wohnte! — Aber diese Augenblicke der Vergessenheit waren seltenund kur;, denn ich wiederhole es nochmals, eö läßt sich durchauskein wahres Glück, kein vollständiger Genuß denken, als da, woman zu Hause und unter denen ist, die man liebt; cS mag einemanderwärts auch noch so wohl gehen, man lebt dock i» der Einöde.Dieses Gefühl, die Ungeduld, welche daraus entstand, das Verlan-gen nach dem Ende meiner Dual wirkten sehr nachtheilig auf meineGesundheit; ich hatte immerwährend schlaflose Nächte, die mir zurwahren Pein wurden. Ich mochte noch so viel arbeiten, mir nochso viel Bewegung machen, noch so spat mich nicderlcgcn, kaum war jich ins Bette, so dachte ich auch schon, gegen meinen Willen, andas loögcrcihete Kettenglied, daß ich nämlich wieder einen Tag mei-nes Exils überstanden habe; unwillkührlich sing ich nun an auszu-zahlen und hin und her zu rechnen', wie viele Tage wohl noch bis
zu Ankunft des Befehls von London zu unsrer Befreiung ersordcr« >
lich scyn möchten, zu überlegen, was vielleicht »och dazwischen kom-men könne u. s. w. und war ich einmal aus diese Gedanken gcra- '
then, so wurde es mir auch durchaus unmöglich, ein Auge zuzu- !
thun. So erneuerte sich also mit jeder Nacht eine Marter, welche !
wirklich zu den allcrgrausamsten gehört, die man sich nur denken >
kann.
Inzwischen nahte die Zeit der Rückkehr des Gouverneurs undich begann mich darüber zu ängstigen, daß ich mich mit ihm in
einem und demselben Hause befinden sollte, ohne daran zu denken,
daß eö weder für den einen noch für den andern schicklich und an-genehm scyn könne, zu gleicher Zeit Gastfreundschaft und Gefangen-haltung unter einem Dache wohnen zu lassen; doch meine Verle-genheit wurde bald gehoben. Mochte cs nun wahr oder ein bloßerVorwand scyn, kurz, der Kolonie-Sekrctair gab mir zu erkennen,der Gouverneur sei durch die bevorstehende Ankunft dcö Lord Am-horst, der von seiner Ambassade nach China zurückkomme, genökhigk,mir eine andere Wohnung anzuweisen.
Dieser Kolonie-Sckretair, von dem ich noch nie gesprochen habe,obschon er die zweite siivilstelle bei der Kolonie bekleidete, war,physisch und moralisch betrachtet, ein höchst cxccntrischcr Mensch.
Er war zu mehrerenmalen Parlemencsmitglicd gewesen, von allemunterrichtet, sprach über alles und verwirrte oftmals alles und mansagte von ihm, er sei eine Encyklopädie, von welcher bei dem Ein-binden die Blätter vermengt worden wären. Er scyte sich anfangs !
ln den Kopf, daß er uns an einem Orte unterbringen wolle, dener nur erst angelegt und bei der Regierung sehr herausgestrtchen l