Druckschrift 
Bd. 1 (1824) Freyheit des menschlichen Willens
Entstehung
Seite
215
Einzelbild herunterladen
 

215

rlug. Also weiß Er schon heute, was Er nach einemJahre erst thun werde? Evod. Er hat dieses allzeitvoranSgcwnßt: daß Er auch itzt dieses voraus wisse,gebe ich zu, in so fern es künftig so scyn wird. Aug.Sage mir doch, ob du nicht auch ein Geschöpf Gottesscyest, oder ob deine Bcscligung nicht in dir Vorgehenwerde? Evod. Ja: ich bin ein Geschöpf Gottes, undin mir wird meine Bcscligung Vorgehen. Aug. Da aberGott Urheber deiner Bcscligung ist, wird diese nichtaus freycm Willen, sondern aus Nothwcndigleit in dirVorgehen? Evod. Du bist vcrmuthlich ungern selig?Der Wille Gottes ist für mich mehr ein Seligwcrdcnsollen, als ein wirkliches'Seligscyn; denn wäreer d a S Letztere, so würde ich nothwcndig selig scyn,da ich Loch gerade itzt selig zu scyn wünsche, ohne cswirklich zu seyn, indem nicht Ich, sondern Gott alleinmich selig machen kann. Aug. Unverkennbar spricht dieWahrheit aus dir; denn unmöglich könnten wir über-zeugt werden, cs liege etwas in unserer Macht, wennwir nicht vollbringen könnten, was wir wollen; darumliegt nichts so nnwidersprechlich gewiß in unserer Macht,als der Willen selbst; denn dieser ist ja von unserem je-desmaligen Wollen schlechthin untrennbar. Deßwcgenkönnen wir auch mit Recht sagen; unser Leben ist nichtfreywillig, sonder» nothwcndig, oder wir sterbennicht frcywillig, sondern nothwcndig; und der-gleichen mehr. Aber welcher Wahnsinnige würde be-