getrennt und einem Manne verbunden würde, der sich alsein getreuerer Schwiegersohn zu erweisen wünsche. Auch dachtedie Prinzessin gar nicht mit Bestimmtheit daran, den Warä-ger zu ihrem zweiten Gemahl zu erwählen. Sie schwebte indringender Gefahr, aus welcher sie sich nur durch einen schnel-len Schritt retten konnte, und war dieser einmal gethan, somochte die Prinzessin wohl Gelegenheit finden, sich von Urselund dem Waräger zugleich zu befreien, ohne den Beistandderselben für ihren Vater und sich selbst aufs Spiel zu setzen.Das sicherste Rettungsmittel war jedenfalls, den jungen Krie-ger zu gewinnen, dessen Gesicht und Gestalt von der Artwaren, daß ein solcher Umstand einem schönen Weib nichtunangenehm sein konnte. Eroberungspläne sind dem schönenGeschlecht so natürlich, daß Anna Cvmnena, der dieser Planbeim Anblick des Kriegers erst gekommen war, sich davonschon ganz erfüllt fühlte, als der Waräger, über ihr plötz-liches Erscheinen auf der Achervntreppe höchlichst erstaunt, sichtief verbeugte, nieterkniete und ihr den Arm lieh, um ihraus der fürchterliche» Treppe herauszuhelfen.
„Theuerster Hereward," sagte die Prinzessin mit einerungewöhnlichen Vertraulichkeit, „wie sehr freut es mich, michin dieser Schrcckensnacht in deine» Schutz zu begeben! Ichbin an Orten gewesen, die der Geist der Hölle für die Men-schen eingerichtet zu haben scheint." Die ängstliche Verwir-rung, worin sich die schöne Prinzessin befand, als sie, dergeängstigten Taube vergleichbar, Schutz an der Brust desStarken und Tapferen suchte, muß die zärtliche Anrede ent-schuldigen, womit sie Hereward grüßte; auch würde die Toch-ter des Kaisers, wenn der Krieger aus dem nämlichen Tonhätte antworten wollen, was bei seiner Treuherzigkeit wohlder Fall gewesen sein würde, wenn er seine Bertha nicht