Druckschrift 
2 (1859)
Entstehung
Seite
472
Einzelbild herunterladen
 

472

dem andern abreißen lassen und solches nicht einmal für ihre Sacheachten, sondern hinter einer papiernen, leider schon mehr als zu vieldurchlöcherten Wand sicher schlafen, mit einem Worte, sich alleMittel der eigenen Erhaltnng abschueidcn lassen, ja selbst Handdazu anlegen sollen, so möchten die Evangelischen doch nun bedenken,ob man ihnen nicht bei dem Capitulationswesen einen tödtlichmStreich versetzen würde, wenn man es dazu kommen lassen wollte,daß alle künftigen Kaiser bis an der Welt Ende sogar durch einenEid verbunden würden, eine der vornehmsten Stützen dieser Corpo-ration bei erster bequemer Gelegenheit über den Haufen zu Werfer,damit durch deren Ruin das ganze Gebäu fallen müsse." DerBrandenburgische Gesandte erneuerte demnach seinen früher» Antragan die evangelischen' Stände, sich mit dem Könige zur Entfernungdes zehnten Artikels aus der Wahlcapitulation einmüthig zu ver-binden '). Wir ersehen auch aus einem Schreiben des Abts vonFulda an seine Gesandten in Augsburg, daß die evangelischen Ständesich dem Anträge wirklich geneigt erwiesen ^).

Die Streitsache zog sich jedoch noch weit in die Ferne hinausund ihre Lösung ward bald noch verwickelter. Nachdem am 4. De-cember 1715 der Erzbischof von Trier Karl Joseph Herzog vonLothringen das Zeitliche gesegnet, hatte der Deutschmeister, den be-reits die bischöflichen Würden von Worms und Breslau schmückten,am 20. Februar 1716 auch das Glück, zum Erzbischof von Triererwählt zu werden. Als solcher wandte er sich nun an den Kaisermit der Bitte um Belehnung mit den seit uralten Zeiten dem Or-den zukommenden Regalien und Lehen. Dieser ertheilte sie auch,nebst einer Bestätigung aller seiner Besitzungen und Privilegien nichtbloß in Deutschland und Italien, sondern auch in Preußen. InBetreff dieses letztem aber hieß eö hier wieder ausdrücklich: „Wirgebieten allen denjenigen, so nach weiland Albrechten Markgrafen zuBrandenburg, etwann Hochmeister Deutsches Ordens, nachgelassenerSohn Albrecht Friedrich Markgrafen zu Brandenburg und an seinerStatt des Landes zu Preußen sich anmaßen, daß sie sich gedachtenLandes Preußen unverzögentlich entschlagen nnd dasselbe unseremVetter und Kurfürsten als Administrator des Ordens abtreten, und

') Die ausführliche Gegenschrift des Brandenburg. Gesandten bei Fab era. a. O. 178-187.

0 Schreiben des Abts von Fulda, dat. 22. Juli 1714 bei Faber

a. a. O. 187.