79
Cäsar, und er legt hier zu den Füßen seiner fürstlichen Ge-mahlin die einzigen Vertheidigungsmittel nieder, die ihm nochzu Gebote stehen."
Er warf sein Schwert der Prinzessin zu Füßen, währendIrene mit wahren oder verstellten Thränen ausrief: „Ich habezwar solche Auftritte gelesen, aber nie hätte ich geglaubt, daßmeine Tochter als Hauptperson dabei handeln konnte — hätteich je glauben sollen, daß ihr Geist, den Jedermann als einenPallast der Musen bewunderte, nicht Raum haben sollte fürdie bescheidneren aber liebenswürdigeren weiblichen Tugendender Gnade und Barmherzigkeit, die selbst in dem Busen derniedrigsten Magd ein Plätzchen finden? Haben Fähigkeitenund Gaben deinem Herzen eben so viel Härte gegeben alsGlätte? O, wenn das ist, so entsage jeder Bildung, undbehalte in deinem Busen nur die bescheidenen häuslichen Tu-genden, die das Herz des Weibes am meisten zieren. Einhartherziges Weib ist das größte Ungeheuer, das am meistengegen alle Weiblichkeit verstößt."
„Was wollt Ihr, daß ich thun soll?" sagte Anna; „Ihr,Mutter, solltet es besser wissen als ich. daß sich das Lebenmeines Vaters mit dem dieses verwegenen Verbrechers nichtverträgt. O. ick bin davon überzeugt, daß er noch immer anseine Verschwörung denkt! Er, der ein Weib betrügen konnte,wie er es gethan hat, wird von dem Mord seines Wohltä-ters nicht abstehen."
„Du thust mir Unrecht, Anna,'" sagte Briennius, auf-springend und ihr, ebe fie fichs versah, einen Kuß auf dieLippen trückend. „Bei diesem Kuß. dem letzten, den du vonmir erhältst, schwöre ich dir, daß ich mich, wiewohl ich derThorheiten viele in meinem Leben begangen, doch nie desDerraths an einem Weibe schuldig gemacht habe, das die