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6 (1847) Hesperus oder 45 Hundsposttage : viertes Heftlein
Entstehung
Seite
73
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Aber die Seelen erblindeten nur und vergingen nochnicht.

Da überfielen Abendwinde und Morgenwinde und Mit-tagwindc mit einander die Aue und wehten die hell-blauenund gold-grünen Wolken nieder, die aus Blumenduft ent-standen waren, und falteten den Blumenring am Horizonteauf und trieben den süßen Rauch an die Herzen der Seli-gen. Der Blütennebel schlang sie in sich ein, das Herzwurde in die dunkeln Düfte wie in ein Gefühl aus der tief-sten Kindheit eingetaucht und wollte, vom heißen Blumen-dunste Überflossen, darin auseinander tropfen. Jetzo kamdie unbekannte Stimme näher und lispelte sanft: vergehetsüßer am Duft.

Aber die Seelen taumelten nur und vergingen nochnicht.

Tief in der Ewigkeit aus der Mitternacht bog sich aufund nieder ein einziger Ton ein zweiter stand in Mor-gen auf ein dritter in Abend endlich tönte aus derFerne der ganze Himmel und die Töne überströmten die In-sel und ergriffen die erweichten Seelen . . . Als die Töneauf der Insel waren, weinten alle Menschen vor Wonne undSehnsucht . . . Dann liefen plötzlich die Sonnen noch schnel-ler, dann stiegen die Töne noch höher, und verloren sich wir-belnd in eine schneidende, unendliche Höhe ach dann gin-gen alle Wunden der Menschen wieder auf und wärmtensanft mit dem rinnenden Blute jede Brust, die in ihrerWehmuth erstarb ach dann kam ja alles fliehend vor uns,was wir hier geliebet haben, alles was wir hier verlorenhaben, jede theure Stunde, jedes beweinte Gefild', jeder ge-liebte Mensch, jede Thräne und jeder Wunsch.-Und