Lätare - Sonntag aus den Städten werfen. Der Gedankeund die Erwartung des Todes bessern so sehr, als die Ge-wißheit und Wahl desselben.
Jetzo zogen die schönen blauen Nachsommertage des heu-rigen Oktobers auf zarten Phalänenflügeln von Spinnen-geweben über den Himmel. Viktor sagte zu sich: „schöner„Erdenhimmel, ich will noch einmal unter dir wandeln! Gu-„tes Mutterland, ich will dich noch einmal mit deinen Ber-„gen und Wäldern überschauen und dein Bild in die unsterb-liche Seele heften, eh' dein gelbes Grün mein Herz über-„wächsct und darin einwurzelt — ich will dich sehen, St.„Lüne meiner Kindheit, und meine schönen Pfingstwege, und„dich, du seliges Maienthal, und dich, du guter alter Bie-„nenvater*) und will dir deine Freudenstunden-Uhr zurück-„geben — — und dann werd' ich genug gelebt haben."
Er fragte sich: „bin ich denn reif für die Obstkammer„des Kirchhofs? — Aber ist denn irgend ein Mensch reif?„Ist er nicht im OOstenJahr noch unvollendet wie im Losten?"— Ja wohl! der Tod nimmt Kinder ab und Feucrländer;der Mensch ist Sommerobst, das der Himmel brechen muß,eh' es zeitigt. Die andere Welt ist keine gleichgestellte Alleeund Orangerie, sondern die Baumschule unserer hiesigen Sa-mcnschule.
Ehe Viktor mit Küssen und Weinen vom Blinden ging:beschied er Abends vorher die arme Marie ins Kabinct undempfahl ihr (wie dem italiänischcn Bedienten) die Pflegedes Blinden. Aber seine Absicht war, der zerbrochenen kraft-losen Seele die Hoffnung einiger 100 st. — soviel dürft' er
2 ) Zeidler Lind in Kussewiz.3ean Paul's ausgelv. Werke. VI.
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