Druckschrift 
2 (1837) Von 1640 bis 1688
Entstehung
Seite
452
Einzelbild herunterladen
 

452

Buch IV. Sechstes Hauptstück.

ordnete Aufzeichnung aller in Berlin in jedem laufenden JahreVerhcirathetcn, Geborenen und Gestorbenen. Im folgendenJahre befahl er ihm solche Verzeichnisse aus allen Städtender gestimmten Marken einzureichen, und diese erschienen baldgedruckt und wurden seit 1688 auch von allen Dörfern ange-fcrtigt '). Obwohl ein alter eifriger reformirter Hofpredigerdiese bei Lutheranern und Päpstlichen gebräuchlichen Rechnun-gen als Gott mißfällig sehr tadelte und an den König Davidund dessen Schicksal erinnerte, so beachtete der Kurfürst dasdoch nicht.

Das Heer, welches er seit dem Jahre 1686 wieder etwasverstärkt hatte, bestand zuletzt aus etwa 24,000 Mann undvon diesen wohl der fünfte Theil aus Reiterei ^). Es warengeworbene Leute, damals die einzigen brauchbaren Truppen,nicht beseelt von Vaterlandsliebe, sondern vom Solde gelocktund von jenem kriegerischen Körperschaftsgeiste getrieben, dersich unter tüchtigen Feldherren bildet und scstsetzt. Da derGedanke, daß die preussische Monarchie sich auf das immerbereite Heer stützen müsse, im großen Kurfürsten wie späterim großen Könige war, so entsprang daraus die Begünstigung,die dem Kriegsmann vor Anderen widerfuhr, und daß denBefehlshabern vor Civilbeamteten die Vollziehung strenger Be-fehle übertragen wurde. Daher war im Soldaten das volleGefühl seiner Wichtigkeit, dem Fürsten zwar zu dienen, aberalles Übrige zu beherrschen, oder doch als unter sich, oder wohlgar als seinetwegen vorhanden zu betrachten. Daher jenesDurchgreifende und Gewaltsame des Verfahrens, das mit der

1) Königs Berlin II. S. 231. Es waren 1684 in allen Städtender Kurmark 8731 Getaufte, 2975 Begrabene und 827 Getrauete, wasetwa auf 90,000 Einwohner schließen lässt.

2) Der große König in seiner Abhandlung von der prcussischenKricgsverfassung S. 32, Stuhr in s. Gcsch. d, Kriegsverfassung unterdem großen Kurfürsten I. S. 218, die historischen u. s. w. Beiträge LH. 1-S. 322 und der unkritische Orlich S. 211 geben aus ihren Quellen sowidersprechende Einzelnheiten, daß ich nicht mehr sagen kann. Im Gan-zen hat Stuhr wahrscheinlich Recht und ist am zuverlässigsten. Orlichgibt 83,000 Mann, sicher falsch. Über die Festungen ist Keiner genau.I.vti l'. I. p. 17 schwatzt nur und z>. 322 gibt er 20—22,000 Mannohne die Garde an.