Comnenus zu lieben — denn wie wäre es möglich, daß ichdies bei gesundem Verstund thuu könnte? — so wurde ichdoch immer mehr und mehr davou überzeugt, je mehr ichmeine Tborheiten, Sünden und Verbrechen erkennen lernte,daß Alexius nur das Mittel sei, wodurch mich der gerechteHimmel strafen wollte, und daß ich darum an dem Kaiserkeuie Rache zu nehmen hätte. Und ick, kann dir nun sagen,wenn ich anders nach solchen Wechselfällen meine» Gemüths-zustand kenne, daß ich keinen Drang fühle, um mit Alexiusum die Herrschaft zu buhlen, noch um die Anerbietungen an-zunehmen, die er mir für meine Berzichtleistung macht. Ermag seine Krone ungetanst besitzen, für die er meiner Mei-nung nach nur zu viel bezahlt hat."
„Das ist ein übertriebener Stoicismus, edler Ursel," ant-wortete der Arzt Oouban. „Muß ich also glauben, daß dudie Anerbietungen des Kaisers verwirfst, und daß Lu mitVerachtung seines Willens, ja seiner heißen Wünsche dich nachdeinem finsteren Kerker zurücksehnst, um daselbst die kopfhän-gerischen Betrachtungen fortzusetzen, die dich zu einer so ver-rückten Entschließung gebracht haben?"
„Arzt," sagte Ursel, indem ein Zittern seines Körpersden Abscheu verrieth, den diese Vorstellung auf ihn machte,„deine eigene Kunst sollte dich gelehrt haben, daß kein schwa-cher Sterblicher, falls er nickst ein Heiliger zu werden bestimmtist, Finsterniß dem Tageslicht, Blindheit dem Gesicht, Trübsalder Gemächlichkeit und Kerkerdunst der freien Goktesluft vor-zieht. Nein! — es mag Tugend sein, so zu handeln, aberdie meinige strebt nickst so hoch. Alles, was ich von dem Kai-ser dafür verlange, daß ich ihm mit dem ganzen Einfluß mei-nes Namens in der gegenwärtigen Gefahr beistehe, ist, daßer mir Aufnahme in eins der angenehmen und wohlausge-