175
„Hereward," sagte Bertha, „du hast den Vogel in deinemBusen gewiß nicht besser bewahrt als ich; in der Heimathund in der Fremde, in Sclaverei und Freiheit, unter Schmer;und Freude, bei Ueberflnß und Mangel gedachte ich des Ge-lübdes, das ich Hereward am Steine Odin's gethau habe."
„Sei still davon," sagte Hereward; „das war eine gott-lose Handlung, aus welcher nichts Gutes kommen konnte."
„War ste wirklich so gottlos?" sagte sie, indem ihr eineThräne in das große blaue Auge trat. — Ach! ich war soglücklich, wen» ich daran dachte, daß mir Hereward durch je-nes feierliche Gelübde verbunden wäre!"
„Höre mich, Bertha," sagte Hereward, ihre Hand fassend;„wir waren damals fast noch Kinder, und wiewohl unser Ge-lübde an sich unschuldig war, so war es insofern sündlich, alswir es vor einem todten Bilde thaten, das eine» ehemaligenblutigen und grausamen Zauberer vorstellte. Doch in demerste» Augenblick, wo sich uns die Gelegenheit Larbietet, unserGelübde vor einem wahrhaft heiligen Altar zu erneuern, wol-len wir für unsere unwissentliche Anerkennung Odin's Bußegeloben, um uns den wahren Gott geneigt zu machen, deruns den Schicksalsstürmcn, die sich wahrscheinlich gegen unserheben werden, entreißen kann."
Indem wir Las Paar seinem reinen, einfachen und er-freulichen Liebesgespräch überlassen, wollen wir dem Leser inder Kürze alles Wisseuswerthe aus der Geschichte beider vonder Eberjagd an bis zu der Zusammenkunft in dein Gartendes Agelastes erzählen.
Während des ungewissen Zustandes, wo Waltheoff, derVater Herewards, und Engelred, der Vater Bcrtha's, alsGeächtete lebten, pflegten sie bisweilen ihre nichtunterworfeneSippschaft in den fruchtbaren Gefilden von Devonshire oder