Sechstes Kapitel.
Der Orden unter dem Hoch- und DeutschmeisterMaximilian Erzherzog von Oesterreich.
1589 — 1618 .
>2,8 walteten in ganz Deutschland in Kirche und Staat soverhängnißvolle Verhältnisse ob und es thürmte sich nach allen Rich-tungen hin ein so unheildrohendes Gewitter auf, daß man in denPalästen wie in den Hütten nur mit kummervoller Sorge dem, wasin der Zukunft noch kommen werde, entgegen sehen konnte. Wohinsich der Blick auch wenden mochte, überall in kirchlichen und instaatlichen Dingen Erscheinungen und Verwirrungen, die in ihrerLösung, sobald sie erfolgen werde, unfehlbar einen furchtbaren Sturmherbeiführen mußten. Der noch fortdauernde blutige Kampf umFreiheit und Glauben in den Niederlanden, die unheilvollen Um-triebe der Jesuiten in den Oesterreichischen Erblanden, wo sich einFürst des kaiserlichen Hauses selbst sogar „Sohn der Jesuiten"nannte und keine bestehenden Verträge mehr Geltung fanden, dieheftigen Streithändel um die Bischofsstühle in Köln und Straßburgzwischen Katholiken und Protestanten, die religiösen Wirren zwischender Calvinisten-Partei und der strenglutherischen am kursächsischenHofe, selbst der bekannte Kalenderstreit, der nur in einer solchenZeit gewissermaßen auch Sache des kirchlichen Gewissens werdenkonnte: alle diese und ähnliche Erscheinungen hatten in ganz Deutsch-land einen Druck und eine Beängstigung der Gemüther erzeugt,die selbst den Gleichgültigsten in Dingen des kirchlichen und bürger-lichen Lebens nicht ganz unberührt ließ.