien nach dem fruchtbaren Aegypten gezogen war, und diese Heerfahrt Saladins benutzte zur Rückkehr in die Heimaih Zwar wurde hierauf beschlossen, eiligst nachRaselrasit^) zu ziehen und diesen Ort zu besetzen, ehe Saladin dahin käme, wodurch die Heiden wiederum würden genölhigt worden seyn, in die Wüste sich zu begeben; da dieser Beschluß aber unausgeführt blieb, so kam Saladin ohne Gefahr und Beschwerde nach Damascus. Worauf die Christliche Nittcr- 46 . 48. >ViNl. it'vr, I. c. Die von rcn Arabern Krak genannte Vene heißt bekanntlich bey den Abcndlän- Lern gewöhnlicher Petra in der Wüste (Iwtra ärrcrij). 97) Die Sache war, wie Wilhelm von TyruS (XXll. iL) versichert, schon dadurch verdorben, daß sie Saladin bis nach Gerba vorrücken ließen, ehe sie sich ihm entgegenstellten; indem Saladin bei, diesem Orte sein Heer mit Wasser versehen, und von dort leicht Srreifxaricyen auSscndcn konnte, um die Weinberge und Aek-. kcr bei, Schaubck zu beschädigen. yg) ,,»gnas I,»?ekrr»it." Willi. P>'i. I. a. Wo dieser Orr gelegen, wissen wir nicht an,»geben; cs ist klar, daß es ein wasserreicher Punkt war auf dem Wege durch das Pe- «räische Arabien und Eilend nach D« maöcuS. 2. Chr. nga. ro8 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. IH. z. Cnv. schaft auf dem Wege, auf welchem sie gekommen, zurückzog und sich nach Galiläa au die Quelle von Sephoris, ohnge- fähr eine halbe Raste von dieser Stadt begab; um von dort, als der Mitte des Reichs, jedem von Saladin bedrohten Orte schleunigst zur Hülfe zu seyn. Der Graf Raimund aber, welcher an einem dreytägigen Fieber erkrankt war, blieb zurück in Liberias Jedoch, ehe sic nach Galiläa kamen, brachen die Emirs von Damascus, Emessa, Baalbek und Bostrum, wieder Graf Raimund vorher gesagt, ein in das Reich, gingen über den Jordan, unfern von dem See von Liberias, und durchzogen das Land verwüstend und verheerend; in der Nacht umlagerten sie plötzlich die Stadt Buria unfern von Naim am Berge Thabor, und die Einwohner dieses nicht sehr befestigten Ortes vernahmen das Ende des Waffenstillstandes erst durch die gewaltsame Bcrennnng des einzigen Thurmes, welcher ihre Stadt schützte; und da dieser bald den Einsturz drohte, so ergaben sie sich auf Gnade und Ungnade. Die Heiden führten aus Buria mehr als fünf hundert Christen in die Gefangenschaftund zogen dann über den Jordan zurück und eroberten eine feste Höhle in der Landschaft Trachonitis, jenscit des Jordan, sechszehn Rasten von Liberias, durch die Fahrlässigkeit des Vogtes derselben, des Ritters Fulco von Liberias, und durch Feigherzigkeit und Verrath der Besatzung Denn zu dieser yy) Eine Englische Meile südöstlich von rer Stadt ScxhoriS. 6l»ri-.e Dra- vc-lr 0. II. S. 421. ic>o) „Dnxliai tertiana xericnlo- «iseim« laboralntt." 'Wild. XXlI. 101) Willi, XXIl. 14. IO,) Ibiä, e. rz. Den Namen diese« Höhle nennt Abulfeda L> chj HeSn Schakif. Wilhelm von Ty- ruS beschreibt ihre Lage also: äistane milliarilins xrae^iclinm nni- nitiesiinuin." Oie Landschaft Suite, zu dem Lande Trachonitis gehörig (Willi. I>r. XXII. Li), ist ohne Zweifel das Land Sawad heg Abul- König Balduin IV. 20Y Höhle, welche an der Seite eines steilen Kalkfelsens war und drey große Kammern über einander enthielt, führte von oben kein Zugang, und von unten nur ein so schmaler Steig, - daß kaum ein einzelner unbeschwerter Mann ihn ohne Gefahr erklimmen konnte. Fulco aber hatte diesen festen Ort Syrern übergeben, welche weder treu noch standhaft gcnng waren, ihn zu vcrtheidigen. Dieser Verlust war nm desto empfindlicher für die Christen, weil blos der Besitz dieser Höhle ihnen bisher die Hälfte des Ertrages von dem umliegenden, an Wein, Korn und Oel sehr reichen Lande gesichert hatte, welches entfernt von der übrigen Christlichen Herrschaft und von Türkischem Gebiete umschlossen war. Die Gelegenheit zum Kampfe mit Saladin hatte dieJumig bey der Quelle von Sephoris gelagerte Christliche Ritterschaft nicht lange zu erwarten. Denn bald brachten die Kundschafter die Nachricht, daß Saladin Mit seinem Heere vier Rasten von Liberias sich gelagert habe, und das Land weit und breit verwüste. Die Ritterschaft säumte nicht gegen Liberias zu ziehen, und die Besatzungen der feda, worin die Stadt Nawa liegt (vgl. ^brrwest. , 4 . 1111 . inOdl. r. IV. II. söo), nicht fern von PancaS. UebrigenS sagt Wilhelm von Tyrus (XXII. 21), der FclS, worin diese Hohle sich befunden, sey layis creln- vcu» gewesen; es war vielmehr Kalkstein, woraus überbaust die Gebirge von Syrien und Palästina bestehen. rag) Saladin tarn über NaS el äin (eum loonm -sui ciiaiinr liu^iui eo- rnm Ilaselinc), also eine» Gränzort auf dem Wegs nach DamaScuS. Dann brach er in das Land ei» und III, Band. ». lagerte sich >,in Ioar> güi sticitnr 6»- vaiii inter rinn stuiuiiui, gui riasto vix gnalriar ilisiar milliari.- Inv. " VViiir. "rxr. XXil. 16. Dieser Ort Lava ist ohne Zweifel die Ebne Gur südlich am See von Liberias, -.wischen dem Jordan und deal Flusse Jarmuk. Diese Landschaft nennt auch Ab-ilfeda (S. mit Oschinniu lind PaneaS umer den damals von Saladin verwüstercn Gegenden. Die Zeitbestimmung dieser Bsgebenbeiien übrigens, welche von Wilhelm von Lyrus in seinem ieyien Buche sehr verwirrt wird, ergib? sich aus Abulfova- s ,10 Geschichte der Kreuzzüqe. Buch IV. Kap. HI. I.^Chc. benachbarten Vesten Saphet und Belveir an sich zu ziehen, worauf Saladin über den Jordan gl»g, nach Baisan vor- rückte, und diese in einer wasserreichen Ebne zwischen dem Berge Gelboa und dem Jordan gelegene Stadt umla- gerte B«isan, im Alterthume Scythopolis genannt, und ehemals eine berühmte Stadt '°*), war damals klein, von geringer Bevölkerung und wenig befestigt. Als aber diese Stadt ihm wider sein Erwarten sehr hartnäckigen Wir verstand leistete, hob er die Belagerung auf und zog den Christen entgegen auf dem Wege nach Liberias. Unfern von der nicht lange zuvor auf dem Gebirge zwischen Liberias und Baisan erbauten Veste Belveir trafen die b yden Heere zusammen. Die Christliche Ritterschaft erblickte, als sie am Morgen von den Bergen, wo sic die Nacht zugebracht, in das Thal herabstieg, in der Ebne zwischen Belveir und Ferbelet, das große Heer des Sultans, welches mehr als zwanzig Tausend Reiter zahlte Der Christlichen Ritter waren kaum sübenhundert. Von diesen wurdpoIis rer- riL - I'chlLpLiinAt' , inler rrreitL lioclie, ^n.le iu carlen» llioe- cl-si sitz est, xzuclet rcclesi-r. " 'Wilk. I. c. 106) „In iLNio nnmero viclc-re uoii colisiil-verkiltl. Vier!!)»« »tri tilneiki vix re^)Ulchb.in.- n»r sexriii^eini." lä. tbiä. König Balduin IV. 2H mit furchtbarer Gewalt; Hugo der jüngere, des Grafen von Tripolis Stiefsohn, trieb mit der Miliz von Liberias drey heidnische Scharen in die Flucht. Alle Christliche Ritter, welche des Kampfes sich unteewanden, wurden nichr müde und verdrossen, ungeachtet der gewaltigen Hitze des Tages, welche von bcyden Seiten nicht weniger Streiter tödtete, als das Schwert Endlich krönte der Sieg, erkauft mit dem Verluste vieler aus dem Volke, aber weniger Ritter, den rühmlichen Kampf. Saladin führte seine weichenden Scharen zurück über den Jordan; und die Christliche Ritterschaft begab sich wieder an die Quelle von Sephoris. Die Hitze war noch am Abende dieses Tages ss heftig, daß auf der Rückkehr nach Sephoris Balduin Stifts- Herr und SchatzmeisterderKirche des heiligen Grabes, welcher in dem Kampfe bey Dclveir das heilige Kre'üzesholz getragen hatte, unterlag und in seiner - Sänfte am Bache Kischon neben dem Berge Thabor starb 'o°). Mir diesem Siege war gleichwohl wiederum sehr wenig gee ^ Wonnen; denn Saladins Absicht, das Christliche Land zu befcha- > digen, war erreicht, und seine Scharen führten eine reiche Beute guam ^chäio." IN. 1l)iä. Die inör- genlandischen Geschichtschreiber erwähnen dieses Kampfes nicht, Cr geschah nach Wilhelm von Tyrus in der Ebene zwischen de» Bargen Bel- veir nnd Fvrbelct, Der letztere Srt wird van den Morgenländern Apher- bala genannt, und von Bohaeddin als ein sehr wvhibefesrigter TIatz angeführt. E- Vir» L»1. S, L-z, "6. Lclnilt. insex ^eoer. ii, v. ir>8) Wilhelni von Tnrus erzählt bey dieser Gelegenheit mit Mißbilligung, daß ein anderer Stiftsherr des heiligen Grabes, Ganfried Sott Neu feilte (ä König Balduin IV. 27; frcyt. Zwar hatte Saladin die Berennung mit Heftigkeit betriebene unzählige Bogenschützen, womit er die Stadt umstellt, Tressenweise mir einander abwechselnd'"), batten ohne Unterlaß die auf den Mauern streitenden Christen mit Pfeilen beschossen, und zu gleicher Zeit geschickte Gräber die Bollwerke und Mauern untergraben; aber weil es ihm an großem Belagerungszcug mangelte, so vermochte er den Widerstand der Bürger, welche, von dem Bischofs und dem Burgvogt ermuntert, mit großer Tapferkeit stritten, nicht zu überwältigen; ungeachtet er selbst sich der größten Gefahr aucssetzke, um die Arbeiten der Belagerung zu fördern und die kämpfenden Muselmänner zu ermahnen. Schon führte auf seine kräftige Ermunterung einer seiner tapfersten Kriegeoberstenseine Schar an dieMauer, um die Sturmleitern anzulegen, als der Sultan selbst, welcher auf einem Hügel stand, von einem Pfeil am Auge verwundet wurde; worauf die Bestürmung unterblieb. Als nun fast um dieselbe Zeit Saladin aus den Briefen und den erzwungenen Geständnissen eines aufgefangenen königlichen Boten - vernahm, daß in drey Tagen die Christliche Flotte und Ritterschaft ankommen würde so beschloß er die Belagerung aufzuhebcn. Seine Flotte segelte in der dritten Nacht seit dem Anfänge der Berennung heimlich ab, und der Sultan selbst nach der Verwüstung mehrerer Dörfer in der Ebne, und der Zerstörung der Weinberge und Gärten, ver.il." Ist Mist. i>4) „YMstam stc xriiicwidirs e>!i» Mivoliiiu. nomine." lä. idiä. Il5) Was Wilhelm von TvruS (a. > 1 . O.) nur zweifelhaft anc-drückt, daß Salakin -irr Aufhebung der Belagerung van BerymS, am dritten Tage fei: ihrem Anfänge, bewogen worden sey durch die- Nachricht von derAnuälwrung der Cbristliche» Flotte und Ritterschaft, wird von Bvbaeddin (S. 4») vollkommen bestätigt. 214 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. III. I Ehr. HL2. Sala- diu'' Er- oderun- g^n in ^ urien u Me- sepora- nuen. Oktbr. rigi. führte seine Horden eiligst zurück nach Damascus. Hierauf kehrte auch die Flotte drr Christen bey Berykus zurück in ihre Häfen, und die Christliche Ritterschaft bezog wieder ihr Lager bei) der Quelle von Sephoris. Den Christen kam cs überhaupt nicht wenig zu Statt ten, daß Saladin damals des Krieges gegen sie nur so viel sich annahm, als ihm norbwendig schien, um das Empor- kommen ihrer Herrschaft in Syrien zu hindern. Denn ihm war es damals wichtiger, sich der Fürstcnrhümcr des Sohnes und der Verwandten Nurcddins am Euphrat »nd Orontes zu bcmämrigen, und durch diese Erwerbung seine Macht so sehr zu starken, daß die Vertreibung der Christen aus Syrien ihm hernach ein leichtes wäre Zu dieser Erwerbung bot der plötzliche Tod des neunzehnjährigen Arhabeken Malet as-Saleh zu Aleppo, eines frommen, tapfern und hoch geachteten Jünglings die günstigste Gelegenheit dar. Der Bruch des Waffenstillstandes durch den Fürsten Rainald, gerade um die Zeit, da Malek as-Saleh gestorben war, konnte dem Sultan auch deswegen nicht anders als erwünscht scyn, weil er bey den Muselmännern ihm zu trefflicher Rechtfertigung diente für die Eroberung muselmännischer Fürstenthümcr. Denn mit allem Scheine der Wahrheit konnte Saladin behaupten, daß cs nothwcndig sey, schwachen und unkriegerischen Fürsten diese Fürstculhü- riö) „AIS er »ach der Aufhebung Lcr Belagerung von BerytnS vernommen- Yak die von Mosui Ge, sandle an die Franken geschickt, NM sie auf,»reizen zum Kriege gegen dis Muselmänner: so beschlvsi er gegen Mosul zu ziehen / um für die Zutuns! in Eiiuracht die Muselmännischen Scheren zu vereinigen gegen den Feind EvlteS. " Laim-nIcki» S. Sy. ii?) Er ivar so gewissenhaft in der Erfüllung der Pflichten der Religion, das: er, wie Abulseda (S. 44) versichert, in seiner Krankheit durchaus sich »'eigene, Lgei» zu geniesien, welchen die Acrzle ihm alS Heilmiuel an- riclhcn. König Balduin IV. si; mer zu nehmen, damit sie nicht in die Hände der Franken d- khe. fielen. Keiner der Verwandten Nnreddins, unter welche sei» Reich getheilt worden, außer dem trefflichen Malek as« Salel), seinem Sohne, war würdig der Nachfolger jenes großen Fürsten zu seyn; als unkriegerische Männer Ware» sie ohne alle Achtung bey den Emiren, welche durch Zenki und Nuredhin daran gewöhnt worden waren, nur einen solchen König zu achten, welcher thätiger, muthiger »nd tapferer war, als sie alle. Der Athabek Azzeddin Masud, Fürst von Mosul, Brnderssohn von Nureddin, welchem Malek as-Saleb auf dem Sterbebette sein Fürstenthum ver- macht halte, kam zwar nach Aleppo und nahm von der Erbschaft Besitz, aber er und der Emir Kaimas, welcher ihn^ganz beherrschte, hielten sich nicht für stark genug, sie gegen Sa- ladin zu behaupten; bcyde hatten nicht Lust ihren ruhigen Sitz in Mosul aufzuopfern gegen das stets bedrohte Aleppo, und Azzeddin trug daher das neu erworbene Fürstenthum seinem Bruder Emadcddin an zum Tausch gegen dessen Für- stcnthum Sandschar Emadcddin ging in diesen nachtheiligen Tausch ein, wiewohl es ihm eben so sehr als seinem Bruder Azzeddin an Mitteln fehlte, die unruhigen, anmaßenden Emire von Aleppo im Gehorsam zu erhalten und ihre übertriebene» Forderungen zu befriedigen. Dem Athabek Azzeddin und dem Emir Kaimas war in den wenigen Tagen, welche sie zu Aleppo zugcbracht hatten, der uz) Nach den Erzählungen von Äohacddin und Abulfcda waren bey- dc, der Athabek und der Emir, einverstanden über die Nüytichkcit und Nochwendigkeit de- Lauschet! von Aleppo gegen Sandschar; dagegen erzählt Marin (lrislnirc äe Sataäiil 1*. I. I>. 345 sg), das, Azzeddin sich nur sehr ungern dazu entschlossen habe, und nicht eher, als nachdem iowohl »gruben in Aleppo, welche Emadcddin heimlich genährt habe, als auch die Drohung des Emirs Kai,nah, zn Saladln überzugehen, falls Azzeddin da- Fürstenlhum Aleppo nicht aufgcben wollte, shn dazu gezwungen hatten. ri6 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. III. ungestüme Sinn der dortigen Emire schon so unerträglich geworden, daß sie auch deswegen sehr froh waren, dieses FürstenrhumS los zu werden. Saladin aber beschleunigte um so mehr die Ausführung seiner Pläne, als ihm gemeldet wurde, daß Botschafter aus Mosul die Franken zum Kriegs wider ihn aufgefvrdert und ermuntert hatten Nachdem er seit der Rückkehr von Berytus nur wenige Tage zu Damaseus geruht, zog er zuerst vor Aleppo und ängstigte diese Stadt drei) Tage lang, dann ging er bcy Bira über den Euphrat; mehrere dortige Statthalter, wie Modbaffercddin von Harran, und Nnrcddirr aus dem Geschlechts Oethok zu Hesn Kaifa, unterwarfen sich frcywillig und übergaben ihm ihre Statthalterschaften, der erstcre aus Haß und Neid gegen den Emir Kaimas; die Stabt Ebessa wurde durch den Sohn ihres Statthalters verrathcn ^o). Chabur, Nesibin nud andere Stabte öffneten ihm gleichfalls die Thore ohne großen Widerstand, und in wenigen Tagen war er Herr fast der ganzen ehemaligen Grafschaft Ebessa. Die Belagerung von Mosul zwar mißlang, weil der Emir Kaimas die Stadt zum Widerstande auf das trefflichste gcrü- A'E stet halte dagegen aber wurde Sandschar im Sturm ii,/ S. Anm. i> 6 . Marin st. o. S. Jgy) erzählt, vielleicht nach Evn AI-Albir, be»ds Alhabekä von Aleppo und Mosul hätten eine öffentliche Gesandlschafl an den König von iäe- rnsalcm geschickt, ihn ausgefordert -um Kampfe gegen Saladin und hch erbolen, die Kostest dieser Unterncü- mullg zu bezahlen. Dis abendländischen Geschichtschreiber erwähnen dieser Unterhandlung mit keinem Worte. -M) Llarirt l. o. S. H5>. ,21) Marin (S- Z?Z) erzählt folgende Anekdote als die nächste Veranlassung zur Aushebung dieser Belagerung. Ald der Sultan sich bep der Bestcluigung der Vclagernngdiverke der Mauer sehr näherte, beschimpfte von derselben herab ein gemeiner Mensch ihn nicht nur mit Schmäh- Worten, sondern warf auch nach ihm seine» mir Nägeln beschlagenen Schuh, welcher aber nicht den Sulla» traf, sondern den Emir'Schawal, Haupt M durch Tgpstrkeit schc berühmten König Bald» in IV. -17 genommen, und der Athabek Emadrddin nur mit Mühe von Saladin der Witth der würgenden Soldaten entrissen; nach achttägiger Belagerung fiel auch die wichtige und volkreiche Stadt Amida '**). Der Fürst Schah Arnreu von Chelat in Armenien, welchen der Athabek Azzeddm zu Hülfe gerufen, kam zwar mit einem ansehnlichen Heere, hielt es aber für räthlich, als Saladin gegen ihn anzvg, Friedcnomtterhandlungen anznbietcn, und als diese nicht angenommen wurden, eiligst znrückzukcheen. Dem Sultan wehrte daher niemand, sich in dem Besitze seiner Eroberungen zu bcfestigcn, Als er nun diese Eroberungen hinreichend gesichert glaubte, zog er zurück nach Syrien, um den Athabek Emadcddin zu züchtigen wegen der Feindseligkeiten, welche er gegen die Landschaften von Ezaz, Tcllbascher und andern dem Sultan gehörigen Burgen geübt hatte; eroberte in wenigen Tagen die festen Burgen Teil chalcd und Ainrab, und rückte dann vor Aleppo» Der Athabek Emadcddin war des ungestümen Sinnes und der Ungenügsamkcit seiner Emire schon Arabischen Stammes der Assadibsn, Dieser nahm den ihm dadurch wi- derfahrnen Schimpf sehr übel; er hob den Schuft auf, zeigte ihn dem Sultan und sprach: „Siche, mit welchen Massen diese Leuie uns bekämpfen , sie halten uns offenbar für einen Haufen von Knechten. Führe mich gegen Feinde, welche meiner Tapferkeit würdig sind, oder ich verlasse dich/' Der Bcrdrus: dieses Emirs lheilic sich dem ganzen übrigen Heere mit nud Saladin sah- sich dadurch gcuöthsgt, die Belagerung aufzuhcben. Die Wah'h"it dieser Erzählung wird fchon dadurch sehr zweifelhaft, da« weder Abulfeda noch Abulfgradsch sic ausgenommen haben, 122) Die Stadt Amida verlieft Saladin an den Orlhokiden Nureddin« den Sohn LeS Äara ArStan. Uosi, S. ZI. oZtniifeci. S. gS. Ganz richtig also Wilhelm von Tyrus (XXll. 3 g): „g^miciccm irociit ex oomziacio oniäsm 'pnioornm n ei! mich dkornti- 110 nomine, Mio tdiroescilem, e:i- zue obeegnii« et ^nxilio siretns li- Ueoam in ^.irtidus iüi, mor-im euerer et Lndegerat rexionem. " Dis 'Bibliothek von Einer Million und vierzig Tausend Bände», welche in dieser Stadt erbeutet wurde, ließ Saladin hinwegrühren und schenkte sie seinen, vornehmsten Äad! sKadi al Fase!) und Geheimschrcibcr. ^dutkzr, Osspo», S>s. i>. 28 -. Ehr. r-V. 218 Geschichte der Kreiizzüge. Buch IV. Kap. III. 2. Ehr. ri3Z. so überdrüssig, und vertrante so wenig ihrer Treue, daß er nicht darauf dachte, die Stadt zu vertheidigen ; sondern nur unter erträglichen Bedingungen sich zu unterwerfen; er schloß mit Saladiu einen Vertrag, wodurch er das Fürstenthum Äleppo ihm überließ und dafür die Städte Sandschar, Nesib'N, Chabur, Rocca und Sarudsch als zinsbares Für- stenkhum erhielt, unter der Bedingung, dem Sultan überall und zu jederzeit, wo er es verlangen würde, mir seinen Scharen beyzustehcn. Diese Verhandlungen wurden so heimlich geführt, daß die Emire und das Volk von Aleppo nicht eher davon etwas vernahmen, als nachdem der Vertrag abgeschlossen war. Wiewohl anfangs viel gemurrt und Emad- eddm selbst von den Kindern mit Schmähungen verhöhnt wurde so fügten sich gleichwohl die Emire; und zwcy aus ihrer Wrte begaben sich z» dem Sultan, um mit ihm die Bedingungen der Unterwerfung zu verabreden, und leisteten ihm dann die Huldigung im Namen der Emire und Bürger von Aleppo; worauf Saladin am 27 Junius 12 z) Vollkommen in Uebereinstim- mung mit den Morgenländiscbsn Schriftstellern erzählt Wilhelm von TpruS (t. v.) von Emadeddin : „Miss-. e1»m le^Llinne adsguc UslLpiensirim eon5vie,r,m vnm SLiastLstnuo pLcieer- tur, in rcststieo srUi Lomal et g.iihns- ci^m alirs vpxistie, gnornm „anuna n-rer." Die Knaben auf den Straßen sangen ihm zum Hohn die Worte: ,,Ia U:n,,r dir» n»ied iw 8»n<1- eclrsr," weiche den doppelten Sinn baden: „v Esel, du hast verkauft Haled für Sandschar" und: ,,v Esel, du hast verkauft die siche Milch für die saure." adult, 6. p. eü. Nach Abulsaradsch l.Irion. a^r. i>. g,u) Sefestigle da- gemeine Volk von Aleppo vor seinem Palastc ein Rohr und ein Tuch und schrie: „o du weibischer Mann, dir geziemt eS die Hemden zn waschen, nicht aber zu herrschen. " Alnilfaradsch führt einige nähere Umstände von dem Ungestüme der Emire in Aleppo an. Ungeachtet Cmadcddin die Stadt ganz leer gefunden batte, und das Land umher in der Gewalt Salablns war; so begehrten die Emire gleichwohl von ihm mit Getreide versorgt zu werd n und einer von ihnen, dem er auf die ungestüme Forderung von Geschenken erklärte, daß er selbst nich !0 bade, gab ihm die freche Ant- wenn: verkaufe den Schmuck deiner Gemahl!,, und gib unS, twaS du daraus losest. König Balduin IV. riy n83 in die Stadt seinen Einzug hielt. Wenige Tage hernach nahm er auch von der Burg Harem Besitze um welche früher so oft zwischen den Christen und Muselmännern war gekämpft worden Die erste Nachricht von der Heerfahrt Saladins in die Länder jenseits des Euphrat erweckte in den Gemütbern der Pilgerfürsten heftigen Ingrimm über die Verachtung, welche der übermüthige Muselmann ihnen dadurch bewiesen, daß öir-u^ Kt'S. er, ohne Waffenstillstand zu suchen, sein von dem Christli« ^Ebr. chen Heere bedrohtes Land verließ und Abenteuer in der Ferne suchte Sic beschlossen also wegen dieser Verachtung sich zu rächen. Durch die Landschaft Trachonitis zogen sie im Herbste mit aufgehobenem Panier in das Reich von Damaskus, verwüsteten das Land, und verbrannten und zerstörten die Dörfer Doch fanden sie nur geringe Pente, weil die Einwohner des Landes, in der Erwartung eines solchen Uebcrzugs, mit ihren Heerdcn und aller fahrenden Habe in die Gebirge geflohen waren, Sie zogen dann über rag) Am 23 Safar L 7 S. link. p. Z2. Nach Wilhelm von Tyrus kli. a. O.) wurde Aleppo übergeben: „in dtanis Inuit» (7 2 un.)," waS sich milder Angabe Boftaeddinü sehr wohl reimt; denn Saladin blieb »ach geschlossenem Derirage noch mehrere Tage aus dem grünen Mcidan gelagert, den völligen Abzug EmadcddtnS ab- warreud. 12-l) lsi p, gz. Harem wurde am 2y Easar l3 Jul. II83) den Truppen Saladins übergeben. r?6) „Ilngrie ampiius insii^noli grruck taingm esu» g»i olneial nv- tusiaut (1. nnlgtnn ) »ngerdiaia, I>roliLi»cens, MIM Hege neo trc-n- xam neo t'oeäu» iniorrr.-' Willi. T)-r. XX!I. 2c>. Bohaeddtn erwähnt dpr Einbrüche der Franken in die Landschaften von Vosirum und Da- maScuü nichr anders alS mit diesen wenigen Worten (S. 51): „ES ereigneten sich auch Ueberzügs der Franken in das Land, bey Gelegenheit der Zwietracht zwischen den Heeren (Saladins und des Arhabeken von Aleppo); aber Gott der Erhabene trieb sie zurück. " Bey den andern morgenländischcn Schriftürliern findet sich gar keine Erwähnung derselben. i« 7 ) I.oaa Kni-nrdana gnov vut- ßo cosaiiy siicnntnr- Wiiü, lvt. 1. c. -ro Geschichte der Areuzzüge. Buch IV. Kap. III. I. Chr. Dostrum zurück und pflogen in der Nähe dieser Stadt Rath, HK2. ob die Eroberung der Vorstadt dieses Orts nwlfl ge- lingen könne; zogen aber bald weiter, wei! dieses Unters nehmen ihnen nicht frey schien non Schwierigkeiten und die Wassersnoth dieses Landes, wo auch die wenigen Brunnen, in welche des Winters der Regen gesammelt wurde, vcr- schüttet waren, keinen langen Aufenkhalr vcrsiattete. Auch vermochten sie nicht bas Land sehr zu beschädigen; denn die Früchte waren bereits geernbrct und von den Einwohnern verborgen in unterirdischen Höblen, welche als Scheunen dienten, NM Erde bedeckt und deswegen schwer zu entdecken waren. Auch waren feindliche Scharen in der Nahe, welche zwar keinen Angriff wider die ChristlichenRitter unternahmen, jedoch ihnen nicht »erstatteten, sich weit im Lande zu verbreiten. Als sie aber in bas Land Savab kamen, beschlossen sie die Eroberung dieser Hohle, welche ihnen wenige Mouarc zuvor von den Heiden war entrissen worden, nicht unversucht zu lassen. Ein Theil des Heeres lagerte sich also in der Ebne, um den Heiden, welche die Höhle bewachten, den Ausgang zu wehren, die übrigen erstiegen den Gipfel des Berges und mit ihnen geschickte Steinhauer, um den von felsigen Adern durchschnittenen Kalkstein von oben herab zu spalten. Denn die Höhle von vorn zu bcrcniien war unmöglich; nur einzelne konnten zuweilen mit großer Mühe den schmalen Pfad, welcher am Berge über einen Ungeheuern Abgrunde zu ihr führte, erklimmen und die Heiden beunruhigen. Die Steinhauer auf der Höhe arbeiteten jedoch bey Tage und bey Nacht so rasch und unverdrossen, daß nach drei)- wöchentlicher Arbeit in der obersten der brcy Kammern, ans welcher die Höhle bestand, dke Heiden ihre Hammerschläge ,rz O- ettriiixeiiao SMsäem cüviiLÜs sutnrryio, lä, iS, König Bald»in IV. 2H hörten, von welchen der ganze Fels erbebte. Dadurch ge- Ck>r. schreckt erbot sich die Besatzung von siebzig auserlesenen Männern aus den Scharen Saladins, wiewohl mit allen Bedürfnissen wohl versehen, zur Ucbcrgabe durch Vertrag; »nid als ihnen auf Anratben des Grafen von Tripolis freycr Abzug nach Bostrum zugestanden worden, überantworteten omr. ngr. sie dem Könige von Jerusalem diese wichtige Hohle. Worauf noch im Herbstmonate die Christliche Ritterschaft froh und wohlgemut!) über diese Eroberung heimkehrte, jeder an seinen Orr Bald aber rief die Mahnung des Königs von neuem die OE. streitbaren Männer des Reichs zur Heerfahrt; denn in einer gemeinschaftlichen Decathung zu Cäsarea an der Meeresküste war beschlossen worden, die fernere Abwesenheit Saladins nicht unbenutzt zu lassen. Zuerst wurden die Ritter allein aufgerufen zum Abenteuer. Es wurde jedem geboten, für sich und seine Rosse mit allen Bedürfnissen aut vierzehn Tage sich zu vergehen, und die Rüstungen heimlich zu halten. Liberias wurde zum Sammelplatz bestimmt, und eben deswegen dem Grafen Raimund, als dem Herrn dicscsOrrs, die Anführung übertragen Sobald sich die Ritter gesammelt, zogen sie unter der Führung des Grafen Raimund in das Land von Bostrum, und gewannen viele Gefangene und große Beute von geraubtem Vieh. Hierauf vereinigten sich Graf Raimund und die Ritterschaft, welche ihn begleitete, bey Chastellek in Galiläa unfern von Liberias mit dem Könige, welcher indeß mit dem heiligen Kreuze und der ganzen übrigen streitbaren Mannschaft des Reichs herbeygekommen r2g) veno. I'. XXII. 31. Nelitieriint et »a essäeni xrrrcs re. ,>6»i no^olio yiioiiiLm L per- lenns xrsctttil, " WM». 1>r. Uvus 2'x0er-.zaci>»t-ils er rroteslum^XLIt, D. 2 ,i Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. III. 2.^hr. war. Das ganze Heer ging hierauf bey der Furch Jakobs über den Jordan, brach wieder ein in das Land von Oamascus, verwüstete die Felder und Saaten und kam bis nach Daria, vier oder fünf Rasten von Damaskus. Aber auch diese Unternehmung war von wenigem Gedeihen; Beute wurde nicht gewonnen, weil die Einwohner mit aller fahrenden Habe theils auf den Libanon, theils nach Dar mascus geflohen waren, und weiter vorzudringen wagten die Christen nicht, weil die Miliz von Damaskus ausgestellt war vor den Garten, welche Mach der Seite von Daria die Stadt Damascns in weiter Ausdehnung umschlossen. Doch begnügten sich die Heiden damit, einige wenige Reiter auszu- senden, von welchen sowohl während der Plünderung des Landes, als auf dem Rückzuge der Christen diejenigen erschlagen .