Der Orden unter dem Hoch- und Deutschmeister-Franz Ludwig Herzog von Pfalz-Neuburg.
1694 — 1732 .
sobald des verstorbenen Meisters Hinscheiden gemeldet war,eilten sofort die beiden angeordneten Directoren des Deutschen undPreußischen Gebiets nach Mergentheim, theils um während derErledigung des Meisteramtes, wie es das Gesetz vorschrieb, dieVerwaltung zu führen, theils um von dort zur neuen Meister-Wahlein General-Kapitel zusammenzuberufen. Als die wichtigsten Ordens-gebietiger Anfangs Juli sich in genügender Anzahl eingefunden, wardzuvor die Leichenfeier für den verstorbenen Meister in gebräuchlicherWeise abgehalten, wozu auch des Hingeschiedenen Bruder, der Pfalz-graf Franz Ludwig, damals schon Bischof von Breslau, eingeladenund erschienen war.
Einige Tage darauf versammelten sich die Kapitulare zur Be-rathung über die neue Meister-Wahl. Es drängte sich zunächst dieFrage auf: ob es unter den obwaltenden Umständen und Verhält-nissen des Ordens rathsam oder auch wohl möglich sei, den neuenMeister aus der Zahl der Ordensgebietiger selbst zu wählen? Mansprach mit Gründen für und gegen die bisherige Ordnung. Manfaßte sie endlich schriftlich zusammen und der Beschluß des Kapitelsfiel dahin aus: eine andere Zeit fordere und gebiete eine andereOrdnung; unter den jetzigen Zeitumständen sei es nicht mehr mög-lich, aus dem Hochmeisterthum die geziemende Subsistenz des künf-tigen Regenten zu erschwingen; man müsse jetzt aus Noth das