Druckschrift 
Vom römischen Kaisertum deutscher Nation : ein mittelalterliches Drama ; nebst Untersuchungen über die byzantinischen Quellen der deutschen Kaisersage
Entstehung
Seite
161
Einzelbild herunterladen
 

i6i

Es ift nicht nötig, noch anderweite übereinftimmende Einzelzüge,namentlich auch in der Schilderung des Antichriften u. dergl. aufzuweifen.Stünde das Alles bei Adfo ohne Citat, fo liefse fich freilich die Sacheumdrehen und die letztliche Redaction durch Gotfr. v. Viterbo, denUfinger fogar zum Verfaffer macht, nur durch den Quellennachweisaus Adfo bereichern. Aber wie fchon die nähere Einfichtname der Pa-rallelftellen Adfo als neuen, leife ändernden Corrector deutlich erkennenläfst, fo läfst die ausdrückliche CitationSicut in sibyll. w. keinenZweifel aufkommen. Alle bisherigen Data find mindeftens um ein Jahr-hundert zu fpät gegriffen, und an fich fo wertlofe Mittelglieder wie dasDuplicat des Albwinus gewinnen nun die Bedeutung von Gliedern einerfeftgefchloffenen Traditionskette, die direct bis zu unfrem Drama fichfortfetzt. Dafs B, wie es in Bedas WW. und bei Gotfr. v. Viterbovorliegt, fpätere Zufätze enthält, ift zweifellos. Ebenfo gewifs ift A abernur ein Bruchftück und weift sonft überwiegend wörtliche Gleiche mit B.auf. Wenn A in der claffifchen Schlufsftelle (f. u.) mit Methodiuswörtlicher übereinkommt, fo vermittelt grade diefes feinerfeits gewifs dieOriginalform für die abendländifche Sibyllentradition; aber auch B bieteteine Reihe direct aus Methodius entlehnter und hoch charakteriftifcherStellen, wie unten nachzuweifen ift. Alexandre in feinen Exkurfena. a. O. 289 ff. weift noch weitere Fundorte der Bedafchen Sibylle nachUnfer A fcheint er nicht zu kennen; dagegen handelt er ausfürlich voneiner dritten mittelalterlichen Sibylle, die fehr feiten gedruckt ift (vgl.unten; Telesphorus) und für unfre Frage infofern fpecielles Intereffe hat,als fich an diefem entfchieden fpäteren Erzeugnis auch ein ganz andererCharakter erkennen läfst. Vgl. auch die Sibylle bei Mone u. A., die wirübergehen. Von der Benutzung der Bedafchen Sibylle bei demFranzofen Adfo aber weifs auch der franzöfifche Gelehrte nichts.

69) (S. 44.) Von Methodius unten mehr. Die unter feinem Namencurfierende Weiffagungsfchrift war in zahllofen lateinifchen Paraphrafenim Abendlande verbreitet, die unter fich fehr differiert haben müffen.Der einzige jämmerlich befchaffene griechifche Text, den wir befitzen,ift in den fogen. Monumenta s. Patrum orthodoxographa. Basil. 1569.fol. 93 ff. enthalten, mit nachfolgender lateinifcher Verfion refp. Para-phrafe. Da in der betreffenden Stelle der griechifche Text wörtlichlateinifch wiedergegeben ift, benutzen wir, der Erleichterung wegen, diefenfür den Parallelnachweis:

1