-wurden, welche aus Unvorsichtigkeit von ihren Scharen sich entfernten. Also kehrten die Christlichen Streiter zurück in das Reich, ohne eine rühmliche Waffenthat vollbracht zu haben, und der König begab sich nach Tyrus, um dort das Weihnachtsfest zu feyern. Nicht besser gelang fast um dieselbe Zeit ein kühnes Un- ^nehmen des Fürsten Rainald. Durch plötzlichen Ueberfall bemächtigte er sich des Hafens Allah am Arabischen Meers M«r'buscn und der dortigen Schiffe, und unternahm mit diesen Stilen. , . . .. L^üür. ^ Abenteuer in Gegenden, wo bis zu dreier Zelt der Name der Kreuzfahrer kaum war gehört worden- Ein Thcil dieser erbeuteten Flotte segelte dann, mit Christlichen Seefahrern und Streitern bemannt, längs der Aegypiischcn Küste bis nach Aidab und plünderte diese Stadt, wahrend Rainald selbst mir den übrigen Schiffen die Burg von Allah belagerte, um seine Eroberung sich zu sichern. Aber Malck cl iZi) Sic vcrwüMlcn unter andern TyruS la. a. O.) Nc'cxcnne (d. t. «Inen Ort, weichen AZilkeim von Waith Dschanneh) nennt. König Balduin IV. -r; Adel, Saladins Bruder, Statthalter von Aegypten, sandte schleunigst die Aegyptische Flotte unter Husameddin zu Hülfe; indem die Schiffe auf den Rücken von Kamcclcn aus dein Hafen von Alexandrien an die Küste des Arabischen Meerbusens getragen worden; die Burg Ailah wurde entsetzt und Rainald zur Flucht genörhigt; worauf die Heiden dem andern Theilc der Flotte, welche von Aidab nach der Arabischen Küste sich gewandt hatte, nacheilren. Die Christliche Mannschaft, welche dort ans Land gestiegen war, um in die Landschaft Hedschaz einzudringen und Mekka und Medina, die heilige» Städte des Lüge,,Propheten, zu zerstören, wurde noch an der Küste bey Hauca erreicht und nach tapferm Kampfe überwunden, so daß alle erschlagen oder gefangen wurden; und die Gefangenen führre Husameddin theilv nach Aegyvlen, theUs schickte er sie nach Arabien, wo sic in dem heiligen Thale von Mena, wo die nach Mekka wallfahrten- dcn Pilger tonst Thiere zu opfern pflegen, als Schlachtopfer dem Propheten Mohammed zu Ehren erwürgt wurde» Bis dahin hatten die Kreuzesritter noch nicht viel Schlimmes für sich von de» Kriege Saladins gegen die Acha- bcken geahndet. Denn wenn auch das Gerücht sich vcrck breitete, das ganze band Nnreddins jeuscit des Euphrat rg 2 ) ^.diilk-rrii^ Oirron. 8 )-r. S. 385. ^hülfest. ^nii. ,no..i. alt 87 g S. 82. Ueniinstol i-ii-ior n^rri-iroi». S. 8 gZ. Es ist merkwürdig, dag kein Abendländischer Geschichtschrei bcr die'er Unrcr>>ehinung erwstbnr. Abulfeda iäsn übrigens den Zürnen Rainald erst , 1,1 der Küste des Arabischen Meerbusens die Schiffe bauen, wenn- er die Fahrt unternimmt. Ohne den Besip eines festen PiayeS an der Küste ließen sich aber keine Schiffe banen. Obne Zweifel ist eS richtiger, was Abulfaradsch erzählt, Last stcb Rainald durch licbrrfall in den Besch vsn Siilah gesicht, und von dorr die Fahrt nurcrnvmmen habe. Oie von Abulfeda crzäbüe Belagerung bezieht »ch ohne Zweifel auf die nahe gelegene Festung auf einer Insel Im Meere, welche nicht lange hernach zerstört wurde. S. 2. Ehr. IIg2. Große Angst d Fristen inr getobten Sande. ,14 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. III. I. hr. scy schon in der Gewalt des furchtbaren Sultan, so war ^ doch auch zu ihnen die Kunde gedrungen von der vergeblichen Belagerung von Mosul und den Rüstungen des Schah Armen und andrer heidnischer FürstenWeil aber die mißlungenen Unternehmungen gegen Damaskus und Arabien sie von neuem erinnerten, wie wenig sie im Stande waren, dem furchtbarsten ihrer Feinde zu schaden, selbst wenn er sein Land ihnen preis zu geben schien: so bemächtigten sich ihrer Gcmüther die bangsten Ahndungen. Die Prälaten und Barone des Reichs versammelten rag zu 2^lsa- sich daher nicht ohne Mißmuth im Februar zu dem Reichs- 2^'' tage zu Jerusalem, welchen der König Balduin ausgeschrieben hatte, um über die Nothdurft des Reiches zu rathschlagen. Denn wie war dem gesunkenen Reiche zu helfen? Aus dem Abendlands war bcy der damaligen Stimmung über die Pilgerfahrten nach Jerusalem keine, oder doch nur späte Hülfe zu erwarten; und der König und alle Fürsten in Syrien waren in solche Armuth versunken, daß sie nicht einmal vermochten, die geringe Zahl von Rittern, weiche sie damals unterhielten, zu besolden. Wie war cs nun möglich eine Macht aufzustclle», welche hinreichend gewesen wäre, das Christliche Reich gegen Saladin zu beschirmen ? Nach vielen Beratungen wurde endlich beschlossen, eine allgemeine Bermögenstencr im ganzen Reiche Jerusalem auszuschreiben, Wvr ineerins lerebatnr, tUvenrilrus »liis in IVIesc>pou»nriL eiici Hssnssnluv uinllnrn xroliceret «Am; aliis A«icem ilitX-luUnis r1 7>es eonverierrurt » rrt enm ad illir reAionilins expellerenc vio!el»rer er venrn xLenni.ie nibi vrnäicLvorLt» sk eo revocsrcnr." 2A» König Balduin IV. 2-; und mit deren Ertrage eine stattliche Ritterschaft zu unterhalten Es erging also ein Ausschreiben, daß ohne Unterschied der Herkunft/ des Glaubens/ Alters und Geschlechts, jeder- männiglich, wer über hundert Bisanzien besitze, von allem Vermögen an Geld und Eeldeswerthc, es möchte rn seinen Händen oder ansgeliehen seyn, Eins vom Hundert, von jährlichen Einkünften aber zwcy vom Hundert erlegen sollte; wer weniger als hundert Bisanzien besäße, sollte einen Bilanz, und im Falle großer Dürftigkeit, einen halben Bisanz oder zum mindesten einen Rabuinus von seinem Herbe zahlen. Auch die Kirchen und Klöster und ihre Lehenman- ner sollten so wenig von dieser Abgabe befreyet seyn, als die Barone des Reichs und deren Lehcnmänncr. Besitzern von Dörfern oder Flecken wurde außer dieser Vermögenssteuer noch die Bezahlung Eines Bi^anzes von jeder Feuerstätte ihrer Besitzung auferlegt, wobei) ihnen frei-gestellt wurde, die auf solche Weise bezahlte Summe unter die einzelnen Einsassen nach Maßgabe ihres Vermögens zur Wiedererstattung zu vertheilen. In jeder Stadt des Reichs wurden vier verständige und redliche Männer als Schatzmeister ordnet, welche sowohl ihr eigenes als der übrigen Bürger und Einwohner Vermögen, fahrendes und unbewegliches, nach bestem Wissen schätzen und insgeheim den Beitrag eines jeden bestimmen sollten; wer sich durch ihre Schätzung allzu sehr beschwert glauben würde, sollte Key ihnen darüber sich Igg) Den wesentlichen Inhalt VeS Autischreibens wegen Vieser Steiler »heilt Wilhelm oo» LyruL mit a. «. O. lZL) „S'osAiiiNi i. c. nro toao." > 36 ) >,t-u»rrinr viri ,irilüen>c» er kä° aixni." Offenbar waren dies« III , Band, a. Männer keine Ritter/ sondern Bürger, wie ihr Geschäft mit sich bringt: diese Thctlnlihmc ker Bürger an der Erhebung nnd Dcrwsnvnng einer Steuer iff eine in Vieser Zeit sehr merkwürdige Erscheinung. P 2. Ehr ngZ. ri6 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. III. S-^ eEren, dann so viel darbringen, als wozu er nach seinem eigenen Gewissen sich verpflichtet achten würde, und mit einem Eide versichern, daß er nach dem wirklichen Werkhe seines Vermögens steuere. Diese vier Männer wurden auch mit der Erhebung der Beyträge beauftragt und zur strengsten Verschwiegenheit in allem, was diese Steuer betraf, durch Eid verpflichtet. Zwey Hauptkasten sollten für diese Steuer seyn, zu Jerusalem und Prolemaiö, in der erstem Stadt für die Beyträge der Städte und Oertcr von der südlichen Granze bis Caifa, in der letztem für das übrige Land von Caifa bis Derytus. Was jede Stadt oder Ortschaft erlegen würde, sollte in einem besonder« Beutel in diesem Kasten verwahrt werden. Jeder dieser Hauptkasten sollte mit drei) verschiedenen Schlössern versehen seyn, wozu die Schlüssel einzeln zu Jerusalem in der Verwahrung des Patriarchen, des Priors am heiligen Grabe und der vier Schatzmeister nebst dem Burgvoigt, zu Ptolemais in der Verwahrung des Erzbischosss von Tyrus, des Seneschallö Joscelin und der dortigen vier Schatzmeister seyn sollten; also daß ohne den Zusammentritt aller dieser Männer die Hauptkasten nicht geöffnet werden könnten, weder zu Einnahmen noch Ausgaben. Nur dem Patriarchen von Jerusalem war es gestartet, wenn er selbst verhindert wäre, zur Oeffnung des Hauplkastens von Jerusalem, welcher im Schatze des heiligen Grabes verwahrt wurde, einen Stellvertreter zu senden '^). Zuletzt wurde noch ausdrücklich erklärt, daß das aus dieser Steuer fließende Geld zu keinem andern Bedürfnisse des Reiche, sondern allein und ausschließlich für die Dertheidigung des Landes verwandt, und diese Steuer nur ein einziges Mal erhoben und nicht zur Gei,7) „rizcseitte Oawiuo x»rri»rck» vct ejus nuittio." König Dalduin IV. -,7 wohnheit werden sollte. Auch sollten, so lange dieses Geld ausreichcn würde, die bisher von den Städten, Kirchen und Klösteru unter dem Namen von Taillen geforderten Steuern abgestellt seyn Kaum hatten die Pilgerfürsten durch diese Anordnung für des Landes Nothdurft »ach ihren Kräften gesorgt, als die Nachricht erscholl von dem unerwartet schnellen Falle von Aleppo. Da ergriff bange Furcht alle Gemächer und alle ängstlichen Ahndungen, wovon die Christen bisher gequält worden waren, schienen in Erfüllung zu gehen Das schwache Christliche Reich war nunmehr von Saladins gek waltigcr Herrschaft ringsum cingeschlosscn. Der Fürst von Antiochien und der Graf von Tripolis kamen daher sogleich zum König Balduin, welcher damals zu Ptolemais war, und suchten nach um Hülfe. Zwar gewährte Balduin ihr Ansuchen, und überließ dem Fürsten Bocmund dreyhundert Helme; aber gleichwohl suchte dieser sein Heil in einem Waffenstillstände mit Saladin, und verkaufte, um künftig seine Aufmerksamkeit allein auf die Vertheidigung seines Syrischen Fürstenthums richten zu können, an den Fürsten Rupin die von den Griechen ihm überlassene Stadt 8N0 xo.-set ^äsiinxere xrincizn,!,,!, omnis in rexio rinstiiue vr- vsiiai». " XXII 24 140) ,/!'„rsiini prim.ir Liliviae me- Iropnlin, Hrwm 2 OrLkois revez.o. r2k." xvuli, "r^r. t. Wann der Griechische Kaiser diese Stad! dem Fürsten van Antiochien überlassen stabe, wisse» wir nicht anzuqeben. Dieilcicht war es noch von Manuel geschehe», bcy Eeleqensteit seiner Vcrmästiung mit der Antivchische» Prinzessin Maria. P 2 > 38 ) »»Haec Lntem sie eoUecra xecnnia ex^enäi non äedet in rni- 2 . 218 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. III. 2-^r. in Cilicien, welche fern von seinem Sitze war und eingcschlossen in dem Lande jenes Fürsten. Der König und die Fürsten des Reichs Jerusalem bemühten sich dagegen Me festen Plätze, besonders Bcryttis, in guten Verrhcidi- gungsstand z» setzen; und als sie vernahmen, daß Saladin nach Damascus zurück gekommen war, begaben sie sich ohne Verzug mit ihren Reisigen zu dem gewöhnlichen Versammr lungsplatz an der Quelle von Sephoris. Wohin auch der Fürst Boemund und der Graf Raimund mit ihren Ritterschaften beschieden wurden. Kaum waren die Christlichen Streiter dort versammelt, so nöthigte den König die plötzlich zunehmende Heftigkeit seiner schrecklichen Krankheit, sich der Regierung des Reiches zu begeben. Dis dahin hatte er, so dringend auch schon ihm solches gerathen worden, weder der Herrschaft noch selbst den kriegerischen Abenteuern sich entziehen wollen, obschon er bereits des Lichtes der Augen fast beraubt war, und seine verwesten Hände und Füße ihm den Dienst versagten. Aber unglücklicher Weise übertrug er die Regierung seinem Schwestcrmann dem Grafen Veit von Joppe, dem wenige hold waren, sich selbst die Königliche Würde, die Stadt Jerusalem und zehntaujend Disanzicn jährlicher Einkünfte Vorbehalten!). Auch versprach der Graf mit einem feyerlichen Eide, weder bey Lebzeiten des Königs nach der Krone zu trachten noch irgend eine Königlick e Stadt oder Weste zu veräußern. Mit heftigem Murren ward diese Verfügung des Königs von den Fürsten und den meisten Rittern vernommen iqi) Man sieht ans der Erzählung hörte, und also nicht ganz unbefan- deg Erzdischoffo Wilhelm von diesen gen uriheilte, Gleichwohl spricht er Händel» (XXIl. 2z.), da« er zu der mit gewöhnlicher Vorsicht, nur daö- Cegenpartev des Grasen Weit ge> jenige aid gewiß und sicher berichtend, König Balduin IV. 2LY Mittlerweile überließen sich die Christlichen Ritter aller- 2.^hr> ley Vcrmnthungen über die Absichten Saladins; einige meinten, er würde seine ganze Macht gegen Vcrytus richten, andere, er würde vielmehr die Burgen in Syrien Svbal, nehmlich Krak und Momroyal, welche ihm die Verbindung mit Aegypten erschwerten, zu erobern suchen. Noch andere behaupteten, der Sultan trachtete besonocrs nach den Burgen Toron und Chatelneuf bey Tyrns. Die meisten hofften, der furchtbare Feind würbe, um seinen Scharen nach jwey- jährigem Kampfe Ruhe zu gönnen, einen Stillstand suchen und nach Aegypten zurückkehren. Aber der rastlose Sinn Saladins kannte nicht den Wunsch nach Ruhe und ahn- dungsvvll hatte einer der Lehrer der Kinder Saladins, als der Sultan aus Kahira abzog, den Einwohnern zugerufen, sich noch wohl zu ergötzen an dem Anblicke des glorreichen Fürsten, den sie nicht wieder sehn würden Desto heftiger war dagegen in dem Christlichen Heere die Sehnsucht nach Ruhe, und nur sehr wenige waren kampflustig. Daher gaben sie der thörichten Hoffnung eines nahen Waffenstillstandes Raum, wiewohl sich der Ritterschaft von Syrien viele edle und tapfre Pilger angeschloffen hatten, wie Heinrich Herzog von Brabant und Graf von Löwen, Rudolph von Maleine aus Euicnnc und andre mit zahlreichen Rittern was ihm als solches bekannt war. So gibt er von dem eidliche» Verspreche» dcS Grasen Veit nichts zu veräujjer» fvlgcndc Veranlassung an: Oreciiiur autem ich Ltrräiose et cio 14,, x. 46. rzo Geschichte der KreuzzÜge. Buch IV. Kap. III. und Reisigen, und selbst die Pisanischen, Venctianischcn, Genuesischen und Lombardischen Schiffer, welche jene Pilger nach dem gelobten Lande geführt hatten; also daß drrys zehn hundert Helme und mehr als fünfzehn Tausend Streiter zu Fuß versammelt waren Saladin täuschte bald alle ihre Vcrmuthungen und gab Quelle ihnen Gelegenheit zum Kampfe; denn plötzlich brach er auf ^.Srp"?°n Damascus und zog überHarran nach Bcisan oder Scys thopolis Da die Einwohner, streitbare und wehrlose, wiewohl mit allen Bedürfnissen wohl versehen, nach Liberias entwichen waren, und alle Waffen und alle Habe zurückgclassen hatten, so fanden dort die Heiden eine leichte und reiche Beute '"H Nachdem sie die Stadt ausgeplün- dcrt und verbrannt, thcilten sie sich in viele Scharen, um die Städte, deren wehrhafte Männer im Lager waren, zu zerstöre», das Land zu verwüsten nnd die Wege zu verlegen, welche zu dem Lager der Christen führten; eine Schar ängstigte die Stadt Nazareth so sehr, daß die Weiber, Greise und Kinder in so verwirrtem Gedränge in die Kirche flohen, daß viele erdrückt wurden; eine andre Schar er- 14z) -.Xunguoiii legilwr t,int„m ex uuiver.8o Oriemali rraeln con- verns.>e mm eguinem guam xe-ginim mnltiiuclinein. nea 2N »liguilrus traeiiterr 561N01U1N8 2 cleo srmatam 144) Vohaeddin lS. 8 l!) bezeichnet also den Weg SaladinS. Ex brach am 27 Qschumadi al-awwal l 57 Y — 16 8ept. i-W) 0«» OamaSeus auf und zog bis zur hölzernen Brücke, wo er neu» Tage die aufgcbotencn Truppen erwartete; am g Dschumadi al-achar — 27 Scpt- zog er über Favar und übernachlere bc» Äosseir; am y Dschumadi ai achar — 28 Scpt. kam er nach Beisan. Die Zeitbestimmung trifft genau mit der des Wilhelm von T»rus zusammen, nach welchem (XXII. 27) die Ereignisse bey der Quelle Tubania sieh ereigne- rgz) Dulmeil. a, a. O. ^Villu U'xr. XXII. 26. auf dag vollkommenste zusammen stimmend. König Balduin IV. -;r stieg den Berg Thabor und belagerte das griechische Kloster des heil. Elias, welches durch den Muth der Mönche und die tapfere Verthcidignng des Landvolks, welches in das Kloster geflohen war, gerettet wurde. Mit den auserlesensten Scharen lagerte sich Saladin selbst an der Quelle Tu- bania*"), am Fuße des Gebirges von Gilboa und am Wege von Beisan nach Neapvlis. Es traf sich gerade, als bas^S-rr Heer der Heiden von Beisan dahin zog, daß die Emire Azzeddin Dschordik und Dschawcli, welche die Vorhut führten, auf die Ritterschaften von Krak und Montroyal stießen, mit welchen Fürst Rainald von Charillon durch dieses Thal zu dem königlichen Lager zog; die Emire säumten nicht mik dem Angriffe, und viele tapfre Christliche Streiter fielen von ihren Schwertern "'J. Der Graf von Joppe, als er diese Bewegungen Sala- dins vernahm, führte sogleich sein zahlreiches Heer übern-Serr. das Gebirge von Nazareth in die Ebene von Esdrelon, wo er bey der Burg Faba die Scharen ordnete zum Angriffe, nachdem die Christlichen Kämpfer sich zur Schlacht bereitet hatten durch reuiges Bekcnntniß ihrer Sünden und den Genuß des Igü) So nennt Wilhelm von TvruS diele Quelle. Bobacddin nennt he die Quelle vvnDschaluih (Li» Qsolm InUi), und der arabische geographische Lcxicograpb des SchultenS (I»ä. gsozi e. Ir. V.) setzt ihre Lage zwischen NeapoliS und Beisan Nach der Angabe des Schatzmeisters Ber- nard ko. -44, wo übrigens statt s»»° ldaderi.w zu lesen ist su»s -ruhaniae) ist diese Quelle nur vier Rasten (gua- tnor ieuoas) von der Quelle Sepho- riS entfernt und lag im Distrikte der Burg Faba bfranzös. ta I'cvc. Hugo rlag. S- LSS u. a.). Bobacddin (S. 5g. 71 ) nennt diese Burg Fult» mit ganz gleichbedeutendem Namen, und bezeichnet ste als einen sehr bekannten Ortdenn Fula (Collcctivum von Full heim im Arabischen Bohnen. Dgl. llomiuentario ste beiio ortio. «»: Li>»is<-ti. hier. (Gott. 1796) S. Igo. Diese Burg, welche damals von den Templern und Hospitalitern gemcin- schaflllch besetzt war, lag auf dem Wege von NeapoliS nach Nazareth, zwischen Scbaste und Nazareth. Hugo klag. S. 5YY ig7) Bobacddin S. 54. I. Ckr. i-8Z. r;r Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. III. heiligen Abendmahls Aber die Christlichen Fürsten waren voll Unwillen und Groll wider Veit, und nicht geneigt, seinen Anordnungen zu folgen. Also weigerten sie sich des Kampfes, indem sie behaupteten, daß die Stellung der Heiden zu vortheilhaft, und das Heer Saladins z» zahlreich und tapfer wäre, als daß ein glücklicher Ausgang der Schlacht sich erwarten ließe. Sic zogen also ihre Scharen zusammen in dichte, undurchdringliche Haufen, die Reiterey schützend durch das vorgestcilte Fußvolk. Dabey beharrten sie auch, als Saladin, nachdem er durch einen heftigen Angriff mit seiner auserlesenen ihnen wohlbekannten Schar von fünfhundert Reutern sic vergeblich zum Kampfe aufgefordcrt hakte Pie von ihnen für unüberwindlich erklärte Stellung bey der Quelle Tubania verließ sich gegen Bcisan wandte und an der Burg Forbcler, in der Entfernung kaum Einer Raste von ihnen und in einer sehr ausgedehnten Stellung sich lagerte Täglich bot Saladin ihnen die 148 ° IZaMiiinns .rgnovis- set terrmri echi- (8iU.i'liniim) intra?- rio per i-'nemu nn-im ncni sni-sit. iS.r.ii aniem ciie i i i,> feria 5ixtii. Latlv-no vero !-egiienti ellii i-I iani. ININI 2,1 zirvei'.uiii." N- rinirä. 'eire- kmir.ir I. e. ,,?lm II Dichumadi al- achar; einem Sonnabend, >am die Nachricht, dass die Franken sich bei) Safnria vereinigt hatten nnd nach Zu!a gezogen waren/' Bok. 149 ) Diese nnserlesene Schur führte den Namen DsehaIisch. Bodacd- din a a Ü. Auf diesen Kampf bezieht sich ohne Zweifel der i>iimws cmikUctris des Bernard in der folgende» Anmerkung. i?o) Der Schaymeister Bernard läfit diese Stellung dem Sultan durch wirtlichen Kampf schirme» oonMotri) al'gcwonnen werden, „tzno xcrvc- iZifirr-liltate er t-eiicniioLis congrek:- eioiiilni-i Lgiiiiii 4>o5ie„r oditinere: siidiiio SiUiikiiaiiiii, caetra solveii» ex riieperalo soiiiem -leeerii. " rviiln 'Ichr. xxn. atz. „ Die Franken zogen lden Kanipf ablehnend in ihrer undurchdringliche» Schar) biS an die Queitg, wo sie sich niebcrlie- hcn, der Sultan aber lagerte sich rings um s- " Bvh. a. a. O. i2i) oSaiaoeiii ca-tra meimi runr ante leorvcler ltwarrim leiins.- rrim rxiitiniu vociixiriiies." tZrrnd. König Balduin IV. Schlacht an und rcitzte sie durch einzelne Angriffe; aber das Heer, in welchem der Herzog Heinrich von Brabant und die kampfgcübkcn Streiter Gottes, Graf Raimund von Tripolis, Balduin von Raines und sein Bruder Valian von Nea, polis, Reinold von Sidsn, Walther von Cafarea und dev Sencschall Zoscelin waren, nahm den Kampf nicht an. Selbst die Verwüstung der Oertcr in dem Thals von Beisan, in welchem sie waren, Forbclct, Koffeir, Sarin, fast vor ihren Augen, änderte nicht ihren Sinn Nach einigen Tagen fing das Christliche Heer an, selbst Mangel zu leiden au allen Bedürfnissen, weil die meisten, in der Erwartung, daß sie auszögen zu einer Unternehmung nur von wenigen Tagen, ihr Gepäck bey Sephoris zurückgelassen hatten, und das fremde Schiffsvolk, welches das Heer begleitete, ohne alle Lebensmittel war. Wozu noch kam, daß wegen der auf allen Straßen umher streifenden Heiden weder die Einwohner der benachbarten Gegenden dem Christlichen Heere hinreichende Lebensmittel znführen konnten, noch selbst die Statthalter der umliegenden Städte und Burgen, welche aufgefordert wurden, das Heer zu versorgen. Denn obwohl Ritter ausgesandt wurden, um solche Zufuhr zu geleiten, so fiel doch das meiste in die Hände der streifenden Türken Gleichwohl, so oft im Kriegs, I. c. Dies, Nachricht scheint bestätigt zu werden durch die in der vorigen Anmerkung mitgetheiltc Stelle des Bohaeddin. Igo) Bvliaeddin a. a. O. Der von diesem Schriftsteller genannte Ort,Sarin, iü ohne Zweifel derselbe, welchen Wilhelm von Tchrus xarvum Oeriuum nennt und unter den von den Trup> xen Saladinö geplündenen Orlen aufführt. -S3) Doch wurde ihre Noth durch ein Wunder gemildert, „^cciäit au- rem xer vosliem ciic«, giiibus Ii- ßunm. dlam cum I>aclenu5 ,au> saus suxra uominatus guam gut ex ca rivus proliuit xisces aut uullo« aut rarissimos Iralmro creclvi etur, illis äieiurs tautam Zicitur coxiam mlnistraese guae uurverso exvrcitui kutüccre xossel. " 'VViUr. ll')-r. XXII. -7. 2. Thr. »gz. r;4 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. III. 2-^r. rathe von redlichen Rittern geklagt wurde, daß es ewig schmachvoll wäre, daß ein so zaklreicheo Heer sich lieber von Hunger vernichten ließe, als den Kamps wagte; so wurde stets auf gleiche Weise entgegnet, die Stellung der Heiden zwischen Felsen sey nicht zu überwältigen und ibre furchtbaren 7. Ott. Scharen seyen unüberwindlich Als endlich Saladin l 64 ) irri ,ie»otia priesen* tis viäebLiitur maximo promovore» lii, irtckicitnr, Oomi'is loppen* eis ociio, cui IloZni curam nnäins lerrins Ilex commiserLt, rnäigne Lercnres (seredint), cpioä Domini incognito, inäiscreto er ponitus in- utili tLNiornin iiexotrorum snmmrm in tLNtis pericnlis et tinrae neoes- sitLiis Lrticnlo commisisset. ^«iäe ksccum esr per oero äies positi et vix L nostris äistsntii s^Liio nnins mil 1 i»rii, psrienter nimis, iw.o probrose, <;noä nu.sgusm. slibi in keKno scoiüisse logitur» PA8S1 «lint morrrm /score er in re* xionom pro libero arbirrio «lessevi- re nniversam. Mtredsntnr (lex. mirsbLntnr) gni ackerant viri sini* xlices er malitiLerrincipum nosrrornm expertes, guiänam esset eriberernr si guicl pro- spernm in eo /scro acoickeret et sub t^ns önesrn rem bene xessisse viäcrentnr. Ilsec ram mnlliplici- ter a pltiribns äicrs irs conscripsi- mns, nibil asserrive pononres, ram- plenins Lssecini." Älso Wilhelm von Ttiruö (XXH 27) mit seiner ge» wohnlichen Bescheidenheit. Ganz kitrz erzählt HeriiLvckns 1'beSLursrins (l, c.): ()inimLjne llex cl<- pr-relio snos consnlerei, ckisstissorunt no eon- xreäerernr stlversns 8L»acenos po* sitos in montsnis." ES ist merkwürdig, daß die Muselmänner nichts von diesen Verhältnissen unter den Christlichen Fürsten gemuht zu hoben scheinen. Denn also erzählt Bohaed- dtn: „MirTodten und Verwunden wurden sie gcreißt zum Kampfe, aber sie kamen nicht hervor aus Furcht vor den Gläubigen', denn diese waren in großer Zahl." Uebri- gens war diese Weise gegen Saladin zu verfahren gewiß nicht unzweckmäßig. Die Beschränkung auf die Ver- theidigung brachte ihn doch wirklich dahin, daß er Mieden mußte, olrn» König Balduin IV. 2 ;; über Toron sich zurückzog, weil seine Streiter des langen 2^n>r. Harrens müde und die Vvrrathe verzehrt waren '"), s» reitzte er noch einmal durch seine Bogenschützen sie zum Kampfe; aber nicht minder vergebens Sie eilten vielmehr, sobald sie gewiß waren, daß der Sultan sich zurückziehe nnd seine Scharen entlassen werde, zurück an dies. on. Quelle von Scphoris die fremden Pilger verschoben nicht länger ihre Abfahrt, und die syrische Ritterschaft zog sich zurück in ihre Städte und Vesten. Der Fürst Rainald von Chatillon besonders hielt sich in seiner Burg Krak für so sicher, daß er kein Bedenken trug, dort die schon drcy Jahre zuvor verabredete Hochzeit seines Stiefsohnes Honfroy mit der elfjährigen Elisabeth, des Königs jüngerer Schwester, in Herrlichkeit und Freuden zu feyern, wiewohl Kundschafter ihm noch vor seiner Rückkehr dahin meldeten, daß Saladin daraus denke, diese Burg zu belagern Eine große Menge von Gauklern, Spiel- lenken und Sängerinnen hatte sich dort eingefunden, und die Burg erscholl von fröhlichen Gelagen, als plötzlich der den Christen großen Schaden zugefügt zu haben; und besonder-- in einem so gebirgigen Lande, als Palästina, ließ sich mit dem Derdcidi- gungskrlegc viel ausrichten. Aber eine solche planmäßige Dertheidigung lag nicht in dein Geiste dieser Zeit und am wenigsten der Kreuzfahrer. 155) Bohacd. a. a. O. Don dem Wunder des Schaymeisters Bernard, wodurch Saladin zum Abzüge bewogen sepn soll, weiß selbst Wilhelm von TpruS nichts. " >> Ipra eti-rm aoelo appaiuir rn cruest, r-kstgrem. tziiUM-zuc irr sizirum laetitiac (.. i.li- karacenr ex Iroo tauro oonelernLrl irriracirlo, irmoris ca-lris, äisoekee- ruut a Ilexno. ILÜ) Bohacd, 157) ,, Am iS des Dschumadi al- achar kcbrren feigherzig die Franken zurück auf dem Wege, auf welchem sie gekommen waren." Boh. Igg) WiUr. I>'r. XXII. 2 g. Dcrn- Irarä. Ilre-rsar. L. istZ. Saladin zog zu dieser Belagerung aus von Da- mascus am g Radscheb — 2g Lkt, I>81. Am 4 Schaban — 27, November traf er mit seinem Bruder Malck al adcl zusammen. Bvhaed. E. 25. r;6 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. III. 2- ehr. Eichel gestört wurde durch die Scbrcckensposi, daß Saladin Belag?- mit eiligst wieder versammelten Scharen rm Anzüge sey gegen srom^Krak; und bald sahen die acschreckten Hochzeitgaste die Hei- den sich lagern um die Burg. Es ließ sich nickt anders erwarten, als daß Saladin diese Veste, welche die Verbindung zwischen Aegypten und seinen syrischen Ländern so sehr erschwerte, und überhaupt seit ihrer Wicderaufbauung unter dem Könige Fulco den Muselmännern so vielen Schaden geihan hatte, mit der gewaltigsten Anstrengung seiner ganzen Macht belagern würde Auch hatte Saladin zu dieser Heerfahrt nicht nur alle seine syrischen Scharen aufgebvten, sondern auch leinen Bruder Males al adel mit der ägyptischen Miliz zu sich be- schiedcn. Darum riechen kriegskundige Männer dem Fürsten Rainald, den Weiler, welcher unterhalb der Burg noch am Abhange des Berges lag, den Heiden preis zu geben, und die Einwohner mit allen ihren Vorrärhcn in die Burg zu führen; Rainald aberfolgte ihrem Rathe nicht, weil er den Weiler durch seine Lage hinreichend geschützt glaubte, Indem er nur zugänglich war von zwei) Seiten, wo wenige Bewaffnete ihm hinreichend schienen, um die ganze Macht Saladins abzuwehren. Ihn trog aber diese Meinung; denn die Ritter und Fußknechtc, mit welchen er die beydeu Zugänge besetzt hatte, wurden bald zurückgedrängt durch die mit furchtbarer Gewalt anstürmenden Heiden; der Weiler mit allen Vorräthen und aller fahrenden Habe sowohl der Einwohner als der Surianer, welche bey der Annäherung izy) „Den Muselmännern geschah und zahlreicher Bedeckung. Darum von dieser Burg großer Schade»; richtete der Sultan aut diese Burg denn sie unterbrach die Werbindung seine ganze Aufmerksamkeit, um den mit Aegypten, also, Laß die Kara- Weg nach Aegypten frsy zu machen." vansn nicht anders diesen Weg zie- Bohaeddin S. Ls- Sy- hen konnten, alS unter sehr starker König Balduin IV. r;7 Saladins aus dem umliegenden Lande dahin geflohen waren, siel in die Gewalt Saladins. Nur mit Mühe retteten sich die Christen in die Burg; und bey dem verwirrten Gedränge der Fliehenden waren die Heiden in die Burg selbst gedrungen, wen» ihnen nicht die bewunderungswürdige Tapferkeit eines einzigen muchigcn Mannes, des Ritters Jwain, widerstanden hätte *°0), Der Zustand dieser wichtigen Burg wurde bald sehr peinlich. Ans acht großen Geschähen wurde sie unaufhörlich mir Steinen von furchtbarer Größe beschossen "'), so daß stets der ganze Fels bebte, und diese Massen wurden so geschickt und mir solcher Wirkung geschleudert, daß die Belagerten nirgends einen sichern Platz finden konnten, um eine Maschine zu errichten, ja selbst es nicht wagten durch die Gitter der Mauer zu blicken. Dagegen genossen die Heiden aller Bequemlichkeit in dem Weiler, wo sie Ucberfluß an Korn, Wein und Del gefunden hatten; und ihre Köche und Bäcker und Verkäufer aller Art trieben in den verlassenen Häusern ihre Gewerbe in aller Sicherheit Unter solchen Umstanden hielten die Belagerten es für räthlich, nichts zu unternehmen, sondern ruhig die Hülfe des Königs von Jerusalem zu erwarten, zumal da cs ihnen nicht an Lebensmitteln fehlte, aber an Waffen. Auch die Menge des wehrlosen Volks in der Burg war >6o) „Ilnin» egnirirr cui nomen Ivenns errr." >Vi1d. I>r. 161) „Odo ereolis maelrinis, sex od interiori xsrre, ndi anrigna Zuerst elviras, äuainis vero in ex- de 1er." Wild. '!