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33 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 6 (1854)
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264
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sichten, welche die alltäglichen Erfahrungen des einzelnen Menschenübersteigen.

Die bündnischc Geistlichkeit aber, zufrieden, die einfachen undgeringen geistliche» Bedürfnisse der Landleute zn stillen, fühlteweder gesetzlichen Zwang, noch immer innen, Trieb, die höher»Regionen menschlichen Wissens zu befahren. — Gelehrsamkeit isteine Geliebte, welche de» gemeinen Sterblichen mehr durch reicheMorgengabe, denn durch ihr Selbst reizt. Als Braut vor ihre»Anbetern verschleiert, sind Hoffnung und Urtheil über die Unbe-kannte mancherlei; erst dem enthüllt sie sich, der standhaft um siewarb, bis sie die Seine ward. In den Hirtcnthälern der Bündnerist ihre Mitgift nicht lockend. Weder Glanz hoher Ehrcnstellen,noch Genuß einträglicher Aemtcr find mit ihrer Hand verbunden —es finden sich daher der Werber und Nebenbuhler wenige.

Weder die 'protestantischen, noch katholischen Geistlichen konntensich erklecklicher Pfründen rühmen. Ihrer viele hatten bisher kaumdie jährliche Einnahme von dreihundert Bündner Gulden; die vor-züglichste reichte an sechshundert Gulden. Auch diese Einnahmemußte erst aus dem Ertrag der Pfarrgütcr oft erbeutet werden.Es war daher keine Seltenheit, Landgeistlichc an der Krippe oderhinter dem Pfluge zu sehen. So leben sic noch jetzt in jener Ar-muth und freilich oft sehr unwillkürlichen Verläugnung der Weltund deren eitel» Pracht, welche wir an den ersten Bekenner» desChristcnthnms bewundern. Sie würden aber auch noch jenes Aus-kommen, so dürftig cs immer sein mag, nicht besitzen, wenn Ver-zweiflung sie nicht zu einem außerordentlichen Mittel gezwungenhätte. Die reformirtcn Geistlichen verbanden sich nämlich auf demKapitel zn Steinsberg im Jahre 1790, durch förmlichen Sh-nodalbeschluß, ihre Stellen niederzulegcn, wenn ihr Gehalt nicht

*) Der LoniSd'or macht in Bünden 13>/s Gulden.