Gewölk durch den sonnenlosen Himmel und senkten sich wieGewölk in die Wälder nieder — der halbe Mond hing überder Erde — ein kleiner fremder Schatten so groß wie einHerz lies fürchterlich neben ihm, er sah auf, cs war derSchatten eines langsam schwebenden Geiers. — Er riß sichdurch Maienthal, er sah nicht den entblätterten Garten undDahoreS verschlossenes Haus, sondern lies durch die Kasta-nicnallee der Trauerbirke entgegen.-
Aber unter den Kastanien am Orte, wo ihn Flamintödten wollte, sah er KlotildenS welke Federnelke mit demblutigen Kelch-Tropfen liegen . . . Und da noch eine Lerche,die letzte Sängerin der Natur, über dem Garten zitterte undallen Frühlingen des Lebens mit zu heißen Tönen nachricfund daö Herz mit einem unendlichen tödtlichen Sehnen durch-schnitt: so weinte mein Viktor laut hinauf, und als er obenans dem Grabe die großen Lüstern Thränen abgcwischt hatte,stand — Klotilde vor ihm.
Er erzitterte einmal und verstummte .... Sie kanntekaum die abgebleichte Gestalt und fragte zitternd: „Siesind's? Sehen wir uns wieder?" — Seine Seele war aus-einandergetrieben und er sagte, aber in anderem Sinn: „wirsehen uns wieder." Sie blühte, durch die Reise genesen.Aber Blut war in ihrem Schnupftuch — eS war das Blut,das Emanuel unter dem Duell in der Allee aus seinem Bu-sen vergossen. Er starrte fragend das Blut an — sie wiesauf das Grab und verhüllte ihr weinendes Auge. — Mitder Frage: „Ist Ihr H. Vater gekommen?" wollte die Gutesanft ablenkcn — aber sie lenkte ihn an sein Grab — seinAuge suchte wild den Raum zur letzten kühlen Grotte desLebens — sie hatte ihren sanften Geliebten niemals so ge-