Unterhandlungen mit Ludwig XIV. 285
nem Hofe waren zwei Parteien, die spanische der Kaiserin,mit welcher es unter den jetzigen Umstanden, da cs dem Reicheund Frankreich galt, auch die Deutschgesinnten hielten, danndie geheime französische, deren Haupt des Kaisers Günstlingund damals allmächtiger Minister, der Fürst Auersperg war.Wahrend jene alle Kräfte aufbotcn, um zur VertheidigungFlanderns anzurcgen, wusste dieser den Kaiser besorgt zu ma-chen, er werde die Last des spanischen Krieges allein tragenmüssen. Daher beschränkte sich dieser darauf zu unterhandelnund Bundesgenossen zu suchen.
Für den Kaiser war es bei der ungemein verwickelten Lage derDinge sehr wichtig, den Kurfürsten von Brandenburg zu ge-winnen, für Frankreich, diesen wenigstens nicht gegen sich zuhaben. Die Hecresmacht desselben war an sich ansehnlich undkonnte leicht vermehrt werden; seine Kriegserfahrung und ausseror-dentliche Thätigkeit und Gewandtheit im Felde wie im Cabi-nette zeichneten ihn vor allen übrigen deutschen Fürsten alsden bedeutendsten aus. Er erkannte auch die ganze Bedeu-tung seiner Lage, die indessen wegen seiner höchst mannichfal-tigen Beziehungen zu den verschiedenen Mächten ebenfalls sehrschwierig war. Neben dem Streben, seine eigene Dkacht zuerhöhen, war eigentlich ein Hauptgesichtspunct, den er fest-hielt, Frankreich nicht zu mächtig werden zu lassen und demauf jede ihm mögliche Weise, doch immer sehr vorsichtig, ent-gegen zu arbeiten ohne doch seinen eigenen Vortheil aus denAugen zu verlieren, oder seine Angelegenheiten aufs Spiel zusetzen. So suchte er die Anschläge Ludwigs XIV., einen fran-zösischen Prinzen auf den polnischen Thron zu setzen, zu hin-dern, und hatte den Franzosen gern Flandern wieder entris-sen, weil der große Staatsmann begriff, wie gefährlich derBesitz dieses Landes für Holland und dann für Deutschlandsein musste. Doch erfoderte jeder Schritt die reiflichste Über-legung, denn er sah sich von Neidern umgeben, welche baldseine Feinde werden konnten, während er keines Freundes ge-
anders richtet." Darf man sich wundern, daß die Franzosen einen solchenGünstling benutzten?