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6 (1847) Hesperus oder 45 Hundsposttage : viertes Heftlein
Entstehung
Seite
113
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wußte Viktor besser; aber desto schlimmer; o verräth nichtalles, daß Matthicu die Fürstin durch Winke über FlaminsGeburt in sein treuloses Interesse gezogen, um wie Zaubererin der Ferne und durch wenige Charaktere umzubringen?Würd' ihn wol bloö die Furcht vor der Rüge der Ausfor-derung so lange außer den Gränzsteinen des Landes festhal-ten? Noch dazu brütete die Fürstensonne den ministeriali-schen Krötenlaich immer lebendiger an. Es ist wahr undViktor läugnete es nicht man darf erwarten von der Für-stin, daß sie die Matthäus- oder Jakobsleiter, auf der siedas fürstliche Herz erstieg, da sie vorher nur an JennersHand reichte mit der Zeit umschnellen wird mit demFuß, so wie der Marder sich vom schlaftrunknen Adler indie Höhe reißen läßt und ihn erst droben so lange zerhackt,bis der Träger fällt und stirbt; aber fetzt ist, glaub' ich, ihrefortdauernde Dankbarkeit gegen Schleimes schon genugsambei Rechtschaffenen dadurch entschuldigt, daß noch mehr zuholen steht von der unvollendeten Gabe. Ein alter Gesetz-macher setzte auf jeden Undank Strafe; ich glaube, manverfällt in den nämlichen Fehler wie er, wenn man jedeDankbarkeit tadelt und bestraft, da oft der Eigennützigsteam Hofe zu ihr seine guten Gründe haben kann.

Viktor ging trübe in sein Zimmer und sah FlaminsBild an und sagte:o! das wolle der Himmel nicht, daß duArmer nicht mehr zu retten wärest." Viktor konnte sichüberhaupt drei Tage nach einer Beleidigung nicht mehr rä-chen:ich vergebe jedem, sagt' er sonst, nur Freunden undMädchen nicht, weil ich beide zu lieb habe." Aber welcheHand, welchen Zweig könnt' er dem sinkenden Flamin hin-unterreichen ins Gefängniß? Alles was er vermochte,

Iran Paul's ausgew. Werke. VI. g