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Nun hatte seine Mutter, die schon erwähnte Herzogin DorotheaMaria von Weimar bereits früher mehrmals und dann noch kurzvor ihrem Hinscheiden (1617) sich an den Deutschmeister mit derBitte gewandt: man möge die Administration der Ballei Thüringen,wenn ihr ältester Sohn Johann Ernst ans dieselbe Verzicht leistenwerde, ihrem jüngsten Sohn Bernhard überweisen und ihm darübervorläufig eine sichere Anwartschaft ertheilen '). Der Deutschmeisterlegte jetzt dieses Gesuch der Fürstin dem Kapitel zur Berathungvor. Man wünschte zwar, die Ballei möge wieder wie in alter Zeitmit einer geeigneten Ordensperson besetzt und zu besserer^ Wohl-stand gebracht werden; man fand im Verhalten des jetzigen „In-habers" *), der die ihm gestellten Bedingungen nicht erfüllt, auchwohl Gründe genug, die Bitte der Herzogin zurückzuweisen. Wegender vielen dringenden Fürsprachen aber stellte man dem Meister an-heim, die vollständige Vollziehung der früheren Verträge und Re-verse jetzt entschieden zu verlangen, damit zur Aufrechthaltnng desRechts und der „uralten Autorität" des Ordens wenigstens eineoder zwei Personen von Adel neben dem Statthalter in der Balleiausgenommen und unterhalten oder mindestens doch das jährlicheRespons-Geld um etwas erhöht werde ^).
Aber nicht bloß Thüringen, auch die Balleien Utrecht und Biesenerweckten jetzt mehr als je vielfache Besorgnisse. Es ward demKapitel angezeigt, daß die General-Staaten der Niederlande, wiesie sich bereits gegen ihre natürliche Obrigkeit empört, den einge-sessenen geistlichen Ständen ihre Güter geraubt und vor wenigenJahren erst den Johanniter-Orden aus seinen dortigen Besitzungenvertrieben und diese eingezogen, so nun auch die Deutschen Ordens-häuser in der Ballei Utrecht durch Zwang und Drohung schon da-hin gebracht hätten, daß sich die Ordenspersonen keiner Abhängig-keit vom Deutschmeister als ihrem Oberhaupt oder vom Orden,oder auch nur einer Correspondenz, einer Bestätigung oder irgendeines Befehls nicht im mindesten mehr vermerken lassen, viel we-niger noch dem Deutschmeister und dem Orden irgend welche Bei-
') Kapitel-Verhaudl. zu Frankfurt im Fol. 396 im R.-Archiv zu Stuttg.
0 Man nannte ihn im Kapitel nicht Landkomthur.
h Es war die von dem frühern Statthalter Bernhard von Anhalt ver-sprochene Summe von 100 Thalern, die er jährlich dem Kapitel in m'Mum rs-voAuitlonis zu zahlen hatte.
1 Kapitel-Verhandl. im Fol. 399.