Druckschrift 
11 (1824)
Entstehung
Seite
156
Einzelbild herunterladen
 

156

Skit meiner Rückkehr nach Frankreich hatte sich jedoch meineGesundheit merklich gebessert. Bei Ruhe und Einsamkeit war ichschon ziemlich weit damit gekommen. Nur wenn ich einmal langeHimer einander sprach oder irgend einem Gedanken nachhtng, dannzeigte sich mein Leiden bald mehr, bald minder stark, war alsob eine bleierne Hand mich an der Mitte des Kopfs erfaßte.

Als ich nun bei dieser Verbesserung meiner Gesundheit erfuhr,daß inan sich über mancherlei Vernachlässigungen bei den erstenBänden des Tagebuchs von Sankt Helena beklage, wsliie ich etwasniehr Sorgfalt aus die Redaktion der folgenden Bände wenden. Sothac ick mir nun wieder Schaden und verfiel in einen noch schlim-mer» Zustand als der frühere war; ich mußte daher diese spaterenLieferungen oftmals unterbrechen und sehr oft fürchten, daß ich siegar nicht beendigen würde; nun aber ist cs mehr Schwäche alsSchmerz, doch regt die mindeste Arbeit gleich das frühere Uibrlwieder auf und es ist dann mit einer Kraftlosigkeit verbunden, diemein ganzes Wesen cinnunmt. Ich kann nur mit großer Mühegehen, Furcht und Zittern bemächtigen sich meiner so wie ich außerdem Berte bin, der Fußboden scheint mir unter den Füßen zu wei-ch.», ich caumle, bekomme ciuc Art von Herzklopfen und muß michanl-mren, weil ich zu fallen glaube. Man hat Kopsschwindel; michdünkc ich habe den Schwindel an den Füßen. Doch ich kommewieder zur Sache.

Bei diesem Ucbclbefindcn, das jeden Tag größer wurde, schriebich an den Gouverneur in Betreff der Erlaubniß, nach der Stadtzurückzukehrcn, um dort der ärztlichen Hülfe näher zu seyn; aberumsonst, Lord Charles Somerset war fühllos für mich geworden.

Ich halte allerdings m't meiner Ungeduld und bei der schreck-lichen Dual, die mir die Verlängerung meiner Gefangenschaft mach-te, seit meinem Aufenthalte zu Tigerbcrg, bei dem Gouverneur zuinehrernmalen, vielleicht in etwas heftigen Ausdrücken die Bittewiederholt, daß er mich nach Europa zurückschicken solle, und wirk-lich zuweilen Ursache zu'glauben, daß es mir gelungen sei, seinHerz zu rühren. Mochte nun von seiner Seite cs eine Folge desihm natürlichen Sinnes für Recht oder sonst eine Ursache vorhandendazu seyn, cs schien doch, alS ob er nicht ganz ohne Unentschlossen-heit und Unruhe bei der Sache wäre. Sei es denn wohl schick-lich, sagte er sich selbst, daß er sich nach der Art des Sir HudsonLowe zum Kerkermeister erniedrige. Habe er auch wohl ein Reckt,mich so meiner Freiheit zu berauben?" Aber seine bösen Rath-