Druckschrift 
47 : Graf Robert von Paris ; 2 (1846)
Entstehung
Seite
26
Einzelbild herunterladen
 

26

Der Milderung der Tageshitze froh, richteten sie ihreAufmerksamkeit theils auf die verschiednerlei Arten von Bau-werken, theils auf die eigenthümliche Gestaltung der Land-schaft, hie und da auch auf die Manieren der Begegnenden,und zogen langsam ihres Wegs. Die Aufmerksamkeit derGräfin ward besonders gefesselt durch einen Greis von hohemWuchs, welcher eine Pergamentrolle in der Hand hielt undso sehr in dieselbe vertieft zu sein schien, daß er auf das,was um ihn her verging, nicht achtete. Auf seiner Stirnlag tiefes Nachdenken und sein durchdringender Blick warder eines Menschen, welcher die Spreu aus dem Waizenmenschlicher Erörterungen heraussichtet und seine Forschungauf den letzteren beschränkt. Dies war der weife Agelastes.Langsam den Blick von seinem Pergament erhebend, begeg-nete er den Blicken des Grafen und der Gräfin. Er redetesie freundlich an:Meine Kinder" und fragte sie ob sie ihrenWeg verfehlt hätten, ob er sie zurechtweisen oder ihnen sonstetwas zu Gefallen thun könnte.

Vater," antwortete Robert,wir sind Fremdlinge ausfernem Land- Wir stehen in dem Heer, welches auf seinerPilgerschaft hierher gekommen ist, und haben denselben Zweckwie hoffentlich das ganze Heer. Wir wünschen, unsere An-dacht zu verrichten an der Stelle, wo unsere Erlösung be-wirkt worden ist, und mit nnserm guten Schwert Las gelobteLand aus den Banden der Knechtschaft der Ungläubigen zubefreien. Das ist unser hauptsächlichster Beweggrund. Dochmochten Robert von Paris und seine Gemahlin nicht gernihren Fuß in ein Land setzen, welches nicht von ihren Trittenwiderhallte. Sie sind nicht gewohnt, schweigsam über dieErde hinzugehen, und sie möchten ein ewiges Leben vonRuhm selbst um Len Preis des irdischen Daseins erkaufen."