8
dem Gottesdienste vorstehen, als Missionäre wirken, die Jugenderziehen? Und diese Dienste erwiesen nnd erweisen die Mönchetäglich und stündlich der Gesellschaft.
Aber sie ermuthigen znm Aberglauben! — DasVolk war niemals so blind und geistesschwach, als man gewöhnlichannimmt; es wußte stets recht gut, daß die Geistlichen und Mönche,die zu seinem Bortheile eingeführt wurden, ihm in allen Tugendenein Beispiel geben müssen, nnd sah darum ans ihr Betragen stetsmit offenen Angen. Demnach war eS diesen unmöglich, durchScheinheiligkeit ans dasselbe zu wirken. Aber, wendet man ein,wenn der Fanatismus der Mönche eine Erdichtung ist, wenn dieReinheit ihrer Frömmigkeit nnbczweifelbar erwiesen ist, woherkommt denn dieß Streben nach Vervielfältigung der Gebräuche undGewohnheiten, dieß Streben, den Einfluß des Enltns unmäßig zuvergrößern? Gerade dieß, was wir von den Mönchen sagten, paßteben so gut ans den übrigen Elerns. Aber der Mensch bedarfäußerer Gebräuche nnd Eeremonien, er bedarf eines Enltns zursteten Erinnerung nnd Aneignung der Religion nnd ihrer Seg-nungen.
Um aber dem obigen dreifachen Vorwürfe der Protestantengegen das Mönchthnm kurz zu begegnen, mag die Behauptung ge-nügen, daß man ihm daS Wiederaufleben der Wissenschaften verdankt,die, durch so viele Arbeiten vorbereitet, auch die Masse des Volks anden Genüssen des Verstandes Theil nehmen ließen und so dem wahrenAberglauben den Todesstoß gaben. Wir kommen endlich noch 'zu demEinwurfe, welchen die sogenannte gebildete (oder vielmehr einge-bildete) Welt als unumstößlich dem Klosterwesen macht, nnd somitmit einem Schlage alle Fliegen todtgeschlagcn zu haben glaubt. Erheißt: „der Geist unseres Zeitalters scheint sich mit reli-giösen, aus der Vorwclt ans uns übcrgegangencn In-stituten nicht zu vertragen. Erziehung, Denkart undHandlungsweise haben durch die Ereignisse der Zeiteine den strcngern Begriffen und willfährigen Auf-opferungen nicht mehr so günstige Wendung genom-men." Auch abgesehen davon, daß die Zeit im Gegentheil lehrte, wiewohlthätig, ja nothwendig diese Orden sind, so ist überhaupt an dem