Druckschrift 
14 (1853)
Entstehung
Seite
381
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Lehre Jesu in ihrer ursprünglichen Reinheit steht im hellsten Ein-klang mit dem Gottesgcsctz der Vernunft und Natur, des Gcister-reichs und des Weltalls. Nur so kann sie Weltreligion werden.Sie wird es werden. Den» Mcnschenwort vergeht; Gottes Wortbleibt ewiglich.

Freilich rühmen sich die Bekenner fast aller Religionen, Glan-bcnsparteien und Kirchenschaftcn im Besitz des ausschließlich ächtenWortes Gottes zu sein. Der Katholik nennt seinen Glauben denalleinseligmachenden"; der Protestant sieht ihn dafür im argenJrrthum begriffen; der Lichtfrcnnd rühmt sich nicht minder imBesitze der Wahrheit zu sein, während der Altgläubige das rächendeFeuer des Himmels ans Jenes Haupt herab wünscht. Man möchteam Ende irre werden an Allem, zumal wenn man de» unchrist-lichcn Eifer wahrnimmt, womit Mancher sein Christenthnm ver-thcidigend gegen den Andern loszieht. Widerstreit der Meinun-gen, der Kampf, da die Geister ans einander platzen, wie Luther

sagt, muß sein; erst ans dem Kampfe ersteht die siegende Wahr-heit. Aber in einem Zeitalter, das sich das erleuchtete nennt,

unter einer Nation, die sich zn den civilisirtestcn des Erdkreises

zählt, sollte dieser Kampf in kein gegenseitiges Verketzern undVerdammen ausartcn. Wenn sich Handwerksbursche in dem Wirths-hanse am Ende im Streite über eine Schöne die Flaschen an denKöpfen zerschlagen, geht man vorüber und zuckt die Achsel. Wennaber Professoren und Pastoren, wenn Priester der Religion Jesuin Zeitschriften und vielleicht auch auf Kanzeln und Kathedernin so überschwängliche» Eifer gerathcn, um zn beweisen, sie seiendie ächten Christen, sollte man sie billig an das Wort Jesus er-innern: Daran werde ich erkennen, ob ihr meine Jünger seid, soihr Liebe unter einander habet.