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Wir sind Zeitgenossen nnd Augenzeugen vom Untergange desvenedischen Freistaats gewesen. Viele haben die Geschichte dessel-ben beschrieben; am vortrefflichsten unter den Neuern D aru. Uns.aber sollen hier weniger die Begebenheiten, als die Ursachen vonder Größe nnd dem Verfall der Republik beschäftigen.
Schutt und Sand, welchen von den verwitternden Alpen herabSchnee und Regengüsse durch die Flußbetten der Piave, des Musone,der Brenta und des Adigo in eine weite Bucht des adriatischenMeeres zusammenspülen, hat dort seit Jahrtausenden geräumigeSandbänke angehäuft, die nur durch seichte Gewässer oder LagunenVom festen Lande und unter sich getrennt sind. Von diesen Inseln,bei sechszig an der Zähl, ist Rialto die erhöhte«, vermutlich auchdie älteste, in der Mitte aller übrigen. Ohne Zweifel war sie infrühen Zeiten schon von einzelnen Fischern bewohnt oder besucht,die sich, ihres Gewerbes willen, von dem nahen Gestade des römi-schen Venetiens dahin begaben. Wann und wie das benachbarteKüstenland unter Noms Herrschaft gekommen, weiß Niemand; wohl,wie es durch die wilden Einfälle der Westgothen im Anfänge desfünften Jahrhunderts verloren ging. Denn damals retteten un-glückliche Familien, aus Padna und der Gegend, ihr Leben durchFlucht auf die Inseln der Sümpfe, wohin ihnen das Schwert derEroberer nicht folgte. Viele von ihnen, doch gewiß nur die Aer-mern, blieben auch nach hergestellter Ruhe dort, und der PaduanischeSenat schickte jährlich, unter dem Namen der Konsuln, Statthalter,ihr kleines Gemeinwesen in gesetzlicher Ordnung zu verwalten. —Denn noch mehrmals in demselben Jahrhundert boten die arm-seligen Hütten der Lagunen den geängsteten Paduancrn Zuflncht-stättcn, als über die Trümmer der Stadt Ag'uileja Attila's Hunnenin Italien einbrachen, denen bald wieder die verheerenden Völker-schwärme der Herulen, so wie diesen die Ostgothen, diesen wiederdie Langobarden folgten.