>>'- XXII. Zo. 162) „8eä er «ini in exereiln do- »tium sriurt, cvtznoiurn vel xisro- rnm Iiadenres oküoium, qni.Noo. duin in der Kirche der Auferstehung gesalbt und gekrönt, und, damit das Volk den gekrönten Knaben sehen mögte, in 4 16L) lioe er »ä rä xerutus iiortaure rnaire." Wilk. i6Z) ».rraegerne i?so er conrrrräi- oore non kniäc-itte." lä. Bey dieser.' Gelegenheit kann Wilhelm von Tyrus nicht unterlassen, seinem Hasse gegen Veit Luft zu machen, „r'acnimtiirv osr lueriko, in qui. in moäico <-rz;L eum hbii sibi uuiverxa oonrulersr, noluir esse- (was sich auf den von dem Grafen von Joppe verweigerten Tausch von TyruS gegen Jerusalem bezieht), ad urrivers» LiiwiuL reruM ävdäerer." -42 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. IH. dem ftyerlichen Zuge aus der Kircbe zu dem Palaffe am Tempel Salomvnis, wo das Krönuugsmahl gehalten wurde, so trug ihn Balian von Jbelim, ein großer und schöner Mann, auf den Armen. Selbst in den Fcycrlichkeitcn der Huldigung des jungen Königs zeigte sich, öffentlich die Heftigkeit des Hasses gegen den Grafen von Joppe, womit die Einflüsterungen jener ränkevollen Partcy das Gemüth des alten Königs erfüllt hatten. Mit Absichtlichkeit wurde von ihm Veit nicht aufgefordert zur Huldigung ' ° °). Die weitern Schritte des Königs gegen den Grafen von Joppe wurden indeß unterbrochen durch die Heerfahrt nach Syria Sobal zum Entsätze der Veste Krak. Auch der schwer gekrankte Veit entzog sich dem Hcerdienffe nicht. Aber schon auf diesem Zuge wurde die Unzufriedenheit vieler mir des Königs letzter Verfügung laut; denn mit Recht wurde bemerkt, daß dem Reiche nicht geholfen wäre mit zwey Königen, von welchen den einen Krankheit, den andern Kindheit des Regierens unfähig machte; und laut wurde ein Rcichsver- weser gefordert, welcher wirklich im Stande wäre, das Reich zu regieren und bas Heer zum Kampf zu führen. Diese Forderung wurde so ungestüm, daß der König wenigstens zum Theil nachgab. Denn im Lager bey Segvr am lobten Meere ernannte er, nach gepflogenem Rathe mit den Prälaten und Baronen, welche ihn begleiteten, jedoch nicht i66 „Lotus tgmen toppensis tto- rves, nr ei Stimm exitiderer ttonli- 'Wiik. rxi. Es ist auffallend, dass der Schatzmeister Bernhard und Hugo Plagon, der französische Ueber« setzer und Forlseßer der Geschichte des Wilhelm von Torus sin listm. tVIarreno er c/rs. Duraint ver. sori- Dtvrruo er rnonnio. »wxtirs. «ot- lerlione 1h V. x. 5g6) dis Krönung des Knaben Balduin erst nach der Ernennung des Grafen-Maimund zum Reichsoerweser geschehen lägt, da doch Wilstelm von Torus ausdrücklich den 20 November ngg als den Tag der Krönung angibl; und eine zweymalige KrönUitg^in so schneller Folge lägt sich doch nicht anneü- men. König Balduin IV. -41 ohne große Bedenklichkeit, den Grafen Raimund von Tripo- 2-gCh> lis zum Feldhaupkmann Kaum aber hakte Saladin, durch den Anzug der Ritt'»-De- terschaft von Jerusalem bewogen, die Berennung der Veste Krak aufgehoben '^), so ließ der König seinem Hasse gegen den Grafen von Joppe noch freyern Lauf; er verlangte nunmehr von dem Patriarchen Hcraklius selbst die Auflösung der Ehe des Grafen mit seiner Schwester, welche er selbst wenige Monate zuvor mit so großer Hastigkeit bewirkt hatte, und die Anberaumung einer Tagfahrt, an welcher er als Klager gegen seinen Schwager auftreten wollte und der Patriarch die Scheidung vollziehen sollte. Sobald der Graf von Joppe diese Absicht des Königs vernahm, eilte er dem zurückkehrendcn Heere voraus nach seiner Stadt Askalon, auf Deren Treue er sich verließ, und berief dahin auch seine Gemahlin aus Jerusalem auf das schleunigste, in der Be- sorgniß, der König möchte seine Schwester zurückhalten, falls er vor ihrer Abreise nach Jerusalem zurückkäme. Sobald aber Balduin in der heiligen Stadt angekommcn war, so erging an den Grafen Veit die königliche Ladung vor das mit dem Patriarchen verabredete Ehegericbt. Und als der Graf auf Mehrmalige Ladung nicht erschien, mit Krankheit sich entschuldigend, so zog der kranke König selbst, vom ungestümen Zorn getrieben, in Begleitung mehrerer Barone, nach Askar lon, um dort selbst mit eigner Stimme den Grafen vor Ger ,87) xviM. a>r. xxii. z-,. Die Stadt Segor, an der südlichsten Spitze des todtcn Meers gelegen, >>n Alterchume Zoar, hieß zu dieser Zeit in der Volkssprache, nach der Versa chernng des TkzbischvffS Wilhelm, Palmer. 16?) >,ViVa Voce, roleuniter sus vnaaie " Diese Händel des Königs Balduin mit dem Grafen Veit werden noch ovn Wilhelm von TpruS erzählt in dem Anfänge dcS unvollendeten dreh und zwanzigsten BuchS seiner vortrefflichen Geschichte de- Reichs Jerusalem. Q Ni. Band. r. 24 » GeschIchte der Kteu zz üg e. Buch IV. Kap. m. Ä.^^br. richt zu fordern '°°). Aber er fand die Thore der Stadt verschlossen, vergeblich pochte er an die Thore mit eigner Hand, vergeblich ließ er dreymal den Grafen von Joppe auffordern, die Stadt zu öffnen. Endlich zog er mit Schmach ab vor den Augen eines zahlreichen Volks, Welt cheS auf den Mauern sich versammelt hatte, um den Vcr< lauf dieses ärgerlichen Handels zu sehen. Dagegen kamen ihm, als er nach Joppe zog, die vornehmsten Einwohner entgegen und führten ihn mit grossen Ehren in die Stadt. Worauf der König den Grafen Veit dieser Stadt für Vers lustig erklärte, ihr einen königlichen Vogt vorsetzte ^°) und nach Ptolemais zog zur RcichSversammlung. Die Wirkung des leidenschaftlichen Verfahrens gegen den Grafen Veit zeigte sich schon in dieser Versammlung, wo über die Absendnng einer Gesandtschaft an die Fürsten des Abendlandes gerachschlagt werden sollte. Noch ehe die Derathungen anfingcn, traten der Patriarch und die Großmeister der bcyden Orden vor den König und legten, selbst niederfallend auf die Knie, die dringendste Fürbitte ein für den Grafe» von Joppe; und als der König ihnen kein Ge- ,6g) „SalLltrciinrts veio coguilo xer exploratorcs, grrock Oltrisiiitiwts proximo esset cxl-rcitrrs er grrotl H'ripolilaitus 6omcs prackcotus esset legioitibtts, ricpositis nmcliiuis et HNL per men scm coittiirttttm locirm akiiixcixt praeckictum , solvir sä propres rcrcrsus. " XVttb. g'z-r. „Als Saladin de» Anzug der ganze» Fränkischen Ritterschaft und ihres Fußvolks vernahm, schickte er den Malek al - Mcdaffcr Thaki eddin nach Aegypten zurück am 15 des Gchaban n Der, i>LZ): und nlS am rü die Franken bcy Krak ankamen, so hob der Sultan die Bcrennung der Burg auf. Diese Belagerung war mit großer Anstrengung betrieben worden; auch fand i» derselben de» Märtyrer- tod Scharfeddin Bargasch, ehemaliger Mameluk des Nureddin," Nach der unrichtigen Angabe deS Schatzmeisters Bernhard dauerte diese Belagerung sechs Monate. 170) >> Orclinsto xrocnrrstore gtti loci cursin gcrcrct. -- rV'.tti. 1. Hugo Plagon drückt dieses einfach aus - „i iirir so» vaillis." König Balduin IV. 24; hör gab, verließen sie voll Unwillen die Versammlung und selbst die Stadt Dieser ärgerliche Vorfall sprengte nicht nur den Reichstag, sondern bewog selbst den Grafen Veit, welcher dadurch von der Unversöhnlichkeit des alten Königs überzeugt wurde, zu öffentlichen Tätlichkeiten. Er fiel ein in das Land des Königs und beraubte bey der Veste Darum an der Gränze des Landes einen Arabischen Stamm, welcher dort für eine schwere Schatzung mit Bewillii gung und unter dem Schutze des Königs seine Heerden weidete. Dadurch wurde der König bewogen, die Erhaltung der Ruhe im Reiche kräftigen Händen anzuvertraucn. In einer Versammlung allcrlLandhcrren des Reichs bestätigte et aufs Neue den Grafen Raimund von Tripolis zum Reichst Verweser. Der Graf Raimund aber, wohl wissend, daß seine Ernennung zum Rejchsverwcser nur Einer Partey gefiel und daß andere, besonders der Patriarch von Jerusalem, die Großmeister der beyden Orden, der Seneschall Zvscelitt Und selbst der Fürst Rainald sie mißbilligten, nahm die Reichsverwaltung nicht eher an, als nachdem die von ihm gestellten Bedingungen genehmigt worden. Durch »71) ,, Qnnuine stLNni exsiräiti Tioii kiri^errt» recessevuirr crtnr iii- üi?nnioii.e gimitl, iron sslrrm a citria» Weiler unten nennt WilöciM von Tyrns das Betragen des Patriarchen einen rrrlemperanits. Die obige SrE verziert Hugo Pla- gon also: „ 6U. oreirr xi-siir äes- cie cd yue krouime esro'ir roir encore 5r KiarrL rerreirrie eur svrr cor 5 ^ oorv^r ss x»rursnr äe la eort» er s'en LrsLrcnr borg LA r?3) Denn man sucht aus der ganzen Folge der Begebenheiten, daß e- nur in großer Beschränkung richtig ist, waö Wilhelm von LyruS sagt: „Irr c^rro kaoro xopirli rrnrver- si tzt pvirrcixrim ex psiie xlrrrim» viäedlinir Lari^seci^se äesiclerüs r NrricL eriin» er siNbliriLris viäedanrr vnmii-'rrL ssln-tis virr, sr praeärotS 6omiri re-;iorrrm errra ev«mttt inr ne^oriorrur»." Q 2 »l» 4 . s. Ehr. »84- -44 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. HI. diese Bedingungen suchte er eben so sehr sich seine Gewalt, wenigstens auf eine geraume Zeit, zu sichern, als jeden Anlaß zu Verläumdungen und Mißtrauen zu entfernen. Er forderte, daß die Verwaltung des Reichs ihm auf zehn Jahre, bis zur Volljährigkeit des jungen Königs, ander- traut würde; dagegen wollte er aber der Obhut und Erziehung des Königs überhoben seyn, damit nicht, falls derselbe innerhalb der zehn Jahre stürbe, die Verläumdung Gelegenheit fände, ihm die Schuld davon beyzumessen. Ferner verlangte der Graf zwar die Einräumung einer festen Stadt, als Unterpfand für die auf die Vcrtheidigung des Königreichs aufzuwendenden Kosten; er brachte aber dafür, um jedem Argwohn und jeder Bcsorgniß zuvorzukommen, in Vorschlag, alle übrigen Vesten und Burgen des Reichs der Obhut des Tempelordens zu überlassen. Endlich begehrte er, daß, wenn der junge König vor dem Eintritt seiner Volljährigkeit das Zeitliche segnen sollte die Bestimmung über den Thron von Jerusalem dem Papste zu Rom, dem Kaiser und den Königen von Frankreich und England überlassen werden, und ihm die Reichevcrwaltung so lange ungestört verbleiben sollte, bis die Bestimmung jener vier hohen Fürsten würde eingeholt worden seyn Als diese Bedingungen angenommen worden, wurde dem Grafen Raimund die Stadt Berytus mit ihrem Gebiete überlassen; dem Sencschall Joecelin, Oheim der Gräfin von Joppe, aber die Obhut der Person des jungen Königs anverrraut. »7Ä Lern. rstesaniar. o. 1 -jü. Die Text dieser Stelle in dem Abdrucke Erzählung von diesen Verhandlungen offenbar so sehr verunstaltet, dag der in der Chronik des Hugo Plage» Ein» tan stch nur ahnen lügt. (E. SSL) ist so verworren und der König Balduin IV. -45 Nicht lange, nachdem dieses geschehen, starb der aussätzige König, gerade zu der Zeit, als alle Barone des Reichs in Jerusalem versammelt waren, wohin er sie be» schieden hatte, um seinen Neffen wiederholt ihrer Treue und ihrem Schutze zu empfehlen und schon am folgenden Tage nach seinem Tode ward er am Calvarienberge in dem Begräbnisse seiner Väter bestattet. Worauf der Graf Joscelin den jungen König nach Prolemais führte. „Oovairr cc ln-l mark, r - II. 10u- scs da, ans cjir'ils verris^eirt 4 lirr (N lerrr^alerrr; er rl. ürcrrr irepi»t-^ir Ir roi mcsrLirs (kurz »orkcr heijjt er Io vrccror Mkkcl d. I. der miselsüchtige oder aussäylgc)." Hugo!>Ir-ro,,. Jakob Herold (Ooir- trii. kisrorrai- NeUr ?aori. I-rd. I. z) gibt den 16 März n85 als den To> deöiag deö Königö Balduin an. I Tbr. »SL. ,46 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. IV, Viertes Kapitek, 2. Tbr. Aer Graf von Tripolis, als Verweser, nahm sich des i'84- 2 August Reiches mit Eifer und Thatigkeit an, Wider den Sultan Süladitt, welcher im nächsten Sommer mit allen Truppen aus Syrien, Aegypten und Mesopotamien die Burg Krak angriff, beschirmte er diese Veste durch kluge Vertheidigung, indem er in der Nabe eine feste und unbczwingliche Stellung nahm, und die Gelegenheit benutzte, die Besatzung der Burg zu verstärken; wodurch Saladin genöthigt wurde, die Belagerung aufzuheben, das aufgcrichteke Belagerung^ zeug zu verbrennen und die Beschädigung des Christlichen Landes auf die Plünderung der offenen Stadt Neapolis und die Erbrechung einiger kleinen Städte im Rückzüge zu beschränken '). Jedoch achtete Raimund bald es für nöthig, das i) Dieser zweylen Belagerung von Krak erwähnen, anher dem Engländer NadnlfnS de Diceio, blöd dis Morgeniändischcn Schriftsteller, Bo- hacddin S. 58. M- Abnifeda bcym tz. 58 c> E, 6r. Der letztere Schriftsteller erzählt ne mit Umständen, welche ziemlich genau mit der Erzählung des Wilhelm von TvmS von der erstem Belagerung znsammen- siimmen. Saladin kam, wie Ra- duftnö de Diseiv Imagines !,i.->oriar. in 83. -^ngl. S. Ü 2 Z hsstgM, agch Hey dieser zweytcn Belagerung in den Besitz deS Weilers. Nach eben diesem Englischen Schriftsteller richlcte er vierzehn Wnrf- maschlnen ans gegen die Burg und hielt sic vier Wochen lang belagert. Auch Adnlsaradsch (tlftron. 8>-r. S, zyr) erwähnt dieser zweylen Belagerung. Da diese Stelle in der lateinischen Uebersctznng ungenau wieder- gegcben ist, so versuche ich hier ihre,! richtigen Sinn darznstellen , „ Inr I- 680 rüstete sich Saladin zur Belagerung von Krak und berief deswegen den Nurcddin yvn Hesn Kaifa Krönung des Königs Veit. 247 Land durch Waffenstillstand zu schützen, stakt des Kampfes sich zu unrerwinden; zumal da sogleich im ersten Jahre seiner Verwaltung die ununterbrochene Dürre und der Mangel an Wachkthum der Früchte das Land mit Hungersnoth bcdrohren. Gern vernahmen die Barone und die Großmeister der Orden, welche der Graf zur Verathung berief, solchen Rath, und gaben mit Freude ihre Bestimmung. Saladin gewahrte für ^echezig Tausend Visanzien Stillstand bis zum nächsten Osterfest; sogleich begann ein freyer Verkehr zwischen de» Christen und Saraeencn, und das Königreich wurde, wenn auch nicht mit Früchten, doch mit Fleisch von den Heiden reichlich versorgt, wodurch viele Christen gegen den Hungertod geschützt wurden *). Auch und Malek al adel, seinen Bruder, ans Haieb, und Thakiedkin ans Aegypten, welche sich alle bey Krak versammelte». Als aber auch die Franken sich versammelten, so geric- then die Türken in Fnrch» und verbrannten ans EaladinS Befehl die Maschinen, welche sie gegen Ärak errichtet ballen; worauf sie in das Land voll Samaric» zogen und dieseS verwüsteten. Oer Prinz Rainald lagerte sich alsdann auf den Bergen, lnemlich um die abziehenden Sarace- nen zu beobachten)', begab sich aber bald wieder zurück nach Ärak und befestigte diese Burg noch stärker." Nach BobaeLdi» eröffnet« Saladin die Belagerung am 4 Dfchumadi al- awal Wo — -r Aug. i>84. Nach RaLulfuS de Dtceio zog er in den Weiler von Ärak ein am Dorabende vo» St. Petrus Äeltenfeycr — gr Juli ri84- Eben dieser Schriftsteller berichtet, übereinsiimmeund mit den Morgenländern, dasi von den Heide» nach dem Abzugs von Ärak dis Stadt Neapolis verbrannt, dem Bischofs von Scbasie aber für die Frcy- lassung von 80 Gefangenen Frieden sey gewährt worden. s) kiornarä. llsitos. a. 14.7. „l^uaur LI or rrivee enkr» 1e» 8srrL?:iu8 er gue hon raus areiit cknrcmcirr, er so t an n eust kalt lrives, ruit sus- seiir marts cke f.iiitr; sioirr Io oueii» sie terrc et mult Ir eit orerenr ä« benei-u^ons." Ilicgo z-lagon. S.g88> Nach NogeriuS von Hovedcn (in 8 ->- Vtle Forint, augl. so!. ^üo ü) , der hier wohl genauer ist, lwurdc der Waffenstillstand mrfangS nur auf die im Text angegebene Zeit Igcschlosscn und späterhin auf Lrey Jahre verlängert. Bernhard und Hugo Plazon behaupleti, er sey sogleich auf vier Jahre geschlossen worden. Abulfcda erwähnt tiefes Waffenstillstandes nur gelegentlich S. 74 - I. Ehr. n» 4 > -48 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. IV. 2 . Ckr. der Graf Raimund schäfte mit großer Klugheit und Tätigkeit aus verschiedenen Gegenden in das Land Ueberfluß von Lebensmitteln. Das Volk des Landes ehrte den Grafen um dieser Waffenruhe willen mit desto größerer Dankbarkeit, je sichtbarer cs wurde, daß ohne den Beistand der Saracenen die schrecklichste Noth über alle Christen gekommen seyn würde. Denn die Hitze des Sommers war so heftig und die Dürre so anhaltend, daß selbst die meisten Brunnen vertrockneten, weil sic nicht mit friscbem Wasser gefüllt werden konnten. Vornehmlich in Jerusalem, welche Stadt kein andres Wasser hat als das Regenwasscr, welches man in Brunnen sammelt, wurde der Mangel an trinkbarem Wasser sehr quälend, und ohne die Milde mancher reichen Einwohner wäre das arme Volk dieser Stadt vor Durst verschmachtet. Besonders erwarb sich durch solche Milde ein frommer Bürger der heiligen Stadt mit Namen Germanus ein herrliches Verdienst. Er besaß drey mit Marmor wohl ausgelegte Brunnen in verschiedenen Theilen der Stadt, und bey jedem derselben ließ er zwey an Ketten hängende Becken stets bey Tage und bey Nacht mit Wasser gefüllt halten, zum freyen Gebrauche des armen Volks. Als sein Wasservorrarh begann sich zu verzehren, gedachte Germanus, wie er von alten Männern vernommen, daß außer der Stadt unterhalb des Teiches Siloah noch ein verschütteter Brunnen wäre, schon von dem Erzvater Jakob gegraben, zwar reich an quellendem Wasser, aber schwer zu finden. Es war dies die alte berühmte Quelle, von welcher Jofephns, Tacitus und andere alte Schriftsteller reden, neben dem Teiche Siloah, dessen Wasser salzig und von unangenehmem Geschmack ist^). Der Z) „LUe n'esr mio dormo ü doivo brauchte nach eben diesem Schriftsteller »ms esr sslve." Hugo klag. Man ge- das Wasser des Teiches Siloah nur zum Krönung des König« Veit. - 4 » fromme Mann, also erzählt ein andächtiger Schriftsteller "), 2 . ssbr. begab sich in das Münster und flehte zu Gott mit inbrünstig gem Gebete, daß ihm die Entdeckung dieses Brunnen gewährt werden möchte, um die Noch des armen Volks zu mildern. Dann ging er auf den Markt, düng Arbeiter, begann die Nachgrabung mit frohem Muth, und bald wurde ihm sein inbrünstiger Wunsch gewährt. Der wiedergefundene Brunnen wurde wieder ausgemauert und spendete so reichlich, daß Germanus daraus ohne Unterlaß bcy Tag und bey Nacht durch zwey Lastrhicre und drey Knechte Wasser tragen lassen konnte in die Brunnen der Stadt, aus welchen das arme Volk sich labte, bis endlich das Land wieder durch Regen erquickt wurde. Späterhin, als die Saracencn Jerusalem mit Belagerung bedrohten, wurde der Brunnen Jakobs wieder verschüttet *). Aber so sehr auch Graf Raimund von dem Volke und 2- CH,.-. Iigh. seinem Anhänge geehrt und geliebt wurde, und so sehr er auch glaubte, der Partey des Grafen von Joppe den Weg verlegt zu haben: so täuschte ihn gleichwohl seine Hoffnung, als der junge König nicht lange hernach starb °). Gerben, zur Wäsche, zur Pferde- schwemme und zum Bewässern der Eärien. DcS übe!» Geschmacks des Wassers von Silöah erwähnen viele Liiere und neue Ncisebeschrciber, vgl. Helauäi I-aiaesr. S. 8IY. 8üo. Auch Wilhelm von TyruS (VIII. 4.). 4) Hugo Plagon u. a. O. z) „c^naut. . . Il Sararr» ä veuorenr aeexir la villc." Hugo Plagv». Es schcintabsr nlchtdicBelagerung durch Saladin gemein« zu seyn, sonder» die Belagerung im I. lazy. ü) Es in auffallend, daß der Tod des jungen Königs in allen Geschichtschreibern nur nebenbei) erzählt wird < ohne genauere Angaben, bei) den meinen selbst ohne Angabe der Zeit, Jakob Herold beschuldig! die Gräfin Sibylle unumwunden, ihren Sohn durch langsames Gift getödtet zu haben, was jedoch nach den Abfichten , welche Sibylle glaubwürdiger» Nachrichten zufolge mit ihrem Sehne Hatto (hoben), sehr unwahrscheinlich in), und sehr den Tod desselben in den siebenten Monat nach dem Tode Balduin IV (lab. I. z. z. Dagegen versichert der Schah»,einer Bernhard (c. 147) und Hugo Plagon (S. 5 ge), er sey an einer Krankheit gestorben, Rogerius von Hove- r;o Geschichte bek Krcuzzstge. Buch IV. Kap. IV. 2'iA' Seine heftigsten Feinde waren der Großmeister der Templer, Gerhard von Dekfort und der Seneschall Joecelin. Den erster» hatte Graf Raimund dadurch gekränkt, daß er ihn zu der Z'it, da er noch als Ritter in dem königlichen Dienste war, die Erbherrin des Schlosses Botrou, welche Gerhard von dem Grafen als ihrem Lehnsherrn zur Ehe begehrte, verweigerte; wodurch damals Gerhard bewogen wurde, in den Orden der Templer zu treten Darum trug er gegen den Grafen Raimund in seinem Herzen einen unversöhnlichen Haß, und dürstete nach Rache, uneingedenk der Wohlfahrt des Landes. Gleichwohl ging',Graf Raimund in die Falle, welche diese Feinde ihm legten. Denn der Seneschall beredete ihn, den Leichnam des jungen Königs, welcher zur Bestattung nach Jerusalem geführt wurde, nicht zu begleiten, sondern die Begleitung desselben den Templern zu überlassen; und Raimund trauete der Redlichkeit des ranke- vollen SeneschallS mit solcher Sicherheit, daß er beschloß, zu Liberias abzuwarten, was geschc-hn würde. Sobald nun der Len (kol. züoa) bemerkt, er Labe fas- zwei) Jahre regiert, und gibt auch weiter unten (tot. zSr I>) das Jahr irgS als das Jahr seines Todes an. Eben so auffallend ist eS, da» in späterer Zeit, obwohl die älter» Schriftsteller, Wilhelm von Turn? lind Jakob von Viiry, einstimmig den Knaben Balduin nennen, an der Richtigkeit dieses Namens gezweifen wurde. Demi Bernardus The- saurarius (0.146) behauptet, er habe Nicht Balduin, sonder», wie sei» Dater, Wilhelm gedeihe». 7) Dieser Ursache des Hasses zwischen dem Grase» Raimund und dein Erosjmeiüer Gerhard gedenke» Bernhard z c. ie6) und Hugo Plagen (H, üoy) nur im Vorbepgehn und «nf-ans unvekstgndiiche Weift- da, wo ste der Eroberung des Schlosses Bolrou oder Botcrim durch Saladln nach der Schlacht bc,, Htttln erwähnen. ,,De co ctiasicl," fügt Hugo Plagon, ,,tn ta stsine -zue Io oueuz clo Iriplo uo vout clourr a (-e-rarr stp Iloolrekorr l Lilietort) gut re rcncli au reinule z-ar rnauraleut. lr terre tu xcräue." AllSfuhrli- cher redet davon FranciScus Pipi- nuS aus Bologna, der lateinische Uebersetser der Chronik des Bernhard (c. !Z2c>), in einem Znsahe zu der angefiihrien Stelle dieser Chronik: und diesen etwas späten Schriftsteller können wir folglich nur allein als Gewährsmann der im Tepke erzählte» Umstände amubce». Krönung des Königs Veit. Graf sich entfernt hatte, setzte sichJoscelin in den Besitz von Akka, die an Raimund als Unterpfand überlassene Stadt Berytus wurde ihm durch bestochene Verräthcr geöffnet, und der schalkhafte Scncschall ermahnte durch Eilboten die Gräfin von Joppe mit ihrem Gemahl und allen ihren Rittern und Knechten nach Jerusalem zu eilen, und nach vollendetem Tegräbniß ihres Sohnes sich der Stadt und des Reichs zu bemächtigen. Diesen Rath ließ die Gräfin nicht und« folgt«). Kaum war der Leichnam des Knaben in der königlichen August Grabstätte am Calvarienberge beygesetzt, so verlangte die Gräfin von dem Patriarchen und den Großmeistern der bey- den Orden als nächste Erbin die Krone. Weder der Pa« triarch noch der Großmeister des Tempels machten Schwierigkeiten, der erstere aus Zuneigung für die Gräfin, dev letztere aus Haß gegen den Grafen Raimund; nur der Großmeister des Hospitals wollte den zwischen dem Könige Balduin dem vierten und dem Grafen Raimund errichteten und von sämmtlichen Baronen des Reichs beschwornen Vertrag aufrecht erhalten und behauptete, daß über den erledigten Thron kein andrer verfügen dürfe, als die in jenem Vertrags bestimmten vier hohen Fürsten. Die Gräfin und ihre An» Hänger sahen wohl ein, daß sie ohne seine Beystimmung nicht leicht zum Ziele gelangen konnten, indem es ihnen selbst nicht möglich war, ohne den Willen des Großmeisters, anders als mit großer Gewalt sich die königliche Krone zu verschaffen; denn einer der drcy Schlüssel des Schatzes, worin sie auft S) Lornorst. "rlier. 1. c. Hugo Ist,- gon. S- Bepde Schriftsteller erzählen dieses, so wie auch die Krönung de« Königs Veit und deren Folgen so gleichlautend, dag sie »ur aus -Liner Quelle geschöpft haben können. Die Zeit dcrKrönung dcS Königs Veit gibt der Englische Annalist SiadulfuS de Diceto (S.üzg) genauer an: „6»iäo lloiue« ivA- xcneis. . . consecrLNis cst rex lu- ro-ollnroruis ia Lritznuo . s;r Geschichte der Kreuzzüqe. Buch IV. Kap. IV. bewahrt wurde, war in den Händen des Großmeisters, so wie die beyden andern in der Verwahrung d"S Patriarchen und des Großmeisters der Templer sich befanden. Sibylle lud also den Fürsten Rainald ein, schleunigst nach Jerusalem zu kommen, und ihr in dieser Verlegenheit mit Rach und Thak beyzustchen. Mittlerweile hatte der Graf Raimund, sobald er vernommen, wie er von dem Sencschall Ioscelin hinter das Licht geführt worden, die Prälaten und Barone des Reichs nach Neapolis berufen; und die Lage der Gräfin von Joppe und ihrer Parrey, wiewohl sie im Besitze der Hauptstadt waren, schien doch sehr bedenklich dadurch zu werden, daß zu jener Versammlung alle Prälaten und Barone des Reichs, außer denen, weiche zu Jerusalem anwesend waren, sich einfauden. Sie ließ sich aber dadurch in ihren Planen nicht stören. Sobald der Fürst Rainald nach Jerusalem gekommen war, wurde sogleich eine Botschaft an die sämmtlichcn in Neapolis versammelten Fürsten und Barone abgefertigt mit der Aufforderung, ohne Verzug sich in Jerusalem ein- zufinden, um als getreue Lehensmänner der Krönung der Gräfin Sibylle als der rechtmäßigen Erbin des Reichs Keys zuwohnen und ihr die Huldigung zu leisten. Die Barone dagegen sandten zwcy Cistcrcienser Aebte nach Jerusalem, um den Patriarchen und die Großmeister der beyden Orden im Namen Gottes und des Papstes von der Vollziehung dev Krönung abzumahnen. Kaum war von den beyden Aebten diese Botschaft aus- gerichtet, als die Thore von Jerusalem verschlossen wurden, ans Besorgniß, daß den Baronen zu Neapolis einfallen möchte, ihrer Abmahnung Nachdruck zu geben mit den Waffen. Dann zog die Gräfin von dem Großmeister des Krönung des Königs Veit. 2;; Tempels und dem Fürsten Rainald geführt, zur Kirche des J^CSr. heiligen Grabes, wo der Patriarch schon ihrer wartete und von dem Großmeister den in seiner Verwahrung befindlichen Schlüssel des Schatzes forderte, welchen er sogleich willig darreichte. Hierauf wurde zu dem Großmeister des Hospitals, welcher sich nicht eingefunden, gesandt, und auch von ihm die Ueberankwortung seines Schlüssels begehrt. Als dieser sich weigerte, dieses Ansinnen zu erfüllen, so lange die Gräfin Sibylle nicht von den Baronen des Reichs als rechtmäßige Erbin der Krone öffentlich anerkannt wäre; so begaben sich der Patriarch und der Großmeister des Tempels in eigner Person in das Hospital des heil. Johannes, und fanden erst nach vielem Suchen den Großmeister, welcher sich verborgen hatte. Dann bestürmten sic ihn so heftig mit Vorstellungen und Bitten, daß er endlich im Unwillen, und weil er seinen Rittern nicht traute, den Schlüssel in die Mitte des Hauses warf. Sie hoben ihn fröhlich auf, eilten zurück nach der Kirche des heil. Grabes, und holten die Kronen hervor aus dem Schatze. Hierauf trat der Patriarch an den Altar, legre die Eine der beyden Kronen auf denselben und krönte mit der andern die Gräfin. Dann nahm er auch die erstere Krone wieder und überreichte sie der Gräfin mit den Worten: Ihr seyd eine Frau und bedürfet eines Mannes, welcher euer Reich regiere. Nehmer diese Krone und setzet sie auf wessen Haupt ihr wollt. Worauf Sibylle ihren Gemahl Veit zu sich rief, und dieser empfing knieend die Krone aus ihren Händen ^). h) Also Bernhard unk Hugo Pla- gon. RogeriuS von Hoveden dagegen herichtel, aber nach dem Zusammenhänge der Begebenheiten zu uriheilen weniger richtig, auf folgende Weise? Der Patriarch Heraklius,so wie dieHo- spitaliter undTempelberrn wären ebenfalls dem Grafen Weit nicht gewogen gewesen, sonder» würden lieber dem Grafen Raimund, oder irgend einem L;4 Geschlchte der Kteuzzüge. Buch IV. Küp. IV. Die Barone z» Neapolis vernahmen die Kunde von di« scr Krönung zuerst durch einen Ritter, welcher als Mönch verkleidet von dem Grafen von Tripolis Nach Jerusalem geschickt und von dem Aufseher des Krankenhauses an der Mauer durch eine Pforte in die Stadt eingelassen war, und dann selbst die Krönung angesehen hatte. Als dieser in der Versammlung der Barone Bericht erstattete, rief Balduin von Nantes im Zorn die bedeutungsvollen Worte ans: Der soll kein Jahr König von Jerusalem seyn '"). Dann wandte