Frlcdensverhandlungen mit Frankreich. 321
stand und vielleicht abgesonderten Frieden zu schliessen, ohnejedoch von seinem Bunde und seinen Pflichten gegen das Reichabzugehen. Vergeblich entschuldigte der Kaiser den geheimenVertrag durch besondere Umstande und daß danach Frankreichdie Holländer nur ohne Berührung Deutschlands habe angrei-sen dürfen. Der Kurfürst erwiederte, daß man ihn davonhatte in Kenntniß setzen müssen. Vergeblich erbot sich derKaiser, nun 30,000, Spanien 15,000 Mann zu stellen unddie Herzoge von Celle und Wolfenbüttel zu gewinnen. DerKurfürst war gegen Lobkowitz mit Recht zu mistrauisch, umsich weiter mit Leopold einzulassen '). Gegen die Holländerbeschwerte er sich, mit Anzeige dessen, wozu er sich genöthigtsah, daß sie gegen ihre Zusage weder mit Dänemark noch mitden Herzogen von Lüneburg abgeschlossen, die versprochenen100,000 Mann nicht aufgestellt, ihn nicht mit 30,000 Mannunterstützt und ihm seit fünf Monaten keine Subsidien gezahlthätten, und rieth ihnen zum Frieden. Die Generalstaaten em-pfanden das sehr übel, gaben die ihnen gemachten Vorwürfedurch andere zurück, tadelten des Kurfürsten Entschluß undsein Verfahren streng, wollten zwar die rückständigen Subsi-dien, doch nur nach und nach, entrichten und sich zu keinenausserordentlichen Zuschüssen verstehen, was den Kurfürsten sehraufbrachte und in seinem Entschlüsse bestärkte ^).
Während dem unterhandelte für ihn der Pfalzgraf vonNeuburg den Frieden mit Frankreich. Diesem war es in je-dem Falle vorthcilhaft, wenn der Kurfürst die Waffen nieder-legte. Es entledigte sich so des thätigsten Feindes und schwächtevielleicht selbst den Unternehmungsgeist der übrigen. Dahernahm es die Anträge sehr günstig auf und der König erklärtedie westfälischen Provinzen sogleich räumen zu wollen, wennsich der Kurfürst von allen Bündnissen, besonders von demmit Holland lossage; die Vertheidigung des Reichs könne ersich Vorbehalten. Sehr reiflich wurde nun jeder Punct dersehr verwickelten Verhältnisse erwogen und das Für und Wi-der umständlich erörtert. Die Gründe für den Frieden siegten,
1) kukenäort Xl. Z. 84 f.
2) Vusenäork Xl. §. 87.
Stenzel Gcsch. d. Preussisch. Staats. ll. 21