-48 Geschichte der Kreuzzüge. Buch IV. Kap. IV.
2 . Ckr. der Graf Raimund schäfte mit großer Klugheit und Tätig-keit aus verschiedenen Gegenden in das Land Ueberfluß vonLebensmitteln.
Das Volk des Landes ehrte den Grafen um dieser Waf-fenruhe willen mit desto größerer Dankbarkeit, je sichtbarercs wurde, daß ohne den Beistand der Saracenen die schreck-lichste Noth über alle Christen gekommen seyn würde. Denndie Hitze des Sommers war so heftig und die Dürre so an-haltend, daß selbst die meisten Brunnen vertrockneten, weilsic nicht mit friscbem Wasser gefüllt werden konnten. Vor-nehmlich in Jerusalem, welche Stadt kein andres Wasserhat als das Regenwasscr, welches man in Brunnen sam-melt, wurde der Mangel an trinkbarem Wasser sehr quä-lend, und ohne die Milde mancher reichen Einwohner wäredas arme Volk dieser Stadt vor Durst verschmachtet. Be-sonders erwarb sich durch solche Milde ein frommer Bürgerder heiligen Stadt mit Namen Germanus ein herrliches Ver-dienst. Er besaß drey mit Marmor wohl ausgelegte Brun-nen in verschiedenen Theilen der Stadt, und bey jedem der-selben ließ er zwey an Ketten hängende Becken stets bey Tageund bey Nacht mit Wasser gefüllt halten, zum freyen Ge-brauche des armen Volks. Als sein Wasservorrarh begannsich zu verzehren, gedachte Germanus, wie er von altenMännern vernommen, daß außer der Stadt unterhalb desTeiches Siloah noch ein verschütteter Brunnen wäre, schonvon dem Erzvater Jakob gegraben, zwar reich an quellendemWasser, aber schwer zu finden. Es war dies die alte be-rühmte Quelle, von welcher Jofephns, Tacitus und anderealte Schriftsteller reden, neben dem Teiche Siloah, dessenWasser salzig und von unangenehmem Geschmack ist^). Der
Z) „LUe n'esr mio dormo ü doivo brauchte nach eben diesem Schriftsteller»ms esr sslve." Hugo klag. Man ge- das Wasser des Teiches Siloah nur zum