er sich an den Grafen Raimund und die übrigen Barone mit den Worten: Ritter, thut euer Bestes, um das Land zu retten, denn es ist verloren; ich aber werde zurückkehren in die Hci- math. Denn ich will Nicht die Schande auf mich laden, bey dem Verluste des heiligen Landes, welches unsere Vorfahren mit so herrlicher Tapferkeit erworben und beschirmt haben, gegenwärtig gewesen zu seyn; ich kenne den Beit und weiß, daß er lieber den verworfensten Menschen sich überlassen wird, als cucrm heilsamen Rarhe folgen. Der Graf Raimund aber sprach ihm Much ein, beschwor ihn, in dieser Zeit der Noch seine Waffenbrüder nicht zu verändern Fürsten des Landes die Krens zugewandt Kaden. Cs wäre auch non iknen die Gräfin Sibylle anf- gcforderr worden, sich oon Veit Zu trennen und einen andern Geniakl zu wäkicn. Sibylle hätte ste dann auf folgende Weise belrogen. Sie hätte fick oon ihnen mit eitlem feyer- üchen Eide versprechen lassen, denjenigen, weichen sie wählen würde, ohne Schwierigkeit als König an-m erkennen. Nach diesem Eids wäre dann bei, der Krönung das geschehen, was auch die andern Schriftsteller berichten. Alle Umstehenden wären «her das Benehmen der. Königin sehr betroffen gewesen, hätten aber wegen ihres Eides nicht gewagt zii widersprechen, sondern der Patriarch hätte dem Könige Veit die Salbimg criheitt und das Königliche Paar wäre voll den Templern in den Par last des Tempels cingefühitt, wo itzt nen das feyerlirhc Äröniingüinahl sey bereitet worben. io) Nach Lernt« ist. INlecrur. lo. r/,Z) sagte auch der eigene Bruder des Königs Veit, Gaufricd (Bisrhoff voN Lidda), als er dessen Erhebung ans den Thron vcrnahm: „Nun, da cd einmcil König ist, kann er auch noch der Herrgott werden." Krönung de- Königs Veit. lassen, und erinnerte, daß es ihnen ia nicht an der Macht fehle, dem cingedrungenen Könige seine angemaßte Würde zu entreissen; denn diesem wäre ja niemand hold und gewogen außer dem Patriarchen Heraklins, dem Fürsten Rainald und dem Großmeister dcöTempcls; alleandere und selbstderGroß- Meister des Hospitals wären ihres Sinns. Der Graf Raimund entblödete sich nicht, das schmähliche Wort auszuspre- chen, daß selbst die Saraceucn, mit welchen sie damals Frieden hatten, ihnen den Beystand nicht versagen würden. Er brachte hierauf den Grafen Honfroy, den Genialst der jungem Schwester der Gräfin von Joppe, in Vorschlag ;ur königlichen Würde, worauf alle einmürhig beschlossen, diesen am folgenden Tage zum König auszurufen. Der Graf Honfroy aber, ein Mann von zaghaftem Sinne und wenig sich selbst vertrauend, erschrak heftig, als er sich mit der Bürde der Herrschaft über ein so entzweytes und zerrüttetes Reich bedroht sah, und entwich in der folgenden Nacht aus Neapolis nach Jerusalem. Die Königin Sibylle empfing ihn zwar zuerst mit Vorwürfen darüber, daß er mit ihren Feinden es gehalten; als sie aber vernahm, wie er durch die Flucht der königlichen Würde sich entzogen, lobte sie sein Benehmen mit freundlichen Worten. Worauf Honfroy dem Könige Veit huldigte. Die Entweichung Honfroys setzte den Grafen von Tripolis in sehr große Verlegenheit. Denn, sobald dieselbe kund wurde, erklärten die übrigen Barone, daß ihnen nunmehr kein Grund obzuwalten schiene, dem Könige Veit die Krone streitig zu machen, nachdem der einzige, welchem außer diesem, aus dem Rechte der Verwandtschaft mit dem königlichen Hause, Ansprüche auf die Krone zuständen, seines Rechts sich begeben hätte, und daß also Ehre und Gewissen ihnen geböten, ihrem Könige sich als getreue r;6 Geschichte der Kreuzzüge. DuchlV. Kap.IV. Lehettsmanncr zu unterwerfen. Sie riechen dem Grafen nach Liberias zurückzugehn und verhießen, ihm auch fernerhin redlich beyzustehen, so weit es ihre Pflicht gestalten würde auch sich eifrigst dafür zu verwenden, daß die für die Vcrrheidigung des Landes aufgewandten Kosten ihm erstattet würden. Sie bcharrten auch Key dieser Meinung, vbschon Raimund alle Beredtsamkeit aufbot, um sie zu überzeugen, daß sie durch Eid und Pflicht gebunden waren, keinem andern Könige von Jerusalem zu gehorchen, als einem von den vier hohen Fürsten ernannten, welchen nach dem Vertrage das Recht zustände, über de» Thron zu bestimmen. Nur Balduin von Rames bcharrte in seinem Hasse und Widerwillen gegen Veit, und trat deshalb der Meinung des Grafen Raimund bey. Als aber alle übrige Barone nach Jerusalem sich begaben, um dem Könige zu huldigen, ließ Balduin auch seinen Sohn mitziehen. Doch zu seinem großen Verdrusse wollte der König dessen Huldigung nicht annchmcn, wenn nicht auch der Vater den schuldigen Leheneid leistete. Durch die Besorgniß, daß der König seine Herrschaft als offnes Lehen einziehen würde, ließ sich Balduin zur Nachgiebigkeit bewegen; aber er leistete den Eid auf eine Weise, worin sein heftiger Groll sich offenbarte. Er trat vor den König ohne ihn zu grüßen und sprach; König Veit, ich schwöre euch als einer, welcher kein Land von euch begehrt. Auch küßte er nicht des Königs Hand, wie es Sitte war. Dann ließ er seinen Sohn huldigen und die Belehnung nehmen, und übergab ihn und seine Herrschaft der Fürsorge seines Bruders Balian von Jbelim; er selbst aber begab sich zu dem Fürsten von Antiochien, welcher ihn gern aufuahm und ihm mehr Land verlieh, als er im Königreiche verlassen hatte. Krönung des Königs Veit. 357 Alfs war niemand mehr dem Könige Veit entgegen 2'^r. mit offenem Widerspruche, als der Graf Raimund von Tri» polis, welcher seine Hoffnung, selbst die Krone davon zu tragen, auf eine eben so unerwartete als schmähliche Weise getauscht sah ''). Darum glaubte Veit gegen ihn nicht langer der Zurückhaltung zu bedürfen; auf den Rath des Großmeisters der Templer berief er seine Lehenmanncr nach Nazareth, in der Absicht den Grafen Raimund in Tiberias zu belagern und mit offener Gewalt zum Gehorsam zu zwin- gen. Der König Veit dachte nicht daran, daß es dem Grafen, welcher schon in der Versammlung der Pilgerfürsten zu Ncapvlis das ruchlose Wort von einem Bündnisse mit den Heiden wider seine Christlichen Kampfgenossen ausgesprochen hatte, wenig kosten würde, dieses Wort in Erfüllung zu setzen. Raimund, sobald er sich bedroht sah, suchte wirklich ohne Scheu den Veystand des furchtbaren Saladin gegen den König Veit und dessen Christliche Ritterschaft; und Saladin schickte ohne Verzug eine Schar Türkischer Reiter, welche der Graf willig in Tiberias aufnahm. Auch ließ der Sultan noch mehre seiner Truppen bcy Valenia, fünf Rasten von Tiberias, sich lagern, denen er gebot, dem Grafen zu Tripolis im Falle der Noch bcyzustehen wider seine Feinde. Das Aergerniß eines solchen ruchlosen Kampfes zwischen den Christen wandte noch Balian von Jbclim ab, welcher zu dem Könige sich begab, ri) Das; Naimund selbst nach dem Tkrone strebte, ist wohl aus allen Verhältnissen klar genugl auch sagt Jakob ViM) (klisr. NiervLoI. S. nr?) es ausdrücklich. „Inniore eti-rnr 1're§e Laläovino ät.'kriirebo pr'Lekarnz Sui- äo, proenrLnte rrxore kira »Ä yuürn reKunn» jure daereclilLrio ril. Band. 2 . xorlincdLt, snklirrrsnis est rn re- sseni, non re^uisno assenzu 6oini- ris 'k'riirolirani, c^ri rorins re§ni liroerrraror rnna eist. I7näe vrcläo inäixnLlns 05b, x r-L «« e r ri ni o rr in ix-se a>L Ltlsxir^' r «t. " R r;8 Geschichte der Krenzzüge. DuchlV. Kap. IV. s.^Cbr. ihm die Gefährlichkeit des Kampfes gegen die durch die Heiden verstärkte Macht des Grafen von Tripolis verstellte, und ihn dadurch beredete, gütliche Unterhandlungen anzuknüpfen. Aber diese Unterhandlungen führten zu keinem Ziele, weil der Graf die Zurückerstattung von Derytus verlangte, der König Veit aber diese Stadt, welche damals als der Schlüssel des Reichs betrachtet wurde, nicht aus seinen Händen geben wollte. -r;s Fünftes Kapitel. wie durch Unfrieden und Parteiung das schwache Reich 2-^br. der Christen zerrüttet wurde/ eben so auch die Kirche des heiligen Landes. Wie die Layen mit einander uneins waren, eben so die Pfaffen; und wie der König Veit den stolzen Baronen des Reichs mißfiel, eben so war ein großer Theil der Geistlichkeit unzufrieden mit dem Patriarchen Hc- raklius von Jerusalem. Schon wider seine Wahl hatten sich viele Stimmen erhoben; besonders der verständige Erzbischofs Wilhelm von Tyrus hatte die Wahlversammlung ernstlich abgemahnt, den Erzbischoff Heraklius von Cäsarea zu Wahlen, zwar mit einem Grunde, welcher weniger von der Unwürdigkcit und Unfähigkeit des Bewerbers für dieses hohe Amt hcrgenommen als wohl berechnet war, auf eine Versammlung von Geistlichen des damaligen Zeitalters und in einer so ängstlichen Lage der Dinge zu wirken. Denn der Erzbischoff Wilhelm versicherte in alten Büchern gelesen zu haben, daß, so wie durch einen Patriarchen Heraklius das heilige Kreuz in Persien gesunden worben, es eben so durch einen Patriarchen Heraklius würde verloren werden. Weil aber die versammelten Prälaten durch Sibylle, damals die Gemahlin des Markgrafen Wilhelm, welcher der Erzbischoff Heraklius 2. Cl,r. i>S7. 260 Geschichte der Krcuzzüge. Buch IV. Kap. V. durch seine schöne Gestalt und sein angenehmes Wesen sich empfohlen hatte, bereits für ihn gewonnen waren, so fruchtete die Abmahnung des Erzbischoffs Wilhelm nichts; Hera- klius wurde sogleich mit seinem Gegner, dem Könige, welcher nach dem alten Herkommen zwischen zwey ihm in Vorschlag gebrachten zu wählen hatte, von den Prälaten vor- geschlagen und von Balduin dem vierten, der Markgräsin Sibylle zu Liebe, als Patriarch angenommen. Späterhin bereuten es viele, der Warnung des Erz- Lischoffs von Tyrus nicht Gehör gegeben zu haben; denn Heraklius stiftete bald großes Aergerniß. Er überließ sich einem höchst ärgerlichen Leben mit der leichtsinnigen Pascha von Rivcri, der Ehefrau eines Specereyhandlers zu Ncapo- lis, welche er nach dem Tode ihres Mannes selbst nach Jerusalem kommen ließ, wo er ein stattliches Haus ihr eins richtete, und mit einer zahlreichen Dienerschaft sie umgab. Das Volk nannte sie nicht anders als des Patriarchen Frau; und öffentlich zeigte sie sich nicht anders als in großer Pracht. Wie eine Fürstin zog sie zur Kirche mit einer zahlreichen und glänzenden Begleitung. Auch gcbahr sie dem Patriarchen Kinder. Als in den schimpflichen Tagen an der Quelle Tubania der Patriarch mit den übrigen Fürsten des Reichs im Kricgsrathe war, drängte sich ein wahnsinniger Mann in die Versammlung und rief mit lauter Stimme: Herr Patriarch, ich bitte um einen guten Lohn, denn ich bringe euch gute Botschaft, Frau Pascha, euer Weib, har euch einen schönen Knaben geboren. Und der Patriach, beschämt, hieß ihn schweigen. Solches Aergerniß machte Heraklius nicht dadurch gut, daß er mit dem Großmeister des Hospitals in allen Ländern der Christenheit herumzog, die Fürsten durch Vorzeigung der Schlüssel des Thurms David und des heiligen Grabes so wie eines Kreuzpaniers anffvrdcrte König Veit. r6i zur Hülfe des bedrängten heiligen Grabes, lind auch zum Volke über die Verdienstlichkeit des Kampfes Wider die Hei» den redete i) Die Nachrichten des Bernardus Thcsanrariiis (v. ipa. ijz.) und Hugo Plagen (S. üog.üoü) über diese Verhältnisse zwischen dsni Erzbischoff Wilhelm und dem Patriarchen He- raklius sind nicht ohne Schwierigkeit. Ed sind übrigens die Nachrichten beider Schriftsteller, wie man auf den ersten Blick erkennt, aus Einer Quelle geflossen. Sie erzählen, zwar ohne die Zeit zu bestimmen, der Erzbischofs Wilhelm seit nach der Wahl des Patriarchen nach Rom gereist, um die Anerkennung desselben zn rcrüindcrn, und habe auch bey dem Papste und den Tardinälcn vielen Eingang gesunden. Der Patriarch aber, nachdem er sich seines Feindes durch einen Eifttrunk entledigt, sc» ebenfalls nach Nom gereist, wo seine Bestätigung keine Schwierigkeiten gefunden. Nach seiner Rückkehr habe das ärgerliche Leben mit der Frau des Spccerephändlcrs zu Neapolis angefangen. Man sollte nun glauben, alles dieses müsste in dem Zeiträume etwa Eines Jahres nach der Wahl des Patriarchen fallen. Allein die Wahl des Patriarchen Heraklius geschah noch im Oktober des Jahres r-7S, des siebenten RegierungSiahrs des Königs Balduin IV; sie wird noch voll Wilhelm von TyruS eXXH. 4.) selbst erzählt und allerdings auf eine sehr trockne Weise, welche ver- mutben lässt, dass er nicht mit ihr einverstanden war. „flcgneiiri mcn- ,e z-riciie non. Occobr. anno zion- tikcatnr »nl XXII, ctominu» Xmrl- rion», Iioutio memoria? Ilieio-olz-- mornm i>-rtritiroita, vir cim^iex nr- findet sich in dem Werke des Wilhelm von Turus auch nicht die mindeste Andeutung von seiner Spannung mit diesem Patriarchen; dev Erzbischofs Wilhelm erzählt bis z»>n Jahr 1184 ohne Unterbrechung sowohl als ohne Erwähnung einer oon ihm unternommenen Reise nach Rom, die Begebenheiten und bricht erst be» diesem Jahr, gerade im Anfänge des drei, und zwanzigsten Buchs, plötzlich ab. Daraus scheint zu folgen, dass bis zu dem genannlen Jahre wenigstens kein öffentlicher Schritt gegen den Patriarchen von ihm geschehen ist. Indes, scheint es sehr glaublich, dass der Erzbischoff wenigstens schon im Jahr 118S seine Geschichte von Jerusalem adbrach. Denn die weh- mülhigcn Klagen in der Vorrede des angcfangenen drei, und zwanzigsten Buches über die steten Niederlagen der Christen machen es sehr wahrscheinlich , dass diese Vorrede voö der Schlacht bei) Hittin (1,87) geschrieben wurde, und vor dem Verlust von Jerusalem; denn behde Unglücksfälle würde erben dieser Gelegenheit gewiß bestimmter angedemei haben. Eben dadurch scheint uns in den Nachrichten de»Hugo Plagon wenigstens das Bestätigung zu erhalten, daß der Erzbi- 2 6r Geschichte der Krcuzzüge. Buck) IV. K a p. V. Ehr. » 187 . Wenn selbst das Haupt der Geistlichkeit in der heiligen Stadt sich nicht einmal bemühte, den Schein eines anständigen Lebens z» bewahren, so ließ sich wohl erwarten, daß allgemeine Sittenlosigkcit und Ruchlosigkeit gleichen Schritt hielten mit dem Unfrieden und der Parteyung unter den Pfaffen und Layen. Die Klagen über das Vcrderbniß der Sitten unter den katholischen Christen im heiligen Lande werden daher heftiger, je mehr sich ihre bürgerliche und kriegerische Verfassung der Auflösung nähert. Die Begeisterung verschwand gänzlich aus den Gemächern, alles Vertrauen auf Gott und seinen Beystand wich von den Fürsten und dem Volke, und die Kreuzfahrer, deren Vorfahren auch in der Gefangenschaft unter den qualvollsten Martern standhaft ihrenGlaubcn bewahrt hatten, wandten jetzt nicht selten freywillig sich zu dem Irrglauben des arabischen Lügenprophckcn. Selbst ein Tempelherr, Robert von St. Alban aus England, brach das heilige Gelübde seines Ordens, werlcugnctc den Heiland, begab sich zu Saladin, ward Muselman», erhielt eine schoss im Jahr 118 ' wirklich nach dem Abendland« reiste, vielleicht um gegen den Patriarchen HeraküuS- zu klagen. Für diese Annahme streitet noch, dost um dieselbe Zeit auch der Patriarch Hcraklius im I. n 8 l ein« Reis« nach dem Abendland« unternahm, um Hülfe für das heilige Land bei, den abendländischen Fürsten zu suchen, was nicht nur Bernacd und Hugo Plagon, sondern auch andere glaubwürdige Schriftsteller berichten. S. liastnlsi ists Oia-no imsgiuos iiiktoriar. S. 0ZH. Io. Lromnto» Liiro». S. rigg. üogcr. äe Ilov-äcn b'ol. Z58 a. Lpaü nun aber die von keinem andern Schriftsteller erzählte Vergiftung des Eczbischosss Wilhelm betrifft, so trage ich kein Bedenken, mit Pagi (»ft Laroirii Emirates -ft a. rrsig h. in.) sie für eine Fabel zu erklären. Denn der Erzbischofs Wilhelm von Tnrus ist nicht nur im I. n87 im hciligeu Lande selbst bei, der Aussöhnung des Grafen Raimund von Tripolis mit dem Könige Weit tüä- tig, sondern er tritt auch bald hernach im Abendlande als Gesandter der Kirche des heil. Landes auf. Niemand sonst aber wird wohl darauf kommen, m!i Marin einen zweytcn Erzbischofs Wilhelm von Ty- rus an die Stelle des vergifteten zu setzen. Ilistoiie ilo Srlrälli 77 l. S. gsy. Anm. König Veit. - 6 ; Verwandte des Sultans zur Gemahlin, und führte ein zahl- reiches türkisches Heer bis in die Nahe von Jerusalem, mit dem Verheißen, diese heilige Stadt in die Gewalt des Heid, nischcn Sultans zu bringen, alles Land von Montroyal bis nach Jericho und Neapolis mit Feuer undSchwert verwüstend. Zwar erfüllte ernichtdieseruchloseVerheißung; denn dieLlittcrschaft aus Jerusalem zog ihm entgegen mit dem heiligen Kreuz, und überwand den abtrünnigen Verräther in tapfcrm Kamvfe. Aber gleichwohl setzte der Abfall dieses Ritters alle Christen in großes Schrecken ^). Dieses geschah nicht lange vor dem Waffenstillstände, welchen Graf Raimund schloß. Durch dieses und ähnliche Vorfälle wurde besonders der Unwille wider die Templer immer heftiger und allgemein ner, und viele fingen an sie zu beschuldigen als die Anstifter alles Unheils, welches über die Christen gekommen war und noch kommen werde. Man schob auf sie vornehmlich die Schuld des Verraths, welcher wider die Deutschen und Franzosen vor Damascus vierzig Jahre zuvor verübt worden, eben so das Unglück, welches König Amalrich in Aegypten erfahren, und außer vielen andern, dessen man sie anklagte, wurden sie nicht ohne starken Schein beschuldigt, das Reich an Veit von Lusignan für Geld verkauft zu haben '). Solche Anschuldigungen, welche von Mund zu Mund verbreitet und immer von neuem angefrischt wurden, fanden durch öftere Wiederholung immer mehr Glauben, und steigerten die Erbitterung; und in dem Maße, als der Haß gegen die Templer sich stärkte, sank der König Veit, der auf ihren Schutz fast allein sich verließ, in tiefere Verachtung. Dem Könige Veit kam unter diesen Umständen der Antrag des Sultans, den mit dem Grafen Raimund nur auf I Cbr. 1 - 87 - s) l^oger. äe lloveäerr »ä s. ng§. kvU S52 b. L) Herolä. I. 4. rS4 Geschichte der Krenzzüge. Buch IV. Kap. V. I. Clir. i> 87 . wenige Monate geschloffenen Stillstand um drey Jahre zu' verlängern, sehr gelegen; und auch die Templer riechen, solchen Antrag nicht abzulehnen ^). DiePullanen hofften nun eine mehrjährige Ruhe. Zwar kamen am nächsten Osterfest manche streitbare und kämpft lustige Pilger aus England und andern abendländischen Reft chen, welche durch die Predigten des Patriarchen von Jcrur salem waren bewogen worden, dem Dienste Gottes sich zu weihen: sic kehrten aber fast alle zurück wegen des Waffenstillstandes, und nur sehr wenige blieben, um die Zeit des Kampfes zu erwarten B. Plötzlich störte die Waffenruhe der unbesonnene Fürst Rainald, welcher schon zuvor einen Waffenstillstand treulos gebrochen hatte. Er überfiel durch ungestümen Sinn und schnöde Gier nach Beute getrieben eine Karawane von Muselmännischen Kaufleuken, welche im Vertrauen auf den Waffenstillstand durch sein Land auf dem Wege von Damas- cuS nach Arabien zog, plünderte ihre Güter und legte die Reisenden in Ketten. Auch weigerte sich Rainald den Raub und die Gefangenen zurück;» geben, als Saladin sie dem Waffenstillstände gemäß zurückfordern ließ. Da schwur Saladin mit einem feyerlichcn Eide, den Fürsten Rainald, wenn er in seine Gewalt einst kommen sollte, mit eigner Hand zu rödtcn D. Bald verbreiteren sich schreckende Nachrichten von den gewaltigen Rüstungen des durch diesen treulosen Fricdcns- brnch erbitterten Sultans; von allen.Seiten aus Arabien 4) I'.oger. äe Iloveäen aä L. Sol. 561. Z) elonKZUro ranc, porpan-ci. veiTr.lncir- volek.urt. I'krmr.'u Noxerus «Ze er 6) rrcl 2, 532 72 —- 7.4. Loliaecl. 70. Die Abendländischen Nachrichten ohne Unterschied reden mit großem Unwillen von diesem Zriedenebruch. Oantr. Vini«. I. lLL. clu Virr. x'. ri23. König Veit. 26; «nd Aegypten, aus Mesopotamien und den syrischen Für« stenthümern sammelten sich zu Damascus zahlreiche und wohlgerüstete Scharen in großer Schnelligkeit. Denn Sa- ladin konnte nunmehr seine ganze Macht gegen das schwache und zerrüttete Königreich Jerusalem richten, weil er nicht nur mit dem Fürsten von Mvsul einen Frieden geschlossen hatte, sondern selbst der Christliche Fürst zu Antiochien mit ihm einen Stillstand einging zu der Zeit, da das bedrohte Grab des Erlösers der gemeinsamen Bcschützung aller Christlichen Streiter am meisten bedurfte H. Die Fürsten des Reichs versammelten sich ohne Säumen zur Bcrathung; und alle meinten cinmüthig, daß vor allen Dingen man suchen müßte, den Grafen Raimund von dem Bündnisse mit Saladin abzuzichn und mit dem Könige Weit zu versöhnen, weil er ein verständiger und kriegskum diger Mann und sehr tapferer Ritter wäre; zumal da das Reich schon einen trefflichen Ritter verloren hatte, Herrn Balduin von Rames. Worauf der Erzb'schoff Wilhelm von Tyrus, der Bischoff von Nazareth, der Meister der Tempelherren, Balian von Jbelim und Rainald von Sidon als Abgesandte des Königs sich auf den -Weg begaben nach Liberias, wo der Graf Raimund noch immer sich aufhielt ^). -7) Loimest. p. 67. 8) Hugo I-I.ißoii. z>. 597. Lern.. lNics. c. IZI. Nach der Erzählung des Gaufried Dinisauf (I. i) wurde» die Puilauc» damals auch durch manchcrlct» schlimme Vorbedeutungen geschreckt, a!S, heftige Sturme, welche von den Asirologcu schon aus den Gestirnen gewcissagt worden, Erdbeben, häufige Verfinsterungen der Sonne und des Mondes. Die Sonnen - »nv Mondfinsternisse waren übrigens in den Jahren I-8S und n 87 nicht so häufig, als man durch diese Aeuficrung veranlagt werden möchte zu glauben; jedoch verfinsterte sich der Mond im Jahr ngS zweymal völlig am 5 April und go September, und am 21 April ereignete sich eine Sonnenfinsternis; im 2 - 1187 waren zweit Mondfinsternisse, a», aS März und ay September, und eine Sonnenfinsternis am g September. S. Liiroiiostuxic ckc« Lolstzixes in l -g rl äc V eist st er le, ckatcs beit den Zahlen Iizs und Il87. Ehr. 1187. r65 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. V. Die bcyden Bischöffe, der Großmeister der Templer und Balian zogen auf dem Wege über Neapvlis, Rainald von Sidon wählte eine andere Straße; jene nahmen die erste -y.ApcuNachtherberge in Neapvlis, wo Balian zurück blieb, als »-.Aprttdie bcyden andern am folgenden Tage ihren Weg fortsetzten bis zur Burg Faba im Thale des Jordans. Kaum waren sie dort angekommcn, als die furchtbare Kunde erscholl, daß die Heiden einbrachen in das Land. Denn wahrend Saladin selbst mit einem Thcile seines Heers jenseit des Jordans bey Krak gelagert war, um die von Mekka und aus Arabien heimkehrenden muselmännischen Pilger und Kaufleutc gegen den Fürsten Rainald zu schützen, zog sein Sohn Males al-afdal mit sieben Tausend muthigcn und kühnen Reitern Hl aus, um das Land von Akka mit Raub und Mord zu verwüsten. Weil aber die Heiden, um dahin zu kommen, die Landschaft von Liberias durchziehen mußten, so hielten sie bey dem Grafen Raimund, mit welchem sie noch in Waffenstillstand und Freundschaft waren, um unschädlichen Durchzug an, wodurch der Graf in große Noch kam. Denn er wollte weder die Freundschaft des Sultans aufgcbcn, noch bey den Christen seinen Namen dadurch schänden, daß er den Muselmännern behülflich wäre zur Verwüstung des Christlichen Landes. Doch ihm gebrach es nicht an schlauem Rath. Er gestattete den Heiden den Durchzug durch sei» Land nur unter der Bedingung, daß sic noch vor dem Sonnenuntergänge desselben Tages, an welchem sie über den Jordan gingen, wieder zurückkehrten, auch kern Dorf oder Stadt, selbst kein Haus erbrechen oder beschädigen, und nur das Land und was auf dem- y) LümirLiM, lii- groß gibt Radulpb Coggeslinle die äe-.zl: Liiill rextcoi iniUMu- l'nico- Zahl der Türken an, l>- 54S. IUU 1 . 6»ukr. VuU,. I. s. Eben so König Veit. 267 selben sich befände, als ihrer Willkühr preis gegeben betracht zuteil sollten. Worauf der Graf nicht nur die Thore von Tripolis schließen ließ, sondern auch überall im Lande kund thun ließ/ daß jcdermänniglich an dem Tage, an welchem die Heiden kämen, mit aller seiner Habe in seiner Stadt oder Burg oder seinem Hause bleiben möchte. Er gab besonders durch einen Brief dein Durgvoigt von Nazareth Nachricht von dem bevorstehenden Einbrüche der Heiden und dem mit ihnen aufgerichtetcn Vertrage, und warnte auch die königlichen Gesandte, an diesem Tage ihre Reise nicht fortzu- setzcn "). Durch solche Verabredungen und Vorkehrungen glaubte Graf Raimund bcydcn, seinen Glaubensbrüdcrn wie den Muselmännern, zu genügen. Als aber der ungestüme Großmeister der Templer diese Botschaft vernahm, verleitete ihn seine natürliche Unbesonnenheit eben so sehr, als sein alter Groll gegen den Grafen von Tripolis zur Nichtachtung dieser Warnung. Er sandte Eilboten in die benachbarten Burgen der Templer ^), und gebot den Brüdern, am andern Tage zu ihm zu kommen, gcwaffnct zum Kampfe; auch forderte er den Großmeister des Hospitals Roger du Moulin, welcher in der Nähe war, und dessen Ritter auf, zur Thcilnahme an dieser Waffcn- lhat; alle ritten noch in der Nacht gen Faba und lagerten sich außerhalb der Burg. Auch alle Ritter in Faba, theilS Templer, thcils Hospitaliter, neunzig an der Zahl waff- Iv) Ilern. Tire». I. 0 . Hugo klag. I>. ZY7. 5S3- Hngo Plagon ii»d Bernarv erwähnen bey dieser Gelegenheit einer sonn nirgends gcneinnien Bnrg der Templer, Laon oder 6acl,o, welche nnr vier Rasten (-gnatuoi lenen») von Faba entfernt war. ,,Y»anr le walrere ein Icinxle vl gns 1i re il enroia liatan ä itn eoiivenr cln lemple gni e.-toit ä c,n,ilre mil- les präe äiilnea, ä eine ville ani » cow il verrolent »es lettre», iiion- kassenr ct veiilsrent !> li." ip) ,,ül olievaiier äo l.r garnison ü« 1» rc»o cstoieut gnalre ringt »t r6z Geschichte der Krenzzüge. Buch IV. Kap. V. ru'ten sich- In der Frühe des andern Tages, eines Freitags, 'M, ^Ukraine clievLlierz yni cstoic^c en xLruiLOir Ikiens äo i>»r ij) „A7-rne laoio 8xccnisrc>rc8 ei« «oncLVL vallnini liue ^isourrenrcr, rrmore xereussi ei»' 5ir.nr 'l'rriei, ecce »ssirnr, veiie- imit lir eivir-ttcis. Urs 2iu1ikis eonelrrmairanr i'er eivirarem voee rner tlinncale." Rkäulplii OoA§e5- liLlv (eineS Englischen MoncheS, welcher selbst zu dieser Z.'it im gelobten Lande war) Lki-on. rerras 82110120 (in Lära. IVT^rr. er Vrs. Z)iir2iu1 veir. scri^ror. er moriuru. collect, »nixl. V.) x. §43, König Veit. 2ÜZ rcth nahmen. Zu rechter Zeit trat dann gemäß dem Bern 2-^r. trage Malet el afdal, nachdem er das Land, so weit er vermochte, durchstreift, den Rückzug an 'G. Sobald die verwegenen Ritter der Heiden ansichtig E-ft.l» wurden, stürmten sie wider sic an >nit unbesonnener Hitze; und dicTürken wichen nach gewohnter Weise. Dadurch wurde die Hastigkeit der Ritter, welche des Siegs nunmehr schon sich sicher wähnten, noch ungestümer. Als sie aber in der Hitze der Verfolgung von den Fußkncchtcn sich getrennt hatten, brach aus einem Thale eine verborgene türkische Schar hervor und warf sich zwischen die Ritter und die Fußkncchle. Das arme Christliche Fußvolk, des Schutzes der Ritter beraubt, unterlag bald den Lanzen, Streitkolben und Schwertern der türkischen Reiter; worauf diese sich zusammen- schlossen und mit ungeheuerem Geschrei, die umringte Christliche Ritterschaft angriffcn, welche gehindert durch die Enge des Raumes weder mit ihren Rossen gegen die Türken rennen, noch ihre Lanzen einlegen konnten; und alle wurden theils jämmerlich erschlagen, theils gefangen; außer dem Großmeister der Templer '^), dem Stifter dieses Unglücks, und drcyen Templern, welche durch die Schnelligkeit ihrer Rosse entkamen. Der Großmeister des Hospitals war unter den Todten Unter den erschlagenen Rittern starben ig) Iliixa INrx. S. 5YY. ls -Ns Lrl-Nm-Ni» au eolell 1e- iS) Hugo Plagon erzählt (a. a. SN von dem Meister der Templer folgende, jedoch sehr wenig glaubwürdige Bosheit. Als er auf seiner Flucht vor Naigreib vorbeygeloninien . hgb« er einen Knecht s-erjain) in die Stadt geschickt, zu melden , dag er die Türken überwunden habe, und die Nazarener aufzufordern, nach der Wahlstadt zu gehen und Beute zu sammeln diejenigen, weiche dieser boöhaflcü Aufforderung Folge geleistet, sollen dann sämmllich in die Gefangenschaft der Türken gefallen scy». 