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S. Das politische Gleichgewicht, das Christenthum und dasStaatSintercsse.
Zur Zeit des Vcrrnesischeii Kongresses war von jenem poli-tischen Gleichgewicht Enropens, worauf sich ehemals die ,StaatSmeister, Staatsdiener und Staatsrechtslehre,: viel zu gutgcthan haben, kein Schatten mehr vorhanden. Ob die Mensch-heit durch diesen Verlust wirklich verloren, oder gewonnen habe,könnte heutiges Tages allenfalls zur Preisfrage gemacht werden.Soviel wissen wir, daß es den Politikern mit dem europäischenGleichgewicht ergangen ist, wie den Philosophen und Medizinernmit ihren Systemen, die sie aus Liebe zur Wahrheit oder zumBesten der Kranken erfanden. Sie pflegten damit zu enden, daßsie, des Systems wegen, die Wahrheit und den Kranken methodischsterben ließen.
Das Gleichgewicht der Staaten war nie weniger zu finden ge-wesen, als seitdem man es erfunden zu haben glaubte. Dennimmer blieb am Gang der Nhr zu rücken, weil sie nie ging, wiesie sollte. Man berechnete von da an die Staatskräfte nachGeviertmeilen und Einwohnern, als wenn nicht ein einziges weisesGesetz, ein einziger geistvoller Mann am Thron oder an der Spitzedes Heeres jenes Gleichgewicht hätte verschieben können! AnsLiebe zum dauerhaften Friedensstande ward das Schwert stetsgeschliffen und ununterbrochen gekriegt. Polen wurde ein Opferdes politischen Gravitationsgesetzes und aufs völkerrechtswidrigstegetheilt. Diese That übte einen furchtbaren Einfluß auf das Ge-müth der Nationen, und ihre Folgen dauern noch heillos fort inde» Wirren unserer Zeit.
Nach Napoleons Sturz sollte» an die Stelle des Gleichgewichtsdie ewigen Grundsätze der Religion treten, kraft des heiligenBundes, dem die meisten europäischen Monarchen beipflichteten.