irgend ein Opfer dar. Sie gedachte dessen, was ihr dasLiebste war, oder was ihr das Liebste gewesen war; dennin diesem Augenblicke war ihre Seele nur eines Eindru-ckes, dessen der Furcht, fähig, kannte nur ein Verlangen,das nach Befreiung; sie gedachte seiner und war ent-schlossen, cs' aufzuopfern. Sie erhob sich auf die Kniee,preßte die Hände, von denen der Rosenkranz herab-hing, an die Brust, hob Antlitz und Augen zum Him-mel und sagte: „O heilige Jungfrau! Du, derenSchutze ich mich schon sooft empfahl, die du mich so oftschon tröstetest! Du, die du so sehr gelitten hast undjetzt so glorreich bist, die du so viele Wunder schonthatest für nothleidende Arme: hilf mir! erlöse michaus dieser Gefahr, führe mich sicher zu meiner Mut-ter: o Mutter Gottes, ich verspreche Dir! immerJungfrau zu bleiben, ich verzichte für immer auf mei-nen Geliebten, ich will Niemand Anderem angehörenals Dir!"
Nach diesen Worten neigte sie ihr Haupt, hingsich den Rosenkranz, wie ein Zeichen der Weihe desSchutzes, eine Waffe des neucrwähltcn Standes, umden Hals; und als sie sich wieder auf die Dielensetzte, war ihr Herz voll sicherer Ruhe, stärkeren Ver-trauens. Sie gedachte des „morgen früh" desunbekannten Gewalthabers und glaubte in diesenWorten ein Versprechen der Errettung zu finden.Ihre von dem langen Kampfe ermüdeten Sinne ent-schliefen nach und nach in dieser Gedankenstille, und