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Ich wag' es nicht, mit ungewisse» Muthmaßnngen hervorzu-trcicn; aber eine selbstgemachte Beobachtung sei mir erlaubt an-zuführcn. Auf meinen Spaziergängen zwischen Chur und Rei-chenau wurde ich auf die Verschiedenheit der Holzarten aufmerk-sam, welche das Thal und die an beiden Seite» desselben empor-gehenden Berge bedecken. Die nordwestliche Thalhälfte leuchteteHeller und grüner vom mannigfaltigen Laubholz, welches bis indie Höhe des Gebirgs steigt; die südöstliche Hälfte hingegen warmit dem düstern Schwarzgrün der Nadelhölzer bekleidet. DieScheidelinie zwischen dem natürlich auftreibcndcn Laub- und Na-delholz ist dabei sehr genau bezeichnet.
Ich verknüpfte auf einzelnen kleinen Reisen diese Bemerkungbald mit einer andern. Die südöstlichen Bergseiten waren un-fruchtbarer, nackter, zerfallener auf der ganzen Linie vonMaien-seld bis zum Rheinwald, der die Quellen des Rheines ver-birgt; fruchtbarer hingegen, minder zerfallen sind die nordwest-lichen Berghalden. Dort erhebt sich mit seinen Fruchtfcldern,Dörfern und Alpen bis in die Wolke» amphitheatralisch der weiteund schöne Heinzenberg des Domleschgerthals; dort im Schamser-thale, wie Nachbildung des Heinzenbergs, ein fruchtbares Hügel-land, bis zu den fernen Gebirgsspitzcn. Freunde, welchen ichdiese Bemerkung mittheilte, bezeugten, daß in verschiedenen an-dern Gelände» Graubündcns ein ähnliches Berhältniß walte.
Im Winter und Sommer sind die nordwestlichen Halden früherangcsonnt, während die gegenübcrstehende Gcbirgswand noch langein ihrem eigenen Schatten liegt. Dort löset der Strahl der Sonnedie feuchten Nebel und Ausdünstungen allmälig, die Wärmesteigt langsam mit den Stunden des Tages. Hier hingegen bil-den Bergschatten und Sonneugluth schnellern Uebergang, Windund Wetter mögen auch auf die verschiedene Richtung der Gebirgs-