Erstes Kapitel.
Der Orden unter dem DeutschmeisterDietrich von Clee.
1525 — 1526.
vLs war der Vorabend des Palmsonntags, der achte Aprildes Jahres 1525, an welchem der Hochmeister des Deutschen Or-dens Markgraf Albrecht von Brandenburg den Ordensmantel ab-warf, sich mit dem eines Herzogs schmückte und das vor drei Jahr-hunderten vom Deutschen Orden eroberte, der Deutschen Bildungzugeführte Land Preußen in ein weltliches Fürstenthum verwandelte:— ein Tag von hochwichtigster Bedeutung, denn an ihm gestaltetensich mit einemmal auch alle Verhältnisse des Ordens in Deutsch-land völlig um. Wie er sich selbst seit diesem Tage ohne das ge-bietende Oberhaupt sah, welches das alte Gesetz vorschrieb, so stan-den in ihm die hochmeisterlichen Balleien ohne ihren gesetzlichenOberherrn, ohne ihren Meister da. Und in dieser verhängnißvollenZeit welches Bild bot der ganze Orden dar, wenn man hinsah aufseine trostlose Verarmung, seine tiefe Verschuldung, aus der eineRettung, eine Befreiung von der schwerdrückenden Last kaum nochmöglich schien, oder wenn man hinblickte auf die vielfache Zerrissen-heit seines innern Verbandes, auf die schon überall sichtbare Auf-lösung altgesetzlicher Ordnung, auf die sittliche Entartung so vielerseiner Glieder höheren und niederen Ranges, bei denen kaum eineSchranke des Gesetzes, eine der altgeheiligten Ordensregeln nocheinige Achtung und Geltung fanden, oder auch wenn man wahr-nahm, wie oft in den Balleien die schweren Versündigungen an
Voigt, d. Deutsche Orden. N. 1