Druckschrift 
2 (1859)
Entstehung
Seite
294
Einzelbild herunterladen
 

294

drückenden Lasten, Contributionen, Durchzügen u. s. w. sei an dieNiederlegnng eines besondern Geldvorraths gar nicht zn denken.Endlich indeß, um für die Sache doch etwas zu thun, wurde be-schlossen: jedes Groß-Amt solle außer seinem gewöhnlichen Kammer-zins und seiner Competenz jährlich noch 50 Thaler, die halben undkleineren Aemter aber nur etwa die Hälfte zu einer Ballei-Kassebeisteuern. Einige Häuser, wie Beckenfort, S. Petersfuren, mußtenwegen zn großer Verarmung davon ganz frei gesprochen werden ').

Während aber der Zudrang zur Aufnahme in den Orden undzwar^ meistens von solchen, die als Ritterbrüder ausgenommen zuwerden wünschten, wie sich auch in dem eben erwähnten Kapitelzeigte °), in manchen Balleien immer noch sehr bedeutend war, dieKlagen der Landkomthure dagegen über den Mangel an geeignetenund ausgebildeten Priesterbrüdern sich fort und fort wiederholten,so gründete der Meister zu dessen Abhülfe mit Unterstützung derBallei Franken ein Bildungsinstitut für Ordenspriester, das Semi-nar zu Mergentheim, versorgte es mit den nöthigen Unterhaltungs-mitteln und ließ aus dem Elsaß und aus Oesterreich mehre nam-hafte Geistliche und tüchtige Kanzelredner herbeikommen, was ihmum so nothwendiger schien, da die Lutherische Lehre nicht nur inder Umgegend von Mergentheim, sondern in ganz Franken immermehr Eingang und weitere Verbreitung fand" ^).

Während der länger» Abwesenheit des Meisters von Mergent-heim gingen seitdem mehre Jahre vorüber, in denen nichts geschah,was irgendwie bedeutsam in die Verhältnisse des Ordens hätte ein-wirken können 4). Auch auf dem Reichstage zu Regensburg im

0 Kapitel-Verhandl. zu Weu-Biesen vom 19. November 1006 im Ordens-Archiv zu Sachsenhauseu.

-) Es hatten sich bei dem Landkomthur von Biesen in kurzer Zeit nichtweniger als 10 Adelige »um Ordensritter-Plätze" beworben. Da aber bereitszehn früher Angcmeldete Zusagen erhalten hatten, darunter ein Sohn Wilhelmsvon Metternich zn Müllenark und ein Metternich von Bntschart, so wurde denNengemeldeten die Aufnahme nicht bewilligt.

') Venator 476. 479. Oe IVal VIII. 526. 527. Im Z. 1618 finde»wir als ersten Direktor des Seminars zu Mergentheim Heinrich Löcn im Ge-neral-Kapitel anwesend.

") Zn einem Erlaß des Dentschmcisters an den Landkomthur voll Biesen,dat. Mergentheim 23. Mai 1608, worin er die nachgesuchte Einräumung einesder Balle! gehörigen Klosters zn Aachen an die Kapuziner erlaubt, spricht ervon seiner eben erfolgten Rückkunft in Mergentheim. 1a--8sr IV. 112.