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der Ruodlib nicht echt national trotz des lateinifchen Ge-wandes? Die Dramen der Gandersheimer Nonne Hroswithgehören allerdings mehr in eine Literärgefchichte mediae etinfimae latinitatis, als dafs diefe Kunflproducte reiner Tendenzund dürftiger Copie des Terenz deutfche Art zeigten. Hierentfcheidet fchlechthin der Geift und Gedankenfloff derPoefie.Lateinifch war einmal das Zeitgewand, fo lange ausfchliefs-lich der Klerus die Dichter ftellte; und für das geifllicheDrama vertrat die lateinifche Kirchenfprache viel mehr nochein Anfangs undurchbrechbares Gefetz. Aber wenn deshalbfür fich einer originalen Schöpfung der nationale Geifl nochnicht abgefprochen werden darf, fo bewärt andererfeits auchder Form nach unfer Drama, dafs es feine Wurzeln zugleichin nationalen Gedichten hat. Zwar fehlt nicht die Rerni-niscenz an den kirchlichen Hymnus und Pfalmengefang inunfrer Dichtung. Vielmehr bewiirt der in diefer Hinfichtbeobachtete Wechfel die gleiche Feinheit in der Formwal,wie fie die Gefammtanlage des Dramas und der Gedanken-ausdruck im Einzelnen zeigt. Die Synagoge und die Kirchefchlagen, wenn fie auftreten, einen ganz anderen Ton an,als das Heidentum. Unverkennbar ift es der Pfalm undder kirchliche Hymnus, der hier die Vorlage bildet; beidem Schlufsverfe der Kirche, mit dem das Drama endet,wie oben nachgewiefen 13ti ) fpeciell geweiht durch biblifcheund mittelalterlich beliebte Reminiscenz. Im Allgemeinenaber herrfcht die nicht minder der deutfchen als der latei-nifchen Epik jener Zeit entflammte Langzeile mit 4 bis 6Plebungen, die der gravitas der Gefammtanlage trefflich ent-fpricht. Wir find weit entfernt, die Verskunft unfres Ver-faffers, die Harke Mängel fülen läfst, zu idealifieren. Gegendie Hexameter des Waltarilides und des Ruodlib flicht dieLeiftung unfres Dichters empfindlich ab. Aber wenn mandaneben die poetifchen Leiftungen eines Gotfrid v. Viterboin die Wagfchale legt, der je zwei Hexametern einen Penta-