17s Am deutlichsten beschreibt diese Schlacht Rgdulph CoggeShqle 70 Geschichte der Kreuzzüge. BuchIV. Kap.V. rühmlichen Todes besonders Jakob von Mailly aus Tours iu Frankreich, Marschall der Templer, und der Hospitaliter Heinrich; sie setzten den Kampf noch fort, als alle ihre wackcrn Kampfgenossen schon gctödtct oder gefangen waren, obwohl die Türken ihnen Erhaltung deS Lebens an- boten, und starben, nachdem sie viele Heiden noch erschlagen, durch Steine, Pfeile und Lanzen, welche aus der Ferne wider sie geschleudert wurden, als keiner mehr sich ihnen zu nähern wagte Nach diesem Siege zogen die Heiden die Köpfe der erschlagenen Templer und Hospitaliter auf den Lanzen tragend, und die gefangenen Christen in Banden mit sich führend vor Liberias vorbey, wieder über den Jordan. deciissa, reliiuerac inconvnlsar. I'nicornm Liirem miilcinido taut» i()) „L^tniit. li Qoredler le /lls 82lkk3clj.il oc ii08 Okrestiens des- coiitls ec occis 2 l'kide cle ses 'Inrc?, il uiisr les resles der ckcVLliers dir IV'mxle et. de 1 ' Orxical ec les llsr Ltaeliier sus les lerr de lor lauccr. (Llivoir. rcrrae s. 1^. A49 sy.') : ,,Le- leen," sagt Hugo Plagon (S. 602), ,»deiU3iidL au. maiscre dir T'cniiile» oommenc cele Kat-kille avoic oste. Il dlc csue l-icn 51 estolenc les Lresciens i>rovd ec unrlc avoit oc- Li8 de 821^221118, ec desconüs les «zu'il .ivoieiic en ime nroncsAiis les eiioloscreuc, i-ar giioi ils Inreiic äeseolllls." 18) Ilkd. 6o§^esli. l?. 65 r. Oaiicr. Vinis. I. 2. Der letztere Schriftsteller schmückt die Erzählung von dem rühmlichen Tode des Inkob von Mailly noch auf folgende Weise auS: ,»Lc in e^uo nüldo ec .nmi» Llbicaiicikns Nmc casii nii^iiacov in loco, nki xuAnrilianir, Lri^cilae, me.soi' i'osc ^ima xaulo auce König Veit. -7i Die Einwohner von Nazareth aber, als die Heiden abge- 2-^,. zogen, sammelten auf der Wahlstatt die Leichname der erschlagenen Christen und begruben sie in ihrer Stadt auf dem Gottesacker dcr heil. Jungfrau Balian von Jbclim war noch auf dcr Reise von Neapolis nach Nazareth als dieser unglückliche Kampf geschah. Er zog aus von Neapolis erst in der Nacht des Tages, an welchem seine Gefährten weiter gezogen waren, und kam vor Tagesanbruch nach Scbaste. Dort pflog er lange Unterredung mit dem Bischofs, welchen er aus dem Schlafe wecken ließ, und als der Tag angebrochen war, hörte er noch eine Messe, welche für ihn dcr Dischoff durch einen Capella» feycrn ließ Dann erst zog er weiter durch die Ebne von Es- drclon nach Faba, wo ihn die zwar aufgcspaunten aber vcr- laßnen Zelte der Templer nicht wenig befremdeten. Was aber geschehen, vermochte er nicht zu erfahren, weil sein Knecht, den er in die Burg sandte, um nachzuforschen, dort niemanden fand als in einer Kammer zwey Kranke, welche des Geschehenen durchaus unkundig waren. Erst in einiger Entfernung von der Burg, auf dem Wege nach Nazareth, begegnete ihm ein Templerbrudcr, von welchem er das Unglück des Tages vernahm; und nicht fern davon traf er auch die Knappen der Tempelritter, welche aus der Schlacht entronnen waren. Worauf er ohne Verzug einen Eilboten et n>28?eronr on eelte moniere üevsnr lUisrie. " IInZo ji. 699. Nnter den Morgenländischen Geschichtschreibern erwähnt dieses Zugs dcS Malek al- Afdal nur Abul- feda (^.urr. 1'. IV. S. 74), jedoch riur im Allgemeinen und ohne irgend etwaS Einzelnes anzusuhren. Lo) ,, kr HnLs xrLm» cUo« MlszL erat. Ln yns /Inres et rosae solenn, viri colLiße^siit vnnc ca Ln cimiterio I,. aVIsrise Ln Rsä. 6ox^esli. x. 2i) ,,Lt saekes «ine si Leleen zie Inst toriiv sn Ssbst (d. t. nach Se- basie) xor oir rnesse, LI Inst lnen venn L xnint ri 1s bsrsills." i». 6ov. -72 Geschichte der Kreiizzüge. Buchiv. Kap.v. abfertigte nach Ncapolis an seine Gemahlin, die Königin Maria ^), und ihr gebot, alle zu Ncapolis befindlichen Ritter ihm eiligst nachzuscnden nach Nazareth. Zu Nazareth traf Dalian den Erzbischofs von Tyr s und den Großmeister der Templer, und verweilte mit ihnen dort so lange, bis seine Ritterschaft angckommen war. Dann ließ er dem Grafen von Tripolis melden, daß die Gesandtschaft bereit sey, sich zu ihm zu begeben, worauf auch dieser fünfzig seiner Ritter den Botschaftern entgegen sandte. Aber nur der Erzbischofs von TyruS und Balian kamen nach Liberias; denn der Großmeister der Templer kehrte unfern von der Stadt wieder um, weil er vor Ermattung von dem Kampfe am Bache Kischon nicht zu reiten vermochte ^). Die übrigen Botschafter fanden den Grafen Raimund um desto geneigter zur Versöhnung, weil er befürchtete, daß das Unglück der Christlichen Ritterschaft ihm zur Last gelegt werden möchte; er entfernte alle Sarazenen aus Liberias und schickte sogleich sich an, mit den Gesandten zu dem Könige Veit sich zu begeben. Auch der König von Jerusalem, sobald er durch Eilboten den Anzug-des Grafen erfuhr, zog ihm entgegen mit zahlreichem Gefolge. Also siegte die Noch über den Haß und die Verachtung des Grafen Raimund gegen den König. Die beydcn erbitterten Feinde begegneten einander in der Ebene von Dotaim, am Joscphbrunnen, Key dem Schlosse Hiobs. Sobald der König des Grafen ansichtig wurde, stieg er von seinem Roste und der Graf folgte diesem Veyspiele, und beyde gingen SS) Ick roine sa. leme." Unga Balian hatte Maria, des Königs Balduin IV Witkwe, zur Gemahlin. sz) „tzuanr il vlv-ärenr lors Ick eitv, le luckistre än'Lemmie, re- tornck xonreegn'il ne xout ohev.ni- alüer." ,,kVIs§isrer ve- ro lenixli renickusiL in ex conlUcNL xristino 1»nAirio. Lern. 1'Iies. 152. 25) O.'rukr. Vliiis. I. r2. Hn§o k1a§. x. 6or. IZern. I'lros. 1 0. 26) »,I.oi-s x»rist Io roi !o tresor Li Io as cllovsliers et as IN. Eand. 2. Hugo 1. L. Vgl. korir. I'tie». I. e. S 2. Ck>c, nS?. 274 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. V. heilige Kreuz 'anzubeten, und am Grabe des Heilandes dem Könige feyerlich zu huldigen*^). So aufrichtig aber auch die Versöhnung zwischen dem Könige Veit und dem Grafen von Tripolis zu seyn schien, so hielten doch viele die Freundlichkeit des Grafen für verstellt, und meinten, daß er es heimlich noch mit Saladin hielte In dem Lager bey Sephoria sammelte sich eines der stattlichsten Heere, welche jemals im gelobten Lande wider die Heiden gestritten hatten. Außer den königlichen und mit dem Schatze des Königs von England geworbenen Rittern und Fußknechtcn kamen die Templer und Hospitaliter mit vielem Volke aus allen ihren Durgen; es kam der Graf Raimund mit seiner ganzen Macht aus Tripolis und Galiläa, auch der Fürst Rainald von Montroyal und Krak mit einer kampflustigen Rittcrschar. Nicht minder Balian von Nea- pvlis und Rainald von Sivon, so wie auch Walther von Cäsarea erschienen mit wohlgerüsteten Ritterschaften. Auch sandte Fürst Boemund von Antiochien gemäß der an ihn ergangenen Aufforderung seinen Sohn Raimund mit fünfzig Rittern. Es sammelten sich zwey Lausend Ritter, unzählige Turkopulen oder leichtbewaffnete Bogenschützen, und achtzehn Tausend Fußkncchte oder mehr ^). Sie sandten auch an den Patriarchen von Jerusalem und luden ihn ein, mit 27) Nach der Erzählung des Na- dulph CoggcShale begab sich der König Mil dem Grafen nach der Zu- sammenknnsr in der Ebne Doiaim unverzüglich nach Jerusalem. Dem Ausenlhalr und den Berarhungen zu NeapoliS, deren die übrigen Schriftsteller erwähnen, wird indest damit nicht widersprochen. rg) Der Englische Annalist Roger von Hovrden (S. Ssto-) scheuet sich nicht, inwerholcn zu behaupten, dir Versöhnung des Grafen mit dem Könige sey nicht redlich gemeint ge- Auch die nachherigcn Ereignisse beweisen deutlich das allgemeine Mißtrauen gegen den Grafen Raimund, welches denn frcvljch begründet genug war. Ly) Al 0 gibt Nadulph Coggeöhal» (S, SS3) die Zahl an. König Veit. -75 dem heiligen Kreuze zu ihnen zu kommen. Gleichwohl vcrr I. Ch> trauten sie mehr auf ihre Lanzen und ihre von Gold und andern köstlichen Zierden blinkenden Hclme, Panzer und Schilde, als auf Gott und die begeisternde Kraft des heiligen Krcnzholzes. Der unwürdige Patriarch Hcraklüis aber kam nicht selbst^), aus Furcht vor dem Märtyrertode, sondern sandte an seiner Statt die Bischöffe von Pcolemais tmd Lidda als Träger des heiligen Kreuzes. Wahrend die Christliche Ritterschaft im Lager bey Sec phoria sich sammelte, zögen nach Damascus die Türkischen Scharen aus allen Landschaften, über welche Saladin herrschte, begierig des Kampfes mit den entarteten Christen, und Saladin hielt dort Heerschau über ein stattliches und zahlreiches Heer Daun erwartete er nach gewohnter Weise, deu Freytag, als den heiligen Tag der Muselmänner um in das Gebiet der Christen cinzurücken, und lagerte sich bey Gaulan am nördlichen Ende des Sees von Liberias " ), wo er nicht lange säumte, den Kampf zu be- , ginnen. Er sandle eine Schar über den Jordan, das Land zu verwüsten, und dicke, da ihr nirgends Widerstand geschah, verbrannte und verwüstete das Land von Liberias Lonznruit» nt osseur xortNorc-s Do lnittiaae oistioi» ot cus-Olles." Nach 6 o»K 05 st. 1. c. »lVlole-tumsogt Bernhard (o. 15z) spöttisch, »siciui- Zi) Diese Heerschau geschah bey Aschtara, uliferu von DamaScuS. LoNieä, ?lt!» Set, « zz. S. 67. gs) „Der Sultan trachtete stets seifte Nnternehmu. gen zu verlegen auf den Zreniag, ni,ch sogar in bis Stunden des GebeieS in den Moscheen an diesem Tage, indem, er such den Segen znzneiqn n trachtete von den Gebeten der Prediger auf den Predigtstühlen." NoMu-ch I. o. zg) Nach cloxxesli I. 0. Bobaep- din nennt daS Dorf Assobairah a!» den Ort, wo Saladin damals sich lagerte. S. üs. S 2 276 Geschichte der Kreuzzüge. BuchlV. Kap.V. z.Chr. bis Nazareth und bis zu den Bergen Gelboa und Jesrael, " 37 . » ^ ^ . also, daß das ganze Land vor ihnen war wie em großes Feuermeer ^); auch bestiegen sie selbst den Berg Tabor, den Ort der Verklärung Christi, und schändeten ihn durch Verwüstung. ,v°chs Noch während diese Schar das Land auf das furchtbar- ». 2ul. sie verheerte, zog Saladin mit seinem ganzen Heer über den Jordan und lagerte sich auf der Flache eines Hügels, auf der mitternächtlichen Seite von Liberias, hoffend, die Christen würden nicht zögern mit dem Angriffe. Als sie aber nicht erschienen, ließ er durch leichte Reiterey die Stadt Liberias angrcifen Diese Stadt, welche ohne hinlängliche Besatzung war, widerstand nicht, und die Gräfin floh mit den vier Söhnen, welche sic ihrem ersten Gemahle Hugo von St. Aldemar geboren, in die Burg ^). Donner- Die Christlichen Ritter hatten fünf Wochen lang in dem stagü L.3ul. Lager bey Sephoria den Einbruch Saladins erwartet, als am Tage Mariä Heimsuchung aus Liberias die Eilboten der Gräfin von Tripolis kamen und um schleunige Hülfe baten; worauf der König Veit die Fürsten und Baronen zum Kriegsrath berief. Aber in dieser Rarhöversammlung herrschte nichts als gegenseitiges Mißtrauen. Der Graf Raimund, welcher vielmals es erfahren, daß Saladin nicht nachdrücklicher bekämpft werden konnte, als wenn ihm die Gelcgen- z4) ,.^rstcdot oritem toto lerr» xionr gioin-is unns ante ftroiem eo- rum." Rast. Lox. rtninro eironmst.rto esr civilis L Hast. Lax. DieS stimm, sehr genau zusammen mir DohaeddinS Nachrichten, nach weichen Saladin am Mittwoch den 27 Nabi a!-achar die Stellung auf der Anhöhe bey Liberia- einnahm. 56) Ncrn. 1'ftos. c. 15z. Ilnxo i>. 601. //Saladin stürmte gegen die Stadt Liberias an mit heftiger Gewalt und eroberte sie in einer Stunde des Tages.nur die Burg widerstand." Also Vohaeddin n. a. O. Wgl. .gchrrikest. ^.un, n-o-t. V. IV. x. 74. König Veit. -77 heit zum Kampfe entzogen wurde, riech wiederum, wie einst an der Quelle Tubania, zu strenger Vertheidigung und zu Vermeidung einer Schlacht, und beschwor den König, die dcrmalige Stellung an der Quelle von Scphoria nicht zu verlasse», sondern in derselben den Angriff Saladins zu erwarten. Er unterstützte diesen Rath mit starken Gründen. Er erinnerte, daß das Land zwischen Sephoria und Liberias durchaus nicht günstig wäre für die Christen, vielmehr den Heiden alle Vortheile darböte; sowohl weil die Wege steil, felsig und ungemein schwierig waren für die Ritter und ihre schweren Rosse, und die häufigen Gcbirgschluchtcn und Thäler zu Hinterhalten sehr geeignet, als auch weil auf dieser ganzen Straße kein andres Wasser zu finden wäre, als der kleine Fluß Kischon. Den Türken würde cs also leichtscyn, die Christen zu nökhigcn zu einer solchen Stellung, wo es ihnen in der heftigen Hitze der Jahreszeit an Wasser gebräche, also daß sic und ihre Pferde vor Durst verschmachten würden. Denn es ließe sich nicht zweifeln, daß, sobald die Christen auszögcn gegen Liberias, Saladin mit seinen Horden ihnen entgegen kommen und dann nach der gewohnten Weise der Türken zurückwcichcnd, durch stete kleine Angriffe der leichtbewaffneten Türkischen Reiter die schwer gepanzerten Ritter ermüden würde. Und wollten dann die Ritter mit aller Gewalt wider sie anrcnnen, so stände den Türken die Flucht in das nahe Gebirge offen, woher am andern Lage durch reichliche Nahrung und frisches Wasser gestärkt, sie auf die durch Hunger und Durst ermatteten und durch die Hitze und den steten Kampf des vorigen Tages ermüdeten Christen fallen und ohne große Mühe sic vernichten könnten. Dagegen böte den Christen ihre gegenwärtige Stellung jeden Vorthcil dar, reichliches Wasser, überhaupt hinreichende Zufuhr von Lebensmitteln, und sicherer Rückzug ?. Ck,k. i>S7. z, Cs,r ll«7. 278 Geschichte dev Kreuzzüge. Buch IV, Kap. V, ins Gebirge, im Falle einer unglücklichen Schlacht. Als Raimund diesen Rack, mit vielem Nachdruck vortrnq, unter? brach ihn der Großmeister der Templer, dessen stürmischer Sinn auch durch das Unglück am Flusse Kischon noch nicht gemildert war, durch die höhnische Bemerkung: der Graf stecke noch im Wolfsfeil Raimund aber, ohne diese Rede einer Antwort zu würdigen, setzte seine Ermahnung fort, und bot seinen Kopf dar zum Unrerpfande, daß alles so geschehen würde, wie er vorher sagte, wenn sein Rath nicht befolgt werden sollte; und erklärte, ob wohl die Stadt Liberias ihm angehöre und seine Gemahlin mit der Erobe- rung der Burg in die Gefangenschaft der Heiden fallen wer? de, so achte er doch diesen Verlust gering gegen den Verlust des ganzen heiligen Landes, welcher ihm unvermeidlich dün- ke, sobald die Christliche Ritterschaft ansziehcn werde zur Besck.ützuug von Liberias. Nach vielfältiger Berathnng siegte die Meinung des Grafen, der König, die Ritter des Hospitals und alle Barone, obwohl sie anfangs gerathen, in wohlgeordneten Scharen und mit dem heiligen Kreuze die bedrängte Stadt Liberias zu befreyen, billigten endlich seinen Rath, und nur der Großmeister der Templer ließ nicht ab vom Widerspruche, Erst uni die Stunde der Mitternacht trennte sich der Kriegsrath Kaum hatten aber die Barone sich zur Ruhe begeben, als gleichwohl die Drommeten im Lager erschallten und dieHerolde den Bann desKönigs verkündigten,daß alle sich waffnen sollten, A 7 / IVssZ-ixter, ezu 5 o.rL- Noneni inrerrumxen?: üe xilo, IU7 ynir, Irrzrino sui-LVSiiiir reli? " Dcrir. 1'ües. IIitSO lt. ee. ,,1-Ik SLZ. x. Kor. Lar, 2 8o Geschichte der K r e u z z ü g e. Buch IV. K a p. V. Saladin batte längst mit Ungeduld geharrt auf das Anrückcn der Christen, denn er dielt sich des Siegs gewiß; und er war daher nicht wenig erfreuet, als die ausgesandten Späher ihm die Kunde brachten, daß das Christliche Heer im Anzüge sey. Ohne Verzug setzten sich die Heiden in Bewegung , und nur so viele blieben in Liberias zurück als nöthig waren, die Burg einzuschließcn Srentags Was der GrafNaimurid vorher gesagt hatte, wurde nur ^ ^ zu vollständig erfüllt. Als um die neunte Tagesstunde das Christliche Heer unfern von Marescallia auf der Hälfte des Weges zwischen Sephoria und Liberias ankam, waren die Christlichen Streiter von der steten Beunruhigung der Türken, der heftigen Hitze des Tages und dem quälendsten Durste schon so sehr ermüdet, daß sie den heftig andringenden Heiden kaum mehr zu widerstehen vermochten. Daher verbreitete sich im Heere Furcht und Zaghaftigkeit, und mehrere sahen Zeichen, welche ihnen das bevorstehende Strafgericht Gottes über das Christliche Volk zu verkündigen schienen. Ein Kammerhcrr des Königs sah bey Marescallia, als eben die Türken am heftigsten andrangen, über dem Heere einen Adler fliegen, welcher in seinen Klauen sieben Pfeile und eine Armbrust trug; und diese sieben Pfeile schienen ihm die göttlichen Strafen anzudcuten für die sieben Todsünden, welche unter den Christen herrschten"). Nicht lange zuvor war eine alte Frau angctroffen worden, die Magd eines syrischen Malinesin Nazareth, welche verdächtig geschienen; durch Gewalt wurde sie genöthigt zu dem Eeständniß, daß sie von Saladin gesandt worden, um dem x. 6g. heftigste Kampf an diesem Tage bey q 2 ) Marescallia war drcy Rasten dem Dorfe Allnbia. von Liberias entlegen. Ue.st. 6c>x. , . _ . .... , . . ^ 4Z- 6rubr, Vuus. I. z. 1. c. Nach Vohaekbin geschal» der König Veit. -8i Christlich-M Volke zu fluchen, wie einst Bileam dem Volke ^7^' Israels, daß fleschon während zweyerNächteum das Heer ge- wandelt sey, und wenn sie nur noch in der folgenden Nacht ihren Umgang hätte halten können, Mit einem solchen Zaubcrdas Christliche Heer würde umstrickt haben, daß keiner würde entkommen seyn; jetzt würden nur wenige dem Verderben entrinnen, doch könne sie diesen Zauber lösen, wenn die Christlichen Reiter wieder auf den Platz zurückkchrten, wo sic ihre Beschwörung angefangen hätte. Mehrere Male soll hierauf diese Zauberfrau auf einen brennenden Scheiterhaufen geworfen und unverletzt geblieben seyn, endlich ein Knecht mit einer Lanze sie durchbohrt haben In so ängstlicher Stimmung, als diese ErscheinungenScklacht verricthcn, wurde wiederum Kriegsrath gehalten, in wcsi^"^"' chcm die meisten Barone der Meinung waren, die Heiden unverzüglich anzugreifen, weil damals noch eher ein glücklicher Erfolg sich erwarten ließe, als am andern Tage, wenn die Kräfte der Streiter durch Hunger und Durst noch Mehr würden ermattet seyn. Andre riechen, das User des SeeS von Liberias zu gewinnen, welcher nicht viel mehr als Eine Raste entlegen war. Der König Veit aber, welcher zuvor dem cinsichtvollen Rache des Grafen Raimund entgegen gehandelt, befolgte jetzt den schlimmen Rath, welchen der Graf ihm gab, ans der dürren Höhe eines felsigen und unwegsamen Berges, wo sie standen, sich zu lagern, daselbst die Nacht zuzubringen, und den Kampf zu verschieben bis zum andern Morgen ""). q4) Dieses Wunder berichten Hugo Plagon (S. üsz) und Bernhard e. IZ4- 45) ,, I.e cnrens stonL .rlors ina-u- ves conseit. " linxo Wgl. Lern, trires. t. Lrler wie issir che l ost as tlvrsrtisns gns Iss Srirgisins ns 1 s vvlsseut." 8n- xo Mag. 47) „Igitur KUi Leon alronmäe- ffernnt xoxtilnm Oei st inccnsten- slLä, 6ox. x. 556. 48) „Beyde Theile , sagt Bohaed- brachten hie Nacht zu in den Waffen, -und jeder von Heyden erwartete in jeder Stunde den Angriff des Feindes, obgleich beyde die Müdigkeit so niederhielt, das! sic nicht vermochten sich zu erheben und die Ermattung cS ihnen unmöglich machte zu kriechen, viclwenigcr zu rennen. " Nach Abulfaradsch (Liiron. 871-. S> 4M) gingen die Muselmänner auch am andern Tage nur mit Zittern und Zagen zur Schlacht, weil sie sahen, das; die Franken entschlossen waren nicht zu stiebenl und Saladin brachte seine Krieger nur durch Drohungen und Zureden in die Schlacht. 4y) ,,lffe ot iiom» ne Veste Hni Iz nult venst." Hugo l?Iog. x. 60S. Zo) „Oelcii soi kn Someäl et beste 8. lvizrriu 1e voillsitt . . . . le sin- gniesine jor üe loignet (loillvt)." Hugo kl. S. Ü07. Sag, König Veit. r8; sie aus in geordneten Scharen. Aber der Kampf wurde ihnen nicht gewahrt, den nunmehr viele unter den Rittern so sehnr lichst wünschten, um wenigstens rühmlich zu sterben. Denn Saladin wohl wissend, daß jeder Augenblick, um welchen er Den Kampf verzögerte, den Sieg ihm erleichterte, zog seine Scharen zurück, so wie die Ritterschaft des Kreuzes vorrückte, und quälte die Christlichen Streiter durch stete Beunruhigung und wiederum, wie in der Nacht, durch die Anzündung von Gesträuch und zniammengehäuftem Stroh, wovon den erstickenden Rauch der Wind gegen sie trieb *'). Die Pullanen sahen, daß nunmehr das lange gefürchtete göttliche Strafgericht eintrat« Um die dritte Tagesstunde war das Christliche Heer am Berge von Hittin im Augesicht von Liberias und dem schönen See Gcnyesareth, an dessen reißenden Ufern von dem Heilande so manches Wunder pollbracht worden zi) ,, ti sisrieTÜn Ae I'autre xrit . . . . 80 liaistre »rrwre gwil ne voloit Nlie aomdattre l.inr gue le clls.nl kn leve». II zvnii nn xrsnt hrncroi ä'c-ibe 1.1 nie nos OilreetienL estoiem. 14 SarrsLins donrerenr le keil üeüsn», xorcegns II Iioscre knssent grciguor mescftjek, gue ü>» beer gue r»cv»ie>e, gironiam nucUgne aiisgn« nnrucro inimici orevernnt, x.igit'-rinio et vnincrznüo Liirirtiznos. Unm »tt- tcm xaululum z-roceiiiikeut, elr- mavernnt -ni Ilegem i-ostul.riiclo snxilinin, tüoentee, se tanti xon- üeris l-eUniu non z>ossv snrlinero." Uog. x. 557. Abulfaradsch tviiron. S/r. S. qoi) erwähnt eines ZweykampfeS zwischen einem Christlichen Ritter und Mangurcs, einem Mamluken des Sultans Saladin. In diesem Zweykampft, welcher gleich im Anfänge des Gefechts sich ereignete, siegte der Christliche Ritter, bemächtigte sich der Person seines Feindes, und führte ihn zu seiner Schar, wo er ihm den Äopf ad- schlug. Die Christen waren anfangs der Meinung, das) der Eeivdtcte ein Sohn des SultanS wäre. k3n8 cong lerir z,sr üestroao llo «oik gnc les drcse." Istuzo klsg. S. Ü07. 50) „l-urr sim Anfänge der Schlacht) ro xsttirent cing oilevLlier« üe Uc.-ahielc au aontc üc7'riz>Io ot vii>- üront ä LLlaiiaüiir, si li üietrenr: il tont lrrit morl. " Iltigo ritt-;. E. öv7. König Veit. 285 dem, herab zu kommen, den Rittern beyzustehen im Kampfe ^A>r- und mit diesen gemeinschaftlich das heilige Kreuzesholz, das Erbtheil Christi ^), zu beschirmen; sie aber antworteten!: wir können nicht mehr, denn wir verschmachten vor Hitze und Durst. Weil cs nun unmöglich schien, ohne die Hülfe der Bogenschützen den Weg unter steter Veiinrnhignng der Heiden fortznsetzen, so gebot der König den Rittern, sich zu lagern. Da lösten schon die Scharen sich auf und läge« ten sich ohne Ordnung um das heilige Kreuz Die Heiden aber drängten immer heftiger an, und ihr Pftilregen wurde immer gewaltiger; es sank selbst der Bischofs von Ptokmais, welcher das heilige Kreuz trug, von einem Pfeile durchbohrt, und übergab sterbend das heilige Holz dem Bischoffe von Lidda "). Zn dieser verzweifelten Lage beschloß der König Veit den Kampf zu erneuern, um wenigstens nicht unrühmlich zu sterben. Er gebot der Schar des Grafen von Tripolis, wie es ihr nach den Ordnungen des Landes zukam, zuerst wider die Heiden zu stechen °°). Als nun die Ritter dieser Schar sahen, wie die Ritterschaften des Königs, der Templer und Hospitaliter von den Heiden umringt waren, riefen sie aus: Wer sich retten kann, der rette sich, des Kampfes ist ein Ende und auch die Flucht unmöglich. Hierauf sprengten sie über die Felsen hinweg den Heiden entgegen, und die §7) äominrcniu et liere- äirstem. Okrixri.'' Ag) I^ex si.Nem et cetcii irt viäe- «t Hnoä 1?ri sine ^ervientl^ns con> rrL saxittss Inreorirm nvu ^rossend Ltidslstere, §ratia Domirtieae erti.- rls, ci„Liernis enrnis Sarrrr^enornni rLjxeäirclrt er Isvlrrs lerreut. Izi lusl et lntei'mixl.1 kue ar^ue 11- litcr." Itl x. 567 . 29 ) 6 o§. 1 . 0 . 60) ,,?orce cine en 5a terre 1a lialLille, ciovolt 11 svoir lit Lein. U'Iicx. e. 1L5. Vgl. oben Th. Ablh. r. S. 241 . ,86 Geschichte der Keeuzzäge. Buch lV. Kap. V. I. CM', » 87 - Leichname der erschlagenen Christen und Heiden dienten ih« nen den Weg zu ebnen Der Graf Raimund, Balian von Ibclim, Rainald von Sidon, der Sohn des Fürsten von Antiochien, so wie die übrigen Pullanen, welche noch beritten waren, flohen nicht minder, und ihre rennenden Streitrosse zertraten die hülflosen Verwundeten. Die heidnische Schar öffnete sich, so wie sie anrannten, vor den feigen Flüchtlingen, welche von den Muselmännern iricht Minder verachtet wurden, als von den Christen, und schloß sich wieder, als sie hindurchgczogen waren. Die Flüchtlinge Nahmen den Weg nach Lyrus ° 6r) »,6oi>euIoLiiäo 6iir!eti3uos er xoutenr kseieucko gussi xer i>l.ünuii r>«r." kiä. x. 557. üa) Radulph Eoggeshale, welcher sonst die einzelnen Umstände dieser Schlacht sehr genau und sorgfältig berichter, erzählt nur, die Schar des Grafen von Tripolis habe sich auf die Flucht begeben, als sie gesehen, dag für das übrige Heer doch keine Rettung mehr mogljch char. Den Bericht des Hugo Plagon aber, nach welchem der Graf von Tripolis mit seiner Ritterschaft, als er gegen hie Türken rannte, von der sich öffnenden feindlicben Schar durchge- laffen wurde, bestätigen die morgen- ländischcn Nachrichten. „Als der Graf, sagt Abulfeda (M III. S. 7ü), sah, wie schlimm die Sache stand, so warf er sich auf die vorderste Schlachtordnung der Muselmänner, wo Tsaki eddin, Fürst von Hama, war. Dieser lieh ihn durch und umschloß dagegen die übrigen Franken. Der Graf aber entrann nach Tripolis, wo er nicht lange hernach vor Beirübniß starb." Wie sehr schimpflich selneFluchi selbst i» den Auge» der Muselmänner Ihre schimpfliche Flucht vollerschien, beweist die Art, wie Bo> haeddin (S., 69) darüber sich ausdrückt: „Als der Graf, sollst der kühnste und verwegenste seines Volks, bemerkte, wie über seine Glaubensgenossen das Unglück kam, so bewog ihn selbst nicht die Erwägung des Ruhms, de» er durch seiue tapfere Thateu sich erworben, seine Schar zu ordnen; sondern er floh gleich im Anfänge der Schlacht, ehe der Kampf hitzig ward, und nahm den Weg nach Thrus. Obwohl eins Schar der Muselmänner ihn verfolgte, so entrann er doch für seine Person; der Islam aber war nunmehr sicher gesieitt gegen seine Bosheit." ES elgibk sich ans dieser Stelle ans das deutlichste, dag wenigstens Bodaeddin nichis wußte von einem Einverständnisse, welches zum Behufs dieser Flucht zwischen dem Grasen und den Muselmännern Statt gefunden. Auch die Abendländischen Schriftsteller beschuldigen den Grafen nicht einer solchen schändlichen Verräthereu, sondern führen vielmehr Umstände an, welche mit einem solchen Elnversländniß sich nicht rci< ttttii lasten, B, Last er Leswegen König Veit. - 8 - endete die Verzweiflung der eingcfchlossenen Scharen und 2- die allgemeine Niederlage. Das Fußvolk, welches auf die Höhe des Berges von Hierin geflohen war, wurde von den Heiden thcils in den Abgrund des Thals gestoßen, kheils gefangen ^). Die übrige Ritterschaft, zu kraftlos um zu kämpfen, wählte die Gefangenschaft. Es ergäben sich den Heiden der König Veit von Jerusalem. der Fürst Rainald von Chatillon, der alte Markgraf Bonifaz von Monkferrat, der Scneschall Joscelin, der Connetable Aimerich, dev Großmeister des Tempels, Honfroy von Toron und der Bischofs Gaufried von Lidda, der Träger des heiligen Kreuzt nach Torus geflohen scy, weil er es «lichtgewagt habe nach Liberias sich zu begeben, um nicht gefangen zu wcr- werden. 0lttg. S. 627. Lern. Iches. I. c. Dagegen spricht Abulfa- radsch l Llirou. Sz-r. S. qvt) Liese Beschuldigung gegen Len Trafen Raimund in sehr barten Worten ans: ,/Dcr Eraf, voll Arglist, fürchtete, daß der Sieg Len Franken zu Theil lind er selbst dadurch beschämt würde, weil er gcrathen hatte, den Kampf zu vermeiden. Er kündigte nun den Franken an, daß er mir seiner Schar gegen die Saraccnen rennen und den Kampf beginnen würde. Ais er aber heran kam, öffneten ihm die Saraccnen einen Weg durch ihre Reihen; sowohl >> 5 eil eine Verabredung zwischen ihnen Statt fand, als auch weil sie wußten, daß er seinen Elanbensgenvffen nicht zugetlian war ..... Die Flucht des Trafen aber war eine Hauptnrsachc der Niederlage der Franken, weil seitdem keiner mehr dein andern traute." AuS der lateinischen Ucberstßnng wird man übrigens den richtigen Sinn dieser Steile eben sv wenig alSivieler andrer Steilen dieser Chronik erkennt» können. Die Namen derer, weiche mit Lern Grafet! Raininnd flohen, nennt Radulph Coggcsbale S. 5Z7. 6z) „Irrueruut »uteni uiultiiuäc» xaganorum suxcr xeäites »>g„i> per T-r-terix-iiiiim zirSeruxti moiilis, ia cujus o-tcumine jsmäuäum kuge- lüiit, eos zirtteci^itsveruiil, et aiio» occiüeiisto alios caxiivLuflo vastL- verunt." Utlä. Lax. „ Ein Haufe von ihnen war auf den Hügel geflohen , weicher nach dem Dorfe Hittin genannt wird . , . . . Diesen ängstigte» die Muselmänner, indem sie ringS umher Feuer anzündcien, und zugleich tödiere ihn der Dnrst, so daß er endlich in der Angst, um dem Tode zu entgehen, den Muselmänner» zur Gefangenschaft sich ergab." Bohaeddin. Eben dieser Schriftsteller erzählt (S. 70) als Beweis Let Muihlosigkcit, welche über die Christen gekommen war, daß ein sehr glaubwürdiger Mann ihm versichert habe, in Hanran einen Mnselmann nnge- gcirvffcn zu haben, weicher an seinem Zelsslkicke gv gebunden« Christel» I. Ehr. iiS7- L88 Geschichte der Krcuzzüge. Duch lV. Kap. V. zes Auch das heilige Marterholz selbst, das Sieges- panier der Frohnkampcn, wurde verloren und niemals wieder gefunden, wiewohl es zweifelhaft ist, ob cs m die Hände der Heiden fiel Als durch diese Zerstörung der stolzen Christlichen Ritt terschaft die Schlacht vollendet war, ließ Saladiu die gefangenen Fürsten vor sich führen in bas Vordergemach seines noch nicht ganz anfgefpannten Zeltes Er empfing aber die unglücklichen Ritter nicht mitHohn und Uebcrmuth , sondern, wie es einem tapfer» und edeln Krieger geziemte, mit Milde und Achtung nur auf den Fürsten Rainald von führte, welche er ganz alle,» zu Gefangene» gemacht hatte. 