Druckschrift 
1 (1854)
Entstehung
Seite
164
Einzelbild herunterladen
 

164

Siebenter Gesang.

Der Renner trägt nach eigenem GefallenSic da, und dorthin, wo kein Strauch ihm wehrt.Daß jedem Späherblicke sie entschwindetUnd Niemand mehr sich zum Verfolgen findet.

2.

Wie athcmlos und matt, durch das Gefilde,

Vom langen Jagen zieh'n einher die Hunde.

Die jüngst die Spur verloren von dem Wilde,

Das sich versteckt in dichten Waldes Grunde,

So zieh'n, die Zorn und Gluth der Scham erfüllte.Die müden Christen, heim zu dieser Stunde.

Doch sie flieht immer noch voll Furcht und Grauen,Und wagt nicht, nach dem Feind sich umzuschauen.

s.

Sie flieht die ganze Nacht; in hast'gem JagenIrrt sic den Tag, so rath- als führerlos;

Sie hbrt nur ihre eignen lauten Klagen,

Schaut nur das 'Naß. das ihrem Aug' entfloß.

Doch als nun Phöbus von dem schmucken WagenDie Rosse lost und in des Meeres Schoos;

Versinkt, da steigt sie zu dem Jordan nieder.

Und ruht auf seinem blum'gen Strand die Glieder.

4 .

Nicht nimmt sie Speise da nur Gram sie nähret,Und mit der Thränen Naß den Durst sic tränkt.Der Schlaf, der Trost den Sterblichen gewähretUnd des Vergessens Frieden auf sie senkt.

Stillt leisen Fittichs jetzt was in ihr gährct,

Und wiegt in Schlummer ein was sie bedrängt.

Doch ist ihr Vvll'ge Ruhe nicht beschiedcn.

Denn Amor stört durch Träume ihren Frieden.