Druckschrift 
Aus Jean Paul's Leben
Entstehung
Seite
26
Einzelbild herunterladen
 

26

Desto lechzender war mein Durst nach Büchern in dieser gei-stigen Saharawüste. Ein jedes Buch war mir ein frischesgrünes Quellcnplätzchen, besonders der orliis und die

Gesprächs im Reiche der Todtcn; nur war die Bibliothek mei-nes Vaters, wie manche öffentliche, selten offen; ausgenommenwenn er nicht darin und daheim war. Wenigstens lag ichdoch oft auf dem platten Dache eines hölzernen Gitterbettes(ähnlich einem vergrößerten Thicrkäfig) und kroch wie dergroße Jurist Baldus aus Büchern, um eines für mich zu ha-ben. Man erwäge nur, in einem volklecren Dorfe, in einemeinsamen Pfarrhause mußten für eine so hörbegierige SeeleBücher sprechende Menschen, die reichsten ausländischen Gäste,Mäzene, durchreisende Fürsten und erste Amerikaner oder Neu-Weltlingc für einen Europäer sehn.

Ich verstand zwar die Quartbände der Gespräche im Reicheder Todtcn als ein historischer Abcschütz nicht im Geringsten;aber ich las sie so gut wie die Zeitungen als ein geographi-scher, und konnte aus beiden viel berichten. So wie ich mei-nem Vater ans jenen erzählte einmal Abends ohne seineMißbilligung die während seiner Abwesenheit gelesene Licbegc-schichte der Roxelanc mit dem türkischen Kaiser so trieb iches eben so mit Zeitungen-Extrakten bei einer alten Edel-srau. Er bekam nämlich von seiner Patronathcrrin Plotho inZedwitz die Baircutcr Zeitung geschenkt; monatlich oder vier-teljährig so oft er eben nach Zedwitz ging brachte ereinen Monat- oder Vicrtcljahrgang auf einmal nach Hause,und ich und er lasen einen so großen Abhub mit Nutzen, ebenweil wir sie mehr band- als blattweise bekamen. Eine poli-tische Zeitung gewährt, nicht blatt- sondern Heft- und band-weise gelesen, wahrhafte Berichte, weil sie erst im Spielräume