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Prag.
Ich bin seit K Uhr Morgens in dieser alterthümlichen Haupt-stadt Böhmens. Ich trinke meinen Kaffee zur Pfeife Tabak undplaudere mit Dir, meine Liebe, nm noch heute den Brief an Dichabzusende». Der heil. Nepomuk auf der Moldaubrücke, ich kannihm nicht Helsen, muß sich bis dahin gedulden, ehe ich ihm meineReverenz machen kann.
Letzte» Montag reiste ich von Marienbad ab. Der preußischeGcnerallicntenant v. R., seine Tochter Catinka und seine Nichtebegleiteten mich zur Post. Dort nahmen wir bewegt von einanderAbschied. Cs gibt ans Gottes Erdboden Menschen, die sich wiedurch eine Art Freimaurerei gleich beim ersten Zusammentreffendurch und durch kennen und verstehe», und wären sie einanderauch noch so fremd gewesen. Es ist ein Begegnen gleichgestimmterGeister, eine Wahlverwandtschaft der Herzen, die über Kon-venienz und irdische Interessen weit hinausgeht. Die Augenblickesolchen Bcgegnenö gehören zu den Lichtpunkten unsers EintagS-lcbcns auf diesem Erdstern. Jene Trefflichen, die ich am Posthansezu Maricnbad vielleicht znm letzten Male im Leben sah, werdenmir immer theucr bleiben. Die Trennung von ein paar hundertStunde» ist nur eine Trennung der Körper; in der Freundschaftder Seelen fühlt man sich einander immer »ah.
Unterwegs ans der ersten Station erbat sich ein Hr. Z., meinGefährte im Etlwagcn, die Erlaubniß, mich silhouctttren zu dürfe».Er schnitt mich ans schwarzem Papier gleich in üuplo, schenktemir ein Eremplar zum Andenken, und ich mußt' ihm dafür meineNamenSuntcrschrift gebe». — In Karlsbad ließ ich mich sogleich»ach Prag cinschreibcn und aß in meinem alten Logis, ohne Je-mand zu besuchen. Ich wollte incognlio bleiben. Allein, alsich zur Post znrückkehrtc, standen schon wieder Leute da. Herrennnd Dame», die mich nm ein paar Zeilen ans Denkblättchen baten.Ich war froh, als ich mich dem zudringlichen Wesen entreißen