105
hältniß mit dcr Kammcrherrin abgcdrungen, deren letzterWindenschmidt sammt allen Hebemaschinen ihres gesunknenSchicksals nun mit ihrem Manne begraben worden; undwelche, da sie alle Schuld auf KlotildenS Betragen schob,diesen trauernden Geist durch ein absichtliches Ucbermaßeigner Trauer noch mehr zu kränken suchte. Da die LeBaut übrigens nichts so lieb hatte, als Gebetbücher undFreigeister: so ersetzte sie setzo sich diese durch sene.
Einige meiner Leser werden mir schon vorgeflogen seyn,und in den Erker Viktors hineingeschaut haben, um seinenvon vier Wänden versteckten Gram zu finden — fürchterlichsteht die Einsamkeit vor ihm und faltet ihm ein großesschwarzes Gemälde mit zwei frischen Gräbern auf; in einemgroßen Grabe liegt die verlorne Freundschaft, im andern dieverlorne Hoffnung. Ach er wünscht das dritte, worein aucher sich verlöre. Er hatte die erhabne Stimmung Hamlets.Der verhüllte Julius kam ihm wie ein zuckender Todter vor.Er mied ganz den Hof; denn sein Selbgefühl war viel zubescheiden und stolz, um mit dem gcstohlnen Adel und denerschlichenen Rechten eines Lords-Sohnes ein flüchtiges Ge-pränge zu treiben. Auch setzte sich an seinem Herzen einekleine Frostbeule durch den Gedanken an, daß der Lord, nachdcr Unart aller Staatöleute und StaatSmaschincnmcistcr, dieMenschen zu handhaben nur wie Körper, nicht wie Geister,nur wie Karyatiden, nicht wie Miethleute des Staatsgcbäudes,kurz blos wie Tänzerinnen von Golkonda*), die sich zum
Neun Tänzerinnen verstricken sich zu einem Stephanien fürden König, eine macht den Rüssel, viere die Beine, viereden Rumpf. Historie aller Reis. 10. Band.