154
mit die Nacht sich vor einige verwitternde Ruinen der bes-sern Zeit, vor einige vorüberziehende Nachtleichen derErinnerung stellte — nach St. Lüne zu gehen, seine Mutterzu rufen und ihr müdes sieches Herz wenigstens mit EinerFreudenblume zu stärken und ihr — da ihn kein Eid mehrband — zu sagen: Du gibst mir setzt zum zweitenmal dasLeben. Wie wohl wurd' ihm! — Ein einziger guter Vor-satz bettet und lüstet das scharfe Siechbette eines zerrissenenLebens.
Aber am Abende, ihr guten Bedrängten, am Abende —nicht des Lebens, sondern — des 2t. Oktobers wird euchleichter und frischer werden, und die Kugel eurer Fortunawird sich aus der Wetterseite in die Sonnenseite drehen!
Abends kam Viktor in St. Lüne an, und hüllte sich indie Laube des Pfarrgartens ein, wo er Klvtilden die erstenThränen der Liebe gegeben. — Das Pfarrhaus, das Schloß,die Warte, die zwei (Härten lagen wie vcrfallne Ritter-schlösscr um ihn, aus denen alle Freuden und Bewohnerlängst gezogen sind! — Alles so hcrbststill, so stehend umihn — die Bienen saßen stumm aus dem Flugbrett nebenHingerichteten Drohnen — sogar der Mond und ein Wölk-chen standen fest neben einander — die Wachsmumie warmit dem starren Gesicht gegen das stille Zimmer umge-wandt! — Endlich kam die Pfarrerin durch den Garten,um ins Schloß zu gehen. Er wußte, wie sehr sie ihn wie-der lieben mußte, da seine Treue gegen den eifersüchtigenFlamin setzt ans Licht gekommen war. O sie sah so müdeund kränklich aus, so rothgeweint und verblutet und veral-tet! Ihn dauerte es, daß er erst ein gleichgültiges Wortsagen mußte, um sie in die Laube zu rufen. Als sie hin-