64) Der Englische Annalili Roge- rius von Hovcden (S. güz nennt »ach unter den Gefangene» den Ritter Reger von Mulbrai, welcher im folgenden Jahre von den Templern und Hospitalitern losgekanft wurde. Ein anderer englischer Ritter, Hugo de Vcllo Camxo, siel nach eben diesem Schriftsteller in der Schlacht. , 65) Nadnlph Eoggeshale versichert (S. 257) zwar ausdrücklich, dass das heilige Kreuz in die Hände der Türken gefallen sey («pinmi n,a»it>us üsmnatornm). Eben so auch Ean- sridus Wittisauf (I. st. Auffallend ist cS aber, Last be» keinem der bekannte» morgentändischcn Schriftsteller der Eroberntig des heiligen Kreuzes Erwähnuug geschieht. Dadurch gewinnt die Erzählung Wahrscheinlichkeit, welche Hugo Plagon sS. 627) mitrheilt. Nemlich, nachdem man lange nicht gewicht, wo Las heilige Kreuz gebtiebcu, sei, eudlich in der Zeit, als der Graf Heinrich von Champagne das Reich Jerusalem verwaltet, zu diesen, ein Tempclbrudcr gekommen und habe sich erboten, es wieder zu schaffen, wenn tausend Mann ihn ans das Schlachtfeld von Hlttin begleiten würden, ludet» er versicherte, selbst es dort vergraben zu haben, als keine Möglichkeit mehr vorhanden gewesen, das heilige Marterholz auf andere Welse der Gewalt der Heiden zu cutzichen. üb nun zwar dieses Verlangen gewährt worden, so seycn gleichwohl die von diesem Templer während dreper Nächte an- gestclltcn Nachgrabungen vergeblich gewesen; und bey Tage zu graben habe man nicht gewagt aus Furcht vor den Saraccncn. üü) Bohaeddtu S. 70. Abulfcda ist 111. S. 7ä. ü7) Besonders den König Dcit. ,,Lrimns suriiinin .iiltrocincun-r esc Onictn fznem anre 50 keäc-i'S mrittäAviiLern. I'ircs. e. !§ti. Man steht auch aus dem Folgenden, dast beiner der üstrjgen gefange» nen Ritter eine schlimnre Ausnahme fand, auvcr de:n Flsrsten Rainald. König Veit. - 8 ? Chatillon warf er einen furchtbaren Blick des Grimms; denn er gedachte des Schwurs der Rache, welchen er ge- than, als zu ihm die Kunde war gebracht worden von dem durch Rainald mitten im Waffenstillstände treulos vergossenen Blute der Muselmänner. Und als der König von Jerusalem, welchem Saladin mit Freundlichkeit einen kühlenden Trank bieren ließ, nachdem er getrunken, den Becher dem Fürsten Rainald reichte, gebot der Sultan seinem Dollmctschev dem Könige zu sagen: „du reichst ihm den Trank, nicht ich; denn ich will nichts gemein haben mit diesem Ruchlosen." Es gebietet nemlich die alte löbliche Sitte der Araber, daß wenn ein Gefangener von dem Feinde Speise oder Trank empfangen, dieser keine Gewalt mehr hat ihm zu schaden, sondern verpflichtet ist, als seinen Gastfrennd ihn gegen jedermann zu beschirmen. Dann ließ der Sultan die Gefangenen hinwegführen und alle, außer dem Fürsten Rainald, mit Speise und Trank erquicken. Nach kurzer Frist wurden alle wieder geführt in das Vordergemach von des Sultans Zelte, auch derFürstRainald wurde hineingeführt; und nun wurden dieFürsien der Pullane» Zeuge eines fchaudervollen Auftritts. Saladin richtete sogleich mit grimmigem Blicke die Rede an den Fürsten Rainald und erinnerte ihn an allen Uebermuth, welchen er wider die Muselmänner geübt, und an alle seine Schmähungen wider den Arabischen Propheten und forderte ihn auf, der Lehre Mohammeds nunmehr die Ehre zu geben; und als Rainald erklärte, nur im Christlichen Glauben leben und sterben zu wollen, erhob der Sultan sich von seinem Sitze, zog fein Schwert und spaltete mit einem gewaltigen Hiebe dem Fürsten die Schulter. Worauf die anwesenden Türken hiuzusprangen und den Unlücklichen jämmerlich erwürgten Alle Christliche Fürsten Kg) Oie Berichte über den Tod merkwürdige Weise übereinstimmcnd- des Fürsten Rainald sind auf eine „Ooxsiüergiii gutem (Sal-iüiiiris), III, Band, T 3. Thr. 1 - 87 - Z. Chr. »L7- -90 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. V. besonders der König Veit gcnethen durch diesen gräßliche» Anblick in Angst und Bestürzung, für sich ein gleiches Schicksal erwartend. Aber als Saladin die Angst des Königs von Jerusalem bemerkte, beruhigte er ihn, versichernd, daß die Erwürgung des Fürsten Rainald nur die Strafe der ruchlosen Frevelthatcn wäre, welche er wider allen Kriegsge- brauch an den Muselmännern geübt, und daß auch nach der Sitte der Muselmänner kein König den andern tödre^). Alle vatns (ii-bcb-it ,-iiin! er,IN xrne cnnciis ockioenm) ckixii Kepst, inA- leiinin ei kuisse gnc »1 Ila)-nalsto xo- rnilnin ^oriexisret..... <^>no stiato jussit cnin exl 1.1 trnlciriniu stnci el wann proxria vaxnr ei uiniinirvit et xer url>c» et "j'pilir in ultionis ostentAtionein (leierri manckavit. " Lern. Tlre-i. 1 . 0. Auf dieselbe Weist erzählt der überall mit Vernarb übereinstimmende Hugo Plagon (S. Sag), nur läßt er den Umstand weg, Last Saladin den Fürsten Rainald habe aus dem Zelte wegführcn lasten. Bohaeddin (S. 72- 71) berichtet davon also: „Als Saladin den König Dschophri und seinen Bruder und den Fürsten vor sich hatte führen lasten, so liest er demiKönige, der von heftigem Durste gequält wurde, einen mit Schnee abgekühlten Zucker- trank (Dschulab) reichen. AIS aber der König de» Becher auch dem Fürsten Rainald darbor, sprach der Sultan zum Dolimctschcr: sage dem Könige, du gibst ihm zu trinken, nicht ich. Denn e» ist eine schöne Sitte der Araber und ein Beweis ihres cdeln SinnS, dast der Gefangene, sobald er von der Speist oder dem Tranke dessen, der ihn in seine Gewalt gebracht, genossen, dadurch seines vebenS sicher wird. Hieraus liest er die Gefangenen an den Ort führen, welchen ec ihnen angewiesen, und sic mit Speise erfrischen, nach einiger Zeit aber aus den Wvrplay seines ZeltcS zurückbringen. Dann rief ec den Fürsten Rainald zu sich und sprach zu ihm: Siehe, Lurch die Hülfe Mohammeds- bin ich Sieger. Dann forderte er ihn auf zum JSlam sich zu wenden. MS er aber dessen sich weigerte, so zog der Sultan sein Schwert und gab ihm einen solchen Hieb, daß er ihm die Schulter ablösie, worauf die Anwesenden daS übrige thaien und Gott die Seele dieses Mannes in daS Feuer stürzte. Worauf man den Leichnam vor den Eingang deS Zeltes warf." Mit dieser Erzählung stimmt auch die kürzere Erzählung des Abulfeda zusammen- Die übrigen Abendländischen Schriftsteller, als Nadulph EoggeS- hale, Gaufricd Linüauf und andere erwähnen nur mir wenigen Worten dieser schrecklichen Rache des Sultans. üq- Bohaeddin S. 7t. König Veit. 2YI Templer und Hospitaliter aber, welche in die Gewalt der 2. ri87 Heiden geratyen, wurden gleichfalls erwürgt; sic aber starben gern den Märtyreitod und drängten sich selbst zu ihren Würgern ^). Die übrigen gefangenen Christen hörten mit Kummer und Betrübniß den lärmenden Jubel, wovon während der ganzen folgenden Nacht das Lager der Heiden erschallte Saladin aber, wie selbst die Christen bezeugen, wurde durch diesen glänzenden Sieg nicht verleitet zur Vermessenheit, sondern vielmehr, als er die große Menge der erschlagenen Christen auf dem Schlachtfelds erblickte und dis Gefangenen von allen Seiten zu ihm geführt wurden, da gab er Gott die Ehre und hob die Hände empor zum Hink Mel und dankte Gott für den ihm verliehenen Sieg 'I). Die Folgen des Sieges waren um so unglücklicher für das Königreich Jerusalem, als der größte Theil der streitbaren Männer des Landes bey Hittin gefallen oder in Knechtschaft gcrathen war, also daß in keiner Veste oder Stadt hinlängliche Mannschaft sich fand. Die Burg von Liberias ergab sich daher schon am andern Tage, und Saladin verstattete Besonders beqicrig drängte Sch zum Märwrcrtode der Templer Nikolaus. Wegen dieser Bereitwilligkeit für den Heiland Ilic Leben zu opfern, sah man während dreyer Nächte über den uubeqrabenen Leichnamen dieser Märtyrer ein himmlisches Licht schwer den. e-arckr. Viicir. 1 . c. Nach der Erzählung deS Radulyh CvggeShaic ließ nicht Saladin diese Ritter lodrcn, son- dcrn einzelne Türken kauften sie um das gewöhnliche Lasegeld, und verschafften sich dadurch das Vergnügen sw zu würgen. S. zsü.Abulfaradsch (S. 40a) erzählt davon gerade das Ecgcntheil, Indem er versichert, Saladin habe von seinen Neuer» die gefangeucii Hospitaliter und Templer gekauft, jeden Ritter für s-x> Denare, uni sie tödteu zu lasse». 7l) Bohaeddin a. a. s. aousss uor 6iir«'?tieiis er uci>, si re Icertwrja et rciicii xraae ä uurtco Lejguar cte Vonoi gwit II »i-oit s»ic." Hugo vlax. x, 6^7. L 2 2 yr Gesckichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. V. 2-^hr ver Gräfin und ihren Söhnen freycn Abzug nach Tripolis und beschenkte sie reichlich Nachdem der Sultan seinem Heere zweytägige Ruhe in Liberias gewahrt, führte er es an die Quelle von Sephoria und lagerte sich auf demselben Lagerplatz, wo die vernichtete Ritterschaft des Kreuzes so oft zur Beschirmung des Landes sich versamm lt hatte "). Am ,?°cho folgenden Tage erschien er mit seinen Scharen vor Piole- ^ mais, und diese wichtige und reiche Stadt, welche im Besitze eines blühenden Handels und mit Maaren angefüllt war, wurde ihm ohne Schwertstreich übergeben durch einen Vertrag, in welchem den Einwohnern freycr Abzug mit ihrer fahrenden Haabe zugestanden wurde. Saladin aber liest in der Stadt bekannt machen, daß alle, welche bleiben wollten, sicher sollten seyn,unter seinem Schutze, wer aber Muselmann werden wollte, sollte mit einem köstlichen Kleide, einem trefflichen Rosse und mit Waffen beschenkt werden ^). Die Beute, welche in dieser reichen Handelsstadt den Heiden zufiel, war unermeßlich, fast vier Tausend gefangene Muselmänner befreyetc dort Saladin aus der Knechtschaft, und mehrere Schiffe aus dem Abendlande mit Maaren und Pilgern liefen noch, als schon die Stadt in der Gewalt Sala- dins war, in den Hafen ein, und wurden die Beute der Heiden, die Pilger aber wurden ausgeplünderr und verspottet Mittlerweile war auch des Sultans Bruder, Ma- kek al adel, mit seinen Scharen aus Aegypten herbei- ge> 75) Raä. OoZ. 1. e. Lokseä. -p. 71. xrokeotus esr Z^xlrone (1e§. riam) in loeo, exoreltns Okrisnrnornm xolel-at !iLi>n.ne, zus- kit rex 8 ^riae lißerc terikoviii. er sieur LawxruL xtikniis odnnnerLt, sie c^no>;iie er locirm ttideruLeuIoruin." IVaci. x. 659 - 75) N?.t1. 264. Vgl. Vo- haeddiir a. a. O 76) Viuis. I. 6. König Veit. -y; zogen. D?e Einwohner von Jerusalem und den benachbarten Landschaften vonAskalon und Gerar Kalten ihn zwar mir Tapferkeit aus den Grenzen des Landes zurück getrieben. Als er aber das Unglück der Christlichen Ritterschaft bey Hittin ver- nahm, kam er wieder zurück in das Reich; und die Furcht und Angst war so groß, daß keine der Städte und Burgen, vor welchen er erschien, ihm widerstand. Alle Burgen von Darum und Gerar bis nach Jerusalem und im Umkreise bis nach Cäsarea in Palästina, wurden ihm geöffnet, und selbst die Stadt Joppe, wo eine große Zahl von armen Pilgern versammelt war, welche zurückgeblieben waren im heiligen Lände, weil sie nicht den Schiffern den Lohn zu bezahlen vermochten. Nur die Stadt Askalon und Gazaris, eine Burg der Templer, widerstanden. Dagegen wurde die Stadt Jbelin mit Feuer verwüstet, und die Veste Mirabel durch mekrtägige Belagerung zur Uebergabe gezwungen. Die Einwohner erhielten durch Vertrag frcyen Abzug und eine Begleitung von vierhundert Türkischen Reitern, welche aber nicht fern von Jerusalem von den Templern und der Miliz von Jerusalem überfallen und vertrieben wurden. Alle Christen aber sowohl aus diesen von den Heiden eroberten Städten und Burgen, als von dem verwüsteten Lande, so viele von ihnen ihr Leben zu retten vermochten, flohen nach Jerusalem ; und es lagen auf dem Lande so viele Leichname erschlagener Christen umher, daß ihr Geruch die Luft verpestete ^). Noch furchtbarer wütheten andere Scharen, welche Saladin von Ptolemais aus nach verschiedenen Richtungen aussandte, das Land zu verwüsten; sie bedeckten wie Heuschrecken das ganze Land vom Berge Carmcl bis nach Joppe und Lidda. Eine dieser Scharen befleckte in Nazareth mit 2. Ct,r ->87. 77) Uaü. Loß. x. Z 5 g. -94 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. V. Blute der Christen die Kirche der Jlingsrau Maria. Dann zog sie in die Ebne am Berge Tabor, und oerwüstete sowohl dieses Land als die Ebne Dotain. Zn Sebaste oder Samarien erzwangen die Heiden von dem Bischofs durch Marter die Herausgabe der Schätze seiner Kirche, und sandten .dann den ehrwürdigen Prälaten in Fesseln nach Proler Mais. Hierauf erfuhr die Stadr Ncapolis die Granei der Verwüstung. Die heilige Stätte des Brunnens, wo Christus mit der Samariterin sich unrerredete, und des Ackers, welchen der Erzvater Zakob seinem Sohn Joseph schenkte, wurden durch die Wuth der Heiden geschändet. Eine andere Schar durchstreifte das Land an der andern Seite des Berges Tabor, bis nach Bethsan und Jericho, und die Wüste, wo der Heiland vierzig Tags und vierzig Nächte fastete. Auch bestiegen sie selbst den Berg und bemächtigten sich der Burg Maledoin, welche den Templern gehörte, und wo niemand ihnen widerstand Während dieser Verwüstung des Landes durch verschiedene Scharen ordnete Saladin die Regierung und Vertheidi- gung der wichtigen Stadt Ptolcmais; und erst nachdem er solche Anordnungen vollendet hatte, führte er seine Scharen zu weitern Eroberungen nach Phönicien 'D. Der Graf Raimund aber, sobald er vernahm, daß Saladin gegen sein Land ziehe, begab sich mit dem Sohne des Fürsten von Antiochien und seiner ganzen Ritterschaft zu Meer von Tyrus nach Tripolis. Aber er vermochte nicht mehr die Verrheidigung des Landes zu ordnen; denn bald nach seiner Ankunft daselbst starb er eines plötzlichen Todes und seine Graf- 78) ia. ;8c>-5ür. ganz tiberelnüimmend. Nach Gm» 79) Bohgcddin S. 7'. fried Dnnsauf narb er eines rlem 80) Ueber den Tod LcS Grafen New liehen Todes, und seine Eemnh- UUMd sind die Erzählungen nicht Nn fand ihn todt in seinem Bene, KSnig Veit. -y; schaft kam an den Sohn des Fürsten von Antiochien, den Ge- 2 -^hr. führten seiner schimpflichen Flucht von der Wahlstatt beyHitrin. Gleichwie ein Waldstrom, welcher die Ufer durchbrochen, verbreiteten sich die heidi,ischenSchaecn über das ganze phönicische Land 2'). Die BurgThcbnin bezwangen sic durch sechstägige Belagerung 22). Dann zogen sie vorTyrus. Weil aberSala- din diese Stadt mit Bewaffneten und allen Kriegsbedürfnissen wohl versehen fand, indem dorthin alle geflohen waren, welche aus der Schlacht von Hittin ihr Leben gerettet hatten 2 ?), ft stand er ab von ihrer Belagerung und wanttte sich gegen Sarepta. Diese Stadt wurde ihm ohne Schwertstreich geöffnet 2"), eben so die Stadt Sidon, welche von Rainald ihrem Herrn schon verlassen war, nicht minder Biblus^i; und Bcrytus, auf dessen Befestigung Balduin der vierte so viele Sorgfalt und Mühe gewendet hatte, wiv«« tu der Zeit, da er eben im Begriff war, seine Berräthcrey an der gemeinschaftlichen Sache der Christen zu vollenden durch die Ueberlaffung seiner Grafschaft an Saladjn. Damit stimmt auch Vincenz von Beau- vais zusammen (in Sp-mntum iiisto- riüle, vgl, den Zusatz des Zranciscus PipinuS zu Bexnardus Thesaurarius (c. iL7), wo noch angeführt wird, dag der Graf die Bürger von Tripolis habe bereden wollen, den von ihm mir Saladin errichteten Vertrag ,u beschwören, von diesen aber Aufschub bis zum folgenden Tage sey begehrt worden, in der Nacht aber sei) Naimund gestorben. Es wird dann ferner berichtet, daij man bcn dem Grafen nicht nur eine Urkunde Liber jenen Vertrag mit Saladjn gefunden, sondern selbst an seinem Leichnam das Zeichen der Ve- schncidung entdeckt habe. Nach Bo- haeddin >(S, 70) starb Naimund an der Pleuritis l Abulfeda (8. 7ü) und Bcrnard (a. a. O,) schreiben seinen schnellen Tod der Betrübnis! und dem Kummer über sein Gchicksgl zu, Ra- dulph de Diceto (S. üg->) lägt ihn erst den Verstand verlieren und dann ,z Tage nach dem Verluste von Jcru- salem sterben. yi) , .t'infccuc scint ste /caaeron er annnerneittnt sttnernoienc terrcce si- tnäo L-tttcaenoruiu gci.rsi grena, gnae in litoro maris Iniust ciinnmcrakj ziolest." Ilaci. 60g. !>. 56 i. 82) Bohacd. S, 71. 71, 8g) Ebendas. Abulfcda S. 80- Nein. 8 .) Ilaci. «?,ng, 2t>z. 85) Bvhaed. a. a. L>. Abulfsda g, a. 0, 2y6 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. V. ^i-87?' i^and ""2 acht Tage Dann zog der Sultan zurück mit seinem Heer nach Ptolemais, und rief zu sich seinen Bruder Malck al adcl und alle andere Scharen, welche das Land durchstreift hatten Nachdem die ganze heidnische Macht vereinigt war, erhob sich Saladin wiederum zur Heerfahrt. Cäsarea in Palästina wurde ohne Schwierigkeit erobert und die türkischen Scharen bedeckten wie Heuschrecken das ganze Land von Jerusalem bis zum Meere. Augun Dann lagerte sich das ganze heidnische Heer vor Aska- lon. Auch diese Stadt, welche die alten Kreuzfahrer als den Schlüssel des Reiches betrachtet und bewahrt hatten, war nicht hinlänglich mit Bewaffneten versehen. Gleichwohl übergaben die wenigen Ritter, welche dort waren, diese Stadt nicht so schimpflich alsPtolemais war übergeben worden, sondern kämpften fünfzehn Tage lang wider die Heiden nicht ohne Ruhm. Als nun Saladin sah, daß die Eroberung dieser Stadt mit Gewalt noch größere Anstrengung erforderte, als er bis dahin angewandt hatte: so versuchte er das Mittel dev Ueberredung. Er ließ den gefangenen König von Jerusalem aus Damascus, wohin er ihn mit den andern gefangenen Kreuzrittern aus dem Lager von Hittin gesandt ^), holen, und versprach ihm die Freyheit, auch die Freylassung seines Bruders, des Bischoffs Gottfried von Lidda, wenn er die Uebergabe von Askalon erwirkte. Da berief der König Veit 8ü) Bohaed. O. 87) Cbcndaselbsi. Lü) Raä. Log. x. Z64. 89) Eaufricd Dinifauh ll- L) versichert, dag Saladin den gefangenen König überall in Syrien mit sich hcrumführte, nm durch ihn die Besatzungen der Städte zur Ue> bergabc bereden ;u laue» (nr ja 1n- OLtencialar nrbibns er popnlam in- citsrcr aä cieüitionem ). Hugo Plage» aber (S. b-c>) und Bernard (c. - 5 g) berichten, dasi Veit zu Damascus bewahrt und von dort in daS Lager vor Aslglon geführt worden scy. König Veit. 297 einige seiner Ritter aus der Stadt zu sich und redete mit ihnen vertraulich, wie er keinesweges ihnen zumuthetc, eine so wichtige Christliche Stadt um Eines Menschen willen in die Hände der Heiden zu geben; jedoch, falls sie die Stadt nicht vertheidigen könnten, möchten sie lieber jetzt, da sie ihm und seinem Bruder die Freyheit dadurch verschaffen -könnten, sie übergeben als späterhin, wo dieser Vortheil verloren seyn würde. Worauf die Ritter mit den Bürgern von Askalon zu Rath gingen und einig wurden, weil doch von keiner Seite Hülfe zu erwarten wäre, die Stadt durch Vertrag zu übergeben. Sie bedungen sich außer den von Saladin vorgcschlagenen Bedingungen, die Freylassung von zwölf andern vornehmen Gefangenen aus, deren Auswahl dem Könige überlassen ward, so wie vierzigtägige Frist zum Verkaufe ihrer Güter, frcycn Abzug mit aller fahrenden Habe und sicheres Geleit bis Tripolis, und hundert Christlichen Familien fernere sichere und ungestörte Wohnung in Askalon unter dem Schutze Saladins. Jedoch wegen der Freylassung des Königs wurde festgesetzt, daß diese erst im März des nächstfolgenden Jahres geschehen, und der König bis dahin zu Nazareth unter der Bewachung der Muselmänner bleiben, der Königin Sibylle aber vcrstattet seyn sollte, dort ihren Gemahl zu sehen. Denn der Sultan besorgte, daß die Rückkehr des Königs nach Jerusalem ihm die Eroberung dieser Stadt erschweren möchte °°). Gerade in der«.Text. 90) ,,I-e roi äelävre lui äisie- me yii'il ckoisiroir en 1a prisoir 8a- Plag. S. 6ir. Daher spricht Gaufried Viuisauf eine wahre Verleumdung aus, wenn er (I. 6) behauptet: „'I'z'rarl.iiitr xer-irrns er xer/Iclrrs re- irorem ^acti ex xarte rrairsZreäi- rnr. lecx enim Oamascrrm rrans- rnis-ikiö ikitionL risc^ne aä IVIajnm 5c- ciueiitciir rcnebur in vincnlis, ne- yue aliler xrotesi. eaif>rivus at-solvL irisi retzru- xriurinis a^uraro." 2Y8 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. V. 2'^hr. beir, in welcher die Acltesten der Bürger von Askalon im Lager des Sultans waren, um diesen Vertrag zu beschwören, verfinsterte sich die Sonne so sehr, baß fast nächtliche Dunkelheit eintrat, wodurch den Pullanen das Mitlcidcn selbst der Gestirne mit ihrem harten Schicksale angcdeuket r. S-xt. zu werden schien °Am andern Tage wurden die Schlüssel der Stadt, welche nur fünf und drenßjg Jahre die Christen besessen hatten, dem Sultan übergeben. Ast« kleinere Städte und Burgen um Askalon und Jerusalem ergaben sich hierauf Sen Heiden gleichfalls durch Vertrag ^). Auch die Vckre Krak wurde von der dortigen Ritterschaft übergeben, welche nach fast zweyjähriger Einschließung abacschnitten von aller Zufuhr durch Hunger war überwältig-t worden; und der Sultan, aus Achtung der Tapferkeit dieser Männer, welche ohne Herrn so lange ausgeharrt hatten, beschenkte diese Ritterschaft nicht nur reichlich und gab ihr sicheres Geleit in das Land der Christen, sondern kaufte auch die Weiber und Kinder frcy, welche mehrere des Volks für Lebensmittel verkauft hatten, und gab sie den Ihrigen zurück "). Nur die Ritter des Hospitals in Bethlehem antworteten den Heiden , welche zur Ucbcrgabe sie aufforderten, daß sie sich richten würden nach dem Bcyspiclc von Jerusalem "). Wahrend nun Saladin zur Belagerung von Jerusalem sich rüstete, verheerten streifende Scharen das umliegende eessii, Lol hii.rsi eomfi.rtic'ns dono L6i.ir.ru i.rnuiuil' äesecrtii eeiiptioo rirl-i er orki sirbrraxit." 6an.tr. Vinis. 1 . e. Auch Radulph CoggeS- hale (S. 565), Hugo Plagon (S.ü:2) und Bernard (o. 160) erwähnen dieser Jtnüemi!;. Sie war eine centrale. S. LLron.ol.ogie Les eetiirLes in L'arr Le veriüer les Lates bei) dem I. ng?. 92) ,.Qe jor 911' Lscslotte Io x>er- äiie, li roiräi 1'oir toirs tes eliLsli.riiL Hugo Plagon. Vgl. Lern. TLes. v. 160. SÄ »La, LoZAkkli, H. 5Sz, Land der heiligen Stadt, verwüsteten Bethanien, wo der I Eft». rig/. Heiland den Lazarus vom Tode erweckte, das Kloster der Prä- monstratenser Mönche St. Samuel auf dem Berge Silo, selbst die Kirche auf dem Oelberge, in deren Mitte man die Fuß, stapfen des Heilandes den frommen Wallfahrern zeigte, und dieJirche der Himmelfahrt Maria im Thale Josaphat ^). Mit Widerstreben aber rüstete sich Saladin zur Belage- Garung von Jerusalem. Denn er wünschte sehnlichst diese Stadt, eine der heiligen Statten auch nach dem Glauben der Mu- selmänner, unbeschädigt zu gewinnen "). Darum versuchte er zuvor vielfache Unterhandlungen und bor den Christen in Jerusalem vortheilhafte Bedingungen r Waffenstillstand für Jerusalem bis zum Pfingstfeste des nächsten Jahres,- reichliche Versorgung der Stadt mit allen Bedürfnissen, Befriedigung eines Umkreises von fünf Meilen zu ungestörtem Anbau des Landes und sichern« Verkehr, ja selbst die Bezahlung von dreyßig Tausend Dinaren zum Behufs der Ausbesserung der Mauern und Bollwerke. Dafür sollten die Christen in Jerusalem nur sich verbindlich machen, nach dem Ablaufe dieses Anstandfricdens die heilige Stadt zu übergeben, falls sie bis dahin keinen Beistand erhielten, wodurch ihre Lage verbessert würde. Auch versprach Saladin, die Christen von Jerusalem und ihre fahrende "Güter sicher in jede Gegend des Christlichen Landes, wohin sie wollten, zu führen, wenn sie die heilige Stadt ihm überantworten würden. An demselben Tage, an welchem die Stadt Aokalon dem Sultan übergeben wurde, waren Abgeordnete der Bürgerschaft von Jerusalem im Lager der Heiden, wel- AZ) III. 1. 6. 96) Nach Hugo Plagon ( 1 . 0.) sagte Saladin zu Valian, der mit ihm um die Bedingungen der Ueber- gabe der heil. Ltadt unterhandelte: N1S150N äe Oien er je ne nicttrois mio volontiere en 1« nnrir-on äe Oien, ne ne kerois asailijr, r>i je ne 1s. pLOLt avoir i>Lr x>es et Lmor." zov Geschichte der Krcüzzüge. BuchlV. Aap.v. 2-^Sr. Saladin die frühern Verheißungen wiederholte. Als diese aber ihm erklärten, daß die Bürgerschaft von Jerusalem nicht gesonnen wäre, die Stadt, wo der Sohn Gottes gelitten und sein Blut vergossen, in die Hände der Heiden zu überantworten: da soll Saladin geschworen haben, nach der Vereitelung aller seiner Bemühungen um billigen Vertrag, der ?tadt nicht anders Herr werden zu wollen als mit offner Gewalt Die Angelegenheiten der Stadt Jerusalem leitete damals Balian von Jbclin, welcher durch den Bruch seines dem Sultan geleisteten Eides zu dieser Gewalt gelangt war. Balian war unter den Gefangenen, welche mit der Eroberung der Stadt Berytus in die Knechtschaft der Heiden kamen , und verschaffte sich von dem Sultan nicht nur die Frcylassung durch die Ucbergabe seiner Burg Jbclin, sondern auch die Erlaubniß, aus dieser Veste seine Gattin und Kinder unter sicherm Geleite nach Jerusalem zu führen, jedoch mit der Bedingung, nicht länger dort zu verweilen als Eine Nacht, und überhaupt nicht ferner die Waffen zu führen wider die Muselmänner. Als aber Balian nach Jerusalem kam, drangen die Bürger in ihn mit der Bitte, daß er die Regierung der verlassenen Stadt übernehmen möchte; und als er sich entschuldigte mit seinem Eide, stellte der Patriarch Heraklius ihm vor, daß, wenn er die heilige Stadt ihrem Schicksale überließe, deren Rettung in dieser verzweiflungsvollcn Lage ihm allein möglich wäre, er unvers tilgbare Schande auf sich und sein ganzes Geschlecht laden, und eine größere Sünde begehen würde, als wenn er einen Eid bräche, den er einem Ungläubigen geleistet hätte. Auch löste der Patriarch die Verbindlichkeit dieses Eides durch seine S7) Hugo Piez. S. 6i2> 7-criurä. IMc!, c. I§c>. König Veit. Zvi geistliche Macht. Worauf Balian sich von den Bürgern huldigen ließ Als Saladin schon vor Askalon gelagert war, gab Balian ihm Nachricht davon, daß er sich genö- thigt gesehen, den ihm geschwornen Eide zn brechen, und bat um sicheres Geleit für seine Gattin und Kinder nach Tripolis. Oer Sultan achtete die Triftigkeit der Gründe, welche Balian vermocht hatten, seinen Eid zu brechen, und gewahrte sein Gesuch, indem er einen türkischen Ritter sandte, die Familie Balians nach Tripolis zu geleiten ^). Der Zustand der Dinge in der Stadt Jerusalem war auf das äußerste zerrüttet, als Balian die Regierung übernahm. Des armen wehrlosen Volkes, der Weiber und Kinder, welche von dem Lande auf die Nachricht von dem Unglücke bey Hittin in die Stadt geflohen waren, war eine so große Menge, daß sie nicht in den Häusern Obdach finden konnte, und der Lebensmittel war kein Ueberfluß *°°). Nicht mehr als zwey Ritter waren in der Stadt. Denn die ganze Ritterschaft von Jerusalem war bey Hittin vernichtet worden. Balian aber unterwand sich der Anordnungen, wel- 93) Hugo Plagen S. Ü 28 . Lern, gstics. c. iZ7. gg) ,,Ln siemantisre, ggio Salalra- äüi ln äevLiir Lecatone, It cteman- >r Hugo Plagen S. ÜIS. Schwerlich würden die Äreuzejlrltter gegen einen Muselmann ähnliche Billigkeit geübt hatten. re«) Hugo Plagen und Bernard. „Jeder Flüchtling," lieh Saladin selbst schreiben, „jeder Vertriebene hatte sich in diese Stadt zurückgezogen, die Nahen und Ferne» hatten sich dort eingeschtossen, sie glaubten sich dort durch die Gnade Eett. h geschützt und meinten, ihre Kirche würde sich ihrer annehmcn." S. ciiu - Ittair .