Druckschrift 
2 (1859)
Entstehung
Seite
288
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Nun tauchten aber auch wieder die alten Streithändel mitHessen auf. Da Landgraf Ludwig IV im October 1604 kinderlosgestorben war, so hatte bei der Landestheilung die Hälfte der Mar-burgischen Erbschaft der Landgraf Moritz von Hessen-Cassel über-kommen und es erging alsbald an den damaligen Landkomthur derBallei Wilhelm von Ohnhausen die Aufforderung, er solle in Be-treff der Erbhuldigung dem neuen Landesherrn die gewöhnliche Hand-pflicht leisten. Er verweigerte sie, theils auf Grund des KarlstadterVertrags, worin von solcher Erbhuldigung eines Landkomthurs mitkeinem Worte die Rede sei, theils auch weil er ohne ausdrücklicheGenehmigung des Deutschmeisters in eine solche Verpflichtung, dieleicht als'Landsässerei ausgedeutet werden könne, sich einzulassennicht befugt sei. Und da der Landkomthur trotz allen wiederholtenMahnungen und Vorstellungen bei seiner Weigerung standhaft be-harrte, so zog sich der Streit, in so milder Sprache er auch beiderSeits geführt wurde, durch das ganze Jahr 1605 hindurch. Manwollte ihn zwar endlich dadurch zur Nachgiebigkeit zwingen, daß manihm den vertragsmäßigen Zollbefreiungs-Brief für den dem Hausezu Marburg zu liefernden Wein und das demselben zukommendeWildbret vorenthielt. Allein auch dieses Zwangsmittel hatte keinenErfolg und noch im I. 1607 hielt man an der Verweigerung derHandpflicht fest'). Eben so wenig wollte sich der Landkomthurdazu verstehen, eine auch von ihm verlangte, wie von der übrigenRitterschaft bereits bewilligte Beisteuer zum Bau eines vom Land-grafen beabsichtigten Gymnasiums zu Gießen zu leisten, so dringendihm auch dieser eine ohnedieß für die Ballei nur mäßige Beihülfevorstellte *).

Den Deutschmeister Maximilian beschäftigte jedoch damals einefür den ganzen Orden noch ungleich wichtigere Sache. Er hattebei dem scharfen Blick, mit dem er alle bedeutenden Vorgänge imOrden beachtete, längst vielfach in Erfahrung gebracht, daß dieneuen Lebensverhältnisse, wie sie der gewaltige Umschwung der Zeit-richtungen im letzten Jahrhundert herbeigeführt, den Orden in eine

') Die ausführlichen Verhandlungen über den Huldigungsstreit im Histor.-diplomat. Unterricht Mo. 193—198.

0 Die Schreiben des Landkomthurs und des Landgrafen vom 17. und26. März 1606 im Histor.-diplomat. Unterricht Mo. 246. 247. Wir ersehenaus dem letzter», daß Wilhelm von Ovnhausen der Augsburger Confession zu-gethan war.