thierischer Selbstsucht nur sich, und wird eben so leicht vom Dema-gogen, der ihr Beute verspiegelt, als vom Herr» gegängelt undgehetzt. Ein Volk, dem Willkür des Gebieters zum Gesetz ge-worden ist, greift seinerseits zur Willkür, wenn es leidet, weil esans keine andere Weise sein Recht schützen kann. Ein Volk, welchesalles Eigenthum und alles Recht in Händen weniger Personen zn-sammengcronnen sicht, die neben ihm wie Halbgötter stehen, er-innert sich, wenn cs hungert, bald daran, daß die Halbgötter nurMenschen sind, daß das übrige Volk ebenfalls aus Menschen be-steht, und daß eine Million nicht weniger gelten könne, als einigeDutzende.
Jene verwegenen Einzelnen, welche in Frankreich, Spanien,Portugal und Italien durch das Nebcrgewicht ihrer EinsichtenRevolutionen bewirkt haben — sie würden in Deutschland undEngland vergebens anfstchen, wo ihnen das Urtheil einer großengebildeten Masse entgegcntritt, die sich nicht leichtgläubig einemFreihcitsdeklamator hingibt. Noch vergeblicher, als in England,würden sic in Deutschland das Volk durch Hoffnungen der Beuterufen, weil in Deutschland der Wohlstand über die Gesammtheitder Bewohner ausgedehnter, keineswegs im ausschließlichen Besitzeeinzelner Stände und Familien ist.
Es gab eine Zeit, da war auch in Deutschland allgemeineStaatsnmwälzung leicht, ja sic war nahe, nämlich: als der größereThcil des Landvolks leibeigen, arm, gedrückt, unwissend nnd ver-wildert lebte, — als den Bauern zum erstenmal das Wort vonchristlicher Freiheit, menschlichem Rechte, Gleichheit der Erschaffenenvor Gott, ans dem Munde der kirchlichen Reformatoren ertönte(wie heutzutage den Landlentcn Italiens, Frankreichs, Spaniensdas Wort der politischen Reformatoren). Damals war eine großeStaatsnmwälzung für Deutschland zu fürchten. Der Bauern-krieg brach aus. Er mißlang aber auch damals schon; denn eine