-ci-lias ^Vinncct» in IVlicimrrü. hist, ctes croiernle» "v. II, x. 48L, I. Shr. « 87 - ;o» Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. V. t^Chr. ^ die Nothdurft erforderte, mit Eifer und Sorgfalt. Er schlug fünfzig der Tapfersten aus den Söhnen der Bürger zu Rittern und hielt diese und die ganze übrige streitbare Mannschaft an, täglich in der umliegenden Gegend umher zu ziehen, und des Viehes und aller andern Lebensmittel sich zu bemächtigen, und diese in die Stadt zu bringen. Auch ließ er gemeinschaftlich mit dem Patriarchen das Denkmal über dem Grabe des Erlösers hinwegnehmen, und aus dem Silber, womit es bedeckt war, Geld prägen, zur Unterhaltung der Ritter und Knechte Ueberhanpt ordnete Valian alles an, was nochwendig schien, um die Stadt gegen die Heiden z» beschirmen. Von allen Seiten strömten Mittlerweile zu Saladin die muselmännischen Kämpfer, um Theil zu nehmen an der Eroberung der heiligen Stadt Jerusalem, und selbst Greise, Weiber und Kinder kamen in großer Zahl, um mit dem Heere in die heilige Stadt der Erzvater einzuziehcn. Hierauf, nachdem von Saladin alles zu einer schweren Belagerung nöthige vorbereitet worden, überstieg daS heidnische Heer in wohlgeordneten Scharen das Gebirge, auf welchem ehemals so oft der fröhliche Jubel der von siegreichem und gesegnetem Kampfe wider die Heiden heimkehrcnden Frohn- ro.L-pl.kämpcn war gehört worden, und lagerte sich am Abende eines Donnerstages in unermeßlicher Zahl vor den Mauern von Jerusalem, an der mittäglichen Seite, von dem Thurme Davids, welcher gegen Abend ist, bis zum Thore des heiligen Stephan, welches gegen Morgen liegt. Zwar verstattete an roi) ,, is-or;. Ist Ueleen ä' Ibeliir oingn^nre 61g äi dorxois oieevs- Uers. " Hugo Plag. S oy. „ La- lisnris Klios c l kor^enses acciiieeos novos leoir 1 VION'.'.'' li-'iit. g'kes. « »57- Wahrscheinlich liegt i» den, Worte et die Zahl verborge», so dag Klios 1. durKeiisurill ji> verbessern ist. ioi) Hugo Plage» und Vernarb a a> S. König Veit. zv; dieser Seite Vie Steilheit der Höhe, auf welcher die Mauern gebaut sind, und die Tiefe derThäler, wodurch die Stadt Jerusalem dort von den sie umgebenden Bergen getrennt ist, die Aufrichtung weder von Wurfmaschinen noch anderem Belagerungszeuge. Aber Saladin hoffte noch immer die Uebergabe der Stadt durch Vertrag, und ließ auch daher, ungeachtet seines Gelübdes, aufs neue den Bürgern von Jcrusalem billige Bedingungen antragen, bevor er die Belagerung anordnere. Aber seine Hoffnung wurde getauscht. Der Kampf begann am andern Tage unverzüglich mit großer Heftigkeit, und achr Tage lang wurde gestritten von der Frühe des Morgens bis zum Abende. Alle Einwohner der Stadt unterwanden sich des Kampfes. Die Priester, Stifts- Herren und Mönche stritten bewaffnet auf der Mauer nicht Minder als die Ritter und Bogenschützen. Die Greise, Weiber und Kinder aber, und alle überhaupt, welche durch Alter oder Gebrechlichkeit unfähig waren zum Kampfe, durchzogen in Bittfahrten die Straßen und Kirchen und flehten zu Gott um seinen Beystand und Segen für die Kämpfenden. Die Ausfälle, welche die Christen unternahmen, waren so häufig, daß den Heiden während des ganzen Tags keine Ruhe vergönnt ward Auch begünstigte die Nähe des An»e1ioreL2S senio rrlleoros, L3N- oris 83iLcrorn.ru et iieretlit-ne kiucL- Lxi armaros incr-tic-re vi- äeret Kerrare: illlnc viäua?, or- x!i3nc>8 aä Do- rniuriur. exiensis «-cclesiss er xlateLK carervaliru et s^rurleiLti vul- tn rneeäere, »regne üiuvoenü 1»- ervrrial-iliter coricinin^re äi^in3M- clemerrtiftin k3iLcrornnicjne ^3» Iirnt?" 2llso Nadulpt) Coggei?bale, ein Auqenzcuge (S. 567). Was die christlichen Geschichtschreiber von der tapfcrn Vertheidigung der Stadt Jerusalem im Anfänge der Belagerung rühmen, wird vollkommen von Sari. Ehr. nS?. zv4 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. V. 2-^kr. unbesetzten goldnen Thors die Ausfälle. Als nun Saladin sah, daß seine Zurückhaltung nur das Vertrauen der Christen erhöhte; so beschloß er am achten Tage der Belagerung sein Heer an die nördliche Seite zu führen, wo die weitere Entfernung der Berge von der Stadt und sanftere Abhänge des hügeligen Bodens die Annäherung des Belagerungzeuges an die Mauer erlaubten "H. Als die Christen in Jerusalem sahen, daß die Heiden ihre Zelte abbrachen, erhob sich unbeschreiblicher Jubel; denn sic wähnren, daß Saladin durch ihren Widerstand ermüdet die Belagerung aufhöbe Aber ihre Freude verwandelte sich in bange Ahndung, als die türkischen Scharen an der andern Seite des Stephansthors von neuem sich lagerten, von dem Thals Josaphat bis zur Abtcy des Calba- rienberges'°°), auf derselben Stelle, wo die Wallbrüder der ersten großen Mcerfahrt vor fast hundert Jahren die heilige Stadt belagert und erstürmt hatten ^). Schon an diesem Tage und in der folgenden Nacht wurden zwölf Wurfmaschinen von den Türken errichtet. Am andern Morgen ließ larin selbst bestätigt: „In den Ausfällen , welche von ihnen zuvor waren gemacht worden, hatten sie einen unbegreiflichen Muth bewiesen unv ihre Angriffe waren schrecklich gewesen. " S. den Anm.ioo angefübrlen Brief Saladins S- 4 yr- ic>4) „Viäcns äeitigite Saiastiinis yuost uiiril xrolicerot Itcc sic gui- ücm xosse stamnarc civitarom, coc- xic cum suis circtimire et iulirma civitatis zwrscrtttari.et . . . aitgttittm civitatis versus Lgttiio- nem inliimum et aznnm »st 5iia «cetera invenit." Rast. Log. S. 668. „Saladin fand bald, dasi an der Seite, wohin er zuerst gekommen, die Thä- ler tief und die unbequemen Stellen zahlreich waren, und die Mauern die Stadt umgaben wie ein Halsband, in welchem die Tüürme die grosien Körner waren. Daher begab er sich an eine andere Seite, wo er für seine Wünsche eine Bahn und für seine Reiterei) einen Zufluchtsort fand. " Oetlre sto Salaäin u. s. w. S. 48y. Vgl. Hugo Plagon. S. 61Z. Lcrit. lNkos. c. 161. Vohaeddin S. 7 fl. 105) st'-ast. 6ogx. I. 0. roh) „Oos 1a z-orto St. Ostieitne jitSPtes ä ta xorlc stc losaxiiat ec Zttsgucs L 0at>daz-c stc IVloitt - Otivo- to." Hugo Plagon. io>7) S, Eesch. der Kreuzz. Th. I. S, - 7 g. König Veit. zo; Saladin seine zahllosen Horden in drey Schlachtordnungen gctheilt und mit großen Schilden und Tauschen wohl bedeckt vorrückcn gegen die Mauer *"), M ^ie Christen dieses große Heer in so trefflicher Ordnung sich anschiekeir sahen zum Sturme, entstand in ihnen eine solche Furcht, daß keiner es wagte, auf der Mauer zu kämpfen, und alle entweder mit frommen Sinne zum Tode sich vorbereiteten, oder auf die Flucht mit ihrer Habe und ihren Familien sannen. Einige wenige, welche einen Ausfall aus dem Thore Josaphat versuchten, wurden von den Türken jämmerlich zurückgetricben und vermehrten noch die Angst und Verzweiflung, indem sie durch die Straßen liefen und schrieen: Heilige Mutter Gottes, hilf uns. Das türkische Heer kam also ungehindert bis an die Mauer, beschoß die Mauer und Vormauer mit Pfeilen, Steinen und griechischem Feuer, und legte an die Varbakanen die Sturmleiter; und auch die Untergrabet begannen rüstig ihr Werk, untergruben in zwcy Tagen fünfzehn Klafter der Mauer, und füllten, indem sie den untergrabenen Thcil niederwarfen, den Graben aus zwischen der Mauer und den Varbakanen. Denn die Christen störten sie nicht in ihrem Werke Damit wurde auch das Kreuz niedcrgeworfen, welches die Wallbrüder der ersten großen Kreuzfahrt auf dieser Stelle dee Mauer zum Andenken der durch Gottes Hülfe von Gottfried von Bouillon und den andern Helden dieser Heerfahrt vollbrachten Eroberung der heiligen Stadt errichtet hatten "°). Die Mnthlosigkeit wurde endlich so allgemein, daß kaum noch zwanzig oder dreyßig Männer willig waren zum Was- iog) rnstin /Ist LalakacUn ' Ltilii.it, sul) sciitis ct tarciis et cnn» Lrmer ses elievaliers er kt trois /ra- arendus sä. saxittanäum. " Raä. tailles xour aller itssaillir 1a eite, Cox. p. §69. les larßes äevant ens." IIitAO 109) Hugo Plagoil. S. 614. krä. Vel co rmxlüiL 1)eue Armittos von- no) Oan/r. Vinis. L. g. LN. Banv. 2. ^ I. Ehr. L-S7. ze>6 Geschichte der Krenzzüge. Buch lV. Kap. V. 2-^r. fendienste, keiner aber Neigung hatte, die Wache auf der Mauer in der Nacht zu übernehmen. Vergeblich ließen Bas lian und der Patriarch durch den Herold fünf Tausend Bis zantien auSbieten, wenn fünfzig Knechte während der Nacht die Ritterschaft unterstützen wollten in der Vertheidigung der von den Heiden durchbrochenenOeffnung derMauer"*). Am folgenden Tage kehrte in viele der Christlichen Kam- pfer zu Jerusalem zwar nicht Muth zurück; aber Verzweifs lung bemächtigte sich ihrer Gemüther, also daß viele Ritter, Bürger und Knechte von Balian und dem Patriarchen forderten, in der folgenden Nacht wider die Heiden geführt zu werden, um im Kampfe als tapfere Männer zu fallen, und nicht den Schimpf der Uebergabe dieser heiligen Stadt an die Heiden zu erleben. Dagegen verlangten andre, daß Unterhandlungen mit Saladin begonnen werden sollten, um die Stadt, welche doch nicht gerettet werden könnte, mit billigem Vertrage zu übergeben Der Patriarch so wohl als die Königin Sibylla und Balian waren den Wüns sehen dieser furchtsamen Partey gewogen; und der Patriarch HerakliuS erinnerte die Kampflustigen an das große Unheil, welches durch solchen unnützen Kampf und ihren Tod sie über die Greise, Weiber und Kinder in der Stadt bringen würden, von denen fünfzig auf Einen streitbaren Mann zu rechnen wären. Worauf Balian den Auftrag erhielt, sich zu dem Sultan zu begeben, und die Uebergabe der heiligen Etadt Jerusalem unter der Bedingung des freyen und sichern Abzugs der wehrhaften Christen sowohl als der wehrlosen mit aller fahrenden Habe anzubieten m) Rart. x. A6g. 570 jaus." Hugo Plag. iuz) ,,VuIzu» itua i-urrnm guttm xavittum act et. regi- urui, Hut uidi xiLccraut, tiegueu- tec ocuuriit, NoNiMcr HuerNur» inst-ainer 8upi>li«:iu, u, cum üottla- i>4) Hugo Plagon. S. a,z. L«ru, rdcs. L, iS-, König Veit. ;<-7 Die Antwort Saladins auf diesen Antrag fiel nicht günstig ans, zumal da wahrend Balian im Lager der Heiden war, zehn oder zwölf Fähnlein der Heiden durch die Dresche der Mauer eindraugen, selbst die Mauer erstiegen, und das Panier Saladins auf einen Thurm aufpflanz» tcn"*). Da ermannte sich aber ein Ritter aus Deutschland und munterte seine Kampfgenossen mit kräftigen Worten ebenfalls auf zum Kampfe. Sie griffen die Heiden mit unwiderstehlicher Tapferkeit an, drängten sie aus der Stadt, gewannen ihnen den eroberten Thurm ab, und warfen das Panier Saladins hinab auf die Erde Diese tapfere That machte Saladin willfähriger, die bedingte Uebcrgabe der Stadt Jerusalem anzunchmen, und Balian wurde auf den folgenden Tag beschieden. Mittlerweile arbeiteten aber die Wurfmaschinen der Heiden ohne Unterlaß, und von einem Thurme wurde in der Nacht durch einen heftigen Wurf ein großer Theil mit solchem Geprassel herabgeworfen, daß in der Stadt die größte Furcht entstand und die Wachen in der Meinung, daß die Heiden selbst in die Stadt cingcdrungen wären, über Vcrrath schrieen'^). Am andern Tage wurde auf der ganzen Mauer von den Priestern und Mönchen ein feycrlicher Umgang gehalten mit dem Frohnleichnam, mit Kreuzen und Panieren und andern heiligen Zeichen unter inbrünstigem Gebete zu Gott und der heiligen Jungfrau um Errettung der heiligen Stadt; und die vornehmen Frauen ließen zum Zeichen ihrer Demüthigung vor Gott ihre Töchter entkleidet in Wannen, welche vor dem Calvarienberg gestellt und mit kaltem Wasser gefüllt waren, bis an den Hals sich untertan- chen, die Haare sich abschneiden und von sich werfen ,-Ä Hugo Plagon S. ü>g, Nor-.. Plag, S, ö-g. ü-z. 1. c. >l6'i Orinnii a° kr. Ll-sio Milan. Plag. S- Ü-L. Ncrrr. LL 70 lrlres. L. - 62 . ^ " u 2 2- CH». I--87. zoz Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. V. Aber weder das Gebet der Priester noch diese thörichteir Kasteyungcn der Kinder brachten den Pullanen Rettung von dem durch schwere Sünden verschuldeten Untergänge "H. Balian fand auch an diesem Tage bey Saladin anfangs kein Gehör; sondern der Sultan forderte unbedingte Ergebung in seine Willkür/ versichernd, daß er geschworen habe, keinen Vertrag den Christen in Jerusalem zu bewilligen. Als aber Balian mit Bitten in ihn drang, wandte sich gleichwohl das Ecmüth des edeln Sultans zur Milde Gott zu Liebe und Euch, Ritter/ zu Gefallen, sprach Saladin, mag ihr Habe und Gut ihnen bleiben, aber ihre Leiber sollen in meiner Gewalt scyn, wie in einer überwältigten Stadt; jedoch iig) ,, Mos unstre Sire se.-niz O!iri?r »c los voloit oir ae I>riere gnik koidSent, cer 1'oräo ^iiLnt Irixirre et levmiliie gni eil 1» cistv «scoit, ne Isikeoit imonter oroieoii ne xiiere ücveiit Oiou. " Hugo Plag. -M) Saladin berichtet selbst dis Ursache, welche ihn zur Milde bewog, in dem bereits mehrere Male angeführte» Briefe ( S. gyo) mit folgenden Worten: „ Al) man sich der Mauern bemächtigt batte, die Mauern cmblöst waren oon Vcrthei- digern und der Stein wieder zu Staub geworden war,wie er ehemals gewesen, endlich auch die Thors in dis Gewalt des Dieners Gottes (v. I. Saladins) fielen: Da verzweifelten die Ungläubigen und das Haupt der Gottlosigkeit, Ben oder Bezbarran, kam heraus und bat, die Stadt durch Derirag zu nehmen und nicht mit Gewalt. Die Erniedrigung VeS Unglücks und der Verzweiflung war ausgcdrückt auf dem Angesichte dieses Mannes, weicher zuvor sich königlicher Würde rühmte: und er, vor welchem zuvor niemand die Bugen zu erheben wagte, warf sich nieder in de» Staub und sprach: Dort (indem er nach der Siadt zeigte) sind Tausende von gefangenen Muselmänner». Die Franken aber sind übcreingekommcn, wenn ihrdieStadt mir Gewalt nehmt und die Last deS Krieges auf ihre Nücke» falten lassen wollt, alle diese Gefangenen zu erwürgen, und dann ihre eigenen Frauen und Kinder zu tödten, also dag ihnen nichts anders zu wünsche» übrig bleiben wird als der Tod: aber keiner wird sterben, ohne viele Muselmänner zuvor gewdtet zu haben. Oie Emire riothcn hierauf den angcbolcnen Vertrag anzunchmcn. Denn, sagten sie, es ist kein Zweifel, dasi dis Belagerten, wenn die Stadt mit Gewalt erobert werden sollte, sich blindlings in die Gefahr stürze» und ihr Leben für das, was sie so tapfer vertheidig- haben, zum Opfer bringen werden. " Nach Bo- haeddin (S. 74) wurden wirklich obngefähr drey Tausend gefangene Muselmänner in Jerusalem gefunden und bcfrcvt. König Weit. zog mag sich loskaufen aus dcr Knechtschaft, wer das Lösegcld aufbringen kann. Dann bestimmte Saladin das Lösegcld für jeden erwachsenen Mann, den armen wie den reichen zu zwanzig Bizantien, und zu zehn Bizantien für jede Frau und jedes Kind- Als aber Balian mit anhaltender Bitte um Minderung dieses Löscgeldes flehte, und mit eindringlicher Rede ihm vorstellte, daß nur die Bürger von Jcruscu lem vermögend genug wären, um ein solches Lösegcld zu bezahlen, des übrigen Volks aber aus den verschiedenen Ortschaften des Reichs, dessen eine zahllose Menge nach Jerusalem geflohen, kaum Einer von Hundert wäre, welcher zwey Bizantien zu bezahlen vermöchte: so ließ sich der Sultan erweichen, verhieß diese Angelegenheit weiter zu überlegen , und beschiel) Balian wiederum zu sich auf den folgenden Tag. Als Balian mit solcher Nachricht in die Stadt zurückkam - entstand große Bclrübniß, und besonders dcr Patriarch Hcraklius wurde sehr besorgt "'), weil es unmöglich schien, das Lösegcld für eine so große Menge Volk aufzubringen, auch wenn Saladin noch so niedrig es bestimmte. Die einzige Hülfe in dieser Verlegenheit war dcr Theil des von dem Könige von England nach dem heiligen Lande gesandten Schatzes, welcher noch in der Verwahrung der Ritter des Hospitals war. Auch waren der Commenlhur und die Ritter des Hospitals, als der Patriarch die Anwendung dieses Schatzes zur Loskaufung der armen Christen aus dcr Knechtschaft dcr Heiden forderte, sehr bereitwillig, die- ; 2 i) ,,Onant 11 lor or conl^, mrrlt Inrenr coroci«s i-or le merur iinople de clrv." Hugo Plagon. Nadulph Coggesbale gesteht aber dem Patriarchen und den übrigen Gewalthabern in Jerusalem nicht so vieles Miller- den zu „riacnit er»o serma Ists üoni'rrro er cel.eris lieerrnlLS liklit-k.-nir. IVIiradile H- cni.ni! ljnis riniqnrini siiäivir ralia ? kercs äestir prorium u.r all iiervtll« rate ölcrcr allernrs." x. §79. i. Chr. riö?. I. CIN-. i>87 Geschichte der Kreuzzüge. Buck, IV. Kap. V. ses Verlangen zu gewähren, da vorherzusehen war, daß dieser Schatz in die Hände der Heiden fallen würde, wenn der Vertrag nicht zu Stande käme. Aber damit war nicht aller Verlegenheit geholfen. Jedoch Balian erhielt Vollmacht, den Vertrag abzuschließen, unter so leidlichen Bedingungen als möglich. Balian fand auch bey dieser Unterredung den Sultan so bereitwillig, das Unglück der Christen zu lindern als mögt lich war. Denn er hatte dafür zu sorgen, daß die Hofft n»ng seiner Emire und ihrer Reiter auf eine reiche Beute nicht gänzlich getäuscht würde. Das Lösegeld wurde also festgesetzt zu zehn Bizantien für jeden erwachsenen Mann, zu fünf für jede erwachsene Frau, und zu Einem für jedes Kind; außerdem sollten noch sieben Tausend Arme zusammen für den Preis von hundert Tausend Bizantien die Frey- heit erhalten; und auch diesen Preis setzte der Sultan, als Balian versicherte, daß nicht die Hälfte dieses Geldes nach Bezahlung des übrigen Lösegeldeö in der Stadt vorhanden scyn würde, zu fünfzig Tausend lind zuletzt auf wiederholtes Bitten, zu dreyßig Tausend Bizantien herab. Zum Verkaufe der Güter, zur Bezahlung des Lösegeldes und rum Abzüge aus der Stadt wurde den Christlichen Einwohnern eine Frist von vierzig Tagen bestimmt, also daß derjenige, welcher nach dem Ablaufe dieser Frist noch in der Stadt senn würde, »nabwendlich in die Knechtschaft des Sultans fiele. Ferner machte sich Saladin verbindlich, diejenigen, welche nach Bezahlung ihres Lösegeldes auszögen, sicher geleiten zu lassen nach ihrer Wahl, entweder nach Antiochien oder nach Alexandrien, und ihnen in der letzten Stadt den Aufenthalt so lange zu gestatten, bis sie Schisse finden würden zur Uebcrfahrt ins Abendland. Auch erlangte es Balian, daß jwep Weiber und zehn Kinder für Einen Mann gerechnet König Veit. zu werden sollten und den streitbaren Männern unter den Auss 2^r. wandernden verstattet würde, sich zu bewaffnen, zu ihrem eignen und des übrigen Volkes Schutz gegen herumziehcnde herrenlose Räuber Als nun am Feste des heiligen Leodgarius diesen Vers Frentag trag die Herolde in den Straßen von Jerusalem verkündigten, wurde das arme Volk sehr unwillig gegen den Patriarchen und die Ritterschaft, und nannten sie laut ruchlose Mäkler, welche, wie einst der Verräther Judas Jscharioth, das Hciligthum für Geld vertrödelten An demselben Tage aber noch wurden die Schlüssel der Stadt an Saladin übers bracht und am andern Tage hielt der Sultan selbst mit großem Sonn, Gepränge seine» Einzug in die heilige Stadt, besetzte diea-E. Burg Davids, pflanzte auf die Thürme der Mauer seine Paniere und ließ alle Thore verschließen, mit Ausnahme des Thors von Joppe, durch welches den Muselmännern, welche kamen, um von den Christen zu kaufen, was diese feilboken, der Eingang in die Stadt erlaubt wurde Auf den heiligen Stätten, welche vor neunzig Jahren durch die fromme Tapferkeit des Herzogs Gottfried und seis ncr Kampfgescllcn von der schimpflichen Herrschaft der Muselmänner waren befrcyt worden, sahen nunmehr die Pullanen alle Gräuel des Heidcnthums wiederkehren. Die Fakih's und Kadi's und andere Priester weihten den Tems pel Salomonis wieder ein nach ihrer Weise und wuschen 122) Am auöführüchsicn werden diese Verhandlungen berichtet von Hugo Plago» S. Ü15 tlgd>, womit Bernar- duS zu vergleichen ist «. iüz. Die übrigen erwähnen ihrer nur mit wc- »igen Worren. >,l>orva»t," lägt Nadulxl>? 7 og, L-Shale (S> S7) dar Wolk von Jeru- rüg) Hugo Plagen < 2 . 617. Ucr». Urcs. c. 164. zir Geschichte der Kreuzzäge. Buch IV. Kap. V. rr> ei>r. ihn mit Rosenwasser, welches in fünf Camecllasien der Sultan aus Damascns hatte bringen lassen; und auf der heiligen Statte der Darbringung Christi im Tempel, wo bisher Christliche Lobgesänge waren gesungen worden, hörten die Pullane» mit dem Kittern Gefühl, daß ihre und ihrer Vater schweren Sünden dieses schreckliche Gericht Gottes herbcy- geführt, das lärmende Geschrey der Muselmännischen Priester und ihren jubelnden Ruf: Allah Akbar Auch ließ Saladin in dieser Kirche den Prcdiglstuhl anfrich-en, welchen schon Nurcddin hakte verfertigen lassen, um von demselben auf dieser heiligen Stätte das Lob Allah's verkündigen zu lassen; und der Scheich Mohammed Ebn Saki pries auf demselben am ersten Freytage nach ver Uebergabe in begeisterter Rede Gottes Herrlichkeit und die Hoheit des Propheten Mohammed, so wie die Heiligkeit dieser Stätte, und ermahnte die Muselmänner zur Dankbarkeit gegen Gort und zur Beständigkeit in der Tugend Den Calvarienberg bestieg gleichfalls ein Imam und verkündigte seinen Zrrglau- i2z) „lxinir et 6assi- rii, iilniisiri seUicet nes-näi erio- miini leiuplrun Domini,- l^uoä lZeUU -Urr vocaiir et <1110 niLSrnint §aU VLtionis UUrenr liäticlLm, äerunt, miuräLre aestiiNLiireir priori exuroitUs et inn§iti1)iis 1^orrU)Ui- 1)tis ^lLlioineti » iioUinis 1 -- iriis, vociferanllo I!-iUa IiLtioadci', HaU-t ^oUuerrrnt, coin- «^uäiiLVerunt omniL loes, giiLe in xo §1orio8L üUiini Del, ur enm Lecuaäuut 1e§onr Da- Plag. S» 62r. Ut-vn. e. 166. 126) ^I>nl 5 eä. mo 5 l. 1 '. IV. -S 82. Einen Auszug aus der Rede des Scheich in französischer lieber- seyuug bat Herr Michaud mirgerhcilt unter den Beylagen des zweuten Lheils seiner Geschichte der Kreuz- züge S. 492 flgd. Sie schcinr, eben so wie der vorhin angeführte Brief Sa adins, aus der Chronik des Ebn Ferat genommen zu seyn. König Veit. bell auf der Leidensstätte des Erlösers Die Kirche der Auferstehung wurde zwar nicht in eine Moschee verwandelt, aber ihre Heiligthümer wurden jedem preis gegeben, den Christen nicht minder als den Saracenen; späterhin wurde sie den Suriancrn für Geld verkauft Und j,i der Kirche außerhalb den Mauern, auf dem Orte, wo Christus bas heilige Abendmahl stiftete, hielt Malek al Adel, des Sultans Bruder, mit seinen Emiren ein lärmendes Gelag Mx Glocken, welche so oft die Christen zum Gebet und zu festlicher Feyer gerufen hatten, wurden auf das Geheiß Saladins zertrümmert Am meisten aber betrübte die Christen die Niederwerfung des goldenen Kreuzes von dem Tempel Salomonis, welches die Heiden eben so wie die Kreuze der andern Kirchen mit Stricken Herabrissen, und im Koche mit Schmach und Verachtung umherschleppten. Ein heftiges Klagege, sehrey wurde von allen erhoben, welche biefcu Gräuel erblickten; und es hätten manche Christen, im Unwillen und Unmuch über solche Schmach, vielleicht wieder zu den Waffen gegriffen, wenn nicht die ausgestellten zahlreichen Wachen der Türken sie geschreckt hätten "ch. 127) Ie§i? IVI.iliometic.ie eminentem Orlvume rn^em ascen- stit et idi lex «pnri.r äeclLMlNL ^ersonnlt, ledern mnrti« 6!iri- kdns in. crnce consnmöir." Oanfr. Vinis. I. 9. i2Z) Vincent. Lellov-tv. 5 r>eo. Lci- sror. vey Lern. 1 'lies. 0. 166. rüg) „. 4 . 8 cen« 1 it ex Lircra. flirre 8i- ^kiäin montem sgnctnmLion argne ecclesiam novi kLeramenti ce1ei)ra- r:one, Ire^ncnrLtione et orationc ^Vxostolornm et gstorios.ie vir§inis IVari^e ^' 05 t ^Lcensionem. Oowiui, ktävenrn. kvxirnns ?.incti Lnx»or 3x0- Ltolos in stie Leiitcoosteö, äormltio-' tuit." Lllä. 6o^es1i. S. >573. izo) Vii,c. LeUov. a. a. O. 15 t) Hnn. 1 N 05 I. a. N. O. BohaeV. S. 74- I^aä. Oo§x. S- 572. (-Lnlr. Vini 5 . 1. e. Hugo Plagon S. 621 . Der letzte Schriftsteller ist I. Ehr. »S7. I. Cl>r. --S7- ZI 4 Geschichte der Kreuzzüge. Blich IV. Kap. V. Aber ungeachtet aller Schmach, welche den Christen auf dem heiligen Boden von Jerusalem von den siegenden Muselmännern widerfuhr, bezeugen cinmüchig die Christlichen Berichte, daß Saladin mit edler Großmuth sich bemühte, das schwere Ungemach der Besiegten zu lindern, so viel er vermochte. Nicht nur handhabte er die Ordnung mit fester Hand und schützte die Christen gegen jede Näuberey und Ecwaltthätigkeit habsüchtiger Soldaten sondern er erleichterte es selbst den Armen sich loszukaufcn, zur Beschämung der hartherzigen vermögenden Pullanen, weiche, nachdem sie durch den Vertrag ihres Lebens und Eigcnthums sicher geworden waren, nur daran dachten, so viel des Ihrigen davon zu bringen, als irgend möglich. Zwar wurde verordnet, daß niemand von seinem Vermögen mehr behalten sollte, als hinreichen würde zu seiner eigenen Loskaufung und zur Reise in das Land der Christen; das übrige sollte er an den allgemeinen Kasten abgcben zur Loskaufung der armen Christen. Auch wurden aus jeder Pfarrcy der Stadt zwcy Bürger erwählt und beauftragt, die Armen jeder Straße zu verzeichnen und von jedem Vermögenden eine eidlich bekräftigte Angabe seines Vermögens zu fordern, um darnach zu ermessen, wie viel er abgcben müßte an den gemeinen Kasten. Gleichwohl wurde damit wenig gewonnen Die meisten reichen Bürger und selbst die Ritter des Tempels und Hospitals, kauften nur sparsam mit ihrem billig genug, den Sultan selbst van der Scbuld a» der vcrlwlmuug deü Kreuzest fr»,zus»rcchcn. ,,,le „e sti IZ,) ,,ll cn edseiine ste? IUC 5 äcns eilev.UieiA er ,lix serjans xorrr z,räcr I» Lite er >1 LLrstcrenr 5l Kien hii' ouyires n'oi on parier cls 77ie?pri>on <1lri Irrst Okre-. siiens, et ;r 1a mcsrire czn'il-! 