Aber die Seelen erblindeten nur und vergingen nochnicht.
Da überfielen Abendwinde und Morgenwinde und Mit-tagwindc mit einander die Aue und wehten die hell-blauenund gold-grünen Wolken nieder, die aus Blumenduft ent-standen waren, und falteten den Blumenring am Horizonteauf und trieben den süßen Rauch an die Herzen der Seli-gen. Der Blütennebel schlang sie in sich ein, das Herzwurde in die dunkeln Düfte wie in ein Gefühl aus der tief-sten Kindheit eingetaucht und wollte, vom heißen Blumen-dunste Überflossen, darin auseinander tropfen. — Jetzo kamdie unbekannte Stimme näher und lispelte sanft: vergehetsüßer am Duft.
Aber die Seelen taumelten nur und vergingen nochnicht.
Tief in der Ewigkeit aus der Mitternacht bog sich aufund nieder ein einziger Ton — ein zweiter stand in Mor-gen auf — ein dritter in Abend — endlich tönte aus derFerne der ganze Himmel und die Töne überströmten die In-sel und ergriffen die erweichten Seelen . . . Als die Töneauf der Insel waren, weinten alle Menschen vor Wonne undSehnsucht . . . Dann liefen plötzlich die Sonnen noch schnel-ler, dann stiegen die Töne noch höher, und verloren sich wir-belnd in eine schneidende, unendliche Höhe — ach dann gin-gen alle Wunden der Menschen wieder auf und wärmtensanft mit dem rinnenden Blute jede Brust, die in ihrerWehmuth erstarb — ach dann kam ja alles fliehend vor uns,was wir hier geliebet haben, alles was wir hier verlorenhaben, jede theure Stunde, jedes beweinte Gefild', jeder ge-liebte Mensch, jede Thräne und jeder Wunsch.-Und