Mittlerweile ward der Deutschmeister in einen noch weit hefti-geren Streit mit dem Rath zu Nürnberg verwickelt. In Folgeeiner Personen-Veränderung im Ordenshause zu Ellingen nämlichwar ein Ordenspriester, den man auch als Treßler bezeichnte, indas Ordenshospital zu Nürnberg versetzt worden und hatte in derdortigen Elisabeth-Kapelle mehrmals Messe gelesen. Als dich inder Stadt bekannt geworden, hatten sich dort viele Italiener, diesich in Handelsgeschäften in Nürnberg aufhielten, und zahlreicheHaufen gemeines Volks eingefunden, um dem katholischen Gottes-dienst beizuwohnen. Die Sache erregte bald großes Aufsehen. Eswurden daher zwei Rathsherren an den Hanskomthur abgeordnet,mit der Aufforderung, den in der Stadt längst abgethanen katho-lischen Gottesdienst auch in der Elisabethen-Kirche einstellen zu lassen,weil sein Fortbestand dem Passauer Vertrag zuwider sei und manihn seit 60 bis 70 Jahren in der Stadt nicht mehr geduldet habe.
Da indeß dreimal wiederholte Warnungen und Verbote des Rathsnichts fruchteten, so erschien am 27. April ein Haufe von 30 Be- ^waffneten vor dem Ordenshause, erzwangen sich den Eingang undverlangten von dein Ordenspriester das eidliche Versprechen, wäh-rend seines Aufenthalts in Nürnberg keine Miesse wieder lesen zuwollen. Da es der Priester verweigerte, that der anwesende Profoßdie ihm befohlene Pflicht und führte ihn gefangen hinweg ins Rath-haus. Der Deutschmeister, von Allem sofort benachrichtigt, warüber den Vorgang höchst entrüstet. Er sehe keine Ursache, schrieber dem Rath von Nürnberg, warum sich dieser einen so gewaltsamenEinbruch ins Ordenshaus und die Festsetzung einer unschuldigenOrdensperson habe erlauben dürfen. Mit der Ordens-Spitalkirche !habe der Rath gar nichts zu schassen; durch den darin gehaltenenGottesdienst werde der Religion und den Kirchen der Stadt nichtsentzogen. Ehe er sich über das Vorgefallene beim Kaiser beschwere,fordere er den Rath auf, den Ordensbruder augenblicklich frei zulassen und sich hinfüro solcher Gewaltthaten zu enthalten ').
Der Rath antwortete: Er habe gehandelt, wie er von Amtswegen habe handeln müssen, um einem Aufstand in der Stadt vor-zubeugen. Schon vor Ostern sei ihm gemeldet worden, daß seiteiniger Zeit zwei Bambergische Mönche sich in das Deutsche Haus
') Schreiben des Deutschmeisters an dm Rath zu Nürnberg, dat. Mer-gentheim 29. April 1601. ^ota in Sachen des Ordens gegen Nürnberg 67.