1s- kvienL cle lerrrü.ilein» 1e loKeoieur tievaut 1'OsL äes 8an-.txin§." Hugo Plagon. i33) Hlrgo Plagon S. 6rZ. Leru. I'kes. o. König Deik. zi; eignen Ueberflusse die armen Christen los'"), und mit d. ?hr den^ dreißig Tausend Goldstücken des Englischen Schatzes konnten nicht mehr als sieben Tausend arme Christen befrcyt werden. Ganz anders handelten Saladin, sein Bruder Malck al-Adel und mehrere seiner Emire. Males al-Adcl erbat sich von dem Sultan Tausend Christliche Gefangene, und als sie ihm waren bewiliigr worden, gab er sic frei) ohne Löse« geld. Aus gleiche Weise verfuhren Malekal Modaffer, Emir von Edessa, und Schchabeddm, Emir von Bira, mit einer großen Zahl von syrischen Christen, welche sie, als gebürtig aus ihren Statthalterschaften, von dem Sultan sich erbaten. Dann schenkte Saladin sogar, auf die Bitte des Patriarchen um die Frcylassung des armen Volks, das sich nicht zu lösen vermochte, siebenhundert Armen die Frcyheit, und Balians Fürbitte hatte gleiche Wirkung. Nachdem er diese Birten erfüllt, soll Saladin also gesprochen haben: ,,Weil mein Bruder Malck al-Adel, und der Patriarch und Balian Mildthatigkeit geübt haben, so will auch ich solche üben." Hierauf gebot der Sultan am andern Tage, um die Zeit des Sonnenaufganges, die Pforte des heiligen Lazarus im südlichen Thcile der Mauer zu öffnen und alle arme Christen fcey zu lassen, welche nach strenger Untersuchung, ob sie auch irgend etwas trügen, womit sic sich loskaufen könnten, durch die Pforte ausziehen könnten von der Frühe des Morgens an bis zum Abende. Nach diesem allen blieben aber noch eilfTausend arme Christen in derSkla- vercy der Heiden, welche der Sultan nicht frey ließ, obwohl der Patriarch und Balian sich erboten, als Geisel in seiner 154) »»H liücliereur mes iioir List a Force 1c lor, xuiL^rrc raur com 11 äeussenr» car 11 äür les Lvoir ssscures. " Hugo Pl. voleur ore mie xror lor ton- S. 6lS. zi6 Geschichte dev Kreuzzüge. Buch IV. Kap. V. 2-^Thr. Gewalt zu bleiben, bis das Lösegeld für sie bezahlt würde; und Saladin gebot ihnen, mit weitern Bitten ihn nicht zu beschweren. Dagegen war der Sultan wieder von großer Milde gegen die Frauen und Töchter der Ritter und Bürger, welche in der Schlacht von Hittin waren gctödtet oder gefangen worden. Denn als sie nach ihrer Loelaffnng mit Thränen und Wehklagen seine Gnade anriefen, wurde sein Herz erweicht und er gab ihnen ihre Vater oder Ehemänner zurück, so viele deren in seiner Gefangenschaft waren, und beschenkte die verwittweten und verwaisten reichlich, jede nach ihrem Stande Bey fo vieler Milbe brachte alles von den Christen bezahlte Lösegeld dem Sultan nicht mehr ein, als zweyhuudcrt und zwanzig Tausend Byzanrien; und auch von diesem Gelbe blieb ihm selbst nichts, weil er es theils an seine Emire und die ihn begleitenden Gelehrten verschenkte, theils anwandte zur Gcleitung der nach Lyrus abziehenden Christen Denn für die Christen, welche sich losgckauft hatten und nach dem Christlichen Lande zogen, sorgte Saladin auch auf ihrer Reise mit Vebachtlichkeit. Weil ihrer so viele waren, daß sie nicht wohl auf Einer Straße ziehen konnten, so thcilte er sie in vier Haufen und gab deren Führung an die Tempelherren, die Ritter des Hospitals, Balian und den Patriarchen Heraklius, und wies ihnen drcy verschiedene Straßen an, also daß der Patriarch und Balian auf einer Straße zogen. Auch gab er jedem dieser Haufen fünfzig I 3 Z) Besonders Hugo Plagen erzählt sehr ausführlich von allen diesen Beweisen der großen Milde dcS Sultans gegen die unglücklichen Christen/ S. üi 8 flgd, Vgl. Lern. N'Ues. e. itich izö) Bohaed. S. 174. Nach Abul- feta l,S- 84) entging dem Sultan ein großer Theil des LöscgcldcS dadurch, daß die Christen seine Einnehmer zu hrirügen wußte». König Veit. zi/ Türkische Reiter zur Begleitung, wovon, täglich wechselnd, die eine Hälfte die Vorwache bildete, die andere die Hinterwache. Die Vorwache hatte besonders in der Nacht durch steteS Umherrcitcn die Carawane gegen Räuber zu beschirmen. Die Muselmännischen Reiter erfüllten ihren Auftrag so wohl, daß den Christen auf ihrer Reise durchaus kein Schaden geschah, und sie bewiesen selbst bcy jeder Gelegenheit Mitleid und Erbarmen mit den unglücklichen Christen. Wenn einer von ihnen, Mann oder Frau oder Kind, ermattete von der Reise, so ließen sie ihre Knechte absteigen, und von deren Rossen die Ermüdeten bis zur Herberge tragen; und die Kinder der Christen nahmen sie nicht selten vor sich aus ihre Pferde. Auch die Einwohner des Landes versorgten die Christen in ihren Herbergen reichlich mir Lebensmitteln Die Noch der auS Jerusalem auSgewanderten Christen begann erst, als sie daS Christliche Land betraten. Denn die Pullanen wurden so wenig durch den Anblick des Elends ihrer Mirchristen gerührt, daß sie vielmehr Härte und Grausamkeit wider sic übten. Der Graf von Tripolis verschloß den Unglücklichen die Thore seiner Stadt und ließ einen großen Theil derselben des Ihrigen, welches ihnen die Eroßmuth des heidnischen Sultans gelassen hatte, berauben, und erst als die Noch derer, welche es nicht vermocht hatten, den Weg nach Antiochien fvrtzusetzen, auf das Aeußerste stieg, ließ er sich bewegen , sie in die Stadt anfzu- nchmcn Der Königin Sibylle, welche nach einer traurigen Unterredung mit ihrem zu NeapoliS noch immer gefangen gehaltenen Gemahl, im Begriffe war, zur Fahrt nach dem Abendlande sich einzuschiffen, wurde ihr Schiff IZ7) Hugo Plggv» S- üi». Leru. rlics. a. a. O. I. CH». n87- »SS) Hugo Plag. S, 6o->. zi8 Geschichte brr Kreuzzüge. Buch IV. Kap. V. . pen Ty»rn entrissen, und sie war gezwungen, mit dem Patriarchen und den Rittern beydcr Orden nach Antiochien - sich zu begeben Selbst einen großen Theil der Christen, welche früher, hin aus Askalon und den umliegenden Burgen frcycn Abzug erhalten hatten, rettete nur die Menschlichkeit des Statthalters von Alexandrien in Aegypten, welcher ihnen nicht nur vcrstaltete, den Winter in der Nähe dieser Stadt zu, zubringcn, und sie schützte gegen jeden Schaden; sondern, als die Pisanischen, Genuesischen und Venetianischen Seefahrer, welche in dem Hafen ebenfalls den Winter zubrachr ten, sich weigerten, diejenigen mitzunchmen, welche nicht vermöchten die Ueberfahrt zu bezahlen und sich zu beköstigen, versah er die armen Pilger mit allen Bedürfnissen und ließ die wälschcn Schiffer nicht eher abfahren aus dem Hafen, als nachdem sie mit einem feyerlichen Eide ihm gelobt hatten, die Armen unentgeltlich eben dahin zu bringen, wohin sie die Reichen führten. Auch drohete er ihnen, für jedes Leid, welches sie diesen armen Christen zufügen würden, sich schwer zu rächen an den Kaufleuten ihres Landes, welche künftig nach Alexandrien kommen würden 159) Ouukr. Vrui». I. 10, IP>) Hugo Plage» a. a. o. B ey l ag en M- Geschichte der Kreuzzüge. Dritter Band, zweyte Abtheilung. nr Band. «. ü , Berichte des Abu Sch am ah über verschiedene Kämpfe Nureddinö wider die Christen. I. Zn S. - 3 . Verhältnisse Nureddins mit dem Reiche von Damascus. Jahr d. Fl. z-zö. Äus Abu Jalar Als Nurcddin vor Damascus lag, um die Stadt zu züchtigen, wegen ihrer Verbindung mit den Franken, so kam die Nachricht, daß die Franken sich sammelten, um denen von Damascus zu helfen, was alle fromme Gcmüthcr mit Bckümmcrniß und Unwillen erfüllte über solche bisher unerhörte Gottlosigkeit. Täglich aber wurde gestritten. Am 2Z des Monats Safar zog das Heer Nureddins aus dieser Stellung und begab sich in die Landschaften Fadaja und Halakbaltin und Chamesain, welche der Stadt gegen über liegen, von welcher Seite, so viel man weiß, noch niemals einer sich der Stadt zu nähern gewagt hatte. Hierauf am 20. Safar begab er sich in die Gegend von Daria, weil ihm Kunde war gebracht worden von der Annäherung des Heers der Franken nach dieser Stadt; denn er wünschte gar sehr mit ihnen zu kämpfen. Das Heer Nureddins war unzahlbar a 2 4 Berichte des Abu Schamah über verschied. und an jedem Tage mehrte es sich, weil von allen Seiten und Enden Turkomanische Scharen herbeykamen. Gleichwohl aber gestattete Nureddin keinem von seinem Heere zum Streit wider einen Muselmann auszugchen; obschon das Volk der Stadt in seiner Thorheit und Verblendung den Kampf ansiug, und niemals anders zurückkehrte, als mit großem Verlust. Nachdem er unter solchen Umständen lange Zeit bey Daria verweilt hatte, begab er sich in die Gegend von Awadsch *), weil das Heer der Franken dort in der Nähe war und die Absicht hatte ihn anzugreifen. Dann beschloß er nach Raidani sich zu begeben, um die Franken dorthin zu ziehen. Zugleich aber sandte er von seinem Heere eine Abtheilung von fast vier Tausend Reitern mit mehrcrn Anführern in das Land Hauran, weil die Franken dahin ihre Richtung genommen halten, indem er diesen Haufen gebot, sich mit den Arabern daselbst zu vereinigen und zu wachen auf den Anzug der Franken und ob die Miliz von Damascus mit ihnen sich vereinigen würde. Es begab sich aber, daß nach seinem Abzüge gegen Awadsch das Heer der Franken (bey Damascus) ankam, am Z. des Monats Radial-awwal; eine große Zahl von ihnen begab sich auch in die Stadt, um zu verabreden, was ihnen Noch war. Worauf Modschireddin und der Prinz, in dessen Namen er regierte, mit ihrem Gefolge und vielen ihres Volks auszo- gcn zu dem Könige der Franken und dessen Gefolge; sie fanden zwar bey ihm nicht die Menge und Macht, welche sie erwartet hatten, verabredeten aber doch gegen das Schloß Dosra zu ziehen, um es zu überwältigen und das Land umher zu verwüsten. Das Heer der Franken zog hierauf nach Ras al-M" - die Miliz von Damascus aber war nicht 'i ; Kämpfe Nureddins wider die Christen. gerüstet wegen der Schwäche und Uneinigkeit/ welche in der Stadt herrschte. Das Heer Nureddins, welches nach Hau- ran geschickt war, und die Araber, welche sich demselben angeschlossen hatten, zogen in das Land der Franken, um ihnen Schaden zuzufügen. Das Heer der Franken aber zog nach Hauran, um sich dort zu vertheidigen. Als Nurcddin dies vernahm, begab er sich nach Ain aldscharr, was in der Landschaft Bakaa liegt, um nach Damascus zurückzukehren/ und den Kampf mit den Franken und der Miliz von Damaskus zu suchen. Die Franken aber, nachdem sie sich mit der Miliz von Damascus vereinigt hatten, zogen gegen Bosra, um diese Burg zu belagern und zu berennen; aber es gelang ihnen nicht, und Scrchak, der Befehlshaber von Bosra, fiel mit seinem Fußvolk über sie, so daß sie mit großem Verluste abzogen. Die Miliz der Franken kehrte hierauf in ihre Heimath zurück, woher sie an Modschircddin und seinen Prinzen Abgeordnete schickten, um den Rest des ihnen verheißenen Tributs für die Abwehrung Nureddins zu fordern, indem sie sprachen: „Wenn wir ihn nicht abweh- rcn, so zieht er nicht ab von Euch! II. Zu Seite rg. Streit Nureddins mit dem Fürsten von DamaScuS. 2 » i). Fi» 249» Aus dem Berichte des Raijis Abu Jala Al Temimi: Es kamen Nachrichten auf Nachrichten in das Land des Nureddin, als er eifrig beschäftigt war, Truppen und Turkomanen zu sammeln aus den übrigen Landschaften und Städten, um die Abgötterey und die Irrlehre zu bes 6 Berichte dcL Ab» Scham ah über verschied. kämpfen, und dem Volk von Askalon zu helfen gegen die Franken, welche vor der Stadt lagen und sie schon mit Bc- lagcrungszeng sehr hart bedrängten; diese waren sehr zahle reich, und schon war die Sache auf das Aeußerste gekommen. Da begab sich Modschircddin, Fürst von Damascus, znNur- eddin mit dem auserlesensten Theile feines Heers, um ihm beyzustehen im heiligen Kampfe, am ig. des Monats Mo- harrem, und vereinigte sich mit ihm im nördlichen Lande. Nnreddin aber hatte sich bereits mit dem Schwerte der Burg Adslis, einer ungemein festen Burg, bemächtigt, und alle Franken und Armenier, welche darin waren, erschla- gen; auch dae Heer hatte viele Beute und viele Gefangene gemacht. Sie lagerten sich hierauf vor der Stadt Pancas im letzten des Monates Safar, welche von Besatzung ent- blöst und leicht zu erobern war. Von Askalon kamen indeß häufige dringende Bitten um Hülfe und Deystand. Gott aber hakte beschlossen, daß zwischen ihnen Entzweyung und Kampf entstehen sollte. Obwohl sie zehn Tausend Mann zu Fuß stark waren, und kein Franke auf ihren Weg kam, und kein Heer sich ihnen näherte, so ließen sic doch davon ab und begaben sich nach Alawadsch. Dann aber beschlossen sie wieder nach Paneas zurückznkchren und diese Stadt zu erobern, und auch dieses gaben sic nutthlos auf ohne alle Ursache und Veranlassung und trennten sich von einander. Modschircddin begab sich, ohne an seiner Person noch seinem Heere einigen Schaden genommen zu haben, nach Damas- cus, wo er am ir. Rabi alr awwal ankam, Nnreddin aber kehrte nach Emcssa zurück mit seinem Heere. Bald darauf kam die Nachricht von der Ankunft einer Aegyptischen Flotte bcy Askalon, wodurch der Muth der Belagerten wieder aufgcrichret wurde; sie bemächtigten sich auch einer großen Zahl vön fränkischen Schiffen auf dem Meer Kämpfe Nureddins wider die Christen. 7 re. Die Franken aber setzten die Derennung und Belagerung der Stadt und das Stürmen gegen sie vermittelst des Thurmes gleichwohl so lange fort, bis ihnen endlich das Eindringen in die Stadt von der einen Seite der Mauer möglich wurde, woraus sie die Mauer nicderwarfen und in die Stadt eindrangen. Von beyden Seiten wurden zwar viele getödtet; endlich zwang aber die Noth und die Unmöglichkeit des langem Widerstandes die Muselmänner um Frieden zu bitten, welcher ihnen auch bewilligt wurde; und wer wegkommen konnte, begab sich zu Lande oder Wasser nach Aegypten und andern Gegenden. Es wird behauptet, daß in diesem Platze von Kricgsbedürfnissen und Geld und Mundvvrräthen noch eine unermeßliche Menge vorhanden gewesen sey. Man erzählt, daß die Nachricht von diesem Verluste große Betrübniß und Beängstigung überall hcrvorgcbracht habe; aber Dank sey Gott, welcher den nicht verstößt, welcher seinen Rathschluß durchdringt und den nicht verwirft, an welchem sein Wort besiegelt wird, indem dieses gleichwohl erfüllt und.vollbracht wird. Jahr 549. Aus Ebn al-Athir: Zn diesem Jahre bemächtigte sich Nureddin der Stadt Damascus und entriß sie ihrem bisherigen Herrn Modschircddin Abek. Was aber Nureddin bewog die Besitznahme davon zu beschleunigen, war, daß die Franken im vorigen Jahre der Stadt Askalon sich bemächtigt hatten, der festesten und schönsten Stadt von Palästina. Als die Franken die Stadt belagerten, war Nureddin sehr betrübt, daß er nicht im Stande war, sie darin zu stören, weil Damascus auf dem Wege lag und er keine andere Straße hatte, um in die Mitte des Landes der Franken einzudringen. Das Reich der Franken hatte aber 8 Berichte des Abu Schamah über verschied. sich so sehr gehoben, daß sie selbst nach dem Besitze von Da» mac-Sns trachteten, und den Modschireddin hatten sie auch schon sehr geschwächt, und ließen Einbruch auf Einbruch in sein Fürstcnthum folgen, und mordeten und plünderten und raubten Gefangene, und endlich kam es so weit mit den Muselmännern, daß die Franken selbst den Einwohnern der Stadt einen jährlichen Tribut auferlegten, welchen alljähri lich ein fränkischer Abgeordneter, welcher nach Damascus kam, von den Einwohnern erhob. Hernach sanken die Damas» cencr sogar so tief, daß die Franken durch einen Dcvollmäch» tigten ihre Knechte und Mägde musterten, welche sw aus an» dern Christlichen Ländern hinweggeführt hatten, und diesen die Wahl ließen, bcy ihren Herren zu bleiben, oder in ihre Hcimath zurückzukehren. Modschircddin kam dadurch um alles Ansehen, so daß er von dem Volke selbst in der Burg Mit verschiedenen Personen, unter welchen auch ein Mann war mit Namen Mowaijed cddin Ebn Sufi, eingeschlossen ward. Als die Angelegenheiten in Damaskus also standen, gerieth das Volk in Furcht und ängstigte sich wegen der Feinde. Ew wandten sich endlich im Gebet zu Gott und flehten ihn an, ihnen zu offenbaren, was sie von dieser Furcht erretten könne, und Gott erhörte ihr Gebet und be» schloß sie aus ihrer Noch zu bcfreycn durch einen Mann, dem sie am liebsten gehorchten, und dessen Leben und Wanr del sie verehrten, nemlich durch Nureddin, der wirklich war, was sein Name Malek al Adel bedeutet, nemlich ein gerechter König. Gott gab es ihm in den Sinn und ließ ihn Gefallen finden an dem Plane, Damascus zu erobern. Als nun Nuredyin darüber nachdachte, so sah er wohl ein, daß wenn er die Stadt mit Gewalt und durch Berennung bezwingen wollte, ihm solches mißlingen könnte, weil ihr Kämpfe Nureddins wider die Christen. - Fürst, sobald er solches merkte, sich an die Franken wenden und diese zu Hülfe rufen würde, Während der zehntägigen Belagerung schrieb Modschireddin an die Franken, und versprach ihnen Geld und die Veste Baalbek, aber che sie sich sammelten und herbcykamen, erhielt ten sic die Nachricht, daß Nureddin bereits Herr von Damascus geworden war, worauf sie heimlich und betrübt zurückkehrten. Aus Ebn Al - Athir: Als Nureddin Herr von Damaskus geworden, fürchteten sich die Franken sämmtlich vor ihm gewaltig; denn sie wußten wohl, daß ex sich nicht des Kriegs gegen sie und ihre Länder enthalten würde« Darum schickte jeder Graf und Baron an ihn Botschafter und suchte sich mit ihm zu vergleichen. Auch die in Tellbascher schickten zu ihm und boten ihm die Ucbergabe ihres Platzes an. WoraufNureddin dcmEmirHassan, einem der angesehensten Emire, welchem die Stadt Mambedsch als Lehen zugetheilt war, es übertrug, die Besitznahme zu bewerkstelligen. Dieser nahm also Tellbascher in Besitz, befestigte die Burg und brachte dahin viele Schätze. 10 Berichte des Abu Sch am ah über verschieb. III. Zu S. 41. Belagerung der Burg Harem. I. d» Dl. ZHi» Aus Ebn Al-Athir: Zn diesem Jahre belagerte Nurcddin die Burg Harem westlich von Haleb, ganz nahe bcy Anciochien, und ängstigte die Einwohner gar sehr. Es war aber diese Burg eine der festesten auf der Grenze (dein Nacken) der Muselmänner. Auch sammelten sich die Franken aus der Nahe und Ferne, um sie zu verteidigen. In der Burg aber war einer der ärgsten Satane der Franken, auf dessen Rath sie wieder sich zurückzogen. Denn dieser that ihnen kund, wie er für sich im Stande wäre, die Burg zu behaupten und zu verteidigen, sowohl durch die Truppen, Waffen und Vorräte, welche er besäße, als durch die Festigkeit der Burg. Er rieth ihnen dagegen, den Krieg in die Lange zu ziehen und das Schlagen zu vermeiden. Wenn ihr, sprach er, mit ihm euch einlaßt, so überwindet er euch und nimmt dann Harem. Wenn ihr aber euch vor ihm hütet, so sind wir im Stande, uns gegen ihr, zu halten. Sie folgten diesem Rath und beschickten den Nurcddin wegen Frieden, indem sie einen Theil des Gebiets von Harem ihm anboten. Er aber wollte unter keiner andern Bedingung Frieden bewilligen, als wenn sie ihm die Hälfte jenes Gebietes abträten, worein sie willigten.. Nachdem er also den Frieden geschloffen, kehrte er heim. n Kämpfe Nureddins wider die Christen. IV. Zu S. 45 - Niederlage der Christen bey der Furth Jakobs. Z. d. Fl. 552. Aus Abb » Iala. Am 9. des ersten Dschcmadi kam eine Taube herab mit einem Briefe aus dem Lager des Nur« cddin, welcher dre Nachricht enthielt, daß Nureddin, als er vernahm, daß die Franken am See von Liberias und Paneas gelagert waren, wider sie zog mit einem Heere aus Türken und Arabern in Eilmärschen, und als er sich ihnen näherte, ohne daß sie es gewahr wurden, und als plötzlich sie seine Paniere erblickten, welche sie schon beschatteten, so brachen sie hervor mit der Stärke der Waffen und Rosse, und theilten sich in vier Scharen und griffen die Muselmänner an. Jndeß aber ritt der König Nureddin hervor und mit ihm die Tapfersten, und bedrängten sie mit Pfeilen und Lan- zenstößen, bis daß ihnen die Füße wankten und Verderben und Tod über sie kam. Also gab Gott den Muselmännern den Sieg, und sie wurden Herren über die Ritter der Franken mit Tödten und Gefangenneßmen, und die Schwerter durchbohrten die Männer in großer Zahl, also daß nur zehn Männer entkamen, unter denen auch ihr König gewesen scyn soll; sein Sohn aber wurde geködert in dem Getümmel der Schlacht, ohne daß der Vater davon die Kunde erhielt. Won dem Heere der Muselmänner fehlten aber nicht mehr als zwcy Männer, einer war von den wichtigen Streitern, dieser hakte vier vornehme Frauken getödtet und siel dann selbst, als sein Ziel nach dem gnädigen Beschlüsse Gottes gekommen war. Der andre war ein unbekannter Fremde. Beydc starben als Märtyrer, denen Gott Belohnung und Vergeltung nicht versagte. Das Heer der Muselmänner machte Froße n Berichte des Abu Schamah über verschied. Beute an Rossen, Waffen, Knechten und Zeltgeräth. Auch die Kirche der Franken mit ihren schönen Gcräthcn fiel in die Gewalt des Königs Nurcddin. Es war ein entschiedener Sieg und ein herrlicher Gewinn- Die Gefangenen und die Köpfe der Erschlagenen kamen nach Damaskus am Montage, dem nachfolgenden Tage nach dem Siege. Auf jedes Kamee! hatte man zwcy Ritter der Franken gesetzt mit einer ausger breiteten eroberten Fahne, und daran hingen die Felle von einer Anzahl von Köpfen der Erschlagenen mit ihren Haaren. Die vornehmen Gefangenen, die Herren von Burgen oder Landschaften saßen jeder auf einem Pferde mit Panzer und Helm gerüstet, und in der Hand eine Fahne haltend. Das Fußvolk aber ging zu drey und vier, mehr oder weniger an Einem Stricke. Eine unzählbare Menge Volks ging aus der Stadt ihnen entgegen, Greise und Jünglinge und Weiber und Knaben um zu schauen, welchen herrlichen Sieg Gott allen Muselmännern verliehen, sie dankten Gott und priesen Nurcddin, der sie also beschirmte und vertheidigte, und lob» tcn seinen Edclmuth und seine herrlichen Thaten. Nureddin begann hierauf in ihre Landschaft einzudringen, um sie zu bezwingen und zu unterjochen, mit Aufmerksamkeit und Vorsicht. Kämpfe Nureddins wider die Christen. iz V. Zu S. ;z. Kampf bey der hölzernen Brücke. I. d. Fl. 553. Es wurde die Nachricht gebracht vom Heere, daß die Franken sich gesammejt und wider das Lager bewegt hatten, worauf aber Nureddin sogleich mit dem Heere auf- gebrochen war; es waren auch die beyden Heere zusammenge- stvßen, worauf es sich aber fügle, daß einige Führer des Heers feig wurden und die Reihen verließen. Nureddin aber blieb fest auf feinem Platze mit einer kleinen Zahl seiner tapfersten Trabanten im Angesichte der Franken. Diese aber warfen unaufhörlich Pfeile auf diese kleine Schar und tödtetcn ihrer und der Rosse eine große Zahl, bis sie endlich aus Furcht vor einem Hinterhalte der Muselmänner die Flucht nahmen. Also wurde Nured- din durch Gottes Hülfe und seine ungemeine und wunderbare Tapferkeit und Unerschrockenheit aus der Gewalt der Feinde befreyt und kam glücklich in sein Lager zurück. Diejenigen aber, welche davon die Ursache gewesen waren, daß er mitten zwischen die Feinde gcrathen war, wurden mit Schmach bedeckt. Hierauf ging ein Thcil der Franken in die Heimath zurück; ihr König aber schickte an Nureddin Boten, welche Frieden und Waffenstillstand anboten. Obwohl der König den Frieden sehr heftig wünschte und mehrere Gesandtschaften gewechselt wurden, so kam er doch nicht zu Stande. Nureddin aber kam wohlbehalten nach Damaskus zurück. Aus Abulfathach: Es kam zu «ns die Nachricht, daß Nureddin ausgezogen scy zum heilige» Kriege im I. 553, Gott aber es verfügt habe, daß das Heer der Muselmänner zur Flucht gebracht wurde, und der gerechte König (Malek al - Adel) nur zurückblieb mit einem kleinen Häuflein und »4 Berichte des Abu Schamah über verschied. einer gerinnen Schar, stehend auf einem Hügel, welcher Teil Hobaisch hieß. Schon hatte sich das Heer der Ungläubigen so sehr genähert, daß das Fußvolk der Muselmänner sich vermischte mit dem Fußvolke der Ungläubigen. Und es stand ihnen Nureddin gegen über, das Gesicht gewendet gegen die Keblah des Gebets, inbrünstig und still also zu Gott betend: „O Herr der Knechte, mir schwachem Knechte hast du die Herrschaft gegeben über dieses Reich und dieses Regiment verliehen, ich sorgte für die Wohlfahrt deines Landes und für das Seelenheil deiner Knechte, ich gebot ihnen, was du mir gebotest, und untersagte ihnen, was du mir untersagtest, entfernte von ihnen den Jrrthum und verbreitete die Kcnntniß deines Glaubens in ihrem Lande, und nun fliehen die Muselmänner, und ich vermag es nicht diese Ungläubigen zurückzntreiben, die Feinde deines Glaubens und deines Propheten, und habe keine Gewalt als über dieses mein Leben, und dieses überlasse ich ihnen im Kampfe für deinen Glauben und im Streite für deinen Propheten." Da erhörte Gott fein Gebet und wandte wieder zu ihm seine Gnade, und warf in ihre Herzen den Schrecken und Jrrthum, also daß sie stehen blieben auf ihren Plätzen und nicht wagten vorwärts zu gehen, indem sie glaubten, daß der gerechte König wider sie List übte, und das Heer der Muselmänner ans seinem Hinterhalt hcrvorbrechen und keiner von ihnen ctttkommen würde, wenn sie vorwärts gingen. Also blieben sie stehen und gingen nicht vorwärts wider ihn. Abulfathach sagt: wenn Gott nicht diese Furcht ihnen cin- gegeben hätte, so würden sie die Muselmänner zu Gefangenen gemacht haben, und es wäre nicht einer entronnen. Als nun das Heer der Ungläubigen also still stand, so traten zwey von ihnen hervor, turnten zwischen den beydcn Schlachtordnungen und forderten den Tod von den Muselmännern^ Kämpfe Nureddins wider die Christen. i; worauf Nureddin dem Chatlach, dem Priester des verstorbenen Emadeddin, hervorzugehen hieß gegen diese beyde. Dieser ging hervor, turnte einige Zeit zwischen ihnen bcsdcn, dann stürzte er sich auf den einen von ihnen und erschlug ihn; hierauf turnte er wieder einige Zeit und täuschte den andern durch List, dann näherte er sich der Schlachtordnung der Ungläubigen, stürzte sich auf jenen andern und erschlug ihn ebenfalls. WorauferwiederzurSchlachtordnungzurückkehrte. Der Scheich David aus Jerusalem, der Diener des Grabes von unserm gebenedcyetcn Propheten, berichtet über diese Begebenheit also: Der König von Jerusalem hatte mir ein Maulthier geschenkt, worauf ich an diesem Tage ritt, als ich Unit dem gerechten Könige Stand hielt. Und als die Ungläubigen herbeykamen und in die Nase meines Maullhiers der Geruch von den Pferden der Ungläubigen kam, da wieherte es aus Verlangen nach den Pferden. Sie aber, als sie das Gewieher meines Maul« thiers hörten, sprachen: Das ist David, der auf dein Maulthicre reitet, mit Nureddin, welcher dort Stand hält. Und wäre dabey nicht List und Hinterhalt von den Muselmännern: warum würden sie Stand halten mit einem so kleinen Häuflein und einer so geringen Schar? Dieses hielten sie für gttviß und wagten deshalb nicht sich zu nähern. Er fährt dann also fort: Alle, welche mit dem Könige waren, gingen zu ihm, küßten vor ihm die Erde und sprachen: O Herr, ihr seyd der König über alle Muselmän- mer in diesem Lande und in dieser Gegend, wenn niin, was Gott abwenden wolle, durch die Ucbcrmacht der Franken ein Unfall über die Muselmänner käme, wer würde ihn bessern können? Er sprach und schwur, das würde der Scheich David können. Da ergriffen sie aber den Zügel seines Rosses wider seinen Willen und führten ihn von diesem Orte »6 Berichte des Abu Schamah über verschied. hinweg. De 'n sein Wille war es nicht, diesen Ort zu verlassen. Als nun die Franken solches erfuhren, und vernahmen, daß keine List und kein Hinterhalt Statt gefunden hatte, so bemächtigte sich ihrer die heftigste Reue. V. Zu S. 64 flgd. Kaiser Johann in Syrien. I. d. Fl. 553. 554. I. 553. AusAbuIala: ES kam die Nachricht aus dem Lande von Constantinopel iin Monate Dsulhadschah, daß der König von Rom auSgezogen sey mit zahlreichen Scharen, um die Provinzen und Burgen der Muselmänner anzugreifen, und nach Murudsch eldibadsch gekommen sey und dort sich gelagert, auch seine Scharen auSgesandt habe, zur Verheerung deS Landes von Antiochien. Aber schon hatte ein Stamm Tur- komanen über die Römer einen Sieg gewonnen, und zwar zu der Zeit, da sie viele der Schlösser und Burgen deS Königs Leo von Armenien erobert hatten. Als Nureddin dieses vernahm, so sandte er sogleich an alle Befehlshaber von Provinzen und festen Städten Briefe, worin er ihnen Nachricht gab von dem, waS die Römer unternommen hatten, und sie ermahnte zur Aufmerksamkeit und Wachsamkeit, so wie auch zu thätiger Rüstung zum Streit und Muthigem Widerstande. I. 554. Aus demselben Schriftsteller: Es war von dem Könige von Rom aus dessen Lager ein Gesandter ange- Kämpfe Nureddins wider die Christen. 17 kommen mit einem Geschenk von gestickten Kleidern und an, dern Dingen für Nureddin, und mir ehrenvollen Reden und Ehrenbezeugungen, und war auf gleiche Weise ausgenommen worden. Cr berichtete im Namen des Kaisers, daß zwischen ihm und dem Könige der Franken Frieden und Waffen, stillstand geschlossen worden sey. Gott gab aber alles von ihnen beyden gestiftete Unheil ihnen selbst zurück, und ließ sie den Lohn ihrer Treulosigkeit und Vetrügcrey schmecken. Aus dems. Schriftsteller: Es kam aus dem Rci, che der Römer die Nachricht, baß der Kaiser einen Zug gegen Antiochien vorhatle. Er zog hierauf gegen die Vesten der Muselmänner und kam dem Nurcddin zuvor, indem er in Syrien einbrach. Das Volk dieser Gegend aber gerieth in große Furcht vor der Beschädigung durch die Römer und Franken. Er zog dann mit seinem Heere in die Gegenden von Hcms, Hama und Schaisar. Aus dems. Schriftsteller: Es wurde der Waffen, stillstand, welcher zwischen Nureddin und dem Könige der Römer geschlossen war, erneuert, nach wiederholten gegen, seitiaen Gesandtschaften und Forderungen. Dem Könige der Römer wurde gewährt, was er suchte, nemlich die Frey, lassung der fränkischen Fürsten, welche in der Gefangenschaft Nureddins waren, und dies crwiederte er mit gleicher Frey, gcbigkcit durch Geschenke an kostbaren schön gestickten Klei, dern in großer Mannigfaltigkeit und Zahl, köstlichen Edel, steinen, prächtig verzierten Zelten und den schönsten Gebirgs, pfcrdcn. Nach diesem begab stch Nureddin wieder in sein Land, mit Ruhm und Lob verherrlicht. Denn er hatte kci, neu Muselmann in der zweyten Decade des ersten Dschnmadi beschädigt, und alle Herzen erfreuten sich wieder nach der bisherigen Angst und Unruhe. lii. Sand, r. b r8 Berichre b. Abu Schamah üb. vers. Kämpfe re. Aus dems. Schriftsteller: Nach diesem kam die Nachricht, daß Nureddin seinem Bruder Kotbcddin und dessen Heere, und allen den Führern und Officicrcn und deren Hccrgesellcn, welche ausgezogen waren zum Streite wider die Römer und Franken, ein großes herrliches Gastmahl bereitet, und sie beschenkt hatte mit einer großen Zahl von Arabischen Hengsten und Stuten und Maulrhicren, mit Ehrenkleidern aller Art und unermeßlichem Golde. Es war ein glänzender Tag durch Pracht und Herrlichkeit. Es begab sich aber an diesem Tage, daß ein Haufen von fremden Tur- komanen die Sorglosigkeit der Leute, welche sich mit dem Feste beschäftigten, und die Gelegenheit zum Rauben bemerkten, und die Araber vom Stamm Samah und einige andere verjagten und ihr Vieh vertrieben. Als aber Nureddin solches vernahm, so sandte er sogleich zahlreiche Truppen ihnen nach, welche sie erreichten, ihnen abnahmcn, was sie geraubt hatten, und solches den Eigcnthümern zurückstelltcm Druck- Druckfehler. Seite 45 Zeile Z statt Jbclim l. Jbelin, und auf gleiche Weise ist an mehrern Stellen zu verbessern. — 49 — 6 st. Emirs l. Emiren. Ebendaselbst ist am Ende der Anmcrk. 67 hinzu zu sehen: Abu Schamah. — 59 — 8 ist das; zu loschen. — 86 — 19 statt Heere l. Herrn. — ioa — 7 st- wäre l. fty. — i2o — 7 ist nach dem Worte jedoch einzuschaltcn: wiederum. — 142 ist die Zeitangabe: „März 1:72" an den Anfang des Absatzes zu rucken. — 184 — 188 ist die Jahrzabl oben am Rande der Seite 1177 zu lesen statt 1178. — 272 Z. 4 von unt. st. Dotaim l. Dotai». — 28z Z. z st. sehnlichst l. sehnlich. — 289 Z. 20. st. Zeuge l. Zeugen.