Druckschrift 
Bd. 1 (1824) Freyheit des menschlichen Willens
Entstehung
Seite
236
Einzelbild herunterladen
 

2Z6

Erhaltung desjenigen SeynS/ welches er wünschte/ wäh-rend dem er das Nichtscyn fürchtete/ und in welchem Scyner nicht Stand halten konnte/ so lange Liebe zum bloßvergänglichen Seyn ihn umfangen hatte. Es ist alsokeineswegs zu tadeln / sondern vielmehr gar sehr zu lo-de»/ daß du auch ein unglückliches Daseyn dem gänz-lichen Nichtscyn vorzichest: denn wenn du dein ur-sprüngliches Verlangen nach Seyn von Zeit zu Zeitmehr Seyn gewinnen lassest/ wirst du allmählig cmpor-stcigcn/ und dich cmporhcbcn zum allerhöchsten Scy»/und dadurch vor jeglicher Schlechtigkeit/ durch welchedas niedrigste Scyn sich selbst/ und mit sich die Kräftenseiner Liebhaber zu Grunde richtet/ gesichert bleiben.Daher kommt cS/ daß/ wer das Nichtscyn dem Unglück-lichseyn vorzieht / nothwendig unglücklich seyn muß/ zu-mal er nicht aufhören kann/ zu scyn. Wer dagegen dasSeyn mehr liebt/ als das Unglücklichseyn hasset/ wirdindem Grade den Gegenstand seines Hasses vermindern/in welchem er den Gegenstand seiner Liebe erweitert:denn wo vollkommenes Seyn seiner Art cintritt/ hataufgehört zu seyn jegliches Unglücklichseyn.

VIII.

Ueberlegc auch/ wie ungereimt undunschicklich dieWorte sind: ich will lieber nicht seyn/ als unglücklich seyn!Denn wer sagt: ich will lieber dieses/ als jenes/ wähltetwas aus: das Richtseyn ist aber kein Etwas/ sondern