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6 (1847) Hesperus oder 45 Hundsposttage : viertes Heftlein
Entstehung
Seite
129
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Lätare - Sonntag aus den Städten werfen. Der Gedankeund die Erwartung des Todes bessern so sehr, als die Ge-wißheit und Wahl desselben.

Jetzo zogen die schönen blauen Nachsommertage des heu-rigen Oktobers auf zarten Phalänenflügeln von Spinnen-geweben über den Himmel. Viktor sagte zu sich:schönerErdenhimmel, ich will noch einmal unter dir wandeln! Gu-tes Mutterland, ich will dich noch einmal mit deinen Ber-gen und Wäldern überschauen und dein Bild in die unsterb-liche Seele heften, eh' dein gelbes Grün mein Herz über-wächsct und darin einwurzelt ich will dich sehen, St.Lüne meiner Kindheit, und meine schönen Pfingstwege, unddich, du seliges Maienthal, und dich, du guter alter Bie-nenvater*) und will dir deine Freudenstunden-Uhr zurück-geben und dann werd' ich genug gelebt haben."

Er fragte sich:bin ich denn reif für die Obstkammerdes Kirchhofs? Aber ist denn irgend ein Mensch reif?Ist er nicht im OOstenJahr noch unvollendet wie im Losten?" Ja wohl! der Tod nimmt Kinder ab und Feucrländer;der Mensch ist Sommerobst, das der Himmel brechen muß,eh' es zeitigt. Die andere Welt ist keine gleichgestellte Alleeund Orangerie, sondern die Baumschule unserer hiesigen Sa-mcnschule.

Ehe Viktor mit Küssen und Weinen vom Blinden ging:beschied er Abends vorher die arme Marie ins Kabinct undempfahl ihr (wie dem italiänischcn Bedienten) die Pflegedes Blinden. Aber seine Absicht war, der zerbrochenen kraft-losen Seele die Hoffnung einiger 100 st. soviel dürft' er

2 ) Zeidler Lind in Kussewiz.3ean Paul's ausgelv. Werke. VI.

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