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Sprüchwort geworden war, aber vor allen damals Lebenden wenig-stens den Vorzug besaß, schon Glauben oder Ucberzcuguug von Ein-heit eines höchsten Wesens zn haben. Er lebte und lehrte, wie cSnicht anders möglich war, den Nationalvorurtheilcn, Sitten, bildli-chen Redensarten und Rcligionsübnngen der Israeliten angemessen.Er mußte Wohl mit Kindern ans kindliche Weise reden; wie war' er-tönst verstanden worden. So thaten nach ihm auch die Apostel undEvangelisten. Aber sie bildeten sich wohl schwerlich ein, daß manihre kurzen Umrisse von den Lebensschicksalen Jesu, oder ihre Privat-briefe und Sendschreiben an einzelne Gemeinden nach einigen tau-send Jahren, wie Heiligthümcr, behandeln werde, worin jedesWort eine unverletzliche Wahrheit enthalte. Aber in allzufromm-glänbiger Ehrfurcht hielten die Christen späterer Jahrhunderte,oder vielmehr deren Lehrer, nicht nur am wesentlichen Inhalt jenerklcincn Schriften treulich, sondern auch an jedem Wort und Buch-staben derselben fest. Man hielt fest, obschon man bestimmt wußte,daß durch Abschriften und Einschaltungen der ursprüngliche Tertungleich geworden war und der eigentliche Sinn mancher Aus-drücke sich in der großen Zwischenzeit oft geändert, zum Theil ver-loren hatte.
Auf solche Weise ward ein Christcnthum verbreitet, welchesmit veraltetem Jndenthum, zum Theil mit Zusätzen volksthüm-lichcn Heidenthnms durchsiochtcn war. Es wird noch jetzt gepre-digt. Wer Widerspruch wagt, Zweifel erregt, wird nicht seltenals Ungläubiger verketzert, als Unruhestifter von Staat und Kirchemit Strafen verfolgt. Die Religion, welche Jesus lehrte, dasSenfkorn, wie er sie so schön nannte, war in ihrer urheitlichenReinheit bestimmt, Weltreligion, Kleinod aller vernünftigen Wesenzn werden. Aber nach achtzehn Jahrhunderten ist sie kaum nochvon drittchalbhundcrt Millionen Sterblicher angenommen, wäh-rend deren bei tausend Millionen heut auf Erden wohnen. Die