Druckschrift 
Bd. 1 (1824) Freyheit des menschlichen Willens
Entstehung
Seite
325
Einzelbild herunterladen
 

keinem Mißbrauche unterworfen scyn kann. Wenn nununserer Behauptung zufolge alle Güter/ die hoher»/Mittlern und niedersten Ranges/ von Gott kom-men/ folgt nothwendig/ daß auch der gute Gebrauchder freyen Willkühr/ welcher Tugend heißt/ und unterdie Güter des hohen Ranges gehört/ von Gott seinenUrsprung haben werde. Nachher wurde auch behauptet /daß aus dem Elende/ welcheS/ der Gerechtigkeit Gottesdurchaus gemäß/ über die Sünder verhängt wurde / dieGnade Gottes befrcye/ weil der Mensch aus eigenerKraft/ d. i. aus freycr Willkühr/ zwar fallen/ abernicht wieder von seinem Falle anfstehen konnte. Zu die-sem Elend aus.einer gerechten Vcrurtheilung gehört dieUnwissenheit und die Kraftlosigkeit/ welche jeder Menschvom Anfänge seines Lebens als ein Nebel fühlet/ vonwelchem nur Gottes Gnade befreyen kann. Dieses Elendwollen die Pelagianer nicht aus gerechter Derurthcilunghcrgelcitct wissen/ weil sie chic Erbsünde längncn. In-dessen/ wenn auch Unwissenheit und Kraftlosigkeit schonder ursprünglichen Natur des Menschen cigenthümlichseyn würden/ dürfte deßwegen Gott keineswegs beschul-diget/ sondern müßte gleichwohl gepriesen werden/ wiein demselben dritten Buche gezeigt worden ist. DieseUntersuchung muß/ als gegen die Manichäer gerichtet/be-trachtet werden / welche die hl. Schriften des alten Bun-des.- in denen vorzüglich von der Erbsünde die Rebe ist/nicht annehmen. Deßwegen erklären die Manichäer anch