Druckschrift 
Theil 3 (1851)
Entstehung
Seite
150
Einzelbild herunterladen
 

ILO Dreiundzwanzigster Gesang.

I2K.

Das sind nicht Thränen mehr, muß ich vermuthen,Was vollen Stromes meinem Aug' entweicht.

Nicht gnügtcn für den Schmerz der Thränen Fluten,Sie waren all, eh' er die Hälft' erreicht.

Der Lebenssaft, gedrängt von inner» Gluten,

Flieht auf dem Weg, der zu den Augen reicht;

Er ist's, was sie in solcher Fülle spenden,

Und wird zugleich mir Schmerz und Leben enden.

127 .

Und sie, die Zeugen meiner Qual zu nennen,

Sind Seufzer nicht; die kenn' ich nur zu gut.

S i e lassen nach ; doch nie ist zu erkennen,

Daß dieser Sturm in meinem Busen ruht.

Amor erregt ihn, will mein Herz verbrennenUnd facht mit wildem Flügelschlag die Glut.

Durch welches Wunder, Amor, hältst du's immerIn Hellem Brand, und ach ! verzehrst es nimmer?

128 .

Ich bin nicht der, den mein Gesicht läßt schauen;Der Roland war, liegt todt in Grabesnacht.

Durch Treubruch hat die schnödeste der FranenGrausamer Weis' um's Leben ihn gebracht.

Ich bin sein Geist, der, unter Qual und Granen,Bon ihm getrennt, in dieser Hölle wacht,

Damit er noch mit diesem SchattenleibeDem, der auf Liebe traut, ein Beispiel bleibe.