Druckschrift 
47 : Graf Robert von Paris ; 2 (1846)
Entstehung
Seite
24
Einzelbild herunterladen
 

24

So veranlaßt, zu thun, was er insgeheim wünschte, liehGraf Robert Gefühlen ein Ohr, welche ihm zuflüsterten, mitder Abreise nickt zu eilen.

Er stammte von Karl dem Großen ab, und was nochbedeutender war in den Augen des Frauleins, er gehörte zuLen berühmtesten nordfranzöstschen Rittern jener Zeit. Nacheinem zehntägigen Aufenthalt auf Schloß Aspramonte brachRobert als Bräutigam auf mit seiner Braut Brenhilde undanständigem Gefolge zu U. L. F. von den gebrochenen Lan-zen, wo er getraut werden wollte. Zwei Ritter, welche nachder Ortsgewohnheit auf Kampf warteten, waren fast ver-drießlich, als sie erfuhren, daß der nahende Trupp zu einerHochzeit käme. Zu ihrer großen Ueberrafchung aber empfingensie von dem Brautpaar eine Herausforderung oder vielmehrLas Anerbieten, an die Stelle anderer Gegner zu treten,weil die Brautleute es als ein Glück betrachteten, ihren Ehe-stand in einer ihrem bisherigen Lebe» so entsprechenden Weiseanzutreten. Sie siegten wie gewöhnlich, und Niemand hattesich über ihre Gefälligkeit zu beschweren, als die beiden Rittervon denen der Eine beim Rennen eine» Arm brach, der An-dere ein Sblüffelbein verenkte.

Man sah nicht, daß die Heirath Graf Roberts Treibenals irrender Ritter im Geringsten beeinträchtigte. Im Gegen-tkeil, wenn er der Aufforderung, seinen Kriegsrnhm zu be-haupten, folgte, zeichnete sich öfters auch seine Frau in Hel-denlhaten aus und bewies eine nicht geringere Ruhmbegierdeals er. Beide nahmen mit einander das Kreuz, als dieseNarrheit in Europa vorherrschend ward. Damals war Bren-hilde sechsundzwanzig Jahr alt und so schön, wie eine Ama-zone sein kann. Ueber einer Gestalt vom größten weiblichenMaß thronte ein edles Gesicht, welches in manchem Feldzug