Er untersagte sich jeden Aufwand, um seinem Julius dasväterliche Vermögen ungeschmälert zu lassen. Er war wedereitel, noch stolz. Er sprach sreimüthig über und gegen denStaat; — denn was ist so nahe neben dem Sturm- undWetterdache des Sargdeckels wol zu fürchten? — Aber ebenweil er bloS die Liebe zum Guten, und keine Leidenschaftenund keine Feigheit in seinem Innern spürte: so widerstander sanft und ruhig; denn sobald nur der Mensch für sichselber überführt ist, daß er Muth für den Nothsall ver-wahre: so sucht er nicht mehr ihn vor andern auszukramen.Der Gedanke des Todes machte ihn sonst zu humoristischenThorheiten geneigt; jetzo aber nur zu guten Handlungen.Ihm war so wohl, ihm erschienen die Menschen und dieSzenen um ihn in dem milden stillenden Abendlichte, woriner beide allemal in den Krankheiten seiner Kindheit er-blickte. Es schien, als wollt' er (und es gelang ihm) durchdiese Frömmigkeit sein Gewissen zur leserlichen Unterschriftseines eigenhändigen TodeöurtheilS bestechen. Wie dem ver-ewigten Emanuel kamen ihm die Menschen wie Kinder vor,das Erdenlicht wie Abendlicht, alles sanfter, alles ein wenigkleiner, er hatte keine Angst und Gier; die Erde war seinMond: jetzt errieth er erst die Seele seines Dahore . . . .
— Und du, mein Leser, fühlest du nicht, du würdest dichso nahe vor der Klosterpforte des Todes eben so veredeln?Aber ich und du stehen ja schon davor: ist unser Tod nichtso gewiß als Viktors seiner, wiewol in einem lungern Zwi-schenraum? O wenn jeder nur gewiß glaubte, nach SO Jah-ren an einem bestimmten Tage führte ihn die Natur aufihren Richtplatz: er wär' anders; aber wir alle werfen dasBild des Todes aus unserer Seele, wie die Schlesier es am